Dienstag, 27. September 2022

Wo die europäische Reise hingeht.

Das Vereinigte Königreich ist bereits im rechtspopulistischen Strudel abhandengekommen. Die Briten wollten keine Ausländer mehr im Land haben, die sich durch die Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU in Wales, Schottland, Nordirland und England aufhalten konnten. Und zahlen wollten sie erst Recht nichts mehr nach Brüssel. Wie alle unseriösen Nazi-affinen Parteien versprachen die Tories einen Boom der britischen Wirtschaft, wenn man national, statt international regiere.

Der Urnenpöbel war begeistert, wählte eben diese Tories mehrfach mit absoluter Mehrheit. Cameron, May, Johnson, Truss lieferten: Brexit, raus aus der EU, Grenzen zu, Ausländer raus.

Und es kam genauso, wie es jeder seriöse Beobachter erwartete: Massenverarmung, leere Regale, Rezession, frierende Bürger, Absturz der Währung und nun muss die konservative Regierung betteln, die Ausländer mögen doch bitte schnell zurückkommen.

  […] Großbritannien verabschiedet sich von zentralem Brexit-Versprechen […] Wie mehrere britische Medien übereinstimmend berichten, plant ihre Regierung, die Einwanderungsregeln zu lockern und so die Wirtschaft anzukurbeln. Wie der »Guardian« und die »Sun« berichten, soll zudem die Obergrenze von 40.000 Visa fallen und die maximale Aufenthaltsdauer von einem halben Jahr aufgehoben werden. Das solle unter anderem der Landwirtschaft helfen, aber auch den vom EU-Austritt gestressten Sektoren Gesundheit und Logistik. […] Nahrungsmittel verrotteten auf den Feldern, etliche Schweine mussten gekeult werden. Viele Hotels und Restaurants reduzierten Angebote und Öffnungszeiten. Vor allem in diesen Bereichen waren sehr viele EU-Bürger beschäftigt. […]

(SPON, 25.09.2022)

Nun existiert die EU also ohne das Vereinigte Königreich. Von den verbliebenen Mitgliedern werden bereits Ungarn und Polen von antieuropäischen Rechtsextremen regiert. Es folgen nun Schweden und Italien.

Fast 200 Milliarden Euro Finanzhilfen aus Brüssel bekommt das semi-marode und Covid-geplagte Italien von der EU.

[….] Der italienische Aufbau- und Resilienzplan umfasst ein breites Spektrum von Investitions- und Reformmaßnahmen in sechs thematischen Bereichen (bzw. „Missionen“). Er sieht ein Finanzierungsvorlumen von 191,6 Mrd. EUR vor, davon Zuschüsse in Höhe von 69 Mrd. EUR und Darlehen in Höhe von 122,6 Mrd. EUR. 13 % davon (9 Mrd. EUR an Zuschüssen und 15,9 Mrd. EUR an Darlehen) wurden am 13. August 2021 als Vorfinanzierung ausgezahlt. Darüber hinaus erfolgte am 13. April 2022 eine erste Zahlung in Höhe von 21 Mrd. EUR an Italien. Die Zahlungen aus der Aufbau- und Resilienzfazilität sind leistungsbezogen und werden nur dann freigegeben, wenn die Mitgliedstaaten die im jeweiligen Aufbau- und Resilienzplan vorgesehenen Investitionen und Reformen tatsächlich durchführen. […]

(Europäische Kommission)

Die Italienischen Wähler sind allerdings offensichtlich genauso verblödet wie die Polnischen, Ungarischen und Britischen. Sie lassen sich von Faschisten einreden, man wäre ohne Brüssel besser dran und sollte auf Berlusconis Busenfreund Wladimir Putin setzen.

Damit werden die Italiener selbstverständlich genauso böse auf die Nase fallen, wie Liz Truss, aber Nazi-Parteien und rechtspopulistisch tönende Konservative poltern diesen Unsinn heraus, weil er an der Urnen so erfolgreich ist. Die faschistische Schreihälsin Meloni setzte sich mit tätiger Hilfe der CDUCSU durch.

[…]  Auf einer Veranstaltung der rechtsextremen spanischen Partei Vox erklärte die Fratelli-Chefin: »Vermittlung ist nicht möglich – man sagt ja oder nein. Ich sage: Ja zur natürlichen Familie; Nein zur LGBT-Lobby; Ja zur sexuellen Identität; Nein zur Gender-Ideologie; Ja zum Leben; Nein zur Kultur des Todes; Ja zu den christlichen Werten; Nein zur islamistischen Gewalt; Ja zur Souveränität des Volkes; Nein zu den Brüsseler Bürokraten; Ja zu sicheren Grenzen; Nein zur Masseneinwanderung. Hoch lebe Spanien, hoch lebe Italien, hoch lebe das Europa der Patrioten!«  Fast auf jeder ihrer Veranstaltungen gibt sie sich als bekennende Mutter und Katholikin, als Abtreibungsgegnerin, als Gegnerin einer grünen Umweltpolitik und Leugnerin des Klimawandels. Als in der vergangenen Woche ein verheerendes Unwetter die von der FdI regierte Region Marche überspülte und mindestens elf Menschenleben forderte, ließ sich der Regionalgouverneur und Parteikollege Francesco Acquaroli auf einem Wahlkampfbankett feiern.  Gott, Familie, Vaterland – der Wahlspruch galt bereits zu Zeiten Benito Mussolinis. Dessen hartgesottene Verehrer, Spitzenpolitiker der Partei, pilgern heute noch zur Grabstätte des »Duce« in Predappio, sie verzichten auf Protest, wenn auf Parteiveranstaltungen der »römische Gruß« – vergleichbar mit dem Hitlergruß – gezeigt wird. Und sie freuen sich schon im Vorfeld darauf, dass im Oktober, zum einhundersten Jahrestag von Mussolinis Marsch auf Rom wieder eine extrem rechte Regierung in Rom amtieren könnte. [….]

(Wolf Wagner, 23.09.2022)

Diese Mischung aus blankem Hass und Lügen kommt gut an beim Urnenpöbel und daher tönen auch CDU und CSU ungeniert rechtsextrem, arbeiten mit der AfD zusammen und machen immer wieder völkische Anspielungen.


Besonders unanständig agiert dabei der CDU- Partei- und Fraktionschef Merz, der allerdings schon immer so tickte. Er stimmte gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe, faselt von deutscher Leitkultur, lehnte stets die Gleichberechtigung Homosexueller ab, ließ noch im Frühjahr 2022 Außenministerin Baerbock im Bundestag wissen, wie sehr er ihre Politik, die „Vergewaltigung als Kriegswaffe“ ernstnimmt, ablehnt. Er verglich noch 2021 Homosexualität mit Pädosexualität. Für die finanziell Schwachen dieser Gesellschaft empfindet er nur Verachtung. Er poltert gegen nicht existente Tabus und echauffiert sich über Gendersternchen. Xenophobe Lügen verbreitet er auf mustergültige Rechtspopulisten-Manier. Erst mal raushauen und wenn die Nazi-Adressaten verstanden haben, rudert er ein kleines bißchen in der Wortwahl zurück, ohne die eigentliche Aussage zu klassieren. Ganz wir Trump und Gauland. Merz ist selbst für Unions-Verhältnisse ein besonders abscheulicher Charakter.

[….]  Am Blackrock-Konferenztisch mit millionenschweren CEO-Highperformern redet sich’s halt ungezwungener als am Pult im Bundestag, in Talkshows oder auf Parteitagen. Jedenfalls schimmert gerade wieder der etwas großspurige Blackrock-Merz durch, statt des staatsmännischen Profipolitikers.  Dass Merz in Umfragen inzwischen vor Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen liegt, scheint ihn zu beflügeln. Im Interview mit Bild-TV sieht er sich bereits als Reservekanzler: »Die Opposition von heute ist Regierung von morgen. Wenn es nötig wäre, wären wir selbstverständlich in der Lage zu übernehmen.« Im gleichen Interview äußerte sich der CDU-Chef auch zur aktuellen Flüchtlingspolitik und dem Umgang mit Ukrainerinnen und Ukrainern, die dem Krieg in ihrem Heimatland entkommen wollen. »Wir erleben mittlerweile einen Sozialtourismus dieser Flüchtlinge nach Deutschland«, so Merz, »zurück in die Ukraine, nach Deutschland, zurück in die Ukraine, von denen sich mittlerweile eine größere Zahl dieses System zunutze machen. Da haben wir ein Problem, das größer wird.« [….] 

(Janko Tietz, 27.09.2022)

Es ist zwar extrem widerlich, aber andererseits nicht anders zu erwarten. Auch Merz geht wie Söder oder Wagenknecht nach Melonis Durchmarsch klar auf rechtspopulistischen Kurs, statt sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Er absolviert die klassischen Schritte des politischen Hob

[….]  Worum geht’s eigentlich?

Friedrich Merz’ rechten Populismus und den Gegenwind, den er erntete. Merz hatte dieselbe Aussage aus dem »Bild«-Talk noch mal getwittert, den Tweet dann aber gelöscht und erklärt, er habe sich missverständlich ausgedrückt. Und fügte an: »Wenn meine Wortwahl als verletzend empfunden wird, dann bitte ich dafür in aller Form um Entschuldigung.«  Eine klassische Wenn-dann-Entschuldigung, die keine ist und diejenigen, die ihn kritisieren, als zu gefühlig dastehen lässt. [….]

(Frauke Böger, 27.09.2022)

Wie man sich nach vier rechtsextremen Regierungen in Europa zur Demokratie verhält, ist auch eine Charakterfrage. Hält man stand und kämpft für demokratische Werte und Anstand? Oder hängt man sein Fähnchen in miefige braune Briese?
Den Charaktertest besteht Friedrich Merz nicht. Wie immer. Dabei zeigt es Liz Cheney: Man kann auch stramm konservativ sein, ohne rechtspopulistische Lügen zu verbreiten. Dafür fehlt Merz allerdings nicht nur der Charakter, sondern auch das Rückgrat.


 

Das oberfränkische Idyll.

Alles ist relativ. Nachdem mein kleiner Bruder geboren wurde, zogen meine Eltern endgültig von New York nach Hamburg. Verglichen mit Manhattan war und ist Hamburg ein Dorf. Und obwohl meine Mutter keine Stadt so sehr liebte wie New York, war es ein bewußter Umzug. Mehr Ruhe, mehr Grün, mehr Natur, mehr Sicherheit, mehr Kontakt zu den Mitbürgern. Das erschien als das bessere Umfeld für Kleinkinder. Und so war es auch. Draußen spielen, Kontakt zu den Nachbarn, öffentliche Schule. Aber:

Alles ist relativ. Wohnung in Hamburg ist teuer, der Verkehr nervt und auf die Nachbarn möchte ich auch lieber verzichten. Vielleicht also noch eine ganze Dimension herunter sizen. Ab in die bayerische, nein, da muss ich präzise sein: In die oberfränkische Idylle im Freistaat Bayern. Eine Kleinstadt wie Wallenfels mit 2573 Einwohnern. Am nördlichsten Zipfel Bayerns. Wikipedia hilft weiter:

Wallenfels ist eine Stadt im Osten des oberfränkischen Landkreises Kronach in Bayern. Sie ist Teil der Region Oberes Rodachtal, ein staatlich anerkannter Erholungsort und vor allem durch die Flößerei bekannt.

Da wäre ich als Jugendlicher nicht in schlechte Gesellschaft geraten. Hätte keine Kiffer, Säufer, Schwule und Atheisten kennengelernt. Vielleicht wäre ich heute mit einer fränkischen Wuchtbrumme im Dirndl verheiratet und würde mich an meinen Enkeln erfreuen, die in die JU streben.

Was wäre das für eine idyllische Kindheit gewesen. Statt Reeperbahn, Diskos, Saufgelagen, Chicago House und vorehelichem Sex‘, wäre ich als Teenager beim katholischen Bur

Hochwürden Dieter Scholz

[…] Die Katholische Jugend, der ehemalige Burschenverein Wallenfels, kann auf eine mittlerweile hundertjährige Geschichte zurückblicken.  [….]  Neues Leben 1971 - 1980

1970 kommt Kaplan Dieter Scholz nach Wallenfels, durch ihn erhält die Jugendarbeit und der Verein neue Impulse.

Der junge Kaplan Scholz

• Am 14.03.1973 schließen sich der Burschenverein und die Katholische Jugend zusammen, der Mitgliedsstand  beträgt 117 Jungen und Mädchen, zum 1. Vorstand wurde Wolfgang Müller, später Franz Behrschmidt gewählt. […]  1974 kann das Jugendheim eingeweiht werden und wird zur weiteren Heimat der Jugend „Wallenfels (mn) In diesen Tagen geht ein Langgehegter Wunsch der Pfarrei St. Thomas in Wallenfels in Erfüllung. Mit großer Freude kann die Pfarrgemeinde am Wochenende des neuen Pfarr- und Jugendzentrums begehen […] Das 65jährige Jubiläum wurde 1975 drei Tage lang gefeiert; Gast waren u.a. das Volksmusik- Duo "Marianne und  Michael“ […]  

(eo bamberg)

Hurra  Zelten mit dem Kaplan und dann kommen auch noch „Marianne und Michael“ zum Jubiläum. Was habe ich nur verpasst!

Ach ja, der fesche, charismatische Pfarrer Dieter Scholz, 1933-2005, Gott hab‘ ihn selig. Mit ihm blühte das Jugendleben wieder richtig auf. Ein Glücksfall für Wallenfels, den engagierten Menschenfischer zu bekommen. 1963 war der damals 29-Jährige seiner Diözese erstmals aktenkundig aufgefallen, weil er reihenweise kleine Jungs vergewaltigte. Also nichts, das den Bamberger Bischof gestört hätte. Die RKK ist immerhin die größte moralische Autorität des Planeten, bekommt ihre Ethik direkt von Gott. Pfarrer sind schließlich Gottesmänner. Da hat es wohl seine Richtigkeit, wenn Hochwürden seine Messdiener und Burschen der katholischen Jugend durchbumst.

In seiner Zeit als Pfarrer der St. Thomas-Gemeinde in Weidenfels  von 1970 bis 1995 vergewaltigte Dieter Scholz kontinuierlich weiter kleine Jungs.

[…] In den 80er wurden regelmäßig Filmabende, Plattenpartys, Sportabende und Vorträge angeboten. Allerdings hatte man mit geringen Besucherzahlen und Desinteresse zu kämpfen „...Leider mussten wir diese Veranstaltung abbrechen und den (ca. 10 Leuten) ihren Eintritt wieder zurückgeben und die Musik „Golden Starlights“ um 21.00Uhr wieder nach Hause schicken, weil tanz in den Mai eben  schlecht besucht worden war.“ (30.04.1981) […]

(eo bamberg)

Eigenartig, daß die Aktiven bei den katholischen Burschen von 117 am Beginn der Scholz-Zeit (1970) auf 10 Mitglieder (Anfang der 1980er) zusammenschrumpfte. Man könnte fast meinen, den Kindern hätte es gar nicht gefallen, von Hochwürden Scholz vergewaltigt zu werden. Undankbare Bälger. Die CSU-Stadtväter wußten hingegen, wie man mit so einem Pfarrer umgeht: Sie machten ihm zum Ehrenbürger von Wallenfels. Der heutige Bürgermeister Jens Korn (CSU) schwärmt immer noch von Scholz.

[….]  "Ein charismatischer Mensch": Bürgermeister erinnert sich an Ministrantenzeit   [….]   2005 verstarb er: Der Mann, den eigentlich jeder in Wallenfels kannte. Für sein "selbstloses und vorbildliches Engagement zum Wohl der ihm anvertrauten Menschen" sollte man ihn in Erinnerung behalten, so formulierte es der damalige Bürgermeister Peter Hänel (FW) in der Todesanzeige von Priester Dieter S.  [….]

(InFranken, 22.09.2022)

Er war ja so ein guter Mann, daß sich der Bischof auch 1999 leider nicht um die Fälle der von Scholz durchgefickten Knaben kümmern konnte. Außerdem war Scholz 1999 verreist. In Bolivien. Da erreicht man ja auch keinen.

Und was regen sich die Vergewaltigte eigentlich so auf? Die Kirche bezahlte doch einen Zuschuss zu ihrer Therapie. Da kann man nun wirklich nicht mehr verlangen und Scholz war ja nun mal EHRENBÜRGER!

[….] Der betroffene Priester ist im Jahr 2005 gestorben. Bereits im Jahr 2006 sollen die ersten Missbrauchsfälle bekannt geworden sein. Seitdem haben sich insgesamt fünf Betroffene gemeldet. Ihre Identität wird vom Erzbistum geschützt. Es seien bereits damals Anerkennungszahlungen geleistet und Therapiekosten übernommen worden, heißt es in der Mitteilung weiter. Das habe den bischöflichen Richtlinien entsprochen.

Generalvikar Georg Kestel vom Erzbistum betonte in der Mitteilung, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle werde mit aller Kraft betrieben.  [….]

(BR, 21.09.2022)

Ja, 2006 war das noch völlig OK. Da musste man noch nicht die Behörden verständigen, weil man in der kurzen Zeit von zwei Jahrtausenden seit Jesu Geburt noch gar nicht herausgefunden hatte, daß es irgendwie schlecht ist, Pfarrerpenisse in kleine Jungs zu stecken. Jesus hat das ja auch nicht ahnen können; sonst hätte er ja was dazu gesagt.

Die zutiefst christliche CSU gibt sich auch völlig überrascht. Unter CSU-Aufsicht wurde gegen knapp 250 Kindeficker-Pfarrer ermittelt und davon immerhin einer angeklagt. Ein Viertel Prozent. Ist schließlich mehr als nichts. Man handhabte es also als Kavaliersdelikt und kam in gefühlt 1.000 Jahren absoluter CSU-Herrschaft nie auf die Idee, daß die Verjährungsregeln beim Kinder**cken moralisch problematisch sein könnten.

[…] Laut dem Bericht, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, wurden danach mehr als 800 Fälle staatsanwaltschaftlich überprüft. Bei 243 Fällen davon seien Kleriker die Verdächtigen, zu einer Anklage kam es dann aber nur in einem Fall. Der Grund: Viele Fälle waren verjährt oder die mutmaßlichen Täter waren gestorben. In einer Vielzahl von Fällen hätten bayerische Staatsanwaltschaften in der Vergangenheit bereits unabhängig von Gutachten Verfahren eingeleitet, die auch zu Verurteilungen führten. In der Erzdiözese München und Freising habe zumindest in 24 Fällen aus dem Münchner Gutachten von 2022 bereits eine strafrechtliche Verurteilung vorgelegen. [….]

(Anette Zoch, 24.06.22)

Konnte ja keiner ahnen, daß die Opfer von Vergewaltigung, daß vergewaltigte Kinder es als irgendwie unangenehm empfinden und man Kinder sexuell gar nicht missbrauchen sollte.

[….] The Catholic Archbishop of St Louis has said that he was not sure if he knew it was illegal for adults to have sex with children during the decades when he was responsible for investigating reports of paedophilia among clergymen. In a deposition, Robert Carlson, the archbishop, told an attorney for an alleged victim of sexual abuse: “I’m not sure if I knew it was a crime or not,” referring to a period from the 1970s to the 1980s. “I understand today it’s a crime.”  [….]

(LA Times, 12.06.2014)

Ja, jetzt, in den woken 2020ern tun sie alle so, als ob sie genau wüßten, daß Kinderfic**rei schlecht ist. Aber wie hätte ein Bischof das denn weit in der Vergangenheit, ganz ganz früher, also schon 2006 ahnen sollen?

Erzbischof Schick erfuhr angeblich erst 2005 von den Scholz-Vergewaltigungen und schon ganze 17 Jahre später will er „die Sachlage erforschen“. Wie sollte Schick denn ahnen, daß es für die Vergewaltigungsopfer von Interesse sein könnte?

[….] Das Erzbistum Bamberg äußert sich erneut zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den ehemaligen Wallenfelser Pfarrer Dieter Scholz. Demnach stammen die ersten Missbrauchsvorwürfe aus den Sechzigerjahren noch aus Scholz Zeit als Kaplan. Betroffene hätten dem damaligen Weihbischof davon berichtet. Weitere Missbrauchsvorwürfe stammen aus dem Jahr 1999.  Eine Überprüfung sei schwierig gewesen, weil die Vorwürfe nicht von einem Opfer stammten und Pfarrer Scholz sich zu dieser Zeit in Bolivien aufgehalten habe, heißt es. Erzbischof Ludwig Schick erklärt, er habe erst nach dem Tod von Dieter Scholz im Jahr 2005 von den Vorwürfen erfahren. Er wolle die Sachlage gänzlich erforschen und öffentlich machen sowie den Betroffenen Hilfe zukommen lassen.  […]

(Radio Plassenburg, 26.09.2022)

Weihbischof Werner Radspieler (*1938 †2018) konnte es 1999 auch nicht wissen, als ihm berichtet wurde, Pfarrer Scholz hätte erneut Kinder vergewaltigt. Die Leute stellen es heute so dar, als ob das etwas Schlechtes wäre. Radspieler sagte nichts, Schick sagte nichts.

Man versteht auch gar nicht, wieso ausgerechnet im Süden Deutschlands so viele Katholiken aus der Kirche austreten. Was könnten da nur die Gründe sein?

Sonntag, 25. September 2022

Wo sind die Demokraten?

Die Schweizer halten bekanntlich viel von direkter Demokratie. Nach wie vor scheint das ein sympathischer Ansatz zu sein; im Gegensatz zu Autokratien, in denen nur der Wille des Führers zählt, die Mehrheit entscheiden zu lassen.

Dahinter steckt die romantisierte Vorstellung der sogenannten Schwarmintelligenz und der Nivellierung extremistischer Partikularinteressen.

Unglücklicherweise stellten sich diese Annahmen als weitgehend blödsinnig heraus. Direkte Demokratie zeichnet sich eher durch die Diktatur der Inkompetenz aus, da man die Entscheidung von der Fachebene, nämlich der qualifizierteren Volksvertreter, hinab auf die Doofen delegiert.

Dieses Vorgehen ist zum Scheitern verurteilt (Trump! Brexit! Johnson! Berlusconi!), weil die einfachen Antworten meistens die Falschen sind.

(….) Homo Sapiens ist eine ethisch eher verkommene Art, die sich für ausgrenzende, aggressive Ansichten begeistert. Es erfordert eine hohe zivilisatorische Anstrengung, sich aus dem primitiv-menschlichen „wir gegen die“-Denken zu lösen. Solidarität, Internationalismus, Klimaschutz, ökologisches Handeln, Tierschutz und Nachhaltigkeit sind die richtigen, aber auch die schwierigeren Antworten. Dafür ist die Mehrheit der Menschheit nicht klug genug.

Moral ist anstrengend. Amoral und Pauschalisierungen sind einfach. Nicht nur der deutsche Michl, sondern vermutlich die meisten durchschnittlichen Bürger dieses Planeten, erwärmen sich eher für die einfachen Lösungen – auch wenn sie offensichtlich falsch sind. Links zu sein, fordert dem Menschen etwas ab, Toleranz muss erlernt werden. Rechts zu sein, geht anstrengungslos, dafür reicht auch der halbe IQ.  (….)

(CDUCSU auf Abwegen, 24.09.2022)

Heute hatten die Schweizer über eine gleichsam ethische, wie Klima-relevante Frage abzustimmen. Natürlich versagten sie.

[….] Zur Abstimmung standen auf Bundesebene insgesamt vier Vorlagen. Erstens die Massentierhaltungsinitiative, die Bio-Standards für die gesamte Schweizer Landwirtschaft einführen wollte. Diese von Tierschützern eingebrachte Volksinitiative, für die es in Umfragen im August gar nicht einmal schlecht aussah, scheiterte am Sonntag überraschend deutlich: 62,86 Prozent der Bevölkerung lehnt es ab, die Würde von Nutztieren in der Verfassung zu verankern und entsprechend den Tierschutz zu verschärfen. Damit ist ein weiterer Versuch gescheitert, die hoch subventionierte Schweizer Landwirtschaft ökologischer zu gestalten. Schon im vergangenen Sommer sagte das Volk nein zu zwei Initiativen, die den Pestizideinsatz im Land verbieten beziehungsweise reduzieren wollten. [….]

(Sueddeutsche.de, 25.09.2022)

An die Ergebnisse der Italienischen Parlamentswahlen – in diesen Minuten schließend die Wahllokale – mag ich gar nicht denken. Alles andere als ein Nazi-Vollkatastrophe wäre eine faustdicke Überraschung.

Wenn heute die Neofaschistin in Italien gewinnt, wird das auch Auswirkungen auf Seenotrettungsmissionen haben. Warte nur darauf, dass die nächste Kapitänin eines NGO-Schiffes verhaftet wird.

(Tobias Schlegl, 25.09.2022)

Kämen die Christen an die Macht, so wie sich das der bayerische Chef der europäischen Christdemokraten und Berlusconi-Wahlkämpfer Manfred Weber wünscht, wäre es also vorbei mit Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl. Dann werden wieder Familienwerte mit den Füßen getreten und Kinder zum Verrecken ins Meer getrieben.

Werden Christdemokraten Partner von Postfaschisten? Ob in Italien oder Schweden: Es würde helfen, wenn EVP-Chef Weber sich von #Berlusconi & anderen konservativen Paktierern mit Rechtsaußen distanziert. Stattdessen wirbt der CSU-Mann für verurteilten Steuerbetrüger.

(Europa-SPD @SPDEuropa, 25.09.2022)

Wer auf Twitter die Hashtags #Italien #Italienwahl eingibt, erlebt heute eine Welle des braunen Mobs. Meloni und Berlusconi werden gefeiert.

Der alte vorbestrafte Fascho-Sexist demonstrierte vorgestern noch einmal, wo er steht.

[….]  Italien wählt an diesem Sonntag ein neues Parlament. Kurz vorher sorgt Forza Italia-Parteichef Berlusconi mit einer Behauptung für Aufregung: Kremlchef Putin sei zum Einmarsch in die Ukraine "gedrängt" worden.

Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat kurz vor der Parlamentswahl mit einer Aussage über Wladimir Putin für Aufsehen gesorgt. Der 85-Jährige behauptete in einem TV-Interview, der Kremlchef sei zum Einmarsch in die Ukraine gedrängt worden. "Putin wurde von der russischen Bevölkerung, von einer Partei, von seinen Ministern gedrängt, sich diese Spezialoperation auszudenken", sagte Berlusconi im Sender Rai.  "Spezialoperation" ist die vom Kreml verwendete Formulierung für den Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Verwendung des Begriffs Krieg steht in Russland unter Strafe.  Berlusconi ist ein Freund des russischen Präsidenten und zögerte nach Kriegsausbruch lange, die Invasion zu verurteilen. Nun sagte er: "Putin ist in eine wirklich schwierige und dramatische Situation gerutscht."  [….]

(Tagesschau, 23.09.2022)

Diesen Mann wollen die Italiener also. Dieser Mann wird von der deutschen Christen-Union unterstützt.

Der oberste Vertreter der Union in Brüssel kennt nicht nur keine Angst vor Berührungspunkten mit den Faschisten – eine de facto faschistische Partei, die Fidesz, ist schließlich Teil der EVP – sondern brüstet sich sogar mit Nazi-Bündnissen.

Manfred #Weber #CSU-Mitglied und Fraktionsvorsitzender der EVP um EU-Parlament stimmt die #CSU auf eine Koalition mit der #AfD ein.  Was in #Schweden ausprobiert wird, soll ein Vorbild für Deutschland sein. Die #Brandmauer war ist eine Lüge.

(Unionwatch, 25.09.2022)

Die CSU um Manfred Weber preist in #Augsburg das "Rechts-Mitte" Bündnis in Schweden.  Freut euch schon mal auf eine Koalition mit der #AFD demnächst wenn ihr eure Stimme der CSU oder CDU gibt.  VIDEO

(Michael Mayr, 25.09.2022)

Wieso sollte sich Merz auch über Webers Faschisten-Flirts ärgern, wenn er auch in Deutschland seine Hand über Nazis in der CDU hält?

Merz und Söder haben längst jeden Anstand fahren lassen, geben sich voll rechtspopulistisch und der Urnenpöbel findet es toll. Der CumEx-Multimillionär, der nicht einen einzigen konstruktiven Vorschlag zur gegenwärtigen Multikrise macht, dessen Prognosen sich grundsätzlich als diametral falsch erweisen, der in ökonomischen Dingen nahezu ahnungslos ist und dessen Partei 16 Jahre lang Photovoltaik und Windkraft blockierte, um sich voll in Gas-Abhängigkeit zu Putin zu begeben, dafür aber gegen Gendersternchen wettert, ist mit Abstand des Urnenpöbels Wunschkanzler.

Demokratie ist eine feine Sache.

Sofern die Wähler a) Demokraten und b) keine apathischen Idioten sind.

An Demokraten und klugen Wählern mangelt es allerdings erheblich.

[….] Radikale Rechte gewinnt Wahlen in Italien

Ersten Befragungen zufolge hat die Allianz rechtspopulistischer und konservativer Parteien die Wahlen in Italien gewonnen. Nach übereinstimmenden Medienberichten erringen sie mehr als die Hälfte der Sitze im Parlament. […]

(SPIEGEL, 23.13 Uhr, 25.09.2022)

Herzlichen Glückwunsch, Wladimir Putin.

Und Gute Nacht, Europa!

Samstag, 24. September 2022

CDU und CSU auf Abwegen.

Die Übergänge zwischen Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus sind fließend. Eine strafrechtliche Bewertung mögen Juristen vornehmen.

Betrachtet man den RechtsXmus moralisch, stößt man auf ein Paradoxon. Es gab schon viele rechtsextremistische Regierungen und immer hatten sie extrem negative Effekte. Rechtspopulismus führt zu Gewalt gegen Minderheiten, schürt Unfrieden, agitiert außenpolitisch aggressiv und kriegstreiberisch, zerstört Demokratie, vernichtet die Umwelt und auch rechte Ökonomie funktioniert nicht. Gleichwohl halten sich Rechte manisch für die „Wertkonservativen“, denen Werte so wichtig wären, während Linke gegen Familie, Nation, Religion und Anstand agierten.

Wolfgang Brosche, der leider verstorbene, mutige Kämpfer wider die Homophobie und den Pegida-Sumpf charakterisierte in seinem Aufsatz über den „Homonationalismus“ sehr schön den Antrieb der Rechtsextremen.

 

[….] Die angeblich neue Rechte ist die alte. Der lärmende Aufwand, den sie betreibt, um ihre Ansprüche, Antriebe und Ziele zu rechtfertigen oder zu verschleiern mag andere Formen haben als vor 85 Jahren, seine Stoßrichtung führt jedoch genau wie damals ins Antizivilisatorische nach unten. Tatsächlich bietet die Rechte – auch wie damals – keine wirklich politischen Ziele, nichts Konstruktives, keine Bewältigungsversuche der sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Gegenwart, sondern nur Destruktion: Zerstörung, Gewalt, gigantische Fresssucht und letztendlich todessehnsüchtige Vernichtung dessen, was die Rechten nicht verstehen, geschweige denn meistern können. Die neue wie die alte Rechte legen eine barbarische Dummheit und ein gewalttätiges Unvermögen an den Tag, dessen End-Ziel die Beseitigung der Gegner, der „Anderen“, die mörderische Lust, der Lust-Mord ist. Das Pauken-Getöse um angeblich alte Werte, Traditionen, Patriotismus und Nationalismus ist nur Tarnung. Es geht tatsächlich um das primitive „Wir oder sie“, eine Maxime, vor deren endgültiger Konsequenz ihre Vertreter immer weniger zurückschrecken. [….]

(Wolfgang Brosche, 21.05.2017)

 

Rechtsextremisten suchen sich die Schwächsten als Opfer, Linksextremisten die Stärksten.  (….) Da Rechtsextrem im Gegensatz zu Linksextremen grundsätzlich amoralisch und feige agieren, sind ihre Opfer ausschließlich unter den Schwachen zu finden:
Schwule, Flüchtlinge, Behinderte, Obdachlose.

Opfer, für die sich auch der Staat offensichtlich kaum interessiert.

Man stelle sich nur mal vor durch rechtsextreme Gewalt wären im Jahr 2016 schon 1.800 Gewalttaten gegen Millionäre verübt worden. Dann wäre aber Alarm im Bundesinnenministerium.

Der Wertekompass des Innenministers befindet sich also offensichtlich in gewaltiger Schieflage.

Wird gegen Arme und Schwache Gewalt ausgeübt, weil Rechte meinen damit ihren Werten zu frönen, stört es den wertkonservativen de Maizière scheinbar wenig.

Erst die Folgen der Folgen der Folgen, wenn statt der humanistischen Werte auch Sachwerte betroffen sind, wenn Arbeitgeber um ihre Profite bangen, alarmiert die Bundesregierung. (…..)

(Werte im wahrsten Sinne, 25.09.2016)

Der derzeit bestehenden rechtsextremen Herrschaftsformen – Russland, Türkei, Brasilien, Ungarn – sollten abschreckendes Beispiel sein. Niemand bei Verstand kann ernsthaft behaupten, die rechtsnationale antiökologische Politik Johnson-Englands oder Trump-Amerikas habe positiv für die Einwohner gewirkt.

Wieso sollte also in Italien auch eine rechtsfanatische Meloni-Berlusconi-Regierung gewählt werden? Wieso sollten Merz und Söder ungeniert rechtspopulistisch blinken?

Man sollte doch annehmen, daß nach sieben Monaten Ukraine-Krieg, der Rechtspopulist Putin einigermaßen unsympathisch sein sollte. Wieso kippen die demokratischen EU-Staaten wie die Dominosteine in die putineske Richtung?

Wahlsieger Orbán hat genug von den Anti-Putin-Sanktionen und will sie bis Ende des Jahres aufheben.

[….] Endspurt im italienischen Wahlkampf:  »Wenn die Rechten gewinnen, wird Putin zum glücklichsten Mann der Welt«

In Italien warnt der sozialdemokratische Spitzenkandidat Enrico Letta vor einem Wahlsieg der Postfaschistin Giorgia Meloni. Er sagt: Dann ist der europäische Motor »kaputt«. [….]

(SPIEGEL, 24.09.2022)

Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer von rechten CDU-Flügel beharrt immer wieder auf Putinfreundlichkeit, will die Sanktionen gleich aufheben. Gerade trat Schweden aus Angst vor Putin der NATO bei, da wählen sie rechtsextrem. Ausgerechnet das liberale Schweden, wendet sich nun den Putin-Themen Homophobie, Nationalismus und Religiosität zu.

Wieso? Wieso engagieren sich diese Politiker für eine so offensichtlich schlechte Sache, wie Rechtsextremismus?

Die Antwort ist leider einfach: Rechtspopulismus funktioniert. Homo Sapiens ist eine ethisch eher verkommene Art, die sich für ausgrenzende, aggressive Ansichten begeistert. Es erfordert eine hohe zivilisatorische Anstrengung, sich aus dem primitiv-menschlichen „wir gegen die“-Denken zu lösen. Solidarität, Internationalismus, Klimaschutz, ökologisches Handeln, Tierschutz und Nachhaltigkeit sind die richtigen, aber auch die schwierigeren Antworten. Dafür ist die Mehrheit der Menschheit nicht klug genug.

Moral ist anstrengend. Amoral und Pauschalisierungen sind einfach. Nicht nur der deutsche Michl, sondern vermutlich die meisten durchschnittlichen Bürger dieses Planeten, erwärmen sich eher für die einfachen Lösungen – auch wenn sie offensichtlich falsch sind.

Links zu sein, fordert dem Menschen etwas ab, Toleranz muss erlernt werden. Rechts zu sein, geht anstrengungslos, dafür reicht auch der halbe IQ.

Vergleicht man Linksextremismus und Rechtsextremismus, gibt es sehr klare Unterschiede. Während sich die Rechten gewalttätig gegen Minderheiten, Schwache, Verletzliche, Ausgegrenzte und Friedliche wenden, versuchen Linke eben diesen Personenkreis zu schützen und wenden sich, wenn überhaupt, gegen die Starken.

Wenn ich also auch Gewalttätigkeit in JEDER Form ablehne, so ist die moralische Bewertung doch eindeutig: Rechts ist komplett amoralisch, Links nicht.

Das Aggressionspotential von Rechts- und Linksextremen ist völlig unterschiedlich, wenn man nicht gerade als Symbol einer gewaltigen Wirtschafts- oder Staatsmacht auftritt.   Wie so viele Menschen erlebte ich (insbesondere als Teenager) Situationen, in denen ich vor rechten Skinheads weglaufen mußte, oder zumindest einen großen Bogen machen mußte. Einmal wurde ich als 18-Jähriger von Nazis in einer Bahn verprügelt (mit glimpflichen Ausgang. Der Schock war größer.)

Wenn man sich hingegen in einer ausdrücklichen „linken Gegend“ bewegt, wie es sie in Berlin-Kreuzberg zumindest in den 80er Jahren gab und beispielsweise im Hamburger „Karoviertel“ oder „der Schanze“ (früher Hafenstraße) immer noch gibt, ist der große Unterschied, daß man dort eben nicht  um seine körperliche Unversehrtheit fürchten muß.

Man kann sogar schwarz oder offensichtlich schwul sein. Die linke Szene ist tolerant, die Rechte ist per Definition intolerant und agitiert gegen alles „Fremde“. (…..)

(CDU unterirdisch, 30.08.2015)

Bedauerlicherweise, aber nicht überraschend, wählen die Politiker der C-Partei stets den ethisch falschen Kurs.

[….] Markus Söder hat die nächste Verwandlung abgeschlossen: Er beendet seinen Flirt mit den Grünen und wendet sich der eher konservativen Kernwählerschaft zu. Ein Blick auf die Umfragen zeigt: Bisher scheint der Kurs zu funktionieren. [….]

(Andreas Glas, SZ, 24.09.2022)

[….]  Angeführt von Parteichef Friedrich Merz verliert sich die CDU immer öfter in Kulturkämpfen. Das ist nicht nur albern, sondern auch gefährlich. [….]  Es [war]  Merz, der CDU-Chef, Oppositionsführer und möglicher Kanzlerkandidat, der das Gendern auf dem Parteitag am vergangenen Wochenende auf die Agenda setzte. Als es darum ging, wie die Gesellschaft künftig zusammenleben soll, verlangte er, dass sich Universitäten und der öffentlich-rechtliche Rundfunk »an die allgemein anerkannten Regeln« der deutschen Sprache zu halten hätten. Vier Tage später will Lanz wissen, welche Regeln er genau meint. Merz sagt, dass der »Rat für deutsche Sprache« die Regeln festlege und verlautbart habe, »dieses Gendern« sei damit nicht zu vereinbaren. Das Gremium, das eigentlich »Rat für deutsche Rechtschreibung« heißt, hat jedoch nichts davon gesagt. Im Gegenteil: Vergangenes Jahr »bekräftigte« er »seine Auffassung, dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden und sie sensibel angesprochen werden so[….]  CDU und CSU sollten sich auch davor hüten, von Rechtsaußen geschürte Kampagnen zu befeuern. Doch genau das tut Merz. Beim Parteitag kritisierte er Robert Habeck für ein Kinderbuch, dass der Grüne mit seiner Frau geschrieben hatte. Darin geht es auch um ein kleines Mädchen, das das »große Abenteuer« eines nächtlichen Stromausfalls erlebt. Man sei hier nicht in »Bullerbü«, so Merz, sondern die viertgrößte Industrienation der Welt. Als ob der Wirtschaftsminister Habeck das nicht wüsste.  Das Kinderbuch hatte zuerst eine AfD-nahe Wochenzeitung thematisiert, bald twitterte der Ex-Online-Chef des russischen Staatsmediums RT DE dazu, bevor es vom gefeuerten Chefredakteur der BILD skandalisiert wurde und sein altes Blatt einen Text dazu machte – wenige Stunden bevor Merz am Rednerpult über das Buch lästerte. Derlei billiger Spott hilft den Extremen. Wer deren Themen, Ressentiments und Witzchen übernimmt, ohne zu differenzieren und ohne Lösungen anzubieten, macht sie größer – und schwächt sich selbst. Eigentlich hatte die Union das bereits gelernt, insbesondere Markus Söder, der mit einem rechtspopulistischen Kurs bei der bayerischen Landtagswahl 2018 abschmierte. Knapp vier Jahre später verfällt auch er immer häufiger wieder in alte Muster. [….] 

(SPIEGEL-Leitartikel von Ann-Katrin Müller 16.09.2022)

Es mag für das einzelne menschliche Individuum bedauerlich sein, wenn wir uns, während der Achtmilliardste Mensch geboren wird, nun selbst vernichten, weil wir entweder einen Atomkrieg anzetteln oder aber von nationalen Egoismen und Gier nach Reichtum verblendet, in einer klimatisch-ökologischen-pandemischen Multipest untergehen.

Aber die Art Homo Sapiens insgesamt ist außer Kontrolle geraten, führt ihre parasitäre Existenz auf der Erde in so einem Vermehrungsexzess, daß der Wirt dabei getötet wird.

Die Evolution kann so eine Spezies nicht gewinnen lassen und so mendeln wir uns eben aus der Erdgeschichte aus. Wenn man noch nicht mal so reiche und gebildete Nationen wie die USA oder England oder Deutschland dem bösartigen Konservatismus widerstehen können, sehe ich schwarz, und zwar dunkelschwarz.

 [….]  Wer die Schöpfung schützen will, könnte die Energiewende am radikalsten vorantreiben. Wer den Wohlstand bewahren will, könnte die Ungleichheit am dringlichsten bekämpfen. Wer Zukunftskompetenz beweisen will, könnte eine postfossile Verkehrspolitik vorantreiben. Wer sich auf christliche Nächstenliebe beruft, wer will, dass Menschen frei und selbstbestimmt leben, könnte die Rechte von trans Personen als erste verteidigen.  Stattdessen infantilisieren die Parteigranden Friedrich Merz und Markus Söder ihre Werte, verstümmeln und entstellen das, was bürgerlich und konservativ heißen könnte, und führen ins demokratisch-intellektuelle Nirwana eines Kulturkampfs, der die Kultur, die zu verteidigen er behauptet, kaum mehr kennt. Sie imitieren das historische Versagen anderer konservativer Parteien, ob in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich, in Frankreich oder Italien, die nur noch zwischen Banalität und Bösartigkeit zu pendeln vermögen, aber keine substantiellen politischen Konzepte mehr anbieten, ja, keinerlei stabiles Regierungshandeln mehr versprechen können, weil sie jene Institutionen und Regeln, die es dazu braucht, selbst destabilisiert haben. [….]  Sobald die konservativen Parteien sich von rechtspopulistischen, neofaschistischen Bewegungen oder Figuren treiben lassen, sobald sie das Rationale als definitorischen Gegner ausmachen, leiten sie ihren eigenen Niedergang ein. Der rechte Rand diktiert die Themen, die langfristig die Mitte ihres bürgerlichen Gewissens und ihrer aufgeklärten Prinzipien beraubt, es reichen dann schon Trigger-Begriffe, keine Argumente, "Genderideologie", "Zwangsgebühren", "Sprachpolizei", und so begeben sich die konservativen Parteien ins Abseits eines Diskurses, der sie immer weiter von sich selbst entfernt. [….]  Es herrscht Krieg in der Ukraine, die Inflation steigt unkontrolliert, die Klimakatastrophe bedroht Freiheit und Schöpfung - aber Merz und Söder sorgen sich um einen Stern. [….] 

(Carolin Emcke, 24.09.2022)

Freitag, 23. September 2022

Kirchenfrauen

Das war vielleicht ein Wirbel, als vor ziemlich genau 30 Jahren (30.08.1992) Maria Jepsen als Hamburger Bischöfin in ihr Amt eingeführt wurde. Erst da begriff ich, wie stark die Piet Cong im liberalen Hamburg ist. Die drei prominenten Rüß-Brüder, alles Pfaffen, alle Pietisten, machten mobil gegen den Frevel einer Penislosen im Bischofsamt. Es betraf mich nicht nur als Hamburger, weil Jepsen die erste Bischöfin der Welt war. 1992 Jahre lang hatten sich die vielen Milliarden Christen ausschließlich männlichen Bischöfen untergeordnet. Ja, möglicherweise wird es in zwei Jahrtausenden irgendwo auf diesem Planeten schon einmal eine Bischöfin gegeben haben, vielleicht existierte sogar Mitte des neunten Jahrhunderts die legendäre Päpstin Johanna. Aber abgesehen davon, daß es dafür überhaupt keine Beweise gibt, wäre das auch nur möglich gewesen, wenn sie ihre Weiblichkeit verborgen hätte und für einen Mann gehalten worden wäre.

Jepsen ist aber definitiv eine Frau. Die globale Aufregung um ihre Wahl vor drei Dekaden brachte mich in einige Gewissenskonflikte. Einerseits bin ich Feminist und unterstütze unbedingt Frauen, die in Männerdomänen einbrechen. Außerdem bin ich links und konnte mich schon deswegen kaum auf die Seite der ultrakonservativen extrem unangenehmen von Kreuznet gelobten Rüß-Männer stellen. Jepsens Gegenkandidat bei der Bischofswahl war ausgerechnet Michel-Pastor Helge Adolphsen, der selbst für Kirchenfunktionärsverhältnisse ein extremer Widerling ist.  Andererseits bin ich Atheist und wünsche mir eine möglichst unsympathische Kirchenführung. Der mutige Schritt der Synode ließ die evangelische Kirche sympathisch erscheinen.

Zu allem Übel ist Jepsen auch noch, abgesehen von ihrer Religiotie-Inselverarmung, eine sympathische intelligente Frau, gegen die man nicht ernsthaft etwas einwenden kann.

Ich kenne im gesamten deutschsprachigen Raum überhaupt nur anderthalb nette Bischöfe. Einer ist Franz Kamphaus und der Halbe ist mit Werner Thissen ebenfalls Hamburger. Konnte ich so viel Pech haben und mit Jepsen ausgerechnet in Hamburg, eine weitere der extrem seltenen Spezies bischöflicher Sympathieträger vor die Nase gesetzt zu bekommen?

 Wenigstens sollte mein Pech nicht anhalten. Kamphaus wurde durch sein diametral entgegengesetztes Gegenteil Tebartz-van Elst abgelöst. Auf Thissen folgte mit dem Kinderfic**er-Freund Stefan Heße (aus dem Meisner-Stall) ein Woelki-Klon. Beide Nachfolger waren/sind extrem erfolgreich in ihrem Bestreben, die Gläubigen aus der Kirche zu jagen und ihre Diözese zu entvölkern.

Kurioserweise trat die nette Jepsen 2010 zurück, weil der Fall eines sexuell übergriffigen Ahrensburger Pfaffs bekannt wurde, von dem sie schon 1999 erfahren hatte, aber nicht angemessen reagierte.

Fast Forward ins Jahr 2022: Heute gibt es überall in der evangelischen Welt Bischöfinnen. Heute wäre der fehlende Penis, bei so einer Personalie keine Schlagzeile mehr wert. Auch in Hamburg ist mit Kirsten Fehrs, erneut eine Frau Bischöfin. Mit Margot Käßmann war gar eine Bischöfin Ratsvorsitzende der EKD. Glücklicherweise wurde meine Befürchtung, all die netten Frauen in Bischofsämtern könnten die Protestanten wieder attraktiv machen, nicht bestätigt.

Im Gegenteil, die EKD verliert sogar noch schneller als die Kinder**cker Mitglieder.

Maria Jepsen blieb nämlich glücklicherweise die einzige kluge und sympathische Bischöfin. Seither etablierte sich ein ungeschriebenes Gesetz, nachdem nur maximal verblödete Theologinnen Pröbstinnen und Bischöfinnen werden. Insbesondere Margot Käßmann ist so herrlich geistig beschränkt und posaunt das auch noch mit der enorm verstärkenden BILD-Power in die Welt hinaus, daß sie als Ein-Person-Säkularisierungsverstärker schon Tausende Mitglieder dazu gebracht haben dürfte, sich einen Kirchenaustrittstermin zu buchen. Nichts gegen Frauen, aber es kann nicht gut für einen Verein sein, wenn man akribisch die dümmsten Frauen als Führungsfiguren rekrutiert. Ein Topp-Evangelibanin scheint retardierter als die nächste zu sein.

(…) Ihre Nachfolgerin Kirsten Fehrs muß auf der evangelischen Doofheitsskala von Käßmann bis Jepsen deutlich auf der Kässiseite verortet werden.

Natürlich, das Niveau ihrer Kollegin aus Hannover reicht sie nicht, aber sie bemüht sich.  Kirsten Fehrs hat sich immerhin schon klar gegen das Kindeswohl und für die Genitalverstümmelung ausgesprochen. Beim Kirchentag in Hamburg vor einem Jahr, flutete sie den Eröffnungsgottesdienst mit geistigen Unterdurchschnittlichkeiten.

Sie erläuterte den Tausenden Besuchern das Kirchentagsmotto "Soviel Du brauchst" in einfachen Worten: "Das, was Du wirklich brauchst, gibt Gott täglich neu", sagte Fehrs.

Im Dezember 2011 hatte Fehrs angedeutet Atheismus führe zu Depressionen.  Man kann also inzwischen deutlich feststellen, daß die im Wesentlichen weiblich geprägte EKD – Irmgard Schätzer, Petra Bahr, Kathrin Göring-Kirchentag, Margot Käßmann und Superfunktionärin Marlehn Thieme – intellektuell auf das niedrigste Niveau zustrebt.  Auch Kirsten Fehrs versucht sich, recht erfolgreich, zu Käßmanns Intellekt hinunter zu robben, indem sie angesichts der neuerlichen Körperwelten-Ausstellung des genialen Plastinators von Hagens auf das Niveau des ehemaligen SPD-Blockwarts Markus Schreibers begibt.  Nach 11 Jahren ist die weltweit geachtete und bewunderte Ausstellung wieder zu Gast in der Hansestadt. (Glücklicherweise habe ich die Schau schon am 24.12.2003 besucht und muß mich jetzt nicht noch einmal in das Gewühle stürzen. Mehrere Stunden Wartezeit am Eingang sind ob des gewaltigen Andrangs üblich)

Als 2003 im Erotic Art Museum auf der Reeperbahn Professor Gunther von Hagens Körperweltenausstellung eröffnete, stellte sich Markus Schreiber auf die Seite der Kirchen und wollte die Schau unbedingt verbieten, weil er um die Seelengesundheit seiner Untertanen fürchtete.

KÖRPERWELTEN in Hamburg

Ab 16. Mai 2014 präsentieren Plastinator Dr. Gunther von Hagens und Kuratorin Dr. Angelina Whalley in der KulturCompagnie in der Hamburger HafenCity ihre Ausstellung KÖRPERWELTEN – Eine Herzenssache.

Es ist die inspirierendste Ausstellung der beiden Mediziner, die jedem Besucher ohne mahnenden Zeigefinger zeigt, wie bereits kleine Änderungen im täglichen Leben grosse Auswirkungen auf den Gesamtzustand unseres Körpers haben. Mehr als 200 Präparate bieten Medizinern und Laien einen unvergesslichen Blick in ihr Innenleben, auf einzelne Organfunktionen und die häufigsten Erkrankungen. Und auch die emotionale Komponente des Herzens sowie seine Symbolik in Religion, Kunst und Literatur werden beleuchtet.

KÖRPERWELTEN ist ein Ausstellungsphänomen; das Thema angesichts der momentanen Diskussion im Gesundheitswesen aktueller denn je. Rund 40 Millionen Menschen haben Gunther von Hagens’ Ausstellung weltweit besucht und zwei Drittel der Besucher haben wichtige Impulse für ihre Lebensführung mit nach Hause genommen.

Für die Ärztin Dr. Angelina Whalley steht die Prävention im Mittelpunkt: „Auf unser Herz, dieses lebenswichtige Organ, achten wir oft erst, wenn es erkrankt oder unter großer Belastung leidet. Deshalb wünsche ich mir, dass die Ausstellung die Besucher anregt, herzbewusster und gesünder zu leben.“

(Körperwelten)

Bischöfin Fehrs kann es genau wie Schreiber nicht ertragen, wenn Menschen selbstbestimmt Entscheidungen treffen.

Nach 20 Jahren Körperweltenausstellungen in allen Ländern der Welt – es handelt sich um die erfolgreichste Ausstellung aller Zeiten – meint die fromme Frau immer noch moralisch so überlegen zu sein, daß sie Atheisten und freien Bürgern vorschreiben könnte was sie mit ihren Körpern nach ihrem Tode tun und lassen dürfen.  Ähnlich lang wie die Schlangen am Eingang der Körperwelten-Schau sind die Wartelisten von Freiwilligen, die sich nach ihrem Ableben von dem von Hagens-Team plastinieren lassen wollen.

 Jeden Tag blickt Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs jetzt auf das Gebäude, in dem der Plastinator Gunther von Hagens seine Ausstellung "Körperwelten – eine Herzenssache" präsentiert. Denn direkt gegenüber der Bischofskanzlei und dem Ökumenischen Forum in der Shanghaiallee (HafenCity) werden die Leichen-Plastinate von heute an in der "Kulturcompany" gezeigt (das Abendblatt berichtete).

Die Schau störe die Totenruhe, kritisiert die Bischöfin die Exposition, die bis Mitte Oktober in Hamburg zu sehen ist und nach Angaben des Veranstalters weltweit von 37 Millionen Menschen besucht wurde. Die Darstellung abgezogener Haut, aufgesägter Schädel und weit aufgerissener Augen löse in ihr "das Gefühl aus, dass hier schützenswerte Grenzen verletzt werden", schreibt die Theologin in einem Beitrag für die neue Ausgabe der "Evangelischen Zeitung". Die "marktschreierischen Körperwelten" nutzten die Toten als Objekt. Das Herz, um das es bei den Körperwelten eigentlich besonders gehen sollte, werde auf den menschlichen Muskel reduziert. Das Wunder des Lebens sei jedenfalls hinter der gläsernen Inszenierung toter Körper nicht zu erkennen. [...]

 (HH Abla 16.05.14)

Herzlichen Glückwunsch, Frau Bischöfin!  Sie haben sich in hervorragender Weise lächerlich gemacht! Wenn Sie weiter so fleißig sind, können Sie durchaus noch die Doofheit einer Käßmann erreichen. (….)

(Der Doofen-Reigen, 16.05.2014)

Die Nordkirchenbischöfin wirft sich unterdessen für Multimillionär Christian Lindner ins Zeug, der anders als Normalsterbliche, die nach dem Kirchenaustritt, wenn sie keine Mitgliedsbeiträge mehr zahlen, von kirchlichen  Zeremonien ausgeschlossen sind, eine Sonderbehandlung erfuhr. Damit zeigte er allen Kirchenmitgliedern den Stinkefinger: „Ihr Idioten zahlt für eine Leistung, die ich mir als Millionär auch umsonst abnattern kann!“

[….] Angesichts heftiger Kritik an der kirchlichen Trauung von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) auf Sylt hat die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, um Verständnis für die Entscheidung der Kirchengemeinde geworben.  [….]

(AMB, 19.09.2022)

Regelrecht Käßmannsche Beschränktheit erreicht aber die Münchner Bischöfin Breit-Kessler, die in ihren Kolumnen mit enormer Weitreiche, solche Eseleien von sich gibt, daß man die Männer im Weißen Kittel rufen möchte.

(….)  Beim intellektuellen Elend der evangelischen Theologie denkt man immer, der Bischof oder die Bischöfin, mit der man sich gerade beschäftigt, müsste nun wirklich die dümmste Person der EKD sein. Die beiden Bayern Breit-Kessler und Bedford-Strom scheinen gegenwärtig den Kampf um den Titel „weltdümmster Theologe“ (Pleonasmus!) unter sich auszumachen.

Aber da hatte ich offensichtlich zu Unrecht die gleichermaßen naiv-verblödete wie auch selbstverliebte Margot Käßmann kurz aus den Augen verloren, die mit ihrer frappierenden Peinlichkeit, sehr verdienstvoll die Menschen massenhaft aus der Kirche treibt.

In so einer Situation ist es der psychischen Gesundheit außerordentlich förderlich, bei den wenigen positiven Meldungen innezuhalten, den Moment zu genießen und Erfolge zu zelebrieren.  Gestern war so ein Tag! Die jahrelangen Bemühungen der atheistischen EKD-Hauptagenten haben sich nun ausgezahlt. Die radikal-naive BILD-Haustheologin Käßmann, ihre bayerische Bischofskollegin Gaga-GONG Breit-Keßler, sowie ihr bayerischer Oberchef  Zimmertemperatur-IQ Bedford-Strohm schafften es, in der letzten Saison über eine halbe Millionen Gläubige aus der evangelischen Kirche Deutschlands zu jagen und damit die psychologisch wichtige Marke von 20 Millionen Mitgliedern deutlich zu reißen. Applaus!

[…] EKD verliert über 500.000 Mitglieder

Die evangelische Kirche hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Mitglieder verloren als im Pandemiejahr 2020. Demnach ging die Zahl der Kirchenmitglieder um mehr als eine halbe Million zurück, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch in Hannover mitteilte - so viele wie noch nie. Grund für den Mitgliederschwund sei die im Corona-Jahr 2021 erhöhte Zahl der Sterbefälle von 360.000 sowie die hohe Zahl der 280.000 Kirchenaustritte. Nach den Zahlen der EKD gehörten 19,7 Millionen Deutsche (23,7 Prozent) einer der 20 evangelischen Landeskirchen an. Das sind 2,5 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. [….] Hält auch der bisherige Trend des Mitgliederrückgangs in der katholischen Kirche an, könnte erstmals der Anteil der evangelischen und katholischen Christen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland unter die 50-Prozent-Marke sinken. Die katholische Kirche veröffentlicht ihre Mitgliederstatistik im Sommer. In den vergangenen Jahren hatten evangelische und katholische Kirche ihre Zahlen stets gemeinsam veröffentlicht. [….]

(Evangelisch, 09.03.2022)

Besonders erfreulich erscheint mir die neue EKD-Ratsvorsitzende Kurschus zu sein, die nach den beeindruckenden Loser-Vorgängern Margot Käßmann (2009-2010) Nikolaus Schneider (2010 bis 2014) und Heinrich Bedford-Strohm (2014-2021) auch 2022 für Kontinuität in der trüben intellektuellen Einfältigkeit deutscher evangelischer Theologen steht.

(Danke, lieber G*tt!, 10.03.2022)

Unfassbar aber wahr, nach dem Desaster zum 50. Jahrestages des blutigen Anschlages auf die Israelische Olympia-Mannschaft in ihrer Heimatstadt München, als elf Israelis in „der Hauptstadt der Bewegung“ ermordet wurden – die Deutschen vergrätzen die jüdischen Opfer bis heute so sehr, daß eine gemeinsame Gedenkstunde abgesagt werden musste – fühlt sich Breit-Kessler, die Vertreterin der Luther-Kirche, die nach einem der größten Judenhasser der Weltgeschichte benannt wurde und der als Hitlers Inspiration gilt, berufen den Juden zu erklären, was Judentum ist.

Bischöfin Breit-Keßler in der Nachfolge Martin Luthers, einem der verkommensten Antisemiten überhaupt, als Münchnerin, zum Attentatsjubiläum von München 1972, schreibt, Juden hätten verstanden, zu bereuen und um Verzeihung zu bitten.

"Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte."

 Max Liebermann

Donnerstag, 22. September 2022

Wenn sich in Bayern zur Ungerechtigkeit auch noch Perfidie gesellt.

Geringverdiener, AlgII-Empfänger, Grusi-Menschen, Aufstocker, Alte mit kleinen Renten haben auf dem freien Wohnungsmarkt in Großstädten keine Chance.

Wer unbedingt eine neue Wohnung braucht, weil er im vierten Stock ohne Lift lebt, aber mit 75 Jahren aufgrund von Arthritis, Herzschwäche oder Fibromyalgie keine Treppen mehr gehen kann, ist in Lindners Welt des freien Marktes und der Besserverdienenden verloren. Er kann sich eigentlich nur noch zu Soylent Green verarbeiten lassen. Allerdings sind wir im Gegensatz zu den FDP-Wunschvorstellungen, keine reine Marktwirtschaft, in der sich Finanzspekulationen und Kapitalismus frei von allen Beschränkungen austoben können.

Wir sind ein Sozialstaat, in dem sich die Steuerzahler (meistens unfreiwillig) solidarisch mit den finanziell Schwächeren verhalten. Unser Beispiel-75Jähriger wird also Anspruch auf eine Sozialwohnung anmelden, Wohngeld bekommen, einen Dringlichkeitsschein erwirken.

Im September 2022 reicht das aber weder in München, noch Köln, noch Hamburg oder Berlin, um eine barrierefreie Wohnung zu bekommen, weil die Wohnungsämter kein Angebot mehr haben. Alle ihre Kapazitäten wurden für Ukrainische Flüchtlinge verbraucht. Trägt der mit dieser Begründung abgewiesene Biodeutsche einen Aluhut, wird er sich fürchterlich aufregen. Er habe 40 Jahre im Betrieb XY gerackt, immer pünktlich seine Steuern bezahlt und müsse nun hinter Ausländern zurückstehen, die nie einen Cent eingezahlt hätten und kein deutsch sprächen. Herrliche Zeiten für Sahra Sarrazin, Julian Reichelt und die AfD. Selten war es so einfach, populistisch-xenophobe Wallungen zu schaffen. „Ausländer werden Deutschen bevorzugt.“ So füllt man die montäglichen Wut-Märsche Ostdeutschlands. Nur ein kleines Detail wird dabei unterschlagen: Es stimmt nicht, daß Ausländer bevorzugt werden. Vielmehr gehen die Behörden nach der Dringlichkeit des Bedarfs vor. Der Lahme in der vierten Etage mit den vielen Treppen wird seinen Bedarf (an einer barrierefreien Wohnung) sehr hoch einschätzen. Aber er hat immerhin eine Wohnung! Er lebt warm und trocken. Somit ist sein Bedarf objektiv niedriger, als der eines Geflüchteten aus Charkiv, der gar keine Wohnung hat und auf der Straße schlafen muss. Dieser wird nicht etwa bevorzugt versorgt, weil er Ausländer ist, sondern weil er ein Mensch ist, der noch dringender ein Dach überm Kopf benötigt.

Man muss die Nöte der Menschen unabhängig von Ethnie, sexueller Orientierung, Geschlecht und Nationalität gewichten. Bei begrenzten Hilfsangeboten, werden diejenigen in größter Not zuerst berücksichtigt.

Das ist fair, angemessen und humanitär. Der 75-Jährige Biodeutsche ist im Unrecht, wenn er behauptet, als Germane benachteiligt zu sein. Die Politiker und Behörden handeln vollkommen richtig bei der Versorgung von Ukraine-Flüchtlingen, wenn sie diese eben nicht grundsätzlich schlechter als Deutsche stellen, wenn sie unkompliziert eine Arbeitserlaubnis bekommen und ihre Ausbildungen außerhalb Deutschlands akzeptiert werden.

Nicht fair, ist hingegen die fortwährende Schlechterstellung arabischer, afghanischer oder afrikanischer Flüchtlinge. Sie werden aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit schlechter behandelt. Das ist echter Rassismus und somit ein Riesenskandal, der sogar noch schlimmer wird, weil Christliche Unionspolitiker gezielt „gute Flüchtlinge“ aus der Ukraine mit weißer Haut gegen „schlechte Flüchtlinge“ aus Eritrea mit dunkler Haut ausspielen. Wenig überraschend, daß die traditionell xenophobe Regierung Bayerns, die immer wieder den Faschisten Viktor Orbán als Stargast zu ihren Parteitreffen lädt, von Obergrenzen schwafelt und den mit seinem falschen Doktortitel betrügenden Andi Scheuer „Wer betrügt, fliegt“ schwafeln lässt, moralisch besonders verkommen agiert.

[…..]  Was der bayerische Innenminister tut, ist perfide

[…..]  Es wird eng in den Flüchtlingsunterkünften. 2022 dürfte das Jahr werden, in dem noch mehr Menschen kamen als im Fluchtsommer 2015: Berlin allein nahm trotz bitterer Wohnungsnot mehr als 80 000 zusätzlich auf - so viele Menschen, wie in Konstanz wohnen. Bayern schluckte mit 58 000 ungefähr einmal Passau. […..]  Perfide ist allerdings eine Unterscheidung, die Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nun getroffen hat. Das Problem sei nicht "vorrangig" der Zuzug ukrainischer Kriegsflüchtlinge, sondern "dass wir seit einiger Zeit mit deutlich steigenden Asylbewerberzahlen zu kämpfen haben". Gemeint waren Schutzsuchende vor allem aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, dem Irak und der Türkei.

Gute Flüchtlinge, schlechte Flüchtlinge: Der Minister zementiert hier eine Unterscheidung, die tabu sein sollte. […..]  In Bayern müssen Asylsuchende mit schlechter Bleibeperspektive mitunter selbst dann in diesen umzäunten Kasernen wohnen bleiben, wenn Frau und Kind Deutsche sind. […..]  Statt jetzt gegen die kleinere Gruppe der Asylbewerber zu polemisieren, sollten Joachim Herrmann und seine Kollegen auch deren Lage verbessern können - und damit auch ihre Akzeptanz in der Bevölkerung. […..] 

(Nina von Hardenberg, 22.09.22)