Donnerstag, 29. Juni 2017

Trump im Blutrausch



Leicht aussprechen kann unsereins diese konsonantenreichen polnischen Namen nicht.
Vor vier Wochen starb der legendäre US-Sicherheitspolitiker Zbigniew Kazimierz Brzeziński (1928-2017), der als Chefberater der Präsidenten Johnson und Carter so eine Art Henry Kissinger auf demokratisch war.
Als ungeheuer einflussreicher Politikwissenschaftler mischte er in der internationalen intellektuellen Szene bis zum Schluß mit, besuchte noch dieses Jahr als gefragtes Orakel die Münchner Sicherheitskonferenz.

Seinen Namen wird man so schnell nicht vergessen; unter anderem auch deswegen, weil seine Tochter Mika Brzezinski (*1967) auf MSNBC die tägliche Fernsehsendung „Morning Joe“ zusammen mit dem früheren republikanischen Politiker Joe Scarborough moderiert.

Brzezinski und Scarborough hatten schon lange vor dem Ausraster Brian Karems gegenüber der Superlügnerin Sarah Huckabee-Sanders genug von den unverschämten Hetztiraden des Weißen Hauses.


Cheflügnerin Kellyanne Conway wollten die Morning-Joe Moderatoren im Februar gar nicht mehr einladen, weil sie sowieso nie die Wahrheit sage.

‘Morning Joe’ host says Kellyanne Conway was banned because ‘everything she said was disproven’
(Cleve R. Wootson Jr., WP, February 22, 2017)

Inzwischen war Conway doch wieder in der Show und natürlich führte es zu einem weiteren Skandal, da Mika Brzezinski anschließend durchblicken ließ, Conway hasse inzwischen Trump; selbst ihre ginge das ständige Rechtfertigen der Trump-Hetztiraden und Lügen auf die Nerven. Wenn sie Trump spreche, benötige sie anschließend eine Dusche.

[…..] ‘Morning Joe’ Hosts: Conway Said She Needed a Shower After Speaking for Trump. [….]

Schwer vorstellbar, daß bei Conway Duschen noch ausreicht, aber immerhin nachvollziehbar wie sehr sie ihr Renommee-Verlust ärgern wird.

Als Sprecher für Trump muß jeder sich selbst um den letzten Funken Glaubwürdigkeit bringen und endet als tragische Witzfigur wie Sean Spicer.

Nachdem kürzlich „on air“ verkündete Trump lüge jeden Tag und zerstöre das Land – was eine zweifellos völlig zutreffende Darstellung ist. Rastete Trump mal wieder völlig aus.

 […..] Hauptziel von Trumps Verachtung wurde die Fernsehmoderatorin Mika Brzezinski, die den Präsidenten in einer Morgensendung scharf kritisiert hatte. Sie hielt ihm unter anderem vor, per Twitter über das äußere Erscheinungsbild von Menschen herzuziehen, "jeden Tag zu lügen", die Autorität seiner Mitarbeiter zu untergraben und sie als Bauernopfer zu missbrauchen.
Wenig später verunglimpfte Trump die Journalistin als die "verrückte Mika mit dem niedrigen IQ". Trump höhnte auch, Brzezinski habe vor einigen Monaten bei einem Besuch in seinem Golfclub Mar-a-Lago als Folge einer Schönheits-OP "schlimm" im Gesicht geblutet. Ihren Ko-Moderatoren und Partner Joe Scarborough beschimpfte der Präsident als "Psycho Joe". [….]


Dazu fällt mir nur das Wort ein: Fatigue.
Wäre noch irgendetwas normal in Amerika, müßte ein Präsident nach solchen Tiraden zurücktreten.
Auch in den US-Medien ist  - mal wieder – die Rede von „überschrittenen roten Linien“. Shocking assault on Brzezinski nennen es die CNN-Kollegen.
Allein, das Land ist so verkommen, daß Trump sich alles erlauben kann. Vermutlich könnte er tatsächlich in NY einem Passanten grundlos in den Kopf schießen und käme damit durch.

Für den Moment ist es natürlich amüsant zu hören, wie sich beispielsweise die Republikanerin Ana Navarro echauffiert. Der „disgusting dude“ solle aufhören zu twittern, sich nicht mehr wie ein gemeines Mädchen benehmen und sich endlich ein Hobby suchen.



Höchst erstaunlich, Kellyanne Conway gibt den Spicer und versteckt sich metaphorisch gesprochen in den Büschen.

[….] Even Kellyanne Conway has NO defense for President Trump's verbal attack on Mika Brzezinski ... because she tried every possible tactic to avoid the topic.
We got Trump's Counselor Thursday morning on Capitol Hill -- just a few hours after his brutal tweets about Mika. We barely got the question out when she launched into every pivot in her arsenal. [….]

Konsequenzen wird es weiterhin nicht geben. Trump hat weiterhin zig Millionen treue Fans, House und Senat stehen hinter ihm. Eine ganze Armada von ultrarechten Medien lobt und preist ihn weiterhin.

Der Typ, der in acht Tagen nur wenige hundert Meter von mir entfern nächtigen wird, hat in medialem Drachenblut gebadet.

Homoparty – Teil II



Vorwort:

Gestern Abend fiel mein Internet aus; daher war ich 14 Stunden zwangs-offline. Daher dieses verspätete Posting.
Nach der üblichen Zweit in der Service-Warteschleife sagte man mir, ich riefe außerhalb der Geschäftszeiten an und möge bitte inzwischen den Online-Service nutzen. Es sei „wenig zweckmäßig“ weiter in der Service-Hotline zu bleiben. Danke O2!

Den politischen Aspekt der Homo-Entwicklungen hatte ich gestern abgefrühstückt.
Nun muß ich noch einmal auf das Thema zurückkommen, um den komödiantischen Aspekt zu würdigen.

Da sind einerseits die rechtsradikal-völkischen Religioten des Schlages Beverfoerde oder Gersdorff, die sich heute in den sozialen Medien auskotzen und zur großen allgemeinen Belustigung beitragen.


Das sind keine schlechten Witzbolde, die jetzt vor der Eheerweiterung auf Mensch und Tier warnen.
Das haben wir schließlich erlebt in den 28 Jahren seit Dänemark die gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte.
Kein Mann will mehr eine Frau heiraten und so tauschen sie lieber die Ringe mit Wellensittich und Goldfisch.

Gott findet es auch gar nicht witzig und heizt der Erde schon mal ordentlich ein.
Seine unfehlbaren Stellvertreter sehen bereits das Ende der Welt kommen. Und wir sollten auf sie hören, denn Päpste haben immer Recht.

Mit messerscharfem Durchblick erkannte Papst Ratzi beispielsweise bei seiner großen Afrika-Reise von 2010 die Ursache für die Aids-Katastrophe und das Millionenfache Sterben am HI-Virus, welches sein lieber Gott über die Kinder, Frauen und Männer des ärmsten Kontinents brachte:

[…..] "Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln", erklärte Benedikt an Bord seines Flugzeugs auf dem Weg nach Kamerun. "Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", behauptete der Papst. Die Lösung liege vielmehr in einem "spirituellen und menschlichen Erwachen" und der "Freundschaft für die Leidenden". [….]

Ja, das klingt logisch. Nur durch ein Kondomverbot kann man die AIDS-Epidemie in Afrika aufhalten.

[…..] Katholische Kirche warnt vor Ehe für alle!
Überstürzt und nicht mit dem christlichen Verständnis vereinbar: Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich gegen gesetzliche Ehen zwischen Homosexuellen ausgesprochen - die "Weitergabe von Leben" sei gefährdet.
Die katholische Kirche hat starke Vorbehalte gegen die geplante Ehe für alle. Für die Deutsche Bischofskonferenz sei die Ehe "die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. [….]

Ja, das klingt logisch. Wenn die verkommene Bundesregierung nicht die armen Männer zur Homo-Ehe zwingen würde, könnten sie jetzt Frauen schwängern und LEBEN WEITERGEBEN! Bekanntlich hängt die sexuelle Orientierung ja von der Rechtslage ab. Gäbe es keine gleichgeschlechtliche Verpartnerung, fände augenblicklich eine Metamorphose aller Lesben und Schwulen zur Heterosexualität statt. Sie würden einander heiraten, die teuflischen Kondome wegwerfen und endlich wieder mehr Kinder machen.

Papst Benedikt XVI:. Homo-Ehe "bedroht die Zukunft der Menschheit."
(Die Welt, 09.01.2012)
 
Ja, das klingt logisch. Aber nach Merkels Umfall stirbt die Menschheit aus - man erkennt das ja schon seit einem halben Jahrhundert an der dramatischen Unterbevölkerung der Welt seit die Homos nicht mehr verbrannt werden.

Ich verstehe, daß Spitzenpolitiker wie Andrea Nahles, Wolfgang Thierse, Winfried Kretschmann oder Annette Schavan sehr stolz auf ihre intelligente katholische Kirchenführung sind und sich daher intensiv für die RKK engagieren.

Die Religioten Deutschlands scheinen wieder einmal Staat und Kirche zu verwechseln.
Wer die „Homoehe“ ablehnt, weil er katholisch ist, braucht sich nicht zu sorgen, da es kirchliche Hochzeiten für Schwule und Lesben auch weiterhin nicht in der RKK geben wird.
Was Ratzi, Franzl und der Homohasser Müller denken, soll eine Bundesregierung nicht zu kümmern.


Man kann nicht aus Rücksicht auf Antihumanisten mit ewig-gestrigen Ansichten ganz normale Menschen rechtlich schlechter stellen, so wie man einst Frauen kein Wahlrecht gab, weil Jesus das schließlich auch verlangt ("Das Weib schweige in der Gemeinde"!) und es überhaupt immer so war.
Die Bibel ist ein ganz schlechter Ratgeber, den wir dringend in den Müllhaufen der Geschichte befördern sollten.

Das kann man in seinem eigenen Wort, der Bibel, der Guten Nachricht, zweifelsfrei nachlesen.

 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.
(Mat 13,41)

18Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, 19 so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes 20und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. 21So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, daß er sterbe, und du sollst so das Böse aus deiner Mitte wegtun, daß ganz Israel aufhorche und sich fürchte.
(5 Mose, 21)

 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
(Mat 10,34)

Kommt, versammelt euch zu dem großen Mahl Gottes und eßt das Fleisch der Könige und der Hauptleute und das Fleisch der Starken und der Pferde und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller Freien und Sklaven, der Kleinen und der Großen!
(Joh 19,17)

So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder (...) erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.
(2 Mose 32,27)

Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.
(Lukas 14,26)

Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürgt sie vor mir!
(Lukas 19,27)

63So wie der Herr seine Freude daran hatte, auch Gutes zu tun und euch zahlreich zu machen, so wird der Herr seine Freude daran haben, euch auszutilgen und euch zu vernichten.
(5 Mose 28) 

 
In der Bibel preist Jesus auch die Sklaverei.
Linkshänder wurden verbrannt, weil sie die Teufelshand benutzten. Wollte die Kirche so.
Ungläubige, Juden, Muslime wurden von der Kirche massakriert.
Gemischtrassige und gemischt konfessionelle Ehen verboten.
Die Kirche pries Kinderarbeit und predigte fast 2000 Jahre ihrer Geschichte, daß man Kinder regelmäßig verprügeln muß.
Die Kirche jagte Jugendlichen Angst ein, wenn es um Masturbation ging.
Kirchen verboten das Bankenwesen und Zinsen.
Die Kirche hat Menschen gefoltert und ermordet, weil sie sich für den Heliozentrismus stark machten.
Kirchen haben arabische Zahlen wegen der "teuflischen Null" untersagt.

Sich im 21. Jahrhundert auf Bibel, Gott und Kirche und Heiliges zu beziehen, ist ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz schlecht.

Der Typ entstammt einer altertümlichen primitiven Hirtenkultur, die keine Menschenrechte kannte und fleißig vor sich hin mordete.
Bischöfe und niedere Religioten, die sich heute noch auf die Bibel beziehen, sollte man nicht ernst nehmen.

Der Holocaustleugner-freundliche Schwulenhasser, der Frauen partout nicht die gleichen Rechte geben will, Päderasten beschützt, der in Afrika erklärte „Kondome verschlimmern das AIDS-Problem“ und damit tausendfach Tod brachte und wieder die Karfreitagsfürbitte gegen die Juden einführte, hat keine Dankbarkeit verdient!

Derjenige, der TATSÄCHLICH für das Fortführen des myriadenfachen Kindesmissbrauchs verantwortlich war, nämlich jener Mann, der ein Vierteljahrhundert als oberster Glaubenswächter wirkte, aktiv alle Kinderfickerfälle an sich zog, strengstes Schweigen befahl und die Bischöfe anwies die Päderasten in ihren Reihen gewähren zu lassen, zweifelt kein bißchen an seiner Rolle. 

Aus Gründen absoluter Geheimhaltung zog in der Tat die verschwiegene vatikanische Glaubenskongregation alle wichtigen Fälle von Sexualvergehen von Klerikern an sich und so kamen die Fälle in den Jahren 1981 bis 2005 auf den Tisch ihres Präfekten Kardinal Ratzinger. Dieser sandte noch am 18. Mai 2001 ein feierliches Schreiben über die schweren Vergehen ("Epistula de delictis gravioribus") an alle Bischöfe der Welt, in welchem die Missbrauchsfälle unter die "päpstliche Geheimhaltung" ("secretum Pontificium") gestellt wurden, deren Verletzung unter Kirchenstrafe steht.
(
Küng)

Reue Fehlanzeige.


Bei Benedikt geht es […] um Folgendes: Er war verantwortlich als Chef der Glaubenskongregation für die Fälle von Missbrauch in der Kirche. Also, er war für deren Aufklärung, beziehungsweise eben für deren Vertuschung.
Und wenn man sagt, man will jemandem vergeben, dann muss man sagen, nach der katholischen Lehre muss da sein: A, Schuldeingeständnis, B, echte Reue, dann kann C, Vergebung folgen. Aber der Papst selbst, obwohl er sich mit Missbrauchsopfern trifft, obwohl er hier und da Dinge sagt, wie schrecklich das alles sei - er hat nicht seine eigene Schuld eingestanden.
Er zeigt keine Reue, im Gegenteil, er sagt, man sieht ja, wie diese schlimme weltliche Gesellschaft, diese schlimme sexuelle Enthemmung auch die Kirche affiziert, und darum muss sich erst recht mein Kampf gegen die - wie er es nennt - Antikultur des Todes fortsetzen. Das heißt, er zieht genau die falschen Schlussfolgerungen. Er sieht so zusagen - er guckt weiterhin auf den Span in unserem Auge, statt den Balken im eigenen zu erkennen.

Ratzinger ist ein mitleidsloser Elitärer, der seit vierzig Jahren gegen Humanismus und Menschenrechte kämpft.



Dienstag, 27. Juni 2017

Homoparty



Ordentlich was los heute beim rechten Flügel der Union und den Ratzinger-Epigonen. Hat Merkel sich beim Brigitte-Plausch, als sie eigentlich mal wieder alle politischen Aussagen verweigerte, aus Versehen verplaudert und mal eben die Homo-Ehe erlaubt?

[….] Zunächst sah es noch nach einer spürbaren, aber wenig wetterentscheidenden klaren Brise aus, als die Grünen die Ehe für alle zu einer Koalitionsbedingung erklärten; dann wurde es deutlich stürmischer, als kurz darauf SPD und FDP in dieser Frage mit den Grünen faktisch gleichzogen. Und kaum hat die Bundeskanzlerin – im Brigitte Talk (!) – verkündet, dass diese Frage doch eine Gewissensentscheidung ohne Fraktionszwang im Parlament sein solle, da stürmen die Sozialdemokraten erneut weiter vor, da ja die deutschen Parlamentarier nicht erst ab dem Herbst mit einem Gewissen ausgestattet sind und die Gesetzesvorlage durch den Bundesrat ja schon da ist. So möchte die SPD nun gleich in dieser Woche darüber im Bundestag zur Abstimmung kommen – und die CDU/CSU wird da wohl nolens volens mitziehen. […..]

Wenn eine Bundestagsabstimmung „freigegeben wird“ tut mir immer Hildegard Hamm-Brücher leid, die schon vor 50 Jahren unermüdlich auf Artikel 38 hinwies und 1987 ihr Standardwerk „Der Politiker und sein Gewissen. Eine Streitschrift für mehr parlamentarische Demokratie“ vorlegte.



In den 1980ern und 1990ern verschlang ich Hamm-Brüchers Bücher und kann es kaum fassen, daß jetzt immer noch grundgesetzwidrig so getan wird, als ob Abgeordnete nur frei abstimmen dürften, wenn die Kanzlerin es ihnen erlaubt.

[…..] [Das Scheitern der Weimarer Republik] war am 23. März 1933 mit der Zustimmung aller Parteien (außer der SPD) zum "Ermächtigungsgesetz" besiegelt worden.
Nach 1945 rechtfertigten sich integre Demokraten wie Theodor Heuss mit dem "Fraktionszwang", den Parteiführung und Fraktionsmehrheit ihnen auferlegt hätten. Sie seien von ihrer Partei quasi "gezwungen" worden, gegen ihre Überzeugung und für das Gesetz zu stimmen. Dieses Einknicken hat sich Theodor Heuss, der 1933 Abgeordneter der Deutschen Staatspartei war, nie verziehen. Zwar hätte er mit seiner Stimme nichts bewirken können. Aber er sagte, er habe es nie verwunden, wider besseres Wissen und Gewissen gestimmt zu haben.
Aus den Erfahrungen des Versagens und Scheiterns wollten die Väter und Mütter des Grundgesetzes Konsequenzen ziehen. Deshalb sind dort einklagbare Grundrechte aufgeführt, deshalb haben sie bestimmt, dass der Bundespräsident nicht durch das Volk, sondern durch eine Bundesversammlung gewählt wird.Und deshalb gibt es den ersten Absatz des Artikels 38, in dem die Gewissensfreiheit des Abgeordneten garantiert wird.
Darin heißt es: "Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen." Für diese Formulierung lässt sich den Protokollen des Parlamentarischen Rates folgende Begründung entnehmen: Man habe eine Formulierung gewählt, die die Gewissensentscheidung und auch die persönliche Freiheit des Abgeordneten - anders als in der Weimarer Verfassung - ausdrücklich garantieren solle. [….]

Aber was ist schon das Grundgesetz? Nichts, das Merkel kümmern müßte.

Der schwule Merkel-Bewunderer Ulli Köppe bewirkte mit seiner Frage, daß Merkel nun den Fraktionszwang, den es gar nicht gibt, aufhebt – was sie gar nicht darf – und alle Homos sind glücklich.

Die SPD ist noch glücklicher, weil sie glaubt die taktierende Kanzlerin kalt erwischt zu haben, indem sie jetzt in Lichtgeschwindigkeit eine Abstimmung zur rechtlichen Gleichstellung für Schwule und Lesben ansetzt.

[….] SPD-Vorstoß zur Ehe für alle: Endlich mal Merkel ausgetrickst?
Hat Angela Merkel sich beim Thema Ehe für alle verkalkuliert? Die SPD-Spitze glaubt, die CDU-Chefin endlich einmal gestellt zu haben - Kanzlerkandidat Schulz hofft auf neuen Schwung. [….]

Als Sozi bin ich mal wieder verblüfft über die Blödheit meiner Parteiführung.
Die SPD hat nicht Merkel ausgetrickst, sondern Merkel trickste die SPD aus, indem sie wie immer alle ihr potentiell gefährlich werdenden Oppositionsthemen selbst übernimmt.

Merkels Erfolgsrezept ist ihre Konzeptions- und Überzeugungslosigkeit. Sie besetzt Themen immer nur unter machtaktischen Gesichtspunkten.
Kein Kanzleramt hat jemals so viele Umfragen erstellen lassen. Merkel lässt sich mehrmals wöchentlich von Demoskopen detailliert über die Befindlichkeiten des Volkes unterrichten und hält an Positionen genau so lange fest, wie es der CDU und ihrer Macht nützt. Bahnt sich eine andere Meinungsmehrheit an, die womöglich bei Wahlen schaden könnte, fällt Merkel blitzschnell um und räumt das Thema ab, um der Opposition die Munition zu nehmen.
Ihr persönlich sind Wehrpflicht, Atomkraft oder Schwulenehe völlig egal.
Sie wägt einfach ab, ob das (finanzielle) Wohlwollen der Atomkonzerne wichtiger ist als der Unmut eines Teils der Wähler. Als die Stimmung nach Fukushima kippte, kippte die flexible Merkel einfach mit.

Merkels offene Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren war wichtig für sie, um den konservativen Flügel der Union bei Laune zu halten. Ihr selbst ist das Wohlergehen Schwuler und Lesben völlig egal.
 Da aber die Meinung der Bevölkerung nun so eindeutig wird, daß die Homodiskriminierung der Union eher schadet als nützt, weil sie damit der Opposition auf jeder Wahlkampfveranstaltung ein simples und klares Argument liefert, muß das Problem aus der Welt.

Sicherlich, ein paar Ultrakonservative und die CSU werden maulen, aber das hilft auch Seehofers Ewiggestrigen, die damit ein identitätsstiftendes Thema wider die verhasste CDU haben.
Auch die tobenden Rechts-Religioten von Hedwig Beverfoerde, Gabriele Kuby, Birgit Kelle bis Martin Lohmann, die jetzt gegen Merkel wettern, haben endlich wieder einen Grund sich zu inszenieren.
So kommt ihnen als selbsternannten Märtyrern für die Familien noch mehr Bedeutung zu.
Das gilt auch für Menschenhasser wie Joseph Ratzinger und Gerhard Ludwig Müller, die offiziell für die RKK die gleichgeschlechtliche Ehe als „Kultur des Todes“ brandmarken.
Sie haben wieder ein Aufregerthema und können sich als Glaubensbewahrer wider des bösartigen „Relativismus“ aufspielen.

[….] Martin Patzelt, CDU:
"Die Ehe ist von alters her eine selbstbestimmte, von der Kirche bestätigte Verbindung zwischen Mann und Frau. Unverzichtbare Voraussetzung für ihre Wirksamkeit war und ist der Wille zu leiblichen Kindern. Wenn die Politik zu einer 'Ehe' zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen nun die Zustimmung geben will, löst sie sich völlig von dem tradierten kirchlichen Eheverständnis.“ [….]

Peter Ramsauer, CSU:
"Ich will das Thema überhaupt nicht im Bundestag haben!“ [….]

Barbara Woltmann, CDU:
"Der Artikel 6, Absatz 1 des Grundgesetzes schützt die Ehe und Familie. Mit dem Begriff Ehe ist die auf Dauer angelegte, auf freiem Entschluss und Gleichberechtigung beruhende und förmlich geschlossene Lebensgemeinschaft zwischen Frau und Mann gemeint. Das ist durch Urteile des Bundesverfassungsgerichts mehrfach bestätigt.
[….] Wenn von Benachteiligung gesprochen wird, kann ich das nicht nachvollziehen. […..]

Merkel ist der Beifall der Vielen aber wahltaktisch wichtiger, als ein paar homohassende CDUler, die nun aus Frust AfD wählen. Merkel führt in allen Umfragen so komfortabel, daß sie das locker verschmerzen kann.

Sollte nächste Woche tatsächlich „Ehe für alle“ gelten, wäre das gut für alle Schwulen und Lesben, die als Paar Kinder adoptieren wollen.
Es wäre aber sehr schlecht für R2G, weil ihnen ein wichtiges Wahlargument im Kampf gegen die Schwarzen verloren ginge.

Meistertaktikerin Merkel hat die Roten kalt erwischt.

[…..]  Und wieder ist eine dieser alten CDU-Positionen Geschichte - abgeräumt ganz nebenbei kurz vor Ende eines lockeren Talks auf dem Podium der Frauenzeitschrift "Brigitte", als verschwurbelte Reaktion auf eine Zuschauerfrage. Angela Merkel beharrt nicht mehr auf dem Nein der Union zur Ehe für alle, spricht plötzlich von einer "Gewissenentscheidung". Bedeutet: Stimmt der Bundestag ab, kommt die Homo-Ehe.
[….]  Doch wenn die CDU-Vorsitzende nun beklagt, dass andere Parteien die Ehe für alle zum Gegenstand von Parteipolitik machen und CDU und CSU "anders" darauf reagieren wollten, dann ist das ziemlich dreist. Die Wahrheit ist wohl viel profaner: Merkel agiert taktisch.

Die Idee, das Thema über parteiübergreifende Gruppenanträge ins Parlament einzubringen, ist schließlich alt. Eine Abstimmung unter Aufhebung der Fraktionsdisziplin wäre längst möglich gewesen - wenn sich nicht die Unionsspitze aus Rücksicht auf die Traditionsehe-Verteidiger dagegen gesträubt hätte.
Nun aber wird bald wieder gewählt. Und SPD, Grüne und FDP haben die Ehe für alle zur Bedingung gemacht für eine mögliche Regierungsbeteiligung - in dem Wissen, dass die Union sich damit schwertut. Merkel erkennt, sie könnte sich in möglichen Koalitionsverhandlungen einer Lösung nicht weiter verweigern. Also will sie das Thema lieber jetzt vom Tisch haben, bevor es nach dem 24. September zum Problem wird. […..]

[…..] Man könnte das Geschacher um die Ehe für alle für zynisch halten: Jahrzehntelang wurde einer Minderheit ein Grundrecht verweigert, jetzt plötzlich gesteht man es ihr zu - aber nicht aus Einsicht der Ungerechtigkeit, sondern aus rein wahltaktischen Erwägungen. Wo bleibt da der Respekt, wo die Ernsthaftigkeit angesichts der lebensverändernden, historischen Tragweite dieser Änderung für Schwule und Lesben? [….]

Die organisierten deutschen Schwulen tanzen heute auf der Straße, feiern die Liberalisierung in diesem Lande.
Dabei ist in Wahrheit eher das Gegenteil passiert. Merkel hat ihre Macht gefestigt und wird nun mutmaßlich bis 2021 schwarzgelb regieren können.
Wir haben heute den Schritt in eine noch konservativere Zukunft getan, in der Bürgerrechte weiter abgeschafft werden.
Bundestrojaner, Videoüberwachung, Einschränkungen bei Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht, sowie ein brutalerer Kurs gegen Flüchtlinge werden nun noch wahrscheinlicher.