Samstag, 22. Dezember 2018

Atheistnachten


Nun seid mal nicht so negativ.
Zu Weihnachten kann man es mehr denn je genießen als gottloser Heide zu leben.
In den letzten paar Wochen wird es draußen etwas fies, weil die Religioniban und Konsumiban so laut und aufdringlich sind.
Aber heute beginnt schon das erfreuliche Fünf-Tage-Out, da der 24.12. auf einen Montag fällt.

Was kann einem Besseres passieren als fünf Tage lang in Ruhe gelassen zu werden? Telefon abstellen, Tür verbarrikadieren und Hardcore-Relaxing. So fühlt sich für mich das Paradies an. Insbesondere, da ich in einem Nachkriegsmietshaus mit sehr dünnen Wänden und kleinen Wohnungen lebe, in dem die Nachbarn fast immer nerven. Aber zu Weihnachten fliegen sie natürlich alle aus zu ihren Familien und bekommen eher nicht selbst Besuch, weil die Buden um mich herum nicht den Platz für üppige Feiern bieten.
Also kann ich ganz entspannt meine eigene Musik hören und genüsslich nachlesen, was all die frommen Christen Kirchenredaktionen von sich geben.
Für sie war 2018 wieder einmal ein Annus Horribilis.

Eine kleine aktuelle Auswahl; zurücklehnen und genießen:

[…..] Gottes kleine Rolle  
Nur noch eine Minderheit der jungen Erwachsenen ist gläubig, die großen Kirchen schrumpfen stetig. […..] Nur noch jeder Vierte sagt, er glaube an Gott. Minderheiten zwischen 13 und 16 Prozent geben an, zu ihrem Glauben zu stehen, mit Freunden über Glaubensfragen zu sprechen, dass ihnen dieser Glaube in schwierigen Lagen hilft. Den Satz: "In meinem Alltag spielt Glaube eine große Rolle" bejahen lediglich sieben Prozent; den Satz "ich kann mit dem Glauben an Gott nichts anfangen 33 Prozent. Im Mittelpunkt des Lebens steht das eigene Ich.
Mancher Synodale tröstete sich an jenem Montagmorgen in Würzburg damit, dass die kircheneigenen Soziologen sich auf die kirchenfernste Gruppe konzentriert hatten. Mit 28 Jahren ist die Kirchenaustrittsquote am höchsten. Könnte es nicht sein, dass mancher wiederkommt, wenn die Hochzeit ansteht, Kinder da sind oder schließlich der Tod am Horizont auftaucht? Ja, da könnten manche zurückkommen. Viel größer aber ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Studie Ausblicke auf den Wandel der religiösen Landschaft in den kommenden Jahrzehnten bietet. […..] Die Kirchen sind also auf dem Weg in die Minderheit, und doch ist diese Säkularisierung widersprüchlich und paradox. Der Glaube verschwindet nicht einfach, wie Soziologen noch in den 1970er-Jahren vorhersagten. So stellte die Sinus-Milieustudie 2013 ein überdurchschnittliches Interesse an Religion in konservativ-wohlhabenden, aber auch in alternativ-postmaterialistischen Milieus fest. [….]

Ob das was mit der sagenhaften Heuchelei der Kirchenvertreter zu tun haben könnte???

[….] Francesco Mangiacapra [….] ist Callboy. Er hatte Sex mit katholischen Priestern. […]


Nachdem der US-Bundesstaat Pennsylvania im August 2018 Schlagzeilen machte, daß 300 katholische Priester kleine Jungs vergewaltigten, ist es nun Illinois, das mit ähnlichen Zahlen an die Öffentlichkeit gelangt. Fast 700 katholische Priester haben dort Kinder sexuell misshandelt.

[….] Illinois Attorney General Lisa Madigan on Wednesday issued a blistering report about clergy sexual abuse, saying that Catholic dioceses in Illinois has not released the names of at least 500 clergy accused of sexually abusing children.
The preliminary report found that the church's six archdioceses have done a woefully inadequate job of investigating allegations and in some cases did not investigate them at all or notify the state's child welfare agency. Madigan's office said that while the dioceses have disclosed 45 more names of those credibly accused, the total number of names disclosed is only 185 and raises questions about the church's response to the crisis.
"By choosing not to thoroughly investigate allegations, the Catholic Church has failed in its moral obligation to provide survivors, parishioners and the public a complete and accurate accounting of all sexually inappropriate behavior involving priests in Illinois," Madigan said in a statement. [….]

Franziskus’ Nr 3, George Kardinal Pell, mächtiger Finanzchef des Vatikans und Papst-Berater, wurde vor einer Woche in Australien wegen des sexuellen Missbrauchs an zwei Jungs verurteilt. Berichtet wird darüber nur in den Print-Medien, da das Gericht einen weitreichenden Maulkorb verhängt hat. Weltweit dürfen elektronische Medien nicht darüber berichten.
Wieder einmal erweisen sich meine PRINT-Abos als segensreich, weil beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung ausführlich darüber berichtet wurde und ebenfalls erklärt wurde, wieso diese Geschichte nicht online bei sueddeutsche.de erscheinen kann.
Ironischerweise setzt sich ausgerechnet katholisch.de über das Verbot hinweg. Wer die Fakten nachlesen will, kann auch „Catholic News Agency“ und „Reports of Pell guilty verdict emerge, despite gag order” googlen.
Der Vatikan gab inzwischen offiziell ohne Angabe genauerer Gründe bekannt, Pell habe alle seine Posten in der Kurie verloren.
Viele Medien sind empört über das weltweite Schweigeverdikt, natürlich auch Atheistische, wie der HPD.
Ich halte den richterlichen Maulkorb allerdings gar nicht für so abwegig, wenn man das australische Geschworenen-System berücksichtigt. Wie soll man unvoreingenommene Menschen finden, wenn dieser superprominente Australier auf allen Titelseiten prangt?
Es braucht aber weitere Geschworene, da in einigen Monaten noch das Strafmaß festgelegt werden muss und der pädophile Lustgreis mutmaßlich nicht nur die beiden Jungs vergewaltigte (einer beging anschließend Selbstmord); es wird weitere Kindersexprozesse gegen Pell geben.

Diese Geschichte ist an sich nicht sehr überraschend. In diesem Blog wird seit über zehn Jahren der Name Pell im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch genannt.
Es beeindruckt aber wie hartnäckig gleich drei Päpste trotzdem zu Pell hielten. Insbesondere Jorge Bergoglio war begeistert von dem Australier, den er mehrfach beförderte.
Päpste, die demonstrativ Kinderficker fördern, bekommen schlechte Presse und das passiert gerade.

[….]  Es war ein Jahr, in dem wieder recht wenig voranging, in der Zentrale der katholischen Kirche. Die neue Kurienverfassung? Wird immer noch erwartet. Das engste Beratergremium des Papstes, der neunköpfige Kardinalsrat, zu dem auch der Vorsitzende der Deutschen Bischöfe, Kardinal Reinhard Marx, gehört, ist deutlich geschwächt. Zwei Mitglieder hat Franziskus gerade abberufen, weil gegen sie im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen ermittelt wird.
Nein, man kann nicht behaupten, dass das ein gutes Jahr war für Papst Franziskus. Das lag vor allem am Thema Missbrauch. Die Katastrophenmeldungen kamen aus den USA und Australien, sie verfolgten den Papst auf seinen Reisen - und nicht immer ging er geschickt damit um. […..] In seinem engeren Umfeld ist man weiterhin stets dann beunruhigt, wenn der Papst improvisiert. Dann kann es passieren, dass er Menschen vor den Kopf stößt.  [….]

Sogar der unerschütterlich fromme Katholik Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung ist ein wenig genervt von seinem Verein.

[….]Das Böse in den eigenen Reihen
[…..]  Der Missbrauchsskandal hat die Kirchen mit voller Wucht getroffen. Sie mussten erkennen, dass Pfarrer, Priester, Kirchenmitarbeiter Minderjährigen sexualisierte Gewalt angetan haben, viel häufiger als bislang angenommen. Und es hat sich gezeigt, dass die Ursachen dafür im System liegen, im Selbstbild der Kirche. Es ist eine Krise, die an die Existenz geht.
Zu Weihnachten ist normalerweise für ein paar Tage die Welt der Kirchen in Ordnung, allen Säkularisierungstendenzen zum Trotz. Immerhin 18 Millionen Deutsche strömen abends am 24. Dezember in die Gotteshäuser - Tendenz seit einigen Jahren wieder steigend. […..][…..] Der Weihnachtsfrieden fällt dieses Jahr aus, vor allem für die katholische Kirche. Am 12. Dezember richteten Hunderttausende Frauen aus der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland Taschenlampen auf Kirchentüren; mit der Aktion "Macht Licht an" forderten sie von ihren Bischöfen, endlich konsequent gegen die Gewalt und ihre Vertuschung vorzugehen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, die Vertretung der katholischen Laien, plädierte im November für die Abschaffung des Pflichtzölibats für katholische Priester. Der Skandal ist ganz oben angekommen: Robert Zollitsch, einst Erzbischof von Freiburg und Bischofskonferenzvorsitzender, hat zugegeben, in einem Missbrauchsfall dramatisch falsch gehandelt zu haben - ebenso Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode. Heiner Wilmer, der neue Bischof von Hildesheim, hat das Fehlverhalten seines Vorgängers offengelegt und bestätigt, was bislang strittig war: Sein Vorvorgänger Heinrich Maria Janssen wurde übergriffig. Es dürften nicht die letzten Fälle sein, bei denen offenbar wird, dass hochrangige Würdenträger im Umgang mit dem Thema versagten - oder gar selber sexualisierte Gewalt ausübten. […..][…..]

Freitag, 21. Dezember 2018

Null Generäle bis zur Apokalypse


Nachdem Anfang November 2016 feststand wer als nächster Präsident ins Weiße Haus einziehen wird, erwartete ich das Schlimmste.
Boy, wurde diese Prognose übererfüllt!


Während es in den ersten Wochen „nur“ ungeheuer peinlich und chaotisch lief, begann ich mir mehr und mehr ernste Sorgen zu machen.
Der Psychopath im Oval Office, von dem man vorher noch eine leichte Hoffnung haben konnte, er würde sich schnell langweilen, sich auf seine Golfplätze zurückziehen und jemand anders die eigentliche Arbeit machen lassen, erwies sich aber als hartnäckig karzinogen. Immer wieder verlässt er Mar A Lago und mischt sich in die Politik ein.
Und so mußte ausgerechnet ich, der linke Antimiltarist meine ganze Hoffnung auf drei erzkonservative Generäle setzen.

(….) Ob die Welt innerhalb der nächsten drei Jahre zu einer großen Apokalypse wird, hängt an den folgenden Militärs:

1.)

John Francis Kelly, 67, General des United States Marine Corps (USMC), Stabschef des Weißen Hauses.
[….][….]  befehligte ab 2009 bis 2011 die „Marine Forces Reserve“ und die „Marine Forces North“. 2011 wurde er Generalleutnant im Verteidigungsministerium. Obama übertrug ihm 2012 das Kommando des US Southern Command.

2.)

James Norman Mattis, ebenfalls 67, ebenfalls General des US Marine Corps (USMC) ist US-Verteidigungsminister und machte eine ähnliche Bilderbuchkarriere.
Seine Stationen: [….][….] kommandierender General des „Marine Corps Combat Development Command“ in Quantico. [….] 2010 Nachfolger von General David Petraeus als Oberbefehlshaber des US Central Command und 2007 bis 2010 Befehlshaber des US Joint Forces Command, [….]. Mattis gilt als „verrückt“ (Mad Dog), weil er immer wieder wüste Sprüche von sich gibt.

Aus einer Podiumsdiskussion in San Diego, Kalifornien, am 3. Februar 2005 wird Mattis mit den Worten zitiert: “Actually it's quite fun to fight them, you know. It's a hell of a hoot. It's fun to shoot some people. I'll be right up there with you. I like brawling. You go into Afghanistan, you got guys who slap women around for five years because they didn't wear a veil. You know, guys like that ain't got no manhood left anyway. So it's a hell of a lot of fun to shoot them.” (deutsch: „Also, ich muss sagen, das Kämpfen macht viel Spaß. Es macht eine ganze Menge Spaß ... Es macht Spaß, ein paar Leute zu erschießen. Du gehst nach Afghanistan und gerätst an Leute, die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sie sich nicht verschleiert haben. Solche Leute sind ohnehin keine richtigen Männer mehr. Also macht es unheimlich viel Spaß, sie zu erschießen.“) [….]
(Wikipedia)

3.)

Herbert Raymond „H. R.“ McMaster, 55, Lieutenant General der United States Army, Nationaler Sicherheitsberater.
Stationen in Deutschland, Einsätze in Afghanistan und dem Irak. [….][….]

 Kelly, Mattis und McMaster sind als einsatzfreudige Militärs, die alle drei offensichtlich gern die Waffen sprechen lassen nicht meine natürlichen Verbündeten.
Aber die drei sind die letzte Verteidigungslinie vor dem irren Orang. Die Welt hängt am seidenen Faden.
Nur wenn es Kelly, Mattis und McMaster gelingt Trump rund um die Uhr zu bewachen, ihn zu beruhigen, einzuhegen, zu umschmeicheln und abzulenken, taumelt die Welt nicht in den Abgrund.
Trump beleidigte auch schon seine Generäle, demütigte sie und es ist immer möglich, daß er einen entlässt.
Man muss sich aber wünschen, daß die drei Generäle ihren Frust unterdrücken und ihnen nicht öffentlich ihre wahre Einschätzung des Oberbefehlshabers rausrutscht, so wie es Tillerson passierte.
Es geht nicht um ihre Jobs, es geht nicht um Trump. Es geht um nichts weniger als die Rettung der Welt.
Daher müssen sie durchhalten und nach einem genauen Zeitplan systematisch dafür sorgen, daß einer von ihnen stets anwesend ist, um Trump notfalls niederzuschlagen, wenn er komplett durchdreht.

Die US-Kommentatoren waren von ganz liberal bis stockkonservativ einig in ihrer Analyse:
Insbesondere mit Kelly würde endlich Ordnung und Organisation ins Weiße Hause einziehen.
Er könne #45 zur Raison bringen und würde uneitel, streng und effektiv die Regierungsmaschine zum Laufen bringen.

Das war wieder eine dieser kapitalen Fehleinschätzung wie es sie schon im Jahr 2016 so oft gab. Ja, Trump drehe im Wahlkampf sehr auf, aber der Regierungsalltag würde ihn schon disziplinieren.

Trump ist noch viel dümmer als man dachte. Außerdem ist er nicht nur extrem undiszipliniert und triebgesteuert, sondern auch borniert und intellektuell so minderbemittelt, daß man ihn nicht briefen kann. Er ist nicht zugänglich für Informationen.
Man kann Trump nicht zähmen. Er benimmt sich wie ein lobotomiertes renitentes Balg, das durch einen irren kosmischen Zufall zu Superkräften gelang.


Und die drei harten Kerle Kelly, Mattis und McMaster, die zuvor mit Taliban und IS fertig wurden?

    I.        McMaster schmiss Trump schon im März 2018 raus.
  II.        Kelly wurde am 08.12.2018 per Twitter von seinem Chef gefeuert.
III.        Mattis warf diese Woche empört hin.

Angesichts der völlig chaotischen Zustände um Trump herum ist das nicht verwunderlich. Viele Dutzend Trump-Minister und hochrangige Mitarbeiter wurden schon gefeuert oder verließen schreiend das sinkende Schiff.


Die drei genannten Generäle sind aber insofern besonders dramatische Abgänge, weil sie eher unpolitische Jobs hatten, bei denen es um Krieg und Frieden ging.

[….] Vor einem Jahr sagte der republikanische Senator Bob Corker, Amerika habe es vor allem vier Männern zu verdanken, dass die irrlichternde Präsidentschaft Donald Trumps die Welt bislang nicht vollends ins Chaos gestürzt hat: Außenminister Rex Tillerson, Sicherheitsberater H.R. McMaster, Stabschef John Kelly und Verteidigungsminister James Mattis.
Dem Quartett, oft als die „Achse der Erwachsenen“ im Weißen Haus bezeichnet, wurde die Fähigkeit zugeschrieben, den zu unberechenbaren Alleingängen tendierenden Präsidenten außenpolitisch einzuhegen. Die Dompteure Tillerson, McMaster, Kelly sind bereits am Ego Trumps zerschellt und geschasst worden. Mit Mattis hat nun der letzte „Mohikaner“ das sinkende Schiff verlassen. Aus Selbstrespekt. Und maßloser Enttäuschung über einen Commander-in-Chief, der am Ende des zweiten Amtsjahres zu einer veritablen Bedrohung für die Weltordnung geworden ist. [….]

Kelly, Mattis und McMaster stolperten nicht über Skandale oder persönliche Bereicherung wie so viele andere Trump-Minister,
Sie gingen auch nicht wegen einer liberaleren oder konservativeren Sicht der Tagespolitik.
Sie alle waren nicht sehr medienaffin und verglichen mit ihrem Boss völlig unprätentiös.
Sie sind weg, weil sie wissen, daß Trump ein gefährlicher Irrer ist, den man nicht kontrollieren kann.

Mattis geht, weil er damit sagen will: Fahrt diesem Wahnsinnigen endlich in den Arm. Tatsächlich gibt es kaum republikanische Außenpolitiker, die Trumps Politik des Lunte-Anlegens im Fall Syrien unterstützen.

 [….] Trump gibt Syrien auf
[….] Mit dem Abzug der US-Soldaten aus Syrien gefährdet US-Präsident Trump nicht nur den Kampf gegen den IS. Er stärkt auch das Assad-Regime und den türkischen Präsidenten Erdogan. Großer Verlierer: die Kurden.
"Es wäre fahrlässig, wenn wir sagen würden, das physische Kalifat wäre besiegt, sodass wir einfach abziehen können. Ich denke, jeder, der sich so einen Konflikt anschaut, würde dem zustimmen." So äußerte sich Brett McGurk, Sonderbeauftragter des US-Präsidenten für den Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), erst in der vergangenen Woche.
Am Mittwoch nun hat sein Chef Donald Trump entschieden, dass sich die US-Armee, die etwa 2000 Soldaten in Syrien stationiert hat, sehr wohl doch einfach aus dem Bürgerkriegsland zurückziehen könne. Auch die Luftangriffe gegen die Terrormiliz sollen beendet werden, heißt es aus dem Pentagon.
"Wir haben gegen den IS gewonnen", behauptet Trump. Das ist falsch. [….] Und der IS ist weiterhin identitätsstiftend für militante Islamisten in aller Welt. Das zeigt der Anschlag in Straßburg in der vergangenen Woche, den die Miliz für sich reklamierte. Das zeigt auch der Mord an zwei Skandinavierinnen in Marokko in dieser Woche. [….] Der schnelle Abzug der US-Truppen, die dort bis dato SDF-Einheiten ausgebildet und beraten haben, gibt Erdogan nun grünes Licht für seine Militäroperation.
[….] Nachdem die USA die Kurden im Stich lassen, werden diese sich aus Angst vor der Türkei notgedrungen noch enger an der Assad-Regime binden müssen. Damit droht der kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten Syriens über kurz oder lang das Aus. [….] Mit dem Abzug gibt Trump, der sich so gern als König des Deals feiert, zugleich seinen wichtigsten Trumpf bei Verhandlungen über die Nachkriegsordnung in Syrien aus der Hand. Die Präsenz der US-Truppen sorgte dafür, dass derzeit ein knappes Drittel der Landfläche Syriens unter der Kontrolle der mit dem Westen verbündeten SDF steht. Das Grenzgebiet zur Türkei dürfte in den nächsten Monaten unter Ankaras Kontrolle geraten, der große Rest würde nach einem Abkommen zwischen Damaskus und den Kurden kampflos an Assad fallen. [….]

Offensichtlich gibt es selbst in der GOP Menschen, die nicht ausschließlich Trumps Wohlbefinden im Auge haben, sondern wissen wie bitter es sich noch für die USA rächen kann, wenn sie unter #45 so klar deutlich allen Partnern in den Rücken fallen, ihre eigene Glaubwürdigkeit begraben und amerikanische Interessen weltweit begraben.


[….] Trumps Volte sollte nicht nur den Kurden Angst machen  Mit dem Abzug der Truppen aus Syrien verrät der US-Präsident seine Bündnispartner auf der ganzen Welt. Was tun, wenn weder vernünftiges Zureden noch das Überwintern der Trump-Eiszeit helfen?
In den USA haben sich einige Medien und Organisationen der Aufgabe verschrieben, alle Lügen des Donald Trump zu dokumentieren. Ebenso nützlich könnte es sein, ein Verzeichnis all jener anzufertigen, die dem Ego, der Hybris, der Ignoranz und Skrupellosigkeit des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten zum Opfer gefallen sind. Vollständig wäre es freilich nie. Zu unüberschaubar ist die Zahl derer, die Trump als Baulöwe, TV-Entertainer und schließlich mächtigster Mann der Welt übers Ohr gehauen, im Stich gelassen oder verraten hat. Unzweifelhaft aber müsste der jüngste Eintrag auf so einer Liste den Kurden im Norden Syriens gelten. Trumps Befehl zum überstürzten Rückzug der US-Truppen bringt sie in größte Gefahr. Diese Volte, die den Kurden Furcht einflößt, sollte auch den Europäern Angst machen.
[….] Zusätzlich werden die Kurden durch türkische Truppen unter Druck geraten, weshalb sie ihr Heil in einem Bündnis ausgerechnet mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad suchen könnten. Russlands Präsident Wladimir Putin hat Trumps Zug deshalb schon als richtig gelobt. Zufrieden sein können auch die ebenfalls mit Assad verbündeten Iraner. Dem amerikanischen Präsidenten ist somit das Kunststück gelungen, mit einer einzigen Entscheidung islamistische Krieger, Russen und Iraner zugleich glücklich zu machen. Trump verrät so nicht nur loyale Waffenbrüder, sondern auch traditionelle Prinzipien amerikanischer Außenpolitik. [….]

Trump ist eben nicht nur „kein normaler Politiker“, sondern er ist gar kein Politiker. Er ist ein gefährlicher Soziopath, ein unterbelichteter Idiot, pathologischer Lügner und natürlich ein Mafiosi.

[….]  Der Fall Cohen, Aktenzeichen Nr. 18 Cr. 602 (WHP), wurde vom legendären Mafia-Ressort der New Yorker Staatsanwaltschaft betreut. Das sagt einem alles über Cohen, den sie Trumps Consigliere nannten. Und über seinen damaligen Chef, dessen "Schmutztaten" Cohen ausgeputzt haben will - den US-Präsidenten.
 Die US-Justiz behandelt Donald Trump und seinen Dunstkreis wie eine kriminelle Vereinigung, nur ohne die Morde. Geduldig graben sich die Fahnder in den Zirkel der Macht vor, von außen nach innen, überführen erst kleine, dann immer größere Gangster, machen sie zu Zeugen der Anklage, um am Ende, so der Plan, vielleicht den größten Gangster zu fangen.
Insgesamt 17 Ermittlungsverfahren kreisen inzwischen um Trump, es geht um Geldwäsche, Korruption, Betrug, Steuerhinterziehung - alles Straftatbestände, die auch Mafiosi schon oft zum Verhängnis wurden.
Immer mehr Amerikanern dämmert es, dass sie von einem Mann regiert werden, der sich, um es milde auszudrücken, jahrzehntelang mit Gaunern, Schurken und Halbweltgestalten umgab. Dass sie das irgendwie ahnten, wenn nicht wussten, doch darüber hinwegsahen. Dass sie alle Komplizen sind. [….]




Donnerstag, 20. Dezember 2018

Moralische Fragen


Welch entzückend-sympathische Spezies wir Homo Demens sind, kann man heute bei „Volk und Glauben“ nachlesen.
Da wird einem zum Fest der Liebe doch gleich ganz warm ums Herz.
Myriaden Kinder, die wir täglich abkratzen lassen, obwohl es nicht nötig wäre.
In Syrien dürfte sich die Situation mit der heutigen Entscheidung Trumps Assad, Erdogan und Putin zu stärken und dafür die Kurden zu opfern noch verschlimmern.

[….] März 2018: Schon heute haben mehr als 1,5 Millionen Menschen in dem Bürgerkriegsland bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten ... kamen seit Ausbruch des Konflikts Aktivisten zufolge mehr als 350.000 Menschen ums Leben. Unter den Opfern mehr als 105.000 Zivilisten ... enthalten in diesen Zahlen sind nur Opfer, deren Tod belegt ist. Die tatsächliche Zahl der Toten liegt Schätzungen zufolge bei mehr als einer halben Million.
Im März 2017 erklärte das UNHCR, dass mittlerweile 5 Millionen Syrer als Flüchtlinge registriert seien. Die Zahl der Binnenflüchtlinge betrage rund 6,3 Millionen.
Unicef zufolge schickten die Konfliktparteien 2017 mindestens rund 900 Minderjährige in den Kampf. Ein Viertel der "Kindersoldaten" war jünger als 15 Jahre. […..]

Das sagt natürlich einiges über die perfide, brutale und rücksichtslose Natur der Menschen aus, wenn sie Ihresgleichen so ungerührt täglich quälen.

Von einer höheren Perspektive aus gesehen, gehören wir natürlich alle zu einer miesen Gattung, der man nicht nachweinen sollte, weil sie destruktiv, parasitär und toxisch veranlagt ist.

Noch abscheulicher ist die menschliche Anmaßung allen anderen Lebewesen gegenüber, die getreu des sadistischen Mottos Gottes „macht euch die Erde untertan!“ als minderwertig, rechtlos und primitiv missachtet werden.
Einen besonderen Spin der Abartigkeit geben der Sache Millionen selbsterklärter Tierfreunde, die ihr Haustier vergöttern und gleichzeitig durch ihr Konsumverhalten grauenvolle Zustände ist der Fleischmast und die Vernichtung von Lebensraum unzähliger Biotope fördern.
Und sie kaufen dann die Billig-Lotions aus den Drogerie-Discountern, deren Produkte an Tieren getestet werden.

[…..] 2,8 Millionen Tiere "verwendet oder getötet"
Gut 740.000 Tiere sind in Deutschland im vergangenen Jahr für wissenschaftliche Zwecke getötet worden. Weitere gut zwei Millionen Tiere wurden für wissenschaftliche Tierversuche eingesetzt. Das berichtet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in seiner neusten Statistik.
Die Gesamtzahl der Versuchstiere 2017 liegt damit bei 2,8 Millionen - ein ähnliches Niveau wie in den Jahren 2015 und 2016[….] Deutlich gestiegen ist die Zahl der verwendeten Affen: Sie lag im vergangenen Jahr bei 3472 Tieren, 2016 waren es noch 2462.
Zur Einordnung der Zahlen: Für die Fleischproduktion werden in Deutschland im Jahr ungefähr 750 Millionen Tiere geschlachtet.[….]

Da ich eine Forscherin am Hamburger UKE privat kenne, konnte ich mir mal die Tierversuchsabteilung ansehen. Die liegt direkt neben dem Herzzentrum und ist ultramodern. Die haben dort nur Ratten und Kaninchen. Aus biochemischer Sicht ist es natürlich faszinierend wie gezielt man Ratten mit speziellen Eigenschaften für Medikamententests züchten kann. Aus ethischer Perspektive lehne ich das allerdings grundlegend ab. Man kann nicht andere Lebewesen quälen und töten, um die eigenen Spezies profitieren zu lassen.
Meine ethischen Bedenken sind fundamental. Ich lehne Tierversuche nicht nur für Kosmetika und unnütze Studien ab, sondern halte keine „Anwendung“ für wichtig genug, um Tiere dafür zu töten.

Allerdings lag zu dem Zeitpunkt meine Mutter drüben auf der Intensivstation und wenn mit dem Tod einer Ratte ein lebensrettendes Medikament freigegeben worden wäre, oder meine Mutter durch eine Schweinherzklappe hätte überleben können, wäre ich garantiert eingenickt und hätte jedes Tier geopfert.
Menschen sind so; inkonsequent und schwach.
Und vielleicht kann man es dem Einzelindividuum nicht übelnehmen.
Allein schon die wissenschaftliche Bezeichnung, die wir uns selbst gegeben haben: Homo Sapiens, der weise Mensch, zeigt unsere Hybris. Wir sind offensichtlich als Spezies eben nicht weise, sondern eine raffgierige Bande von Egoisten, die nicht weiter als bis zur Nasenspitze denkt.
Wir können gar nicht weise sein, da wir amoralisch vermehrt werden.

Der WWF-Report von 2018 listet auf, wie der Mensch in den letzten 45 Jahren 60% der Tierwelt ausgerottet hat durch Tourismus, Agrarpolitik, Fleischkonsum und Ressourcenverschwendung.

[…] Diese 12. Ausgabe des Living Planet Reports zum Zustand der Biologischen Vielfalt erzählt die Fortsetzungsgeschichte eines Trends, der allen Anlass zur Sorge geben muss: Die Kurve des Living Planet Index (LPI) weist steil nach unten, während die des Verbrauchs endlicher Ressourcen weiter in die Höhe schießt. Der Zusammenhang beider Entwicklungen ist offensichtlich. Seit mehr als 40 Jahren gehen die Tierbestände zurück – inzwischen um 60 Prozent gegenüber dem Beginn der Messungen im Jahr 1970 und um weitere 2 Prozent seit dem letzten Bericht. Demgegenüber steht nach jüngsten Berechnungen ein weiter steigender Ressourcenverbrauch vieler Gesellschaften. Damit steht fest: Die Menschheit nutzt seit 40 Jahren mehr natürliche Ressourcen, als die Erde erneuern kann. Der Ökologische Fußabdruck der Menschheit wird permanent größer. Die Regenerationskapazität der Erde ist überschritten. 1,7 Erden bräuchte es momentan, um den Ressourcenverbrauch zu decken. Die Überbeanspruchung der Erde in solchem Ausmaß muss ein Ende haben. [….]

Was bilden wir uns eigentlich ein, was maßen wir uns an?

[….] Humans have been around for more than 2 million years. But in the last 44 years, we have achieved what we haven’t in all this while: a mass annihilation of our fellow earthlings. Between 1970 and 2014, Earth lost nearly 60% decline of its mammals, birds, fish, reptiles and amphibians, almost all of it due to human activity. The rate at which Earth is losing its biodiversity is comparable only to the mass extinctions. This and other findings have been published by the World Wildlife Fund in its Living Planet Report 2018, a stinging reminder of the declining health of the planet.
[….] This year, its results are even more devastating than ever:
    20% of the Amazon has disappeared in just 50 years
    On a global scale, the area of minimally disturbed forests declined by 92 million hectares between 2000 and 2013
    Of all species that have gone extinct since 1500 AD, 75% were harmed by overexploitation or agriculture
    Ocean acidification may be occurring at a rate not seen in at least 300 million years. The Earth is estimated to have lost 50% of its shallow water corals in the past 30 years
    Humans are responsible for releasing 100 billion tonnes of carbon into the Earth’s system every 10 years. In April 2018, levels of carbon dioxide in the atmosphere reached an average of 410 parts per million (ppm) across the entire month–the highest level in at least 800,000 years
    Only 25% of land on Earth is substantively free of the impacts of human activities. This is projected to decline to just 10% by 2050 [….]