Donnerstag, 11. August 2016

Der Minusmann – Teil XVIII


Gestern war ich in einer neuen Bankfiliale.
Meine gerade noch Bestehende ist wegen der radikalen Entlassungswelle der Deutschen Bank personell schon so unterversorgt, daß sie für so etwas Exotisches wie einen Kredit nicht mehr aufgestellt ist.
Da der gute Mann in der Zentrale, zu dem ich bestellt wurde, mich natürlich nicht kannte und ich meine gesamte Lebensgeschichte und einen totalen Finanzstriptease aufführen mußte, tauchte wieder einmal die Frage auf, wieso ich denn nur einen US-Pass hätte und welchen Aufenthaltstitel ich vorlegen könnte.
„Aber es gibt doch jetzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Wieso wollen Sie denn nicht zusätzlich auch den deutschen Pass haben?“
Deutsche kennen fast nie die deutschen Gesetze bezüglich ihrer Staatsbürgerschaft. Der gute Mann hatte die partielle Aufhebung der Optionspflicht, die der CDU bei der Groko-Vereinbarung von 2013 ausgehandelt worden war, mit einer generellen „doppelten Staatsbürgerschaft“ verwechselt.

Es ist aber rechtlich immer noch so, daß ich nicht für würdig empfunden werde die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Das deutsche Blutrecht, das „Ius sanguinis“ gilt für mich weiter, da ich nur eine deutsche Mutter hatte, die zum Zeitpunkt meiner Geburt rechtlich irrelevant war. In Deutschland zählt(e) nur das MÄNNLICHE, also väterliche Blut. So muß ich, der in Deutschland geboren wurde und dessen Familie seit zehn Generationen in Deutschland nachweisbar ist, nach wie vor US-Amerikaner bleiben.
CDU und CSU, auch Frau Merkel ganz persönlich verweigern mir einen deutschen Pass. Den zusätzlichen deutschen Pass sowieso, aber selbst wenn ich den US-Pass schreddern würde, könnte ich nicht Deutscher werden, weil ich aufgrund meiner beruflichen Situation als Mini-Selbstständiger nicht ausreichend nachweisen kann niemals dem deutschen Staat auf der Tasche zu liegen.

Obwohl es fast keine anderen Länder gibt, die Doppelstaatsbürgerschaften verweigern und außerdem das Blutrecht, statt des Kriteriums „Geburtsort“ anwenden, verteidigen konservative Politiker und Journalisten weiterhin energisch das völkische Bild aus der Hitlerzeit, wenn es darum geht, wer Deutscher sein darf.

Daß die doofen Sozis durchsetzten, daß wenigstens in Deutschland geborene Menschen unter 25 (ich bin ja leider knapp drüber…), zwei Staatsbürgerschaften behalten dürfen, geht dem pathologischen Lügenminister Thomas de Maizière inzwischen auch zu weit.
Jemanden wie mich würde er ohnehin niemals als Landmann akzeptieren, obwohl meine Vorfahren schon länger in Deutschland leben als die de Maizières.

Vielleicht lüge ich ihm einfach nicht genug?

Gerade unser Verfassungsminister Thomas de Maizière ist Paradebeispiel eines Amoralikers, der immer wieder Lügen über Flüchtlinge verbreitet.

Dieser Minusmann ist nah dran zum schlechtesten deutschen Minister aller Zeiten zu avancieren.
Wenn der Innenminister in seinen ganzen Unfähigkeit noch unfreiwillig komisch ist, wie bei seiner inzwischen berühmten „Ein Teil der Antwort würde sie nur verunsichern“-Nichtaussage zur Terrorgefahr, hat man wenigstens noch was zu lachen.

Unglaublich, dieser Thomas de Maizière.
Völlig schmerzfrei. Immer und immer wieder der dreistesten Lügen überführt, als ausländerfeindlicher Hetzer peinlich aufgefallen und politisch so unfähig, daß sogar die ihm zu tiefer Dankbarkeit verpflichtete Merkel ihn partiell entmachten mußte, weil er so offensichtlich überfordert ist in seinem Job.

Jeder Politiker mit einem Funken Anstand und Ehrgefühl würde nun zurücktreten, oder aber sich zumindest ganz fürchterlich schämen.
Da ohnehin Peter Altmaier de Maizières Job mitmacht, sollte sich der Innenminister, wenn er schon drei Liter Superkleber auf seinen Ministersessel gegossen hat, still und unauffällig verhalten.
Aber nein, de Maizière denkt sich sofort eine neue perfide Gemeinheit aus.

Der Innenminister verstört nicht nur durch Lügen, Heucheln und Hetzen; nein er generiert auch durch demonstratives Nichtstun Probleme und bekommt zunehmend seine destruktive Ader nicht unter Kontrolle.
Seit Merkel ihn entmachtete, steht ihm offensichtlich der Sinn nach neroesken Handeln. Nun will er auch die Bundesregierung insgesamt schlecht aussehen lassen.

Daß sich aber ausgerechnet der Minusmann de Maizière empört über die zunehmende Radikalisierung zeigt, ist schwer erträglich.
Immerhin ist es der Bundesinnenminister selbst, der seit Monaten bereitwillig Öl ins Feuer gießt.
De Maizière ist genau der Brandstifter, der mit seinen Halb- und Unwahrheiten die Nazis erst ermutigt.
Der Innenminister schlug die Internierungslager für Heimatvertriebene vor, um damit dem rechten Pöbel den Eindruck zu vermitteln, die Syrer wären alle kriminell.
Der Bundesinnenminister steht einem Wahlkreis vor, in dem seine CDU offen undemokratisch und PEGIDA-freundlich auftritt.

De Maizière hat aus seinen fortwährenden öffentlichen Lügen aber eins gelernt:
Obwohl sie in der Regel klar enttarnt werden – so zB seine Mega-Lügen bei der Eurohawk-Affäre, bei der Kundus-Katastrophe oder den angeblichen „Scheinsyrern“ – schadet es ihm politisch überhaupt nicht.
Er sitzt weiterhin fest im Sattel, die CDU ist mit Abstand stärkste Partei in den Umfragen und die Bundeskanzlerin läßt ihn ohne einen Rüffel gewähren.

Im nächsten Jahr ist Bundestagswahl und da es immer populär ist gegen Ausländer und Fremde zu polemisieren, insbesondere aber in Zeiten von Flüchtlingskrisen und Terrorgefahr, gibt de Maizière einmal mehr den Xenophoben.

Grenzen zu, Ausländer raus, viel konsequenter abschieben, Familien auseinanderreißen lautet das Credo der christlichen Union.
Was interessieren schon Fakten, wenn man stattdessen auch Hetze und Polemik einsetzen kann?

1,3 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland wurden von Unternehmern mit Migrationshintergrund geschaffen. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.  Es gibt in Deutschland mehr als 700 000 Unternehmer und Selbständige mit ausländischen Wurzeln.   Selbständige mit Migrationshintergrund verdienen besser als Angestellte - aber immer noch weniger als einheimische Selbständige. […..]

Ausländer bringen Jobs und Wohlstand?
Schock, schwere Not! Gegen die muß man doch was unternehmen, denkt sich de Maizière.

Und da Merkels Minusmann gerade wieder so schön in Fahrt ist, findet er auch gleich noch ein paar Grundrechte, die er abschaffen kann.
Ärztliche Schweigepflicht zum Beispiel. Weg damit.


Verblüffenderweise schloss sich der Bundeslügenminister nicht seinen CDU-Länderkollegen an, die auf den Spuren Burka-Klöckners wandeln und die ohnehin in Deutschland nicht vorhandenen Burkas sicherheitshalber verbieten wollen.

Der Präsident des Deutschen Anwaltvereins, Ulrich Schellenberg, kritisiert das von Bundesinnenminister Thomas de Maizière vorgestellte Sicherheitspaket heftig. Schellenberg sagte der Süddeutschen Zeitung, der "immer neue Strauß an Vorschlägen zur vermeintlichen Verbesserung der Sicherheitslage offenbart die mit Händen greifbare Hilflosigkeit der Politik". Die letzte Änderung der Sicherheitsgesetze sei gerade einmal zwei Monate her. Man wünsche "sich von der Politik mehr ruhige Überlegung anstatt immer hektischer werdendem Aktionismus".

Daß man Menschen wie mir die Möglichkeit der Doppelstaatsbürgerschaft nimmt, führt aus CDU-Sicht offenbar dazu, daß diese sich dann auch keine LKWs mieten könnten, falls sie einen Abgang wie in Nizza planten.
Klingt logisch.

[….] Staatsangehörigkeit ist etwas anderes als ein Führerschein, den man schnell mal entziehen kann.
[….] Das Schlechteste ist die Diskussion darüber, die doppelte Staatsbürgerschaft wieder abzuschaffen. Die Realisierungschance für so einen Vorschlag ist zwar gering. Aber bereits die Diskussion ist schädlich; sie stiftet inneren Unfrieden; sie spaltet die Gesellschaft; sie verstärkt bei vielen Deutschtürken das ohnehin grassierende Gefühl, Deutsche zweiter Klasse zu sein. Die Diskussion erinnert an fatale Strategien vor ein paar Jahrzehnten, als die Regierungspolitik versuchte, die Einwanderung mit "Rückkehrförderungsgesetzen" wieder abzuwickeln. So wurde Integration blockiert.   Es tut der Gesellschaft nicht gut, wenn das Gefühl von Migranten, Minderdeutsche zu sein, noch verstärkt wird. Eine Staatsbürgerschaft ist etwas anderes als ein Führerschein, den man schnell mal entziehen kann. Staatsbürgerschaft, auch die Doppelstaatsbürgerschaft, ist die staatliche Anerkenntnis, dass ein Mensch Bürger ist, dass er dazugehört. Die Diskussion über ein Ende der doppelten Staatsbürgerschaft ist eine pauschale Misstrauenskundgebung. Sie ist der Versuch, Lehren der vergangenen Jahrzehnte abzuschütteln. [….] Einbürgerung ist oft ein Integrationsturbo, belegen Studien. [….]

Unfreiwillig komisch ist der heutige Leitartikel im konservativen Hamburger Abendblatt (Funke-Mediengruppe).

Miguel Sanches rät dem Bundesinnenminister durch die Blume, er solle zukünftig doch einfach etwas weniger lügen.
Genau, und Papst Franziskus sollte auch einfach mal aufhören katholisch zu sein.

[….] Thomas de Maizière sollte sachlich bleiben. Gefragt ist jetzt Glaubwürdigkeit
[….] De Maizière hat nur zwei Wochen gebraucht, um nach dem Auftritt der Kanzlerin nachzulegen. Versprochen war uns eine gründliche Analyse. Nun ist eine politische Affekthandlung zu befürchten. [….]. Was er anstößt, sollte nicht anstößig, sondern seriös, sachdienlich und politisch glaubwürdig sein. Die Gesetze zur Abschiebung krimineller Ausländer etwa sind erst Anfang des Jahres verschärft worden. [….]

Mittwoch, 10. August 2016

Kirche, Krise Komik



Der fromme Katholik und Kirchenfreund Giovanni di Lorenzo hat ein Problem mit seinem klerikalen Wochenblatt, aka „Die Zeit“.
Nach der Kirchenrubrik „Glauben und Zweifeln“ im Blatt und der stramm katholischen regelmäßigen Beilage "Christ und Welt" will nun ausgerechnet die RKK nicht mehr bei dem Projekt mitmachen und überlässt das Frömmeln zukünftig ganz allein der „ZEIT“

[….]  Vom 1. Oktober an jedenfalls wird die Beilage, die einst unter dem Titel Rheinischer Merkur das Flaggschiff der katholischen Publizistik in Deutschland war, von der hundertprozentigen Zeit-Tochter "Credo" produziert. Die Redaktion zieht nach Berlin; der Etat, der bei über 750 000 Euro liegen soll, bleibt gleich, das Blatt wird weiterhin von fünf Redakteuren gemacht. Das Katholische Medienhaus in Bonn aber, getragen vom Verband der Diözesen Deutschlands, verliert ein gewichtiges Produkt: Sechs Jahre lang hat dort ein Tochterunternehmen der Katholischen Nachrichtenagentur Christ & Welt produziert und der Zeit zugeliefert.
[….] "Wir glauben, Christ & Welt so am besten absichern und weiterentwickeln zu können," sagt Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, und: "Wir wollen bei der Zeit nicht missionieren, aber mir war es immer wichtig, die Themen Religion und Sinnsuche bei uns zu verankern." Die Redaktion wird im alten Westberlin arbeiten, "wir lassen uns auf Berlin ein", sagt Patrik Schwarz, der als Geschäftsführender Redakteur der Zeit Herausgeber von Christ & Welt ist, "aber wir vergessen dabei nicht, wie wichtig die Regionen für die Religion in Deutschland sind." [….]

Nach dem Tod der beiden Ausnahme-Herausgeber Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt, können Holtzbrinck und di Lorenzo das einst so renommierte Hamburger Wochenblatt ganz auf Klerikalkurs trimmen.

In der aktuellen Ausgabe werben die Theophilen vom Speersort für die "Nacht der Kirchen.“

[….] Unter dem Motto "Lebe, Liebe, Lache" öffnen bei der "Nacht der Kirchen" am 17. September wieder mehr als 100 Gotteshäuser in Hamburg und Umgebung ihre Türen. Zu den rund 570 Veranstaltungen beim größten ökumenischen Fest des Nordens werden von 19 Uhr bis Mitternacht mehr als 70 000 Besucher erwartet, teilten die Veranstalter am Montag in Hamburg mit. [….]

Wie schön für den jungen Erzbischof des flächenmäßig größten Bistums Deutschlands. Stefan Heße genießt publizistische Dauerwerbung der nur wenige Straße weiter beheimateten „ZEIT“.

Einziger Wermutstropfen: Die frommen Herren Heße und di Lorenzo sind in der gottlosen Hansestadt relativ allein mit ihrer Begeisterung für den Katholizismus.
Trotz der brachialen kostenlosen Werbung aus den Medien und der nie dagewesenen Geldflut aus Rekordkirchensteuereinnahmen schrumpft die RKK des Erzbistums Hamburg weiter zusammen.

[….] Er kam als Hoffnungsträger nach Hamburg: Erzbischof Stefan Heße. [….] Wenn er auftritt, gibt es viel Weihrauch und devote Bekundungen. Aber unter der Oberfläche brodelt es. In den Gemeinden wächst der Unmut. [….] Aus 83 Pfarreien sollen nur noch 28 werden. Nicht nur dort, wo die Kirchen leer sind, sondern überall. Weil es nicht mehr genug Pfarrer gibt. Stattdessen werden Großpfarreien errichtet, Zusammenschlüsse von Gemeinden, oft eine Autostunde voneinander entfernt, sogenannte Pastorale Räume, an deren Spitze nur noch ein Pfarrer steht. [….] Da ist dann eine Gemeindereferentin nicht mehr für eine einzelne Kirche, sondern etwa für die Erstkommunionvorbereitung im großen Ganzen verantwortlich. In der Konsequenz heißt das: Keine Kirchengemeinde hat mehr einen eigenen, von der Kirche bezahlten Beschäftigten für sich, einen, der den Standort repräsentiert, der sich auskennt, hier vernetzt ist, als Ansprechpartner für alle Belange gilt. Keiner kennt sich mehr richtig aus, wechselndes Personal wird zum Dauerzustand.
[….][Es kommt] schnell zu fatalen Situationen wie etwa im geplanten Pastoralen Raum Südholstein mit den Gemeinden in Pinneberg, Halstenbek, Wedel, Uetersen, Quickborn und Elmshorn. Dort ist ein älteres Gemeindemitglied gestorben, seine Frau ruft bei den im Gemeindebrief aufgeführten vier Telefonnummern von Priestern und Mitarbeitern an, darunter Geistliche im Ruhestand. Niemand ist erreichbar. Die Frau geht in ihrer Not verzweifelt in die Praxis ihres Hausarztes. Der ist evangelisch, hat aber einen katholischen Freund, den er im Büro anruft. Der versucht, den Diakon zu erreichen, der mit der Zusatzbezeichnung "mit Zivilberuf" nur ehrenamtlich für die Kirche arbeitet, aber in jeder freien Minute Amtshandlungen vornimmt: Taufen, Eheschließungen, Beerdigungen. Das alles natürlich, ohne bezahlt zu werden. Schöne neue Gemeindewelt. [….]

Dienstag, 9. August 2016

Donald gegen den Rest der Welt



Im aktuellen SPIEGEL steht, mal wieder, man solle sich ob der eigenen extremen Abneigung, die man gegenüber Donald Trump empfinde, nicht täuschen lassen.
Er habe nach wie vor gute Chancen US-Präsident zu werden.

Da ist sicher etwas Wahres dran. Gerade gestern sah ich in einem CNN-panel mal wieder diverse Trump-Unterstützer, die nicht im Geringsten an ihm zweifeln, auch wenn man ihnen minutenlang Trumps Koprolalie und Lügentiraden vorführt.

Spricht man die glühende Trump-Bewunderin Kayleigh McEnany auf seine ungeheuerlichen Lügen an, rollt die 28-Jährige ihre Barbie-Augen und rattert ihre Bengahzi-Emails-crooked-Hillary-Pseudoargumentation herunter.


Es ist wirklich so, wie Trump sagte. Er könnte auf offener Straße, mitten auf der 5th Avenue jemand erschießen, ohne daß es Jeffrey Lords oder Kayleigh McEnanys Begeisterung für ihn trübte.

Man sehe sich diesen großartigen Zusammenschnitt an und beachte insbesondere das Huhn ganz am Ende. Millionen Amerikaner ticken so. Die wollen Trump glauben und halten alle anderen für Lügner.


Irgendein anderer demokratischer Kandidat müßte einfach gegen Trump gewinnen. Für die zweifellos intelligente, kompetente und erfahrene Hillary Clinton gilt das aber nicht unbedingt. In Amerika ist der Faktor „Show“  nie zu unterschätzen.

Nach wie vor lei­det Clin­ton dar­un­ter, dass über 50 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner sie als küh­le Kan­di­da­tin des Es­ta­blish­ments ab­leh­nen. Die Un­be­liebt­heit von Trump und Clin­ton treibt ent­täusch­te Re­pu­bli­ka­ner an den De­mo­kra­ten vor­bei in die Arme der bei­den un­ab­hän­gi­gen Wahl­kämp­fer: Gary John­son und Jill Stein lie­gen in den Um­fra­gen zu­sam­men bei etwa zehn Pro­zent. Na­tür­lich ha­ben sie kei­ne Chan­ce, doch sie ab­sor­bie­ren ei­nen Vor­teil Clin­tons, der sich aus der Un­be­liebt­heit Trumps er­ge­ben könn­te.
Die größ­te Ge­fahr für Clin­ton liegt in der Zeit zwi­schen Ende Sep­tem­ber und Ende Ok­to­ber. Dann fin­den die drei gro­ßen TV-Du­el­le der Kan­di­da­ten statt. Trump hat im Vor­wahl­kampf 16 par­tei­in­ter­ne Kon­kur­ren­ten aus­ge­schal­tet, die wich­tigs­ten bei Li­ve­du­el­len. Clin­ton ist live weit­ge­hend hu­mor­los, Spon­ta­nei­tät ist nicht ihre Stär­ke.
(DER SPIEGEL 32/2016 s.84)

Trump hat zweifellos ein Heer von begeisterten Anhängern mobilisiert und wird viele Menschen an die Wahlurnen holen, die sonst nie wählen.
Ich mutmaße, daß der Anteil von fanatischen Trump-Fans zusammen mit den fanatischen Demokraten-Hassern aus dem Teebeutel-Reservoir bei etwa einem Drittel (A) der Amerikaner liegt, die tatsächlich zur Wahl gehen.
Ein weiteres Drittel (B) wird genauso sicher garantiert nicht Trump wählen.
Er braucht also aus dem verbliebenen Drittel (C) weitere Stimmen.
Stimmen, die ein GOPer eigentlich holen könnte, da die C-Wähler allesamt Clinton kritisch sehen.
Würde Trump keine gravierenden Fehler machen und hätte er die volle Rückendeckung seiner Partei wäre das sein Durchmarsch ins Oval Office.

Aber er ist eben Trump. Also ein pathologischer Lügner, der sich nicht unter Kontrolle hat und selbst für amerikanische Verhältnisse enorme Wissenslücken aufweist.

Eine Rü­pe­lei scha­det Trump mehr als alle bis­he­ri­gen Kri­sen sei­nes Wahl­kampfs. Nach­dem die El­tern des im Irak­krieg ge­tö­te­ten ame­ri­ka­ni­schen Haupt­manns Hu­mayun Khan auf dem Par­tei­tag der De­mo­kra­ten auf­ge­tre­ten wa­ren, be­lei­dig­te Trump das mus­li­mi­sche Ehe­paar. Ihm war of­fen­bar nicht klar, dass die Hin­ter­blie­be­nen von Ge­fal­le­nen, so­ge­nann­te Gold-Star-Fa­mi­li­en, im pa­trio­ti­schen Ame­ri­ka un­an­tast­bar sind, egal an wel­chen Gott sie glau­ben.
[…..] Sein Ver­hal­ten zeigt über­ra­schen­des Un­wis­sen über die Be­deu­tung des Mi­li­tä­ri­schen in der ame­ri­ka­ni­schen Ge­sell­schaft. Als ihm am ver­gan­ge­nen Diens­tag bei ei­ner Wahl­kampf­re­de in Vir­gi­nia ein Ve­te­ran sei­nen Pur­p­le-Heart-Or­den schenk­te, ant­wor­te­te Trump, er habe „schon im­mer“ ein Pur­p­le Heart be­sit­zen wol­len. Auf die­se Art sei es ja „viel leich­ter“, da her­an­zu­kom­men. Dass die Aus­zeich­nung nur im Kriegs­ein­satz Ver­wun­de­ten ver­lie­hen wird, schien Trump nicht be­wusst zu sein. Wie­der folg­te der­be Kri­tik. Mit­te der Wo­che wur­de dann ein Vor­wurf dis­ku­tiert, dem zu­fol­ge Trump sich einst of­fen­bar vor dem Kriegs­dienst in Viet­nam ge­drückt hat: Er ließ sich zu­letzt eine Fuß­er­kran­kung be­schei­ni­gen, ei­nen so­ge­nann­ten Fer­sen­sporn – der ihn aber bis da­hin nicht da­von ab­ge­hal­ten hat­te, Foot­ball, Ten­nis und Squash zu spie­len.
(DER SPIEGEL 32/2016 s.84)

Es sind inzwischen so auffällig viele bekannte Republikaner angewidert von ihrem eigenen Kandidaten, daß diese tiefe Missachtung aus der eigenen Partei den unentschiedenen Wählern nicht verborgen bleiben kann.

Mit Susan Collins, der republikanischen US-Senatorin aus Maine, bekundete soeben ein weiteres Parteischwergewicht Trump nicht zu wählen.

[…..] I will not be voting for Donald Trump for president. This is not a decision I make lightly, for I am a lifelong Republican. […..]  He opted for a constant stream of denigrating comments, including demeaning Sen. John McCain’s (R-Ariz.) heroic military service and repeatedly insulting Fox News host Megyn Kelly.
[…..] My conclusion about Mr. Trump’s unsuitability for office is based on his disregard for the precept of treating others with respect, an idea that should transcend politics. Instead, he opts to mock the vulnerable and inflame prejudices by attacking ethnic and religious minorities. Three incidents in particular have led me to the inescapable conclusion that Mr. Trump lacks the temperament, self-discipline and judgment required to be president.
The first was his mocking of a reporter with disabilities, a shocking display that did not receive the scrutiny it deserved. I kept expecting Mr. Trump to apologize, at least privately, but he did not, instead denying that he had done what seemed undeniable to anyone who watched the video. At the time, I hoped that this was a terrible lapse, not a pattern of abuse.
The second was Mr. Trump’s repeated insistence that Gonzalo Curiel, a federal judge born and raised in Indiana, could not rule fairly in a case involving Trump University because of his Mexican heritage.
For Mr. Trump to insist that Judge Curiel would be biased because of his ethnicity demonstrated a profound lack of respect not only for the judge but also for our constitutional separation of powers, the very foundation of our form of government. Again, I waited in vain for Mr. Trump to retract his words.
Third was Donald Trump’s criticism of the grieving parents of Army Capt. Humayun Khan, who was killed in Iraq. It is inconceivable that anyone, much less a presidential candidate, would attack two Gold Star parents. […..]

Der Harvard Republican Club, der sich seit 1888 hinter jeden republikanischen Präsidentschaftskandidaten gestellt hatte, verkünde in einem offenen Brief sich für Donald Trump zu schämen.

But for the first time in 128 years, we, the oldest College Republicans chapter in the nation, will not be endorsing the Republican nominee.
Donald Trump holds views that are antithetical to our values not only as Republicans, but as Americans. The rhetoric he espouses –from racist slander to misogynistic taunts– is not consistent with our conservative principles, and his repeated mocking of the disabled and belittling of the sacrifices made by prisoners of war, Gold Star families, and Purple Heart recipients is not only bad politics, but absurdly cruel.
If enacted, Donald Trump’s platform would endanger our security both at home and abroad. Domestically, his protectionist trade policies and draconian immigration restrictions would enlarge our federal deficit, raise prices for consumers, and throw our economy back into recession. Trump’s global outlook, steeped in isolationism, is considerably out-of-step with the traditional Republican stance as well. The flippancy with which he is willing to abdicate the United States’ responsibility to lead is alarming. Calling for the US’ withdrawal from NATO and actively endorsing nuclear proliferation, Donald Trump’s foreign policy would wreak havoc on the established world order which has held aggressive foreign powers in check since World War II.   Perhaps most importantly, however, Donald Trump simply does not possess the temperament and character necessary to lead the United States through an increasingly perilous world.

Mit dem konservativen ehemaligen CIA-Offizier Evan McMullin gibt es sogar einen offiziellen Gegenkandidaten zu Trump.

Der nächste und schwerste Tiefschlag für Trump kam gestern Nacht – verfasst von 50 prominenten republikanischen Außen- und Sicherheitspolitikern.

Fifty of the nation’s most senior Republican national security officials, many of them former top aides or cabinet members for President George W. Bush, have signed a letter declaring that Donald J. Trump “lacks the character, values and experience” to be president and “would put at risk our country’s national security and well-being.”
Mr. Trump, the officials warn, “would be the most reckless president in American history.”
The letter says Mr. Trump would weaken the United States’ moral authority and questions his knowledge of and belief in the Constitution. It says he has “demonstrated repeatedly that he has little understanding” of the nation’s “vital national interests, its complex diplomatic challenges, its indispensable alliances and the democratic values” on which American policy should be based. And it laments that “Mr. Trump has shown no interest in educating himself.” […..]


Eigentlich wollte Trump gestern mit seinem Wirtschaftsprogramm punkten, aber das ging im innerparteilichen Shitstorm beinahe unter.

Donald Trumps Wirtschaftsberater sind so wie er selbst. Natürlich ist ihre Haut nicht so orangefarben, und ihre Haare sind nicht so geföhnt wie bei dem Mann, der im November für die Republikanische Partei Präsident der Vereinigten Staaten werden will. Doch auf der Liste der Berater, die Trump jetzt veröffentlicht hat und die mit ihm ein Programm für die Zukunft der USA entwickeln sollen, stehen fast nur: weiße, alte Männer. Und fast alle sind schwerreich - so wie auch der Immobilienunternehmer selbst, der ständig den Eindruck erweckt, er mache Politik für die kleinen Leute in den USA, für Gering- und Durchschnittsverdiener.
Kurioserweise heißen auch noch fünf von 14 Beratern Steve. Frauen fehlen dagegen komplett auf der Liste. Dafür ist einer von Trumps besten Freunden dabei: Howard Lorber, Multimillionär, einer von Trumps besten Freunden und Chef des Hot-Dog-Verkäufers Nathan's Famous. "Ich bin sehr zufrieden, dass wir so eine formidable Gruppe an erfahrenen und talentierten Menschen haben, die mit mir an echten Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme arbeiten werden, vor denen unser Land steht", sagte Trump. Fast alle Berater zählen zu den Spendern, die Trumps Kandidatur mit Millionen unterstützen. [….]
(Kathrin Werner, SZ, 09.08.2016)