Montag, 7. April 2014

Konservativ-kirchliche Menschenfeinde.




Leben und leben lassen – weshalb ich nicht nach dem Motto mit der Kirche und den konservativen Parteien umgehe, werde ich oft gefragt.

Die Antwort ist ganz einfach:
Weil die Kirchen und die Konservativen uns auch nicht leben lassen, wie wir möchten, sondern stets danach trachten Menschen zu diskriminieren.

Gestern mußte ich mal wieder an den stets gut gelaunten Seth McFarlane denken, der immer mal wieder bei Bill Maher zu Gast ist und dort einst einen schlauen Satz über den kirchlichen Widerstand gegen die Homoehe tat.

Seine These lautete, daß die Kirchen mit ihrem Widerstand gegen Aufklärung ihre Zeit verschwenden.
Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Folterverbot, Abschaffung der Sklaverei, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Tierrechte, Ächtung von Antisemitismus, Schwulenrechte, Abschaffung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Abschaffung des Verbots gemischtkonfessioneller Ehen, Verbot von Vergewaltigungen in der Ehe, etc pp - all das mußte gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden.

Die Kirchen waren dagegen und verschwendeten damit sinnlos über Dekaden ihre Kraft.
Glücklicherweise hat sich der kirchliche Widerstand üblicherweise als Mißerfolg erwiesen, weswegen Seth Macfarlane es als Zeitverschwendung betrachtet auf Seiten der Kirche zu stehen:

It is a huge waste of time; if you look back in history every civil rights-movement; the blacks or woman, they always lose. Anyone who tries to fight the advance on any particular minority-group is going to lose - whether it is now, whether it is 20 years from now.
They are wasting their time.

Die politische Entsprechung der Kirche ist die CDU, die auch stets als letzte Partei noch Menschenrechte bekämpft und intensiv für Ungerechtigkeiten wirbt.
Man könnte es relaxed als vergeblichen Kampf der Schlechten für das Schlechte ansehen. Sie werden ja doch eines Tages verlieren.
Aber sie gestalten diese Prozesse natürlich ungeheuer quälend, so daß man kein Auge ob der moralischen Irrtümer der konservativen zudrücken möchte.

Bei dieser Suada von vor gut einer Woche hatte ich ein Thema glatt vergessen:
Kriminalisierung von Haschisch und Co.
Auch das ist ein Paradebeispiel dafür, wie mit falscher Moral der Konservativen Menschen ins Elend getrieben werden.
Auch das ist ein Paradebeispiel dafür, wie aussichtslos das verbissene Festhalten wider alle Vernunft der Kirchlich-Konservativen zum Scheitern verurteilt ist.
CSU’ler mögen keine schlaflosen Nächte verbringen, weil ihre Politik kranke Menschen zum Elend in Beschaffungskriminalität verurteilt oder gar dadurch umbringt.
Aber der „war on drugs“ ist nicht nur absolut erfolglos, sondern vor allem auch noch extrem teuer.
Das werden wir uns eines Tages schlicht und ergreifend nicht mehr leisten können.

Wer über ein bißchen mehr als drei Hirnzellen verfügt, muß einsehen, daß die Kriminalisierung von Drogen zu ungeheurem sozialen Elend, hoffnungslos überfüllten Gefängnissen, massenhafter Beschaffungskriminalität und dem Entstehen von Multimilliarden schweren Drogenkartellen geführt hat.
 
Seit über 20 Jahren gibt es auf der linken Seite des politischen Spektrums Menschen, die einsehen, daß die rund 50.000 schwerstabhängigen User harter Drogen eben nicht aufhören können und genauso wenig in der Lage sind auf legalem Wege täglich mehrere hundert Euro für Opiate aufzubringen.
Mit der Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Drogenpolitik erzwingt also die Politik Beschaffungskriminalität ungeheuren Ausmaßes.
Es dauerte sehr lange bis endlich auch vereinzelte CDU-Bürgermeister einsahen, daß nur die legale Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige ein Weg aus dem programmierten Elend bedeuten kann.

Selbstverständlich ist die gegenwärtige Gaga-Bundesregierung nicht in der Lage diese geistige Erkenntnis nachzuvollziehen und treibt die Drogenkranken weiterhin aktiv in die Kriminalität und Gefängnisse.
In Amerika sieht es noch übler aus. „The war on drugs“ ist komplett gescheitert, aber Nordamerikas ideologisierte Politlandschaft ist nicht in der Lage vernünftige Schlüsse zu ziehen.
Eher schon das Volk oder aber südamerikanische Staaten.

 Die Drogenpolitik der USA ist eine irrwitzige Fortsetzung der Prohibition. Lateinamerikanische Länder liefern den Stoff und die Toten - die USA die Waffen und das Geld. Einen Ausweg gibt es nur, wenn diese Waffen und dieses Geld besser kontrolliert werden - durch legale statt illegale Geschäfte. Eine Legalisierung von zunächst Marihuana ist überfällig.
Vor vier Jahrzehnten begannen die USA ihren Krieg gegen die Drogen, das Ergebnis füllt Konten und Friedhöfe. In Kolumbien, Afghanistan und anderen Produktionsländern starben Zehntausende am Kampf um Kokain, Marihuana oder Heroin. An der Schlacht beteiligen sich Armee, Paramilitärs, Guerilleros, Taliban.
Allein in Mexiko wurden je nach Statistik 60.000 bis 100.000 Morde gezählt, seit der nun scheidende Präsident Felipe Calderón 2006 die Streitkräfte ins Gefecht schickte. Die Leichen werden immer mehr - Rauschgift und Profit ebenfalls. Der Konsum sank nie. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto, jetzt vereidigt, und US-Kollege Barack Obama täten gut daran, nach einer Alternative zu suchen.

 Legalisierung und Akzeptanz haben immer auch den Vorteil, daß man an die Konsumenten, die in Not (hauptsächlich gesundheitlicher Art) sind, überhaupt rankommt.

Es ist unklar, ob die SPD in der GroKo die Kraft haben wird den schwarzen Dinosaurier auch in der Drogenfrage ein wenig zu schubsen.
Es passieren immerhin einige kleine Dinge in der Politik der Bundesregierung, die es ohne SPD-Beteiligung nicht gegeben hätte. So werden beispielsweise die Waffenexportgenehmigungen deutlich transparenter als bisher.

Beim Haschisch hat die SPD leider die Hosen noch zu voll, um selbstbewußt gegenüber der CDU aufzutreten, Schiss vorm Shit gewissermaßen.
Sie trauen sich nicht mit der Faust auf dem Tisch zu schlagen und den Gro-Ko-Partnerparteien zu sagen, daß das Strafrecht beim Thema Drogen ausgesorgt hat.

(Das wäre unter Schröder undenkbar! Der hat niemals a priori vor der CDU gekuscht und war auch deswegen so viel erfolgreicher.)

Immer dann, wenn man im Zusammenhang mit Straftaten von „Krieg“ spricht, ist Vorsicht geboten. Das gilt für den „Krieg gegen Terror“ wie für den „Krieg gegen Drogen“. Den Krieg gegen Drogen hat 1971 der damalige US-Präsident Richard Nixon ausgerufen, den Krieg gegen den Terror 2001 der US-Präsident George W. Bush.
Das Wort „Krieg“ signalisiert, dass mit allen erdenklichen Mitteln vorgegangen werden soll; auch mit bisher illegalen. Der US-Sprachgebrauch und die US-Methoden hatten und haben Auswirkungen auch auf und in Deutschland. Erst installierte der deutsche Gesetzgeber ein prohibitives Drogenstrafrecht; später verschärfte er, zur Bekämpfung des islamistischen Terrors, das Strafrecht insgesamt in vorher nie gekannter Weise, auf dass es sozusagen als Kriegsinstrument tauglich sei.
Doch das Strafrecht ist keine Kriegswaffe. Es ist kein Mittel zur Bewältigung gesellschaftlicher Großprobleme, sondern ein Instrument zur Feststellung und Bestrafung individueller Schuld; es kann einzelne Verbrechen aufklären und ahnden, mehr nicht. […]  Was den Krieg gegen die Drogen betrifft, steigt weltweit die Einsicht, dass er mit strafrechtsverstärkter Prohibitionspolitik, wie sie nun jahrzehntelang praktiziert worden ist, nicht gewonnen werden kann. Die Kriegsrhetorik und die Kriegsmethodik war falsch. Die repressive Drogenpolitik hat mehr Probleme und mehr Leid geschaffen, als es die Drogen selbst getan haben.
 (Heribert Prantl 07.04.2014)

Gabriel, Nahles und Co verfügen nicht über ausreichend Rückgrat. Also werden Grüne, Linke und die unweigerlichen Experten in der Causa „Gebt das Hanf frei“ vorgeschickt.

Zwanzig Jahre nach dem Haschisch-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts soll das gesamte deutsche Betäubungsmittelrecht auf den Prüfstand gestellt und fundamental reformiert werden: Mittlerweile 122 Professorinnen und Professoren des Strafrechts an deutschen Universitäten werben in einer Resolution für eine Entkriminalisierung des Drogenstrafrechts. Die Oppositionsfraktionen im Bundestag, die Linke und die Grünen, wollen nun auf der Basis dieser Resolution im Bundestag einen gemeinsamen Antrag auf Überprüfung des Drogenstrafrechts einreichen und sich dafür auch um die Unterstützung der SPD bemühen. Das Betäubungsmittelgesetz stammt aus dem Jahr 1981; es basiert auf strafrechtlicher Prohibition.
Diese Politik des Verbietens und Strafens, so steht es in der Professoren-Resolution, sei „gescheitert, sozialschädlich und unökonomisch“. Sie sei erstens schädlich für die Gesellschaft, weil sie die organisierte Kriminalität und den Schwarzmarkt fördere; und sie sei zweitens schädlich für die Drogenkonsumenten, die in „kriminelle Karrieren getrieben“ würden. Der Staat dürfe aber „die Bürger durch die Drogenpolitik nicht schädigen“. […]


Sonntag, 6. April 2014

Rechtes Heucheln


Die Zuneigung von JF und PI für Kreuznet und umgekehrt zeigte, daß sich auch im 21. Jahrhundert der Katholizismus und die äußerste Rechte sehr nahe sind.

Die katholische Kirche hat 1500 Jahre ausschließlich die Interessen der Reichen und Herrschenden gegen die Rechtlosen und Armen vertreten.

Die christliche Kirche entwickelte exklusiv den Antisemitismus, der sich nahtlos von einem der schlimmsten Judenfeinde der Geschichte, nämlich Martin Luther, auf Adolf Hitler weitervererbte.

Christen und Rechts-Konservative decken sich HEUTE aber nicht nur in den gleichen (a-) sozialen Vorstellungen über die Einkommensverteilung, der Ablehnungen von Bürgerrechten und der Feindschaft gegenüber Juden und Muslimen.

Katholische Priesterseminare und NPD-Parteitage haben außerdem einen sehr männerbündlerischen Habitus.
Man ist in einer fast frauenfreien Umgebung und kann sich ungestört untereinander näher kommen.
 Wer persönlich keine Frauen mag, vor Frauen Angst hat oder aber schlicht schwul ist, findet sowohl in der RKK als auch bei der NPD ein ideales Biotop um dem Männlichen zu frönen. Schon Olivia Jones fragte sich besorgt, ob die NPD nicht „doch ein schwuler Verein ist“!


 Uniformen, Klamottenfetisch, Männlichkeitsrituale, Misogynie, Beharren auf den Geschlechterrollen, Idealisieren von maskuliner Schönheit.
Als Klemmschwester ist man bei den Nazis genauso richtig wie bei Kreuznet.

Es ist psychologisch vollkommen verständlich, daß heimlich Schwule besonders hysterisch auf Outings reagieren und sich zu schützen suchen, indem sie selbst am lautesten homophob rumpöbeln.

Wird einer der ihren aber enttarnt, müssen Köpfe rollen.
Das ging früher nach der Methode Ernst Röhm und heute erfolgt es durch Ausschluß und Naserümpfen.
Gerade erst haben die ebenfalls extrem männerbündlerisch auftretenden Boy Scouts of America einen schwulen Gruppenchef gefeuert.
Es könnte ja abfärben; oder, was noch schlimmer ist, die Aufmerksamkeit der Außenstehenden darauf lenken, daß überhaupt Schwule unter den BSA sein könnten.

Soso, Ex-NDP-Chef Holger Apfel, seines Zeichens dick, dumm und häßlich, ist also zudem auch noch schwul.
[….]  Ähnlich wie bei den katholischen Priestern birgt die homosexuelle Lebensweise die Möglichkeit die Mitglieder „auf Linie“ zu halten, weil sie erpressbar sind.
Wer in Ungnade fällt, kann jederzeit mit den Homogerüchten ausgeschaltet werden.
Genau das scheint Holger Apfel passiert zu sein.
Das ging dann ganz schnell. Rücktritt vom Fraktionsvorsitz der Sächsischen Landtagsfraktion, Rücktritt vom NPD-Bundesvorsitz, Austritt aus der NDP.
Ein schwerer Verlust für die deutsche Parteienlandschaft. Mir kommen die Tränen.

Mit seinem Austritt kommt Apfel einem drohenden Parteiausschlussverfahren zuvor. Auf einer Krisensitzung am Sonntag hatte das NPD-Präsidium dem 42-Jährigen einen Austritt nahegelegt. In der Partei gab es Gerüchte, laut denen es im Sommer zu einem Vorfall gekommen sei, bei dem sich offenbar ein Anfang 20-jähriger NPD-Helfer von Apfel belästigt gefühlt habe. Bereits in der Vergangenheit hatte es in der Partei immer wieder Gerüchte über Apfels Privatleben gegeben, wie auch Sicherheitskreise bestätigen.
"Mit Befremden muss das Parteipräsidium zur Kenntnis nehmen, dass die zunächst von Apfel zur Begründung für seinen Rücktritt angeführten 'Krankheitsgründe' offenbar nur ein Teil der Wahrheit sind. Weitergehende Vorwürfe, die Verfehlungen in der Vergangenheit betreffen, hat Apfel bislang nicht entkräftet", hieß es am Wochenende in einer Erklärung des Parteivorstands. Auch Apfels Ehefrau soll am Dienstag aus der NPD ausgetreten sein.


Soeben wurde erneut ein ganz hohes Tier der deutschen NPD gegangen.
Diesmal traf es NPD-Urgestein und Generalsekretär Peter Marx, der ohnehin schon in der Kritik war, weil er häufig zusammen mit der Porno-Darstellerin Ina Groll gesichtet wurde. Das an sich war zwar noch kein Problem, aber Groll, AKA „Kitty Blair“, die selbst extrem rechts denkt und sich bei den Neonazis engagiert, hatte in einem ihrer Filme mit zwei „Negern“ Sex, was die arisch orientierten Braunen entsetzte. Sie denken braun, aber die Haut muß weiß sein.
Auf einer Porno-Sause unter Neonazis spielte auch ein „Peniskuchen“ eine Rolle.
SPON verbreitete sogar Bildes des Corpus Delicti.


Und mit Penissen ist das so eine Sache….

Als eifriger Kreuznet-Leser weiß ich inzwischen um das immerwährende Faszinosum „Penis“.
Nichts scheint die Homophoben so nachhaltig zu beschäftigen, wie die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der männlichen Genitalien.
Darin sind die Rechts-Außen der Katholischen Kirche mit ihrem Papst einig.
Fast das gesamte Moralgebäude kreist um Masturbation, Analverkehr und Kondome.
Die eifrigen Neologisten bereichern den Wortschatz ihrer Leser dabei mit Ausdrücken wie "notorischer Sodomist", "Schokostecher" oder "Homo-Auflauf".
Bezeichnenderweise ignorieren die Männer in den Kleidern weibliche Genitalien fast vollkommen - offensichtlich können die auf untenrum fixierten Lustgreise ihre Phantasie nicht so weitgehend einsetzen.
Wie der Teufel das Weihwasser fürchten sie, daß auch mal eine Frau Priester werden könnte.
Ihre Imaginationskraft erschöpft sich im schwulen Geschlechtsakt.

Vermutlich werde ich die größte transnationale Schwulenorganisation der Erde (=RKK) nie verstehen.

Insbesondere konservative Christen sind ja geradezu besessen von Penissen. Ausschließlich vom Penis hängt die Eignung einer Person für kirchliche Posten ab. Wer nicht per Hodengriff als männlicher Penisträger getestet ist, darf nicht Papst sein, wer zu keiner Erektion fähig ist, darf nicht heiraten, weil Liebe ohne Ständer christlich nicht denkbar ist.
Überhaupt sind Religionen von Penissen fasziniert. Man denke nur an den Vorhaut-Wahn der Juden und Moslems.

Rechtslastige Männerbündler kreisen also sehr viel um das Thema „Penis“.
Wenn das aber in Form eines Dildo-förmigen Kuchens an die Öffentlichkeit gerät, hat es den Nachteil, latent schwul zu wirken.
Und das mögen die Rechten nach wie vor gar nicht. Jedenfalls mögen sie es nicht zugeben.
Also flog Marx im hohen Bogen Apfel hinterher.

Generalsekretär Peter Marx war in die sogenannte Peniskuchen-Affäre verwickelt und musste nun nach weniger als einem Jahr den Posten räumen. Auch in der Schweriner NPD-Fraktion verliert Marx seine Anstellung.
[….] Am Sonntag, dem zweiten Tag der NPD-Bundesvorstandssitzung wurde die Debatte um Peter Marx auf die Tagesordnung gesetzt. Nachdem Spiegel Online bereits von der bevorstehenden Abwahl des NPD-Funktionärs berichtet hatte, gab sich dieser bis zuletzt kämpferisch: „Ich bleibe Generalsekretär, ich sehe keine Mehrheit für meine Abwahl“, sagte Marx. Denn für seine Absetzung würde eine Zweidrittelmehrheit des Vorstands benötigt.
Dazu kam es jedoch nicht mehr. Wie die NPD mitteilt, hätte Marx sein Amt von sich aus zur Verfügung gestellt [….]  
„Wir haben keine Anschlussverwendung mehr für ihn“, so Pastörs gegenüber Spiegel Online. [….]

Samstag, 5. April 2014

Der deutsche Michel verdummt.



Das innenpolitische Grundübel dieser Jahre, beschreibe ich immer wieder:
Merkel entzieht sich dem Diskurs, hält jede Zumutung vom Wähler fern, geht dadurch unverantwortlich fahrlässig mit der Zukunft der Menschen um und wird dafür belohnt vom Wähler.
Heute war CDU-Europawahlparteitag.  Auch das wurde unter der Regie der Kanzlerin mal wieder eine so unterbelichtete Veranstaltung, daß die Parteiführung dafür ausgepeitscht gehörte.
Es ist ein demokratiezerstörendes Armutszeugnis jede inhaltliche Diskussion von der Gesellschaft fernzuhalten.
Thorsten Denkler findet dafür heute eine treffende Formulierung:

„Angela Merkel unterfordert jeden politisch denkenden Menschen.“

Diese systematische Unterforderung bleibt bedauerlicherweise nicht ohne Wirkung.
Es ist wie bei einem TV-Konsumenten, der nur SAT1- und RTL-Daily-Soaps guckt.
Nach einigen Jahren sind dann so viele Hirnzellen abgestorben, daß die geistige Leistung, welche erbracht werden muß, um eine hochqualitative Dramaserie mit intelligenten Dialogen und komplexen Handlungssträngen zu genießen, nicht mehr abrufbar ist.
Das deutsche Privatfernsehen hat die Zuschauer so nachhaltig in die Verdummung gesendet, daß sie „House of Cards“ oder die „Sopranos“ gar nicht mehr sehen wollen. Sie sind auf „Unter Uns“ und „Rote Rosen“ geprägt.

Annähernd eine Dekade IQ-Reduktionspolitik bleibt nicht ohne Folgen.
Der deutsche Michel ist ein Gewöhnungstier.
Wenn nun andere politische Kräfte mit Tatendrang und Plänen auf sich aufmerksam machen möchten, verschreckt das den Urnenpöbel. Um nichts in der Welt möchte er aus seiner selbstgewählten geistigen Lethargie gerissen werden.
Mitzudenken oder Konzeptionen abzuwägen, wird als dreiste Zumutung empfunden.

Auf der Wohlfühlinsel der Wellness-Kanzlerin
Angela Merkel unterfordert jeden politisch denkenden Menschen. Auch auf dem Europaparteitag der CDU geht ihr Konsens über alles. Klare Haltungen vermeidet sie wo es geht. Das Dumme ist: Sie hat damit Erfolg.
Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig sich diese CDU zufrieden gibt. Zwei mittelmäßige Reden genügen und Peter Tauber wird mit über 97 Prozent zum Generalsekretär und David McAllister mit mehr als 98 Prozent in das CDU-Präsidium gewählt. […]  Es ist Angela Merkel, die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende, die es seit Jahren genau so vormacht. Ihre Rede vor den Delegierten in der Messehalle 20 ist eine Blaupause dafür: Nahezu frei von Inhalten frühstückt Merkel Allgemeinplatz um Allgemeinplatz ab.
[…]  Merkel positioniert sich nur da, wo sie sicher sein kann, dass es einen großen Konsens gibt. Das Recht des Stärkeren darf nicht über dem Recht stehen, sagt sie etwa. Merkel meint Putins Annektierung der Krim. Der Satz ist so wahr, dass er in Stein gemeißelt werden könnte.
Aber wie weit würde sie gehen, um diesen Satz zu verteidigen? Was gedenkt sie konkret gegen Russland zu unternehmen? Oder hat sie die Annektierung nicht längst akzeptiert, hingenommen wie einen Platzregen mitten im Sommer?
Merkel hütet sich, eine eigene Haltung zu komplizierten Fragen einzunehmen. […]  Auch ihr Umgang mit Jean-Claude Juncker spricht Bände. Der ist Spitzenkandidat der konservativen Parteienfamilie in Europa, also auch der CDU. Juncker will Präsident der EU-Kommission werden. Er hat das auf dem Parteitag in einer eindrucksvollen Rede nochmal unterstrichen.
Von Merkel kommt kein Satz dazu. Warum? Eine Festlegung auf Juncker birgt die Gefahr, dass seine mögliche Niederlage am Ende ihr zugeschrieben wird.
[…]  Die Wähler wollen Ruhe - Merkel gibt sie ihnen
Doch der Partei reicht das. Am Ende gibt es großen Applaus für praktisch nichts. Hauptsache Merkel sitzt im Kanzleramt. Einen Aufstand gibt es nicht. Gerade mal ein Redner hat sich deutlich gegen die Rente mit 63 gestellt. Einer. Eine nennenswerte innerparteiliche Opposition gegen Merkel ist nicht existent. […]  

Eine derart ins Koma regierte Wählerschaft färbt auch auf die Klasse der politischen Journalisten ab.
Mit den Jahren sind ihre Zähne komplett abgeschliffen.
Mit müdem Wohlwollen wird die Nicht-Politik der Kanzlerin bedacht, während man sich das pingelige Kritisieren ausschließlich für Rote und Grüne aufspart.

In einem politisch-apathischen Klima mit Gefälligkeitsjournalismus kann es dann zu unerträgliche BLÖDEN Nazivergleichen des Bundesfinanzministers kommen, die ernsthafte diplomatische Spannungen auslösen, die Schäuble anschließend mit der Feststellung vom Tisch wischt, er sei nicht blöd.

Schäuble sieht sich wegen der Äußerungen zu Unrecht am Pranger. Er habe niemanden mit Adolf Hitler verglichen, sagte er in der ARD-Sendung "Beckmann". "Ich bin doch nicht so blöd, dass ich Hitler mit jemandem vergleiche."

DOCH Schäuble, genau das ist das Problem! Du bist so blöd! Es ist ja auch nicht Dein erster Hitlervergleich. Du bist so blöd, daß Du auch noch ein Wiederholungstäter bist.

Hätten wir eine einigermaßen funktionierende Presse, würde sie jetzt nicht locker lassen und Schäuble hart kritisieren.
Aber NICHTS. Im Gegenteil. Devot nimmt es ein Großteil der Presse hin, daß Schäuble ihnen dummdreist auch noch den Schwarzen Peter zuschiebt.

Der Fehler [sei] nicht bei ihm zu suchen, sondern bei den Medien, die ihn verkürzt und deshalb falsch dargestellt hätten: „Deswegen finde ich, dass diese Art von medialer Aufregung unerträglich ist. Denn sie zerstört jede Spontaneität von Unterhaltung.“ Hätte er einen Fehler gemacht – auch er sage mal was Falsches – dann würde er sich auch entschuldigen. Aber das sei in dem Fall nicht nötig.

Wie BLÖD sind eigentlich Wähler und Medien, daß sie so mit sich umgehen lassen und dann einen solchen Politiker für einen der fünf Besten halten.
Schäuble, der auch noch seine eigentliche Arbeit verweigert – Mehrwertsteuerreform oder eine generelle Einkommenssteuerreform, die endlich Schluß damit macht, daß Einkommen aus Erwerbstätigkeit doppelt hoch besteuert wird, wie Zins- und Kapitalerträge, die man fürs Nichtstun erhält – fasst Schäuble nicht an.

Es gibt natürlich einige Journalisten, die nicht auf den Kopf gefallen sind und Dinge beschreiben wie sie sind.

Dem Minister kam es dabei nicht etwa in den Sinn, Fehler einzuräumen. Er schimpfte vielmehr über die Medien, weil die ihn unvollständig zitiert hätten.
[…] Der Minister hat Hitler und Putin praktisch in einem Atemzug genannt – und damit selbstverständlich eine Parallele gezogen.
Dass es nun Ärger gibt bis nach Moskau, schiebt er dennoch den Medien in die Schuhe. Wieder einmal, muss man sagen, denn es ist schon mehrfach vorgekommen, dass Schäuble etwas sagte, was er anschließend so nicht gesagt haben wollte. Immerhin ahnt man diesmal, warum es ihm offenkundig so schwerfällt einzuräumen, mit einer Formulierung einmal danebengelegen zu haben: Es passt nicht zu seinem Selbstbild. […]
(SZ vom 05.04.2014)

Schäuble ist aber offenbar zu blöd, um zu begreifen was er angerichtet hat.
Daher noch einmal zum Mitschreiben die Analyse eines Historikers:

Damals Hitler, heute Putin? Die Analogie ist historisch falsch – und trifft den russischen Präsidenten sehr persönlich. [….]
Betrachtet man diese historische Situation, erschöpfen sich die Parallelen zwischen der Sudeten- und der aktuellen Krimkrise schnell. Erstere war das Vorspiel eines geplanten Kriegs und der Auftakt zum Zweiten Weltkrieg. Die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation ist dagegen die Folge des Scheiterns der politisch-ökonomischen Einfluss-Strategie Moskaus in der Ukraine. Russland hat ein ziemlich autoritäres Regime, aber es ist keine totalitäre Diktatur – man stelle sich Massendemonstrationen, wie es sie in Moskau gab, im Hitler-Staat vor. [….] Und wenn der Vergleich nun einmal in der Welt ist, muss man wohl auch noch die Persönlichkeiten Putin und Hitler nebeneinander stellen: Putin ist ein rücksichtslos, aber letztlich rational agierender Revisionspolitiker, der etwas von der verlorenen Macht Moskaus zurückgewinnen möchte; Hitler war ein von einer irrationalen Ideologie getriebener Welteroberer und Massenmörder. Man kann die Revisionspolitik Putins für falsch und gefährlich halten, man sollte aber doch zwischen Putin und Hitler unterscheiden können – nicht zuletzt, um in der gegenwärtigen Spannungssituation keine verfehlten Schlüsse zu ziehen.
Und man sollte sich bewusst sein, dass NS-Vergleiche nicht im erfahrungsfreien Raum stattfinden. Wladimir Putin stammt aus Leningrad, der Stadt, die Hitler von 1941 bis 1944 totzuhungern versuchte. Eine Million Bewohner fielen dem zum Opfer. Anlässlich des 70. Jahrestages des Endes der Blockade am 27. Januar 2014 hat der 95-jährige russische Kriegsveteran und Schriftsteller Daniil Granin im Deutschen Bundestag die Erfahrung der Blockade eindrucksvoll beschrieben. Wie Granin hat auch Putins Vater an der Leningrader Front gekämpft. Seine Mutter war eine „Blokadniza“. Sie hat in Leningrad überlebt, nicht aber ihr kleiner Sohn Viktor, Putins großer Bruder, den er nie gesehen hat. Er starb als Kleinkind 1942 an Diphtherie und ist zusammen mit einer halben Million anderer Blockade-Opfer auf dem Piskarjowskoje-Friedhof beerdigt. Auch für eingefleischte Putin-Nichtversteher sollte nachvollziehbar sein, dass der Hitler-Vergleich unter diesen Voraussetzungen besonders kränkend ist. [….]
(Prof Jürgen Zarusky via SZ vom 05.04.2014)

Das alles weiß Schäuble entweder nicht, oder hat es nicht bedacht.
Echt blöd.