Als Gerhard Schöder und Jacques Chirac noch in ihren Ämtern waren, warnte Bibi auch schon, wie eine Schallplatte mir Sprung: Der Iran sei unmittelbar davor, Atomwaffen einsatzbereit zu bekommen. Nun müsse aber wirklich etwas unternommen werden.
Keine schlechte internationale Strategie, da Ayatollah Chamenei und seine Revolutionsgarden eins der grausamsten und unsympathischsten Regime der Welt waren. Das junge und gebildete iranische Volk wurde und wird brutal unterdrückt. Es gibt keine seriösen Meinungsumfragen im Iran, aber die Experten schätzen die Anhänger des Systems auf ein Fünftel bis ein Viertel der Bevölkerung. Eine sehr große Mehrheit wäre glücklich, die Ayatollahs loszuwerden. In der westlichen Welt herrscht absolute Einigkeit: Teheran darf auf keinen Fall Atomwaffen in den Hand bekommen.
Allerdings bekam Netanjahu ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem. Wenn man 20 Jahre lang behauptet, der Iran wäre morgen aber wirklich so weit, einsatzfähige Atomraketen abzufeuern, genau das aber 20 Jahre nicht geschieht, braucht man schon einen sehr sehr dummen Menschen, um das immer noch glaubhaft zu behaupten. Einen derartigen Idioten findet man üblicherweise nicht in den Reihen der Staatenlenker. Aber dann kam Trump, dem Bibi offensichtlich seine Märchen einreden konnte. Er hatte leichtes Spiel, da der US-Diktator nicht nur selbst vollkommen ungebildet ist und an einer schweren Form von Morbus Dunning-Kruger leidet, sondern seine Administration auch alle Nahost-Experten feuern ließ, so daß es auch jenseits des Präsidenten, keinerlei Sachverstand in der US-Regierung gibt.
Ich kenne Ali Chameneis IQ nicht, aber da er mutmaßlich deutlich klüger als Trump war (wie 99% der Menschheit), wird er angesichts der geographischen Lage des Irans, eins und eins zusammengezählt haben:
1. Afghanistan, unser direkter Nachbar im Osten, hatte keine Atombomben und wurde von den USA angegriffen, das Land wurde zerbombt, 200.000 Tote.
2. Irak, unser direkter Nachbar im Westen, hatte keine Atombomben und wurde von den USA angegriffen, das Land wurde zerbombt, 1.000.000 Tote.
3. Nordkorea hat ca. 10 Atombomben, wird von den USA verschont.
4. Israel hat ca. 200 Atombomben und kann uns jederzeit von der Landkarte radieren.
Selbstverständlich war und ist es daher aus Sicht des Teheraner Regimes sehr erstrebenswert, selbst über Atombomben zu verfügen. Das ist geostrategisch vernünftig und eine Absicherung gegen die USA und Israel. Der gegenwärtige Krieg zeigt einmal mehr, was dem Regime blüht, weil es keine Atomwaffen hat.
Zudem muss die Selbstverständlichkeit, mit der die Christen-Länder England, Frankreich und die USA, für sich selbst Atomwaffen erlauben, es aber allen anderen Nationen verbieten, aus Sicht eines Schiitischen „Schurkenstaates“ sauer aufstoßen.
Wie „schlimm“ wäre es eigentlich, wenn Teheran Atomwaffen hätte?
Aus Sicht Israels ist das Szenario verständlicherweise unerträglich:
1. Chamenei drohte bereits mit der Auslöschung Israels.
2. Israel ist winzig und wäre mit wenigen Atombomben erledigt.
3. Israel hat bereits Erfahrungen mit einem Genozid gegen die Juden und will sich verständlicherweise nie wieder dem Vorwurf aussetzen, sich nicht genügend gewehrt zu haben, zu naiv gewesen zu sein.
Wer weiter entfernt vom Iran, größere Länder mit anderer Geschichte regiert, mag das anders sehen:
[….] Jacques Chirac schien zu wissen, wovon er sprach: "Eine Bombe zu haben oder vielleicht ein wenig später eine zweite - nun ja, das ist nicht sehr gefährlich", versicherte Frankreichs Staatschef und oberster Befehlshaber über dessen Atomstreitmacht, vor Journalisten. Im Plauderton fügte er hinzu, Atomwaffen würden Iran nichts nützen, und sollte er damit versuchen, Israel anzugreifen, würde Teheran sofort "dem Erdboden gleich gemacht". Vergeblich versuchte Chirac, seine leichtfertigen Worte zu einem der heikelsten Dossiers der Weltpolitik noch zurückzunehmen. Doch sie gelangten in die Öffentlichkeit, nun ist der Ärger groß. [….]
Chirac wies lapidar auf das zwar unethische, aber über Dekaden erfolgreich praktizierte „atomare Gleichwicht des Schreckens“ hin. Die UdSSR konnte die USA ausradieren, die USA konnten die UdSSR ausradieren, aber beide würden es nicht tun, da die „Zweitschlagkapazität“ mit Sicherheit dafür sorgen würde, eine Stunde später ebenfalls als apokalyptische entvölkerte Atomwüste zu enden.
Kein Regime, das überleben will, würde also einen Atomkrieg beginnen.
Dieses Planspiel fußt auf zwei Voraussetzungen:
1. Ein Atomkrieg wird nicht versehentlich durch Fehlalarme, Sabotage oder menschliches Versagen ausgelöst.
2. Derjenige am Roten Knopf, ist nicht irre, nicht erpressbar und würde bei möglichen Zweifeln, vom jeweiligen politischen System eingehegt und abgesetzt.
Bisher funktionierte das, obwohl neben den fünf offiziellen Atom- und UN-Vetomächten, auch Nordkorea, Indien, Pakistan und Israel illegal über Atomwaffen verfügen.
Aber wären die Voraussetzungen auch im Iran erfüllt? Schaukelt ein atomares Mullah-Regime sich nicht vielleicht versehentlich mit Israel in einen Atomkrieg hinauf? Sind die Ayatollahs rational und wollen überleben?
Kurz gesagt, sind Ali Chamenei, bzw sein Sohn Modschtaba Chamenei, „irre“?
Genau daran scheiden sich die Geister. Zumal mittlerweile das eintrat, das in den Weltatomplanspielen nie vorgesehen war: Am weltweit größten roten Atomknopf, sitzt tatsächlich ein Irrer, der eben nicht durch Impeachment oder den 25. Verfassungszusatz aus dem Amt entfernt wird, weil das politisches System der USA völlig versagt.
Es sieht nicht so aus, als ob die Mullahs bald einknicken. Das wird den irren Trump immer mehr in Rage versetzen.
[...] Trumps Wortwahl rief eine scharfe Rüge iranischer Offizieller hervor. In einer von der iranischen Botschaft in Thailand veröffentlichten Erklärung kritisierte die Mission den Ton der Äußerungen des Präsidenten und sagte: „Wir verstehen ja, dass ihr ein blutrünstiges Imperium im Niedergang seid, aber ihr müsst eure Minderwertigkeit nicht durch eine solche Sprache zur Schau stellen. Allah ist weitaus größer und allumfassender, als dass er von deinem Najis-Mund benutzt werden dürfte. Geh, ruiniere noch ein paar Unternehmungen und komm nie wieder in die Weltpolitik zurück.“ [...]
Trump scheint immer noch vollkommen planlos zu agieren und gibt Modschtaba Chamenei mit seinen immer schrilleren und vulgäreren Wutanfällen wertvolle Hinweise:
„Mit der Hormus-Blockade tut ihr mir wahnsinnig weh. Genau das ist mein wunder Punkt, weil ich Depp das nicht voraussah. Mein überlegenes Militär nützt mir gar nichts, wenn ihr die Weltwirtschaft in Geiselhaft nehmt, dadurch in den USA die Verbraucherpreise explodieren und ich deswegen ein totales Desaster bei den Midterms erleben muss.“
Der Iran reagiert hier hochrational, indem er daraus die Schlüsse zieht, keinesfalls seinen größten Trumpf, nämlich die Kontrolle über Hormus abzugeben. Falls ihnen das vorher nicht ganz klar war, wissen sie es nun durch den großen orangen Satan höchstpersönlich.








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