Mittwoch, 8. April 2015

Das gelobte Land

Das gelobte Land ist im allgemeinen christlichen Sprachgebrauch das von Gott versprochene Kanaan, in das die Juden von Ägypten aus einwanderten. Es sollte für immer ihnen gehören – so beschreibt es die Genesis. Und hier spricht Gott in direkter Rede. Also muß es stimmen. Wer könnte da widersprechen?

Nachdem sich Lot von Abram getrennt hatte, sprach der Herr zu Abram: Blick auf und schau von der Stelle, an der du stehst, nach Norden und Süden, nach Osten und Westen. Das ganze Land nämlich, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen für immer geben. Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie den Staub auf der Erde. Nur wer den Staub auf der Erde zählen kann, wird auch deine Nachkommen zählen können. Mach dich auf, durchzieh das Land in seiner Länge und Breite; denn dir werde ich es geben. Da zog Abram mit seinen Zelten weiter und ließ sich bei den Eichen von Mamre in Hebron nieder. Dort baute er dem Herrn einen Altar.
(Genesis 13, 14ff)

Bevor man jetzt auflacht und anmerkt, es könne sich ja wohl niemand heutzutage nach solchen Märchen richten, möchte ich daran erinnern, daß der Grüne Rechtsexperte (sic!) Volker Beck im Jahr 2012 mit der Bibel in der Hand an der Rednerpult des Bundestages ging und erfolgreich (sic!) aus der Genesis ableitete, Menschen dürften in Deutschen potentiell tödliche Eingriffe an Säuglingen durchführen und dabei für immer ihren Penis verstümmeln.

Wenn man den älteren Büchern der Bibel Glauben schenkt, waren die Philister und Kanaaniter übrigens nicht gerade begeistert davon, daß da ein paar abgerissene Typen aus Ägypten kamen und ihnen das Land wegnehmen wollten.
König David mußte dazu erst mal Kriege anzetteln, um den vorherigen Bewohnern alles zu rauben.
Aber wen schert es schon, daß Philister und Kanaaniter massakriert und enteignet wurden; es war ja Gottes Wille.

Erstaunlicherweise hat man in den nächsten paar Tausend Jahren wenig dazu gelernt und so sind im 21. Jahrhundert immer noch verschiedene Völker Kanaans dabei sich leidenschaftlich gegenseitig abzumurxen, weil sie meinen, ihr jeweiliger Gott habe das Land nur ihnen versprochen.
Man soll ja einem geschenkten Gaul nicht ins Maul gucken, aber was Gott damals Abraham scheinbar großzügig vermachte, war nicht so doll und sorgte nur für Ärger.
Ach wäre Gott doch bloß nicht immer so spontan. Hätte er mal lieber etwas nachgedacht und den Israeliten zum Beispiel Sardinien oder irgendwas anderes damals Unbewohntes überlassen.

Vor gut 1000 Jahren begannen dann zu allem Übel auch noch die misogyne Kleidchenträger-Sekte in Rom damit ständig Heere aus Westeuropa in das gelobte Land zu schicken, um dort möglichst gründliche Genozide durchzuführen.

Heutzutage wird in Abwandlung der alttestamentarischen Texte oft Amerika als „das gelobte Land“ verstanden.
Wo immer die Menschen dieser Tage ausziehen müssen; immer noch aus Ägypten; aber auch aus vielen anderen Ländern; das Ziel heißt am häufigsten U!S!A!

Zwar ist Gott seit der Erfindung von Fotoapparat und Kamera nicht mehr von irgendwelchen Bergen geklettert, um Menschen in Not Länder zu schenken, aber immerhin weiß man, daß die USA sein Land sind.
Gods Own Country. Amerikanischen Präsidenten gewährt Gott die Ehre ihnen direkt Regierungstipps zu geben.
So hatte er beispielsweise 2001/2002 die Knalleridee seinem Fan George W. Bush zu empfehlen zwischen Euphrat und Tigris alles platt zu machen.
Hat sich auch tatsächlich bewährt.
Bewährt für Typen wie Vizepräsident Dick, der mit seinen Halliburton-Kumpels durch den 2003er Irakkrieg steinreich wurde.

Aber ich will mich gar nicht so abfällig über die USA äußern; obwohl ich mich dazu berechtig fühle durch meinen US-Pass, zu dem ich wie die Jungfrau zum Kinde kam.
Die USA sind schon ein großartiges Land. Ein sehr heterogenes Land natürlich. Aber umso mehr kann jeder seine Lieblingsecke finden.
Und ja, auch wenn die Mittelschicht schrumpft, sich die Klimakatastrophe täglich verschärft und die Infrastruktur wegbröckelt, kann man es in den USA noch weit bringen.
Man kann reich werden, tolle Menschen kennenlernen und sogar zufrieden leben.

Na gut, eine Einschränkung ist schon dabei: Man sollte schon weiß sein.
Zur Not auch noch Asiate.
Aber alle Menschen mit Hautfarben zwischen Obama und Mekhi Phifer sind nicht ganz so willkommen.
Sie sitzen im Knast, werden in üblen Gegenden umgebracht, oder auch ganz profan direkt von der US-Cops erschossen.

96 Schwarze pro Jahr von weißen Cops getötet
[….]  Am vergangenen Wochenende starb Walter Scott, 50, in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Der Polizist Michael S. feuerte auf den Flüchtenden, später behauptete der Cop, aus Angst um sein Leben geschossen zu haben. Ein Video des Vorfalls widerlegte seine Aussage jedoch. [….] Walter Scott ist der neueste Name auf einer Liste schwarzer Opfer. Nach Michael Brown, 18, in Ferguson. Nach Tamir Rice, 12, in Cleveland. Nach Eric Garner, 43, in New York. Die Todesfälle sorgten im ganzen Land für anhaltende Proteste - auch weil viele der Taten auf Videos festgehalten wurden. Beobachter vermuten, dass die Polizisten auch aus rassistischen Motiven handelten.
[….] In der Kleinstadt Ferguson, in der der schwarze Jugendliche Michael Brown getötet wurde, gab es Mitte 2014 insgesamt 53 Polizisten, darunter nur drei schwarze - dabei machen Afroamerikaner rund zwei Drittel der Bevölkerung aus. In North Charleston gab es ein vergleichbares Missverhältnis: Nach Recherchen der Lokalzeitung "The Post and Courier" waren im vergangenen Jahr nur 18 Prozent der Polizisten Schwarze, während ihr Anteil an der Einwohnerzahl 45 Prozent betrug.
[….]  Das FBI meldete, im Jahr 2013 hätten Polizisten im Einsatz insgesamt 461 mutmaßliche Straftäter erschossen, so viele wie seit zwei Jahrzehnten nicht. Im Jahr 2012 lag die Zahl bei 426. Nach einer Analyse der Tageszeitung "USA Today" auf Basis der FBI-Zählung wurden von 2007 bis 2012 im Schnitt 96 Schwarze pro Jahr von einem weißen Cop getötet.
Auffallend ist, dass solche Vorfälle zunehmen, wenn man sie ins Verhältnis zur Zahl der Verbrechen setzt. [….]


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