Dienstag, 6. Juni 2023

Evangelisch auserzählt.

Wäre man ein Freund der evangelischen Kirche, könnte man froh sein, mit der gegenwärtigen Chefin, jemanden an der Spitze zu haben, die über einen nicht ganz so niedrigen IQ, wie ihre Vorgänger Heinrich Bedford-Strohm, oder gar Margot Käßmann, verfügt.

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschuss wirkt zudem persönlich nicht so abstoßend, wie die BILD-Kolumnistin Käßmann, da sie nicht so eitel ist und weniger mit ihrem persönlichen Klimbim in die Yellow-Press drängt.

Präses Kurschus, 60, geboren in Fulda, Tochter eines Pfarrers, ist seit November 2021 EKD-Chefin. Sie vermied bisher jedes Fettnäpfchen und lädt nicht durch viel zu kurz gedachte öffentliche Äußerungen dazu ein, kollektiv ausgelacht zu werden. Immerhin.

Hätte ich Interesse am Wohlergehen der Kirche, würde ich eine Person mit solchen Eigenschaften an der Spitze empfehlen. Tatsächlich geht es auch unter Kurschus-Führung rapide bergab. In dem mittlerweile von 84 Millionen Menschen bevölkerten Deutschland, gehören weniger als 20 Millionen der evangelischen Kirche an.

[….] Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat heute ihre Mitgliederzahlen für das Jahr 2021 veröffentlicht. Nach den aktuellen Berechnungen auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen aus den Gliedkirchen der EKD gehörten zum Stichtag 31.12.2021 insgesamt 19.725.000 Menschen einer der 20 Gliedkirchen der EKD an. Das sind rund 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr.  [….]

(EKD PM, 09.03.2022)

Die Gläubigen laufen in Scharen davon, obwohl Kurschus sie nicht aktiv vertreibt, wie es Käßmann oder Woelki so wunderbar verstehen.

Die Ursachen dafür werden deutlich, wenn man einen anderen Aspekt der Peron Kurschus betrachtet.

Die arme Frau ist, wenig überraschend, eine Vollblutreligiotin. Sie ist nicht nur Theologin mit lila Genen, Pfarrerin und Präses, sondern auch Herausgeberin des evangelischen Trottel-Magazins chrismon und der evangelischen Monatszeitschrift zeitzeichen. Zudem fungiert sie als Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Presseverbandes, des Aufsichtsrats der Deutschen Bibelgesellschaft und spricht Beiträge zur Morgenandacht im WDR-Radio.

Den morgen beginnenden evangelischen Kirchentag in Nürnberg, ihr wichtigstes Event des Jahres, kann sie überraschend nicht besuchen, weil der liebe Gott ihr heute eine Covid19-Erkrankung verpasste. Ausgerechnet die Chefin kommt nicht; Gott hat vielleicht doch Humor.

Kurschus gab aber „im Vorfeld“ jede Menge Interviews, in denen sie zwei Dinge klarstellte: Erstens bietet die christliche Ideologie keinerlei Mehrwert im Jahr 2023. Zweitens bemerken die Theologen aber genau das nicht, weil ihre Inselverarmung an dieser Stelle nicht erkennen kann, wie albern, altmodisch und lächerlich ihr Kirchensprech klingt.

Ein Running-Gag erster Klasse ist ihre Erläuterung zum Kirchentagsmotto „Jetzt ist die Zeit“. Kirchisten müssen sich ständig Motti für irgendwelcher Events ausdenken. Dafür bedienen sie sich immer in der Bibel und bevorzugen krude-rudimentäre Verse, die zuverlässig jedes Mal vom Publikum als völlig aus altmodische Sinnlosigkeiten empfunden werden. In einem religiotisch dadaistischen Zirkelschluss, erklären anschließend die Kirchenoberen völlig entrückt; gerade das Alte sei so modern und passe daher so gut in die Gegenwart.

[….] Warum das größte christliche Laientreffen Deutschlands diesmal mit dem Leitsatz "Jetzt ist die Zeit" überschrieben ist, erklärt Annette Kurschus, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

SZ: Frau Präses Kurschus, das Motto basiert auf einem Vers aus dem Markusevangelium: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahegekommen, tut Buße und glaubt an das Evangelium". Ruft die evangelische Kirche jetzt die Apokalypse aus?

Annette Kurschus: Nein, überhaupt nicht. Dieses Wort ist ein Werben für das Jetzt. Jesus sagt ja: Wartet nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag und klebt auch nicht an der Vergangenheit, sondern jetzt habt ihr die Chance, umzukehren und es anders zu machen. Für einen Kirchentag in diesen Zeiten könnte es kaum ein besseres Motto geben. Wir durchleben gerade eine Krise nach der anderen. In diese Stimmung hinein kommt der Kirchentag mit seinem Motto: Jetzt ist die Zeit, mutige Aufbrüche zu wagen. Auch und gerade in der Kirche.  [….]

(Kurschus-Interview SZ, 06.06.2023)

Herrliche Realsatire. Die SZ legt den Finger in die Wunde, daß die Kirche seit 2.000 Jahren von der Wiederkehr Jesu spricht, dieser aber ganz offensichtlich eins nicht tut – nämlich noch mal auf der Erde zu erscheinen. Statt zuzugeben, daß nach 2.000 Jahren die Glaubwürdigkeit von „Jesus kommt jetzt“ bei Null angekommen ist, antwortet sie mit einem Theologiotischen Schwall-Satz: „Ein Werben für das jetzt!“ Mehr Pathos geht kaum und offenbar erfreut sich Kurschus so sehr an ihrem vermeidlichen linguistischen Geniestreich, daß sie gar nicht bemerkt, wie vollkommen sinnfrei der Satz ist.

Theologensprech kann die EKD-Chefin offenbar wie am Fließband produzieren. Typisch realitätsentrückte Protestantenkirchen-Fürstin: Gaga-Sätze das Fenster zum Himmel offen halten mit soviel hanebüchenen Annahmen verquicken, daß die Interviewer gar nicht nachkommen, ihre Prämissen in Frage zu stellen.

[….] SZ: Und was erwarten Menschen von der Kirche?

Annette Kurschus: Wir sollen das Fenster zum Himmel offen halten. Die Menschen brauchen Transzendenz, also eine Dimension, die über unsere Erfahrung hinausgeht. Das ist ein tiefes Bedürfnis in einer Zeit, in der wir alle merken, wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind und an wie vielen Stellen wir nicht mehr wissen, wie es weitergeht. In der Gewissheit zu leben und sie zu vermitteln, da gibt es noch etwas über unsere eigenen Denkhorizonte hinaus, das ist eine große Stärke der Kirche. Wir sind uns nicht selbst genug, unser Leben und die Welt liegen in Gottes Hand.  [….]

(Kurschus-Interview SZ, 06.06.2023)

Nein, „die“ Menschen brauchen keine Transzendenz, nein, das ist kein tiefes Bedürfnis „der Zeit.“

Die arme Frau glaubt aber offenbar tatsächlich, damit einen Nerv getroffen zu haben, „die Menschen“ abzuholen, indem sie deren innerste Bedürfnisse nicht nur erkennt, sondern gleich auch feststellt, es sei die große Stärke der Kirche, diese Wünsche zu erfüllen.

Ich schätze, die bombardierten Menschen in Bachmut, Cherson, im Jemen oder Syrien, die im Mittelmeer ersaufenden Kinder, haben eins nicht: Ein tiefes Bedürfnis nach Transzendenz. Und ich auch nicht.

Montag, 5. Juni 2023

Rechts gegen rechts

Es gibt außer Donald Trump eigentlich niemanden, den ich so abgrundtief verachte, wie den verschwörungstheoretischen, antisemitisch-heuchelnden Hetzer David Berger, der im letzten Monat zweimal für die AfD als angeblicher „Experte“ im deutschen Bundestag seine widerlich-destruktive Ideologie verbreiten durfte.

Sein Pipi-Blog hat, wie damals Kreuznet, diesen Tote-Qualle-Am-Strand-Effekt. Man weiß schon vorher, daß es ekelig ist, verspürt aber dennoch den Drang ganz nah ranzugehen, um den modernden Leichnam genauer anzugucken. So geht es mir mit „Philosophia Perennis“ und weiche jedes Mal angewidert zurück. Denn das ist der große Unterschied zwischen David Bergers Blog und Kreuznet:

 Beide waren ungefähr gleich rechtsextrem und schäbig, aber die Kreuzler frönten einer gewissen Lust am Formulieren, kreierten Neologismen und sorgten so dafür, daß man sie bei allem Ärger auch herzlich auslachen konnte. Berger hingegen ist vollkommen humorlos.

Heute staunte ich nicht schlecht, da hatte der Urinduscher doch tatsächlich einige Sätze verfasst, die ich sinngemäß auch ständig schreibe: „Merz stärkt die AfD“

Wie konnte DAS passieren?

[….] Eigentlich sollte er die AfD-Wähler, die einst von der gemerkelten Union nichts mehr wissen wollten, zurück holen. Doch Merz scheint genau das Gegenteil zu erreichen. Auch mit seinen jüngsten Äußerungen dürfte er vermutlich der „Alternative“ ein paar Prozentpunkte mehr an Wählergunst bescheren.

„Solange ich Parteivorsitzender der CDU bin, wird es keinerlei Zusammenarbeit mit dieser Partei geben“, so Merz am Sonntagabend im ZDF-„heute journal“ angesichts der zuletzt immer weiter ansteigenden Umfragewerte für die AfD.  [….]

(PP, 05.06.2023)

Bevor ich ob dieser gruseligen Kongruenz mit Ultrarechts ins Koma falle: Parteipolitische Bewertungen sind eine Frage der Perspektive.

An den Fakten kommt auch Berger nicht vorbei: Die Merz-CDU ist schwächer, als es die Merkel-CDU jemals war und die strammrechte Höcke-AfD ist stärker, als sie je war. Die Grünen wurden von den Braunen auf Bundeseben klar überholt. In drei Ossibundesländern (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) sind die Faschisten in aktuellen Umfragen bereits stärkste Partei.

Um die große Frage, wer daran schuld hat, dreht sich gerade eine öffentliche Diskussion. Eine merkwürdige Diskussion, denn die Zusammenhänge sind längst hinlänglich bewiesen: Wann und wo immer CDU/CSU besonders rechts blinken, um Stimmen von rechts zurückzuholen, senken sie damit nur die Hemmschwelle, um das faschistoide Original zu wählen. Wenn die Union das nachplappert, was die AfD stinkt – Überfremdung, Nationalität, Identität, Gendern, Grünes Gängeln –empfinden die „HAU AB/Lüg-en-presse“-Gröler das als Bestätigung.

Die völkisch-antigrüne Lynchstimmung wird bewußt von Kubicki, Merz, Söder und Springer erzeugt. Dadurch steigen dann, wie zu erwarten, die AfD-Zahlen.

[….] Man muss wirklich sagen, dass die Union und die FDP in ihrer Kommunikation zum Heizungsgesetz einen sehr guten Job gemacht haben. Erst haben sie Teile der Gesellschaft total verunsichert und verängstigt und dann haben sie beklagt, dass der Bundeswirtschafts- und Klimaminister die Leute total verunsichere und verängstige. Die bewährten rhetorischen Tricks wurden zielsicher eingesetzt: Bestandschutz für bestehende Heizungen kaum erwähnt, die Dimension völlig übertreiben, mit aufgeblasenen Kosten Abstiegsängste schüren, mit dem Killerwort „Verbot“ die neue Rechtslage zuspitzen undsoweiter.

Sehr, sehr gute Oppositionsarbeit. Wenn man mal davon absieht, dass die FDP nominell der Regierung angehört, die sie angreift.

[….] Selbst anspruchsvolle Medien reden ernsthaft davon, die Leute seien ja komplett verunsichert durch das Wirtschaftsministerium, die soziale Dimension sei mal wieder komplett vergessen worden, typisch, Grüne, und Gesetze beziehungsweise bereits deren Vorlagen werden mit Kennerexpertisen-Rhetorik schnell mal als „handwerklich miserabel“ gelabelt, womit man den Sprech der FDP übernimmt. Dazu kommen noch die routiniert heruntergeleierten „Ideologie“-, „Verbotsfetischismus“- und „Staatswirtschafts“-Gesänge. Es ist ja durchaus richtig, dass nicht alles gut gelaufen ist, sicher kann man smarter kommunizieren und soziale Härten besser abpuffern, was ja nun auch versucht wird. Aber die größere Frage lautet doch: Wenn eine technische Detailsache und im Vergleich eher kleine Veränderung wie die Umstellung von fossilen auf möglichst postfossile Heizgeräte bereits zur letzten Entscheidungsschlacht hochgejazzt wird: Wie soll man da in den nächsten Monaten und Jahren Ernst machen mit den großen Projekten? Die Antwort ist: Gar nicht. Jedenfalls, wenn es nach denen geht, die ernsthafte Wirtschafts- und Klimapolitik verhindern wollen.  [….]

(Peter Unfried, 05.06.2023)

Ein anderes frappierendes Beispiel ist die womöglich größte Versagerin der Merkel-Regierung: Dorothee Bär, die als Digital-Staatsministerin eine Digital-Leiche hinterließ. Deutschland international weit abgeschlagen. Selbst hierherkommende Flüchtlinge staunen über die umständliche hiesige Zettelwirtschaft, während die Verwaltung in der Ukraine oder Polen längst vollständig digital funktioniert. Statt den ganzen Tag beschämt in Sack und Asche zu gehen, führt sie mit dem anderen ganz großen Versager Andreas Scheuer einen homophoben Kulturkampf an und drischt auf Minderheiten ein.

[….] Mit geradezu missionarischem Eifer macht die Vizefraktionschefin der Union Stimmung gegen queere Menschen. Früher hetzte sie gegen die Ehe für alle, jetzt gegen das Selbstbestimmungsgesetz. [….] Die CSU-Politikerin Dorothee Bär hat offenbar einiges vom queerfeindlichen Gouverneur Ron DeSantis gelernt, als sie im Mai mit ein paar Parteifreunden eine Audienz beim rechten Scharfmacher in Florida hatte [….] Bär ist bereits seit mehr als 20 Jahren im Bundestag – und kämpfte dabei stets verbissen gegen LGBTI-Rechte. So sagte Angela Merkels frühere Staatsministerin und heutige Vizefraktionschefin der Union etwa 2010, dass eine Familie nur aus "Vater, Mutter, Kind" bestehen könne. 2017 stimmte sie wie ein Großteil ihrer Partei für die Beibehaltung des Ehe-Verbots für gleichgeschlechtliche Paare. Besonders niederträchtig ist, dass Bär in ihrem FAZ-Beitrag Reformbereitschaft vorgaukelt:

    „Die geltenden Regelungen des Transsexuellengesetzes, insbesondere die verpflichtende Einholung von Gutachten, werden von einigen Betroffenen als diskriminierend wahrgenommen. Als Union erkennen wir den Reformbedarf an. Der Staat muss die besonderen Lebenssituationen von transgeschlechtlichen Menschen berücksichtigen“.

Diese Sätze sind höhnisch, wenn man bedankt, dass die Union bis 2021 insgesamt 16 Jahre an der Macht gewesen war – in dieser Zeit änderte sie trotz vieler Ankündigungen am Transsexuellengesetz nichts. Dabei bettelten LGBTI-Aktivist*innen Jahr für und Jahr um eine Reform. Außerdem erklärte das Bundesverfassungsgericht mehrfach Abschnitte des Gesetzes für verfassungswidrig.  [….]

(Denis Klein, 05.06.2023)

Die Erbärmlichkeit der Union, die auf diesen Nebenkriegsschauplätzen von ihrem eigenen Totalversagen abzulenken versucht, lässt sich kaum übertreffen. An der Spitze natürlich wieder der größte AfD-Wahlhelfer Fritz Merz.

[….] Die AfD befindet sich in einem Umfragehoch. In der Befragung des Instituts Insa für Bild am Sonntag kam die Partei auf den Höchstwert von 19 Prozent und lag damit gleichauf mit der SPD. Ein Schuldiger ist zumindest aus Sicht des CDU-Chefs Friedrich Merz schnell gefunden: die Gendersprache. [….] Das Umfrageergebnis von 19 Prozent war der höchste Wert, den ein Meinungsforschungsinstitut bislang für die AfD gemessen hat. Der Gebrauch der geschlechterneutralen Sprache ist laut Merz einer der Gründe für das Erstarken der Rechtspopulisten in Meinungsumfragen. „Mit jeder gegenderten Nachrichtensendung gehen ein paar hundert Stimmen mehr zur AfD“, schrieb er am Samstag in seinem wöchentlichen Newsletter „MerzMail“. Einen entsprechenden Auszug postete der CDU-Chef auch auf Twitter. „Gegenderte Sprache und identitäre Ideologie werden von einer großen Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr nur im Stillen abgelehnt“, so Merz weiter. Sie würden als „übergriffig empfunden.“

[….] „Mit jedem solcher Tweets gehen ebenfalls ein paar hundert Stimmen mehr zur AfD“, schrieb ein Twitter-Nutzer ironisch unter den Beitrag des CDU-Chefs. Doch Merz bekam nicht nur Gegenwind. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sich am Wochenende ähnlich. „In der Ukraine herrscht Krieg, und wir kümmern uns um Nebensächlichkeiten wie gendergerechte Sprache. Das ist doch absurd“, so der CDU-Politiker. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte indes die Äußerungen des CDU-Chefs Merz als „blanken Populismus“.

„Die Situation ist ernst und er geistert nur hetzend durch die Gegend“, schrieb die Grünen-Politikerin Renate Künast auf Twitter. „Wie wärs mal mit Konzepten?“, fragte Künast weiter und warf Merz vor, der AfD „durch Hetze Stimmen zuzutreiben[….]

(Bettina Menzel, 05.06.2023) 

Wie dramatisch sie Deutschland, Deutschlands Zukunft und den Bürgern schaden, während sie gleichzeitig die AfD pampern, wissen bei aller Doofheit auch Merz, Amthor, Spahn, BILD und Co.

Also versuchen sie tolldreist, die Schuld ausgerechnet Grünen und SPD zuzuschieben, als ob die Wählerwanderung von den Grünen zur Höcke-Partei gingen. Auch der Ex-BILD-Verantwortliche Blome verbreitet diese krude These.

[….] Die Weisheit mit Löffeln gefressen, die Wahrheit gepachtet und mit dem Kopf durch die Wand: Diese vorstechend grüne Attitüde bringt laut Umfragen den Klimaschutz zwar nicht unwiderruflich in Misskredit. Aber sie treibt den Klimawandelleugnern eine »So-nicht!-Fraktion« zu, die dermaßen verstört und verärgert ist, dass sie sich trotz des manifesten Rechtsextremismus und des ganzen Stroboskops von Irrlichtern vorläufig bei der AfD einreiht.  [….]

(Nikolaus Blome, 05.06.2023)

Absolut hanebüchen, diese „Grüne stärken AfD“-These, die auch Augustus/Wirecard-Lobbyist Amthor verbreitet. Dabei sind die Grünen immer noch stärker als ihr Bundestagwahlergebnis. Von ihnen kann der Stimmenzuwachs für die AfD also gar nicht kommen.

Die AfD ist so stark, weil CDUCSUBILDFDP so rechts sind.  Die AfD ist so stark wegen Merz. Das sieht auch David Berger ganz richtig. Da er ein wahnsinniger Verschwörungstheoretiker von ganz rechts außen ist, meint er allerdings, die AfD profitiere davon, daß Merz viel zu links sein. Auch das ist selbstverständlich hanebüchen. Die AfD ist so stark, weil Merz so rechts ist und damit die Fluttore zum Faschismus weit geöffnet hat.

Sonntag, 4. Juni 2023

Schwule Afrikaner

Wertegeleitete Außenpolitik verbietet geschäftliche Beziehungen mit Unrechtsregimen wie den Golfmonarchien, Russland oder China.

Sofern man die „Werte“ irgendwo zwischen UN-Menschenrechtscharta und Humanismus ansiedelt. Zur großen Erleichterung der fleißig an die deutschen Parteien spendenden deutschen Industrie, basieren die Werte der Berliner Politik auf Mammon.

Selbst wenn ein Land genau vor unseren Augen einen Krieg vom Zaun bricht, hunderttausende Menschen tötet, beziehen wir als EU weiterhin Erdgas, Uran und Rohdiamanten, weil wir anderenfalls einen finanziellen Schaden erlitten und das wollen wir noch viel weniger als Krieg.

Ökonomische noch mächtigere Staaten dürfen wie die USA illegale Angriffskriege (Irak 2003) führen, Kriegsverbrechen begehen (Abu Ghraib, Baghram, Guantanamo), kontinuierlich das Völkerrecht mit Füßen treten (Todesstrafe, Tötungen durch Drohnen) und uns demütigen (Merkels Handy abhören), ohne daß überhaupt an wertegeleitete Konsequenzen gedacht wird. Auch China ist viel zu mächtig und zu reich, als daß wertegeleitete Außenpolitik bei Uiguren, Tibetanern oder Myriaden Hingerichteten greifen würde.

Todesstrafe gegen Homosexuelle finden wir nicht gut, aber man muss schon unterscheiden, wer Männer dafür hinrichtet, daß sie sich lieben.

Brunei, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Iran, Jemen, Mauretanien, Nigeria, Afghanistan, Pakistan und Somalia lauten die elf Nationen, in denen man für homosexuelle Liebe getötet werden kann.

Wertegeleitete Außenpolitik verbietet sich natürlich bei den ersten vier davon, weil die alle steinreich sind, auf Öl/Gasquellen sitzen und bedeutende finanzielle Beteiligungen an deutschen Unternehmen halten.

Nigeria ist mit 200 Millionen Einwohnern und als bedeutender Erdöl, bzw Zement-Exporteur ebenfalls zu mächtig. Pakistan ist Atommacht. Gegen den Iran wurden bereits aus anderen Gründen Sanktionen verhängt. Im Jemen und Afghanistan herrscht ohnehin Hunger, Krieg und Armut. Bleiben die afrikanischen Armenhäuser Somalia und Mauretanien. Aber deren Schwule sind nun einmal meistens schwarz und je dunkler die Haut, desto geringer das menschenrechtliche Interesse des deutschen Urnenpöbels. Ukrainische Flüchtlinge (weißhäutige Christen) werden als Kriegsflüchtlinge akzeptiert. Aber Somalis und Eritreer lassen wir im Meer ersaufen und munitionieren lieber Frontex für Pushbacks auf. Wenn unsere weißen christlichen Brüder hungern, sind wir solidarisch. Allein die Hamburger schickten 1990 um die 650.000 Care-Pakete nach St. Petersburg, als dort die Not groß war. Täglich 15.000 in Afrika verhungernde Kinder sind uns hingegen genauso wurscht, wie die 800.000 bis eine Million in Ruanda 1994 ermordeten Tutsi.

Schwierig also.

Nun wird mit Uganda ein 12. Land Menschen dafür töten, daß sie einen anderen Menschen lieben. Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland Uganda sind anders die zu China oder Russland, unbedeutend. Das wäre als die Gelegenheit für Annalena Baerbock, um ihre wertegeleitete Außenpolitik zu praktizieren.  Hingerichtete schwule Ugander findet Berlin nicht schön, aber erstens sind sie nicht weiß und zweitens hat die Schwulenhetze in Uganda ihren Ausgangspunkt in den USA. Gegen eine Supermacht verhängen wird aber nicht nur keine Sanktionen, sondern wir zittern davor, sie zu verärgern.

[….] Die Bundesregierung übt scharfe Kritik an Ugandas neuem Gesetz gegen nichtheterosexuelle Lebensformen und spart zugleich jegliche Kritik an dessen US-amerikanischen Stichwortgebern aus. Das Gesetz, das etwa auf sogenannte schwere Homosexualität die Todesstrafe vorsieht, „verletzt grundlegende Menschenrechte, zu denen sich Uganda verpflichtet hat“, teilt Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze mit. Experten und Aktivisten aus afrikanischen Staaten weisen schon seit Jahren darauf hin, dass die aktuelle Hetze gegen LGBT in Uganda sowie in weiteren Ländern des afrikanischen Kontinents faktisch von evangelikalen Organisationen vor allem aus den USA befeuert wird, die nicht bloß im eigenen Land gegen nichtheterosexuelle Lebensformen agitieren, sondern ihre Ideologie auch nach Afrika exportieren – mit Millionenbeträgen. Bereits der erste Gesetzesentwurf, der im Jahr 2009 die Todesstrafe auf Homosexualität in Uganda ermöglichen sollte, wurde mit Hilfe evangelikaler Berater aus den USA erstellt. Eine Expertin aus Südafrika warnt, die christliche US-Rechte exportiere mit ihrem „Kulturkampf“ „Hass nach Afrika“. In Berlin wird Uganda kritisiert, die US-Beihilfe aber beschwiegen. [….]

(GFP, 01.06.2023)

Das Thema Diskriminierung der LGBTIQ*-Communitiy wird durch die rechten Parteien in Deutschland und den USA ohnehin wieder verschärft.

Selbst im modernen G7-Staat Japan herrscht strikt homophobe Politik, aber Annalena Baerbock kann dazu natürlich nichts sagen; schließlich importieren wir Hightech-Waren im Wert von rund 25 Milliarden Euro jährlich aus Japan.

Aber wieso gibt es eigentlich keine deutsche Initiative gegen Kampala?

Rhetorische Frage; weil uns Klimazerstörern, Fleischfressern und Waffenexporteuren humanistische Werte in Wahrheit scheißegal sind. Das sind nur Worthülsen, die das deutsche Außenministerium gelegentlich zu Sonntagsreden auspackt.

[….] Ob jemand heterosexuell oder homosexuell oder bisexuell liebt und begehrt, sollte gesellschaftlich in etwa so bedeutsam oder bedeutungslos sein wie Rechts- oder Linkshändigkeit. Gewiss, das eine kommt häufiger vor als das andere. Aber aus Häufigkeit leitet sich keine Wertigkeit ab. Etwas, das seltener vorkommt, ist nicht weniger menschlich. Es ist seltener. [….] In Uganda hat diese Woche Präsident Yoweri Museveni das bereits im März vom Parlament beschlossene drakonische "Anti-Homosexualitäts-Gesetz" unterzeichnet. [….] Homosexualität wird als "Krankheit" pathologisiert [….] Schon bisher wurde in dem Land homosexuelles Begehren und Lieben kriminalisiert. Wer eine gleichgeschlechtliche Beziehung eingehen wollte, konnte mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Gleichgeschlechtlicher Sex konnte mit lebenslanger Haft belegt werden.

 Sogenannte schwerwiegende Fälle sieht der Gesetzgeber zukünftig als Kapitalverbrechen, die mit der Todesstrafe bestraft werden können. [….]  Es ist furchterregend, dass Menschen in Uganda nun um ihre Körper, ihre Beziehungen, ihr Leben bangen müssen, dass sie nun gejagt werden wie Freiwild, dass sie ausgeliefert sind, dass sie gemeldet, denunziert, angezeigt werden können, dass sie sich nie sicher fühlen können. [….] Wenn das Auswärtige Amt es ernst meint mit seiner wertegeleiteten Außenpolitik, wenn Europa es ernst meint mit seinen universalistischen Prinzipien, dann sollten diese sich auch konkretisieren. Dann sollten sie übersetzt werden in nachhaltige Sanktionen und vor allem in Schutz für diejenigen, die vor Gewalt und Verfolgung fliehen müssen aus Uganda. Werte, die fallen gelassen werden, sobald sie gebraucht und getestet werden, sind nichts wert.  [….]

(Carolin Emcke, 02.06.2023)

Samstag, 3. Juni 2023

Deutsche Merz-Zukunft

Durch 16 Jahre absolutes Versagen der CDU wurde Deutschland in jeder technischen Hinsicht komplett von der Weltspitze abgehängt. Möglicherweise ist dieser Rückstand nie wieder aufzuholen.

Uns bliebe dann eine Zukunft als international ausgelachtes Kuriosum. Sofern es überhaupt noch eine Zukunft für den Homo Demens gibt und er sich nicht durch Atomschläge/Pandemien/Überhitzung selbst aus der Erdgeschichte eliminiert.

Sollte die Menschheit aber länger überleben, wäre Deutschland (womöglich gemeinsam mit den USA) das abschreckende Beispiel dafür, wie es bergab geht, wenn die Bevölkerung durch eine Mischung aus Ignoranz und Arroganz die Realität negiert, stattdessen auf unrettbar verantwortungslose Uralt-Technik, wie Verbrennungsmotoren, Atomfission und Kohle setzt, während gleichzeitig die Bildungseinrichtungen ruiniert werden.

Deutschland könnte in 50 Jahren eine Art dystopischer Gerassig Park sein, in dem alles zerfällt. Die Superreichen und Gebildeten wären längst geflohen. Zurück blieben entvölkerte Landschaften, in denen Kranke zum Sterben auf die Straße geworfen würden und die beherrschende Macht bei kannibalistisch-marodierenden Cis-Hetero-Preppern läge, die auf der Suche nach Nahrung grölend durch Sachsen und Bayern zögen.

Mit etwas Glück könnte Deutschland 2073 aber auch unter die schützenden Arme einer Kolonialmacht wie China geraten, welche die Ordnung aufrecht erhält und dafür entrechtete Deutsche für niedere Arbeiten, als Organlieferanten oder für medizinische Experimente einsetzte. Internationale Wissenschaftsteams könnten zwischen Flensburg und Bodensee soziologische Feldstudien betreiben und untersuchen, wie anpassungsfähig primitive Menschen ohne technologische Mittel sind.

Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen und Schleswig-Holstein gäbe es nicht mehr; hinweggerafft vom meterhoch angestiegenen Meeresspiegel. Die Restbevölkerung hätte sich in mitteldeutsche Steppenlandschaften verkrochen, wo sie tagsüber in Erdlöchern der 50°C-Dauerhitze zu trotzen versuchte.

Vielleicht gäbe es auch Gutmenschen aus anderen Teilen der Welt, die von der UN-Hitzehilfe organisiert einflögen, um den tumben Teutonen überlebenswichtige Technologien zu bringen. Aber diese hätten keinen Erfolg, weil sie als „queer und undeutsch“ gebrandmarkte Fremde, mit Forken und Mistgabeln verjagt würden.

Aber zurück ins Jahr 2023. Noch gibt es Deutsche, sogar in der Regierung, die versuchen, so eine Zukunft zu verhindern, indem sie danach trachten den technologischen Rückstand aufzuholen.

Aber die kaputte Bundeswehr, das Internet aus dem letzten Jahrtausend, die versparkten Schulgebäude und die fossil beheizten ungedämmten Gebäude, auf den Stand anderer europäischer Länder zu modernisieren, erfordert enorme Anstrengungen.

Die weltweite #Energiewende brummt:

Laut IEA wird die weltweite #Photovoltaik-Produktionskapazität im Jahr 2024 auf 1000GW steigen. Wir haben in Deutschland gerade mal rund 70GW in 25 Jahren installiert. (…..)

Während alle Zukunftsmärke wie #Photovoltaik, #Wärmpumpen, #EAutos weltweit zweistellig wachsen, wächst Deutschland praktisch nicht. @fdp @cdu und @BILD machen Stimmung gegen Zukunftstechnologien. So verspielen wir immer mehr den Anschluss und unseren Wohlstand. (….)

Voller Erfolg der Gas- und Öllobby sowie von @FPD @CDU @CSU und @BILD: Die Menschen bauen noch wie blöd fossile Heizungen ein. Die Folge: Es wird ein böses Erwachen beim baldigen Anstieg der Öl- und Gaspreise geben und Deutschland wird seine Klimaziele reißen. (….)

Die Folgen einer rückwärtsgewandten Politik treffen die deutsche Wirtschaft. Während Volumenmärkte wie China auf die E-Mobilität setzen, diskutieren @fdp

 und Co. über eFuels. So verlieren wir international den Anschluss und riskieren unseren Wohlstand. (….)

Der Referent für #Klimapolitik der #FDP ist offenbar ein #Klimaleugner und pflegt Kontakte zu Organisationen wie EIKE, die den vom Menschen gemachten Klimawandel generell anzweifeln. Kein Wunder, dass die FDP fast alle #Klimaschutz-Vorhaben sabotiert. (….)

(Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme, HTW Berlin)

Die FDP ist eine zutiefst ideologische Lobbyorganisation der Superreichen.

Die BILD ist eine zutiefst bösartige Lobbyorganisation der Rechtsextremen

Die CDU ist eine zutiefst verantwortungslose Vertuschungsorganisation.

Deutschlands technologischen Rückstand zu bekämpfen bedeutet nämlich nicht nur große finanzielle Anstrengung, sondern auch zu offenbaren, wer an dem Desaster die Schuld trägt. Nämlich Fritze Merz und die seinen.

Der CDU-Chef ist aber so skrupellos, daß er nicht nur die Zukunft Deutschlands für sein temporäres politisches Wohl ruiniert, sondern er nimmt auch gern in Kauf, dafür die faschistische AfD auf Rekordgröße aufzupumpen.

Daher sorgen Merz, Springer und die Lindneristen weiterhin konsequent für Desinformationen.

[….] Fakten zum Heizgesetz, die offenbar niemand kennt:
- Einbau-Verbot für neue Ölheizungen ab 2026 wurde bereits 2019 von der Groko beschlossen. Ebenso wie eine Austauschpflicht nach 30 Jahren. Es gab keinen BILD-Aufschrei.
- Die Ampel beschließt bereits im Koalitionsvertrag ein Vorziehen auf 2025, aber mit der technologieoffenen 65% EE-Bedingung.
- Jede bestehende Heizung kann sonst behalten und auch repariert werden, wie lang man will.
- Die FDP hat dem Gesetzentwurf im wesentlich schon 4 Mal zugestimmt, zuletzt im März 2023 und das als "technologieoffen", "pragmatisch" & "sozial verträglich" gelobt & habe sich "in wesentlichen Punkten" durchgesetzt, laut Lindner.
- Als "Ausgleich" für das Vorziehen von 2025 auf 2024, was 2022 beschlossen wurde, darf die FDP zB u.a. Autobahnen ausbauen und muss sich nicht an Sektorziele im Verkehrsministerium halten. Auch da gab es keinen künstlichen BILD-Aufschrei.
- Wasserstoff & Hybridheizungen stehen die ganze Zeit schon im Gesetzentwurf, 8 verschiedene Technologien sind möglich.
- Für Klärung von Details forderte die FDP Verhandlung im Parlament.
- Sie verhinderte aber eine parlamentarische Verhandlung wegen Fragen, die sie aber nicht mal gestellt hat.
- Wasserstoff zum Heizen ist noch lange abwegig & dann zuerst in Industrie
- Wärmepumpen allein könnten bis 60% der russischen Gasimporte bis 2025 ersetzen, sind 30% günstiger als mit Gaskessel, weil laufend Kosten eingespart, laut Studien.
- Der Emissionshandel macht fossil Heizen bald sehr teuer. Vor allem Union und FDP fordern das. Die, die jetzt den Leuten einreden, sie sollten sich noch schnell fossile Heizungen kaufen und sie in eine Kostenfalle laufen lassen.
Man findet Klimaschutz gut, man findet sogar die geplanten Maßnahmen gut, man findet es nur nicht gut, wer sie umsetzt. Wenn sehr ähnliche Sachen von der Groko umgesetzt werden, kriegt das nicht mal jemand mit.
Wer irritiert ist über Habecks Gesetz, ja, das steht da alles die ganze Zeit schon drin. Ihr werdet systematisch getäuscht von einer Medieninszenierung.
Wie Fossillobbyisten und Klimawandelleugner in der FDP gemeinsam mit BILD und jeder Menge Fake News ihre eigene Regierung torpedieren
. [….]

(Volksverpetzer, 01.06.2023)

Merz framt all das in antigrüne Propaganda um.



Merz wirkt. Die heutige INSA-Umfrage ergibt 19% für die AfD! (Grüne 13, SPD 19, CDU 27)

[….] Nun rächt sich die Strategie der FDP, die in dieser Koalition "sichtbarer" werden wollte. Das heißt: Sie profiliert sich durch Kritik an den Grünen und Blockaden von Regierungsvorhaben auf Kosten ihrer Partner. Damit hält sich die FDP zwar solide über fünf Prozent, die Ampel insgesamt aber unter 50. CDU und CSU dürfen sich zu Recht fragen, warum sie nicht mehr Nutzen ziehen aus den Ampelwirren. Ein Teil der Antwort liegt in der mangelnden Glaubwürdigkeit: Die Union hat keine überzeugenden Alternativen zu bieten, wie die Wärmewende zu schaffen sein soll ohne Kosten und Kraftanstrengung. [….]

(Roland Preuß, 02.06.2023)

Freitag, 2. Juni 2023

Wie tief sinken die Elb-Grünen?

Meine langjährige beste Freundin stammte aus Wien und daher verglichen wir unsere beiden Geburtsstädte gern.

Hamburg und Wien sind in vieler Hinsicht sehr ähnlich.

Beides liberale europäische Städte, beide haben weltberühmte Friedhöfe, beide knapp zwei Millionen Einwohner, beide verstehen sich als ausgesprochen multikulturell, beide haben sehr reiche Bewohner und beide gelten als rot – fast immer regieren SPÖ, bzw SPD.

Aber es gibt auch gravierende Unterschiede.

Wien ist katholisch, Hamburg säkular/protestantisch.

Wiener pflegen einen ausgesprochenen Titel-Fetisch; Hamburger sind das diametrale Gegenteil. Ein Hanseat nimmt keinerlei Orden an und sogar seinen Arzt reden man ohne „Dr.“ an.

Der Grund für die Unterschiede liegt in der Geschichte. Während Wien über Jahrhunderte das Herz einer Monarchie war, von seinem Kaiser/Königshof geprägt wurde und durch die Herrschaft der Habsburger über ein Riesenreich automatisch multikulturell wurde, war Hamburg niemals Fürstensitz, sondern eine rein bürgerliche Handelsstadt.

Multikulti gehört für die Hanseaten seit Jahrhunderten zu ihrer Identität, weil die vom Hafen geprägten Pfeffersäcke intensive Geschäftskontakte mit der ganzen Welt aufbauten.

Die reichen Hamburger Kaufleute waren sehr selbstbewußt und übernahmen die kulturmäzenatische Rolle der Fürsten einfach selbst.

Alles, das ein herrschender Monarch üblicherweise in seiner Hauptstadt zum Repräsentieren errichtet – ein zentrales Schloss, Gärten, Museen, Theater, Zoos – finanzierte sich Hamburg selbst. Ein prächtiges Rathaus mit mehr Zimmern als der Buckingham Palace, einen Stadtpark, Kulturtempel. Bis heute ist es Ehrensache für hanseatische Unternehmer, enorme Summen für Bildungs- und Kultureinrichtungen zu spenden.

Ein typisches, von Königshäusern entlehntes Verhalten, ist der Umgang der Hamburger mit Schwänen.

[….] Zu den Untertanen des britischen Königshauses gehören nicht nur alle menschlichen Bewohner Großbritanniens, sondern auch die allermeisten Schwäne. Das wurde im Jahr 1482 per Gesetz so festgelegt. Damals machten viele Menschen Jagd auf Schwäne, wegen des zarten Fleisches und der weichen Federn. Um die Schwäne vor dem Aussterben zu schützen, wurden sie unter den Schutz der britischen Krone gestellt.  [….]

(SZ, 30.12.2017)

Dem wollten die Hamburger nie nachstehen und entwickelten einen ähnlichen Schwanenkult. Das Beleidigen eines Schwans wurde 1664 per Gesetz verboten. Wer einen Schwan beleidigt, beleidigt auch die Stadt Hamburg.

[….] Das Hamburger Schwanenwesen ist eine städtische Dienststelle. Es hat eine jahrhundertelange Tradition, denn in Hamburg gelten die Schwäne als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit der Hansestadt – und als eines der Wahrzeichen Hamburgs. Das Amt des Schwanenvaters gibt es seit 1674. Olaf Nieß besetzt somit die wohl älteste Planstelle der Stadt Hamburg.  [….]

(MoPo, 11.04.2023)

Der Schwanenbestand schrumpft trotz besserer Wasserqualität tendenziell. Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Einerseits immer wieder auftretende Vogel-Viren und andererseits der durch Corona beförderte Hunde-Boom, in Kombination mit immer mehr Freizeit. Die Frauchchen und Herrchen lassen dabei rund um die Alster ihre Kläffer ohne Leine rumtoben, so daß die Schwanenbrutpaare aus ihren Nestern vertrieben werden, wenn Hasso und Bello durch die Uferböschung toben.

Unglücklicherweise war das letzte Jahr besonders fatal. Schon im Winterquartier fielen 27 majestätische Höckerschwäne der Vogelgrippe zum Opfer.

Von insgesamt 120 Ende 2022 eingesammelten Schwänen überlebten lediglich 65!

[…..] Üblicherweise verlassen die Schwäne im Frühjahr gemeinsam als große Gruppe das Winterquartier. Dass das in diesem Jahr anders gemacht wird, liegt an der Vogelgrippe, die den Schwanenbestand Anfang des Jahres hart getroffen hat. 27 Tiere sind wegen der Vogelgrippe verendet. Wegen einer Infektion mit Botulismus-Bakterien, die in sauerstoffarmen Gewässern vorkommen und die Wasservögel vergiften, seien zudem weitere Tiere verendet. Der eigentlich rund 100 bis 120 Exemplare umfassende Bestand ist auf 65 Tiere geschrumpft. Alle Tiere werden in diesem Jahr vor ihrer Entlassung zunächst auf die Vogelgrippe getestet. Nur gesunde Tiere dürfen das Quartier verlassen und ihre Brutgebiete aufsuchen. Am Eppendorfer Mühlenteich waren sie zu ihrem Schutz bereits seit Januar in Zelten und in Kleingruppen untergebracht worden.  [….]

(NDR, 11.014.2023)

Nun haben wir in Hamburg bekanntlich seit 2015 einen Grünen Umweltsenator und eine Grüne Bürgermeisterin.

Theoretisch wäre es also denkbar, daß die Stadtregierung Schritte unternimmt, um die Hamburger Wasservögel besser zu schützen.

Grüne würden das tun.

Allerdings ist der Hamburger Landesverband kein grüner Grünen-Verband, sondern ein Oliv-Grüner mit extremer Schlagseite nach Rechtsaußen. Die Hamburger Grünen frönen (auf Bezirksebene) ihrem manischen Drang, mit der CDU zu koalieren und sie hassen Bäume.

Das ist geradezu der Signature-Move Grüner Senatoren: Straßenbäume abholzen und ums Verrecken nicht nachzupflanzen.

(….) Und dann ist da noch das leidige Hamburg, welches als Stadtstaat natürlich das 2%-Ziel nicht erfüllen kann, aber mit seinem Natur-hassenden Grünen Umweltsenator Anjes Tjarks dafür manisch Bäume abhacken lässt.

(….) Meine Hamburger Nemesis, der ewig grinsende fromme fanatische Fahrradfahrer-Senator Anjes Tjarks, kommt mal wieder nicht aus den Schlagzeilen.  Sein geradezu wahnhafter Eifer, Velorouten kreuz und quer durch die Stadt zu ziehen, wirkt auf Radfahrer sicherlich positiver, als auf Autofahrer wie mich.

Hamburg zur Stauhauptstadt zu machen, ärgert mich, weil es unbequem ist, aber ich verstehe natürlich die Absicht: Individualverkehr mit dem Verbrenner-Auto ist unökologisch; die Natur freut sich über Radfahrer.  Allerdings werden bei der gewollten Verdrängung von Autos aus der Stadt, ökologische Varianten wie Elektroautos oder die völlig sauberen Wasserstoff-betriebenen Vehikel gleich mit blockiert, obwohl die doch eigentlich gefördert werden sollten. Schließlich gibt es Menschen, die entweder nicht so sportlich sind, wie der unablässig radelnde, schwimmende und laufende junge Herr Tjarks. […..]

Vollends absurd wird die Tjarkssche Verkehrspolitik aber dadurch, daß der Grüne Mann sich so sehr auf Radwege fixiert und damit erheblich größere ökologische Schäden anrichtet, indem er immer wieder geradezu manisch Straßenbäume abhacken lässt. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich schon von Grünen Baumfäll-Aktionen gebloggt habe.   (….)

(Gut sein und kassieren, 19.04.2022)

Senator Tjarks will nun weitere 500 Straßenbäume fällen lassen.

[….] Hunderte Bäume müssen für Hamburgs Velorouten weichen

Schnell, bequem und sicher: Bis 2025 will Hamburg das stadtweite Veloroutennetz fertig bauen. Die 14 Strecken verlaufen weitgehend abseits der Hauptverkehrsstraßen und sollen die äußeren Stadtteile mit der Innenstadt verbinden. Dafür geht es allerdings einigen Bäumen an den Kragen. Die Verkehrsbehörde spricht trotzdem von einer positiven Bilanz, der Umweltverband Nabu sieht das ein wenig kritischer. [….]

(MoPo, 31.05.2022)

Schande über die Grünen!

Keine Stimme für die Baumhasser!

[….] Wie in jedem Jahr werden mehr Bäume gefällt als Nachpflanzungen vorgesehen sind: Zwischen dem 1. Oktober 2021 und dem heutigen 28. Februar 2022 sind in Hamburg fast 1000 Straßenbäume gefällt worden. Für ein Viertel der gefällten Bäume ist kein direkter Ersatz geplant. Besonders dramatisch ist der Verlust von über 200 Bäumen, die aufgrund ihres Alters und der damit verbundenen Größe besonders wertvoll sind.   [….]

(NABU, 28.02.2022)  (…)

(Olivgrün und klimafeindlich, 02.06.2022)

Für die Schwäne ist allerdings nicht Baummörder Tjarks verantwortlich, sondern sein grüner Kollege Umweltsenator Jens Kerstan.

Im Moment ist Schonzeit für die Schwäne, da sie noch brüten. Da hatte Kerstan eine besondere Idee: Er verteilt Abschussgenehmigungen und lässt Höckerschwäne in Hamburg abknallen!

Kann man sich nicht ausdenken.

Kerstan läßt mitteilen, die Höckerschwäne gefährdeten die Landwirtschaft in den Bezirken HH-Bergedorf und HH-Harburg.

„Aufgrund der Vielzahl an Wildvögeln war eine Reduzierung der Erntemenge durch Fraß und Verkotung und daraus resultierende Ertragsausfälle zu erwarten bei nicht weiterführender und andauernder Bejagung und daraus folgender Vergrämung“ – teilte Senator Kerstans Sprecherin Renate Pinzke mit.

[…..]  „Die Doppelmoral des Senats zwischen Schützen und Schießen von Schwänen auf dem Hamburger Stadtgebiet ist beschämend. Als gäbe es Schwäne erster und zweiter Klasse. Pech für sie. Wenn sie zufällig Flächen des Südosten der Stadt ansteuern. Dann sind sie der Gefahr ausgesetzt, mit Blick auf die wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft getötet zu werden. Parallel beweihräuchert sich der Senat, wie er seit knapp 400 Jahren seine schützende Hand über die Alsterschwäne hält.“ [….]

(Malte Siegert, Naturschutzbund Hamburg, 01.06.2023)

Was die Grünen nur für einen Kack-Partei in Hamburg?

Donnerstag, 1. Juni 2023

Impudenz des Monats Mai 2023

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Vorbemerkung 1:

Bundeswehr. Wir heute jeder weiß, ist die deutsche Bundeswehr im internationalen Vergleich finanziell recht gut aufgestellt. Boris Pistorius hat mehr Geld zur Verfügung, als sein französischer Kollege, der damit aber auch noch Atomwaffen und diverse Flugzeugträger unterhalten muss.

Deutschland ist nur zu blöd, das viele Geld sinnvoll auszugeben und hatte insbesondere unter den CDU-Kanzlern nie einen Plan wozu es eigentlich überhaupt Militär einsetzen möchte.

[….] In der Bundesrepublik gab es, flapsig gesagt, fünf Phasen der Wahrnehmung der Armee durch „die“ Bevölkerung. (Die Anführungszeichen deuten an, dass es sich um eine grobe Verallgemeinerung handelt, wie dies im Social-Media-Zeitalter üblich ist.)

Die erste Phase: Wir wollen keine Armee mehr. Der Weltkrieg. Fünfzigerjahre, erste Hälfte. Die zweite Phase: Wir brauchen leider eine Armee. Die Sowjets. Zweite Hälfte Fünfzigerjahre bis Achtzigerjahre. Die dritte Phase: Wir brauchen keine Armee mehr. Sowjets weg, wir haben gewonnen. Die Neunziger Jahre. Vierte Phase: Wir brauchen ein bisschen Armee, muss aber billig sein. Nuller- bis neue Zwanzigerjahre. Fünfte Phase: Ohgottohgott, wir haben ja nur eine kleine, billige, unmoderne Armee. Aber der Russe, der Chinese und überhaupt. Seit Februar 2022.  [….]

(Kurt Kister, 05.05.2023)

Die „das muss alles billiger“-Phase fiel in die Merkel-Zeit. Leider kümmerte sich die Kanzlerin aber nicht nur selbst nicht die Bohne um ihre Soldaten, sondern sie setzte auch noch ausrangierte besondere Pfeifen als Verteidigungsminister ein.

[….] Gute Verteidigungspolitik in der vierten Phase wäre ein allmählicher, geplanter Übergang von der Wehrpflichtarmee zu einer Freiwilligentruppe gewesen. Dazu hätte der Abbau alten Materials gehört, aber auch die anhaltende Modernisierung der immer noch nötigen Ausrüstung und Bewaffnung. All das wurde – unter der Bundeskanzlerin Angela Merkel und der tätigen, wechselnden Mithilfe von CDU, CSU, SPD und FDP nicht nur versäumt, sondern bewusst unterlassen. (Dass die Grünen daran nicht aktiv beteiligt waren, liegt ausschließlich daran, dass sie in jener Zeit nicht zu den Bundesregierungen gehörten.) Was erreicht wurde, war die fünfte Phase: Ohgottohgott, wir haben ja nur eine zusammengekürzte, unmoderne Armee! Zurzeit erfüllt sich auch in der Armee eine Erfahrung, die man in jeder Firma macht, wo man erst wild kürzt und Leute „abbaut“, um dann festzustellen, dass man überraschenderweise nicht mehr genug Leute hat und vor allem nicht mehr die richtigen. Auch bei der Bundeswehr war das dauernde Kürzen mehr ein Beschneiden der Zukunft als eine Kürzung der Kosten.   [….]

(Kurt Kister, 05.05.2023)

Nun funktioniert gar nichts mehr und die Strukturen wurden von den C-Ministern Franz Josef Jung (2005-2009), Karl-Theodor zu Guttenberg (2009-2011), Thomas de Maizière (2011-2013), Ursula von der Leyen (2013-2019) und Annegret Kramp-Karrenbauer (2019-2021) so hoffnungslos ruiniert, daß es nicht mehr ausreicht, Geld drauf zu gießen. Das Bestellen von Knieschonern oder Thermounterwäsche überfordert das Bundeswehrbeschaffungsamt schon derartig, daß dafür zehn Jahre ins Land gehen.

(….) Es gibt aber Verantwortliche. Das sind in erster Linie zwei Männer. Einerseits der Deutschen liebste Politiker seit 40 Jahren: Karl-Theodor von und zu Googleberg und andererseits Merkels Lieblingsminister Thomas de Maizière.

Der CSU-Mann und der CDU-Mann brachen unter der Aufsicht des CDU-Kanzleramtes der Bundeswehr den Rücken. Dafür werden sie offenbar auch innerhalb der Bundeswehr immer noch gehasst wie die Pest. Von der Leyen und Kramp-Karrenbauer waren nur zu schwach uns zu unbedarft, umzusteuern. Kaputt gemacht haben den amoralischen Laden aber die beiden genannten CDUCSU-Herren. (….)

(Männerproblem im Verteidigungsministerium, 19.01.2023)

Vorbemerkung 2:

Hamburger Hafen.

Über Jahrhunderte war Hamburg einer der wichtigsten Häfen der Welt.

Das ist logisch, denn Hamburg gehörte zur Hanse, die Lage an der Elbe, im Landesinneren war ideal, um geschützt vor Unwettern und Piraten Handel zu treiben. Zudem waren die Hamburger schlau und innovativ. Die zwischen 1883 und 1927 südlich der Altstadt errichtete „Speicherstadt“ ist der weltweit größte historische Lagerhauskomplex, steht seit 1991 unter Denkmalschutz und gehört seit 2015 zum UNESCO-Welterbe. Eine architektonisch faszinierende, aber vor allem ökonomisch geniale Freihafen-Einrichtung. Die Handelsschiffe konnten direkt zu den Häusern fahren, an denen sie mit modernster Windentechnik und einem Heer bienenfleißiger Arbeiter zollfrei entladen wurden.

Seit einigen Jahren grämen sich aber die Hamburger, weil sie im Vergleich mit Rotterdam und Antwerpen zurückfallen. Es schmerzt, das mitansehen zu müssen, wenn man so viele Jahrhunderte führend war.

Aber der Abstieg ist unaufhaltsam, weil die Schiffe nicht mehr 30- oder 70 Meter lange Frachter sind, sondern 400 Meter lange Monster mit so einem Tiefgang, daß die Elbe einfach zu flach ist. Hamburg kann gar nicht dagegen anbaggern, weiß nicht wohin mit dem Schlick.

Zudem brauchen diesen maritimen Riesen gewaltigen Platz, um zu manövrieren. Wie dreht man aber ein 400 Meter langes Ungetüm um, wenn sich der Hafern mitten in der Stadt befindet, daher nicht vergrößert werden kann und das Hafenbecken zu flach ist. Hier haben Hochwasserhäfen wie Rotterdam Vorteile, die man in Hamburg nicht aufholen kann, weil jedes Schiff erst mal 120 km die Elbe rauftuckern muss, um überhaupt hier anzukommen. Zudem hat sich der Logistikvorteil der Speicherstadt mit der Einführung von Standardcontainern erledigt. Der Freihafen wurde in der zollfreien EU-Welt ebenfalls schon 2013 abgeschafft.

Der letzte Vorteil Hamburgs gegenüber den Konkurrenten an der Nordsee ist die schnelle Verladung der Container auf die Schiene. Aber:

  [….] Natürlich ist nicht alles schlecht, Hamburgs großer Vorteil ist die Anbindung ans Schienennetz: Etwa jeder zweite Container wandert direkt vom Schiff zum Güterzug, auch ökologisch ein Vorteil gegenüber einem Weitertransport mit dem Lkw. Problematisch ist allerdings das, was sich hinter dem Wort "Hinterlandanbindung" verbirgt: Je weiter sich der Zug vom Hafen wegbewegt, desto kritischer wird es im veralteten deutschen Streckennetz. "Ich kann noch so eine gute Anbindung bauen, wenn ich im Hinterland permanent Verspätungen einfahre, dann ist das auch kein Qualitätsfaktor", sagt [Logistik-Professor an der Hamburg School of Business Administration]  Ninnemann. Und da könnten auch in Zukunft neue Probleme entstehen. Wenn die Bahn den Personenverkehr auf einen Stundentakt optimiere, habe das auch Rückwirkungen auf den Güterverkehr, für den es dann immer weniger Kapazitäten gebe. Schwacher Trost: Das trifft dann auch die Nachbarländer. Die Niederländer haben eine reine Güterzugstrecke vom Hafen in Rotterdam bis nach Deutschland gebaut, da läuft alles reibungslos - bis zur Grenze.  […..]

(Saskia Aleythe, 30.05.2023)

Auch das Bahn-Desaster fiel nicht vom Himmel.

[….] Nein, die Deutsche Bahn hat sich nicht selbst ins Desaster manövriert. Dieses historische Versagen besorgte wesentlich eine einzige Partei: die CSU. Eine Abrechnung.  [….]

(Holger Gertz, 21.04.2023)

Vorbemerkung 3:

Internet. Im Zeitalter der Flugscham machen wir Nordeutschen lieber wieder kleinere Reisen in die Nachbarländer. Polnische Ostseeküste, Dänische Fjorde, Holländische Nordseeinseln. Alles mit der Bahn oder mit Elektroauto erreichbar.

Und alle Reisenden berichten von dieser einen erstaunlichen Sache: Kaum passiert man die deutsche Grenze gen Westen, gen Norden oder gen Osten, schon funktionieren Internet und Handynetz wie auf Speed. Googeln wird zur Wonne, kein Wartesymbole mehr beim Seitenaufbau. Jede Website ist verzögerungslos sofort auf dem Display sichtbar.  Wer länger bleibt, merkt zudem wie eine funktionierende digitalisierte Verwaltung arbeitet. Keine Termine beim Ortsamt, sondern alles in Windereile simpel auf dem Smartphone zu erledigen.

Bei der Downstreamgeschwindigkeit in Mbits-1 ist Deutschland hoffnungslos abgehängt.

Auch hier gibt es klar zu benennende Schuldige: 12 Jahre zuständige CSU-Bundesminister Ramsauer, Dobrindt und Scheuer – in Zusammenarbeit mit Digitalstaatsministerin Dorothee Bär.

Jene Pfeifen, die nun zu Ron DeSantis pilgern und seine mittelalterliche LGBTIQ-Politik lobpreisen.

Die Impudenz des Monats Mai 2023 sind damit alle CSU-Minister der Bundesregierungen, die eben nicht nur während ihres Ministerdaseins als teure Witzfiguren à la Scheuer fungierten.

Die CDU und insbesondere die CSU zu wählen, schadet eben nicht nur der jeweils amtierenden Bundesregierung, sondern zieht die Deutschland auch Jahrzehnte darüber hinaus in den Abgrund.

Und genau das will der masochistische Urnenpöbel, der nun schon wieder die CDUCSU in allen Umfragen weit vorn sieht.

Mittwoch, 31. Mai 2023

Danke Bremen

Das Drama der Berliner Landes-Groko ist vielschichtig.

Zunächst einmal, gäbe es sie gar nicht und die alte RGR-Koalition würde weiter regieren, wenn die wie immer hoffnungslos debakulierende Berliner Verwaltung, es geschafft hätte, am 26.09.2021 ordnungsgemäße Wahlen durchzuführen, die nicht wegen offenkundiger allgemeiner Doofheit am 12.02.2023 hätten wiederholt werden müssen.

Ich sage es extrem ungern, aber man kann beim besten Willen nicht behaupten, die regierende Berliner Landes-SPD; meistens in einem Boot mit den Grünen; wären in den letzten gut 20 Jahren fähig gewesen, die ganz normalen Verwaltungsaufgaben zu bewältigen. Eigentlich gehören solche Roten und Grünen abgewählt. Das war aber nicht möglich, da Landes-CDU und Landes-FDP noch deutlich schlimmer sind und sich die Stadt immer noch nicht von dem Multimilliardendesaster erholt hat, welches die Diepgen/Lewandowsky-Regierung (Stichwort Berliner Banken-Katastrophe) zuvor anrichtete.

Die Berliner Wähler hätten theoretisch eine/n Grüne/n auf den Chefsessel platzieren können, aber leider gaben der Hauptstadtgrünen rund um die extrem unbeliebte geborene Bayerin Bettina Jarasch als Umwelt- und Mobilitäts-Senatorin, ein zu jämmerliches Bild ab.

Die besten Senatoren der Stadt – Lederer und Kipping – waren kurioserweise beide Linke, aber die auf Platz 1 zu setzen, verhinderte die Anti-Linkenkampagne der Aluhut-Schwurblerin und Putinistin Sahra Sarrazin in einer konzertierten Aktion mit der Linken-Bundespartei.

Der Wählerwille des Urnenpöbels war eindeutig. Mit zehn Prozentpunkten Abstand wurde die CDU stärkste Partei und so regiert nun, mit dem provinziellen und xenophoben Auto-Narren Kai Wegner ein Mann zum Mitschämen die geschundene Millionenstadt an der Spree.

Glücklicherweise kann man die ebenfalls bisher schon RGR-regierte Hansestadt Bremen nicht mit Berlin vergleichen.

Ja, es war kurios, auch an der Weser gibt es gegen den Bundestrend zwei besonders gute Linke Senatoren und zwei katastrophal unbeliebte Grüne Regierungsmitglieder.

Dafür wurden die Grünen zu Recht abgestraft und schickten ihre Senatoren Maike Schaefer und Anja Stahmann in Rente.

Aber der beliebte Bürgermeister Bovenschulte konnte, anders als Giffey, die Verluste kompensieren.

In Bremen funktionierte die Verwaltung, de Wahl wurde korrekt abgehalten, der SPD-Amtsinhaber ist populär, seine Partei legte zu, wurde stärkste Partei. Die Wähler machten eben nicht eine bisherige Oppositionspartei zur stärksten Kraft, drückten nicht ihren Willen nach einem Wechsel aus.

Glückliche Bremer. Sie müssen also nicht zukünftig, wie die Berliner, auf ihre besten Senatoren verzichten und von CDUlern im Senat blamiert werden. Bovenschulte hat entschieden, wie es weitergeht.

[….] Wer klug ist, nicht nur in der Politik, greift Bedenken auf, bevor sie jemand gegen einen wendet. Und genau das tat Bremens alter und sehr wahrscheinlich neuer Bürgermeister Andreas Bovenschulte, als er seiner Ankündigung, die Koalition mit Grünen und Linken in der Hansestadt fortsetzen zu wollen, den Satz beistellte: "Ein einfaches Weiter-so" könne es nicht geben.

Dass die Sozialdemokraten die Wahl im Zweistädtestaat so deutlich gewonnen haben, liegt zuallererst an ihm: Der Sänger, Gitarrist und Jurist (mit steigendem Professionalisierungsgrad) hat ein Talent, das gar nicht mal so häufig ist unter Berufspolitikern: Er kann Menschen unterhalten und Zuversicht verbreiten. [….] Vor allem die grüne Umweltsenatorin und Spitzenkandidatin Maike Schaefer zog Unmut auf sich, und sei es nur durch so etwas Banales wie die Abschaffung einer Kurzparktaste fürs Brötchenholen. Ihr Rücktritt liefert den psychologischen Vorteil, den Bovenschultes "Weiter-so-aber-besser-Koalition" braucht. [….]

(Ulrike Nimz, 25.05.2023)

Dienstag, 30. Mai 2023

Kässi bleibt sich treu

Die Frau kann man sich nicht ausdenken.

Seit Beginn dieses Blogs vor 16 Jahren analysiere ich regelmäßig die frappierende geistig-moralische Unterbelichtung von Deutschlands bekanntester Bischöfin.

Dabei betone ich immer wieder, daß ich selbstverständlich das Recht auf freie Religionsausübung unterstütze. Jeder darf und soll glauben oder nicht glauben, was er will. Natürlich darf sie gern Bischöfin sein.

Allerdings sucht kein deutscher Kirchenvertreter so penetrant die Öffentlichkeit, überflutet den Buchmarkt mit neuen „Werken“, sitzt in Talkshows, gibt ununterbrochen Interviews und schreibt auch noch wöchentlich Kolumnen für Europas größte und auflagenstärkste publizistische Dreckschleuder, wie sie.

Margot Käßmann ist derartig Publicity-süchtig, daß niemand ihr entkommt, auch wenn er noch so ungern über sie spricht.

Man denke nur daran, was sie dem armen Denis Scheck in den letzten Jahrzehnten antat, indem ihre Plattitüdensammlungen in den TopTen landeten und er dadurch gezwungen war, den Unsinn für seine Druckfrisch-Rubrik zu lesen.

Ihre Mitteilungswut konterkariert notwendigerweise ihre geistige Schlichtheit.

 Ihre fortwährend erscheinenden Bücher (80 Stück bisher!) sind derart platt und inhaltsleer, daß professionelle Buchkritiker wie Denis Scheck vor echte Herausforderungen gestellt werden, wenn sie die neuesten Käßmannschen Plattitüden-Ansammlungen beschreiben müssen.

Der arme Denis Scheck, der all die Käßmann-Bücher tatsächlich gelesen hat, findet aber angemessene Worte.


Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.


Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.


Margot Kässmann: Mehr als Ja und Amen

Gibt es Jämmerlicheres, als wenn Erwachsene beim Besuch im Kindergarten oder in der Grundschule so tun, als wären sie selbst Kindergartenkinder oder Grundschüler? Dieses literarische Leben auf Kredit, diese geborgte Naivität, dieses Sich-blöd-stellen mit großen Stauneaugen ist der basso continuo von Margot Kässmanns publizistischem Oevre. "Für dieses Buch habe ich über viele Monate Zeitungsauschnitte gesammelt und war am Ende fast erschlagen von der Vielfalt der Probleme, der Stimmen, der Ansätze", schreibt sie. Ein unnötiges Buch, von der Konzeption her Kraut und Rüben, in der Ausführung lieblos hingerotzt, ein Buch, dessen Leser sich wie zu Unrecht ans Kreuz geschlagen fühlen müssen.

(Denis Scheck 06.05.13)

 

Margot Käßmann: "Sehnsucht nach Leben"

Zwölf Aufsätzlein der Ex-EKD-Vorsitzenden zu Themen wie Mut, Trost, Liebe und Geborgenheit versammelt dieses leider illustrierte Büchlein. "Ich denke, jeder Mensch muss für sich selbst herausfinden, wo die eigenen Kraftquellen liegen", schreibt Margot Käßmann darin. Aus dem Mund einer FDP-Vorsitzenden klänge das akzeptabel, für eine protestantische Theologin aber ist das bis zur Selbstaufgabe lasch und opportunistisch: ein Offenbarungseid.

(Denis Scheck 25.09.11)

 

Margot Kässmann: "In der Mitte des Lebens"

Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"

(Denis Scheck, 30.01.11)

(Tammox 29.04.12)

Käßmann missversteht wie viele Aluhüte den Begriff Meinungsfreiheit, als das Recht UNWIDERSPROCHEN ihre Meinung kundzutun.

Selbstverständlich darf sie für die rechtspopulistische Springer-Presse schreiben und im Reichelt/FJWagner-Kosmos ihre schlichten Ansichten verbreiten. Aber mit einem derartig mächtigen Multiplikator sind ihre Texte dann auch wirklich verbreitet und gelangen auch an Menschen, die geistig nicht ganz so schlicht, wie der durchschnittliche BILD-Leser gestrickt sind. Als prominente Figur wird Käßmann von den Agenturen zitiert und dann ist der Schlamassel nicht mehr aufzuhalten. Ihre Thesen sind derartig hanebüchen, daß es schwerfällt, sie zu ignorieren. Zumal Käßmann in all ihrer Doofheit noch nicht mal witzig ist, sondern immer nur ihre besonders schwere Form des Dunning-Kruger-Leidens vorführt.

Und nun das: Sie hört auf als BILD-Kolumnistin für den Trump-Fan Matthias Döpfner zu schreiben.

Gründe, um sofort jede Zusammenarbeit mit dem hepatisgelben Aluhut-Konzern, der toxischen Geißel der deutschen Presse, abzubrechen, gibt es mehr als genug. Niemand schürt so nachhaltig xenophobe Stimmungen und schadet Deutschlands Zukunft so sehr, wie Käßmanns Arbeitgeber. Es ist übrigens ein Job, den die in Buchtantiemen schwimmende Millionärin und B9-Penionärin (gegenwärtig 12.425,82 Euro monatlich) sicherlich nicht finanziell benötigt.

(….) Die Protestanten in Deutschland stehen nach der exzessiv gefeierten Lutherdekade etwas bedröppelt am Rand, während die päpstlichen Kollegen mit immer neuen Kindersexskandalen in allen Ländern der Welt für Schlagzeilen sorgen.

Käßmann ist in Rente, macht sich auf Steuerzahlerkosten ein schönes Leben.

Im Alter von 60 Jahren genießt die Bischöfin ihre B9-Pension, 11.577,13 Euro im Monat, ohne selbst Beiträge gezahlt zu haben. Ihre Zeit als Luther-Botschafterin, 2012-2017 verbrachte sie mit weltweiter Dauerreisetätigkeit, um Propaganda für einen der menschenfeindlichsten Antisemiten der Geschichte zu machen. Sie war entsprechend ihrer rhetorischen und intellektuellen Fähigkeiten effektiv. Während ihrer fünf Jahre als Ober-Lutheranerin verließen mehr als 1,8 Millionen Evangelen die Kirche!

2012 zählte die EKD 23.356.096 Mitglieder; nach fünf Jahren Käßmann waren es 2017 noch 21.536.000!

Da kann man schon mal applaudieren.  (…)

(First World Problems, 13.11.2018)

Und wieso hört sie nun konkret beim Lügenblatt Bild mit dem schönen christlichen Motto bumsen, belügen, wegwerfenauf? Sind ihr nach neun Jahren und 454 BILD-Kolumnen doch noch moralische Skrupel gekommen?

Nein, weit gefehlt.

Die arme Frau beklagt sich darüber, kritisiert worden zu sein!

[….] Die "Bild am Sonntag" habe im vergangenen Jahr eine Reichweite von rund 6,2 Millionen Leserinnen und Lesern pro Ausgabe erzielt, erläuterte die frühere Landesbischöfin von Hannover und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Es war mir eine Freude, die Kolumne schreiben und Ihnen jede Woche einen Bibelvers mit auf den Weg geben zu dürfen", schreibt die Theologin ihren Leserinnen und Lesern. In ihrer letzten Kolumne am Pfingstsonntag begründete Käßmann ihren Schnitt auch mit der "Dauerkritik", die sie zunehmend belaste. "Wer heute eine Meinung äußert, wird von denen mit einer anderen Meinung sofort an den Pranger gestellt, mit übelsten Beschimpfungen versehen und diffamiert", schreibt sie. "Die Diskussionskultur ist durch die sogenannten sozialen Medien absolut verroht. Da fehlt Menschen jeder Anstand, sie rotzen ohne Anrede ihre Ablehnung persönlich beleidigend in die Tasten." Sie diskutiere gern. "Aber nicht auf diffamierende Weise. Das muss ich mir nicht mehr antun."  [….]

(Katholisch, 28.05.2023)

Waaaaas? Die BILD und ihre Leser sind gar nicht der feinsinnige intellektuelle Zirkel, für den sie ihn immer hielt?

Potzblitz.