Freitag, 1. Mai 2026

Ein Hoffnungsfunke

Eingangs möchte ich es noch einmal betonen; ich habe von Geburt an die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, der Großteil meiner Familie lebt in den USA.

Ich lebe in Deutschland, schreibe auf Deutsch und will ganz bestimmt nicht in Trumpistan leben. Gleichwohl habe ich natürlich in den USA lebende Freunde, telefoniere regelmäßig mit meinen Leuten in New York.

Aber wenn ich eins nicht ausstehen kann, dann sind es konservative alte weiße Romantik-Transatlantiker des Schlages Merz und Döpfner, die bis heute hartnäckig den Feind im linksgrünversifften Lager ausmachen und Washington idealisieren.

Natürlich betone ich auch immer, daß die USA ein riesiges heterogenes Gebilde sind, in dem es viel Bewundernswertes gibt. Ich habe jedes Verständnis dafür, daß die Generation Helmut Schmidt nach dem europäischen Alptraum der 1930er und 1940er Jahre, enthusiastisch die die USA bereisten und dort in jeder Hinsicht Vorbildcharakter für Deutschland entdeckten.

Meine Mutter wanderte Anfang der 1960er bewußt aus Hamburg „nach Amerika“ aus, obwohl sie dort keine Kontakte hatte, weil sie weg wollte aus der deutschen Spießigkeit der 1950er; endlich dem Kleinbürgertum entfliehen.

In unserer Familiendokumenten-Mappe gibt es eine schriftliche Mitteilung der Polizei Hamburgs aus der Zeit an meinen Opa, der angezeigt wurde, weil meine Mutter, die damals längst erwachsen war, in der Innenstadt in einem Minirock gesehen wurde. Ihr Vater solle nun gefälligst dafür sorgen, daß sie sich züchtig kleide.

Bei dem „Minirock“ handelte es sich übrigens um ein schwarzes Courrèges-Kostüm, das ich von Fotos kenne und nicht stolzer sein könnte, wie schick meine Mutter darin aussah.

Wer könnte nicht verstehen, wenn eine junge Frau, in so einer gesellschaftlichen Stimmung, die Nase voll von Deutschland hat und „in die große weite Welt“ nach Amerika gehen möchte?

Es war aber nicht nur das „Amerika, du hast es besser“-Lebensgefühl, sondern auch ehrlicher Dank für die Befreiung von den Nazis und die Wiederaufbau-Hilfen, die den enormen Proamerikanismus beförderten.

Wenn man aber, wie Friedrich Merz und Johann Wadephul die USA von 2026, immer noch für das vorbildliche liberale Wirtschaftswunderland hält, dem man die europäischen Interessen unterordnen sollte, ist man verrückt.

[….] Seine Botschaft an die amerikanischen Partner sei: America First sei in Ordnung, aber America alone, ein alleiniger Fokus auf Amerika, könne auch nicht im Interesse der USA sein. "Ihr braucht auf der Welt auch Partner, und einer der Partner kann Europa sein, und wenn Ihr mit Europa nix anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu Eurem Partner", sagte Merz.  […..]

(Tagesschau, 09.12.2025)

Der wiederholte Merzsche Verrat an der EU ist unverzeihlich.

[….] Aber Merz war auch nach Washington gekommen, um bei vielen Themen – der Zollpolitik,  dem Ukraine-Krieg – die Geschlossenheit der Europäischen Union zu demonstrieren. Doch das gelang nur bedingt. In Anwesenheit des Kanzler beschimpfte Trump Spanien, dass es sich erlaubt hatte, den USA die Nutzung von US-Stützpunkten für die Luftangriffe auf den Iran zu verbieten. Und  er verstieg sich dazu, anzukündigen, den Handel mit dem EU-Mitglied zu stoppen.  Merz schwieg auch dazu, ermahnte Spanien sogar, drei Prozent oder mehr des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung aufzugeben.   [……]

(Deutsche Welle, 04.03.2026)

[….] Eiszeit in den Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland: Wie das Magazin Politico berichtet, sind führende spanische Politiker immer noch wütend auf Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser die spanische Regierung bei einem Besuch im Weißen Haus nicht vor Attacken durch US-Präsident Donald Trump in Schutz genommen habe.

In einem Interview mit dem Magazin sagte Spaniens Vizepremierministerin Yolanda Diaz, Merz gehöre zu einer Gruppe von EU-Spitzenpolitikern, "die keine Ahnung haben, wie sie mit der historischen Situation umgehen sollen, in der wir uns befinden. Was Europa heute braucht, ist Führung, keine Vasallen, die Trump huldigen."

Am 3. März drohte Trump in Anwesenheit von Merz, Madrid mit einem Handelsembargo zu überziehen, weil sich das Land geweigert hatte, US-Militärflugzeugen die Nutzung spanischer Luftwaffenstützpunkte für den Angriff auf den Iran zu erlauben. [….] Merz verzichtete darauf, den EU-Partner vor laufenden Kameras in Schutz zu nehmen. [….] In der spanischen Presse wurde der Kanzler dafür heftig angegriffen. Kommentatoren bezeichneten Merz als "Feigling", und in Leitartikeln wurde ihm vorgeworfen, er habe "einen europäischen Partner nicht so verteidigt, wie es ein grundlegendes Solidaritätsgefühl geboten hätte", wie Politico berichtet. [….]  Dem Bericht zufolge hat Merz seit seinem Besuch in Washington bereits zweimal erfolglos versucht, Sánchez telefonisch zu erreichen. [….] Ein Sprecher des Premiers erklärte, Merz' Anrufe seien unbeantwortet geblieben, weil der Bundeskanzler eine nicht mehr vergebene Nummer gewählt habe.   [….]

(NTV, 10.03.2026)               

Leyen, Merz und Rutte glaub(t)en, das Rezept für den Umgang mit den USA gefunden zu haben. Trump liebe Deals, also müsse man ihn nur so lange umschwärmen, sich einschmeicheln, ihm den Hintern küssen, Honig um den Mund schmieren, bis er einem Deal zustimme. Causa finita.

So kam es zu dem, selbst für EU-Verhältnisse, besonders erbärmlichen „Schottland-Deal“, als sich die Kommissionspräsidentin Trump während einer Golfpartie zu Füßen warf.

[….] Die Europäische Union und die USA haben sich auf eine Grundsatzvereinbarung zur Entschärfung des seit Monaten andauernden Zollkonflikts geeinigt. Das gaben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen in Schottland bekannt. Der Kommissionspräsidentin zufolge werde der Zollsatz auf die meisten Importe bei 15 Prozent liegen, das gelte auch für Autos, Halbleiter und Pharmaprodukte.  "Wir haben eine Einigung erzielt. Es ist ein gutes Abkommen für alle", sagte Trump nach einem einstündigen Treffen mit von der Leyen in seinem Golf-Resort im schottischen Turnberry. Von der Leyen sagte zur Beendigung des monatelangen Zollstreits: "Wir sollten nicht vergessen, wo wir herkommen." Die Einigung werde für Stabilität sorgen, es sei ein "gutes Abkommen". Die 27 EU-Mitgliedstaaten müssen der Einigung noch zustimmen.

Die Zölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium bleiben laut US-Präsident wie gehabt bei 50 Prozent. "Das ist eine weltweite Angelegenheit, die so bleibt, wie sie ist", betonte Trump.  [….]

(Tagesschau, 28.07.2025)

Keine EU-Zölle gegen die USA, dafür 15% US-Zölle gegen die EU – für die CDU-Transatlantiker ein "gutes Abkommen".

Das eigentliche Problem ist aber nicht das offensichtliche Ungleichgewicht zu Gunsten Trumps, sondern die unfassbare Dummheit der Europäer, Trump zu vertrauen.

Ich behaupte, kein Top-Politiker der Weltgeschichte hat jemals in zehn Jahren so eindrucksvoll bewiesen, stets zu lügen, sich an keine Ansprachen zu halten, Verträge zu brechen und immer sein Wort zu brechen.

Man muss schon außerordentlich dumm sein, wenn man, wie gewisse 70-Jährige aus dem Sauerland, darauf abzielt, ausgerechnet mit dem Mann Deals zu machen.

Selbstverständlich funktioniert das nicht!

[….] Trump erhöht Zölle auf Autos und Lkw aus der EU auf 25 Prozent [….] [….] Trump begründete die Zollerhöhung mit dem Vorwurf, dass sich die EU nicht an das vereinbarte Handelsabkommen halte. Es war zunächst unklar, auf welche Punkte sich Trump mit der Aussage bezog.  Die EU behält sich Gegenmaßnahmen vor, falls Trump die US-Zölle auf Autoimporte aus der Staatengemeinschaft wie angekündigt anhebt. Das machte eine Sprecherin der EU-Kommission am Abend in Brüssel deutlich.  [….]

(SPON, 01.05.2026)

Herzlichen Glückwunsch, Uschi und Fritze!
Beim "Schottland-Vertrag" vor Trump auf Knien zu rutschen und sich auf sein Wort als Dealmaker zu verlassen, war brillant. Wie nicht anders zu erwarten, schweigt Merz heute. Offensichtlich hat er Angst, sein oranges Idol weiter zu verärgern.

Aber man kann noch so tief in Trumps Mastdarm kriechen; man ist nie sicher vor seinen Wutanfällen.

Es war immerhin richtig von der Bundesregierung, Trumps Truppenabzugs-Drohungen auszusitzen.

[….] Trumps gefährliche Botschaft an Merz

Der US-Präsident will eine Truppenreduzierung in Deutschland prüfen. Ist das seine Antwort an den Bundeskanzler, der gesagt hatte, die Amerikaner würden in Iran „gedemütigt“?

US-Präsident Donald Trump schickt Tag für Tag alle möglichen Botschaften in die Welt, manche meint er ernst, andere vergisst er schnell wieder. Was ist nun mit diesem Beitrag, den der US-Präsident am Mittwochabend amerikanischer Ostküstenzeit auf Truth Social veröffentlichte? „Die Vereinigten Staaten prüfen derzeit eine mögliche Truppenreduzierung in Deutschland“, schrieb er in seinem Netzwerk, „eine Entscheidung soll in Kürze getroffen werden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit!“   […..]

(Peter Burghardt, 30.04.2026)

Handelt es sich um bloße Ankündigungen, mag der senile Wirrkopp sie ohnehin wieder vergessen. Natürlich wäre es ein ökonomischer Schlag, insbesondere für Rheinland-Pfalz, wenn die US-Army tatsächlich Stützpunkte schlösse.

Aber erstens verhandelt man nicht mit Erpressern und zweitens wäre der Schritt für die USA wesentlich schlimmer, als für Deutschland.

Wenn aber der Präsident andere Länder militärisch oder ökonomisch direkt bedroht, wie bei seinen Zöllen, der Attacke auf den Iran, der Griff nach Kanada und Grönland, kann es kein „Miteinander“ mehr geben, sondern nur noch maximalen Gegendruck.

Wir brauchen mehr EU-Rückgrat, mehr Sanchez und mehr Carney!

Weniger CDU-Gummirücken, mehr Testikel.
Begreift es endlich: Es geht nur GEGEN die USA!

Nach einem Jahr im Amt, wagte es allerdings selbst Merz, Trumps desaströses Iran-Abenteuer zu kritisieren.

Möglicherweise begreift es langsam sogar der Sauerländer Simpel: Kriechen vor Washington zahlt sich nicht aus.

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