Freitag, 3. April 2015

Kässi lernt nichts dazu.





„Die Gläubigen sind selten Denker und die Denker selten gläubig.“
(Hans Daiber)

Heute darf ich nicht tun was ich will.
Völlig antiquierte Gesetze aus den 1950er Jahren – also der Zeit, als Frauen noch nicht ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten durften und Schwule ins Gefängnis gesteckt wurden – legen fest, daß man am Karfreitag nichts vergnügliches tun darf.

[….] Tanz, Konzerte und in manchen Bundesländern sogar Sportveranstaltungen: Am Karfreitag ist einiges verboten, was sonst erlaubt ist. Eine Initiative in Bochum wehrt sich dagegen - mit der Aufführung eines Monty-Python-Klassikers.
Der Karfreitag ist nicht nur ein christlicher Feier- sondern ein Trauertag, auch "stiller Tag" genannt: An so einem Tag sollen Bürger in Deutschland nicht tanzen, zu Konzerten oder Sportveranstaltungen gehen. So ist es in den Bundesländern mehr oder weniger scharf gesetzlich geregelt - die Verbotszeiten variieren dabei.
Verstöße werden mit Ordnungsstrafen geahndet, und dabei geht's manchmal gar nicht ums Tanzen oder Sport treiben: Für die Aufführung des Monty-Python-Klassikers "Das Leben des Brian" am Karfreitag hat die Bochumer Initiative "Religionsfrei im Revier" im vergangenen Jahr einen 300 Euro Bußgeld-Bescheid bekommen. Nun droht dasselbe noch einmal. [….]

Wie immer sind es die Kirchenvertreter, die sich bis zuletzt gegen den gesellschaftlichen Fortschritt wehren und damit am Ende als die Ewiggestrigen dastehen, die sich für Diskriminierungen einsetzen.


Nun wird diese anachronistische Absurdität 2015 nicht das erste mal in Frage gestellt.
Jahr für Jahr laufen mehr Menschen dagegen Sturm, treffen sich demonstrativ zum Tanzen, Singen und Filme gucken.

Das zwingt die Kirchisten dazu sich zum Thema zu äußern.
Wären sie gut beraten oder gar intelligent, wüßten sie, daß der Kampf nicht zu gewinnen ist.
Sie würden die Initiative ergreifen und öffentlich erklären, daß karfreitagliches Partyverbot zu den Dingen gehört, auf die man nicht stolz ist.
So wie die kirchliche Unterstützung für Krieg und Hitler, wie das Waffensegnen, der Widerstand gegen Frauenwahlrecht und Sklavenbefreiung.
Aber man lerne schließlich dazu und wolle nun lediglich Anregungen geben und nicht mehr mit dem Strafrecht seine religiösen Überzeugungen den Konfessionslosen aufzwingen.

Das brächte den Kirchen mit Sicherheit einen großen Imagegewinn.

Statt Klugheit bestimmen aber Platthirne wie Kässmann und Bedford-Strohm die Topetage der EKD.
(Von den Katholiken rede ich erst gar nicht. Die sperren sich ja sogar noch gegen Gleichberechtigung von Frauen!)

[….]  Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte dem Radiosender SWR 2 am Donnerstag, er habe kein Verständnis dafür, die Karfreitagsruhe infrage zu stellen. Auch die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zeigte sich irritiert über die Diskussion.
Bedford-Strohm sagte, er könne nicht nachvollziehen, dass manche Menschen es als Zumutung empfänden, an einem der 365 Tage des Jahres «an die Leidenden der Welt zu denken». Der Karfreitag habe eine Bedeutung über die christliche Religion hinaus und sollte als stiller Tag gesetzlich geschützt bleiben.
Käßmann sagte der in Oldenburg erscheinenden «Nordwest-Zeitung» (Donnerstagsausgabe), in den anderen Wochen des Jahres würde auch nicht «jeder jeden Tag tanzen gehen». Am Karfreitag gehe es darum, innezuhalten und zur Ruhe zu kommen. Die Reformationsbotschafterin der EKD bezeichnete die stillen Tage als «heilsame Unterbrechungen».[….]

Was für eine widerlich perfide Unterstellung, Nichtchristen würden nie an die „Leidenden der Welt denken!“
Zumal die Mehrzahl der Leiden durch religiös induzierten Wahnsinn entsteht.

Begreift sie denn nicht, daß sie gerne alle Christen vorschreiben soll was sie möchte, daß aber in unserer Verfassung steht, Staat und Kirche sind getrennt und daß sie deswegen kein Weisungsrecht gegenüber Konfessionslosen hat?

Kein Atheist will Karfreitags in der Kirche tanzen.
Alle Christen können heute ruhen und depressiv vor sich hinbeten. Alle christlichen Einrichtungen dürfen heute geschlossen und unbetanzt bleiben.
Niemand stört sich an den kirchlichen Merkwürdigkeiten  - IN KIRCHEN.
Aber schreibt uns anderen nicht vor, was wir in unseren eigenen vier Wänden tun und lassen.

Für IHRE Mitglieder können sie gerne jede Regel aufstellen - und sei sie noch so absurd.
Aber warum sollte das für die Konfessionsfreien ebenfalls gelten?

Dazu hatte ich schon vor Jahren einen Vorschlag zur Güte unterbreitet.

Dabei wäre die Lösung für all die Probleme so einfach.


Mir schwebt eine christlich/atheistische Entkoppelung vor:

Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht masturbieren, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.

Für die Menschen, die nicht in den Mitgliederlisten des real existierenden Kirchismus geführt werden, entfallen alle diese Einschränkungen.

Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.

Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.

Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!

Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.

Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.

Die augenblickliche Situation ist hingegen höchst unbefriedigend.




Donnerstag, 2. April 2015

Der Humor des Hamburger CDU-Gottes.

Als ich in Deutschland parteipolitisch sozialisiert wurde, gab es durchaus genügend Gründe sich ob der Unionspolitiker zu fürchten. Strauß, Dregger, Barzel – das waren Typen! Rizinusöl war damals völlig überflüssig.
Zum Glück gab es immer die Gewissheit, daß es diese ultrarechten Korruptis nicht bis nach Hamburg schaffen würden.
Hamburg war die SPD-Hochburg schlechthin. In der Wolle rot gefärbt.
Die Hamburger SPD brachte auch diese richtig guten Typen hervor, die bundesweit Karriere machten und geachtet wurden: Bundeskanzler Helmut Schmidt, die Bundestagsfraktionsvorsitzenden Herbert Wehner und Hans-Ulrich Klose. August Bebel, Hans Apel, Max Brauer, Lore Maria Peschel-Gutzeit, Karl Schiller.
Die bekannteren CDU-Politiker aus Hamburg sind so offensichtlich drei Klassen drunter angesiedelt, daß entweder Gott seine Hände im Spiel hat und SPD-Fan ist, oder aber es streben grundsätzlich die schlechteren Menschen in die hanseatische CDU.
Es ist schon auffällig, wie viele von ihnen mit Justiz und Staatsanwaltschaft kollidierten.
Für die konservativen Unionspolitiker aus Hamburg muß man sich als Hanseat schämen:
Jürgen Echternach, Hartmut Perschau, Birgit Breuel, Mario Mettbach, Roger Kusch, Walther Leisler Kiep, Carsten Frigge, peinlich peinlich.
Nach der Amtszeit des CDU-Mannes Kurt Sieveking Mitte der 50er Jahre sollte es fast ein halbes Jahrhundert keine CDUler mehr an der Spitzer meiner schönen Stadt geben.

Aber Gott hat irgendwie Humor.

So läßt er immer wieder Hamburger CDU-Politiker bedeutende Pflöcke einschlagen.
1954 wurde Angela Merkel in Hamburg geboren, jene spätere CDU-Vorsitzende, die einmal alle CDU-Gewissheiten abräumen sollte und ausgerechnet den Konservativen die erst Frau im Amt der deutschen Regierungschefin bescherte. Frau, Ost, geschieden, Protestantin und so eine räumt für die CDU die Wehrpflicht ab, weicht den Euro auf, führt Mindestlohn ein und schafft die Atomkraft ab.

Das begann 2001 der nächste große gesellschaftliche Schub mit dem SCHWULEN Ole von Beust, der seine CDU zwar auf erbärmliche 26% heruntergefahren hatte, dann aber mit dem ebenfalls SCHWULEN rechten Hardliner Roger Kusch, der zuvor Helmut Kohls Akten gelöscht hatte, dann in Beusts Wohnung eingezogen war und schließlich als Todesengel in die Schlagzeilen geriet, eine Regierung bildete.

Die politischen Umstände spülten 2010 versehentlich den feisten Hetero-Heidelberger Ahlhaus an die CDU-Spitze, aber der verschwand sehr schnell in der Versenkung nachdem er fast 21 Prozentpunkte als Spitzenkandidat einbüßte.
Der nächste CDU-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft und Landtagswahlspitzenkandidat war wieder ein SCHWULER CDU’ler, nämlich Dietrich Wersich.
Er schaffte es die Kanzlerpartei 2015 auf 15,9% hinunter zu wirtschaften.
Nach dem Mega-Desaster rollten Köpfe.
Ein neuer und jüngerer CDU-Mann mußte die Aufgabe als CDU-Oppositionsführer übernehmen.

Die konservativen Hanseaten entschieden sich für einen Hardliner.

Der frühere Bürgerschaftsabgeordnete und Haushaltsexperte Roland Heintze erhielt auf einem Landesparteitag am Dienstag 147 von 159 gültigen Stimmen. [….] Heintze verordnete der Partei einen klar wirtschafts- und sicherheitspolitischen Kurs. „Wir brauchen wieder klare Kante in der Ordnungspolitik in dieser Stadt“, sagte er. Daran habe es in der Vergangenheit gemangelt. Ähnlich strikt äußerte er sich zur Wirtschaftspolitik. „Es ist (...) Aufgabe der Partei, sich hier ganz klar zu positionieren und zu sagen: Der Wirtschaftsstandort Hamburg muss (...) gestärkt und ausgebaut werden.“
(FAZ, 02.04.15)

Damit ist – wieder – ein SCHWULER CDU-Boss.
Hier muß irgendwo ein Nest sein.

[…] Nach Dietrich Wersich steht erneut ein schwuler Politiker an der Spitze der hanseatischen Christdemokraten.
Die CDU in Hamburg hat bei ihrem Landesparteitag am Dienstag den ehemaligen LSU-Chef Roland Heintze zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 41-Jährige erhielt 147 von 159 gültigen Stimmen. […] Damit löst Heintze den ebenfalls schwulen Politiker Dietrich Wersich ab, der sich nach dem schlechten Ergebnis der CDU bei der Bürgerschaftswahl nicht erneut um das Amt beworben hatte. […]
Heintze war von 2004 bis 2006 der vierte Bundesvorsitzende in der Geschichte der Lesben und Schwulen in der Union (LSU). Er sorgte damals mit vielen seiner Thesen für Aufregung in der Community – etwa, als er Bareback unter Strafe stellen wollte oder seine Ablehnung für die Gleichbehandlung von Homo-Paaren im Adoptionsrecht und die Aufnahme des Merkmals sexuelle Identität ins Antidiskriminierungsgesetz zum Ausdruck brachte.
Auch später gab es Auseinandersetzungen: 2012 stellte er die Gemeinnützigkeit des CSD Hamburg in Frage, weil dieser die Ablehnung der Gleichbehandlung von Homosexuellen im Eherecht durch die CDU kritisiert und die Teilnahme der Christdemokraten an der Veranstaltung in Frage gestellt hatte. […]

OK, daß sich die Jungs von Queer.de auf den Homoaspekt konzentrieren und darüber ein paar Fakten vertüdeln, sei ihnen verziehen.
Wersich war nicht CDU-Landesvorsitzender, sondern Fraktionsvorsitzender.
Heintze ist nicht mehr Mitglied der Bürgerschaft und konnte ihn daher auch nicht in der Funktion nicht ersetzten. Bisheriger CDU-Landeschef war Markus Weinberg.

Aber schon komisch, daß es in Hamburg ausgerechnet die CDU ist, die Frauen und Schwule in die Bundespolitik entsendet.
Und noch eigenartiger, daß gerade diese Typen so furchtbar unsympathisch sind.
Es juckt mich in den Fingern noch etwas zur Schönheit der beiden wichtigsten CDU-Frauen aus Hamburg zu sagen - Merkel und Birgit Breuel.
Aber das gehört sich nicht.









Mittwoch, 1. April 2015

Impudenz des Monats März 2015


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Immer wieder habe ich in den letzten Monaten seit die Peginesen in Ostdeutschland Schrecken verbreiten Statistiken verlinkt, aus denen klar wird wie sehr das verbale Schüren von Ausländerhass in der Praxis umgesetzt wird.
Die Über- und Angriffe auf alle Undeutschen haben rasant zugenommen. Täglich gibt es drei rechtsextremistische Vorfälle.

Zum Beispiel Berlin:

Mehr als 250 Menschen wurden verletzt, bedroht und verfolgt.
Die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (ReachOut) hat im vergangenen Jahr 179 Angriffe registriert. Hierbei war Rassismus das häufigste Tatmotiv. Auch die Zahl der antisemitisch motivierten Taten und der Attacken gegen politische Gegner stieg an. Das geht aus dem ReachOut-Jahresbericht hervor.
Im Jahr 2014 wurden insgesamt 266 Menschen verletzt, gejagt oder massiv bedroht. Die Gewalttaten trafen die Opfer völlig überraschend und unvermittelt und ohne, dass sich Angreifer und Opfer vorher kannten. Der überwiegende Teil dieser Angriffe fand in aller Öffentlichkeit statt, auf Straßen, an Haltestellen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen, teilt die Beratungsstelle mit.

Ist das die Kehrseite des orgiastischen Jubels über die gewonnene Fußball-WM von 2014?
Der Mob hat Oberwasser und prügelt alle Schwächeren weg.
Je glänzender die deutsche Wirtschaft dasteht, desto gehässiger werden die Einstellungen gegenüber Griechen und Flüchtlingen.
Was kümmern Fakten und Moral, wenn man so viel einfacher den perfiden Kampagnen der BILD folgen kann?

[….]  Der Deutsche Journalisten-Verband hat das Nachrichtenportal Bild.de aufgefordert, sofort die laufende Anti-Griechen-Kampagne zu stoppen.
Auf Bild.de werden die Leser dazu animiert, den Aufruf „Nein – keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!“ als Selfie mit dem eigenen Porträt an die Redaktion zu mailen. [….] Die Selfie-Aktion von Bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne“, kritisierte Konken.
Darüber hinaus sei es medienethisch bedenklich, dass ein ganzes Volk für die finanzpolitischen Fehlentscheidungen seiner Politiker diffamiert werde. „Die Verunsicherung über die Auswirkungen der Griechenland-Krise auf Deutschland ist groß“, sagte Konken.

Es entsteht insbesondere ist Ostdeutschland eine massive moralische Schieflage.


Ganze Landstriche sind de facto unter Kontrolle von rechtsradikalen Verbrechern, gegen die sich niemand durchzugreifen traut.
Dort kann man sich mit Kippa, dunkler Hautfarbe oder Rasta-Haaren nicht mehr blicken lassen, ohne um sein Leben zu fürchten.
Die Begriffe „rechtsfreie Zone“ oder „national kontrollierte Gebiete“ sind euphemistisch gewählt.
Eigentlich müßte es heißen:

„Herrschaft des rassistischen Mobs – ermöglicht durch totales Staats- und Rechtsversagen.“


Hiermit küre ich die Landes- und Bundesinnenpolitiker zur Impudenz des Monats.
Sie machen ihre Hausaufgaben nicht und lassen stoisch schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu.
CDU- und insbesondere CSU-Politiker kochen auch noch ihr mieses wahltaktisches Süppchen, indem sie gezielt mit xenophoben Stimmungen spielen, bzw die Peginesen umschmeicheln.
Gabriels Schleimerei bei den Kotbraunen Anfang des Jahres ist nicht zu entschuldigen.
Daß aber die zuständigen Innenminister, die ohnehin in dieser Legislatur kaum noch etwas zu tun haben, jegliche Solidarität vermissen lassen und kein Interesse daran haben zu scheinen, den Rechtsstaat durchzusetzen, wenn es um Schwache geht, ist erbärmlich.

[….] Tröglitz in Sachsen-Anhalt wurde bundesweit bekannt, als der Bürgermeister vor dem Druck Rechtsextremer kapitulierte. Jetzt sollen 40 Flüchtlinge in den Ort kommen. Wer behält hier die Oberhand - Hetzer oder Humanisten?
"Warum geben wir für die Asylanten so viel Geld aus? Was soll die Scheiße? Für uns selbst wird nichts ausgegeben", ruft ein Mann oben vom Rang, blanker Neid in der Stimme. Die Arme vor der Brust verschränkt, hat er sich vor einem Mikrofon aufgebaut und schaut hinunter auf Landrat Götz Ulrich, der vor der Bühne des Saals steht.
[….] 500 Menschen sind in den Saal gekommen, auch Rechtsextremisten. NPD-Funktionär Steffen Thiel ist da. [….] Die Veranstaltung des Landrats ist bitter nötig, für viele kommt sie zu spät. In Tröglitz rumort es seit Monaten kräftig. Tiefpunkt war der Rücktritt des ehrenamtlichen Bürgermeisters Markus Nierth vor drei Wochen. Der parteilose Politiker hatte sich sehr für die Flüchtlinge eingesetzt, bis Nachbarn und NPD vor seine Haustür ziehen wollten. (Nierth ist kein Einzelfall - mehr lesen Sie hier.). Da war für ihn Schluss, er fühle sich alleingelassen von Behörden und vielen Mitbürgern, teilte Nierth mit, kritisierte eine "schweigenden Mitte" - das Entsetzen bundesweit war groß, auch weil er Morddrohungen erhielt.
[….]  Als ein älterer Bewohner daran erinnert, dass es in Tröglitz nach dem Zweiten Weltkrieg 1600 Flüchtlinge gab und 4600 Einwohner gab, kommen Zwischenrufe - es ist die Ecke, wo der NPD-Mann sitzt: "Aber das waren Deutsche." Das stimme, sagt der Mann, "wir sollten aber heute Solidarität mit anderen Flüchtlingen weltweit üben". "Dann nimm du die doch zu Hause auf", ruft Thiel.
Thiel versucht die Versammlung als Bühne zu nutzen - und es gelingt ihm auch deshalb, weil sich die Unterstützer der Flüchtlinge nur selten zu Wort melden, Kritiker und seine Anhänger aber sehr wohl - und dazu gehört auch der Mann, der vom Rang runterpöbelte. Er steht mittlerweile unten im Saal bei Thiel. Dieser tritt selbst zweimal ans Mikrofon, ohne sich allerdings als NPD-Mitglied vorzustellen. Er sagt, er habe Eigentum in Tröglitz. Zum geplanten Wachdienst will Thiel wissen: "Wer wird da vor wem geschützt? Die Bürger vor den Asylbewerbern oder die Asylbewerber vor den Bürgern?"
Landrat Ulrich sagt, der Sicherheitsdienst habe für Sicherheit zu sorgen. Er bleibt auch gelassen, als ein Rechtsextremist aus Thüringen, der bei einer der Anti-Flüchtlings-Demos von "begattungsfreudigen Afrikanern" gesprochen hat, laut brüllt, man solle nicht das "Sozialamt der Welt" sein. [….]


Dienstag, 31. März 2015

Verwirrte Verbraucher.


Mein Gemüseladen existiert nun in der vierten Generation.
Die Seniorchefin erzählte mir einmal, wie sich die Kunden zu ihrer Anfangszeit gefreut hätten, daß sie mit Eisbergsalat und Kopfsalat zwei verschiedene Salate zur Auswahl hatten.
Heute hat allein der Lieferant auf dem Großmarkt, bei dem sie morgens Salat kaufen 84 Sorten im Angebot.
Da die Ladenfläche gleich geblieben ist und außerdem die gewaltige Konkurrenz durch die Discounter dazu gekommen ist, kann man sich vorstellen was das für ein kaufmännisches Problem ist.
Und tatsächlich beobachte ich genau das bei meinen Einkäufen dort; trotz einer schier überwältigenden Auswahl kommen immer wieder Kunden, die einen derart exotischen Pilz oder einen geräucherten LILA Knoblauch aus Frankreich wünschen, daß sie dann enttäuscht und ohne etwas zu kaufen wieder abziehen.
Einer der Verkäufer in meinem Gemüseladen hat lange als Koch gearbeitet und gibt dementsprechend detaillierte und raffinierte Zubereitungstipps zu jedem exotischen Gemüse.
Noch vor ein paar Wochen brachte er mir auch wieder etwas bei. Ich kaufe gerne Baby-Spinat und Rucola als Salat. Nun empfahl er mir aber zu einer Gorgonzola-Soße lieber den normalen frischen Spinat als Salat zu verwenden.
Tatsächlich ist der ausdrucksvoller, als die Babyblätter. Geht wunderbar auch mit Essig/Öl/Räucherknoblauch: Spinat ein bißchen, zerreißen, waschen, Salatschleuder. Ein paar Marindas dazu schneiden, Fertig.

Wenn man zu Hause die TV-Programmzeitschrift durchsieht, wird auch klar wieso sich meine armen Gemüseleute so abstrampeln:
Es gibt auf fast allen Sendern eine Kochsendung nach der Nächsten.
Fernsehköche gehören längst nicht mehr in die Reihe anderer Fernseh-„Experten“, die Gartentipps, Rechtsbeistand, politische Analysen oder Kinoneuheiten präsentieren. Fernsehköche sind echte Stars und können mit etwas Geschick eine ganze Industrie aufbauen: Kochbücher, Kolumnen, Restaurants und in den Supermärkten steht auch alles voll mit Jamie-Oliver-Relishs und Schubeck-TK-Gerichten.

Der Kochwahn spiegelt sich auch in den unendlich vielen kitchen-utensils wider, die man heute in Spezialgeschäften, aber auch in Kaufhäusern bekommt.

Luxus-Küchen spielen sogar eine bedeutende Rolle im Immobiliengeschäft. Wer seine Wohnung aufwerten will und sein Geld sinnvoll investieren möchte, gibt gerne mal fünf- bis sechsstellige Beträge für eine neue Küche aus. Die Küchen werden größer und zunehmend zu Wohnflächen, weil man das Kochen mehr zelebriert.
Küchen zu bauen wird dabei immer komplizierter, da die Bedürfnisse von Veganern und Fleischessern verschieden sind.
Die kleine schmale Einbauküche, in der gerade mal die Mutter reinpasste, hat endgültig ausgedient.

Grundsätzlich sind das alles begrüßenswerte Entwicklungen.
Auf die Ernährung zu achten, kulinarische Vielfalt einziehen zu lassen und das Kochen nicht mehr nur als lästige Pflicht, sondern auch als anspruchsvolles Hobby für die ganze Familie zu betrachten, kann nur gut sein.

Blöderweise ist alles was ich bis hierher beschrieben habe überhaupt nicht repräsentativ.
Der Eindruck, daß sich alle intensiv mit Kochkunst und vielfältigen Zutaten beschäftigen, täuscht.
Noch immer sind die Deutschen das lebensmittelknauserigste Volk Europas.
Nirgendwo wird ein geringer Prozentsatz des Monatseinkommen für Lebensmittel ausgegeben.
Deutsche wollen es vor allem BILLIG haben.
Der alte Witz stimmt:
Steht ein Ölwechsel bei Papas altem Golf an, kann es gar nicht exklusiv genug sein. Die Motoröle werden genau ausgesucht und können gerne mal über 100 Euro kosten. Und anschließend geht es zu Aldilidl, wo man erschreckt das 99-Cent Salatöl wegstellt, nachdem man unten im Regal die Plastikflasche für 79 Cent entdeckt hat.
Die spinnen, die Deutschen.

[…]  Die Deutschen sind Kochmuffel
[…] Nicht einmal fünfeinhalb Stunden pro Woche stehen die Verbraucher hierzulande am Herd, wie das Marktforschungsunternehmen GfK am Montag in Nürnberg mitteilte. Damit liegen sie auf dem viertletzten Platz unter 22 Nationen. Nur in Brasilien, der Türkei und Südkorea verbringen die Menschen demnach noch weniger Zeit mit Kochen.
Das größte Engagement in der Küche zeigen demnach Inder und Ukrainer mit mehr als 13 Stunden pro Woche. In Westeuropa liegt Italien mit gut sieben Stunden vorne, gefolgt von Spanien. […] Ältere [kochen] wesentlich mehr als Jüngere: Bei den unter 30-Jährigen sind es mehr als vier Stunden, bei den über 50-Jährigen hingegen mehr als sechs Stunden pro Woche. […]

Deutsche wissen also offenbar wie man sich wesentlich besser und gesünder ernähren KÖNNTE, aber sie sind zu tumb, um das umzusetzen. Wenn sie bei Kaufpennyland Tiefkühllasagne für € 1,09 das Kilo entdecken, greifen sie zu.

Diese phlegmatisch-schizophrene Methode deckt sich auch mit einer Meldung von vorgestern.
Demnach wissen Jugendliche durchaus über die brutalen und unmenschlichen Bedingungen bei der Herstellung von Billigklamotten Bescheid.
Aber vor die Wahl gestellt, ob sie dieses erbärmliche Ausbeutersystem unterstützen, oder durch ihr Kaufverhalten ein Zeichen setzen, entscheiden sie sich nur für BILLIGBILLIG.

Hauptsache viel, Hauptsache billig
[…] Links blinken, rechts abbiegen: Viele Jugendliche beklagen die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Obwohl vielen klar ist, dass ihre Klamotten selten ethisch einwandfrei sind, kaufen sie einer Studie zufolge unverdrossen Massenware.
Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren sind erstaunlich gut über die Probleme bei der Herstellung von Textilien informiert. Ihr Konsumverhalten ändert das jedoch nicht, wie eine neue Studie der Umweltorganisation Greenpeace zeigt. So haben mit 96 Prozent der Befragten nahezu alle davon gehört, dass Arbeiter in der Modeindustrie oft unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. […] Konsequenzen ziehen daraus allerdings die Wenigsten: Nur 13 Prozent der Befragten, also knapp jeder Achte, gab an, beim Kauf auf die Herstellungsbedingungen oder Textilsiegel zu achten. "Gerade junge Konsumenten haben zwar eine Vorstellung davon, wie Kleidung hergestellt wird und welches Elend im Namen der Mode angerichtet wird", sagt Kirsten Brodde, Textilexpertin bei Greenpeace. "Allerdings blenden sie das aus, wenn es um den konkreten Kauf eines Kleidungsstücks geht." […]

Montag, 30. März 2015

Strategien…


Was soll die arme Bundes-SPD jetzt eigentlich noch tun?
Die Wahlversprechen sind alle und es ist noch so viel Legislatur übrig.
Das ist nicht nur insofern suboptimal, weil die SPD-Bundesminister Opfer ihres eigenen Erfolges sind und nun einfach nichts mehr zu tun haben.
Schlimmer noch, nun gerät der grobe Unsinn aus den CSU-Ministerien mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.
Bestimmen nun etwa die „ZERSTÖRERISCHEN EGOISTEN VON DER CSU“ das Bild der Bundesregierung?
Natürlich könnte man statt schwachsinniger Stammtisch-Politiksimulation auch die 80%-Mehrheit der GroKo nutzen, um einige überfällige Reformen durchpeitschen.
Wieso haben wir immer noch das komplizierteste Steuerrecht der Welt, wieso werden Einkünfte durch Nichtstun (Zinsen, etc) steuerlich viel besser gestellt als Arbeitseinkommen? Warum leisten wir uns immer noch ein zersplittertes Schulsystem, das jährlich 100.000 Jugendliche ohne Chancen und Abschluss produziert? Weshalb unternehmen wir nichts dagegen, daß in Deutschland zehn Prozent funktionale Analphabeten leben? Wieso haut nicht endlich mal jemand Herrn Schäuble so lange mit dem Nudelholz auf den Hinterkopf bis er seine Arbeitsverweigerung in der Steuerpolitik aufgibt?
Kann er nicht wenigstens mal diesen Ultraschwachsinn mit den für niemand mehr nachvollziehbaren unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen abschaffen?

Natürlich könnte sich die Koalition eine ehrliche Rentenreform überlegen, die darauf reagiert, dass große Teile der heutigen Arbeitnehmerschaft die Altersarmut droht. Oder eine engagierte Energiewende, die die Bundesrepublik weltweit als klimaschutzpolitische Avantgarde positioniert. Oder eine Pflegereform, die die Alterung der Gesellschaft auffängt. Auch Tatenlosigkeit hat Konsequenzen. CDU, CSU und SPD schauen Entwicklungen zu, die die ganze Gesellschaft bedrohen. Sie muten den Wählern die Wirklichkeit nicht zu, sie setzen auf Feel-good-Politik.

Aber das ist eben die Domäne der CDU:
Bloß nichts anfassen, das den garstigen Wähler erwecken könnte.
Der Urnenpöbel soll schon weiterschlummern. Wenn es soweit ist, daß die verschleppten Reformen Deutschland ins ökonomische Desaster treiben, sind Merkel und Schäuble ja nicht mehr im Amt.

Grundlegendes wird von dieser K.O.alition auf den St-Nimmerleinstag verschoben.
Nun kommt nur noch der Mist, der im Zweifelsfall die CDU gut- und die SPD schlecht aussehen lässt. Unglaublich; aber in diese strategisch komfortable Lage hat sich die CDU durch Arbeitsverweigerung gebracht. Sie hat nur nörgelnd zugesehen, wie die SPD ranklotzte.

[….]  Zum anderen steht jetzt die Umsetzung der Projekte an, die der SPD wehtun. Die Maut war nur der Anfang. Es folgen die Vorratsdatenspeicherung, das Freihandelsabkommen TTIP und die Senkung des Solidaritätszuschlags. Dabei können die vielen klammen SPD-regierten Bundesländer eigentlich auf keinen Euro verzichten. Auch bei der Energiewende sind die Sozialdemokraten in der Defensive. Gabriel ist als zuständiger Minister vom Wohlwollen der Union abhängig, um eine wenigstens einigermaßen akzeptable Lösung präsentieren zu können.
Selbst aus den Landtagswahlen wird die SPD in dieser Legislaturperiode keinen Honig mehr saugen können. Bei den wichtigsten Entscheidungen - in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen - kann die Partei eigentlich nur verlieren; sie sitzt ja bereits überall in der Regierung. Die Umfragen sagen einen knappen Ausgang voraus. Dass die FDP auf einmal wieder an der Fünf-Prozent-Hürde kratzt, erschwert die erhofften rot-grünen Mehrheiten - genauso wie der Erfolg der AfD.
Gleichzeitig gibt es in der Union ein großes Bedürfnis, es den Sozialdemokraten jetzt endlich mal heimzuzahlen. CDU und CSU sind nach einem Jahr voller SPD-Projekte genervt. Selbst in der Spitze der Unionsfraktion nennen sie die SPD offen den "Feind im Bett". Die Junge Union montiert die Ministerinnen Nahles und Schwesig in DDR-Plakate, um sie als Quasi-Kommunistinnen zu diskreditieren. Der Wirtschaftsflügel der Union hält die beiden Genossinnen sowieso für Beelzemädchen. [….]

Was machen die Unions-Parlamentarier eigentlich den ganzen Tag außer die SPD zu ärgern?
Bis Herbst 2017, wenn die nächsten Bundestagswahlen anstehen ist ja noch etwas Zeit totzuschlagen.
Offensichtlich nutzen sie die viele Zeit, um schon mal die Wahlkampfkassen zu füllen.
Die CSU herrscht ohnehin quasiabsolutistisch und stopft sich die Partei-Taschen mit Steuerzahlergeldern voll.

Aber die CDU kann das auch richtig gut:

Unternehmen, Lobbyverbände und wohlhabende Privatpersonen haben nach abgeordnetenwatch.de-Recherchen im Wahljahr 2013 mehr als zwei Millionen Euro an Parteispenden verschleiert. Die Zuwendungen wurden in mehrere Teilzahlungen gestückelt, die unterhalb der Veröffentlichungsgrenze liegen. Allein die CDU erhielt 1,5 Millionen Euro an bislang unbekannten Großspenden – ein Drittel davon aus dem Umfeld eines einzigen Konzerns, der enge Beziehungen zur Union unterhält.
Am Freitag hatte der Bundestag die Rechenschaftsberichte der Parteien für das Wahljahr 2013 öffentlich gemacht, aus denen u.a. die Zuwendungen an CDU, CSU, SPD, Grüne und Linkspartei hervorgehen. Nach abgeordnetenwatch.de-Recherchen wurden im zeitlichen Umfeld der Bundestagswahl Parteispenden in Höhe von über zwei Millionen Euro vor der Öffentlichkeit verborgen.

Pünktlich zu Helmut Kohls 85sten Geburtstag hat die Partei, der die Deutschen am meisten vertrauen, gezeigt, daß sie nichts verlernt hat: Die kriminelle Energie der CDU ist bezüglich ihrer Spenden so stark wie eh und je.

[…] Dass es sich um kein kleines Problem handelt, zeigt schon die große Summe, um die es geht. Allein die im Bundestag vertretenen Parteien bekommen jährlich Spenden in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro. Bei der CSU sind diese Gaben sogar die wichtigste Einnahmequelle, ihr Anteil liegt bei 30 Prozent des CSU-Gesamtetats. Spenden in dieser Größenordnung sind bestenfalls dann zu vertreten, wenn sie transparent gemacht werden. Umso ärgerlicher ist eine Lücke im Parteiengesetz, die jetzt wieder einmal offenbar wurde.
Das Gesetz schreibt zwar vor, dass alle Spenden von mehr als 50 000 Euro sofort beim Bundestagspräsidenten angezeigt und dann umgehend von diesem veröffentlicht werden müssen. In der Praxis kann diese Regel aber leicht umgangen werden. Ein Unternehmer muss seine Spende nur stückeln oder auf verschiedene Tochterfirmen verteilen. Wenn eine Firma beispielsweise jedes Quartal 15 000 statt einmal 60 000 Euro überweist, hat sie die sofortige Anzeigepflicht schon vermieden.
[…] Der wichtigste Fall betrifft die CDU und die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Die Aktiengesellschaft ist schon seit vielen Jahren eng mit der Union verwoben. Aufsichtsratschef ist der ehemalige Kanzleramtsminister Friedrich Bohl. Im Beirat sitzen Altkanzler Helmut Kohl, Ex-CSU-Chef Theo Waigel sowie Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel. CDU-Generalsekretär Peter Tauber war früher Pressesprecher des Unternehmens.
[…] Die CDU erhielt ausweislich ihres jetzt präsentierten Rechenschaftsberichts im Bundestagswahljahr 2013 über ein Firmengeflecht um den 2014 verstorbenen DVAG-Gründer Reinfried Pohl sowie aus dessen Privatkasse insgesamt Spenden in Höhe von 493 000 Euro. Hinzu kommt eine 40 000 Euro-Spende des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater, der von Pohl mitgegründet wurde. Das haben die Experten von abgeordnetenwatch.de ermittelt. Trotz dieser großen Summen hatte die CDU im Jahr 2013 aber keine einzige der Spenden sofort anzeigen müssen, da die einzelnen Gaben allesamt unter 50 000 Euro lagen. […]

CDU-Politik, das kontinuierliche Umverteilen von unten nach oben macht sich bezahlt.