Freitag, 23. Dezember 2016

Reicher als Gott



Seine Exzellenz Hans-Josef Becker (* 1948), Erzbischof von Paderborn herrscht als Metropolit der Archidioecesis Paderbornensis auch über die Suffraganbistümer Erfurt, Fulda und Magdeburg.
Der Großoffizier und Prior der Ordensprovinz Rheinland-Westfalen des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem verfügt über die größtmögliche Machtfülle, die es vorm Kardinal gibt.


Hungern muß der gute Mann in der Besoldungsstufe B10 (Grundgehalt 11.000 Euro) ebenfalls nicht, da der bischöfliche Privathaushalt aus der Kirchensteuer bezahlt wird.
Natürlich werden die finanziellen Privilegien des Paderborner Metropoliten nicht offengelegt – obwohl das Gehalt eben nichts aus Kirchenmitteln, sondern aus dem Haushalt des Landes NRW berappt wird.
Rechnet man aber die finanziellen Privilegien der Pfarrer hoch, dürfte Herrn Becker am Ende des Monats ein hübsches Sümmchen bleiben.

[….] Zusätzlich sind aber folgende Faktoren zu berücksichtigen:

·        Geistliche erhalten grundsätzlich (mit wenigen Ausnahmen) ein volles 13. Monatsgehalt und alle im öffentlichen Dienst üblichen Zuschläge (z. B. Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen). Die Höhe der Zusatz-Einkünfte für besondere Dienste (z. B. Taufen, Trauungen, Bestattungen, Religionsunterricht, Meßstipendien) hängt von der Regelung in der einzelnen Diözese/Landeskirche ab.
·        Fast immer wohnen Geistliche in einem Pfarrhaus o. ä., wo sie nur eine geringe Miete entrichten. Im Vergleich zum Normalbürger sparen sie je nach Wohnort und Lage einen Mietaufwand von 400 bis 1200 (im Schnitt etwa 700) Euro. Diesen "geldwerten Vorteil" müssen sie versteuern; er gilt als Zusatz-Einkommen.
·        Von den Bruttogehältern ist neben der Steuer nur noch ein Eigenbeitrag zur Krankenversicherung von etwa 250 EUR monatlich abzuziehen. Weitere Sozialversicherungsbeiträge fallen nicht an.
·        Bei der Krankenversicherung, der Kfz-Haftpflicht und anderen Versicherungsarten erhalten Pfarrer Vorzugstarife. Auch können sie bei einer kirchlichen Bank ein gebührenfreies Gehaltskonto führen.
·        Wegen des Pfarrermangels steigen katholische Kapläne in den meisten Diözesen relativ schnell in die Besoldungsstufe A 14 auf - meist mit einer deutlich günstigeren Dienstaltersstufe als im öffentlichen Dienst.
·        Die Kosten der kath. Pfarrhaushälterinnen werden zu 50 bis 75 Prozent (je nach Bistum) aus Kirchensteuern bezahlt, nur den Restanteil zahlen die Pfarrer selbst, können ihn aber von der Steuer absetzen.
·        Fahrten zur Arbeitsstelle werden voll erstattet; andere Arbeitnehmer erhalten nur einen Teil über die Steuer.

Die Veranschlagung des monatlichen Pfarrer-Durchschnittseinkommens auf 6.000 EUR (Stand 1.3.16) ist eher noch abgerundet. [….]

Erzbischof Becker legt genauso wenig wie seine Brüder im Amt alle Vermögenswerte seiner Kirchenprovinz offen.
Niemand außer ihm und dem Domkapitular dürfte Einblick in wirklich alle Kassen haben.
Aber selbst die bisher offengelegten Summen aus Paderborn lassen darauf schließen, daß die RKK Paderborn nicht unbedingt darauf angewiesen ist sich die Gehälter der Topkleriker vom verschuldeten Bundesland NRW bezahlen zu lassen.

Erzbistum Paderborn steigert Vermögen
[….]  Das Erzbistum Paderborn verzeichnet für 2015 einen Jahresüberschuss von rund 44,2 Millionen Euro. Das geht aus dem am Dienstag in in Paderborn vorgestellten Finanzbericht hervor. Im vergangenen Jahr hatte der Überschuss 41 Millionen Euro betragen. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer stiegen um 20 Millionen Euro oder 5,3 Prozent auf rund 396 Millionen Euro. [….] Das Vermögen der Erzdiözese stieg nach den Angaben um 3,7 Prozent auf 4,16 Milliarden Euro, vor allem wegen zusätzlicher Mittel für die Altersversorgung aufgrund der niedrigen Kapitalmarktzinsen. Damit liegt Paderborn hinter dem Erzbistum München-Freising mit einer Bilanzsumme von 6,26 Milliarden Euro und vor der Erzdiözese Köln mit einem Vermögen von 3,52 Milliarden Euro. Allerdings sind in der Paderborner Bilanzsumme der Erzbischöfliche Stuhl und das Domkapitel noch nicht erfasst.  [….]
(gho/KNA 25.10.2016)

Das Geheimnis des Beckerschen Reichtums ist leicht ergründet.
Sein Trick ist wie beim eigenen Gehalt immer einen anderen Blöden zu finden, der die Rechnungen bezahlt.

Der Erzbischof hätte gern eine neue Bass-Glocke, um das Geläut zu optimieren.

Spendenaufruf für neue Domglocken
[….]  Die große Glocke soll 13.000 Kilogramm wiegen, die kleine 1.000 Kilogramm. Die geplanten neuen Glocken des Hohen Domes sollen ab 2018 für eine musikalische Optimierung des Domgeläutes sorgen. [….]
Die Kosten für die große Glocke belaufen sich laut Angebot auf 275.000 Euro. Die kleine Glocke, deren Preis sich auf 17.000 Euro beläuft, ist bereits gestiftet. Das Paderborner Metropolitankapitel wirbt um Spenden für die Bass-Glocke des Domes (Ton e), denn, wie bei allen Kirchen im Erzbistum Paderborn, müssen Glocken durch Spenden finanziert werden. Selbstverständlich kann für eine Spende auch eine Spendenquittung ausgestellt werden. "Interessierte Einzelspender und Vereine können ab jetzt alle Fakten in einem speziellen Spendenflyer nachlesen, der im Hohen Dom, im Erzbischöflichen Generalvikariat und auch in den Paderborner Kirchengemeinden ausliegt", so Dompropst Monsignore Joachim Göbel, der stellvertretend für das Metropolitankapitel Paderborn um Unterstützung bittet. [….]

Mit derselben Berechtigung könnte Bill Gates per Crowdfunding darum bitten ihm ein neues Notebook zu kaufen.

1.549.231 Menschen finden das offenbar so wenig seltsam, daß sie immer noch Mitglieder der RKK Paderborn sind.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Fähige Politiker.



Ein größerer terroristischer Anschlag in Deutschland war ungefähr so überraschend wie das Amen in der Kirche.
 Eine Frage der Zeit.
Umso erstaunlicher, daß Merkel so gar nicht drauf vorbereitet war und nur dümmlich losplapperte.

Fähige Politiker können das auch mit den richtigen Worten und der richtigen Haltung kommunizieren.

"Sie mögen in diesem Augenblick ein triumphierendes Machtgefühl empfinden. Aber sie sollen sich nicht täuschen. Der Terrorismus hat auf die Dauer keine Chance. Denn gegen den Terrorismus steht nicht nur der Wille der staatlichen Organe, gegen den Terrorismus steht der Wille des ganzen Volkes. Dabei müssen wir alle trotz unseres Zornes einen kühlen Kopf behalten".
(Helmut Schmidt 1977)


Einen Helmut Schmidt gibt es nicht mehr.

Ole von Beust, teuerster und schlechtester Bürgermeister, den Hamburg je hatte, verursachte durch seine Jahrhundertfehlentscheidungen einen zweistelligen Milliardenschaden für die Stadt.
Er traf aber nicht nur grundsätzlich diese idiotischen Entscheidungen, sondern glaubte auch noch, es liefe schon irgendwie alles von allein, wenn er einmal gesagt hätte wo es lang geht.
Der Di,Mi,Do-Bürgermeister war chronisch arbeitsscheu und kümmerte sich grundsätzlich nicht um die Umsetzung seiner grotesken Pläne.

Von Beust ist völlig schamlos und ließ sich just mit einer Barkasse mit der versammelten Presse vor der inzwischen tatsächlich fertiggestellten Elbphilharmonie feiern.

Dabei waren der Ex-Bürgermeister und seine damaligen CDU-Senatskollegen schlicht und ergreifend unfähig den Bau zu überwachen und die Kosten zu kontrollieren. Das gelang erst als sich Olaf Scholz und die leider, leider, leider gerade verstorbene Barbara Kisseler der Sache annahmen.

Eine Großstadt zu regieren ist nicht in erster Linie ein politischer Job, sondern ein Verwaltungsjob; eine MGMT-Aufgabe.

Zum großen Glück der Hamburger ist der gegenwärtige Bürgermeister Olaf Scholz ein exzellenter Manager.

Selbst die Mammutaufgabe in einer Stadt mit eine Wohnungsleerstandsquote von 0,4% Myriaden Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen, gelingt in Hamburg deutlich besser als in anderen Bundesländern.

Scholz erweist sich dabei als so fähiger Politiker, daß die Hauptstadt Berlin vor einer Woche offiziell um Amtshilfe bat.
„Lageso“ ist in Berlin nur die Spitze des Eisbergs.
Die Berliner Verwaltung hat bei der Ausschreibung so gewaltige Fehler gemacht, daß Heimatvertriebene noch immer in Turnhallen zusammengepfercht leben müssen. Berlin sieht sich außer Stande der Sache Herr zu werden.

Mario Czaja (CDU), vom 01. Dezember 2011 bis zum 8. Dezember 2016 Senator für Gesundheit und Soziales im Senat Wowereit und Senat Müller I hatte die Flüchtlingsunterbringung so katastrophal gegen die Wand gefahren, daß der neue R2G-Senat in Hamburg anrief.

Flüchtlingschaos in Berlin Hamburg muss die Hauptstadt retten
[…] Berlin versinkt im Flüchtlingschaos – und Hamburg soll das Problem nun lösen. Weil die Hauptstadt mit der Unterbringung von Asylsuchenden heillos überfordert ist, hat sie bei den Norddeutschen Amtshilfe beantragt.
Kein Platz, keine Privatsphäre, keine Perspektive – dicht an dicht stehen die Betten in der Turnhalle an der Berliner Hüttenstraße. Sie ist eine von 38 Notunterkünften, in denen derzeit 3.000 Flüchtlinge untergebracht sind.
Während Sporthallen in Hamburg immer ein Tabu waren, hat die Hauptstadt von Anfang an Asylsuchende dort untergebracht – und nun ein echtes Problem. Die Stadt bekommt die Flüchtlinge dort nicht mehr raus!
[…][…] Die neue Regierung um Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat jetzt einen neuen Weg eingeschlagen – und Hamburg um Hilfe gebeten.
„Da sich die Situation in den Turnhallen verschlechtert und teilweise prekäre Bedingungen herrschen, sollen bereits während der Laufzeit der Ausschreibungen temporäre Lösungen gefunden werden“, heißt es in einer Mitteilung des Berliner Senats. Eine davon ist die Amtshilfe durch andere Bundesländer – und die soll aus Hamburg kommen. […]

Liebe Berliner, wir helfen doch gern.
Und es ist erfreulich zu sehen, daß Ihr wie auch die Hamburger nach den dunklen Jahren 2001-2011 gelernt habt die Stadtregierung nicht mehr CDU-Politikern zu überlassen.
CDU bähbäh. Bitte nicht wiederwählen.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Nur so eine Idee.



In einer kleinen Stadt an der ostfriesischen Küste gibt es ein sagenhaft gut sortiertes Wollgeschäft, welches seit Jahrzehnten von einer Spanierin geführt wird.
In der Gegend gibt es eine riesengroße iberische Gemeinde, da die Fischfabriken in und um Cuxhaven fast nur spanische und portugiesische Arbeiter beschäftigen. (Einer dieser Jobs, für die sich Deutsche zu fein sind.)
Man eröffnet nicht unbedingt in der niedersächsischen Provinz einen Wollladen, wenn man plant irgendwann Multimilliardär zu werden und die Weltherrschaft zu übernehmen.
Häkeln und Stricken ist aber kontemplativ. Auch wenn man nicht reich wird, hat man vielleicht mit so einem Laden sein finanzielles Auskommen und führt ein zufriedenes Leben.
Seit einigen Jahren ist Stricken wieder extrem in Mode gekommen.
Man strickt nun nicht mehr, weil gekaufte Pullover zu teuer sind, sondern betrachtet es als reine Entspannungsmethode. In der hektischen Smombi-Welt ist das der Megatrend: Offline sein und dann irgendetwas mit den Händen machen: Ausmalbücher kolorieren, Handarbeiten oder Sudokus lösen.
Wie schön für die Spanierin; auf ihre alten Tage kommt noch mal eine ordentliche Belebung ins Geschäft.
Dachte ich zumindest.
In Wahrheit verliert sie so massiv Kunden, daß der Laden bald schließen muß.
Dabei ist die Bude immer voll; weil jeder weiß wie gut sie sich mit Strickmustern und komplizierten Häkelabläufen auskennt.
Die Leute kommen mehr denn je zu ihr und fragen sie um Rat. Nur kaufen sie nichts mehr, weil sie erstaunlicherweise zufällig alle gerade größere Mengen Wolle von jemand geschenkt bekommen haben.

In Hamburg gab es diesen Effekt schon vor vielen Jahren.
Als es in der Stadt noch diverse Elektronik-Fachgeschäfte gab, erzählte mir mein Friseur eines Tages voller Stolz; er sei über eine Stunde bei Brinkmann gewesen, um sich ausführlich über Waschmaschinen beraten zu lassen und dann sei er rausgegangen und habe das Wunschobjekt im Internet bestellt; da habe es viel weniger gekostet. Mir schoss die Zornesröte ins Gesicht.
Die Ernst Brinkmann KG meldete 2001 Insolvenz an.

Selbstverständlich sind diese vielen kleinen Geschäfte, die Service und Beratung boten inzwischen alle tot. Nun gibt es nur noch Saturn und Mediamarkt, die beide dem METRO-Konzern gehören.
Hauptsache billig. Und wenn der Fernseher, das Notebook, der Föhn oder die Kaffeemaschine kaputt geht, schmeißt man das Gelumpe weg und kauft gleich was Neues. Es gibt ohnehin niemand, der ins Haus käme, um so etwas zu reparieren. Und wer will schon einen großen TV oder einen Staubsauger zurück zu SATURN schleppen, um in der Reparaturabteilung eine Nummer zu ziehen, drei Stunden zu warten, um dann zu erfahren, das müsse jetzt erst mal eingeschickt werden und man solle schon mal den Kostenvoranschlag zur Reparatur in Höhe von EUR 170,00 bezahlen?

Jeder beklagt das Sterben der inhabergeführten Geschäfte, in denen es Bratung und Service gibt. Jeder kann abendfüllend die abstrusesten Erlebnisse mit Paketlieferdiensten erzählen, sich über Paketboten ärgern, die gar nicht erst klingeln. Es jammert auch jeder über die verstopften Straßen, weil an jedem zweiten Haus gerade ein DHL-, GLS-, DPD-, Hermes- oder UPS-Wagen in zweiter Reihe hält.
Es will nur keiner den Zusammenhang mit dem eigenen Konsumverhalten erkennen.

Gerade diese Woche erlebte ich wieder eine absolut haarsträubende Geschichte mit einer Paketlieferung, die mich zehn Jahre altern ließ.
Man kann noch nicht mal einen gesunden Hass auf die Paketboten entwickeln, weil klar ist, daß sie arme unterbezahlte Schweine sind, die jeden Tag 12 Stunden racken und am Ende des Monats ungefähr auf HARTZ-Niveau rauskommen.

Könnte man nicht wenigstens die Beschäftigten in der Lieferbranche anständig bezahlen, wenn die deutsche Bundesregierung schon nicht in der Lage ist die ganz großen Versender dazu zu bringen Steuern zu zahlen?
IKEA und AMAZON haben sich bekanntlich in Steueroasen abgesetzt und zahlen auf ihre gewaltigen Milliardengewinne quasi keine Steuern.

Wären die Konsumenten tatsächlich an Nachhaltigkeit interessiert und verhielten sich klug, dann könnten sie wenigstens die schlimmsten Ausbeuterkonzerne meiden.
Aber das ist hoffnungslos. Hauptsache billig.

Da der Verbraucher zu doof ist, sollte der Gesetzgeber aktiv werden.
Mir schwebt ein von Großversendern zu zahlendes Mindestporto von 15 Euro vor. Oder 17, oder 20 Euro.
Es muß so wehtun, daß die Paketlieferanten erheblich besser bezahlt werden und daß sich Kunden genau überlegen, ob sie nicht doch lieber die Wolle im Laden nebenan kaufen, statt das 19 Cent billigere Knäul bei Amazon zu schießen.

So ein Mindestpaketporto beträfe natürlich nur Geschäftskunden, so daß Oma Kowalski ihrem Enkel weiterhin die selbstgebackenen Kekse sehr günstig schicken kann.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Im Spin-Room



Gut möglich, daß ich die Vergangenheit idealisiere.
Aber gab es nicht mal Zeiten, in denen bei Katastrophen aller Art zunächst neutral berichtet, anschließend von Experten analysiert und schließlich von Klugen kommentiert wurde?

Inzwischen sind aber die Reaktionen auf die Nachricht die eigentliche Nachricht.
In TV-Nachrichtenstrecken unterläßt man es eigene journalistische Kompetenz zu zeigen und blendet stattdessen Tweets relevanter und noch mehr irrelevanter Personen ein.

Beispielsweise auf sueddeutsche.de gibt es zwar noch einen Artikel „Was wir über die Tat wissen und was nicht“, aber ich muß das eigentlich gar nicht mehr anklicken. Mir reicht das, was ich in den Überschriften aufgeschnappt hatte: Berlin, Weihnachtsmarkt, LKW in Menge, 12 Tote.

Mehr Fakten braucht niemand. Während die Einsatzkräfte noch zwischen den Leichen und Verletzen knien, fährt die „wie schlage ich daraus Kapital?“-Maschine blitzschnell auf 100% Leistung.

Ja, natürlich haben die paar Extrarationalen vollkommen Recht, die 12 Tote durch einen mutmaßlichen Anschlag in Relation zu anderen, größeren Todeszahlen setzen. So viele Menschen sterben jeden Tag im deutschen Straßenverkehr; es sterben sogar weit mehr Menschen in Deutschland täglich durch Ärztepfusch und noch mehr durch Hygienemängel in Krankenhäusern, weil die Politik vor der Lobby eingeknickt ist. Bekanntlich kann man MRSA-Infektionen, also das myriadenfache Sterben durch multiresistente Krankenhauskeime auch verhindern – das zeigt Holland. Aber das würde Geld kosten, mehr Personal erfordern und somit die Milliardengewinne von Typen wie Bernd große Broermann schmälern.
Die Oma von nebenan, die nach einer Knie-OP an Wundinfektionen stirbt, weil im Asklepios-Krankenhaus siffiges OP-Besteck benutzt wurde, ist aber politisch schlecht auszunutzen.

Terrortote in Berlin (Hauptstadt! Merkel!) zur Weihnachtszeit (Christlich! Friedlich!) in Zusammenhang mit einem Flüchtling (Muslim! Asylantenflut!) sind wesentlich wertvollere Leichen. Damit kann man etwas anfangen.

Lange Partynacht: Anwohner von AfD-Parteizentrale beschweren sich über Ruhestörung
Berlin (dpo) - Was war da denn los? Die Berliner Polizei hat in der Nacht von Montag auf Dienstag um kurz nach 22 Uhr mehrere Anrufe wütender Anwohner erhalten, die sich über lauten Partylärm aus der AfD-Parteizentrale in der Schillstraße beschwerten. Die Polizei musste mehrfach anrücken und löste die Feierlichkeiten schließlich in den frühen Morgenstunden auf.
"Ich wollte mich gerade schlafen legen, da höre ich plötzlich diesen Krach, als wenn einer mit einem Maschinengewehr rumballert", erzählt uns ein Anwohner. "Nach einer kurzen Schrecksekunde wurde mir bewusst: Das sind Sektkorken! Dann wurde Musik laut aufgedreht und herumgegrölt. Ich habe dann die Polizei alarmiert."
Im Laufe des Abends erhielt die Polizei weitere Anrufe von Anwohnern, die sich über Jubelgeschrei, lautstarkes Gelächter und ohrenbetäubende Musik aus der AfD-Parteizentrale beschwerten. Die Beamten müssen mehrfach ausrücken und die Feierwütigen dazu ermahnen, die Musik leiser zu stellen – vergeblich. [….]

Die üblichen Verdächtigen recken ihre kotbraunen Twitterfingerchen und legen los.


Längst sind es nicht mehr nur oppositionelle Fascho-Populisten, die genüsslich ihre demagogischen Werbesprüche in die Welt ballern.

Der zukünftige US-Präsident handelt genauso, ist für diese Methoden sogar gewählt worden.

Zehn Etagen unter dem menschlichen Mindestanstand agitieren aber auch Politiker der in Bayern mit absoluter Mehrheit gewählten CSU.


Deutsche Profipolitiker anderer Parteien versagen aber auch bei ihren öffentlichen Reaktionen. Bis auf wenige.

Ulrich Schulte: Auf eine solche Tat haben die Rechtsextremen gewartet?

Konstantin von Notz: Diejenigen, die unsere liberale und offene Gesellschaft spalten und den Rechtsstaat beschädigen wollen, werden versuchen, den Anschlag zu instrumentalisieren. Sie versuchen es jetzt schon. Islamisten und Rechtsextreme kochen dabei übrigens dieselbe Suppe. Sie versuchen, aus Angst Profit zu schlagen.

Ulrich Schulte: Der nordrhein-westfälische AfD-Landeschef Marcus Pretzell twitterte kurz nach dem Attentat, dies seien „Merkels Tote“. Sollte man solche Provokationen ignorieren – oder verurteilen?

Konstantin von Notz: Politische Widerlichkeit ist wählbar und heißt AfD. Pretzell macht nicht mal den Versuch, seine abgründigen Interessen zu kaschieren. Das spricht für sich selbst. Demokratische Parteien dürfen sich die Debatten nicht von der AfD aufzwingen lassen, aber eben auch nicht schweigen, wenn sich Rechtsextreme im Leid der Opfer und der Angst der Menschen suhlen.

Lügenminister de Maizière, der schon seit anderthalb Jahren Flüchtlingen genauso pauschal wie faktenwidrig alles Negative unterstellt, verkündete zunächst einmal, er bete für die Opfer.


Das ist an Schwachsinnigkeit kaum zu unterbieten. Schließlich ist Religion mit ihrer rechthaberischen und jenseitsgläubigen „wir sind besser als die“-Haltung die Ursache der Gewalt.
Der deutsche Innenminister will nun also das Übel mit mehr Übel bekämpfen.
Mit Beterei, also der Ausrede von Menschen, die nicht tatsächlich helfen wollen.






Einen Tag später schrieb de Maizière doch tatsächlich "Herr, gib ihnen die Kraft..." in das Kondolenzbuch. Dem Mann ist nicht mehr zu helfen.

Mein nachbarlicher SPD-Ortverein Eppendorf verbreitete auf Facebook schwarzen Trauerfloor mit dem Hashtag #PRAYFORBERLIN.
Auch bei denen also intellektuelle Schlichtheit. Sie preisen das Gift als Medizin, welches den Schaden angerichtet hat. Wir brauchen nicht mehr Gebete, sondern weniger.


Eigentlich unnötig zu erwähnen, aber da sie nun mal die deutsche Regierungschefin ist: Merkel blamiert sich selbstverständlich, wenn sie es menscheln lassen soll.
Von ihr kommen kryptische Sätze, auch wenn man gutmeinend ahnen könnte, daß sie es eben nicht so mies und populistisch wie Kollege Seehofer machen wollte:

Sollte sich bestätigen, dass es sich bei dem Täter um einen Flüchtling gehandelt habe, wäre es nach Merkels Worten "für uns alle besonders schwer zu ertragen". "Dies wäre besonders widerwärtig gegenüber den vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind", sagte Merkel, "und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und sich um Integration in unser Land bemühen."

Gilt das auch für die Verletzten und Angehörigen der Opfer?
Wären die fröhlich und erleichtert, wenn sich herausstellen sollte, daß sie nur von einem normalen Irren und keinem Muslim massakriert wurden?
Das dachte sich vermutlich auch die in Berlin die U-Bahntreppe heruntergetretene Frau mit dem gebrochenen Arm, als sie erfuhr von einem CHRISTEN attackiert worden zu sein: „Habe ich ein Glück gehabt!“

Fairerweise will ich nicht verschweigen, daß es auch kluge und besonnene Reaktionen gibt.
Aber das sind weitgehend wieder nur die paar offiziell bekannten Atheisten, die nur in sehr wenigen FACEBOOK-Bubbles wahrgenommen werden. Michael Schmidt-Salomon passiert die meisten Facebook-Filter gar nicht erst.

 [….] Die Nachricht von der Tragödie auf dem Berliner Weihnachtsmarkt war gerade erst über die Ticker gelaufen, da wusste der Landeschef der AfD in Nordrhein-Westfalen Marcus Pretzell bereits, wer die Schuld daran trägt. Via Twitter verkündete Pretzell zu einem Zeitpunkt, als nicht einmal ansatzweise klar war, ob es sich bei den dramatischen Ereignissen an der Gedächtniskirche um einen Unfall, einen apolitischen Amoklauf oder einen terroristischen Anschlag gehandelt hatte: "Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!" Dabei übersah der AfD-Politiker allerdings, dass gerade er und seinesgleichen den Terroristen in die Hände spielen. Denn Rechtspopulisten zählen – wenn auch unfreiwillig – zu den wichtigsten Verbündeten der Islamisten im globalen Dschihad.
Die islamischen Gotteskrieger verfolgen eine perfide und bislang sehr wirkungsvolle Strategie, die in zahlreichen, u.a. im Internet verbreiteten Schriften nachzulesen ist: Da sie nicht die Mittel besitzen, die westlichen Demokratien militärisch ernsthaft zu gefährden, sollen viele terroristische Einzelaktionen die Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken versetzen und entsprechende Aversionen gegen "die Muslime" wecken, was wiederum zu einer weiteren Radikalisierung unter Muslimen führen soll.
Den Masterplan für diese Strategie hat der einflussreiche Islamist Abu Musab al-Suri in seiner 1.600-seitigen Propagandaschrift "Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand" dargelegt. Darin heißt es: "Wenn wir zwölf Angriffsteams in der gesamten islamischen Welt bilden könnten und jedes dieser Teams würde eine Operation im Jahr ausführen, dann gäbe es jeden Monat einen Angriff. Wenn sie zwei Operationen schaffen, wäre das alle fünfzehn Tage ein Angriff." [….][….][….]