Freitag, 13. November 2015

Moralischer Totalzusammenbruch



Die Theodizee-Frage gibt es seit 2.000 Jahren, ohne daß ein einziger Kleriker darauf eine Antwort gefunden hätte.
„Auschwitz hat die Nicht-Existenz Gottes bewiesen“ lautet die Theodizee-Kurzversion.

Es passieren jeden Tag genügend Grausamkeiten, die die Nicht-Existenz eines „lieben Gottes“ unzweifelhaft determinieren; man denke nur an die 20.000 jeden Tag elend an Hunger krepierenden Kinder, während Franzls Topp-Religioten in Saus und Braus leben.

Das Besondere am Holocaust war unter anderem die Tatsache, daß die ihm zu Grunde liegende antisemitische Ideologie so perfekt zur christlichen Kultur passte – ist doch die tiefe Judenfeindschaft eine zentrale Lehre der Kirchen.

So konnte es kommen, daß die etwa 600.000 Menschen, die direkt an der Tötung von sechs Millionen Juden beteiligt waren, alle Christen gewesen sind.

So konnte es kommen, daß sich die evangelische Kirche durch fanatische Verehrung Hitlers profilierte.

So konnte es kommen, daß der Papst im fernen Rom niemals öffentlich gegen die Judenvernichtung Stellung bezog, Hitler NICHT exkommunizierte, sondern ausdrücklich die Angehörigen der Roten Armee, welche Auschwitz befreiten kollektiv exkommunizierte.

Das ist ein in sich logisches Verhalten, denn schließlich ist es GOTT selbst, der eindeutig in der Bibel erklärt, daß er Juden nicht ausstehen kann.

Selbst für die Juden, die sich von ihrer alten Religion abwendeten und nun Jesus folgten, fand Gott/Jesus/der Heigei vernichtende Worte. Sie sind Kinder des Teufels – soweit der unfehlbare Jesus.

   31 Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger 32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
   33 Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Samen, sind niemals jemandes Knecht gewesen; wie sprichst du denn: "Ihr sollt frei werden"? 34 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. 35 Der Knecht aber bleibt nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibt ewiglich. 36 So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.
37 Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn meine Rede fängt nicht bei euch. 38 Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so tut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt. 39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. 40 Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. 41 Ihr tut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren, wir haben einen Vater, Gott. 42 Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43 Warum kennet ihr denn meine Sprache nicht? Denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören. 44 Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselben. 45 Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht.
(Johannes 8)

Auch Jesu Nachfolger, der Kirchen-Gründer Paulus stellt unzweideutig fest, wie Jesus über Juden dachte.

Die Bibel ist die Wurzel des Übels. Noch im Neuen Testament, der „Frohen Botschaft“ heißt es:

14 Denn, Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa gleich geworden, die sich zu Christus Jesus bekennen. Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden.   15 Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen;  16 sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen. (1, Thess, 2)

 Antisemitismus ist tiefsitzend und omnipotent. Eingeschrieben in die Abrahamitische DNS kann er sich quasi jederzeit bahnbrechen.

Der Initiator und Antreiber des Holocausts hatte also durchaus berechtigte Gründe sich auf die Bibel zu beziehen.

»Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher.«
Adolf Hitler

Der Vatikan wertete Hitlers Diktatur mit dem ersten großen internationalen Vertrag auf; dem berühmt-berüchtigten Hitler-Konkordat, an dem die RKK heute noch ungeniert festhält.

Echte Reue empfindet man offenbar auch über 70 Jahre später noch nicht.
 Das machte Papst Ratzingers Sympathie für die antisemitischen FSSPX-Holocaustleugner offensichtlich. Woytila hatte die vier Pius-Bischöfe samt ihrer hetzenden Epigonen bereits exkommuniziert, Ratzinger holte sie wieder zurück in seinen Schoß.
Ein echtes offizielles Schuldbekenntnis der RKK gibt es immer noch nicht.

[….] Ein vatikanisches Schuldbekenntnis zum Schweigen über die Shoa und eine Vergebungsbitte für die Diplomatie Pius XII. sind überfällig. Davon aber ist im Vatikan keine Rede.
Siebzig Jahre nach dem Ende der Shoa wäscht der Vatikan immer noch seine Hände in Unschuld. Zu bedauern gebe es nichts – im Gegenteil. Pius XII. habe so viele Juden gerettet wie kein anderer und er habe seine Stimme erhoben gegen den Vernichtungswahn der Nazis. Er sei einer der großen Gerechten dieser Welt. [….]
Wie selbstgerecht argumentiert wird, lässt sich in der einzigen Verlautbarung Roms zur Shoa aus kirchlicher Sicht gut nachlesen. Das Dokument mit dem gewichtigen Titel: „Wir Erinnern. Eine Reflexion über die Shoa“ (1998) will nur „einige christliche Kreise“ für den Antijudaismus in der Geschichte verantwortlich sehen. Sie hätten gewisse Aussagen im Neuen Testament irrig ausgelegt. Die „Kirche“ habe daran keinen Anteil gehabt – das wird eigens betont.

[….] Es gibt reichlich Stoff zur Gewissenserforschung; zum Beispiel:

– Statt sich den hellsichtigen und eindringlichen Weckruf der Jüdin Edith Stein Anfang April 1933 zu Herzen zu nehmen, ignorierte man sie und schloss überstürzt ein Konkordat mit Hitler einige Wochen später. [….]

– Statt das machtvolle Wort: „Geistlich sind wir alle Semiten“ des alten Papstes Pius XI. im September 1938 aufzugreifen und als Speerspitze gegen die neuen Rassengesetze Mussolinis zu verwenden, verhinderte Pacelli dessen Veröffentlichung in vatikanischen Medien und sorgte für eine Tilgung des Wortes im Fundus päpstlicher Lehräußerungen. Die Kurie und die Päpste heute sind der Peinlichkeit ausgesetzt, dass sie auf eine fremde, außervatikanische Quelle verweisen müssen, wenn sie das Semiten-Wort Pius XI. selbstbewusst zitieren.

– Statt sich im Namen Jesu über die brennenden Synagogen zu empören, angezündet am Abend des weltweit begangenen hohen Festtages der Kirche zur „Mutter aller Gotteshäuser der Stadt Rom und des Erdkreises“/Lateranbasilika, gab es nach Wochen des Schweigens neuerlich einen Versuch gütlichen Einvernehmens zwischen Rom und Berlin. [….]

– Statt am Vorabend des Weltkrieges die vorbereitete Anti-Rassen-Enzyklika Pius XI. zu veröffentlichen, in der jedes Drangsalieren und Verfolgen von Juden gegeißelt wurde, begrub Pius XII. als frisch gewählter Papst das Projekt. [….]

– Statt den diabolischen Genozid am europäischen Judentum öffentlich anzuprangern, den Gläubigen das Gewissen zu schärfen, sich schützend vor die Juden zu stellen und Widerstand zu leisten, getreu dem päpstlichen Hüter- und Wächteramt, gab es die Diplomatie des Schweigens, der Zurückhaltung und pedantischer Neutralität. [….]

– Statt die Juden seiner eigenen Bischofsstadt Rom vor der drohenden SS-Razzia im Herbst 1943 zu warnen, sie während der Razzia zu verteidigen, zu schützen und vor der kollektiven Ermordung zu retten, verschanzte sich Pius XII. hinter der scheinbar diplomatischen Notwendigkeit kein Aufsehen zu erregen und Berlin in Ruhe zu lassen.
Der Todeszug verließ die Ewige Stadt in Richtung Auschwitz ohne päpstlichen Widerstand. Es gab auch kein Wort des Trostes an die Hinterbliebenen, kein Missfallen gegenüber deutschen Stellen in Rom oder Berlin, nicht einmal eine unverdächtige Meldung im „L‘ Osservatore Romano“. [….]

Neben Jesus ist vermutlich Martin Luther, die Ikone der Protestanten, der berühmteste Antisemit der Weltgeschichte.

Sein abstoßender und eliminatorischer Judenhass wirkte so nachhaltig, daß sich die Nazis beim Holocaust ausdrücklich auf ihn bezogen.

Käßmann findet Luther toll.

Protestanten haben nach Ansicht der Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, viele Gründe, 2017 ein großes Reformationsjubiläum zu feiern.
Der Reformator Martin Luther habe Entscheidendes für die Sprachfähigkeit der Kirche, die Bildung und die Freiheit des Glaubens geleistet, sagte Käßmann am Freitag in Stuttgart beim "Kleinen Kirchentag". [….]

Luthers 7-Punkte-Plan zur Judenverfolgung: Originaltext
1.
"Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien"
2.
“Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande“
3.
“Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird“
4.
“Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren“
5.
“Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe“
6.
“Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren“
7.
“Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen“
(Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen)

Es ist und bleibt eine Schande ersten Ranges, daß sich die protestantischen Kirchen nicht entschieden von diesem Apologten des Hasses distanzieren und immer noch stolz an jeder dritten Kirche „Lutherkirche“ prangen haben.

Darum wisse Du lieber Christ und zweifle nicht daran, daß Du nähest dem Teufel keinen giftigeren, bittereren, heftigeren Feind hast, denn einen rechten Juden.
(Martin Luther)


Die unerträgliche Schuld und Schade, die auf der Evangelischen Kirche lastet, zeigt sich heute dreifach:

1.)
Es dauerte sage und schreibe voll 70 Jahre nach 1945 bis sich die EKD überhaupt dazu bequemte ihre Mitschuld am Judenmord und der treibenden Kraft Luther einzugestehen. Volle 70 Jahre verstreichen zu lassen, ohne tätig zu werden, ist nur einer gänzlich unmoralischen Organisation möglich.

2.)
Immer noch relativieren die Evangelen die Schuld Luthers und wollen sich nicht von ihm distanzieren. Käßmann und Co weisen immer wieder darauf hin, daß Luther erst in seinen späteren Jahren so extrem eliminatorisch schrieb. Früher hätte er die Juden nur als normale Minderwertige und Ungläubige betrachtet.
Er sei allerdings von ihnen enttäuscht worden, da sie nicht zum Christentum à la Luther konvertieren wollten. Erst dadurch sei Luther zum Hassfanatiker geworden.
Käßmann, Huber und Bedford-Strom versuchen also tatsächlich Judenhass ein wenig zu relativieren und fügen damit gleich noch sekundären Antisemitismus heutiger Prägung hinzu: Waren die Juden nicht irgendwie auch ein bißchen SELBST SCHULD, weil sie sich nicht missionieren ließen?

3.)
Noch 70 Jahre nach dem Holocaust kann sich die EKD nicht dazu durchringen sich von der Judenmission zu distanzieren.
Es gäbe einfach zu starke Kräfte in der EKD, die Juden nicht tolerieren und stattdessen missionieren wollten, entschuldigte sich Präses Irmgard Schwätzer.
Ein bißchen Judenfeindschaft muss also noch sein; mindestens zwei Jahre.
Unfassbar!

Bis 2017 werde die evangelische Kirche außerdem ihre Haltung zur umstrittenen Judenmission klären, kündigte Synodenpräses Irmgard Schwaetzer zum Abschluss der Jahrestagung des Kirchenparlaments an.
Zum Auftakt der Synode hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, von der evangelischen Kirche eine deutliche Distanzierung von der Judenmission gefordert. Dieses für die Juden sehr wichtige Thema werde in der Kundgebung der Synode "leider sehr vage" behandelt, sagte Schuster.

Ob Antisemitismus wirklich schlecht ist, kann die Offizielle deutsche evangelische Kirche im Jahr 2015 also immer noch nicht sagen.
Man stelle sich vor, so würde sich irgendein anderer Verein äußern.
Der Kirche gehört sofort der Status der Gemeinnützigkeit entzogen und selbstverständlich müssen alle Vertreter dieser Horrororganisation sofort aus sämtlichen öffentlichen Gremien entlassen werden.

Donnerstag, 12. November 2015

Besserwisserei



Der Manichäismus ist die vom persischen Religionsstifter Mani (* 14. April 216 in Mardīnū; † 14. Februar 276 oder 26. Februar 277 in Gundischapur) inspirierte dualistische Weltreligion.
Mani stammte aus frühchristlichen Kreisen und hatte einige göttliche Offenbarungen, nach denen er die bereits bestehenden Religionen als einen Kampf zwischen Gott und Teufel, Gut und Böse, Licht und Finsternis weiterentwickelte.
Manis Lehren überzeugten; er wurde von den Königen seiner Zeit gefördert, schuf eine streng hierarchische Kirche und verbreitete seinen Glauben.
Schließlich fiel er aber in die Hände von Priestern des Zarathustrismus und starb im Kerker.

Mani empfand es als falsch, daß seine Religionsstifterkollegen Vorgänger Buddha, Zarathustra und Jesus nicht selbst Bücher mit ihren Lehren verfassten, so daß man sich auf sehr unterschiedlich interpretierte mündliche Überlieferungen stützen mußte.
Daher legte er alles schriftlich nieder und verfasste sieben außerordentlich prächtig und kunstvoll gestaltete heilige Schriften, von denen heute leider nur Fragmente erhalten sind:
„Das lebendige Evangelium“, „Der Schatz des Lebens“, „Pragmateia“, „Das Buch der Mysterien“, „Das Buch der Giganten“, „Briefe“ und eine Sammlung von Psalmen und Gebeten.
Manis Lehren waren sehr komplex und wurden von ihm nachfolgenden Christen systematisch diskreditiert.
Kirchen bezeichneten ihn wahlweise als Sklaven, Kannibalen und Leichenschänder, der Zauberei praktizierte und daher auf Befehl Gottes von einem Engel getötet worden sei.

„Manichäisch“ kennen wir heute eher als Adjektiv, welches eine schwarz-weiß-Sicht auf die Welt bezeichnet.

Das beste Beispiel für einen Manichäer heutiger Auffassung ist George W. Bush, der sich von den Geheimdiensten eine seiner eingeschränkten Weltsicht entsprechende „Realität“ erschaffen ließ. Schon am Abend des 11. Septembers 2001 wies er die CIA an Beweise für die Urheberschaft Saddam Husseins zu beschaffen.
Die Schlapphüte, die ihm erklären, das entspräche nun einmal nicht den Fakten wurden entlassen. Man „schuf Fakten“, die dann schließlich in der legendären UN-Sicherheitsratssitzung vom 05. Februar 2003 präsentiert wurden.
Washington verfuhr streng nach der Maxime „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ und Gegner wurden gestraft oder ignoriert.
Niemals aber akzeptiert und schon gar nicht wurden ihre Argumente zur Kenntnis genommen.
Schröder wurde zur persona non grata in der USA und so erging es auch allen anderen, die es wagten an Bushs „Wahrheit“ der Urheberschaft Saddams für den WTC-Anschlag und Iraks gewaltige Massenvernichtungswaffenlager zu zweifeln.

Manichäismus in diesem Sinne ist auch nach GWB noch weit verbreitet. Barack Obama mag Putin nicht und redet daher nicht mit ihm.
Und auch in Europa gilt zunehmend, daß der eigenen Agenda widersprechende Perspektiven ausgeblendet werden.
Russische Politiker werden einfach von Gipfeltreffen ausgeladen, ignoriert. Es gilt einzig und allein die Sicht der faschistoiden Regierung in Kiew.
Ähnlich verhält es sich mit Assad oder Rohani. Sie werden geschnitten.
Amerika ist grundsätzlich auf der Seite Netanjahus, des Saudischen Königshauses und as-Sisis.

Es gibt auch eine manichäische Sichtweise des Islams, der in vielen Medien als prinzipiell schlecht dargestellt wird – im diametralen Gegensatz zum prinzipiell guten Christentum, auf dessen angebliche Werte man immer wieder begeistert schwört. Schon das Wort „christlich“ wird extrem positiv konnotiert; Grausamkeiten bezeichnet man automatisch als „unchristliches Verhalten“.
Die Apotheose des selbstlosen guten Menschen bildet in der westlichen Welt „Mutter Teresa“, die schon in den Sprichwort-Schatz eingegangen ist.

Linke in Deutschland pflegen ihren eigenen manichäischen Kodex.
So sieht man in alternativen Stadtvierteln immer wieder „Free Tibet“-Flaggen. Der Friedensnobelpreisträger Dalai Lama wird weltweit verehrt, während die Bösen wegen der Okkupation Tibets eindeutig die Chinesen sind.
Eine andere Sichtweise, die der grausamen Mönchsherrschaft unter dem Dalai Lama mit allgemeiner Leibeigenschaft und schweren Verstümmelungsstrafen eine Befreiung durch die Chinesen entgegensetzt, passt nicht in unser manichäisches Narrativ.
Für Linke sind immer die Chinesen die Bösen, basta.
Man empörte sich darüber, daß Außenminister Klaus Kinkel den vom Dalai Lama offerierten weißen Schal verweigerte und springt vor Zorn im Dreieck, wenn der ausgewiesene China-Experte Helmut Schmidt die westliche Sichtweise der Vorgänge am Tian’anmen-Platz von 1989 bezweifelt.
Man weiß es ja schließlich alles besser als jemand, der das Land immer wieder ausführliche bereiste und engste Kontakte pflegt.
Daß Schmidt überhaupt Kontakte zu chinesischen Regierungsstellen hat, wird ihm bereits übel genommen.
Linke verhalten sich da manchmal nicht anders als GWB: Man spricht nur mit denen, welche die eigene Meinung voll unterstützen.
Ein CDU-Mitglied, ein Unternehmer oder ein Bischof muß ein schlechter Mensch sein und auch prinzipiell Unrecht haben.

Ich werde vermutlich nie emotional nachvollziehen können, wieso man sich für Kirche oder CDU engagiert.
Das bedeutet aber noch lange nicht, daß jeder CDU-Wähler, jeder Christ, jeder Chinese, jeder Iraner oder jeder Russe doof ist.
Es gibt sogar nette Amerikaner.
Möglicherweise sogar sympathische Sachsen.

Die große Gefahr des Internets 2015 liegt im Schaffen inzestuöser Informationsblasen. Man liest und hört nur noch das, was man selbst auch denkt, hält sich dadurch schnell für die Majorität und geringschätzt alles andere.
Das ist digitaler Manichäismus.

Auf Facebook gibt es immer mehr Postings des Wortlautes „Hiermit entfreunde ich alle User, die mit xy befreundet sind.“
Das ist die zweite Stufe des manichäisch-beschränkten Denkens: Ich will nicht nur mit keinen Menschen befreundet sein, die andere Meinungen haben, sondern meine Freunde dürfen noch nicht einmal jemand kennen, der anders denkt.
Daran hätte George W. seine wahre Freude.

In der Realität sind Freundschaften wesentlich komplexer, weil „Chemie“, „Pheromone“, „Gefühle“, „Erotik“, Dankbarkeit, Vertrautheit und vieles andere mehr eine Rolle spielen.
Es gibt offensichtlich sogar Fälle von Liebe oder körperlicher Anziehung unter zwei Menschen, die sich gar nicht mögen.
Freundschaften auf Abziehbilder seiner selbst beschränken zu können, ist eine fatal-manichäische Sackgasse der menschlichen Entwicklung.

Und so komme ich noch einmal auf Helmut Schmidt und seinen Freund Henry Kissinger, der über ihn sagte:

Ein, wie ich finde sehr respektvolles Lob, in dem aber auch geradezu ein Liebesbeweis steckt.
Einige linke Deppen wenden das nun gegen Schmidt und verurteilen ihn, so einen Freund gehabt zu haben.

Nun, Helmut Schmidt wollte keine Menschen um sich haben, die ihm nur zunickten. Er war stets neugierig und im Gegensatz zu vielen früh gealterten in einem kontinuierlichen Prozess des Weiterbildens befindlich.

Bis vor ein paar Jahren ging ihm leicht der schneidende Satz über die Lippen: "Der ist noch nicht erwachsen." Und darin war – wie so oft, wenn man sich über ein Verdikt besonders ärgert – auch ein Quäntchen Wahrheit enthalten. Oder er sagte: "Das können Sie nicht beurteilen, Sie haben das alles nicht erlebt", und meinte damit vor allem Krieg und Zerstörung. Einmal sagte ich: "Ja, und ich bin froh, dass ich das nicht erlebt habe, ich glaube, man kann auch anders erwachsen werden." Er hat diesen Satz dann nicht wieder verwendet. Man konnte ihm nämlich sehr wohl widersprechen – ohne dass er es übel nahm –, auch das unterschied ihn von den meisten Politikern (und Journalisten). Wer vor ihm Angst hatte und darum besonders servil auftrat, den konnte er auf eine Weise auflaufen lassen, dass man im Boden versinken wollte.

Helmut Schmidt ist doof, weil er Kissinger mochte?
Welch dumme und heftige Pauschalisierung!
Schmidt lernte Kissinger vor annähernd 70 Jahren in Harvard kennen.
Damals lag Deutschland im Trümmern und Agonie.

"Helmut Schmidt und ich trafen uns in den 50er-Jahren, als Deutschland verwüstet und isoliert war. In all den Jahrzehnten seitdem repräsentierte er für mich ein Deutschland von historischen Werten, das sich den Hauptaufgaben unserer Zeit widmete, das ein tiefes Verhältnis mit Amerika verband, aber über diese politischen Beziehungen hinaus für Freiheit und Menschenwürde stand. Und Helmut war ein Vorbild und die Welt wird ihn vermissen."

Wir würden vermutlich noch in Erdlöchern hausen, wenn die Amerikaner damals nicht großzügig den Marshallplan entwickelt hätten.
Den Deutschen wurden damals übrigens auch die Schulden erlassen.
Ein Großzügigkeit, die Deutschland später gegenüber Griechenland nie zeigte.
(Griechenland zettelte bekanntlich keinen Weltkrieg und Holocaust an.)

Natürlich war Schmidt in den 50er Jahren von der liberalen amerikanischen Großzügigkeit und der im Vergleich zu Deutschland FREIHEITLICHEN und DEMOKRATISCHEN Gesinnung beeindruckt. Insbesondere, wenn sie auch noch von einem jungen deutschstämmigen jüdischen Historiker, nämlich Henry Kissinger kam.
Daraus entwickelte sich eine 70-Jährige Freundschaft, von der Deutschland später auch sehr profitiert hat, indem sie dem Bundeskanzler Schmidt einen direkten Draht in die US-Administration ermöglichte.

Daß man sich zwischen dem Alter von 20 Jahren bis zu 95 Jahren politisch weiter entwickelt ist für intelligente Menschen selbstverständlich.
Helmut Schmidt wurde bekanntlich immer amerikakritischer.
Amerika hat sich aber in der Zeit auch entwickelt.
Und selbstverständlich entwickelte sich auch Henry Kissinger weiter von dem Pragmatiker, der den Vietnamkrieg beendete zum Falken.

Ich finde es beeindruckend, daß die beiden dennoch trotz all der Widrigkeiten den engen Kontakt hielten.
 Kissinger war Loki und Helmut ein treuer, persönlicher Freund.
Was genau sie aneinander persönlich schätzten und worüber sie privat redeten, wissen wir nicht und müssen wir auch nicht wissen.

Ich weiß aber, daß es eine absurde Vorstellung von Freundschaft ist, daß man immer einer Meinung sein müsse und sich von jemand trennt, wenn man politisch nicht mehr auf einer Linie liegt.
Das weiß man immerhin sehr genau von Helmut Schmidt: Er konnte Servilität nicht ausstehen, schätze und akzeptierte Widerspruch und war sogar ganz besonders an entgegengesetzten Meinungen interessiert.

Darin unterschied er sich fundamental von seinem Nachfolger, der nur Ja-Sager um sich duldete.

Mittwoch, 11. November 2015

Der Minusmann – Teil XIII


Wenn man sich so wie ich in den letzten 24 Stunden noch einmal intensiv mit Helmut Schmidt beschäftigt hat, ist es umso brutaler sich zu vergegenwärtigen was für eine lächerlich-feige Figur Angela Merkel ist.
Sie achtet nur auf ihre eigen Zustimmungswerte, lässt jede Woche vom Bundespresseamt ausführliche Umfragen erstellen, die ihr vorgeben, was dem Volk am wenigsten weh tut.
In erbärmlicher Weise larviert sich die gegenwärtige Bundesregierung durch die Flüchtlingskrise, wagt es nicht Klartext zu sprechen und ist völlig unfähig Lösungen zu erarbeiten.
Und all das, obwohl die Flüchtlinge ein Glück für Deutschland sind. Sie verursachen schon jetzt Wirtschaftswachstum.
Man könnte als Regierungschef eine programmatische Rede an das Volk halten, in der Pflichten, Notwendigkeiten und Pläne mit voller Kanzler-Autorität vorgetragen werden.
Wenn man Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder wäre.
Merkel hingegen taucht unter und versucht sich möglichst lange ohne irgendwelche Entscheidungen durchzumogeln.
Sie kann und will nicht.
 Daß sie das von Helmut Schmidt einst aufgebaute Erfolgsmodel vom gemeinsamen deutsch-französischen Handeln ruiniert hat, rächt sich jetzt.

Die Koalition befindet sich zwar im Kommunikationschaos, aber das Signal ist bereits jetzt glasklar: Deutschland macht dicht. Wie die Kanzlerin dazu steht, das wissen wir nicht. Hat sie inzwischen auch die Sorge, dass die deutsche Hilfsbereitschaft und -fähigkeit an ihre Grenzen geraten ist? Allein im September ließen sich in der Bundesrepublik 85.000 Syrer, 18.000 Iraker und 19.000 Afghanen registrieren. Die Stimmung in den Erstaufnahmelagern und davor wird aggressiver. Tausende schlafen in Zelten, sie haben noch nicht mal einen Asylantrag gestellt. In der Union wächst die Sorge um die Mehrheit und vor der AfD. Und in der EU ist kaum jemand bereit, den Deutschen zu helfen.

In dieser Lage, die schon von den ersten Kommentatoren als „Staatsnotstand“ bezeichnet wird, weil das Verfassungsorgan Kanzlerin abwesend ist, prescht der charakterlose Verfassungsminister de Maiziere vor und demontiert nach Belieben die eigene Kanzlerin  - und nebenher noch die Ethik des Regierungshandelns insgesamt.

Langsam mache ich mir Sorgen um Angela Merkels Halswirbel.
Werden die nicht langsam in Mitleidenschaft gezogen von dem ganzen Kopfschütteln, das ihr Thomas de Maizière verursacht?

Unglaublich, dieser Thomas de Maizière.
Völlig schmerzfrei. Immer und immer wieder der dreistesten Lügen überführt, als ausländerfeindlicher Hetzer peinlich aufgefallen und politisch so unfähig, daß sogar die ihm zu tiefer Dankbarkeit verpflichtete Merkel ihn partiell entmachten mußte, weil er so offensichtlich überfordert ist in seinem Job.

Jeder Politiker mit einem Funken Anstand und Ehrgefühl würde nun zurücktreten, oder aber sich zumindest ganz fürchterlich schämen.
Da ohnehin Peter Altmaier de Maizières Job mitmacht, sollte sich der Innenminister, wenn er schon drei Liter Superkleber auf seinen Ministersessel gegossen hat, still und unauffällig verhalten.
Aber nein, de Maizière denkt sich sofort eine neue perfide Gemeinheit aus.

Der Innenminister verstört nicht nur durch Lügen, Heucheln und Hetzen; nein er generiert auch durch demonstratives Nichtstun Probleme und bekommt zunehmend seine destruktive Ader nicht unter Kontrolle.
Seit Merkel ihn entmachtete, steht ihm offensichtlich der Sinn nach neroesken Handeln. Nun will er auch die Bundesregierung insgesamt schlecht aussehen lassen.

De Maizières neuester Streich: Kriegsflüchtlinge sollen gar nicht mehr nach Deutschland gelassen werden. Das Dublin-Verfahren soll es richten.
Nun wälzt der Innenminister der Unmoral das Problem auf die südöstlichen EU-Länder mit EU-Außengrenzen ab.

Chaostage in der Flüchtlingskrise, Teil Zwei: Wenige Tage, nachdem eine Entscheidung von Bundesinnenminister Thomas de Mazière (CDU) für Verwirrung und Streit in der großen Koalition gesorgt hatte, wartete sein Haus am Dienstag mit einer neuen Überraschung auf. Ein Sprecher de Maizières teilte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit, dass Deutschland das Dublin-Verfahren für Flüchtlinge wieder anwendet - und zwar schon seit dem 21. Oktober.
Die SPD reagierte irritiert auf diese Mitteilung. Dies sei im Vorfeld nicht in der Regierung besprochen worden, hieß es in der SPD-Spitze. Die Union wolle damit offenbar ein „Ordnungssignal“ setzen. Aber auch in der Union löste die Information große Überraschung aus. Selbst ausgewiesene Innenpolitiker, die wie die SPD-Kollegen während ihrer Fraktionssitzung von der Meldung erfuhren, waren nicht im Bilde.
                                                                                   
Der Minusmann handelte heimlich und obwohl die Kanzlerin ihm ausdrücklich dafür die Kompetenz entzogen hatte.
Selbst die konservative FAZ fragt sich, ob es nun zu Ende geht mit Merkel, wenn ihr die Minister derartig auf der Nase rumtanzen, ohne daß sie einen Pieps dazu sagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Flüchtlingskoordinator Peter Altmaier wären nicht über de Maizières Entscheidung informiert worden, bei syrischen Flüchtlingen wieder das Dublin-Verfahren anzuwenden, verkündete die stellvertretende Regierungssprecherin der verblüfften Hauptstadtpresse.

 Wieder sorgt ein Vorstoß von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in der Flüchtlingskrise für Unmut in der großen Koalition. Die Entscheidung, das zwischenzeitlich ausgesetzte Dublin-Verfahren auch für Flüchtlinge aus Syrien wieder anzuwenden, sei zuvor nicht mit der SPD abgesprochen worden, kritisierten am Mittwoch mehrere SPD-Politiker. „Wir werden uns auch die neueste Ankündigung von Herrn de Maizière sachlich anschauen und in Ruhe bewerten", sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel der „Passauer Neuen Presse“. „Was nicht geht, ist die Null-Kommunikation des Bundesinnenministers", sagte er weiter. „Jeden Tag ein neuer Stolperer von de Maizière erhöht nicht gerade das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Regierung."
(FAZ, 11.11.15)

Wie lange kann sich Merkel noch gefallen lassen, daß ein schon halb entmachteter Minister sie nahezu täglich der Lächerlichkeit preisgibt, indem er Entscheidungen trifft, die Merkels offiziellen Verlautbarungen widersprechen?

Die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Christine Lambrecht, kritisierte die Weisung scharf. Lambrecht sagte, mit der Rückkehr zu den damit wieder notwendigen Einzelfallprüfungen würde "das Bundesamt für Migration lahmgelegt". Außerdem gehe es um eine "Phantomdiskussion". Seit der neuen Anordnung de Maizières seien insgesamt gerade vier Flüchtlinge in ein anderes EU-Land zurückgeschickt worden.
Lambrecht sagte, es sei "sehr ärgerlich", dass derzeit nicht erkennbar sei, wer in der Union "die Zügel in der Hand hält". In diesem Zusammenhang müsse sich Bundeskanzlerin Angela Merkel Fragen nach ihrer Richtlinienkompetenz stellen lassen.
Zuvor hatte bereits die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoğuz das Vorgehen des Innenministers kritisiert. Özoğuz sagte, durch de Maizière würden "die Abläufe fast täglich chaotisiert" - erst durch seinen Vorstoß beim Familiennachzug, jetzt durch die Wiedereinsetzung des Dublin-Verfahrens für Syrer. Die Kritik von Özoğuz ist auch deshalb erstaunlich, weil sie als Migrationsbeauftragte der Bundesregierung auch Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin ist.

Undenkbar, daß solche Zustände bei einem Bundeskanzler Helmut Schmidt geherrscht haben könnten!
Der Amtseid scheint der Kanzlerin inzwischen völlig egal zu sein.

Die Grünen haben der Bundesregierung „blankes Chaos in der Flüchtlingspolitik“ vorgeworfen. Die Vorsitzende Simone Peter erklärte am Mittwoch in Berlin, das derzeitige Hin und Her schade Deutschland und den Asylbewerbern. „Es ist weder hinnehmbar, dass Syrern der Familiennachzug verweigert wird, noch dass sie nach dem Dublin-System zurückgewiesen werden sollen“, sagte Peter. „Der Versuch, das gescheiterte Dublin-Verfahren wiederzubeleben, ist inhumaner Irrsinn.“ Denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sei „jetzt schon unterbesetzt und überlastet, es braucht keinen zusätzlichen Bürokratie-Aufwand, sondern endlich einfachere Verfahren und mehr Personal“.
(dpa, 11.11.15)

De Maizière und seine braunen CSU-Brüder im Geiste haben es inzwischen so weit getrieben, daß sich sogar die raffgierige katholische Kirche schaudernd abwendet von ihnen.

In der katholischen Kirche macht sich Widerstand gegen die Flüchtlingspolitik der CSU breit. 45 Ordensobere haben sich am Mittwoch in einem offenen Brief an Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gewandt. Darin werfen sie der Staatsregierung eine verfehlte Politik und eine unangemessene Rhetorik vor. "Wir fühlen uns vom dem, was die CSU in der Flüchtlingskrise tut und sagt, nicht mehr repräsentiert", sagt Franziskaner-Schwester Mirjam Schambeck aus Würzburg, die den Brief mitinitiiert hat.
Ende Oktober war Schambeck mit Schwestern und Brüdern in Würzburg zusammengekommen. Für ihre Idee eines offenen Briefes bekam sie Zustimmung aus vielen Klöstern des Freistaats. "Wir waren uns in der Sache schnell einig", sagt Schambeck. Vor allem die Sprache der Politiker ist einer der Kernpunkte des Textes: "Wir appellieren an Sie, dringend von einer Rhetorik Abstand zu nehmen, die Geflüchtete in ein zwielichtiges Licht stellt", heißt es darin.

Anstand, Gewissen, Pflichtgefühl – all das was Helmut Schmidts Regierungszeit ausgemacht hatte, sind für den Minusmann im Innenministerium und seine Parteifreunde keine Maßstäbe.
Sie mäandern erratisch hin und her. Ihre Hosen sind stets voll, weil sie nur auf Umfragen schielen und noch nicht mal über Rudimente von Rückgrat verfügen.
Stattdessen pushen sie lieber den Rechtsextremismus.

"Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik", sagt Artikel 65 des Grundgesetzes. Die Verfassungswirklichkeit im Kabinett Angela Merkels sieht in diesen Tagen anders aus. [….]  Spätestens aber als am Sonntagabend Wolfgang Schäuble live im Fernsehen auftrat und dem gerade vom Kanzleramt zurückgepfiffenen Innenminister den Rücken stärkte, war klar, dass Angela Merkel die Federführung in der Flüchtlingspolitik verloren hatte.
[….]  Der Familiennachzug ist dabei zu dem unseligen Symbol geworden, auf das all diejenigen gewartet haben, denen der Kurs der Kanzlerin zu weich, zu menschelnd, zu unentschlossen war. [….]  Der Grundsatz, der in den letzten Tagen geopfert wurde, ist das Versprechen der Kanzlerin, denen auch weiterhin zu helfen, die in echter Not nach Deutschland kommen und dabei keine politischen Versprechen zu machen, die nicht eingelöst werden können. Wer - wie Innenminister de Maizière - insinuiert, der Familiennachzug führe quasi automatisch zu einer Verdrei- oder Vervierfachung des Zustroms, täuscht die Öffentlichkeit über die Tragweite eines Anspruchs, der sich tatsächlich allein auf Ehepartner und minderjährige Kinder beschränkt. Die Beschränkung des Familiennachzugs kann nicht - wie versprochen - Hundertausende von der Flucht abhalten, wohl aber hunderte oder tausende Frauen und Kinder auf die Boote im Mittelmeer und die Balkanroute treiben.
Wer es einem jungen Mann, der der Rekrutierung durch Assads Armee, Rebellentruppen oder den IS entronnen ist, verwehren will, seine Frau und Kinder zu sich zu holen, braucht nicht lange über christliche Menschenbilder, Familienwerte und Integrationsangebote zu reden. [….]