Donnerstag, 14. November 2019

Unsere tägliche Schuld.

Wenn ich eins nicht leiden kann, dann sind es Hundehalter oder Katzenbesitzer, die sich öffentlich als die weltgrößten Tierfreunde inszenieren, sämtliche soziale Medien mit den Bildern ihrer vierbeinigen Lieblinge zuspammen, sich bei Demos gegen Leinenzwang und Hundesteuer echauffieren und gleichzeitig pausenlos zu Lidl und Aldi rennen, um sich mit Billigfleisch einzudecken.
Wer dreimal am Tag Fleisch isst, Currywurststände ansteuert, von März bis Oktober jeden Tag grillt, kann kein Tierfreund sein – egal wie sehr sein Herz an seiner Fußhupe hängt.

(….) Als in den 1980er Jahren weltweit die Empörung über das Totprügeln (das Fell sollte keine Einschusslöcher haben) von Robbenbabys hochkochte, konnte diese Form der Robbenjagd deswegen gestoppt werden, weil die niedlichen runden Babys mit dem weißen Fell und den Knopfaugen über das perfekte Kindchenschema verfügten. Vorher-Nachher-Bilder mit den blutigen abgezogenen Robbenkörpern waren ein so krasser Gegensatz, daß kaum ein Auge trocken blieb.

Gleichzeitig wurden viel mehr Haie brutal abschlachtet – 100 Millionen Exemplaren jährlich werden bei lebendigen Leib die Flossen abgeschnitten, um sie dann immer noch lebendig zum elenden Verrecken zurück in den Ozean zu werfen.
Haifleisch schmeckt nicht besonders gut.
Im Gegensatz zu Robben verfügen sie auch nicht über kuscheliges Fell.
Haie haben ein Mundwinkelproblem. Die Mundwinkel sind nach unten gerichtet, so daß sie für den Homo Sapiens grimmig aussehen, während Delphine mit ihren nach oben gebogenen Mundwinkeln immer zu lächeln scheinen und uns gleich sympathisch sind.
Dabei sind Delphine als Warmblüter gefährlichere Jäger als Haie, sie verbrauchen wesentlich mehr Nahrung pro Kg Eigengewicht.

Thunfische, höchst beeindruckende Jäger haben sogar eine noch viel schlechtere PR-Abteilung. Niemand stört es, wenn sie in riesigen Netzen umkommen, obwohl sie in vielen Meeren bereits vom Aussterben bedroht sind. Aber wehe, es befindet sich ein Delphin als „Beifang“ unter ihnen. Da drehen die Tierschützer durch. (….)

Es ist leicht sich über grausame Bilder aus Tierversuchslaboren zu echauffieren, empört auf widernatürlich gehaltene Zirkustiere zu reagieren und die Lebensbedingungen der armen Piepsis in Hühnermastbetrieben anzuprangern.
Die Mehrheit der Menschen möchte nicht, daß Kühe und Schweine übermäßig grausam tagelang bei Lebend-Tiertransporten zu den Großschlachtern leiden.
Sie sind glücklich über die wackeligen Handy-Videos, auf denen freiwillige Helfer arme süße Robben von alten Fischernetzen befreien, freundliche junge Touristen auf dem Rückenpanzer liegende Karettschildkröten umdrehen und zurück ins Meer schieben.
Es ist nahezu Mainstream sich über das Stiertreiben in Pamplona zu ärgern,  hämisch auf von Stieren verletzte Toreros zu reagieren oder Hobbyjäger auszulachen, die sich in ihrer tumben Doofheit gegenseitig über den Haufen schießen.

In den 1980er boykottierte jeder, den ich kannte Nizza-Salat; weigerte sich generell Thunfisch zu essen, weil wir alle die grausamen Bilder gesehen hatten wie beim Thunfisch-Killen Delphine als Beifang in die Netze gerieten und darin ertranken.
Erst als sichergestellt war, daß Thunfisch ohne tote Delphine zu bekommen war, aß man ihn wieder.
Und die armen Thunfische?
Ähnlich inkonsequent-dümmlich rollte damals eine Kampagne durch das Land, die es sich zum Ziel gemacht hatte das Essen von Hunden zu verbieten.
Der Hintergrund war, daß es in entlegenen Gegenden Süd- und Ostdeutschlands, Österreichs und der Schweiz durchaus üblich war einen alt gewordenen Hofhund irgendwann zu schlachten.
Katzen wurden als sogenannter Dachhase lange Zeit zubereitet.

[….] Allerdings gab es auch in Gebieten, in denen die Bevölkerungsmehrheit kein Hundefleisch aß, Regionen, in denen regelmäßig Hunde verspeist wurden. Beispiele dafür sind das Appenzeller- und das Bündnerland in der Schweiz oder einige sächsische Städte. Offiziellen Angaben zufolge wurden in den Jahren um 1900 in Chemnitz durchschnittlich 226, in Dresden 136 und in Zwickau 58 Hunde jährlich geschlachtet. […..]
(Wikipedia)

Tatsächlich wurde 1986 von der Kohl-Regierung ein Gesetz erlassen, das den Verzehr und Hunden und Katzen verbot.
Tierfreund war zufrieden. Der ekelhafte Brauch hatte ein Ende und man biß wieder herzhaft das Würstchen aus Schlachtabfällen.

  Diese Inkonsequenz ist für mich unerträglich.
Wie kann jemand, der dem Leben eines Hundes so viel Wert beimisst, daß generell verboten wird ihn zu essen gleichzeitig ein Schwein, eine Gans oder ein Kalb als ethisch wertlos ansehen?

Es wird doch eher umgekehrt ein Schuh draus. Das nur zum turboschnellen Mästen gezüchtete Schwein hat ein viel kläglicheres Leben, als der Hofhund, der zumindest neun, zehn, elf schöne Jahre, also ein ganzes Hundeleben hatte, bevor er altersschwach in den Kochtopf kam, um aus ihm dubiosen Salben zu gewinnen.

Ich bewundere meine vegane Friseurin für ihre Konsequenz.
Niemals würde sie einen Kaffee trinken, in dem eine Spur Kuhmilch ist, Gebäck anrühren, das womöglich Butter enthält oder gar Lederschuhe tragen.

Meine Essgewohnheiten zwinge ich niemanden auf und verlange keine radikale Umstellung.
In meiner Idealvorstellung halten kleine Biobauernhöfe ein paar Kühe, die glücklich und frei auf saftigen Almwiesen wie in der Werbung herumlaufen, vom Bauern liebevoll gekrault, gebürstet und umsorgt werden. Sie trotten ganz gemächlich selbst zum Melken, wenn sie Lust haben.
Ich würde den Käse aus der so gewonnenen Milch kaufen. Stirbt so eine völlig zufriedene Milchkuh eines Tages eines natürlichen Todes, wäre es unsinnig den Kadaver zu begraben.
Im Gegensatz zu Veganern würde ich in diesem Fall befürworten aus der Kuhhaut Lederschuhe anzufertigen und wer mag, soll auch das Fleisch essen dürfen.

In der Realität gibt es aber so gut wie keine solchen glücklichen Kühe, sondern grotesk getunte Turbo-Kühe.


Der Grund für das brutale Multimillionenfache Leid in Kuh- und Schweinestall ist aber nicht das Fleischessen an sich, sondern der enthirnte Billigwahn der Massen.
Wer dauernd im Discounter Fleisch kauft, aber so gut wie kein Geld ausgeben will, erzwingt die abartigen Methoden in der Tiermast, die inzwischen weltweit ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen ausmachen.

[…..] 4,1 Millionen Milchkühe, 26 Milliarden Euro Umsatz: Deutschlands Milchindustrie ist die größte in der EU. […..] An die toten Kühe gewöhnt man sich. An aufgedunsene Bäuche, glasige Augen und rote Zungen, die quer aus dem Maul hängen, an das Wasser, das aus den Körperöffnungen läuft. Ja sogar an den Geruch, süßlich faul, so als hätte man einen Topf Gemüsesuppe wochenlang in der Sonne stehen lassen
Aber die toten Kälber, sagt Tadjana Lenhard, die vergisst man nicht so leicht. […..]
Lenhard, 50 Jahre alt, kastanienfarbenes Haar, grüner Blaumann, mag die Ruhe am Morgen. […..] Lenhard wirft nur selten einen Blick auf das Navigationsgerät. Seit mehr als zehn Jahren sammelt sie in der Gegend tote Kälber, Kühe, Schweine, Ferkel ein. Manchmal auch Pferde, Wildschweine, Schafe. Sie kennt die Wege, sie kennt die Bauern. Montags bis freitags fährt sie übers Land und lädt die Kadaver in der Tierkörperbeseitigungsanlage ab. Dort werden die Tiere verbrannt und zu Tiermehl verarbeitet. [….] [….]

Die deutsche und die europäische Landwirtschaft ist eine Killer-Wirtschaft. Sie macht krank, zerstört die Lebensgrundlagen in Afrika, vergiftet unsere Böden, ruiniert das Klima, schafft tödliche Antibiotika-Resistenzen.

[…..] Eine vorausschauende Politik hätte längst verhindert, dass zu viel Gülle auf den Feldern unser Grundwasser verseucht. Stattdessen musste erst die EU-Kommission mit hohen Strafzahlungen drohen. Dann passte Berlin die Düngeregeln zu halbherzig an und besserte deshalb noch mal nach. […..] Eine verantwortungsvolle Politik müsste sie jetzt auf die Herausforderungen der Klimakrise vorbereiten. Schließlich kommt aus der Landwirtschaft ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen – allein die Klimagase aus der Tierhaltung entsprechen den Emissionen des Verkehrssektors. Die Klimaziele sind nur mit weniger Fleischproduktion zu erreichen. […..]

Bauern sind in Deutschland so ziemlich die konservativste Bevölkerungsgruppe. Ob Cloppenburg-Vechta oder Niederbayern – wo es viel Landwirtschaft gibt, wählt man schwarz.
Bauern sind aber keine grundsätzlich schlechten Menschen und könnten auch nachhaltig und gesund produzieren.
Das tut gegenwärtig aber nur eine Minderheit der Bauern, weil zwei Faktoren dagegen sprechen:

1.) Die katastrophal verfehlte Agrarpolitik Brüssels und insbesondere der erbärmlichen Lobbypolitikerin Klöckner.

(….) Julia Klöckner entwickelte sich in atemberaubender Geschwindigkeit zur willigen Erfüllungsgehilfen der systematischen Tierquälerei.(….)

2.) Die völlig verdummten Verbraucher, die in ihrem Billigwahn Biobauern strafen und die gigantischen Tierleidbetriebe fördern.

(…..) Sicher, auch Fleischesser könnten mehr Druck auf die Mastbetriebe und Schlachthöfe ausüben, indem sie höherpreisiges Biofleisch kaufen würden.
Nie war Fleisch so billig und nie aßen Deutsche so viel Fleisch. Daran sind Verbraucher und Anbieter gleichermaßen beteiligt.
Würde das ganz billige Zeug nicht wie verrückt gekauft, könnten sich die Produzenten auch umstellen, um Kühen und Schweinen ein etwas artgerechteres Leben zu bieten.

Wenige Menschen haben viel Appetit auf ein Grillhuhn während sie die unfassbar grausamen Bilder aus den Hühnerfabriken sehen.

Aber man muss kein schlechter Mensch sein, um diese Schockbilder auch ganz schnell wieder zu vergessen und am nächsten Morgen doch wieder gegrillte Hähnchenbrust zum Frühstück zu bestellen.
Wir Menschen sind Verdränger; weltmeisterliche.

Ja, es gibt immer wieder die Horrorvideos aus der Schweinemast, aber nur wenige reagieren konsequent darauf.

Wenn auf die Vernunft der Verbraucher kein Verlass ist, kann man immerhin noch auf die Politik hoffen, die manchmal das Volk in die richtige Richtung zwingen muß. (….)

Wenn ich mich als Vegetarier in einen Fleischesser hineindenke, der nicht unendlich reich ist, stelle ich mir vor, es wäre viel schöner lediglich einmal in der Woche einen Braten zu essen, der dann aber besonders gut schmeckt, frei von Anabolika und Antibiotika ist, der nicht von Wasser aufgeschwemmt beim Braten um 2/3 schrumpft und für den die Kreatur nicht durch betäubungslose Kastration extra gequält wurde.
Da unterliege ich aber offenbar einem großen Irrtum. Der ganz großen Mehrheit der Fleischesser ist die Qualität völlig egal. Sie wollen nur Quantität, also billig. Sie nehmen in Kauf gammeliges Schimmelfleisch, Pferde-Schlachtabfälle oder Listerienwurst von Wilke zu fressen, wenn sie nur so preiswert ist, daß man sich auch dreimal am Tag den Magen damit vollschlagen kann.

[…..] Viele von uns greifen im Supermarkt zum günstigsten Gemüse und zum Billigfleisch, kritisieren aber gleichzeitig die Landwirte für ihren hohen Pestizideinsatz und die Massentierhaltung. […..] Aber: Die Verantwortung für Umwelt und Klima tragen wir gemeinsam, die Bauern sind ebenfalls in der Pflicht. Den Schwarzen Peter hin- und herzuschieben, hilft nicht weiter. Es ist Aufgabe der Politik, mit klaren Regeln eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu organisieren. […..] Dazu gehört etwa, Verstöße gegen das Tierschutzgesetz nicht länger durchgehen zu lassen: Kükenschreddern oder das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln müssten längst verboten sein. Und dazu gehört auch, mit einem verpflichtenden Fleisch-Siegel für Klarheit zu sorgen, ob das Kotelett im Supermarkt von einem Schwein stammt, das sein Leben auf einem Dreiviertelquadratmeter Stallfläche mit nackten Betonspaltenböden gefristet hat. Oder ob es Auslauf im Freien und Stroh zum Wühlen hatte.
Um eine verantwortungsvolle Entscheidung zu fällen, sollten Verbraucher wissen, dass sie tierquälerische Haltung in Kauf nehmen, wenn sie beim Fleisch sparen. Tatsächlich lässt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aber nichts unversucht, die Haltungsbedingungen zu verschleiern. Sie will ein weiteres freiwilliges Label in den Markt drücken. Das stiftet nur Siegel-Wirrwarr. […..]

Es ist wie in dem Gleichnis von dem Vater, der seinen Mercedes so liebt, daß er stundenlang im Internet nach dem besten Motoröl recherchiert, das er sich auch mal 100 Euro den Liter kosten lässt. Auf dem Weg nach Hause bei Kaufland stoppt, um das billigste Speiseöl für 79 Cent den Liter zu kaufen. Das landet ja nur in den Mägen seiner Kinder. Da ist Qualität irrelevant.

Mit solchen Verbrauchern haben es CDU-Landwirtschaftsministerinnen und Agrar-Großlobbyisten natürlich leicht.

[…..] Tatsächlich ist das Umdenken bei den Konsumenten bereits in vollem Gange. Viele essen weniger Fleisch, kaufen öfter regional und Bio ein. Auch die protestierenden Landwirte sollten erkennen, dass sie nicht weitermachen können wie bisher. Sie müssen sich auf veränderte Konsumgewohnheiten und mehr Klima- und Artenschutz einstellen. Dabei brauchen sie unsere Unterstützung an der Supermarktkasse – aber auch als Steuerzahler. Zum Beispiel, wenn sie auf Erträge verzichten, weil sie weniger Pestizide versprühen und damit einen Beitrag zum Schutz von Insekten leisten. […..]

Mittwoch, 13. November 2019

Was ist ein Dondemir?


Manchmal hilft auch Google nicht weiter.
Wenn man den Begriff „Dondemir“ in Suchmaschinen eingibt, erhält man Links zu sozialen Profilen einiger Menschen, die so heißen. Entweder „Dondemir“ mit Nachnamen oder auch „Don Demir“.

Ich dachte spontan an einen tierischen Verwandten des Dromedars.

Als nächstes kam mir Denethor, der Herrscher Gondors in den Sinn.
Denethor II., Sohn Ecthelions II. war der 26. Truchsess von Gondor und verfügte über fast reines Blut von Númenor – im rassistischen Tolkien-Universum ein großes Plus. Tolkien verachtete Multikulti.
Denethor hatte zusammen mit seiner Frau Finduilas zwei Söhne. Den geliebten Erstgeborenen Boromir und dessen jüngeren Bruder Faranmir, dem er misstraute. Aber vielleicht sind die Überlieferungen auch einfach unvollständig und es es gibt neben Bormomir und Faramir noch einen weiteren Bruder Dondemir, von dem bisher nur die bundesdeutsche Verteidigungsministerin weiß?


Ja, man muss das Video viele Male laufen lassen, bis man ahnt, was der kleine Annegret meinte, als er bei seiner außenpolitischen Grundsatzrede am 07.11.2019 im Audimax der Universität München sprach.
Kramp-Karrenbauer, ehemalige Wissenschaftsministerin spannte den großen Bogen von „Seiba-Defenz“ bis zu „Dondemir“.


Man bekommt inzwischen regelrecht Mitleid mit der homophoben Saarländerin. Seit elf Monaten ist sie CDU-Bundesvorsitzende, seit vier Monaten Verteidigungsministerin und hat sich in der Zeit mit einer beeindruckenden Kette von Pleiten, Pech und Pannen den neuen Spitznamen „Pannegret“ erworben.
Was sie anfasst, geht schief. Galt sie noch vor einem Jahr als sehr wahrscheinliche nächste Kanzlerin, tanzt ihr inzwischen die eigene Partei so sehr auf der Nase herum, daß es ein Wunder wäre, wenn sie es überhaupt noch zur Kanzlerkandidatin bringt.
Ihr neuester Versuch eines Befreiungsschlages sollte ein neuer militärischer Kurs in der Außenpolitik werden. Mehr Bundeswehreinsätze, deutsche Soldaten für die Welt.
Hängen geblieben ist bisher aber bloß ein Streit mit dem SPD-Außenminister Maas, der dem vehement widerspricht und eben die Münchner Grundsatzrede, bei der insbesondere hängenblieb, daß ihre Englischkenntnisse um das Niveau Oettinger-Dobrindt mäandern.

Dondemir de Broggle“ soll also „Don't tell me the Problem” auf saarlenglisch heißen.
Schlimme Erinnerungen werden wach.





Ist es nicht ein bißchen billig sich über die offensichtlichen Schwächen anderer zu amüsieren?
Ich meine nein.
Wir sprechen hier über Spitzenpolitiker, die in den 1960er geboren wurden und in Westdeutschland zur Schule und zur Uni gingen.

AKK legte 1982 in Völklingen ihr Abitur ab, studierte 1982 bis 1990 Politik- und Rechtswissenschaften in Trier und Saarbrücken, erwarb einen Magistra Artium in Politikwissenschaft und Öffentliches Recht.
Sie ist mit einem Ingenieur verheiratet, war ab 2000 Landesministerin, ab 2011 Ministerpräsidentin, ab 2018 erst Generalsekretärin, dann Parteivorsitzende der CDU und schließlich ab 2019 Bundesministerin.

Natürlich gibt es Berufe, bei denen man in Deutschland gar keine Englisch-Kenntnisse benötigt, aber das sind auch die, die generell eher schlecht bezahlt sind.
Wenn man auch nur im weitesten Sinne so etwas wie Karriere im Sinn hat, muss man einigermaßen englisch sprechen können.
In vielen Jobs sind das ohnehin die Basics: Sekretärinnen, Verkäufer in Innenstadtboutiquen, Reiseverkehrskaufmann, Groß- und Außenhandelskauffrau, Taxifahrer, Hotelbranche, Gastronomie, Journalismus, Musik.
Wie man als Akademiker ohne englisch durchkommt, ist mir ein Rätsel. Das ist keine Floskel; ich verstehe es wirklich nicht. Wie kann man denn wissenschaftlich recherchieren, Quellen heranziehen, veröffentlichen?
Aber es mag ja sein, daß Menschen wie Kramp-Karrenbauer oder Oettinger unfassbar talentlos sind und daher prinzipiell nicht in der Lage sind Englisch zu lernen; so wie ich niemals ein Eiskunstläufer oder Violinen-Wunder werde?

Ich glaube aber an eine andere Theorie: AKK und Oettinger sind einfach schlechte Politiker, die sich aus Arroganz selbst überschätzen.
Es gibt bei 82 Millionen Deutschen gerade mal rund ein Dutzend Bundesminister.
Nur einer von sechs bis sieben Millionen Menschen ist Minister.
Das ist kein Allerweltsjob, sondern er verlangt Fähigkeiten. Englisch ist so selbstverständlich, daß man es gar nicht erwähnen sollte.
Und tatsächlich können auch die meisten Bundesminister mehrere Sprachen fließend. Diejenigen, die wie zum Beispiel Gerd Schröder schwach in Englisch waren oder, die wie Joschka Fischer zwar mal ganz gut Englisch konnten, die Sprache aber wieder einrosten ließen, haben sich rechtzeitig, als sie ahnten was da für ein Amt auf sie zukäme bemüht die Sprache zu lernen. Beide konnten immerhin fließend Englisch, als sie ihr Bundesamt übernahmen. Das geht, auch wenn man nicht so talentiert ist wie Willy Brandt oder Helmut Schmidt, die schon als ganz junge Männer ausgezeichnetes gebildetes Englisch konnten.
Selbst Angela Merkel, die wahrlich unter erschwerten Bedingungen anfing, weil sie aus einem Bildungssystem kam, in dem es kein Englisch gab und die dementsprechend in der Schule russisch gelernt hatte, konnte in dem Moment als sie Bundeskanzlerin wurde immerhin so gut Englisch, daß sie ohne Dolmetscher Vieraugen-Gespräche führen kann.
Das sollte auch das Mindeste sein, wenn man sich zutraut die viertgrößte Wirtschaftsmacht des Planeten zu regieren.

AKK ist mutmaßlich weniger unfähig, sondern einfach faul und versteht gar nicht was von ihr verlangt wird.

Bezeichnend dafür ist, daß ihr peinlicher „Dondemir“-Satz nicht in einem in Englisch geführten Gespräch oder aus dem Stehgreif entstand, sondern bei einer wohlformulierten, abgelesenen und lange vorbereiteten Rede auf Deutsch fiel.
Es ist ohnehin anmaßend für die Kleinkaliber-Politikerin sich mit Obama zu vergleichen, aber wenn man dann das Zitat nicht aussprechen kann, sollte man es wenigstens lassen und es gleich eingedeutscht verwenden.
Wenn sie klug gewesen wäre, hätte sie sich gar nicht die unnötige Blöße gegeben von „Seiba“ (Cyber) und „Dondemir“ zu sprechen.
Es war nicht nötig bei einer Rede an einer bayerischen Uni.

Aber nun wird es kleben bleiben. Sie hat es nicht besser verdient.

Dienstag, 12. November 2019

Grenzen des Geldes.


Die Eitelkeit des Friedrich Merz muss durch seine wiederkehrenden parteiinternen Niederlagen gegen CDU-Frauen erheblich angekratzt sein.
Ganz im Gegensatz zu seinem Selbstbewußtsein.
Der Mann, der noch nie eine Wahl gewonnen hat, nie ein Regierungsamt innehatte und bei seinen ökonomischen und politischen Prognosen immer konsequent grotesk falsch lag („Mehr Kapitalismus wagen!“ erschien 2008, kurz vor der Mega-Kapitalismuskrise), hält sich selbst für den besten Kanzlerkandidaten.
Diese groteske Selbstüberschätzung sollte von einem guten Psychiater untersucht werden.
Eine andere Frage ist es, wieso es den Blackrock-Multimillionär überhaupt in so eine mies bezahlte Anstellung wie die des Bundeskanzlers zieht.


Möglicherweise kann man mit sehr viel weniger Arbeit außerhalb der Politik viel mehr erreichen. Dazu muss man nur die Lobby-Millionen in die richtigen Taschen leiten.
Das zahlt sich hundertfach aus.
Für eine Multimilliardärin wie Susanne Klatten, die in den meisten Jahren durch bloßes Dasitzen und Ausruhen um ein bis zwei Milliarden durch ihre BMW-Ausschüttungen reicher wird, weiß ihre regelmäßigen Parteispenden in sechsstelliger Höhe an die CDU gut eingesetzt. Zumal die Spende von der Steuer absetzbar ist und letztendlich auf Kosten der Allgemeinheit geht.
Die sonst so phlegmatische Kanzlerin wird immer ganz aktiv, wenn es darum geht den steinreichen und betrügerischen deutschen Autokonzernen mehr Geld zuzuschieben.


In den USA funktioniert es noch viel besser.
Die paar Milliarden, die sich amerikanische Megareiche den Trump-Wahlkampf kosten ließen, bekommen sie tausendfach zurück.
Zwei Trillionen Dollar hat sich die US-Regierung die Steuersenkungen für die Superreichen kosten lassen. Das sind zwei Millionen Millionen. Bei einem Einsatz von ca zwei Milliarden, also 20.000 Millionen für den GOP-Wahlkampf und Lobbyspenden an die Parteirechten, ist das eine 10.000%-Rendite.


 Notorische Ausbeuter und Steuervermeider wie Jeff Bezos, der weltweit Myriaden Existenzen zerstörte, weil Amazon ohne Mieten- und ohne Steuerzahlungen alle Läden mit Service und Beratung unterbietet, sowieso seine Pack-Sklaven so mies bezahlt, daß sie sogar von rechtsextremen Aufsehern in Schach gehalten werden müssen, ist also nur konsequent, wenn er sich nicht wie Bloomberg oder Trump selbst in die Politik begibt, sondern sich die passende Politik kauft.
Der Mann ist ungeheuerlich dreist. Als reichster Erdenbewohner mit einem Vermögen von 100 bis 200 Milliarden Dollar, trägt er nicht nur nichts durch Steuerzahlungen zum Allgemeinwohl bei, sondern lässt sich sogar noch mit Milliarden aus den klammen Kommunen dafür bezahlen sich überhaupt irgendwo anzusiedeln.

Der Firmensitz des Giganten mit 650.000 Angestellten und 240 Milliarden Dollar Umsatz ist immer noch Seattle, Washington.
Da kann Herr Bezos keine renitenten Kommunalpolitiker gebrauchen, die es wagen ihm zu widersprechen oder gar an solche Ungeheuerlichkeiten wie Steuern zu denken.
Seattle, landschaftlich sagenhaft schön gelegen, war bis vor wenigen Jahrzehnten eine bescheidene Arbeiterstadt.
Aber sie ist inzwischen Sitz mehrerer gigantischer Weltfirmen:
Bill Gates‘ Microsoft, Jeff Bezos‘ Amazon, Howard Schultz‘ Starbucks, Expedia, Nordstrom, Costco und T-Mobile.
Ein gewaltiger Aufschwung setzte ein, aber die Stadtväter verhielten sich gegenüber den Superreichen so devot, daß die Bevölkerung immer mehr verarmte. Heute leben in Seattle mehr Leute als je zuvor in Zelten, weil sie sich keine Wohnung mehr leisten können. In der Stadt von Bezos und Gates ist die Obdachlosigkeit zu dem großen Problem geworden.
Dann aber geschah das Ungeheuerliche: Im Stadtrat verfielen einige Lokalpolitiker dem ketzerischen Gedanken auch von den Multimilliradenmegakonzernen, die ihre Gewinne weltweit so verschieben, daß sie gar keine Steuern zahlen, Geld zu verlangen. Egal in welchen Steueroasen sie ihre dreistelligen Milliardengewinne parken; sie könnten doch eine sogenannte Head Tax zahlen – eine Abgabe von 275 Dollar je Mitarbeiter in Seattle im Jahr an die Stadt zu entrichten.
Amazon würde das über zehn Millionen Dollar Kommunalabgabe kosten. Bei einem Gewinn von gut zehn Milliarden Dollar wären das immerhin 0,1% Abgaben an den Stadtkämmerer von Seattle.

0,1% Steuern zahlen? Viel zu viel für Bezos. Der Amazon-Chef war empört und investierte statt der zehn Millionen lieber eine Million in den Kommunalwahlkampf, um den Gegnern dieser miesen Kommunisten zum Sieg zu verhelfen.
Unglücklicherweise sind die Bewohner am Lake Washington, 150 km südlich von Kanada besser gebildet als die FOX-glotzenden Redneck-Deppen im Mittleren Westen.
Bezos verkalkulierte sich.

[….] Kshama Sawant wird auch künftig dem Stadtrat von Seattle angehören. Das ist die reine Nachricht, und sie klingt nicht besonders spektakulär - doch sie ist es: Sawant hat einen Wahlkampf geführt, der laut der Behörde Washington State Public Disclosure Commission insgesamt 2060 Dollar gekostet hat. Die Wahlkampfkasse ihres Gegners Egan Orion: 617 592 Dollar. Sie war gefüllt worden von einer Lobbygruppe der Handelskammer der Metropolregion Seattle - unterstützt von Unternehmen wie Amazon, Starbucks und Expedia.
Insgesamt hat Amazon mehr als eine Million Dollar in diese Kommunalwahl investiert. Funktioniert hat das jedoch überhaupt nicht: Sieben von neun Sitzen standen zur Wahl, aber nur zwei der von Amazon bevorzugten Kandidaten haben gewonnen - möglicherweise gerade wegen der Spenden des Online-Versandhändlers. "Wir sind gegen den reichsten Mann der Welt angetreten", sagt Sawant, die am Ende 51,6 Prozent der Stimmen bekam. "Jeff Bezos hat wirklich alles gegeben, aber unsere Bewegung hat gewonnen." [….]
 In Seattle [….]  kam die Forderung auf, dass sich Unternehmen am Kampf gegen die Obdachlosigkeit beteiligen sollten. [….]
Die Unternehmen wehrten sich gegen die Sondersteuer, vor allem Amazon. [….]
 Der Konzern drohte damit, einen geplanten Büroturm doch nicht zu errichten und einen im Bau befindlichen Wolkenkratzer nicht in Betrieb zu nehmen. Vor einem Jahr wurde das Gesetz per Referendum zurückgenommen. [….]
"Diese Wahl ist eine Botschaft an Milliardäre, an die Bauindustrie und das Establishment", sagte Gewinnerin Sawant, nachdem ihr Wahlsieg feststand. Sie selbst bezeichnet sich als Sozialistin und stilisierte die Wahl zu einem Kampf zwischen Arbeitern und milliardenschweren Unternehmern. [….]

Montag, 11. November 2019

Morallehre für Doofe.


Fabeln sind manchmal etwas plump.
Aber sie sind schließlich nicht dafür geschaffen in Hochschulseminaren analysiert zu werden, sondern um kleinen Kindern eine Lehre zu vermitteln.

Die Geschichte mit dem Skorpion, der über den Fluss möchte, existiert zum Beispiel in unzähligen Varianten:

Ein Skorpion wollte einen Fluss überqueren. Da traf er am Ufer einen Frosch und bat diesen:
„Lieber Frosch, nimm mich bitte auf deinem Rücken mit zum anderen Ufer!“
„Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn wir dann auf dem Wasser sind und du mich stichst, dann muss ich sterben“, entgegnete ihm der Frosch.
„Wie könnt ich dich stechen, dann gehen wir ja beide unter und müssen beide sterben“, antwortete der Skorpion.
Der Frosch überlegte und sagte: „Ja, da hast du wohl recht. Steig auf meinen Rücken.“
Kaum sind sie einige Meter geschwommen, spürte der Frosch einen stechenden Schmerz und er schrie: „Jetzt hast du mich doch gestochen. Wir müssen beide sterben!“
Der Skorpion: „Ja, tut mir leid. Aber ich bin ein Skorpion und Skorpione stechen nun mal!“

Die fragwürdige Moral an der Geschichte: Man kann seine (schlechte) Natur nicht ändern.
Manche Wesen sind durch und durch schlecht, man kann ihnen nicht trauen. Das lässt sich manichäisch auf Ungläubige, Andersgläubige, Andersliebende, Menschen mit anderer Hautfarbe, etc missverstehen, wenn man bösartig ist.

Ich lehne solche Totschlag-Weisheiten eigentlich ab. Die Welt ist komplizierter.
Aber uneigentlich scheinen einige Menschen so schwer von Begriff zu sein, daß man ihnen mit fabelhaften Lehren die Bösartigkeit nahebringen sollte.

Seit Jahrzehnten erfahren wir aus allen katholischen Ecken der Welt nicht nur wie Myriaden Geistliche sich an kleinen Kindern vergehen, sie demütigen, schlagen, missbrauchen und vergewaltigen, sondern auch, daß die Institution Kirche weder gewillt ist das aufzuklären, noch diese Kindersexfälle zukünftig unterbinden will, indem sie die Ursachen (Zölibat, Verbot von Frauenpriestertum, Homoverbannung im Priesterseminar, Sexualmoral) abschafft.
Im Gegenteil, die letzten beiden Päpste förderten demonstrativ Kleriker, die pädosexuelle Täter schützten und die Opfer diffamierten.


Wer also dennoch seine Kinder in die Betreuung katholischer Geistlicher gibt, sollte sich nicht wundern, wenn diese Skorpione entgegen ihrer Versprechungen wieder zustechen.


In Mönchengladbach war es Norbert K., seit 2010 Pfarrer in St. Josef Hermges, ab 2013 Leitung der Gemeinschaft der Gemeinden Mönchengladbach-Ost, ab 2017 zusätzlich Pfarrer in St. Mariä Empfängnis Lürrip, der einen 12-Jährigen sexuell missbraucht hatte.
Die gutgläubigen Frösche der Gemeinde sind nun ganz fürchterlich entsetzt.
Das Opfer erfährt keine Hilfe, aber der Skorpion wird heftig von seinem Anwalt verteidigt.


[…..] Nach den öffentlich bekannt gewordenen Missbrauchsvorwürfen gegen den Mönchengladbacher Pfarrer Norbert K. ist das Entsetzen groß. In Hermges, Hardterbroich und Lürrip, die zur Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Mönchengladbach-Ost gehören und für die K. bis zu seiner Freistellung verantwortlich war, wurde am Wochenende in den Gottesdiensten ein Brief des Generalvikars des Bistums Aachen verlesen. Darin erklärt Generalvikar Andreas Frick, wie es zu der Freistellung nach der Anklage durch die Staatsanwaltschaft Aachen in der vergangenen Woche gekommen ist.
[…..] In der Kirche St. Mariä Empfängnis Lürrip predigte Frick am Sonntag selbst und informierte die Katholiken. „Wir wissen, dass es manchmal eine lange Zeit braucht, bis Menschen sprachfähig werden“, sagte Frick. Der damals Zwölfjährige, der im Jahr 2003 in zwei Fällen von dem Pfarrer in einer Gemeinde in Inden missbraucht worden sein soll, erstattete im vergangenen Jahr Anzeige. „Wir lernen als Kirche nach langer Debatte Schritt für Schritt, wie wir mit solchen Situationen umgehen“, sagte Frick.
Dieter Breymann, Rechtsanwalt von Norbert K., kritisierte die Schritte des Bistums: „Ich bin der Auffassung, dass das Vorgehen des Generalvikars aufgrund ihres Markenkerns der katholischen Kirche einen besonders faden Beigeschmack hat. Ich verstehe durchaus, dass die Kirche sich derzeit bei dieser Thematik in der Defensive befindet, dies darf jedoch nicht dazu führen, untadelige, ihren Zielen verschriebene Priester schutzlos der Öffentlichkeit auszusetzen.“ […..] „Das ist für uns alle eine schockierende Situation. Wir müssen jetzt als Gemeinde zusammenhalten“, sagte Horst Hommers, stellvertretender Kirchenvorstand von St. Mariä Empfängnis Lürrip. Für ihn stelle sich jetzt aber auch die Frage, was das Bistum wann vorher gewusst habe. In dem Brief des Generalvikars war von einem „grenzwertigen Nähe-Distanz-Verhalten“ die Rede gewesen, das zu konkreten Verhaltensauflagen für den Pfarrer geführt habe. „Über solche Auffälligkeiten sind wir nicht informiert worden“, sagten Hommers und Helmut Gaden, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands in St. Josef Hermges. […..]

Und die Moral von der Geschicht,
Gebt eure Kinder in die Kirche nicht!