Sonntag, 23. Juni 2019

Überzeugungspolitiker.


Politik ist ein mühsames Geschäft. Ständig muss man um Kompromisse ringen; wenn man schließlich nach Jahren etwas erreicht, wird es einem nicht gedankt und verglichen mit dem großen Geld, das ich als Lobbyist verdienen lässt, muss man auch noch mit mickrigen Bezügen auskommen.
Man mag davon träumen was man als Bundesminister alles durchsetzen könnte, aber von einer Million Parteimitgliedern, werden nur 10 Bundesminister. Nur wenige Hundert verdienen als Abgeordnete überhaupt Geld – das ist weniger als ein Promille. 99,99% arbeiten ehrenamtlich.
Selbst wenn man es so weit gebracht hat bundesweit bekannt zu sein, mit einem üppigen Gehalt und sicherem Job ausgestattet ist, mag man sich damit nicht unbedingt abfinden. Pofalla, Wiesheu, Merz, von Beust, Koch, von Klaeden – sie alle warfen irgendwann den Bettel hin, weil es ihnen zu anstrengend war, weil sie ohnehin wußten, daß sie nicht ganz nach oben, an Frau Merkel vorbei kamen und weil sie natürlich anderswo mit erheblich weniger Zeitaufwand erheblich mehr verdienen konnten. Die Herren verdienen alle mehr im Monat als die Bundeskanzlerin im Jahr.
Oder sagen wir so; sie erhalten mehr Geld im Monat als Spitzenpolitiker im Jahr. Ob sie es „verdienen“ kann ich nicht beurteilen.

Die Wähler empören sich über diese nahtlosen Wechsel in die Wirtschaft.
Aber dabei sind sie ungerecht, da sie andererseits der Majorität der Berufspolitiker, die eben nicht in die Wirtschaft gehen oder empfänglich für Lobbyistengeld sind, sondern sich bienenfleißig durch Berge von Akten wühlen, diesen Dienst nicht danken.
Im Gegenteil, es wird pauschal gegen „die Politiker“ gemault. Erweist sich einer als bestechlich, heißt es sofort „die sind doch alle so“ und wenn einer womöglich wirklich genau das tut, was er tun soll, nämlich unermüdlich und uneitel für seine Wähler eintreten, bezeichnet man ihn despektierlich als „Hinterbänkler“, der ohnehin nie „richtige Karriere“ machen wird.
Wozu soll man sich das noch antun, wenn in sozialen Medien, in Talkshows und insbesondere von der AfD derartig gegen die Politiker gehetzt wird, daß es nicht mehr bei Schmierereien am Abgeordnetenbüro, beleidigenden Zuschriften oder Farbbeutelanschläge auf die Privatwohnung bleibt, sondern wenn man physisch bedroht, mit Messern attackiert oder gar erschossen wird?

Selbstverständlich war Spitzenpolitik auch in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren ein knallhartes, undankbares und ungerechtes Geschäft.
Aber die Angriffe von außerhalb der Politik beschränkten sich auf das öffentliche Leben in Bundestag oder TV.
Darüber hinaus gab es respektierte Privatsphäre.

(Natürlich mit Ausnahme des RAF-Terrorismus, dem Spitzenpolitiker und Spitzenfunktionäre zum Opfer fielen. Diese wurden allerdings auch entsprechend geschützt und die RAF ging nicht auf Kommunalpolitiker los)

2019 geht alles schneller. Twitter zwingt einen sofort und 24/7 zu reagieren. Abwarten bis man alle Fakten kennt, wird nicht mehr akzeptiert.  

Entweder man wirft sich voll rein, füttert ebenfalls die Presse mit Homestories und Hundebildern, oder man steigt ganz aus. (Oder gar nicht erst ein).

Besonders ekelhaft ist die Methode Merz: Den großen Zampano spielen, sich für den Allergrößten halten, beleidigt für 15 Jahre im Off verschwinden, weil man von einer Frau geschlagen wurde, dann wieder wie Kai aus der Kiste springen, wenn man glaubt anstrengungslos eine Parteiführung übernehmen zu können, sich wieder beleidigt zurück ziehen, weil man von einer anderen Frau geschlagen wurde, keine Lust haben sich an der täglichen mühsamen Parteiarbeit zu beteiligen, weil man als Heuschrecken-Lobbyist für Cum-Ex-Hedgefonds Millionen verdient, sich damit aber nicht abfinden mag und wieder hervorstößt, wenn AKK sich in die Sackgasse geplappert hat.

Dabei hat Friedrich Merz in 63 Jahren politisch rein gar nichts erreicht. Sein einziges echtes Thema – „Mehr Kapitalismus wagen“ – hat sich als echter Flop erwiesen. Zur Unzeit erschien sein Buch voller Thesen, die allesamt widerlegt sind.

(…..) Marion Dönhoff schrieb schon in den 1990er Jahren ihr bedeutendes Werk „Zivilisiert den Kapitalismus“ und legte damals schon dar, was uns dann richtig offensichtlich 2008 mit der Weltfinanzkrise ereilte.
Welche Gegenmeinung soll man da noch einnehmen, wenn jemand so offensichtlich voll ins Schwarze getroffen hat.
Bezweifelt denn noch irgendeiner, daß den internationalen Spekulanten das Handwerk gelegt werden muß? Ich würde dazu gern eine SERIÖSE Stellungnahme lesen, die mir erklärt weswegen das Derivatehandeln und Spekulieren mit Lebensmitteln eigentlich sein muß.
Es gibt auch Menschen, die sich dafür einsetzen.
So schrieb CDU-Darling Friedrich Merz, den heute noch fast die ganze Partei zurücksehnt, im Jahr 2008 sein Buch „Mehr Kapitalismus wagen“.
Wenn jemand so rechts argumentiert, merkt man allerdings meistens sehr schnell wieso das so ist. In Merz‘ Fall hängt das offenbar damit zusammen, daß er für den Hedgefonds „TCI“ arbeitet und persönlich damit sehr reich geworden ist.
Darauf läuft es fast immer hinaus.
Wenn jemand etwas offensichtlich Unsinniges beschließt, wie zum Beispiel den Merkel’schen Freifahrtschein für CO2-verschleudernde schwere Limousinen, dann erfolgte dies natürlich nicht aus Überzeugung, sondern auf Druck.
Eine Millionenschwere Lobby ist sehr effektiv.
Waffenexporte, AKW-Subventionen, tierquälerische Geflügelzucht – wieso so etwas erlaubt ist, kann relativ leicht beantwortet werden.
Gier, Geld, Macht. (……)
(Verschiedene Journalisten, 28.10.2013)

Erstaunlich an Friedrich Merz ist seine völlige Borniertheit. Ungerührt vertritt er weiterhin seine radikal-kapitalistischen Thesen und ermahnt immer wieder die Ärmsten der Bevölkerung, sie sollten ebenfalls Aktien kaufen. Private Vorsorge durch Börsenspekulationen für Habenichtse.

(…..) Merz, der auch im Herbst 2018 noch genau so einen Unsinn von sich gibt wie vor 15 Jahren, ist gedanklich seit seiner großen Zeit in der Bundespolitik einfach stehengeblieben.


[….] Jetzt sind Experten gefragt. Merz könnte Bundeskanzler werden. Ein Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD) wollte „nicht alles kommentieren“, was auf Regionalkonferenzen der CDU gesagt wird. Tom Schreiber (SPD), Fachmann seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus für Polizeithemen, sagt: „Es ist immer problematisch, wenn der Merz im Dezember ausbricht. Der Vorschlag zeugt davon, dass Merz null Ahnung davon hat. Das kann man unter Klamauk verbuchen.“ [….]

 Er sieht die Wirtschafts- und Sozialpolitik noch genauso durch die radikal neoliberale Brille wie vor 20 Jahren:
Sozialausgaben radikal kürzen, alle Regulierungen abschaffen, Steuerrecht ausmisten und massiv von unten nach oben umverteilen, damit die Unternehmer investieren.

So steht es auch in seinen Prä-Finanzkrise-Büchern „Mut zur Zukunft. Wie Deutschland wieder an die Spitze kommt“ (2002), „Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion“ (2004), „Mehr Kapitalismus wagen – Wege zu einer gerechten Gesellschaft“ (2008), in denen er Düsteres prognostizierte.

[…] Die Diagnose, die Merz in dem Buch [Vom Ende der Wohlstandsillusion] macht […]: Deutschland erlebe einen "historischen Niedergang"; die "Position der Exporteure auf den Weltmärkten verschlechtert sich ständig"; der Staat steckt in der "Schuldenfalle"; der Sozialstaat belohnt Faulheit; die "Überregulierung" des Arbeitsmarkts ist "schlicht eine Katastrophe", ebenso wie das böse Tarif- und Verbändekartell; die Lohnfindung ist "verkrustet"; dazu kommt, dass die Unternehmen ohnehin keinen einstellen, weil der Kündigungsschutz zu streng ist; unser Steuersystem ist schlechter als das von Gambia und Uganda; und überhaupt arbeiten wir zu kurz, und die Eliten verstehen nicht den Zusammenhang zwischen Leistung und Lohn; und die Gutmenschen haben uns zu bequem werden lassen.
Was es braucht, schien für Merz ebenso klar: die Deutschen müssen (fast) alle irgendwie verzichten. Und "länger arbeiten". Und flexibler. Und im Normalfall ohne Wohltaten vom Staat auskommen. Und ihre Rente am Kapitalmarkt gefälligst selbst verdienen. Für über 50-Jährige sollte es am besten gar keinen Kündigungsschutz mehr geben. Die Leute müssen ihren "Konsum beschränken" (damit - angeblich dann - mehr Geld für die Unternehmen übrig bleibt). Abgesehen davon braucht es weniger teure Beamte. Und weil "die Marktwirtschaft ihre Überlegenheit längst bewiesen hat", muss natürlich irgendwie (fast) alles den Märkten überlassen werden. [….]

Es gibt zwei Probleme an dieser hanebüchenen, einseitigen Sichtweise.

Zum einen hält Merz an diesen Rezepten und Prognosen bis heute fest und zeigt damit Starrsinn und Realitätsblindheit.
Zum anderen haben sich alle seine düsteren Unkenrufe als völlig falsch erwiesen. Nichts trat davon ein, obwohl Angela Merkel in 13 Jahren das Gegenteil einer Reformerin war und keine der radikalen Merz-Forderungen umsetze.
Hätte Merz Recht behalten, wäre Deutschland inzwischen untergegangen.



  [….] Wenige Monate nach Merz' düsterem Gequassel über den angeblich so heillos verkrusteten Arbeitsmarkt begann die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu fallen - bis heute fast ohne Unterbrechung. Und trotz des angeblich so furchtbaren Kündigungsschutzes haben deutsche Unternehmen mehr als fünf Millionen zusätzliche Stellen geschaffen.
All das, ohne dass sich in der kurzen Zeit noch viel geändert hätte, im Merz'schen Sinn. Kein radikal vereinfachtes Steuersystem. Keine Bierdeckelsteuerberechnung. Bis heute nicht. Im Gegenteil: im Frühjahr 2005 kündigte Gerhard Schröder Neuwahlen an, womit monatelang eigentlich nichts mehr groß entschieden wurde; und im Herbst - vor genau 13 Jahren - kam mit Angela Merkel die Kanzlerin, die das Nicht-groß-Reformieren zum Markenzeichen gemacht hat.
[….] Ein Teil der Forderungen, die Ultras wie Merz damals stellten, klingen mittlerweile bizarr, wo klargeworden ist, dass auch ohne Merz' Träume schon viel zu viel öffentliche Gelder gekürzt wurden - und jetzt überall die Infrastruktur kippt. Ziemlich gaga klingt im Nachhinein auch der damalige Befund, dass deutsche Exporteure angeblich immer weniger wettbewerbsfähig wurden (weil wir zu teuer und zu faul sind); dafür haben deutsche Exporteure zu viel Gutes zu bieten. In Wirklichkeit gab es schon zu der Zeit, als Merz sein Buch schrieb, einen historisch einmaligen Exportaufschwung.
Und wir haben in der Zeit, wenn überhaupt, zu wenig konsumiert, nicht zu viel, wie es Merz damals fehldiagnostizierte: sonst hätte Deutschland nicht seit Jahren jetzt dieses brisant gefährliche Ungleichgewicht zwischen Export und Import, das die nächste Krise auslösen könnte - und Donald Trump jetzt Vorwände für Wirtschaftskriegsspiele liefert. Ziemlich viel ökonomischer Unsinn. [….]

Das ist also das Wirtschaftssuperhirn, dem die CDUler nun begeistert nachlaufen?

Zehn Jahre Politik gingen an Friedrich Merz spurlos vorbei. Er klammert immer noch an seinen altbackenen und längst von der Realität widerlegten Rezepte und ist zudem auch noch polittaktisch so unfähig, daß er simple und vorhersehbare Attacken nicht parieren kann.
Rechte Publizisten wie Jan Fleischhauer geben sich große Mühe ihr einstiges Idol hochzuschreiben und AKK zu verhindern. (……)

Friedrich Merz ist nach Jahrzehnten als Politiker immer noch immun gegen jede Erkenntnis der Sozialpolitik. Er ist als Mitglied der Klasse der reichsten 10.000 in Deutschland unfähig sich auch nur ansatzweise in die Nöte der Menschen hineinzudenken, die nicht über ein paar Millionen „Spielgeld“ verfügen, das man nach Lust und Laune investieren kann.
So uneinsichtig er hinsichtlich der Finanzökonomie denkt, so garstig bleibt er auch bei seinen nationalen und xenophoben Überzeugungen.

[…..]  Friedrich Merz hat vor einem Abdriften von Polizisten und Soldaten hin zur rechtspopulistischen AfD gewarnt und damit eine Diskussion über die Sicherheitspolitik der Regierung angestoßen. "Wir verlieren offenbar Teile der Bundeswehr an die AfD. Wir verlieren Teile der Bundespolizei an die AfD", sagte der frühere Fraktionschef im Bundestag und CDU-Politiker der Bild am Sonntag.
Um dem Trend zu begegnen, müsse die CDU eine Partei sein, die ohne Wenn und Aber hinter den Sicherheitsorganen stehe. "Nur mit eindeutigem Rückhalt aus der Politik können sie jeden politischen Extremismus erfolgreich bekämpfen." […..] Auch sein privates Umfeld habe ihn auf entsprechende Missstände hingewiesen: "Ich habe nahe Verwandte und sehr viele Freunde und Bekannte, die bei der Bundeswehr und der Bundespolizei sind. Die berichten mir, wie die Stimmung dort ist, wie viele sich von ihren Dienstherren im Stich gelassen fühlen." […..]  

Tatsächlich gibt es zumindest in einigen Bundesländern offenbar große Sympathien von Angehörigen der Polizei für die AfD.
Deswegen sollte man die AfD stellen, sie bekämpfen und entlarven, ihre Lügen und Gefährlichkeit aufdecken, mit Polizisten reden und sie aufklären.
Der Multimillionär mit der hohen Stirn will das aber nicht, sondern die Politik der Bundesregierung und die CDU-Ausrichtung ganz nach rechts verschieben, bis sie der AfD gleicht. 

Also die Methode anwenden, die in Sachsen, in Sachsen-Anhalt und in Bayern so spektakulär versagte. Die Leute wählen das Original – je mehr Unionslandesverbände nach rechts rücken, desto stärker wird die AfD.
Das mit Abstand schwächste AfD-Ergebnis gibt es in Hamburg mit einer vergleichsweise liberalen CDU und einer Rotgrünen Landesregierung.

Der Mann ist so unbelehrbar und borniert, daß sich sogar konservative Unionsminister schockiert abwenden.

[…..] Seehofer attackierte Merz daraufhin scharf: "Er sollte die Bundespolizei nicht als Trittbrett für seine politische Karriereplanung missbrauchen." Ähnlich äußerte sich Verteidigungsministerin von der Leyen. Sie kritisierte zudem, Polizisten und Soldaten verdienten mehr Wertschätzung und "keine Mutmaßungen, wo sie ihr Kreuz machen". [….]

Samstag, 22. Juni 2019

Unterkomplexes Denken.


Schon lange bevor man die genauen Wirkungsmechanismen entschlüsselte setzte man wirksame chemische Substanzen gegen bestimmte Leiden ein.
Kokain setzte man Ende des 19. Jahrhunderts als Lokalanästhetikum und gegen Heuschnupfen ein, mischte es Anfang des 20. Jahrhunderts in die heute noch danach benannte braune Brause.
Die Firma Bayer ließ sich 1898 den Markennamen „Heroin“ schützen und verkaufte die Substanz in kleinen Fläschchen als Mittel gegen Husten, Kopfschmerzen und Bluthochdruck.
Das 1954 synthetisierte Thalidomid wurde Anfang der 1960er Jahre als wunderbar wirksames Schlaf- und Beruhigungsmittel verkauft – unter dem Name Contergan.
Auf heutigem Wissensstand schaudert man über den leichtfertigen Einsatz dieser Substanzen.

Aber sie waren lediglich Extremfälle eines allgemeingültigen Prinzips: Außer dem, das man erreichen möchte, gibt es immer Nebenwirkungen.
Es genügt niemals sich auf ein gewünschtes Ziel zu fokussieren.
Man muss komplexer denken und alle Konsequenzen abschätzen.
Auch dramatische Nebenwirkungen wie zum Beispiel bei einer Chemotherapie können bei einer ethischen Abwägung durchaus gerechtfertigt sein, wenn die Alternative der Krebstod ist.

Wer unter schweren Spannungsschmerzen, Schwindelanfällen, Depressionen und Panikattacken leidet, ist vermutlich bereit für die Behebung dieser Symptome klassische Psychopharmaka-Nebenwirkungen wie drastische Gewichtszunahme, Lethargie, Libidoverlust, Impotenz oder Akne in Kauf zu nehmen.
Für eine leichtere „vegetative Verstimmung“ aber eher nicht.

Chemiker wissen heute wie man selektiv die Konzentration eines bestimmten Botenstoffs in den Synapsen anhebt.
So kann man wirksame Psychopharmaka designen.
Die Hirnchemie wird aber noch nicht so gut verstanden, daß man alle Konsequenzen dieser Erhöhung abschätzen kann und wirklich weiß, welche Abbauprodukte welches Medikaments die Arbeit anderer Neurotransmitter tangieren.

Fast überall sind die Konsequenzen eines einzelnen Schrittes komplizierter als auf den ersten Schritt gedacht.
Das gilt auch für Makroökonomie oder strategische Geopolitik.

Trump denkt, wenn er eine Mauer aufstellt, kommen keine Latinos mehr über die US-Südgrenze und das Migrationsproblem wäre damit gelöst.

So primitiv denkt auch die AfD. Und leider auch weite Teile der EU-Regierungen. Grenzen dicht und gut ist.
Im Umkehrschluss bedeutet dies: Angela Merkel hat an allen Migrationsproblemen Schuld, weil sie 2015 die Grenzen öffnete. So reden Trump, AfD und Werte-Union heute noch.
Dabei ist das natürlich hanebüchen. Ja, Angela Merkels EU-, Agrar-, Klima-  und Export-Politik verschärft die Fluchtursachen.
Aber sie ließ 2015 nicht nur nicht die Grenzen öffnen, weil nach Schengen glücklicherweise die Grenzen offen waren.

[….]  Wer nicht ganz so bösartig wie die AfD-Nazis ist oder es gar als „Bahnhofklatscher“ oder „Rotgrünversiffter“ begrüßt heimatvertriebenen in Deutschland Asyl zu geben, ist Merkel heute dankbar und schreibt diese Entscheidungen ihrer christlichen Grundüberzeugung zu.

Das ist natürlich schon deswegen Unsinn, weil sich Merkel in den folgenden drei Jahren mit maximalem antihumanen Impetus mühte alle Grenzen zu blockieren, den Flüchtlingen das Leben schwer zu machen, Familien zu trennen, Kinder von ihren Eltern wegzureißen, bestens Integrierte Migranten abzuschieben und jedes Jahr tausende unschuldige Menschen im Mittelmeer elend ersaufen zu lassen.

Dennoch sitzt beispielsweise auch die bedeutende und kompetente CNN-Journalistin Christiane Amanpour der Legende von einer christlich überzeugten Gut-Kanzlerin auf und befragt zum Ende ihres CDU-Vorsitzes den SZ-Journalisten Stefan Kornelius dazu.

[….] AMANPOUR: [….] Because clearly, you remember way back in 2000, you quoted it, she quoted it, she talked about her vision as being the market plus humanity. So, she's obviously a conservative economist, if I could put it that way, but she has tried to have a compassionate, Christian, humane government and policy.  And of course, we saw that when she allowed these immigrants fleeing war and devastation in their own country in 2015 to come in. That seems to  have backfired on her. How does she go forward with that very issue now?

KORNELIUS: Well, on immigration issue, you are right. It totally backfired and she not only was liberal or welcoming to those migrants because she was liberal mind or had an open heart, but because she's a very pragmatic and clear-thinking woman. Not the German chancellor, not a single politician in Europe would have been able to stop 15,000 migrants a day crossing the German border.
So, I guess she didn't close the borders or didn't send them back for several reasons. She would have destabilized vast parts of east and southeast Europe, she would have sent an extremely devastating message about Germany's culture to the outside world. And she couldn't have lived up to the promises in the end anyway because those people would have turned around and come through the back door. You cannot seal off Germany. This is not possible.
So, what she did is she put in policies in place with Turkey, with other neighboring countries across the Mediterranean and Northern Africa to
basically channel this flow of migrants and actually trickle it down. It's definitely it's too many people coming to Europe. Now, that took time.
And that was the basic mistake, she communicated badly and she now pays a huge price for that.  She lost power for that in Germany. This is the single issue which has turned against her and it will be the issue which she will be compelled to deal with for the remaining time in her office. But
[….] things she could do or have to do with European unity, with the rise of populism in Europe.
[….]

Ich stimme Stefan Kornelius in dieser causa vollständig zu. Der Syrienkrieg lief damals schon 5 Jahre, Millionenfaches Sterben fand statt, Kinder lagen krepiert an den Mittelmeerstränden rum und Merkel musste erkannt haben, daß es keinen EU-Konsens gibt die Flüchtlinge zu verteilen und anzuerkennen.

Sie wird einfach abgewogen haben, daß eine abrupte Grenzschließung a) technisch und rechtlich unmöglich war und b) aus den drei von Kornelius genannten Gründen noch schlimmer gewesen wäre.
 (….)

Wenn Trump die US-Mexikanische Grenze schließt, lässt das die Migranten natürlich nicht verschwinden, sondern verschärft die Not in den Herkunftsländern noch

Genauso unterkomplex geht Trump auch an „den Iran“ heran, den er als monolithische Einheit des Bösen sieht.
Also raus aus dem Iran-Atomabkommen und Verschärfung der Sanktionen.
Das schadet dem Iran und wird ihn schwächen.
Tatsächlich gibt es nicht „den Iran“, sondern ein heterogenes und fragiles System mit stark divergierenden Kräften. 

Eine große Mehrheit der Bevölkerung gehört zur Mullah-kritischen U30-Generation, von der mehr als die Hälfte einen akademischen Abschluss hat.
Sie sind internetaffin und haben gründlich die Nase voll von dem ewigen Konflikt mit Amerika und den strengen Religionswächtern. Sie setzen auf ihren vermeidlich liberalen Hoffnungsträger Präsidenten Hassan Rohani, der gegen das viel konservativere geistliche Oberhaupt Ali Chamenei steht und vom ultrakonservativen Hussein Salami, dem Kommandeur der Revolutionsgarden bekämpft wird.
Über ein Jahr erfüllte der Iran mustergültig die Bedingungen des Atomabkommen und bekam dafür nur ökonomische Schwierigkeiten, da die USA auf immer mehr Sanktionen beharrten.
Das schwächte Rohani, verlagerte die Gewichte auf die USA-hassenden Hardliner und brachte die westlich orientierte Jugend wieder auf Linie.
Das heißt, durch Trumps aggressive kurzsichtige Politik wurde garantiert das Gegenteil einer Aussöhnung erreicht.

[…..] Halten Sie eine Kapitulation Teherans für möglich, ein Nachgeben gegenüber der USA?“
(Iranexperte des AA) Adnan Tabatabai: „Nein. Unmöglich. Irans Staatsideologie beruht auf dem Begriff des Widerstands. Die politische Haltung, die Iran jetzt einnehmen muss gegenüber den USA, steckt der Führung im Blut. Das ist deren Raison d'être.“ [….]
(STERN, 19.06.2019)

Trump ist einfach zu dumm und zu borniert, um überhaupt über Folgen nachzudenken.
Er hält die Verhängung eines Zolls für eine monokausale Angelegenheit, die den ausländischen Exporteur einer Ware ärgern soll.
Die sozioökonomischen Wirkungen auf US-amerikanische Warenketten und die schlichte Verteuerung eines Produkts für US-Verbraucher begreift er nicht. Schon gar nicht die psychopolitischen Folgen auf andere Nationen, denen er immer wieder feindselig gegenüber tritt.

Da die fanatische Fanbase des IQ45 genauso verblödet ist und die einstige Partei des Freihandels, die Republikaner sich kollektiv die Hoden und das Rückgrat entfernen ließen, gefallen ihnen die neuen „Trump-Taxes“.
Die evangelikalen Spinner denken ebenfalls nur bis zu ihrer Nasenspitze und jubeln Trump für seine unterkomplexe Kurzsichtigkeit zu.
Bisweilen mit kuriosen Folgen, wenn nicht dramatisch Kriegsgefahren drohen.

Ausgerechnet in Amerika und ausgerechnet durch den von christlichen Predigern bejubelten Trump werden nun die Bibeln knapp; es wird ein regelrechter Bibelnotstand ausgerufen.
Der Grund sind Trumps Zölle.
Genau wie der gesamte Mode-Tand, den die Trumps unter ihrem Namen verticken, in China hergestellt werden, kommen auch fast alle amerikanischen Bibeln aus dem Reich der Mitte.
20 Millionen Bibeln werden jährlich in GODS OWN COUNTRY verkauft – hauptsächlich Chinesische.

[….] Although books have escaped earlier tariff hikes by the Trump administration, the latest proposed round—a 25-percent tariff on $300 billion of Chinese goods—includes Bibles and Christian books.
In response, leading Christian publishers testified before the US International Trade Commission in Washington D.C. this week to ask for exemptions.
China is the world’s largest Bible publisher, thanks to Nanjing-based Amity Press which has printed almost 200 million Bibles since 1988 in partnership with the United Bible Societies.
For the world’s largest Christian publisher, HarperCollins Christian Publishing (HCCP), more than three quarters of its production costs are incurred in China. Its portfolio includes bestselling authors such as Rick Warren, as well as the New International Version (NIV) and the King James Version (KJV) of the Bible. The two popular translations give HCCP 38 percent of America’s Bible market, which sees about 20 million Bibles sold annually. [….]

Seit vier Jahren wütet Trump vor christlichen Massen gegen das böse China, während diese in 200 Millionen in China gedruckten Bibeln blättern. 25% „oder noch viel mehr“ auf chinesische Printprodukte wären hart für die US-Fundis.

[…..]  Das würde die Bibelbranche besonders hart treffen, schrieb Mark Schoenwald, Chef des amerikanischen Bibel-Verlags Harper Collins Christian Publishing, in einem Brief an den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer vor seiner Anhörung vor dem zuständigen Handelsausschuss. "Aufgrund der einzigartigen Papier-, Druck- und Bindeanforderungen der Bibelproduktion gibt es einfach keine US-Anbieter, die einen nennenswerten Teil der Menge produzieren könnten, die benötigt wird, um die Nachfrage des US-Marktes zu erfüllen", klagte er.
Die Konsequenzen wären Schoenwald zufolge dramatisch: Manche "Formate" könnten schlichtweg nicht mehr gedruckt werden, wenn es tatsächlich zu den 25-Prozent-Zöllen käme. Es drohe ein "Bibel-Engpass", der christliche Buchverlage und Buchhändler Schaden zufügen würde. "Predigerämter, Kirchen, gemeinnützige Organisationen und andere religiöse Einrichtungen, die zu den Hauptkunden von Harper Collins Christian Publishing gehören, wären nicht mehr in der Lage, sich Bibeln und Lehrmaterialien zu leisten, die sie benötigen, um hinauszugehen und Menschen zu erreichen", schreibt Schoenwald.  […..] 

Freitag, 21. Juni 2019

Frauenschwäche


Meinen Großvater mütterlicherseits habe ich nicht kennengelernt, da er einige Jahre vor meiner Geburt starb.
Ich habe aber im Laufe meines Lebens viel über ihn gehört, weil er, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geboren, offensichtlich sehr moderne Ansichten hatte.
Ihm gehörte eine kleine, aber bekannte Hamburger Firma, in der er seine soziale Verantwortung sehr ernst nahm. Als einer der Ersten führte er eine Betriebsrente ein, kümmerte sich um alle Angestellten. Wenn der Nachtwächter erkältet war, eilte er zu dessen Krankenbett und brachte heiße Hühnersuppe.
Als später die NSdAP drängelte, er möge in die Partei eintreten, verweigerte er sich, da er alle Menschen gleich behandelte und nicht daran dachte Juden auszuschließen.

Als er starb, hatte er nur noch einen Sohn, der selbstverständlich die Firma erbte. Seine Töchter, darunter meine Mutter, gingen ganz selbstverständlich leer aus. Denn das waren ja bloß Mädchen, die sich nicht für das Geschäftsleben eigneten. Die wurden auf eine Hauswirtschaftsschule geschickt. Eine höhere Bildung wäre für Menschen ohne Penis schließlich Verschwendung gewesen.
Da mein Opa privat bescheiden lebte, sollten das auch seiner Töchter und sofern ihnen die Lust nach Reichtum stand, gab er ihnen den Rat einen wohlhabenden Kaufmann zu heiraten. Sowohl meiner Mutter als auch meiner Tante stellte er jeweils einen jungen Mann aus einer guten Hamburger Kaufmannsfamilie vor, der nach seinem Geschmack war und der zuvor beim ihm um die Hand einer seiner Töchter angehalten hatte.
Daß meine Mutter die Heirat ablehnte, nur mit dem albernen Grund, daß sie diesen Mann noch nie zuvor gesehen hatte, bestätigte seine Ansicht, daß Frauen natürlich nicht für die Geschäftswelt taugen.
Überhaupt sollte er Recht behalten. Gleich Zwei heirateten einen Künstler. Nette Männer, aber keine guten Partien, sondern eher brotlose Künstler, die sich mit Buchillustrationen und Portraitmalereien mal gerade eben so über den Monat retteten.
Zum Glück hatten die Töchter meines Opas nichts geerbt. Die Wahl ihrer Gatten zeigte ja klar, daß sie damit gar nicht hätten umgehen können.

Ich musste erst erstaunlich alt werden, bis sich in mir der Gedanke manifestierte, wie ungerecht die damaligen Erbschaftsregelungen aus heutiger Sicht gegenüber meiner Mutter waren.
Dabei war mein Opa ganz sicher kein konservativer Knochen, sondern einfach ein Kind seiner Zeit.
Vielen Frauen, die heute die 80 durchschritten haben, ging es genauso. Sie erlebten den Krieg als Kinder mit und in den schwierigen Zeiten nach 1945 konzentrierte man sich ganz auf die Söhne. Der Sohn sollte es mal besser haben, was Vernünftiges lernen, womöglich studieren, vorankommen.
Für die Penisträger gab es ausgetüftelte Zukunftspläne, während für ihre Schwestern die allernötigste Ausbildung reichte. Dazu Kochen, Hauswirtschaft und natürlich einen möglichst guten Ehemann, der dann ihre Versorgung übernehmen sollte.
Es dauerte noch Jahrzehnte bis alle Zöpfe abgeschnitten wurden.

(….) Verbot gemischtkonfessioneller Ehen, Frauenwahlrecht und Homosexualität  gab es ebenso wie die legale Prügelstrafe, die Todesstrafe und Folter noch bis ins 20., teilweise sogar bis ins 21. Jahrhundert wird man verblüfft ausrufen.

Und mit unserer wunderbaren deutschen Verfassung durften Frauen weder ohne Zustimmung des Mannes eine Arbeitsstelle annehmen, noch ein Konto eröffnen. Sie durften sogar in der Ehe straflos vergewaltigt werden.

Wussten Sie, [….] dass eine Ehefrau bis in die 50er Jahre hinein nicht ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten durfte? Unglaublich, aus heutiger Sicht, dass wir diese Rechte erst seit ein oder zwei Generationen besitzen. Denn für uns sind das Recht auf Arbeit sowie das Wahlrecht mittlerweile selbstverständlich.
[….] Die Möglichkeit zu arbeiten und selbst über das eigene Leben zu entscheiden war in der Jugend unserer Eltern und Großeltern noch alles anderes als selbstverständlich. Großmutters Satz "Das hätte es früher nicht gegeben!" ist in vielen Fällen leider traurige Wahrheit.
So galt bis Ende der 50er Jahre das "Letztentscheidungsrecht" des Ehemannes in allen Eheangelegenheiten. Und dieses Recht hatte es in sich: Beruf, Führerschein, Kindererziehung, eigenes Geld und Konto - all das wurde per Gesetz zu Gunsten des Mannes geregelt. So hatte der Ehemann das Recht, über das Geld seiner Ehefrau frei zu verfügen. Und das betraf nicht nur ihr Einkommen, sondern auch das Geld, das sie mit in die Ehe gebracht hatte. Frauen konnten noch nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Der Mann konnte sogar den Job seiner Frau ohne deren Zustimmung kündigen.
Diesen Missständen wurde erstmals am 1. Juli 1958 begegnet, als das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf Grundlage des bürgerlichen Rechts in Kraft trat. Mit dem neuen Gesetz wurden unter anderem die Vorrechte des Vaters bei der Kindererziehung eingeschränkt. Es sollte jedoch noch bis zum Jahr 1977 dauern, bis Frauen ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein durften und es keine gesetzlich vorgeschrieben Aufgabenteilung in der Ehe mehr gab.
[….] Frauen durften  [….]  bis 1958 nur dann ihren Führerschein machen, wenn ihr Mann oder ihr Vater die Erlaubnis dazu erteilte.

(….) Auch aktuelle Koalitionspolitiker stimmten noch 1997 gegen das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe, weil sie offensichtlich der Ansicht waren, es wäre das natürliche Recht eines Mannes die Frau sexuell zu penetrieren, auch wenn sie sich dagegen wehre.
25 Jahre sperrten sich CDU und CSU erfolgreich gegen die Strafbarkeit von Ehefrauen-Vergewaltigung. Erst 17 Jahre nach einer entsprechenden UN-Konvention folgte das deutsche Parlament.

Am 15. Mai 1997 stimmten von den anwesenden 644 Abgeordneten 471 für den Gruppenantrag und 138 dagegen, 35 enthielten sich der Stimme.

Alle Abgeordneten der Linken, der Grünen und der SPD stimmten für Ulla Schmidts Gruppenantrag.
Die Unions- und FDP-Politiker, die weiterhin Männer straflos sexuelle Gewalt anwenden lassen wollten waren: (……..)

Die Schweizer Eidgenossen führten das Frauenwahlrecht erst im März 1971 ein und ließen fast 20 Jahre vergehen bis tatsächlich in jedem Kanton ein Penis keine Voraussetzung mehr für das Abstimmrecht war.

[….] Am 27. November 1990 gab das Bundesgericht einer Klage von Frauen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden Recht und bestätigte damit die Verfassungswidrigkeit der Innerrhoder Kantonsverfassung in diesem Punkt. So führte Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Stimmrecht für Frauen auf kantonaler Ebene ein, entgegen einem Mehrheitsentscheid der Männer an der Landsgemeinde am 29. April 1990. […..]

Die ehemalige Firma meines Opas existiert heute übrigens noch und wird von einer Frau geleitet.
Es gibt noch sehr männerdominierte Berufswelten, aber auch die beginnen sich daran zu gewöhnen nicht mehr unter sich zu sein.
Kapitäninnen befehligen Containerriesen, Frauen sind Verteidigungsministerin, führen Tischlereien, boxen und machen sogar Stabhochsprung.

Ganz sicher würde mein Opa, wenn er heute lebte nicht noch mal ein derartiges Testament aufsetzen, wie damals.
Er war schließlich liberal und neugierig auf die Moderne.
Bei den steinreichen Familie Brenninkmeyer, deren mindestens 25 Milliarden Vermögen in der Cofra Holding AG (u.a. C&A Mode KG) steckt, herrschen noch strenge katholische Sitten. Erst im Jahr 1990 wurden Brenninkmeyer-Töchtern überhaupt erlaubt in der Firma zu arbeiten. Seit dem 17. Jahrhundert blieben alle Entscheidungen den Söhnen vorbehalten.

Auch ein anderes Produkt, das ganz sicher jeder von uns schon mal in der Hand hatte, stammt aus einem Unternehmen, in dem Frauen bis heute nicht mitreden dürfen: ABUS-Vorhängeschlösser.

[…..]  Andrea Bremicker […..] stammt aus einer streng christlichen Unternehmerfamilie, das hat ihr Leben bestimmt, das private, das berufliche. […..]  Bei vielen deutschen Mittelständlern sagen die Patriarchen, wo es langgeht. Wolfgang Grupp bei Trigema, Klaus-Michael Kühne von Kühne + Nagel, Theo Müller von der Unternehmensgruppe Theo Müller. Meist ist das konservative Tradition, eher selten ist der Grund dafür christlicher Fundamentalismus. Bei Andrea Bremicker ist es Letzteres. Das Unternehmen ihrer Familie ist die Abus August Bremicker Söhne KG, ein Weltmarktführer in der Sicherheitstechnik. […..]   Die Gründerfamilie hängt der Brüderbewegung an, einer evangelikalen Glaubensgemeinschaft. Nach dem Gebot dieses Glaubens seien Erbverzichtsverträge für Frauen bei Abus seit Jahrzehnten üblich, sagt jemand, der die Firma sehr gut kennt. […..]  […..]   Welche Rolle haben Töchter im Unternehmen? Sie durfte nie Gesellschafterin werden, und auch sonst steht im Handelsregister seit Jahrzehnten keine einzige Frau, die diese Rolle bei der Abus KG dauerhaft ausgeübt hat. […..]  Zu diesen Erinnerungen passen Bibelkommentare, die Ernst-August Bremicker veröffentlichte - langjähriger Komplementär von Abus, also ein wichtiger Manager. Er schreibt in dem Text "Spannungsfeld Ehe - Fluch oder Segen", in der Bibel "verurteilt Gott gleichgeschlechtliche Liebe und damit auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Sie sind gegen Gottes Wort." Zum Umgang mit einem Werteverfall empfiehlt er: "Wenn sich diese Dinge - Unreinigkeit, böse Lust, Gier, Lustbefriedigung - bei uns breitmachen wollen, dann müssen wir sie töten. Töten heißt radikal ausreißen, ihnen den Garaus machen. Mit solchen Dingen kann man nicht spielen, sondern da muss man radikal Schluss machen. TÖTET diese Glieder, sagt uns Gottes Wort." Und in dem Text "Männer und Frauen nach Gottes Plan" schreibt er, die Frau müsse sich ihrem Mann unterordnen, komme was wolle: "So wie die Knechte nicht nur den guten und angenehmen Herren gehorchen sollten, gilt die Aufforderung der Unterordnung der Frau unabhängig von dem Charakter ihres Mannes." […..] 

Wer sich nun über ABUS und C&A ärgert, sollte aber erst einmal an das größte misogyne Unternehmen der Welt denken: Die Römisch-Katholische Kirche:
1 Papst, 120 Kardinäle, 5.000 Bischöfe, 400.000 Priester – darunter keine einzige Frau.
Für so einen Konzern werben sehr mächtige Frauen wie Andrea Nahles und Annegret Kramp-Karrenbauer.