Dienstag, 2. Mai 2017

Being a dick



Es wird viel beklagt, daß wir gar nicht mehr miteinander sprechen. Jeder lebt in seiner einigen Meinungsblase. AfD-Hörige, Montagsdemonstranten und Peginesen haben längst ihre eigenen Nachrichtenquellen, die unabhängig von der Realität funktionieren.
Genauso ist es in Amerika. In Harrisburg, PA, jubelten Tausende fanatische Trump-Anhänger frenetisch ihrem Führer zu, als ob es das 100-Tage-Desaster gar nicht gäbe.
Ein bizarrer Zeitreise-Trip zurück ins Jahr 2016.

[…..]  "This was the most divisive speech I've ever heard from a sitting American president," CNN’s David Gergen said.
Gergen complained that Trump played to his base and treated opponents like the enemy. "I think it was a deeply disturbing speech," said Gergen, who has served four presidents.
Kate Bennett, a White House reporter for CNN, […..]  later tweeted: “@realDonaldTrump proving again my ‘vampire’ theory. He needs to leave the bat cave (WH) for sustenance (rally cries) every few weeks.”
Any wonder why Trump hates the press?
On Saturday, he attacked CNN (“fake news”), MSNBC (“fake news”), The New York Times (“incompetent, dishonest people”) and the media in general (“a disgrace”).
Trump said he was happy to skip the White House Correspondents' dinner: “I could not possibly be more thrilled than to be more than 100 miles away from Washington's swamp, spending my evening with all of you and with a much, much larger crowd and much better people.” […..]

Während unsereins sich also am großartigen Hasan Minhaj beim WHCA labt, ejakulieren Myriaden Amerikaner vor Glück, daß Trump dort nicht erscheint und wie besessen auf die Presse eindrischt.

Ich vermisse die Zeit, als man noch um Konzepte stritt, als man sich die Köpfe darüber heiß diskutierte, mit welcher politischen Methode man ein Ziel erreichen könnte.
Politik, wie ich sie in der Schule lernte. Es gibt ein Konzept A und ein gegensätzliches Konzept B. Für beide gibt es eine Reihe Argumente, die man in einer sachlichen Diskussion austauscht und auf ihre Tauglichkeit prüft.

Erreicht man Frieden in Europa mit einseitiger Abrüstung oder eher mit der Stationierung von Pershing II-Raketen, um zu zeigen, daß man nicht angegriffen werden kann?

Kommt es eher zu Reichtum für alle, wenn man Unternehmen entlastet und entfesselt, damit sie investieren und die Wirtschaft ankurbeln? Oder ist es sinnvoller die Nachfrage und Verbraucher zu stärken, damit die Unternehmen ihre Waren absetzen können?

Funktioniert die Krankenversicherung eher mit einer von Arbeitgebern und Arbeitnehmern entsprechend der Lohnhöhe bezahlten Abgabe, oder sollte man mit einer Kopfprämie kalkulieren?

Bekommen die Verbraucher einen viel besseren Service von den Telefonanbietern, Wasserwerken und Stromerzeugern, wenn diese privatisiert sind und im Wettbewerb zueinander stehen, oder ist letztendlich eine staatliche Grundversorgung gerechter und sicherer für alle?

Macht man den Verkehr ökologischer, indem man Vielfahrer per Maut zur Kasse bittet, oder funktioniert so eine Steuerung besser über die Benzinsteuer?

Kann man mittels Trickle-down-Wirtschaftspolitik den einfachen Arbeitern nachhaltiger helfen, als mit direkten Sozialleistungen?

Es gab über solche Fragen immer viel zu diskutieren und diese Gespräche lohnten sich, weil man gemeinsam an einer Verbesserung der Verhältnisse interessiert war.
Diese Diskussionen blieben immer interessant, weil die Realität ein ständiger Test der Praxistauglichkeit war.
Zehn Jahre lang waren 90% der Wirtschaftswissenschaftler und gefühlte 95% der deutschen Journalisten Anhänger des Neoliberalismus. Alle Fesseln und Regulierungen sollten gelockert werden, der Staat müsse sich zurückziehen.
Friedrich Merz, Held der Springerpresse und aller Konservativen legte sein Programmbuch „Mehr Kapitalismus wagen“ vor. Der Mann sollte Kanzler werden.
Sharholder Value, Privatisierung der Konzerne und Privatvorsorge waren die Zauberworte, auf denen Guido Westerwelle in die Bundesregierung ritt.

Die Monsterfinanzkrise von 2008/2009 widerlegte diese Theorien eindrucksvoll.
So eindrucksvoll, daß auch CDU-MPs und Bürgermeister heute mühevoll und teuer die eben noch privatisierten Stadtwerke zurückkaufen.

Trickle-Down wurde in den USA sogar mehrfach mit Gewalt versucht. Reagan, GHB und GWB regierten so und endeten jedes Mal in einem gewaltigen Staatsdefizit und mehr Arbeitslosigkeit.
Auch diese Wirtschaftspolitik kann man als widerlegt ansehen.

Schön wäre es also mit einem Herrn Trump, der genau das offensichtlich wieder versucht zu diskutieren, ob das eigentlich sinnvoll ist.

Wir haben es aber bei heutigen Rechten zumindest in den USA mit postargumentativen Fanatikern zu tun, die nicht etwa auf anderen Wegen das Gute wollen, sondern aus offensichtlicher Bosheit anderen schaden möchten.

Trump ist kein politischer Präsident und seine Anhänger sind auch keine programmatische Partei.
Er ist nur ein rechter Humunculus der sozialen Netzwerke, mit dem die Doofen der USA ihren Hass kultivieren können.

 [….] Er lädt den philippinischen Mörder-Präsidenten Rodrigo Duterte ins Weiße Haus ein, wenige Tage nachdem er Recep Tayyip Erdogan zu seinem Referendums-Erfolg gratulierte. Und hat er nicht kürzlich eine Art Wahlempfehlung für Marine Le Pen ausgesprochen? [….] Trump ist, wenn man ehrlich ist, ein schlechter Populisten-Präsident. Das ist die gute Nachricht. Er folgt keiner Ideologie und hat sich offenbar kein größeres Ziel gesetzt, als sich selbst zu gefallen. [….] Er ist ein lausiger Autokrat; er nutzt seine populistische Macht nicht, um auch seine politische Macht zu festigen.
Kein vernünftiger Populist und Autokrat wäre auf die Idee gekommen, in den ersten hundert Tagen den eigenen Wählern die Gesundheitsvorsorge wegzunehmen oder alleine den Reichen einen Steuernachlass zu schenken. Jeder Autokrat hätte als erstes seine Anhänger im Parlament mit Geschenken gefügig gemacht, sich zweitens mit einer Dreierkette von loyalen Zuträgern umgeben und drittens das Regelbuch der Demokratie zu den eigenen Gunsten manipuliert.
[….] Trump aber ist kein Erdoğan oder ein Putin, er ist lediglich ein eitler Bauunternehmer aus Manhattan. Er interessiert sich nicht für die Maschine Washington und glaubt, eine Supermacht mit einer Handvoll Vertrauter steuern zu können. [….]

Man kann nicht vernünftig mit Anhängern eines derart dummen Mannes diskutieren.


Trump und seine Anhänger sind nicht satisfaktionsfähig. Sie sind mächtig, aber erschreckenderweise und gleichzeitig glücklicherweise mächtig doof.

Chef-Ignorant
[….]  "Wer hätte gedacht, dass Gesundheitspolitik so schwierig ist", hat Trump einmal gesagt, kurz bevor sein erster Versuch scheiterte, die Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama abzuschaffen. Das war ein entlarvender Spruch, denn natürlich weiß jeder, der sich in den USA auch nur am Rande mit Politik beschäftigt, dass es nichts Schwierigeres gibt als Gesundheitspolitik. In diesem Satz steckte Trumps gesamte Ahnungslosigkeit - samt der Frustration darüber, dass er weder wusste noch weiß, wie er eigentlich regieren soll.
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Themen, bei denen Trump und die Amateure, mit denen er sich im Weißen Haus umgeben hat, derartige Wer-hätte-das-gedacht-Momente erlebt haben. Mexiko will nicht zig Milliarden Dollar für die Mauer an der Grenze bezahlen und der Kongress auch nicht? Wer hätte das ahnen können? In Syrien ist ein komplizierter Krieg, und Russland hat dort andere Interessen als die USA? Wer hätte das gedacht? Der Präsident kann nicht einfach Millionen Muslimen die Einreise in die USA verbieten? Wer hätte wissen können, dass in einem Rechtsstaat das Wort eines Richters mehr Gewicht hat als das des Präsidenten? [….] Wer respektiert einen Präsidenten, der davon schwärmt, dass er "eine Armada" Richtung Nordkorea entsandt habe, wenn der zu dieser Armada gehörende Flugzeugträger in Wahrheit 5000 Kilometer entfernt durch die See dampft? Außer der Tatsache, dass er unberechenbar ist, hat Trump bisher keine politische Strategie entwickelt. Aber es ist eine Unberechenbarkeit, die nicht in Überzeugungen und Kalkül, sondern in Unwissen und Sprunghaftigkeit wurzelt. [….]

Das Phänomen Trump macht die klassische Herangehensweise an Politik – Analyse, Diskussion, Urteil – unmöglich.

Es gibt außer diffusem Hass auf alles Linke und Multikulturelle keine inhaltliche Richtschnur der GOP in Amerika.

Auch der republikanische Kongress entscheidet nicht mehr gemäß einer Überzeugung wie man etwas Gutes erreichen kann, sondern sie folgen tatsächlich Bill Mahers Vorgabe „Was würde ein Arschloch tun?“.

Auch wenn es keinen Gewinner gibt und allen geschadet wird, setzt die gegenwärtige US-Regierung Dinge nur für das wohlige Gefühl durch anderen weh zu tun, ihnen etwas zu nehmen.

Republikanisches Regieren erinnert mich sehr an den antitürkischen Witz, der von Deniz Yücel nacherzählt direkt ins Gefängnis führte.

„Ein Türke und ein Kurde werden zum Tode verurteilt. ‚Was ist dein letzter Wunsch?‘, wird der Kurde vor Vollstreckung gefragt. Er überlegt kurz und sagt dann: ‚Ich liebe meine Mutter sehr. Bevor ich aus dieser Welt scheide, möchte ich noch einmal meine Mutter sehen.‘ Dann darf der Türke seinen letzten Wunsch äußern. Ohne zu zögern antwortet er: ‚Der Kurde soll seine Mutter nicht sehen.‘“

Auf die GOPer übertragen erklärt es Bill Maher so:


Selbst wenn die großen Öl-Konzerne sich für den Klimaschutz aussprechen, selbst wenn die großen Tech-Industrien für Immigration und Steuererhöhungen votieren, sind Republikaner dagegen. Auch wenn sie allen schaden, es keine Gewinner gibt. Sie sind zutiefst destruktiv.

Ein klassisches Beispiel für die What-would-a-dick-do-Ideologie meldet das Weiße Haus auch heute wieder.
Da machte das Land mit den dicksten Menschen der Welt und den höchsten daraus resultierenden Gesundheitskosten endlich mal ganz langsame Schritte, um die Adipositas-Epidemie einzudämmen  - selbst GWB engagierte sich schon dafür – und nun kommt Trumps pure evilness.

[….] Trump-Regierung kippt Vorgaben für gesundes Schulessen
[….] Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sich eines der wichtigsten politischen Anliegen von Michelle Obama vorgeknöpft - den Kampf der früheren First Lady für gesünderes Essen für Kinder. [….] Offiziellen Zahlen der Gesundheitsbehörden zufolge ist jedes sechste Kind in den USA übergewichtig oder fettleibig. Laut einer aktuellen Studie der Bloomberg School of Public Health an der Johns-Hopkins-Universität könnten in den USA Gesundheitskosten in Milliardenhöhe eingespart werden, wenn Kinder sich gesünder ernährten und mehr bewegten.
Die US-Regierung hat jedoch offenbar Sorge, das Essen könnte den Kindern nicht mehr schmecken. [….] Laut CNN und "Washington Post" will die US-Regierung unter Trump auch das Programm "Let Girls Learn" einstampfen. Das Projekt wurde ebenfalls von Michelle Obama ins Leben gerufen und soll die Bildung junger Frauen in Entwicklungsländern fördern. [….]

Dank Trump werden amerikanische Kinder nicht nur noch fetter, sondern er bekämpft auch Bildung.

Trump administration memo calls for ending Michelle Obama's girls education program. [….]

Das schadet zwar allen, aber das Weiße Haus kann sich darüber freuen der extrem beliebten Michelle Obama eins auszuwischen.


Immerhin also eine Konstante in Trumps erratischem Tun: What would a dick do?

Montag, 1. Mai 2017

Impudenz des Monats April 2017

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.


Der Mann beeindruckt nicht nur durch seine generelle Unfähigkeit als Minister, sondern sticht selbst unter seinen CDU-Kollegen als derjenige hervor, der besonders viel und dreist lügt.

Er war auch der Minister, der als besonders frommer Christ in der EU dafür eintrat die Rettungsoperation Mare Nostrum zu stoppen, damit möglichst viele Menschen im Mittelmeer krepieren.
Das sollte in der Logik de Maizières eine abschreckende Wirkung erzielen.

Wie wir immer wieder gesehen haben, ist Thomas de Maizière nicht gerade der Ehrlichste unter den Bundesministern. Ungeniert belügt er das Bundestagsplenum und Untersuchungsausschüsse.
Ein Links-Politiker oder gar Grieche würde so ein Verhalten publizistisch nicht überleben. Bei überführten Lügnern von der CDU wie Ursula von der Leyen oder Wolfgang Schäuble, wird das aber schnell nachgesehen und wohlwollend verdrängt – ganz so wie bei de Maizière.

Der fromme Sachse verspürt offenbar wieder einen zunehmenden Drang sich wichtig zu machen.
 Er will sich als Peginesen-Versteher und harter Hund profilieren; dabei poltert er sogar gegen seine heißgeliebten Kirchen.
Christen gefallen ihm immer dann, wenn sie gegen Schwule, Nutten und Linke agitieren. Daß Kirchen sich aber gelegentlich auch für Ausländer einsetzen akzeptiert de Maizière nicht. Sie übten eine Paralleljustiz wie durch das islamische Scharia-Recht aus, befand der fromme Innenminister.

De Maizière war es, der maßgeblich in der EU die Massenmord-Politik durchsetzte.
Es müßten nach der MARE NOSTRUM-Operation, die Menschenleben rettete, nur wieder genug Unschuldige elend krepieren, um einen abschreckenden Effekt auszuüben. Die Konsequenzen sind verheerend, es ist erschütternd Berichte der wenigen Hilfsorganisationen zu lesen. (…..)

Der Moral Midget (Paul Begala) entstammt selbst einer Flüchtlingsfamilie.
Die calvinistische Hugenottenfamilie de Maizière opponierte mit ihrem fremden Glauben gegen den katholischen französischen König und floh aus dem nordfranzösischen „Maizière“ bei Metz im 17. Jahrhundert zum preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm.

(Meine Familie ist bis ins 16. Jahrhundert zurück in Norddeutschland nachweisbar; dennoch bin ich bis heute kein Deutscher, weil ich der mütterlichen Linie entstamme. Ein Mann, dessen Familie erst Jahrhunderte nach Meiner nach Deutschland kam, bestimmt also heute, daß ich kein Deutscher sein kann.)

Vielleicht sind wirklich Konvertiten sie Schlimmsten. Der Bundesinnenminister ist der entschiedenste Kämpfer wider die Mitmenschlichkeit, gegen die Humanität in der CDU.

Um gegen Flüchtlinge zu agitieren ist ihm jedes Mittel Recht.
Lügen sowieso.
In perfider Weise verbreitet Thomas de Maizière bösartige Gerüchte, um Hass und Vorurteile gegen Heimatvertriebene anzustacheln.

[….] So erklärte de Maizière im vergangenen Jahr, dass sich „30 Prozent“ der Asylsuchenden mit gefälschten Papieren als Syrer ausgäben. Dass es für diese Behauptung keinerlei Zahlenbasis gab und gibt, stört den Minister nicht. Bei 100.000 Prüfungen wurden lediglich 412 Fälschungen entdeckt, also weniger als ein halbes Prozent und damit signifikant weniger als besagte 30. […..] Der MDR untersuchte nun eine weitere Behauptung des Ministers: „Es kann nicht sein, dass 70 Prozent der Männer unter 40 Jahren vor einer Abschiebung für krank und nicht transportfähig erklärt werden“, so de Maizière über die Ursache eines Rückstaus bei der Entfernung von ausreisepflichtigen abgelehnten Asylbewerbern.
Das Bundesinnenministerium konnte dem Fernsehsender auf Nachfrage keine Statistik über die Zahl ärztlicher Atteste bei drohenden Abschiebungen vorlegen – weil es keine Statistik gibt. Zitat MDR: „Die Zahl ‚70 Prozent‘ hat sich der Bundesinnenminister offenbar ausgedacht.“ [….]

An diesem Wochenende legte der Pegida-Verstärker nach, unternahm einen neuen Versuch Unfrieden zu säen und ein xenophobes Klima zu erzeugen.
Ersichtlich geht es ihm darum seinen Job zu sichern, indem er Unions-intern als Scharfmacher und Seehofer-Freund wahrgenommen wird.
Standesgemäß feuerte der braune Hugenotte seine zehn Thesen wider die Ausländer im Ekel-Blatt BamS ab.

Die Thesen an sich sind kaum der Rede wert; reine Wahlkampfparolen, um Unfrieden zu stiften.


1.) Wir sind eine offene Gesellschaft. Wir zeigen unser Gesicht. Wir sind nicht Burka.

Burka-Klöckner ist folgerichtig entzückt. Die Tatsachen sind aber weiterhin die, daß niemand je eine Burka in Deutschland gesehen hat.


2.) Wir sehen Bil­dung und Er­zie­hung als Wert und nicht al­lein als In­stru­ment. [….] All­ge­mein­bil­dung hat einen Wert für sich. Die­ses Be­wusst­sein prägt unser Land.

Es ist insbesondere de Maizières Politik zu verdanken, daß Flüchtlinge systematisch von Bildung und Deutschkursen abgehalten werden. Daß sie vor einer endgültigen BAMF-Entscheidung womöglich Jahre gezwungen werden rumzusitzen, ohne Zugang zu Bildung zu haben. Es sind de Maizières rechte CSU-Kumpel, die sogar eigens eine Bildungsfernhalteprämie ersonnen haben, um das zu verhindern, was Mr. Scheinheilig fordert.

5.) Wir sind Kulturnation. [….] Es ist selbstverständlich, dass bei einem politischen Festakt oder einem Schuljubiläum Musik gespielt wird. [....] Jeder Land­kreis ist stolz auf seine Mu­sik­schu­le. Kultur in einem wei­ten Sinne, unser Blick dar­auf und das, was wir dafür tun, auch das ge­hört zu uns.

Das ist ja wirklich das Schlimme an Ausländern. Die haben gar keine Kultur und singen auch nie. Deutschland hingegen ist die weltweit führende Sangesnation. Deswegen beneiden uns alle anderen Länder um die deutsche Volksmusik, daher gewinnt Deutschland jeden einzelnen ESC-Wettbewerb und daher gibt es in den angelsächsischen Ländern bekanntlich auch gar keine international erfolgreichen Sänger. Insbesondere von Afrikanern weiß man aber, daß sie keinen „Rhythmus im Blut“ haben, als schlechte Tänzer und Sänger gelten. Ganz anders als die musischen Tanz-Ikonen Dieter Bohlen und Herbert Grönemeyer.

6.) In un­se­rem Land ist Re­li­gi­on Kitt und nicht Keil der Ge­sell­schaft. Dafür ste­hen in un­se­rem Land die Kir­chen mit ihrem un­er­müd­li­chen Ein­satz für die Ge­sell­schaft. Sie ste­hen für die­sen Kitt – sie ver­bin­den Men­schen, nicht nur im Glau­ben, son­dern auch im täg­li­chen Leben, in Kitas und Schu­len, in Al­ten­hei­men und ak­ti­ver Ge­mein­de­ar­beit. Ein sol­cher Kitt für un­se­re Gesell­schaft ent­steht in der christ­li­chen Kir­che, in der Syn­ago­ge und in der Mo­schee. Wir er­in­nern in die­sem Jahr an 500 Jahre Re­for­ma­ti­on.
Für die Tren­nung der christ­li­chen Kir­chen hat Eu­ro­pa, hat Deutsch­land einen hohen Preis ge­zahlt. Mit Krie­gen und jahr­hun­der­te­lan­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Deutsch­land ist von einem be­son­de­ren Staat-Kir­chen-Verhält­nis ge­prägt. Unser Staat ist welt­an­schau­lich neu­tral, aber den Kirchen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten freund­lich zu­ge­wandt. Kirch­li­che Feier­ta­ge prä­gen den Rhyth­mus un­se­rer Jahre. Kirch­tür­me prä­gen un­se­re Land­schaft. Unser Land ist christ­lich ge­prägt. Wir leben im re­li­giö­sen Frieden. Und die Grund­la­ge dafür ist der un­be­ding­te Vor­rang des Rechts über alle re­li­giö­sen Re­geln im staat­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Zusammen­le­ben.

Genau, Kirchen sind der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält, indem sie hunderttausende Kinder quälten, Tausende Jungs sexuell missbrauchten, wider die Homosexuellen, Abtreibung und den Wunsch der Patienten nach Selbstbestimmung agitieren. Dafür überhäuft sie der Staat grundgesetzwidrig jedes Jahr mit Milliarden.
Gut, daß das den doofen Syrern und Irakern mal gesagt wird, denn im Nahen Osten gibt es ja bekanntlich gar keine Religion. Und jeder weiß, daß der Islam sich anders als die guten Kirchen nie in gesellschaftliche Dinge einmischt und daher sind die Regierungen im Nahen Osten dem Islam ja auch nie „freundlich zugewandt“.

7. [….]  Zum Mehr­heits­prin­zip ge­hört der Min­der­hei­ten­schutz. Wir stö­ren uns daran, dass da ei­ni­ges ins Rut­schen ge­ra­ten ist. Für uns sind Re­spekt und Toleranz wich­tig. Wir ak­zep­tie­ren un­ter­schied­li­che Le­bens­for­men und wer dies ab­lehnt, stellt sich au­ßer­halb eines gro­ßen Kon­sen­ses. [….]
Ein Beispiel dafür ist de Maizières Regierungspartei CDU, die sich außerhalb des großen Konsenses stellt, indem sie wie schon immer seit ihrer Gründung vor 70 Jahren gleichgeschlechtliche Lebensformen nicht akzeptiert und ihnen heute noch hartnäckig Rechte verweigert.

 8. Wir sind auf­ge­klär­te Pa­trio­ten. Ein auf­ge­klär­ter Pa­tri­ot liebt sein Land und hasst nicht an­de­re. [….]  Ja, wir hat­ten Pro­ble­me mit un­se­rem Pa­trio­tis­mus. Mal wurde er zum Na­tio­na­lis­mus, mal trau­ten sich viele nicht, sich zu Deutsch­land zu be­ken­nen. All das ist vor­bei, vor allem in der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on. Un­se­re Na­tio­nal­fah­ne und un­se­re Na­tio­nal­hym­ne sind selbst­ver­ständ­li­cher Teil un­se­res Pa­trio­tis­mus: Ei­nig­keit und Recht und Frei­heit.

Das geht diesen zugewanderten Hugenotten nicht das Geringste an, was wir sind.
Wir sind keine Patrioten.
"Jede Nation spottet über die andere, und alle haben Recht." (Arthur Schopenhauer)

Und zu de Maizières „Patriotismus“ führte der Philosoph aus.

„Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.
(Arthur Schopenhauer)

Vorhin grübelte ich wie eigentlich das Antonym zu „Patriotismus“ lautet.
Ich bin nämlich so gar kein Patriot und kann für patriotische oder gar nationale Gefühle (gegenüber Deutschland ODER Amerika) einfach kein Verständnis aufbringen.
Auch das Wort „Stolz“ liegt mir nicht. Insbesondere könnte ich keinen Stolz auf eine Nation empfinden, da ich Stolz immer mit einer eigenen Leistung verbinde.
Was aber ist weniger ein eigener Verdienst als der Zufall wo man geboren wurde?
Wie nennt man aber nun Menschen, die keine Patrioten sind?
Im Zweifelsfall googlen. Eine Internetsuche spuckt folgende Begriffe aus:

Vaterlandsverräter, Fahnenflucht, Verrat, Unzufriedenheit, Untreue, Falschheit, Wankelmut, Unbeständigkeit, Perfidie, Nestbeschmutzer, „Jemand der sich ganz schnell verpissen sollte. Er mag sein Land nämlich nicht“, Landesverräter, Idiot, Zecke,..

Nun bin ich noch unpatriotischer, nachdem ich sehe welche Konnotationen aktiviert  werden, wenn man Menschen nach dem Gegenteil von Patriotismus fragt.
Das Abstoßende am Patriotismus ist also nicht nur das penetrante Sich-mit-fremden-Federn-schmücken, sondern die mehr oder weniger latent damit einhergehende Abwertung anderer Nationen, bzw der Nicht-Patrioten im eigenen Land.
Es stimmt eben, daß die Grenzen vom Patriotismus zum Nationalismus fließend sind und Letzterer ist einer der destruktivsten Ismen, den die Menschheit hervorgebracht hat.

Immer wenn die Patriotismuskarte gespielt wird, folgt etwas Ekelhaftes. (…….)

Klar wird mir wieder einmal weswegen ich keine Loyalität für diesen Staat empfinde.
Ich empfinde einerseits generell weder Stolz noch Loyalität für etwas so Abstraktes wie einen Staat und andererseits sind mir solche Staatslenker wie De Maizière, die ihren Patriotismus benutzen, um Karriere zu machen, auszugrenzen und rechte Stimmen einzusammeln zutiefst zuwider.

[….] Der Innenminister formuliert Thesen zur Leitkultur, und die Aufregung ist groß. Genau so war es geplant. [….] Deutschland hat also wieder eine Leitkulturdebatte. Seit Friedrich Merz den Begriff im Jahr 2000 in die politische Einwanderungsdebatte einführte, wird in schöner Regelmäßigkeit über dessen Sinn und Unsinn diskutiert. Und weil die Bundestagswahl naht, ist es kaum überraschend, dass die Union das Frühjahr 2017 für einen guten Zeitpunkt erachtet, um das Thema wieder aufzuwärmen.
[….] "Wir geben uns zur Begrüßung die Hand", meint der Innenminister. Wirklich, tun wir das immer, wollen wir das immer? Was ist mit denen, die sich umarmen, oder mit Wangenkuss begrüßen - oder nur nicken? Wer sind also jene "wir", für die der CDU-Politiker hier zu sprechen glaubt? [….]

Für mich sind sympathischere Regierungen denkbar. Es gibt ein Regierungshandeln, welches mich mit einem Gefühl der Herzeigbarkeit erfüllt.
Als Schröder und Fischer auf klaren Anti-GWB-Kurs gingen, mit aller Macht versuchten den Irakkrieg zu verhindern, endlich eine Entschädigung für die Millionen Zwangsarbeiter in Deutschland durchkämpften oder auch die „Homo-Ehe“ einführten, empfand ich es als sehr angenehm mich ausnahmsweise mal nicht zu schämen für die deutsche Regierung.

Patrioten-Plapperer wie de Maizière, die mit perfiden Methoden wider die Schwächsten agitieren, nämlich mit erlogenen Zahlen Typen wie dem rechtsextremen Verschwörungstheoretiker David Berger in die Hände spielen, bewirken nicht nur einen starken Brechreiz, sondern verhindern loyale Gedanken für diese Regierung.

Ich bin nicht loyal mit de Maizière.

Loyalität ist positiv konnotiert und damit klingt auch die Forderung danach gut.
Eine praktische oder rechtliche Bedeutung gibt es dafür aber nicht.

Was soll Loyalität zu Deutschland eigentlich sein?

Muß ich ein Gauck-Portrait über meinem Bett aufhängen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich immer der deutschen Fußballnationalmannschaft die Daumen drücken?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich jeden Tag Sauerkraut und Eisbein essen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich Gartenzwerge auf meinen Balkon stellen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich schwarzrotgüldene Wimpel an mein Auto kleben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich die Nationalhymne singen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich die Regierungspartei mögen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich kurze Hosen mit Treckingsandalen tragen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich Schlagermusik hören und Musikantenstadl gucken?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich Deutschland lieben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich mir das 1000-Jährige Reich zurückwünschen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich meine Kinder Peter und Ursula nennen?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich einen Schäferhund haben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich schlechten Geschmack haben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich zur Lorelei pilgern?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich VW Golf fahren?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

Muß ich „Leitkultur“ leben?

Nein, das tue ich nicht und werde es nicht tun.

So wie man eine deutsche Staatsbürgerschaft nicht entzieht, wenn ein Deutscher dauernd Koreanisch isst, nur spanische Musik hört oder englische Bücher liest, wird sie auch nicht als Gnadenakt gewährt, wenn man sich loyal zu CDU, Kirche und Merkel verhält.

Die deutsche Staatsbürgerschaft steht jedem zu, der hier geboren wurde, oder aber eine bestimmte Zeit hier lebt. Ob er/sie/es durch familiäre Verstrickungen noch einen weiteren Pass in der Schublade hat, ist irrelevant. (…..)