Freitag, 15. Juni 2012

Bayerische Analnachschau - Teil III.



 Niemand mag Salafisten.

Wer würde der Ansicht widersprechen, daß Pierre Vogel nicht gerade der Typ ist, den man sich als Schwiegersohn wünscht?

Dabei hat der Begriff erstaunlich schnell Karriere gemacht.
 Noch vor ein, zwei Jahren konnten genauso wenig Menschen etwas mit dem Wort „Salafismus“ anfangen wie mit „Wahabismus.“
Inzwischen weiß aber jede Oma auf der Straße Salafisten zu konnotieren.
Salafisten sind schlecht und das ist wiederum gut für Innenminister Friedrich und das BKA.

Indem sie nun mal so richtig mit dem Knüppel draufhauen, Großrazzien durchführen und Verbote aussprechen, können sie die peinliche Pleite mit dem massenmörderischen Uwe-Uwe-Zschäpe-Trio vergessen machen.

Über viele Jahre hatte niemand die offensichtlichen Zusammenhänge erkannt, die Opfer zu mutmaßlichen Tätern hochstilisiert, völlig untätige V-Leute finanziert und die zehn Opferfamilien des „NSU“ mit dem Begriff „Dönermorde“ a posteriori diffamiert.

Es ist aber nicht so, daß die Polizei nicht gesucht hätte.

Nein, insbesondere die Bayerische Polizei war sehr agil und akribisch, als sie unter Vorhäuten und hinter analen Schließmuskeln Kontrollen durchführte.

Als 2001 die CDU die Regierungsmacht in Hamburg erlangte, holten sie sich folgerichtig einen Münchner Polizisten zunächst als Polizeipräsident und dann sogar als Innensenator in die Hansestadt.
Aber der Reihe nach:

Um den Kriminellen in der schönsten Stadt der Welt mal zu zeigen, daß man sie im Auge hat, holte sich die CDU gerne Innensenatoren, die selbst mit dem Gesetz in Konflikt kamen.

Ab 31. Oktober 2001 war das der inzwischen nach Brasilien geflüchtete Kokser und Erpresser Ronald Schill. 
Ihm folgte am 3. September 2003 sein Büroleiter Dirk Nockemann, der anschließend selbst ankündigte mit dem PI-Held Udo Ulfkotte eine rechte Partei zu gründen und schließlich beim „Zentrum“ landete. Nur fünf Monate konnte sich Nockemann im Amt halten.

Am 17. März 2004 berief Ole von Beust den ehemaligen Münchner Kriminaldirektor Udo Nagel zum Innensenator. Er wurde bekannt als großer Abschieber und Hindukusch-Experte.

Im April 2005 flog Nagel als Innensenator für vier Tage nach Kabul, um selbst Druck auf die afghanische Regierung auszuüben, damit diese der Abschiebung afghanischer Flüchtlinge in Hamburg zustimme. Nach seiner Rückkehr erklärte Nagel: „Die Sicherheitslage in Afghanistan ist stabil. In viele Provinzen kann man zurückkehren.“  […] Mit den Äußerungen des Hamburger Innensenators konfrontiert, erklärte Dadfar Anfang Mai gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel: „Ich habe ausdrücklich gesagt, dass wir für sie [die Flüchtlinge] keine Verantwortung tragen können.“ Die geplanten Abschiebungen bezeichnete er als „kontraproduktiv“.
(Wikipedia)

Im Jahr 2010 veranstaltete Nagel zusammen mit Stefanie von und zu Guttenberg die bizarre und rechtlich fragwürdige RTL-II-Prangersendung „Tatort Internet“.

Am 7. Mai 2008 wurde der spätere Kurzzeit-Bürgermeister Christoph Ahlhaus Innensenator. 
Er machte sich mit seinen skandalösen Verhalten so unbeliebt, daß er als CDU-Spitzenkandidat anschließend die Partei halbierte.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Beamte der Staatsanwaltschaft haben im Zuge eines Ermittlungsverfahrens die Villa von Christoph Ahlhaus (CDU) in den Elbvororten durchsucht. Wie das Abendblatt erfuhr, fand die Razzia bereits am vergangenen Mittwoch zwischen 10 und 14 Uhr statt. "Wir haben schriftliche Unterlagen und elektronische Daten sichergestellt und werten diese jetzt aus", sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers auf Nachfrage.  Erstmals bestätigte die Staatsanwaltschaft auch das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Regierungschef. Gegen Ahlhaus werde wegen des Verdachts der Vorteilsannahme im Zusammenhang mit dem Kauf seines Hauses ermittelt, sagte Möllers.

Der letzte CDU-Innensenator, bevor ab 2011 wieder ein vernünftiger SPD-Mann den Job übernahm, war Heino Vahldieck, der am 25.10.2010 sein fragwürdiges Wirken begann. 

Endlich auch für die Hamburger Polizei Computer anzuschaffen, schaffte zwar auch Vahldieck  bis 2011 nicht, aber dafür setzte er andere Duftmarken.

Seine Frau, die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Susanne Rahardt-Vahldieck, hatte als stadtbekannte Säuferin die ein oder andere Alkohol-Unfallfahrt unternommen.

Als der damalige SPD-Senat einige Monate später damit vorpreschte die 0,8 ‰-Grenze auf 0,5 ‰ abzusenken und gar ins Spiel brachte, daß man eigentlich gar keinen Alkohol trinken solle, wenn man noch ans Steuer wolle, reagierte die Hamburger CDU-Opposition über alle Maßen empört.
Na, so ein Zufall, daß der zuständige innenpolitische Sprecher der CDU damals Heino Vahldieck hieß.
Ja genau, der Ehemann, der bekannten Hamburger Schnapsdrossel.
"0,0 Promille, das hieße ja, jede Weinbrandbohne und jedes Bier zum Abendbrot wäre schon zu viel", reagiert der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Heino Vahldieck, auf Wrocklages Vorstoß. Auch er äußert Bedenken wegen einer unzulässigen Kriminalisierung von Autofahrern, die geringe Mengen Alkohol konsumiert hätten. "Es kann nicht darum gehen, die Gesetze zu verschärfen, sondern die Einhaltung der bestehenden Gesetze besser zu überwachen. Stattdessen würde in Hamburg seit Jahren bei der Verkehrsüberwachung gespart und Personal abgebaut. "
(Die WELT März 1997)

Das Saufen übernahmen die Polizisten unter CDU-Herrschaft gleich selbst.
So geschehen im Juli 2010 im Nobelhotel "Steigenberger Treudelberg" (vier Sterne) in Hamburg-Lemsahl:

Polizei-Party im Luxus-Hotel: Saufen, pöbeln, kotzen! 
 (MoPo)

Die Beamten hämmerten sich so dermaßen zu, daß sie am Ende das ganze Hotel in in ein Trinker-Asyl verwandelten. Sie zogen grölend und aggressiv durch die Flure und mischten die anderen Hotelgäste auf.

Eine Augenzeugin zur MOPO: "Es waren etwa 15 Beamte. Die stark angetrunkenen Männer haben die Gäste, darunter auch eine Hochzeitsgesellschaft, bepöbelt. Selbst die Angestellten wurden verbal angegriffen. Das ging bis in die Morgenstunden." Einer der uniformierten Ordnungshüter soll sich nach der "Polizei-Party" sogar sturzbetrunken auf dem Flur erbrochen haben.
(Mopo)

Da passte es doch, daß Heino Vahldieck 2010 selbst Innensenator wurde.

Er wollte den Job schon seit sechs Jahren - nur traute ihm seine eigene Partei den Posten nicht zu:

Lange hat es gedauert, bis Heino Vahldieck endlich Innensenator wurde. Schon 2004 soll der Chef des Verfassungsschutzes Ambitionen auf das Amt gehabt haben – doch Ole von Beust entschied sich für den beliebten Udo Nagel aus Bayern. 2008 stieg dann Staatsrat Christoph Ahlhaus an Vahldieck vorbei zum Senator auf.
(Mopo 20.08.2010)

Sich so richtig fachlich blamieren und offensichtlich der Materie nicht gewachsen zu sein, schien für den grünschwarzen Senat Hamburgs geradezu ein Einstellungskriterium zu sein.

Daß die Hamburger Polizei nicht über Computer und das Anal- und Vorhaut-Know-How der Münchner Polizei verfügte, verstand sie aber durch geniale Ermittlungsmethoden zu kompensieren. 
Auch ohne PC und Weltnetz oder wie dieser moderne Kram heißt.
Es waren Hamburger Kripo-Beamte, die inspiriert von ihrer politischen Führung ganz neue Wege gingen, um endlich die „Dönermorde“ aufzuklären.

 So geschehen während der Amtszeit des Innensenators Nagel auf der Suche nach dem damals noch unbekannten NSU-Trio.

Die Hamburger Polizei setzte […] in ihren Ermittlungen auf unkonventionelle Hilfe: Ein iranischer "Metaphysiker" bot den hanseatischen Beamten im Januar 2008 an, über ein "Medium" Kontakt zu dem sieben Jahre zuvor ermordeten Gemüsehändler Süleyman T. aufzunehmen. Die Verantwortlichen der "Soko 061" willigten den Akten zufolge ein. Im April 2008 teilte der Iraner ihnen die angeblichen Ergebnisse seiner metaphysischen "Befragung" des Mordopfers mit, woraufhin die Beamten einen entsprechenden Vermerk anlegten.
Über eine Mittelsfrau ließ der Geisterbeschwörer demnach die Hamburger Polizisten wissen, dass er während eines Aufenthalts in der Hansestadt in einer angemieteten Wohnung für zehn bis fünfzehn Minuten Kontakt zu dem getöteten Gemüsehändler habe aufnehmen können. […] Das Opfer habe "mit einer Bande in Kontakt" gestanden, die aus bis zu acht Personen mit "Motorrädern/Rockern" bestehe, polizeibekannt sei, jedoch "keinen hohen Organisationsgrad" habe.
Auffällig sei eine Person mit Kopftuch. Ein Mitglied der Bande heiße "Armin" oder "Amin", ein weiteres heiße Mustafa "Horgh". Auch eine Beschreibung des Mörders habe das Opfer geliefert: "Der Täter soll einen dunklen Teint (Südländer), braune Augen und schwarze Haare haben. Er soll sehr jung sein, und es könnte sich um einen Türken handeln." […] Damals  […] schienen die Informationen aus dem Jenseits den Hamburger Beamten offenbar immerhin so interessant, dass sie sie mit ihrem internen Informationssystem abgleichen ließen.

Hamburgs Polizeisprecher Mirko Streiber bestätigt, dass die Ermittler Kontakt zu dem iranischen Medium aufgenommen haben: "Sie haben das Gespräch auch gesucht, um festzustellen, ob der Mann möglicherweise über Zeugen- oder gar Täterwissen verfügt. Bei der Befragung stellte sich dann aber heraus, dass die Angaben nicht hilfreich" [ÜBERRASCHUNG!!! - T.] sein würden.

Der Vorsitzende des NSU-Ermittlungsausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD): „Unglaublich, dass die Hamburger Kripo Geisterbeschwörer eingesetzt hat, statt einer Rechtsextremismus-Spur nachzugehen.“

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