Mittwoch, 5. August 2015

In geistige Gaga-Gefilde – Teil II



Leider bin ich immer noch nicht  aufgewacht und kann daher nichts Sinnvolles bloggen. Ich ergehe mich immer noch in fiebrigen Tagträumen – dieser „bizarren oder halluzinatorischen mentalen Aktivität, die während eines Kontinuums an Schlaf- und Wachstadien einsetzt“ – um den Harvard-Forscher Prof. Robert Stickgold zu zitieren.
Das sind aber im Moment auch wirklich bizarre Hallus, die mir durch die Birne blitzen.

Mir erschien Innenminister de Maizière, der gleichzeitig FÜR und GEGEN die Ermittlungen gegen Netzpolitik.org ist, sich einerseits hinter Maaßen stellt und andererseits den Rausschmiss desjenigen, der Maaßens Willen exekutierte, begrüßte.

Trotzdem ließ de Maizière am Mittwoch seinen Sprecher erklären, "dass bis hoch zum Minister das Bundesinnenministerium der Auffassung ist, dass Herr Maaßen korrekt gehandelt hat". Der Sprecher bezog sich dabei ausdrücklich sowohl auf die Anzeigen als auch auf das Gutachten.

Armer Innenminister. Schizophrenie ist ein schweres psychisches Krankheitsbild.
Aber auf das Agieren der Bundesregierung beim Verfassungsschutz trifft es voll zu.

Im akuten Krankheitsstadium treten bei schizophrenen Menschen eine Vielzahl von charakteristischen Störungen im Bereich von Wahrnehmung, Denken, Ichfunktionen, Affektivität, Antrieb sowie Psychomotorik auf.
(Wiki)


Und von Amerika habe ich auch wieder Alpträume gehabt.
Da gleitet man auch leicht hinein, weil die Realität schon sehr verwirrend ist.
Es war ja schon in Deutschland ziemlich merkwürdig, daß vor der letzten Bundestagswahl ein Satz Comedy-Jacketkronen namens Mettbrötchen Raab als geeignet erachtet wurden Merkel und Steinbrück zu ihrer Eignung als Kanzler zu befragen.

In Amerika treffen sich nun schon für die Kandidatur nur einer Partei gleich 17 Clowns beim Comedy-Sender „Fox“, dessen Zuschauer nachweislich deutlich schlechter politisch informiert sind, als diejenigen, die überhaupt keine Nachrichten sehen.

Politik spielt aber schon längst keine Rolle mehr – der absurde Zirkus gruppiert sich um einen Mehrfach-Pleitier, der Gloria von Thurn und Taxis Frisur aus den 80er Jahren kopiert und im Übrigen daran arbeitet möglichst viele Unter-der-Gürtellinie-Beleidigungen in einem Satz unterzubringen.


Ein Berater von John Kasich umschreibt das Problem der restlichen Diskutanten so: "Sich auf diese Debatte vorzubereiten ist genauso schwer, wie es für einen Rennfahrer wäre, der weiß, dass in einem Auto ein Betrunkener sitzt." Viele Zuschauer dürfte vor allem interessieren, wen der exzentrische Milliardär als Nächsten beleidigt.

Ich habe aber geträumt, daß es noch viel Irrer geht.
Daß im amerikanischen Fernsehen erklärt wird, wie durch die Supremecourt-Entscheidung für „gay-marriage“ Erdbeben , Hurricanes und Dürren ausgelöst werden.


Ein sehr realistischer Traum.
Diese Ansicht überzeugt mich.

Beweisen lässt es sich schon dadurch, daß in den gesamten 6.000 Jahren, die die Erde existiert noch nie ein Erdbeben stattfand BEVOR Obama die same-sex marriage eingeführt hat - natürlich nur aus purem Hass auf das Christentum.
Er hasst bekanntlich alle Christen wie die Nazis damals die Juden gehasst haben!

Lasst uns alle beten!


Dienstag, 4. August 2015

In geistige Gaga-Gefilde.



Erinnert sich noch jemand an den Film „Birdy“ von 1984?
Das ist dieser psychologisch hochinteressante Antikriegsfilm von Alan Parker mit Matthew Modine und Nicolas Cage in ganz jung und dem sensationellen Soundtrack von Peter Gabriel.
Habe ich damals mehrfach gesehen und war schwer beeindruckt.
Der in Vietnam schwer traumatisierte Modine driftet mental immer mehr in seine Phantasiewelt ab.
Es beginnt mit Träumen, die schließlich so intensiv werden, daß er sie nicht mehr von der Realität unterscheiden kann.
Als Teeni faszinierte mich dieses psychologische Abdriften, das Verschwimmen der Realität über alle Maßen. Vermutlich lag das unter anderen daran, daß ich (zumindest damals noch) selbst geistig sehr normal war.

Inzwischen kann ich das alles besser nachvollziehen.

Zum Beispiel heute Morgen:
Ich habe eine ganz leichte Fehlstellung der kleinen Zehen. Die sind etwas verdreht von Geburt an.
Nun wurde das aber plötzlich wesentlich schlimmer. Die drei äußeren Zehen beider Füße biegen sich im 90°-Winkel nach innen. Sieht übel aus. Wie kommt sowas? Mutationen? Knochenkrebs?
Ich wollte das noch mal genau ansehen und dann eine Termin beim Orthopäden machen.
Dabei stellte ich fest, daß ich mir die Aktion sparen kann.
Ich hatte diese Rapid-Zehenverdrehung offensichtlich geträumt. Meine Füße sind ganz normal. Allerdings scheint mein Hirn nicht gründlich die Traumrudimente aus meinem Bewusstsein geräumt zu haben.
Mir geht es fast wie Matthew Modine in Birdy.

Es geht offenbar los.
Ich kann meinem eigenen Verstand nicht mehr trauen.

Noch so ein bizarrer Traum heute:

Harald Range, der senile und überforderte Generalbundesanwalt ist heute Morgen durchgedreht, hat sich vor die Presse gestellt und seinen ihm gegenüber weisungsbefugten Dienstherren zur Schnecke gemacht. Behauptete der Justizminister dürfe ihm nicht reinreden und jammerte Maas hätte das getan.
Ist RANGE verrückt geworden? Und dann auch noch in offensichtlicher Unkenntnis der Verfassung. NATÜRLICH ist der Justizminister weisungsbefugt gegenüber dem Generalbundesanwalt. Maas darf nur nicht die Richter beeinflussen. Wieso sind ausgerechnet die Juristen im Bundesjustizministerium und der Bundesanwaltschaft juristisch noch unbedarfter als ich, der nicht eine Minute Jura studiert habe? Range scheint begeistert in den Karrieresuizid gegangen zu sein. Wer so rumpöbelt, muß doch wissen, daß er noch am selben Tag entlassen wird. Was für ein irrer Traum. Range, der von allen Parteien und Journalisten unter Beschuss steht, kommt auf die Idee öffentlich seinem Chef aufs Pult zu kacken.

Und stimmt es, daß Killer-König Salman ganz begeistert ist von Maaßens und Ranges Vorgehen?


Diese Namen, die phonetisch wie Maas und Maaßen klingen, verwirren mich.

Daher träumte ich auch noch, es gäbe diesen Euskirchener Landratskandidaten MAASSEN von der SPD, der gerade behauptete sich selbst anzuzünden zu wollen.
Verrückt, was mein Hirn während der REM-Phasen anstellt.

Er will seiner Wählerschaft in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass er "Feuer und Flamme" ist. Deswegen will er sich bei einer Wahlkampf-Tour vor den Augen der Zuschauer anzünden - ohne feuerfesten Schutzanzug. Das kündigt der SPD-Landratskandidat in Euskirchen Guido Maassen auf seiner Homepage an.

Hoffentlich wache ich bald auf.

Ich habe nämlich noch etwas vollkommen Irres geträumt, das unmöglich real sein kann.
Da ging es um die US-Wahl. Bisher dachte ich nämlich, Trump wäre der Bekloppteste von allen. Trump ist der Typ, der Latinos als Mörder und Vergewaltiger bezeichnete und nun behauptet Hispanics stünden genau wie Schwarze hinter ihm, weil Obama auch den Schwarzen so geschadet hätte.
In meinem Traum nun wollte der erste GOP-Kandidat, der Immigrantenhasser Ted Cruz (in Kanada geboren, Vater Kubaner) Gaga-Trump auf der nach oben offenen Wahnsinnsskala übertreffen, indem er ein Video machte, mit dem er für automatische Waffen und Bacon warb.

Cruz wickelte die in den Vereinigten Staaten so beliebten Schweinefleisch-Streifen liebevoll um den Lauf eines Maschinengewehrs und ummantelte die merkwürdige Konstruktion mit Alufolie. Er arrangiere einfach so gerne für seine Familie am Wochenende das Frühstück, sagt er in dem Clip grinsend in die Kamera: "Aber in Texas bereiten wir Bacon natürlich ein bisschen anders zu als es andere Leute tun."
Mit Schutzbrille und Ohrstöpseln ausgestattet geht er mit seiner mit Fleisch umwickelten Waffe an den Schießstand und feuert immer wieder auf die Zielscheibe - so lange, bis vom Gewehrlauf das Fett auf den Boden tropft.
Der grinsende Cruz entfernt daraufhin die Alufolie, wickelt mit einer Plastikgabel genüsslich den Speck von der Waffe und beißt schließlich beherzt hinein. Zum Schluss des rund einminütigen Clips sagt Cruz nur noch: "Hmmm, Maschinengewehr-Bacon" - und bricht in schallendes Gelächter aus.

Ich glaube, ich brauche jetzt dringend starke Neuroleptika, die verhindern, daß ich so einen Schwachsinn träume.
Sonst halte ich das alles am Ende noch für real und muß in die Klapsmühle.




Montag, 3. August 2015

Doof und dreist



Erinnert sich noch jemand an die Madonnas World-Tour „Confessions“ von 2006, als sie ein Lied wie Jesus ans Kreuz geschlagen sang und runde 200 Millionen Euro durch den Ticketverkauf einnahm?
Eine Eintrittskarte kostete durchschnittlich 200 Euro, so daß auch echte Fans gut umworben sein wollten, um so tief in die Tasche zu greifen.
Madonna ist aber ein Marketing-Genie und konnte sich auf ihre treuen Helfer auf den Kirchenkanzeln verlassen.
Die dümmste Bischöfin der Welt, Margot Käßmann, sprang bereitwillig ein, um Madonnas Kartenverkauf anzuheizen.

Käßmann kann aber auch richtig dumm - wie sie in der causa „Madonna“ bewies, als sie sich wie Hein Doof in der Marketing-Maschine der Groß-Sängerin verhedderte:
Während der vorletzten Madonna-Europa-Tournee konnte die Bischöfin kein Mikrofon auslassen und musste permanent ihren Senf zur Show abgeben.
Das ist an sich schon lächerlich und offenbart nur ihren Neid auf die ungleich erfolgreichere Kollegin, aber vor allen geht sie damit dem ältesten Madonna-Trick überhaupt auf dem Leim: Madonna hat immer Grenzen überschritten und genau so viel provoziert, bis die religiösen Eiferer zum Boykott aufriefen und damit den CD-Verkauf anheizten.
Nur Frau Käßmann hat es nach einem Vierteljahrhundert immer noch nicht begriffen.

Ich zitiere:

„Mich empört ihre (Madonnas, Red) anmaßende Selbstinszenierung, sich an die Stelle Jesu zu setzen. Das Kreuz ist für alle Christen das zentrale Symbol für das Leiden und Sterben Jesu. ... Es ging ihr um eine spektakuläre Bühnenshow, mit der sie 200 Millionen Dollar verdient hat, wie es heißt. ... Die arme Madonna! Sie sagt doch, sie sei tief religiös! Ich denke, Madonna hat das alles wenig interessiert. ...“


Auf einem ähnlichen geistigen Niveau wie Dummdumm Käßmann agiert bedauerlicherweise auch der Chef des Verfassungsschutzes.

Die Rede ist von Hans-Georg Maaßen, 52-Jähriger Jurist aus NRW, seit dem 1. August 2012 Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und damit wichtigster Zuarbeiter des Verfassungsschutzministers Thomas de Maizière.

Maaßen ist offenbar nicht die Hellste unter Gottes Blitzbirnen.
Die akademische Karriere stockt gewaltig.

Seit 2001 ist Maaßen Lehrbeauftragter am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin. Dem Antrag des Fachbereiches auf eine Honorarprofessur Maaßens kurz vor seiner Vorstellung durch den Bundesinnenminister vom Akademischen Senat der Freien Universität wurde eine Absage erteilt. Ausschlaggebend war Maaßens Rolle in der Affäre um Murat Kurnaz. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) – selbst Honorarprofessorin der FU – bezeichnete laut taz Maaßens damaliges Rechtsgutachten als „falsch, empörend und unmenschlich“, der Rechtsprofessor Ulrich Battis, hielt es für zweifelhaft und politisch „völlig daneben“. Maaßen erklärte, der Titel sei ihm „schnurz“, und er verteidigte weiter seine Haltung.

Eben dieser Maaßen, der sich selbst im konservativen Bundesinnenministerium unmöglich gemacht hatte, wurde 2012 von der juristischen Superblitzbirne; dem damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich („Sicherheit ist das Supergrundrecht“) zum Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) ernannt.
Dort machte er sich sofort Freunde, indem er Edward Snowden als „Verräter“ bezeichnete, der aus Sicht des Verfassungsschutzes als Verbrecher behandelt werden müsse.

Auch zu den amerikanischen Diensten hat Maaßen klare Ansichten. Diese hielten sich an deutsches Recht und betrieben hier keine Wirtschaftsspionage.

Maaßens skandalöses Vorgehen gegen Netzpolitik.org setze ich an dieser Stelle als bekannt voraus.

Da ohnehin alle Medien rund um die Uhr von dem Fall berichten, muß ich das nicht nacherzählen.
Unstrittig scheint bisher zu sein, daß der Wunsch gegen Netzpolitik.org vorzugehen und damit ein Exempel zu statuieren aus dem Bundesinnenministerium kam. Dort sitzt Herr Maaßen und es so gut wie unvorstellbar, daß de Maizière davon nichts gewußt hat.
Kollege Maas muß ebenfalls seit einigen Tagen oder Wochen von dem Vorhaben gewußt haben. An ihm läge es den Generalbundesanwalt Range zu stoppen. Klar ist ferner, daß Maas das Vorgehen Maaßens und des Bundesinnenministeriums strikt ablehnt, unklar ist wieso er nicht einfach von seiner Befugnis Gebrauch macht Range zurück zu pfeifen. Möglicherweise ist Maas (über-)vorsichtig, weil es sich hier um die heikle Schnittstelle zwischen Exekutive und Judikative handelt. Direkte Einflußnahme eines Regierungsmitglieds auf die Justiz sieht nie gut aus.

Zur Personalie Range gibt es keine zwei Meinungen.

Alle zeigen jetzt auf Generalbundesanwalt Harald Range. Haus für Haus in Berlin distanziert sich von ihm, als habe der 67-Jährige, der bald in Pension geht, eine ansteckende Krankheit. Er habe allerorten an Vertrauen verloren, heißt es.
Range hat den Fehler gemacht, das Gutachten einer obersten Bundesbehörde zu ernst zu nehmen. Dabei war die Expertise, neben anderem, auch eine Kampfschrift des Bundesamtes für Verfassungsschutz, in der kräftig mit dem Begriff "Staatsgeheimnis" hantiert wurde. Die Nachrichtendienstler wollten mal ein Exempel an einem statuieren lassen, der ihre Geheimnisse rausließ.
(Hans Leyendecker, SZ, 04.08.2015)

Der bereits 67-jährige Harald Range, FDP, ist als Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof eine komplette Fehlbesetzung. Ihm fehlen Können, Elan und Souveränität für den Job. In typischer rückgratloser Art exekutierte er tumb den Willen de Maizières, ohne seine eigene Denkmurmel einzuschalten.
Daß er überhaupt noch im Amt ist, ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, daß er ohnehin in einem halben Jahr aufhört.

Ich habe eigentlich nichts gegen Menschen mit kuriosen Ansichten.
Natürlich ist es dennoch irgendwie ein wenig unglücklich, wenn so einer BfV-Präsident wird und so gar nicht begreift was eigentlich sein Job ist.

[….] Das eigentliche Problem der Landesverrats-Affäre ist der Verfassungsschutz. Ein Verfassungsschutz, der Strafanzeigen gegen Journalisten verschickt, um sich selbst zu schützen, ist ein problematischer Verfassungsschutz. Die Bundesoberbehörde, die dem Bundesinnenministerium zugeordnet ist und Verfassungsschutz heißt, hat offenbar ein eigenes, ein eigenartiges Verständnis von der Verfassung.
Unter "Verfassung" versteht dieser Apparat nicht die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger; und unter "Verfassungsschutz" versteht er nicht den Schutz eines Verfassungsstaates, der für die Menschen da ist. Der Verfassungsschutz versteht unter Verfassung offenbar den eigenen Zustand, also die Verfassung seines eigenen Apparates - die er, wenn er sich etwa durch Publikationen gestört sieht, mit den Mitteln des Strafrechts schützen will.
Das ist ein gefährliches Missverständnis. Ein Verfassungsschutz ist nicht für sich selbst da, so wenig wie der Staat für sich selbst da ist; der Staat besteht wegen und aus der Freiheit seiner Menschen; aber dieses freiheitliche Denken hat in der Behörde namens Verfassungsschutz leider kein Zuhause. Das ist ein Fehler; das ist die Tragik dieser Behörde. [….]
 (Heribert Prantl, SZ, 03.08.2015)

Die Idioten in dieser Geschichte sind aber eindeutig Maaßen und de Maizière, die wie einst Bischöfin Käßmann bei ihrem Umgang mit Madonna aufgrund ihrer eigenen Doofheit das Gegenteil erreichten.
Statt „Netzpolitik.org“ ordentlich eins mitzugeben und die Journalisten  einzuschüchtern, damit diese nicht mehr so genau und so kritisch über den BfV berichten, erreichten sie genau das Gegenteil:
Nun fühlen sich Journalisten erst recht angestachelt, Netzpolitik.org-Chef Markus Beckedahl bekommt jede Menge kostenlose Werbung, höhere Klickzahlen und zudem auch noch einen Spendensegen.

Klar. Ich freue mich, daß Maaßen und de Maizière mit ihrer miesen Masche offensichtlich scheitern.
Aber daß Verfassungsschutzminister und Verfassungsschutz-Präsident so dumm und plump agieren, kann einen  nicht wirklich erfreuen.
Kein Wunder, daß die nicht mit echten Problemen fertig werden.

Die Ermittlungen gegen Netzpolitik.org haben große Empörung und ebenso große Hilfsbereitschaft ausgelöst. In wenigen Tagen erhielt das Blog so viele Geldspenden wie sonst in mehreren Monaten.
Nicht nur das Schlagwort #Landesverrat wurde in den vergangenen Tagen ein Trend bei Twitter, sondern auch die Kontonummer des Blogs Netzpolitik.org. Das zeigt sich jetzt auch auf dessen Konto: Seit Bekanntwerden der Ermittlungen wegen angeblichen Landesverrats gegen Netzpolitik.org hat das Internetportal 50.000 Euro an Spenden erhalten.
"Damit sind wir jetzt schon einigermaßen abgesichert, auch, um den Rechtsweg beschreiten zu können", sagte der Gründer und Chefredakteur von Netzpolitik.org, Markus Beckedahl der "Berliner Zeitung". Im ganzen letzten Jahr habe die Plattform knapp 180.000 Euro an Spenden eingenommen. [….]

Sonntag, 2. August 2015

Bertolt Brecht ist out



Zorn und Unzufriedenheit allein genügen nicht,
so etwas muss praktische Folgen haben.
Bertolt Brecht

Fragte man Marcel Reich-Ranicki nach den besten Schriftstellern aller Zeiten, fielen die Namen Goethe und Shakespeare.
Bei seinen persönlichen Vorlieben nannte er stets Thomas Mann, Bertolt Brecht, Thomas Bernhard, Sarah Kirsch und Ingeborg Bachmann.
Brechts Theaterstücke machen seinen Ruhm aus, aber MRR hielt ihn als Lyriker für unterschätzt.
Ich glaube Brechts Gedanken kennen mehr Menschen, als seinen Namen.
Viele werden gar nicht ahnen wie viele sprichwörtliche Aussagen auf Brecht zurückgehen.

Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

Alle großen Ideen scheitern an den Leuten.

Es ist schlimm, in einem Lande zu leben, in dem es keinen Humor gibt. Aber noch schlimmer ist es, in einem Lande zu leben, in dem man Humor braucht.

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen/ Den Vorhang zu und alle Fragen offen.
         
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein kluges Licht, und mach dann noch 'nen zweiten Plan, geh'n tun sie beide nicht.

    Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.

Alles Brecht, alles zeitlos gut.

Ein besonders berühmtes  Brecht-Zitat ist allerdings veraltet.
Seine Zorneszeilen, die er nach dem DDR-Aufstand vom 17. Juni 1953 in den „Buckower Elegien“ schrieb:

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

So sehen es wohl viele Linke und Piraten noch heute in Deutschland:
Der Regierung ist nicht zu trauen, daher bedarf es mehr plebiszitärer Elemente.
Das Volk muß wieder mehr mitreden.

Leider stimmt nur die Hälfte der Theorie.

Ja, der Regierung ist tatsächlich nicht zu trauen.

·        Der Vizekanzler gibt sich öffentlich TTIP-kritisch, wird aber hinter den Kulissen TTIP fördern.

·        Der Finanzminister zwingt Griechenland zu Schritten, die seine Partei für Deutschland empört zurückweist.

·        Der Innenminister kapituliert vor dem rechten Mob und übernimmt den Abwehr-Duktus der Nazi-Terroristen.

·        Zehn Jahre Merkel zeigen sich unterdessen in totalem Staatsversagen, wenn es um die kriminellen NSA-Tätigkeiten geht: Die Regierung Merkel kuscht, der Bundestag ist stumm, die Bundesanwaltschaft dreht Däumchen.

·        Nebenher sorgte die Kanzlerin mit ihrer katastrophalen EU-Politik dafür, daß weltweit wieder vom „häßlichen Deutschen“ gesprochen wird; sie zertrampelt aus Desinteresse und nationalem Egoismus die über Jahrzehnte mühsam gepflegten Beziehungen zu unseren Nachbarn.

·        Merkel macht sich sogar mitschuldig am rechten Terror gegen Schwache und Minderheiten in Deutschland.

·        Merkel führt mit ihrer Crash-Diplomatie Deutschland wieder in konfrontatives Fahrwasser, in dem Aufrüstungen und Eskalation herrschen.

·        Die ganze Regierung verhält sich gegenüber dem eigenen Volk unehrlich, indem sie suggeriert es flössen großzügig Milliarden an das griechische Volk, obwohl mit diesen Milliarden in Wahrheit nur deutsche Banken großzügig bedacht werden, damit Millionäre noch schneller noch reicher werden können.

Doch, doch – diese Regierung ist Mist.

Während aber Brecht durch seinen berühmten ironischen Satz noch suggerierte, das Volk wäre mit so einer Regierung so unzufrieden, daß es eine Neue wählen würde, kann davon im Deutschland des Jahres 2015 keine Rede sein.
Dieses Wochenende waberten Meldungen durch die Medienwelt, die Kanzlerin gedenke die 16 Jahre voll zu machen.
Der deutsche Urnenpöbel ist mittlerweile so verblödet, daß er Merkel sogar mit noch mehr Stimmen überhäufen würde, wenn jetzt gewählt würde.
Absolute Mehrheit für die CDU im Bundestag – dank des Merkel-Effekts. (Nur Oberclown wußte es bereits vor vielen Jahren, daß Merkel länger als Kohl bleiben würde.)

[…] Wenn am Wochenende Bundestagswahl wäre, dann hätte die Union gute Chancen auf einen Sieg. Einer Umfrage zufolge könnten CDU und CSU gemeinsam sogar eine absolute Mehrheit erreichen.
Die Bild am Sonntag zitiert in ihrer aktuellen Ausgabe aus einer Emnid-Umfrage von Ende Juli. Demnach würden CDU und CSU zusammen 43 Prozent aller Stimmen erhalten. […] Die SPD mit 24 Prozent, Linkspartei mit neun und die Grünen mit zehn Prozent würden zusammen ebenfalls 43 Prozent erreichen. Nicht im Parlament vertreten wären dem Meinungsforschungsinstitut zufolge die FDP mit vier sowie die AfD mit drei Prozent der Stimmen - beide würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. […] Auch aus dem "Deutschlandtrend" der ARD lässt sich eine zunehmende Popularität der Union ablesen. […]

Der einzige sinnvolle Kommentar zu Merkels vierter Amtszeit bis 2021 und ihrer mutmaßlichen absoluten Mehrheit stammt ebenfalls aus der Süddeutschen Zeitung: Alles andere als ewiger Machterhalt Merkels wäre eine Überraschung. Sie will und ihr in die Verblödung gesendetes und geschriebenes Volk jubiliert.
Die Wahlen 2017 gibt es nur noch pro forma. Ein anderes Ergebnis als eine strahlende Siegerin Merkel ist nicht vorstellbar. Selbst eine kämpferische SPD hätte es schwer etwas auszurichten gegen Merkels tumbe Wohlfühlmasche.
Aber da sich Gabriel und die meisten anderen SPD-Toppolitiker bereits freiwillig die eigenen Hoden abschnitten, hat Merkel noch nicht einmal Wahlkampfgegner.

[…] Das Sommerloch gebiert jedes Jahr aufs Neue erstaunliche Meldungen. So auch an diesem Wochenende. Da meldet ein Magazin, Angela Merkel habe sich "offenbar" entschieden, 2017 noch einmal anzutreten. Ein überzeugender Beleg für diese eh schon vage Aussage wird nicht genannt. Trotzdem beginnt der Blätterwald mehr zu rauschen als die Bäume am windigen Strand.
Seit Monaten gehen alle Parteienversteher davon aus, dass Merkel 2017 noch einmal antritt. Sogar Horst Seehofer hat längst erklärt, er rechne mit einer Spitzenkandidatin Merkel. Nur das Gegenteil wäre also eine Nachricht. […]