Mittwoch, 5. November 2014

Party of No



Der US-Kongress hat die niedrigsten Zustimmungsraten aller Zeiten, weil nur blockiert wird und nicht regiert wird.

 
Als Konsequenz daraus wählte der amerikanische Urnenpöbel nun die totale Blockade, den Durchmarsch der ganz Rechten..
Zwei Jahre lang wird nun gar nichts mehr funktionieren.
Schlau ist anders.


Offensichtlich wir politische Totalblockade der Rechten belohnt.
Seit die CDU 1999 die Mehrheit im Bundesrat erreichte und sich Frau Merkel ihren Ruf als „Mrs Njet“ verdiente, ließ sie nicht mehr ab von ihrer Macht. Zunächst indem sie alles verhinderte, das Rot-Grün tun wollte und später als Kanzlerin.


Leider sind die Amerikaner ebenso doof.

Einer CNN-Umfrage unter Wählern nach Verlassen der Wahllokale zufolge finden acht von zehn amerikanischen Wählern, dass der Kongress seiner Rolle und Verantwortung nicht gerecht geworden ist, während beinahe sechs von zehn mit Präsident Obama unzufrieden sind. 44 Prozent schätzen die Demokraten positiv ein, 40 Prozent die Republikaner. Die Amerikaner haben also mehrheitlich die Partei gewählt, mit der sie sich weniger identifizieren, um das Staatsorgan zu führen, dem sie am wenigsten vertrauen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein solches Verhalten nur noch größeren Zynismus zur Folge haben wird.
Am 4. November haben die Wählerinnen und Wähler keine Welle verursacht – sie sind ertrunken.

In Amerika gibt es erhebliche systemimmanente Fehler, die mehr und mehr zum Tragen kommen.
Es ist falsch alle zwei Jahre das Repräsentantenhaus neu wählen zu lassen, weil dadurch Dauerwahlkampf herrscht.
Es ist falsch durch ein Mehrheitswahlrecht die Menschen in ein Zweiparteiensystem zu zwingen, das immer mehr Resignierte zurück lässt.
Es ist falsch Super-PACs und anderen unbeschränkte Finanzmittel im Wahlkampf einzuräumen, so daß es nur noch zu multimilliardenschweren Schmutzkampagnen kommt.
Es ist falsch die Wahlkreise fortwährend anders zuzuschneiden, um zu garantieren, daß über 90% der Amtsinhaber quasi automatisch wiedergewählt werden.
Es ist falsch Senatoren, die nur wenige Hunderttausend Menschen repräsentieren, weil sie aus US-Zwergstaaten kommen, genau so viel Macht wie den Repräsentanten aus Kalifornien oder New York zuzubilligen.


Das eigentliche Drama der USA stand schon vor den gestrigen Ergebnissen fest:

In den USA ist immer Wahlkampf. Kaum hatte sich der Rauch der letzten Präsidentschaftswahlen verzogen, begannen schon die ersten Scharmützel der jetzigen Kongresswahlen. Kein Wunder also, dass dies die kostspieligsten Midterms aller Zeiten sind, mit 3,7 Milliarden Dollar Aufwand.
Doch trotz der teuren Dauerbeschallung hören viele Amerikaner gar nicht mehr hin. Experten schätzen, dass die Wahlbeteiligung an diesem Dienstag gerade mal 40 Prozent erreichen wird - eine Reaktion landesweiter Desillusion und Armutszeugnis für eine Nation, die sich gern als Wiege der modernen Demokratie rühmt.

Tatsächlich kam es so, wie vorhergesagt.


Die ganze Nacht über sah ich auf CNN glückliche gewählte GOP-Senatoren und GOP-Gouverneure jubeln, die allesamt weiße christliche Männer waren.
Frauen, Schwarze, Latinos, Schwule, Linke etc waren erst gar nicht zur Wahl gegangen. Ihr diffuses Gefühl der Enttäuschung artete in Wahlphlegma aus, welches wiederum denjenigen den Durchbruch verschaffte, die sie vermutlich erst recht nicht als Regierung haben wollten.


Unglaublich, aber wahr, ausgerecht die Geronten-Ausgabe von Sarah Palin mit Testikeln, der 72-Jährige Senator Mitch McConnell ist nun der neue starke Mann Washingtons. Die Inkarnation all dessen was in Amerika nicht funktioniert, hat es geschafft.


Politische Ziele hat er keine - seine Spezialität ist die Blockade.
Das berühmteste Zitat von Mitch McConnell geht so: "Unser wichtigstes Ziel ist es, Präsident Obama eine zweite Amtszeit zu verwehren." Kein politisches Anliegen also, keine Ideologie, nicht konservativ, nicht liberal, alles egal. Nur Macht um der Macht willen. Dieses Zitat, das so viel sagt über den Sprecher, fiel vor vier Jahren.
[….]  McConnell hat schon als republikanischer Minderheitsführer in den vergangenen sechs Jahren die Regierungsgeschäfte behindert, wo er nur konnte und das auf Kompromisse ausgelegte US-System ausgehebelt, wo immer es ihm möglich war. Es war oft möglich in den vergangenen Jahren.
Mitch McConnell war so stets mehr als nur der Oppositionsführer. Er war der Meister des Destruktiven, ein Zerstörer.
Dieser unscheinbare, etwas verlegen wirkende Mann, wird fortan einer der mächtigsten Männer Amerikas sein. Als Mehrheitsführer hat er die maximale Blockademacht, der gesamte Kongress ist in republikanischer Hand. Er kann Obama jetzt Woche für Woche mit unangenehmen Gesetzesvorlagen piesacken, die der Präsident nur per Veto stoppen kann.
[….] Dutzende Regierungsjobs und Richterstellen sind seit Monaten oder Jahren nicht besetzt, weil McConnell und seine Leute die nötige Bestätigung durch den Senat hinausgezögert haben. Gemeinsam mit der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und der rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung hat er das Land gleich dreimal als Geisel genommen: im Haushaltsstreit 2011; bei der Drohung mit der Fiskalklippe zum Jahreswechsel 2012/2013; und schließlich mit dem Government Shutdown im vergangenen Jahr. [….]

Die Reaktion der Wähler: Mehr davon! Den Mann machen wir zum Chef im Kongress!


Sieht man sich in den nicht republikanischen Diskussionsforen im Netz um, stellt man fest, daß niemand überrascht ist.

Anna B.: Stupid is as stupid does. The majority of Americans are dumb and they're much like sheep. It is no surprise.

Rob E.: This country is a fucking disgrace

Casey Christopher J.: It's because this country is full of old, uneducated, conservative Christians who want to vote for an old, uneducated, conservative Christian.

Victoria S.: I am sick right now, our fellow countrymen are dense. Insanity is doing the same shit over and over and expecting different results. Well, yesterday's election has proven that this society is truly insane.
(Facebook-Einträge 04.11.14)

Das amerikanische Volk hat seine Unfähigkeit als Souverän zu agieren eindrucksvoll bewiesen.



Amerika wählt den Stillstand
[…]  Die USA sind für die nächsten zwei Jahre mal wieder quasi unregierbar. Im Weißen Haus herrscht (noch) Obama, im Kongress herrschen jetzt die Republikaner. Im Repräsentantenhaus bauten sie ihre Mehrheit aus, den Senat kippten sie auch - mit Kandidaten wie Joni Ernst in Iowa, die ihre Wahlspots im Schweinestall filmte. […] Dies war ein Referendum gegen Washington - und Obama. Dabei haben sich die meisten Wirtschaftsindikatoren unter ihm dramatisch verbessert, allen voran die Arbeitslosenquote. Doch diese Erfolge erstickten im Stillstand der Hauptstadt und den unvorhergesehenen Krisen anderswo auf der Welt. Dem Präsidenten sind nun für den Rest seiner Amtszeit die Hände gebunden. […] Dieser Wahlkampf drehte sich nicht um Sachthemen, sondern um reine Angstmache - vor der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), vor der Ebola-Seuche, vor illegalen Einwanderern. Wie schon nach den 9/11-Anschlägen verstanden die Republikaner dieses abgebrüht-kalkulierte Spiel viel besser als die ewig mit sich hadernden Demokraten. Und wie damals entpuppten sich die Wähler angesichts immer lachhafterer, plumperer TV-Spots als ziemlich leichtgläubig und manipulierbar. Hinzu kamen die inzwischen fast üblichen Probleme: defekte Computer, lange Wartezeiten, ausgesperrte Wähler. […]


Unglücklicherweise sind die USA kein irrelevanter Zwergstaat, sondern beeinflusst außenpolitisch das Weltgeschehen. Die Zeichen stehen nun noch mehr auf Konfrontation mit dem Iran, mit Russland und Palästina.

Der gefesselte Präsident
[…] Die bittere Niederlage der Demokraten bei den Midterm-Wahlen in Washington engt seinen außenpolitischen Handlungsspielraum drastisch ein. Der Präsident hat es nun mit einem Kongress zu tun, der in der Iran-Frage kaum zu einem Kompromiss bereit sein dürfte.
[…] Für die Aufhebung der Sanktionen bräuchte Obama aber die Zustimmung des Kongresses - was "extrem schwierig werden könnte", glaubt James M. Lindsay, Direktor des Rats für Auswärtige Angelegenheiten.
"Ein solches Abkommen macht einen nuklearen Iran wahrscheinlicher", schäumte der Republikaner Marco Rubio im Sommer. Der Kongress müsse die Sanktionen eher noch verschärfen, um Iran zur Aufgabe zu zwingen. Der republikanische Senator Lindsey Graham sagte: "Der Kongress sollte darauf bestehen, in jede Art von nuklearem Deal mit Iran eingebunden zu werden."
[…] Die wohl größte Gefahr für Obamas Außenpolitik der kommenden zwei Jahre ist allerdings der Hass vieler erzkonservativer Republikaner auf einen Präsidenten, den sie als Versager und Weichei abgestempelt haben - und den sie nun nach allen Regeln der politischen Kunst vorführen wollen. "Für den Kongress ist es sehr viel einfacher, Präsidenten außenpolitisch zu fesseln als selber zu handeln", sagt James Lindsay vom Rat für Auswärtige Angelegenheiten.[…]

Gibt es auch positive Nachrichten?

Ja, wenn man unbedingt will, findet sich etwas:

1.)

Allerdings müssen sich die Demokraten nicht zu sehr grämen: 2016 haben sie gute Chancen, den Senat zurückzuerobern: Dann müssen nämlich die Republikaner 24 der 34 zur Abstimmung stehenden Sitze verteidigen. Zudem wird die Beteiligung in einem Präsidentschaftswahljahr höher liegen, wovon die Demokraten profitieren. Außerdem sprechen die demografischen Veränderungen (mehr Latinos, mehr Städter, weniger Ehen) in den USA für sie.



2.)

Die Wähler in Alaska und in Oregon stimmten für die Legalisierung von Marihuana. Danach dürfen Bürger ab 21 Jahren in Oregon das Rauschmittel besitzen und bei sich zu Hause vier Cannabis-Pflanzen anbauen, in Alaska sind es maximal sechs Pflanzen. Das regulierte Geschäft mit der Droge als legales Genussmittel wollen die Bundesstaaten nach dem Vorbild von Colorado und Washington besteuern.
Auch in der Hauptstadt Washington D.C. soll Kiffen nun legal werden. 65 Prozent der Bürger stimmten für die Maßnahme und 28 Prozent dagegen. Nach Bundesgesetzen ist Marihuana aber weiter eine illegale Droge. 

Verständlich, sehr verständlich, daß gerade die Washingtoner meinen die Politik in ihrer Stadt nur noch bekifft ertragen zu können.


Dienstag, 4. November 2014

Der AfD-Liebling des Tages – Teil II



Da letzte Woche in Köln an die 5000 brutale fette Glatzköpfe ihrer Gewalttätigkeit freien Lauf ließen, war der braune PI-Schreiberling „Iuvenal“ so begeistert von den Hools, daß seine Homoerotik voll in seine Tasten schoss.

Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als das Wunder von Köln. Als ein Anfang, der den ersten Montags-Demonstrationen entspricht, durch die das Unrechtsregime der DDR niedergerungen wurde. Und es waren nicht die Intellektuellen, es waren echte Männer, die ihr Gesicht für unser deutsches Vaterland gezeigt haben. [….]
Testosteron ist gut. Gegen Salafisten helfen Bonmots nur sehr eingeschränkt, aber physische Präsenz weist sie in ihre Schranken. Ganze Kerle. Kompakte Typen. [….]  Wir sind Deutschland, und wir lassen uns nicht länger wie Lämmer zur Schlachtbank führen. [….] Das klare Bekenntnis zu „Deutschlaaaaaaaaaand!“ war nach langer Zeit endlich einmal außerhalb eines geschlossenen Stadions zu hören, und „Wir sind das Volk!“ hat klargestellt, was schon lange klarzustellen war. Deutschlandfahnen wehten fröhlich und bekannten sich zum Vaterland. [….] Tränen sind geflossen: Tränen von Reizgas, das die Polizei als ihren Beitrag zur Demo mitbrachte, Tränen der Betroffenheit bei den Gegendemonstranten, die ihren Traum vom Multikulti-Paradies untergehen sehen, aber auch Tränen echter Rührung bei den Männern und Frauen, die echte Deutsche sind und die verstehen, worum es hier eigentlich geht.
[….] HoGeSa, wir sind stolz auf Euch! [….] Nächstes Mal werden es mehr sein. Lauter. Stärker. Deutlicher […]  Aber vor allem wieder physische Präsenz, die allen Feinden Deutschlands eines deutlich macht: Die deutschen Männer sind noch da. [….]

So ejakuliert ein rechter PIller.

Die rund 50 verletzten und noch mehr traumatisierten Polizisten dürften sich dieser gewalterotischen Sichtweise kaum anschließen.

Angeheizt von der Rechtsrockband „Kategorie C“ („Heute schächten sie Schafe und Rinder, morgen vielleicht schon Christenkinder“), kübelten die Krawallmacher ihren Hass in die Kölner Innenstadt. Touristen und Passanten flohen vor dem Mob. Die Bilanz des Sonntags: 49 verletzte Polizisten, ein umgestürzter Einsatzbus, zahlreiche Sachschäden. Die Kölner Polizei hat eine Sonderermittlungsgruppe aus 36 Beamten eingesetzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden bis Freitagabend 31 Tatverdächtige identifiziert und 32 Ermittlungsverfahren eingeleitet. […] In Köln grölten Menschenmengen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ oder „Hier marschiert der nationale Widerstand“. Ein Funke reichte, um die Truppe aus Schlägern und Extremisten zur Explosion zu bringen: Laut einem internen Polizeibericht hatten mehrere Personen in Galatasaray-Trikots um 15.49 Uhr den Pulk mit gestreckten Mittelfingern und Feuerwerkskörper provoziert. Sofort eskalierte die Lage, am Ende griff der Mob wahllos Polizisten an. Gegen einen Vermummten mit Faustmesser wussten sich Einsatzkräfte nur mit erhobener Schusswaffe zu helfen. An der Gesinnung des Mobs lässt der Polizeibericht keinen Zweifel: Bei den Teilnehmern habe es sich „überwiegend um Angehörige der Risikofanszene sowie um Angehörige des rechten Spektrums gehandelt“.
(DER SPIEGEL 03.11.14, s.28f.)

Das neue Amalgam aus Nazis, rechten Skinheads, Hooligans und Islamophoben wurde von weiteren Krawallos unterstützt. Auch AfD-Prolls mischten sich unter den braun-brutalen Mob und berichteten voll Glücksgefühl über ihr SA-artiges Erweckungserlebnis.

Claus Döring, Bernd Luckes Mann in Hamburg, Gründungsmitglied der Landespartei wurde wie PI-„Iuvenal“ ganz feucht im Schritt.

[….] Nachdem vor ein paar Tagen das Hamburger AfD-Mitglied Tatjana Festerling offen für die Hooligans schwärmte, die vor einer Woche Teile der Kölner City verwüstet hatten, kommt es jetzt noch besser: Claus Döring – immerhin Mitbegründer der hiesigen AfD – bekennt bei Facebook, er sei bei der Randale selbst dabei gewesen.
Dass es zur Gewalt kam „im Kölner Kessel dieser linksgrünen Bananendiktatur“ (O-Ton Döring) sei seiner Meinung nach allein Schuld der Polizei: Alles habe ganz friedlich angefangen, schreibt er. Man habe aber gleich gemerkt, „dass die Wasserwerfer zum Einsatz kommen SOLLTEN“. Die Polizei habe die Demonstranten deshalb gezielt provoziert. Döring schließt: „Hätte nicht gedacht, wie ,weit‘ wir politisch in Deutschland – wieder – sind.“
Döring ist laut Hamburger Bündnis gegen Rechts kein unbeschriebenes Blatt. Bevor er zur AfD kam, war er demnach Landesschriftführer der antimuslimischen Partei „Die Freiheit“. Döring hasst die EU und tritt dafür ein, dass der Euro wieder abgeschafft wird. Deshalb trat er auch der Facebook-Gruppe „Raus aus dem Euro“ bei – nicht zufällig eine Kampagne der NPD.
Döring ist sozusagen ein politischer Hooligan, der gerne pöbelt und dafür bekannt ist, dass er den Mund zu voll nimmt: Die EU ist für ihn ein „Dreckshaufen“, muslimische Nationen nennt er „Kameltreiberländer“, und die Grünen vergleicht er mit Hitlers SA.

Nicht, daß das ungewöhnlich wäre für die AfD-Basis.
Gerade in Hamburg handelt es sich da um echten politischen Abschaum.

Aber andere Landesverbände sind nicht viel besser.

Diese Zitate gingen dem AfD-Chef Bernd Lucke zu weit: Das prominente AfD-Mitglied Martin Sichert habe über das Ende des Zweiten Weltkriegs gesagt, es hätten die "zwei größten Massenmörder gesiegt", sagte Lucke bei einem Landesparteitag in Ingolstadt. "Und Sie haben meines Wissens nicht Adolf Hitler gemeint", so Lucke in Richtung Sichert  […] In der bayerischen AfD gibt es interne Querelen. Sichert war im Mai 2013 auf einem Chaos-Parteitag zum Landeschef gewählt worden. Das Ergebnis wurde jedoch unmittelbar danach wegen Fehlern bei der Abstimmung für ungültig erklärt. [….]
Unruhe gibt es in der AfD auch im Norden: Laut den "Lübecker Nachrichten" hielt ein AfD-Mitglied einen Vortrag in Stockelsdorf, bei dem Äußerungen gefallen sind, die sehr nah sind an der Leugnung des Holocausts. Vor rund 20 Gästen sagte der Mann demnach, die Gaskammern im Konzentrationslager Dachau seien erst im Nachhinein von den Alliierten gebaut worden. Dann berichtete das AfD-Mitglied laut "Lübecker Nachrichten" von einem angeblichen KZ-Überlebenden, der Schülern eine ausgedachte Geschichte erzählt habe, jedoch nie ein KZ von innen gesehen habe.
[….] Lucke war selbst Anfang des Jahres durch zweifelhafte Äußerungen über Ex-Fußballer Thomas Hitzlsperger aufgefallen. [….]

Daß sich nun die AfD-Oberen, die eigentlich alle Hände mit ihren mehr als dubiosen Goldgeschäften* zu tun haben, über ihre eigene Basis wundern, stößt selbst dem ehemaligen BILD-Vize Nikolaus Blome im SPIEGEL-Kommentar sauer auf.

Eines der unsterblichen Cover des Magazins Titanic hatte vor mehr als zehn Jahren diese Titelzeile: „Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?“ Daran kann sich erinnert fühlen, wer heute das Spitzenpersonal der Alternative für Deutschland (AfD) über die eigene Partei reden hört. Natürlich nicht, weil die AfD etwa eine rechtsextreme Partei wäre. Sie ist, und das war sie von Anfang an, gleichwohl ein Sammelbecken, das Zulauf aus allen Winkeln der Gesellschaft aufnimmt, auch aus den mehr oder minder dunkel Verschatteten. Der Parteispitze kam das zupass, und es war ihr recht, in der Urne sind ja alle Stimmen gleich. Darum ist die nunmehr fast im Tagestakt öffentlich zur Schau gestellte Empörung über die eigenen Mitglieder und Funktionäre nichts als Heuchelei. […]  „Schrecklicher Verdacht an der Parteispitze“, könnte die Titanic also titeln: „Zieht die AfD schräge Gestalten an?“ […]  „Heulsusen“, so verspottete Peer Steinbrück einst die mittelmäßige Funktionärskaste der SPD. „Heult doch!“, könnte die vergleichbare Gruppe in der Alternative für Deutschland ihrem Spitzentrio zurufen. Und sie hätte ja recht.
(Nikolaus Blome. Der Spiegel 45/14)

 Man erinnert sich als Jammer-Lucke mit vollen Hosen heulend das Fernsehstudio verließ, nachdem ihm Michel Friedmann mit Fragen zusetzte, die er nicht beantworten konnte.


Eins ist nach drei Landtagswahlerfolgen und dem Einzug der AfD ins EU-Parlament jedenfalls sicher: Diese Partei ist für jeden Menschen, der auch nur über rudimentären Anstand verfügt, unwählbar.

Holocaust-Relativierer, Verschwörungstheoretiker, Ausländerfeinde, alte Schill-Kumpel. Und jetzt: Hooligan-Verehrer. […] Da wird gegen Fremde gehetzt, die Polizei bepöbelt, der politische Gegner mit Nazis gleichgesetzt und diese auch noch von der Verantwortung für den zweiten Weltkrieg freigesprochen. […] In der Hoffnung auf das dumpf-rechte Stimmvieh [hat die Parteiführung] die Geister selbst gerufen, deren Spuk sie nun nicht mehr loswerden. Während Parteichef Lucke in Brüssel noch von einer Professoren-Partei voll ökonomischen Sachverstands faselt und einen fragwürdigen Goldhandel aufzieht, nimmt an der deutschen Basis der politische Bodensatz das Heft in die Hand. Das sollte jedem zeigen: Die AfD ist keine „Alternative“ – die AfD ist schlicht unwählbar.
(Mathis Neuburger, MoPo-Leitartikel 04.11.14)

*Allen Ernstes wollte die AfD-Spitze zunächst VIAGRA statt Gold an ihre postpotenten Mitglieder verkaufen, um an Geld zu kommen.
Aber dann fürchtete man den Spott über Luckes „Schlappschwänze“ und stieg ohne Gewerbeschein auf Gold-Mark um.

Montag, 3. November 2014

Völlig normal.


Wer kennt das nicht? Wenn man sich endlich dazu entschlossen hat ein paar Klamotten wegzugeben/wegzuschmeißen, greift man noch einmal erwartungsvoll in alle Sakko-Innentaschen und freut sich dann, wenn man einen Geldschein findet.
In Wahrheit lege ich es sogar ganz gerne drauf an, indem ich gerade in Mäntel, die ich selten trage einen 20€-Schein stecke.
Mit Portemonnaies mache ich das auch so. Aus unerfindlichen Gründen habe ich mehrere davon, obwohl ich natürlich immer nur eins benutze.
Die anderen liegen im Schrank und harren der Dinge, die da kommen mögen, wenn eines Tages das benutze Portemonnaie völlig zerfallen ist.
Das ist dann auch ein herzliches Willkommen an mich, wenn ich das Neue bestücken will und sich schon ein Fünfziger drin befindet.

Wer sehr knapp bei Kasse ist, kann möglicherweise auch auf der Suche nach Kleingeld in Sofaritzen fündig werden. Da sind eigentlich immer ein paar Münzen hineingerutscht.
Leider fällt diese Geldquelle für mich weg, da ich kein Sofa besitze.
Dafür habe ich schon zweimal einen Haushalt geerbt und hoffe immer noch, daß sich darunter irgendwelche ungeheuer wertvollen Dinge finden, die ich versetzen kann und dann zu dem Dolce-Vita-Part meines Lebens übergehen kann.

In einem Fall habe ich sogar einen Antiquar hinzugezogen, weil ich zwei wunderschöne handgeschriebene große Bücher von 1702 (!!) erbte, in denen die Chronik Hamburgs verfasst ist.
Vor meinem geistigen Auge klingelte schon die Kasse. Man kennt ja die Geschichten, daß Omma gestorben ist, man ihren Dachboden ausmistet und darunter ein paar alle Kritzeleien findet, da sie offenbar mal in ihrer Jugend Model gestanden hatte. Der Maler damals war hoffentlich ein gewisser Egon Schiele, der seinerzeit als schmuddelig galt, weswegen die Zeichnungen  schamhaft nie aufgehängt wurden, sondern auf dem Boden vor sich hin moderten. Heute ist Schiele allerdings DER HIT und man bekommt zweistellige Millionenbeträge für jeden echten Schiele; es ist sogar noch besser, wenn bisher unbekannte Werke auftauchen.

So ähnlich wähnte ich mich auch schon mit meinen 1702er Büchern im Antiquariat.
Tja, blöd nur, daß es damals offenbar Mode war solche Chroniken mit der Hand zu schreiben und daß meine beiden Bände zu einer zehnteiligen Reihe gehören, die nur vollständig einen gewissen Wert hat.
Pro Buch könnte ich bei einer Auktion zwischen 30 und 40 Euro erlösen.
Hm, ich befürchte, das reicht doch nicht so ganz für Yacht, Villa und Rolls Royce.

Wie ich Fortuna kenne, hat sie ihre Gründe dafür, daß sie lieber andere mit solchen Millionenüberraschungen beschenkt.
Andere haben es vermutlich auch nötiger. Immerhin leide ich nicht Hunger.
Nein, die Glückgöttin ist weise und wird daher die Bedürftigen vor mir bedenken.
Das ist lieb von ihr.

Fortuna ist da so wie der FC Bayern, der milliardenschwere Verein, der eine Million Euro an den VATIKAN spendete.
Der Vatikan ist bekanntermaßen der Bettler unter den Staaten. Die RKK steht ja überhaupt kurz vorm kollektiven Hungertod. Da haben die Bayern einen wahrhaft Bedürftigen gefunden.

Fortuna beglückte unterdessen das Kloster Neresheim.

Es muss ein bewegender Abschied gewesen sein damals, im April 2013. Ein schlichter Sarg, darauf Mitra und Hirtenstab. 800 Trauergäste in der mit weißen Chrysanthemen geschmückten Abteikirche des schwäbischen Benediktinerklosters Neresheim. Ein Knabenchor, der das Requiem verschönt. Ein Landrat, den Tränen nah, der sich "von meinem lieben Freund und unser aller Vater Abt" verabschiedet. […]
Was war das für ein Mensch, der Abt Norbert Stoffels, seit 1977 Klostervorsteher, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, der am 24. April 2013 im Alter von 77 Jahren starb? Ein verdienter Arbeiter im Weinberg des Herrn? Oder ein Arbeiter im sogenannten Sondervermögen Weinberg - einem über Jahre hinweg gepflegten System der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche?
Wie der Spiegel am Montag berichtete, fand sich im Nachlass des toten Abts unverhofft ein Millionenvermögen. Es handelt sich, wie man nun weiß, nicht nur um ein Konto bei der Deutschen Bank in Krefeld, auf dem ein Vermögen im Wert von drei Millionen Euro lagert. […]  Zu dem Finanzkonstrukt, das Abt und Anwalt gebastelt hatten, gehört außerdem ein Verrechnungskonto, auf dem Zinsen und Dividenden ausgeschüttet wurden. Und dann gibt es in Aalen noch ein weiteres Konto, darauf eine Million Euro. […] In welch dubiose Gesellschaft der allseits geachtete Abt sich und damit auch sein Kloster begeben hat, lässt sich anhand der Prozesse in Ellwangen erkennen. […] Für viele Millionen Euro wurde in den Siebzigerjahren die prachtvolle spätbarocke Klosterkirche renoviert, Millionen kostete auch die Sanierung des Konventgebäudes, die erst vor Kurzem abgeschlossen wurde. Die Hauptlast trugen jedes Mal das Land und das Bistum. Das Kloster, seit der Sanierung von Touristenmassen besucht, erwirtschafte pro Jahr rund eine Million Euro aus dem Klostershop, einem Hospiz und aus der Lehrtätigkeit einiger Mönche. […]

Tja, wer kennt das nicht? Wenn man in seinem Kram sucht, findet sich hier mal eine Million, dort noch mal drei Millionen und man weiß gar nicht woher die ganze Kohle kommt.
TVE, ick hör dir trapsen.