Donnerstag, 8. Januar 2026

Kleine Panik, große Panik.

Während die Hamburger gerade vollkommen durchdrehen, weil morgen eine Penis-Länge Schnee erwartet wird (10-15 cm) und heute schon die Regale in den Supermärkten komplett leer gekauft haben, frage ich mich, ob das panische Verhalten eine Art Ventil für die Passivität gegenüber der großen Weltlage ist.

Die große Mehrheit in Deutschland weiß zwar inzwischen, wie wahnsinnig und hochgefährlich Trumpmerika für uns ist, aber wir lassen die große Gefahr passiv an uns heranrücken.

Wir erleben die USA jetzt so, wie Mittelamerika, Vietnam, Afghanistan, Iran, Irak das Weiße Haus erleben: Als Villain, der jederzeit militärisch über einen herfallen kann.

[….] Man stelle sich vor, Russland landete mit Spezialtruppen in einem osteuropäischen Land und entführte den Staatschef. Würden Medien und Politiker hierzulande von einem »präzisen« oder »spektakulären Angriff«, einer »militärischen Operation«, einem »Einsatz«, einer »sehr schnellen, sehr geheimen Kommandoaktion« oder einem »Coup von Caracas« sprechen? Würde man einen Tick Faszination, ein wenig Bewunderung für die Nacht-und-Nebelaktion heraushören, die zufällig auch völkerrechtswidrig war? Eher nicht. [….] In den vergangenen Tagen hat sich gezeigt, wie stark Empörung und Wortwahl davon abhängen, wer der Aggressor ist. Der Linksnationalist habe »sein Land ins Verderben geführt«, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Gefangennahme Maduros. [….] Stimmt. Aber was will Merz damit sagen? Dass das Völkerrecht bei einem Maduro auch mal pausieren kann? Merz rechtfertigt damit indirekt das »Recht des Stärkeren«. Völkerrechtler sprechen denn auch von »staatlichem Kidnapping«.

Merz redete über Maduro – nicht über das, was die USA da gerade getan haben: Sie haben in einer Nachtoperation Ziele in Venezuela bombardiert, einen Machthaber und seine Frau mit Spezialkräften gefangen genommen, auf ein Kriegsschiff und dann in ein New Yorker Hochsicherheitsgefängnis gebracht. [….] Wer da nicht kurz innehält und hinterfragt, welche fundamentalen Folgen diese Politik haben kann, macht sich zum stillen Dulder der Logik: Solange es die »Richtigen« trifft, heiligt der Zweck die Mittel. [….] Den Aggressor – in diesem Fall die USA – nicht zu benennen ist feige und politisch kurzsichtig. Wer so laviert wie Merz, stärkt jenen Zynismus, auf den Trump längst setzt: Er hat offenkundig wenig Respekt vor den Europäern – und angesichts eines Eiertanzes, wie Merz ihn hinlegt, kann man ihm das kaum verübeln. [….][….]

(Dunja Ramadan, 07.01.2025)

Es gibt sie natürlich noch; die guten und die wohlmeinenden Amerikaner. Die warnen vor Besuchen, bitten Touristen darum, ihr Geld woanders auszugeben und US-Produkte zu boykottieren.

Ich sehe sechs Zukunftsoptionen für Deutschland in zwanzig Jahren:

·        Postapokalyptische Endzeitwelt nach Pandemie.

·        Postapokalyptische Endzeitwelt nach Nuklearkrieg.

·        Postapokalyptische Endzeitwelt durch Hitze.

·        Versklavter Vasallenstaat Russlands.

·        Versklavter Vasallenstaat Chinas.

·        Versklavter Vasallenstaat MAGAmericas.

Die Boomer-Generation kann vielleicht gerade eben noch auf natürliche Weise ihr Leben in Europa beenden, bevor alles zusammenbricht. Die Nachfolgenden werden unnatürliche Tode sterben.

Die Chancen auf ein Fortbestehen einer regelbasierten Weltordnung, eines freien und demokratischen Europas und die Einhegung der Klimakatastrophe, erscheinen verschwindend gering.

Sie werden seit 2005 immer geringer, weil sich die EU kontinuierlich selbst schwächt und heute trotz ihrer immer noch vorhandenen ökonomischen Power, militärisch, sicherheitspolitisch und diplomatisch international ausgebootet ist.

Es gäbe eine rudimentäre Chance auf ein letztes Aufbäumen, wenn ein fester Wille bestünde und wir qualifizierte Führungsfiguren mit Rückgrat hätten.

Aber die Erbärmlichkeit insbesondere der größten EU-Nation spottet jeder Beschreibung.

Zu allem Übel ist die EU-Kommissionspräsidentin, genau wie der Fritzekanzler, auch eine von Merkel wegen erwiesener Unfähigkeit aussortierte Restlauf-Politikerin.

Man stelle sich vor, ein rhetorischer Gigant, wie Helmut Schmidt oder Joschka Fischer wäre jetzt EU-Chef. Der hielte eine Rede an alle EU-Bürger, die den Kontinent erschüttern würde und in Washington gehört würde.

Von der Leyen hingegen, taucht einfach unter, sagt nichts, wendet sich nicht an das Volk. Chillt irgendwo.

Dabei sehnt sich der Urnenpöbel durchaus nach ein paar  aussagekräftigeren Worten, die aber von den Hose-voll-CDU-Größen nicht kommen.

[….] Über die Bewertung des US-Vorgehens herrscht also große Einigkeit unter den Deutschen. Über die richtige Reaktion gehen die Meinungen dagegen auseinander. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes als "komplex", wofür die Bundesregierung sich Zeit nehmen wolle. Der Kanzler ergänzte, dass grundsätzlich im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten müssten.

Für diese eher verhaltene Reaktion äußern 39 Prozent der Deutschen Verständnis. Sie meinen: Deutschland und die EU sollten eher zurückhaltend sein, um Präsident Donald Trump nicht zu provozieren. Hingegen fordern 50 Prozent: Deutschland und die EU sollten sich deutlich gegen das Vorgehen der USA aussprechen, auch wenn das Trump verärgern könnte.

In dieser Frage zeigen sich die größten Unterschiede in der Bewertung zwischen AfD-Anhängern und den anderen Partei-Anhängern. Mehrheitliche Zustimmung für eine zurückhaltende Reaktion äußern einzig die Anhänger der AfD (58 Prozent). Die Unions-Anhänger sind am unentschiedensten: 45 Prozent wollen Trump nicht verärgern; 48 Prozent würden das mit einem deutlichen Statement in Kauf nehmen.

Bei Anhängern aus dem linken Parteienspektrum ist das Meinungsbild am eindeutigsten: Eine deutliche Ansprache gegenüber den USA wollen 69 Prozent der SPD-Anhänger und jeweils 78 Prozent der Grünen- und Linken-Anhänger. [….] Die Geschehnisse der letzten Tage und Wochen haben in Deutschland dem Ansehen der Vereinigten Staaten und des US-Präsidenten weiter geschadet. Lediglich jeder Achte (12 Prozent) bewertet die Arbeit Trumps derzeit positiv, nochmals etwas weniger als zu Beginn seiner zweiten Amtszeit. Zudem betrachten nur noch 15 Prozent die USA als vertrauenswürdigen Partner Deutschlands, so wenige wie nie zuvor im ARD-DeutschlandTrend.  Mit dieser Bewertung rangieren die USA fast auf Augenhöhe mit Russland. Dieses Land bewerten nur noch 9 Prozent der Deutschen als einen Partner, dem man vertrauen kann. Zum Vergleich: Über Frankreich sagen das 78 Prozent, über Großbritannien 74 Prozent. Die Ukraine liegt zwischen diesen Polen: 40 Prozent halten sie für vertrauenswürdig; 48 Prozent eher nicht.  [….]

(ARD Deutschlandtrend, 08.01.2026)

Aus dem Kanzleramt ist nichts zu erwarten, also hamstert der deutsche Michel, stapelt zu Hause Lebensmittel- und Klopapiervorräte, um wenigstens irgendetwas zu tun.

Ich hätte es als linker Sozi nie für möglich gehalten, jemals so zu denken; aber dieser CDU-Kanzler ist mir nicht militärisch genug.

Wir haben Alarmstufe Rot. Berlin muss Bundeswehrsoldaten in der Ukraine zusagen, um Moskau und Washington wenigstens ein kleines bißchen Rückgrat zu zeigen, statt immer nur zu signalisieren „wir lassen devot alles mit uns machen!:

[….] Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine geht bald in das fünfte Jahr. [….] [es war] bemerkenswert, was am Dienstag nach der Ukraine-Konferenz in Paris geschah: Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Großbritanniens Premier Keir Starmer unterzeichneten mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Absichtserklärungen, laut denen die beiden westeuropäischen Mächte bereit sind, im Falle eines Waffenstillstands Soldaten in der Ukraine zu stationieren. Kanzler Friedrich Merz hingegen stellte zunächst nur weitere Kräfte „auf benachbartem Nato-Gebiet“ in Aussicht. Positiv formuliert: Deutschland bleibt seiner Tradition der militärischen Zurückhaltung treu. Nur sollte niemand glauben, dass die Bundesregierung damit auf Dauer durchkommt. Wenn es eines Tages tatsächlich ernst wird und ein Frieden in der Ukraine abgesichert werden muss, dann wird es ohne deutsche Beteiligung kaum gehen. [….]

(Thorsten Knuf, FUNKE, 08.01.2026)

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