Donnerstag, 1. Januar 2026

Impudenz des Jahres 2025

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender einen „1.1.“ - hohe Zeit für mich, den Blödmann des Jahres zu küren.

Diese künstliche Trennung zwischen 31.12. und 01.01. ist reichlich absurd. Man rekapituliert in Jahresrückblicken die wichtigen Ereignisse, macht einen Haken dran und bildet sich ein, nun käme etwas Neues, stellt Prognosen an, fasst Vorsätze. Alles absurd. Die Zäsur gibt es gar nicht. Die gesamte Scheiße aus den letzten Monaten und Jahren – Ukrainekrieg, weltweites Anschwellen der Rechts-Autokratie, Erderhitzung, Kampf um Ressourcen, soziale Ungerechtigkeit, Volksverdummung durch Social Media, massive demographische Katastrophe – geht einfach weiter. Nichts wird besser.

Immerhin, mein Pessimismus erwies sich, mehr als gerechtfertigt.

Vor einem Jahr hieß der Bundeskanzler Olaf Scholz und als US-Präsident amtierte Joe Biden. In Berlin und Washington war aber jeweils ihr Ende eingeläutet. In beiden Fällen hatte ich mich massiv gegen die potentiellen Nachfolger Trump und Merz engagiert. Für ihre möglichen Wahlsiege nur das Schlimmste prognostiziert.

Aber so viel Kassandra muss ich schon für mich in Anspruch nehmen: A posteriori behalte ich zwar üblicherweise Recht, aber die große Mehrheit hört nicht auf mich. Dabei ist mein internationaler und nationaler Einfluss selbstverständlich gleich Null; ich betrachte mich bei dieser Kassandra-Aussage aber als Platzhalter für alle „linken Influencer“.

12 Monate später kann es keine Zweifel mehr geben; meine extrem düsteren Merz/Trump-Prognosen waren nicht einmal düster genug. Selbst mir fehlt offenbar immer noch das Vorstellungsvermögen dafür, wie weit politische Unfähigkeit und charakterliche Verkommenheit gehen können.

Für die USA gibt es, systemisch durch das Mehrheitswahlrecht bedingt, derzeit einen kleinen winzigen Hoffnungsschimmer – immer vorausgesetzt, daß überhaupt noch Wahlen stattfinden, die nicht durch republikanische Spezialgesetze völlig pervertiert sind. Es ist ein Zweiparteiensystem. Beide Kongressparteien sind, wie die Legislative insgesamt, historisch unbeliebt. Aber Ärger über die Regierung, über die dominierende Partei, findet zwangsläufig ihr Ventil in der anderen Partei. Republikaner dominieren die Gouverneursversammlung, den SCOTUS, das House, den US-Senat, stellen alle Minister, kontrollieren die Justiz, besitzen die allermeisten Medienkonzerne und selbstverständlich das Weiße Haus. Wenn es schlecht läuft – und die US-Wirtschaft schmiert gerade drastisch ab – verteilt der Wähler Denkzettel, indem er die Demokraten wählt.

Das gemischte Wahlrecht in Deutschland halte ich für demokratisch weit überlegen, auch wenn im Bundesrat die Ländern quasi durch Mehrheitswahlrecht vertreten sind und die bevölkerungsreichen West-Länder massiv unterrepräsentiert sind.

Aber ein Verhältniswahlrecht führt zur Zersplitterung und immer mehr Partikularinteressenvertretung, die das Regieren erschweren. Deutschland im Jahr 2025/2026 zu regieren, IST aus den vielen immer wieder genannten Gründen extrem schwer; daher könnte man Nachsicht mit Fritze Merz üben. Allerdings war das schon lange vor seiner Wahl völlig klar und wurde von jedem begriffen – außer eben von Merz, der sagenhaft unterkomplex glaubt(e), mit zackigen Ansagen („Germany is back!“), sozialen Kürzungen, Härte gegen Queere/Migranten würde er die Wirtschaft ganz schnell in Schwung bringen und die AfD halbieren. Natürlich alles, ohne neue Schulden zu machen.

Den Titel als Impudenz des Jahres 2025 erhält die Merz-Bundesregierung.

Das Totalversagen der Fritze-Minister führt, anders als in den USA, nicht zu einer politischen Verschiebung hin zu einer großen demokratischen Partei, die es besser machen würde, sondern zu den Faschisten. Die Moskau-hörigen, staatszersetzenden Menschenfeinde, die dadurch bestechen, unter ihren Abgeordneten so viele Kriminelle, wie keine andere Partei zu versammeln.

Die 16%-SPD geht in dieser Koalition unter. Die meisten Minister sind unsichtbar, der Frust der Sozi-Abgeordneten sitzt tief; sie verachten Merz und Spahn. Aber ihnen sind die Hände gebunden; sie können die Koalition aus vier Gründen nicht verlassen.

Daher dominieren die Unions-Flitzpiepen Alexander Dobrindt, Dr. Johann Wadephul, Katherina Reiche, Dorothee Bär, Karin Prien, Dr. Karsten Wildberger, Patrick Schnieder, Nina Warken, Alois Rainer, Thorsten Frei und der Schlimmste von allen: Fritze Merz! Sie verstehen nicht nur das Regierungshandwerk an sich gar nicht, blamieren sich öffentlich mit Mauscheleien und Fehleinschätzung, sondern steuern in allen relevanten Politikfeldern in die diametral falsche Richtung.



Beim Fritzekanzler kommt eine sagenhafte Naivität dazu, die ihm international immer wieder Kopfschütteln einbringt.


Zuletzt, als er zu den Bemühungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine, befand, Putin müsse jetzt „transparent und ehrlich“ werden. Davor hatte er dem tobenden Trump geraten, wenn er schon die EU nicht möge, solle er wenigstens mit Deutschland zusammenarbeiten.


Nach sieben Monaten im Amt, kann man soviel sagen: Merz ist nicht bloß ein verblendeter Ideologe, nicht bloß unerfahren, nicht bloß schlecht informiert.
Nein, er ist tatsächlich dumm, borniert und erkenntnisresistent. Er wird täglich schlimmer und wird uns in den Abgrund reiten.

Er kann es einfach nicht. 

Über katastrophale Wirtschaftsdaten aus den USA freue ich mich. Je mehr Trump, das Land zerstört, desto besser, weil damit die Chance auf Einsicht bei den Wählern wächst, umso höher die Chance auf einen demokratischen Wahlsieg bei den Midterms.

Für Deutschland gilt das aber gerade nicht. Je mehr Fritze versagt, desto mehr AfD.


Man muss dieser schlechtesten Regierung Deutschlands seit 1949, also zu allem Übel die Daumen drücken, daß es doch noch etwas besser laufen wird, wenn die AfD nicht durchmarschieren soll. Aber die Chancen dafür sind mikroskopisch bei dem Personal.

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