Sonntag, 18. Januar 2026

Ändert das Kanzleramt den Kurs?

Es ist (noch) sehr unwahrscheinlich, aber womöglich könnte die aggressive imperialistische Attacke Trumps auf Europa und die NATO doch etwas Gutes bewirken.

Merz verfügt zwar über nahezu keine Lernfähigkeit, aber Washington zeigt gerade so extrem deutlich das Scheitern des Kanzler-Kurses auf, daß er gezwungen sein könnte, Brüssel nicht länger zu talibanisieren, sondern auf europäische Gemeinsamkeit zu setzen. Selbst in der CDU staunt man über die Doofheit ihres Parteichefs, der wieder einmal wie ein begossener Pudel dasteht, weil er nicht antizipieren konnte, was als nächstes passiert.

[…] Umgang mit Donald Trump: No more schmeicheln

In der CDU wachsen Zweifel an der zahmen US-Strategie des Kanzlers: Deutschland müsse klar auf Trumps Zollankündigung reagieren. Noch deutlicher wird Lars Klingbeil. […] Der Zoll-Drohung aus Washington folgte zunächst das bekannte zögerliche Schweigen aus Berlin. Man habe die Äußerungen des US-Präsidenten "zur Kenntnis genommen", teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius schließlich am Samstagabend mit. "Zur gegebenen Zeit" werde man "über geeignete Reaktionen entscheiden".

Von Bundeskanzler Friedrich Merz selbst oder der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kam kein Wort. Man wolle sich erst mit den europäischen Partnern absprechen, hieß es. Die Bundesregierung wurde offenbar kalt erwischt. Dem Vernehmen nach erfuhr sie nicht direkt von der Regierung aus Washington von den neuen Strafzöllen, sondern, wie alle anderen auch, aus den sozialen Medien. […]

(Michael Schlieben, ZEIT, 18. Januar 2026)

Waaas; Trump droht mit Zöllen? Also DAS kommt völlig überraschend für das Kanzleramt. Wer hätte nur damit gerechnet?

Unglücklicherweise amtiert als zweitmächtigster CDU-Mann, die kleine Thiel-Marionette Spahn, die schon wieder auf Arschküss-Mission zu Trump geht.

[….] Sie sind mit dem früheren US-Botschafter Richard Grenell befreundet, haben den republikanischen Parteitag besucht und waren immer Transatlantiker. Was bedeutet es für Sie, dass sich Trumps Maga-Bewegung mit der AfD verbündet hat?

Ich bin immer noch überzeugter Transatlantiker. Jenseits von Regierungen eint uns mit den USA mehr, als uns trennt. Außerdem sind wir abhängig von den USA. Wir sind als größtes Land Europas nicht ohnmächtig, aber etwa für unsere Sicherheit doch ziemlich abhängig von den USA. Da können wir zehnmal mit dem Fuß aufstampfen, uns ärgern oder moralisch erheben. Wir sind, Stand heute, nicht in der Lage, selbst für unsere Sicherheit zu sorgen. […] Deshalb irritieren mich reflexhafte moralisch aufgeladene Reaktionen, die nichts mit unserer tatsächlichen Stärke zu tun haben.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel, wenn es um Grönland geht. Da wird der Fortbestand der Nato infrage gestellt für den Fall, dass Trump Ernst macht.

Das sagt immerhin die dänische Ministerpräsidentin.

Das mag sein. Trotzdem frage ich: Habt ihr das zu Ende gedacht? Ist es wirklich klug, dass wir als Europäer in der Abhängigkeit, in der wir von Amerika sind, diese Debatte jetzt so führen? Und die Antwort ist Nein. Wenn man die Lage Grönlands auf dem Globus anschaut, sind die von den USA gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar.

Trump hat also einen Punkt?

Es geht darum, ob wir als Nato und Europa diese strategisch immer wichtiger werdende Insel ausreichend gegen andere Mächte wie Russland schützen. Und ja, da hat Donald Trump einen Punkt. […]

(Spahn im SZ-Interview, 16.01.2026)

Katastrophaler und falscher kann eine Bundesregierung in dieser kritischen Lage gar nicht handeln.

[….] Es ist nicht nur erschütternd, wie unterwürfig und kurzsichtig Spahn sich gibt, wenn er Trumps Imperialismus vorauseilend entgegenkommen will. Sondern auch, wie er die angestrebte Landnahme rechtfertigt: mit der Lage Grönlands auf dem Globus. Das soll nun reichen? Großraumtheorie vom Fraktionschef? [….]

(Bijan Moini @bijanmoini.de, 18.01.2026)

Dänemark ist unser Nachbar, enger Wirtschaftspartner, EU- und NATO-Mitglied! Und Spahn kommt gar nicht auf die Idee, auch nur zur erwähnen, daß wir unserem Freund beistehen sollten, wenn eine Macht sich gewaltsam dänische Territorium einverleiben will!

[…] "Wenn man die Lage Polens auf dem Globus anschaut, sind die vom Deutschen Reich gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar."

Was für ein wahnsinnig gefährlicher Trottel!

"Trottel" soll nicht implizieren, dass dieser skrupellose Anti-Europäer im Rang eines Fraktionsvorsitzenden, der ganz sicher Merz' rostiger Sargnagel sein wird, so einen imperialistischen Dreck nicht mit vollkommener, berechnender Absicht öffentlich raushaut. [….]

(Jan Böhmermann, 18.01.2026)

Deutlicher kann es, wie schon bei der Energie-Politik, auch in der Außenpolitik nicht sein: CDUCSU auf dem Holzweg, die Grünen hingegen liegen goldrichtig.

Andreas Audretsch legt heute wunderbar klar auf den Tisch, wie die EU die Daumenschrauben gegenüber der USA anlegen müsste.

[….] Donald Trump versteht nur Stärke und Klarheit.

Die Strategie des Zurückweichens von Friedrich Merz ist gescheitert. Und die Trump-Anbiederung von Jens Spahn schadet Europa.

Jetzt ist Zeit in Europa gemeinsam den Rücken gerade zu machen, mit Großbritannien, mit Frankreich und den Partnern in der EU.  [….]

(Audretsch, 18.01.2026)

Statt wie der Fritzekanzler devot auf dem Rücken zu rollen und seine Kehle zu präsentieren ….

"und wenn Ihr mit Europa nix anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner". (Merz)

… kann es jetzt nur eine Antwort geben: Auf Europa setzen. Also die EU (plus GB und die Willigen) stärken und einigen, statt sie, wie Azubi-Fritze, aufzuspalten.

Gelegentlich hat man den Eindruck, Merz verstünde doch ansatzweise, in was für eine katastrophale Sackgasse sein Trump-Appeasement führt und denke nun in die richtige Richtung. Es hält leider nie an.

[….]  Friedrich Merz zeigt sich desillusioniert von Trump und der US-Politik

[…] Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Europa dazu aufgerufen, sich von den USA zu emanzipieren und sich nicht weiter kleinzumachen. "Wir erleben, dass unser wichtigster Verbündeter auf der Welt – und das sind bis heute die Vereinigten Staaten von Amerika – sich abwendet von einer regelbasierten ‍Ordnung", sagte Merz auf einer CDU-Wahlveranstaltung im baden-württembergischen Heddesheim. Statt sich am Völkerrecht zu orientieren, gehe die Entwicklung der US-Politik "hin zu einer reinen Macht- und interessengeleiteten Politik".

Merz setzt zudem nicht mehr auf Änderungen bei Trump. Man könne diesen zwar kritisieren, "aber was nutzt Kritik, wenn derjenige, dem sie gilt, darauf nicht reagiert, sondern das, was er tut, für richtig hält", sagte der Kanzler. Wenn Trump seine Politik weiter fortsetze, dürfe man nicht den "Kopf in den Sand stecken und sagen, wir fügen uns dem allen". Man dürfe nicht hinnehmen, zum Spielball der Großmächte zu werden und zu versuchen, irgendwo in einer kleinen Nische zu überleben. […]
(ZEIT, 16.01.2026)

 Zwei Tage später:

Es ist unerträglich peinlich, was für einen Totalausfall Merz darstellt, statt sich jetzt mit seinem gesamten Gewicht an die Seite Starmers, Macrons und Mette Frederiksens zu stellen.

Denn selbst in den USA kennt man schon den Begriff „EU-Bazooka“ und ahnt, wie schmerzhaft das werden könnte.

Es ist die einzige Hoffnung Europas: Wir müssen fest zusammenhalten, die gefährlichsten Waffen aus dem Trade-Giftschrank gegen die US-Techkonzerne abschießen, uns in Grönland der US-Army in den Weg stellen und darauf bauen, die ökonomischen Folgen so schwerwiegend für die Durchschnitts-Amerikaner ausfallen zu lassen, daß sie sich gegen Trump wenden. Der orange Mann ist bereits angezählt.

[…] Das erste Jahr seiner zweiten Amtszeit endet für Donald Trump mit einer ganzen Reihe von schlechten Nachrichten. Denn mehr und mehr Amerikanerinnen und Amerikaner scheinen nicht sonderlich begeistert davon zu sein, dass noch drei weitere Jahre unter dem Kommando dieses Präsidenten anstehen. Dem Demoskopen Nate Silver zufolge, der Durchschnittswerte zahlreicher Umfragen berechnet, sind derzeit etwa 42 Prozent der amerikanischen Wähler mit der Arbeit ihres Präsidenten mehr oder weniger zufrieden. Etwa 55 Prozent sind gegen Trump. Es ließe sich argumentieren, dass dies immer noch halbwegs stabile Zahlen sind, gemessen daran, was dieser Präsident in den zurückliegenden Monaten alles angerichtet hat. Nicht leugnen lässt sich aber auch, dass der Trend für Trump langsam, aber stetig nach unten geht. Und dass wenige US-Präsidenten zu diesem Zeitpunkt unbeliebter waren – vom Trump der ersten Amtszeit mal abgesehen.

Grundsätzlich gilt weiterhin, dass die Meinung zu diesem Präsidenten stark davon abhängt, auf welcher Seite des ideologischen Grabens man sich nach ihr erkundigt. Aber zumindest bei einem Thema scheint es sogar eine gewisse Einträchtigkeit zwischen demokratischen und republikanischen Wählern zu geben: bei der Grönland-Frage. Einer Erhebung von CNN zufolge sind 75 Prozent der Amerikaner gegen den Versuch der USA, sich Grönland einzuverleiben. Selbst die Hälfte der republikanischen Wähler lehnt das demnach ab. Und diese Zahl stammt von Mitte vergangener Woche, also noch vor dem Moment, als Trump neue Strafzölle gegen halb Europa ankündigte, um sich die Insel per Erpressung zu sichern.

Ein derart provozierter Handelskonflikt hätte wohl nicht zuletzt höhere Preise für amerikanische Konsumenten zur Folge – und das ist ohnehin schon Trumps größte Problemzone. […] Einer wachsenden Mehrheit der Amerikaner gefällt es jedenfalls nicht, was ihr Präsident derzeit macht. Und wenn das so weitergeht, dann dürften den Republikanern die Ergebnisse der Midterm-Wahlen im Herbst nicht allzu sehr gefallen.  [….]

(Boris Herrmann, 18.01.2026)

Merz und Wadephul sind bedauerlicherweise unglaublich schwer von Begriff und hängen immer noch an ihrem Bild des freundlichen großen US-Bruders aus den 1980ern. Die meisten anderen Europäer hingegen, haben es schon verstanden; das Merz-Amerika ist tot. Jetzt können wir nur noch versuchen, den Europäischen Arsch zu retten, oder wir werden von Trumpmerica niedergewalzt.

[…] Das Bündnis des Westens ist faktisch erledigt […] Zwar hatten die Europäer das als „Erkundungsmission“ deklariert: Die Truppen sollten prüfen, wie die Nato-Länder gemeinsam Donald Trumps angeblich völlig berechtigte Forderung nach mehr Sicherheit in der Arktis erfüllen können. Die Bundeswehr erklärte diese Aufgabe nach zwei Tagen bereits für abgeschlossen. Aber natürlich wusste jeder, was der wahre Grund für den militärischen Ausflug war: Die europäischen Soldaten sollten den amerikanischen Präsidenten durch ihre Präsenz davon abhalten, Grönland – mithin dänisches Staatsgebiet – zu annektieren.

Die Lage ist nun also so: Die Führungsmacht der Nato bestraft andere Nato-Mitglieder, weil diese mit Billigung des Nato-Mitglieds Dänemark Soldaten auf dessen Territorium, also auf Nato-Gebiet, stationiert haben. Das ist so irre und imperialistisch, dass man den Satz glatt wiederholen muss, um den Inhalt realisieren, geschweige denn glauben zu können: Die Führungsmacht der Nato bestraft andere Nato-Mitglieder, weil diese mit Billigung des Nato-Mitglieds Dänemark Soldaten auf dessen Territorium, also auf Nato-Gebiet, stationiert haben. […] […]  was würde passieren, wenn nun Russland Kampfjets in den finnischen Luftraum fliegen ließe oder „grüne Männchen“ in Litauen auftauchten wie 2014 auf der Krim? Muss Europa dem Mann in Washington erst mal eine Kiste Gold als Tribut schicken, bevor Amerika den Verbündeten zu Hilfe eilt? Die Nato hat leider keine Friedensnobelpreis-Medaille, um Trump zu bestechen. Aber vielleicht kann sie die der Europäischen Union leihen? Die Tatsache, dass man zögert, solche Szenarien als absurd abzutun, sagt schon alles. […]

(Hubert Wetzel, 18.01.2026)

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