Mittwoch, 20. August 2014

Großheuchelei


Es ist erst zwei Tage her, daß ich an dieser Stelle eine extreme Heuchelei beschrieb.
Nämlich die des Papstes, der in armen Ländern seinen Priestern Armut und Bescheidenheit nahelegt, während in dem Land, dessen Staatsoberhaupt er ist, die Kirchenfürsten prassen und im Luxus schwelgen.

Schon heute aber kann ich eine ähnlich große Heuchelei präsentieren.
Auch ohne die unterste Schublade des Unterschichtenfernsehens selbst anzusehen (denn soweit bin ich noch nicht gesunken), bekommt man als Zeitungsleser mit, daß bei SAT1 derzeit wieder eine Staffel „Promi-Big-Brother“ läuft. Oder wie es die Insassen aussprechen „Bick Brassa.“
Dazu sind zwei Bemerkungen zu machen:

1)   Es ist eigentlich ungerecht, daß „RTL“ oder „RTL-Zuschauer“ zur Metapher für niveauloses Proleten-Fernsehen geworden ist. Von Anfang an, als RTL und SAT1 gemeinsam die Ära des deutschen Privatfernsehens einläuteten, war SAT1 noch deutlich unter dem RTL-Niveau. RTL versuchte sich wenigstens an journalistischen Formaten, sendet akzeptable Nachrichten und Magazine. Bei SAT1, dem Mertes-Kohl-Sender gibt es hingegen nur Dreck. SAT1 war auch der Sender der Kohl-Kirch-katholischen „geistig-moralischen Wende“, der die debilen Softpornos mit den unterirdischen Namen ausstrahlte. Wir erinnern uns schaudernd an „Es jodelt in der Lederhose“, „Wenn die prallen Möpse hüpfen“,  „Ach jodel mir doch einen - Stoßtrupp Venus bläst zum Angriff“, „Urlaubsgrüße aus dem Unterhöschen“, „Der Mann mit dem goldenen Pinsel“,  „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“, „Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd“ und „Alpenglühn im Dirndlrock.“

2)   Während man noch vor wenigen Jahren latent schamvoll von „A-, B- und C-Promis“ sprach, ist man inzwischen längst beim „Z“ angekommen und nennt nun der Einfachheit halber wieder alles und jeden „Promi“. Bei der flüchtigen Durchsicht des TV-Programms nur dieser Woche, sind mir gleich ein halbes Dutzend „Promi-Shows“ aufgefallen. „Promis suchen ein Zuhause“, „das Promi-Dinner“; „die Promi-Quizz-Show“, „die Promi-Shopping-Queen“, „Dein Einsatz, Promi“ und „Promi-Big-Brother“.

Im Gegensatz zu den meisten Subhumanen der herkömmlichen „Promi-Shows“, gibt es bei SAT1 nun also einen Promi, den ich sogar gut kenne: Ronald Schill.
Schill ist vermutlich von allen deutschen Landesministern der Allerschlimmste und Allerpeinlichste – und dabei schließe ich sogar CSU-Minister ein! Rund zwei Dutzend Tammox-Postings widmeten sich Innensenator Schill.
Der koksende, kriminelle, erpresserische, xenophobe, unfähige, korrupte Politmutant wird für immer als größte Nachkriegs-Peinlichkeit Hamburgs in die Geschichte eingehen.
Es ist unmöglich Ole von Beust zu verzeihen, daß er aus purer Machtgier der Stadt diesen menschlichen Abfall angetan hat.


Es spricht für die besondere Verkommenheit von SAT1, daß diesem Subjekt nun eine derart große Bühne zur Selbstdarstellung geboten wird.

Rückblick:

CDU-Regierung in Hamburg?
Für die etwas Älteren ist das immer noch ein ungewohnter Satz. Immerhin 44 Jahre am Stück hatte es SPD-Bürgermeister in der stolzen Hansestadt gegeben.
Nach diesen vier Dekaden war Hamburg zur reichsten Region ganz Europas geworden.
Zu dem Bundesland mit dem höchsten Pro Kopf-Einkommen und dem größten Pro-Kopf-Einzahler in den Länderfinanzausgleich.
Mit einer Abiturientenquote von nahezu 50% lag man weit vor dem angeblichen Musterbildungsland Bayern (35%).

Plötzlich wurde aber Ole von Beust Bürgermeister - obwohl Umfragen zeigten, daß die Wähler auf beinahe allen Politikfeldern den Sozialdemokraten eine sehr viel höhere Kompetenz zutrauten.

Wie kam das zustande?
Dazu muß man auf das Wahlergebnis vom 23.09.2001 blicken, das unmittelbar nach den WTC-Anschlägen ermittelt wurde: SPD = 36,5 % (46 Sitze), Grüne = 8,6 % (11 Sitze), CDU = 26,2 % (33 Sitze), FDP = 5,1 % (6 Sitze).
Nach einem schwarz-gelben Durchmarsch sieht das nun nicht gerade aus.

Aber es gab eben noch den quartalsirren, koksenden, korrupten, erpresserischen, rechtslastigen, xenophoben, kriminellen Ronald Schill. Den ultimativen Scharfmacher mit seinen 25 Sitzen, den Ole von Beust sich gleich als zweiten Bürgermeister ins Nest holte.
Das extremistische Enfant Terrible, das sich inzwischen auf der Flucht vor der Justiz nach Rio de Janeiro abgesetzt hat, durfte dann in Ole von Beusts Namen als Hamburger Innensenator binnen kürzester Zeit den Ruf der Stadt total ruinieren.

Schill regte Internierungslager für alle Ausländer an und wollte „von den Russen“ für die Hamburger Polizei das Gas erwerben, das am 23. Oktober 2002 im Moskauer Dubrowka-Theater für 130 Todesopfer gesorgt hatte. Der Beustsche Duz-Freund machte sich mit ausländerfeindlichen Attacken als Vertreter der Hamburger Regierung im Bundestag am 29. August 2002 zum Thema Oderflut in Ostdeutschland so lächerlich, daß ihm Präsidentin Anke Fuchs nach 15 Minütiger Überziehung seiner Redezeit schließlich das Mikrophon abstellte.
Schill hetzte gegen alles und jeden; Beust sonnte sich aber so in seinem Amt, daß er seinen Vize ungezügelt freien Lauf ließ.
Bis zu dem Zeitpunkt, als Schill sich gegen ihn selbst, gegen den gefühlten Gottkönig Hamburgs, seine Majestät Ole von Beust wandte.
Das mochte der feine Freiherr gar nicht und entließ Schill auf der Stelle.

Wieso ein offensichtlich psychiatrischer Fall wie Schill überhaupt jemals 25 Bürgerschaftssitze erringen konnte, erklärt sich schnell.
Der größenwahnsinnige Ex-Richter hatte im Schulterschluß mit der Springerpresse und dem Beust-Busenfreund Roger Kusch (dem späteren Justizsenator) eine noch nie dagewesene Jugendkriminalitätsangst-Kampagne losgetreten.
Man meinte, keinen Schritt mehr auf die Straße tun zu können, ohne sofort von Horden marodierender Ausländer überfallen, massakriert und vergewaltigt zu werden.

Nun bin ich immer noch nicht ganz bei der Heuchelei angekommen.

Es scheint mir aber aus Gründen der Aufheiterung opportun einige wenige Sätze aus der Boulevardpresse zu zitieren, um einen Eindruck des Bick-Brassa-Schills zu transportieren.

Sexsüchtiger Ex-Richter Ronald Schill in Fummel-Laune
Eine Nervensäge, ein notgeiler Ex-Politiker und Entzugs-Erscheinungen: Im „Promi Big Brother“-Grusel-Container von Sat.1 in Köln-Ossendorf trashen sich die Niemande schon nach einem Tag gegenseitig...
Oben im Luxus-Loft verfällt der nach eigener Aussage sex-süchtige Ex-Richter Ronald Schill (55) dem XXL-Dekolleté von Bachelor-Dummchen Ela Tas (22).
Immer wieder begrapscht er die Kölner Studentin plump. Ob auf dem Sofa, im Schlafzimmer oder in der Küche. Schill ist ständig auf Tuchfühlung mit der 22-Jährigen.  Da entdeckt er ein kleines Tattoo auf ihrer Schulter. „Was heißt denn das? I tell you in my heart? Für wen ist denn das? Da war doch jemand an deiner Seite, als du das gemacht hast“, bohrt er, während er das Tattoo auf der Schulter streichelt.
 […]   Teppichluder Janina hat andere Sorgen. Dem Unterwäschemodel gelingt es nicht, mit den vorhandenen Streichhölzern eine der selbstgedrehten Zigaretten anzuzünden.  Weinend setzt sie sich auf ihre Matte, schluchzt: „Das funktioniert nicht. Das sind so billige Streichhölzer. Die funktionieren nicht.“
Dann bricht es aus ihr heraus: „Hier funktioniert gar nichts. Es gibt nix zu essen und nicht mal vernünftige Blättchen geben mir die hier. Im Dschungelcamp haben die sogar richtige Zigaretten. Man kann mir essen wegnehmen, aber nicht meine Zigaretten. Ich raste aus….“


[…] Zu Beginn wurde der Keller vor allem von extrem zeigefrohen, dauerduschenden Busenmadämchen bevölkert, die ihre Lektionen an der Melanie-Müller-Büffeluniversität offenbar sehr intensiv verinnerlicht haben, um nun bei jeder Kleinstgelegenheit blankzuziehen oder minutenlang zu versuchen, eine berstbereite Klaffbluse zuzuknöpfen.
Wobei auch bei den feinen Herrschaften im Edelstockwerk gerne geschmuddelt wird, namentlich vom Absurd-Adligen Mario-Max zu Schaumburg-Lippe, der in seinem Einspielerfilm seinen Spitznamen "Tittenprinz" damit erklärte, dass er "sehr gerne Busen habe". Das konnte nur noch vom Hamburger Ex-Senator Ronald Barnabas Schill unterboten werden, der zu Protokoll gab, er fände es "sehr aromatisch, wenn eine Frau ein wenig Ausdünstung hat". Womöglich könnte seine BB-Kandidatur dem einst als "Richter Gnadenlos" bekannt gewordenen Fatal-Juristen mit gutem Recht den neuen Beinamen "Richter Schadengroß" einbringen. Wobei ihn das nicht weiter stören dürfte, zumal er "Promi Big Brother" eher als "Promo Big Brother" zu betrachten scheint und nimmermüde seine just jetzt erscheinende Biografie bewarb. […]

Rechtspopulist Ronald Schill (55) ist ganz unten angekommen. Wenn er schon nicht Deutschland regieren darf, dann wenigstens den Grusel-Container von Köln. „Richter Gnadenlos“ reißt „Promi Big Brother“ immer mehr an sich, formt die „Keller-Asseln“ in nur einem Tag zur Schrill-Partei! Bleibt die Hoffnung, dass sie ihn da unten nie wieder rauslassen...
[….]  Und Schill gibt tief unten den Takt vor: Als der frühere Hamburger Innensenator am späten Montagabend den unteren Bereich betritt, sind die anderen Kellerkinder ihm sofort untertan.
Gestatten, die neue Sch(r)ill-Partei: Dschungel-Memme Wendler, Jammer-Mama Claudia Effenberg (48), Porno-Sternchen Mia Magma (27), Teppichluder Janina Youssefian (31) und Quiz-Laberbacke Aaron Troschke (24). Was für ein Inkompetenz-Team!  Für ihren neuen Anführer fangen die Keller-Knallchargen schnell Feuer. Selbst Teppichluder Janina hat alte Feindschaften offenbar schnell vergessen. […]  Statt schriller Fummel kriegt er Second-Hand-Klamotten. Stilsicher wählt er für sich ein graues, viel zu kleines und daher bauchfreies T-Shirt: „Das passt doch farblich ideal zu diesen Wänden hier …“

Nach 13 Jahren ist Schills Peinlichkeit noch ungebrochen. Schaudernd möchte man dafür beten niemals diese SAT1-Show ansehen zu müssen.

Und wieder einmal zeigt sich die ganze Doofheit des Urnenpöbels. Schill hat tatsächlich immer noch Fans. Wir kennen das vom gegelten Baron, der Dutzendfach als Betrüger und Lügner überführt ist und immer noch von einigen Hirnlosen bejubelt wird.
Vermutlich sind die Guttenberg-Fans und Schill-Fans mehr oder weniger psychiatrische Fälle. Das erinnert an die weiblichen Groupis, die inhaftierten Mördern und Vergewaltigern Liebesbriefe schreiben.

[…] Eine klare Tendenz bei den Posts auf Facebook ist nicht abzulesen, die Meinungen und Themen variieren stark. So geht es zum Beispiel um die Vergangenheit und Schills hartes Durchgreifen als "Richter Gnadenlos": "Als Richter war er und bleibt er für mich der beste, R.B. Schill hat jedenfall das Gesetzbuch verstanden und ordentlich angesetzt!" Ein anderer Nutzer erklärt sich Schills damaligen Erfolg so: "Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Es waren damals Protestwähler. Heute gehen sie gar nicht mehr zur Wahl."
Ein anderer User übt Kritik an der heutigen Politik: "Schauen sie sich die heutigen Senatoren an...einige machen nichts, andere nur Blödsinn...". […]

Wenn ich nicht längst jeglichen Glauben an das Wahlvolk verloren hätte, würde ich mich wohl wundern, daß heute noch Schills Verständnis für das Gesetzbuch und sein Durchgreifen als Richter gelobt wird.
Schill war schon VOR seiner Politkarriere als einfacher Amtstrichter so dermaßen durchgedreht, daß seine Gaga-Urteile (30 Monate Gefängnisstrafe für eine psychisch kranke Frau, die eine Autotür zerkratzt hatte…) alle, ohne Ausnahme, also zu 100%, komplett, allesamt in der nächsten Instanz aufgehoben wurden. Nicht ein einziges Urteil hatte Bestand.

Aber nein, die Doofheit und Urteilsunfähigkeit des Urnenpöbels ist genau der Grund dafür, daß ich den Einsatz von mehr plebiszitären Elementen grundsätzlich ablehne.
Wir brauchen keine Diktatur der Inkompetenz.

Den Vogel schießt aber das Hamburger Abendblatt von heute ab.
Ich dachte, ich kollabiere im Türrahmen, als ich die Titelschlagzeile heute Morgen um 5.00 Uhr auf meiner Fußmatte betrachtete.
(Man weiß sowieso schon, daß der Tag ganz mies losgeht, wenn der Bote von allen Zeitungen, die ich bekomme ausgerechnet immer das SPRINGER, bzw Funke-Blatt obenauf legt. Was sollen denn die Nachbarn von mir denken?)

„Schämen für Schill“ steht in großen Lettern auf der Titelseite. Und dann legen Matthias Iken (der Mann, der die evangelikale Betrügerin Gaby Wentland als Preisträgerin des BDZV durchdrückte) und Alexander Schuller los.

Ronald Schill und der große Irrtum der Hamburger
Zurzeit lebt Ronald Schill im "Promi Big Brother"- Container. Vor 13 Jahren wählten 19,4 Prozent der Hamburger seine Partei bei der Bürgerschaftswahl – wie konnte das passieren?


Schill kam nicht wie die Jungfrau zum Kinde über die Hamburger!
Er war mittellos und verfügte über keinerlei Organisationsstruktur einer Partei. Er wurde bekannt und „berühmt“ NUR durch die Hamburger Springer-Presse und da in vorderster Front das „Hamburger Abendblatt“.
Schill ist ein Homunculus aus DER Redaktion, dessen Chef nun jammernd fragt wie das passieren konnte!

Geschichte sollte man manchmal besser nicht von ihrem Ende her erzählen. Sonst hätten 165.421 Hamburger sich kaum so irren können wie an jenem September-Sonntag vor rund 13 Jahren: Damals bei der Bürgerschaftswahl hievten die Wähler einen Mann in den Senat, der nur wenige Jahre später seine Stadt, vor allem aber sich selbst, gründlich blamieren sollte. Jetzt ist Ronald Barnabas Schill, vor dessen Law-and-Order-Politik einst die etablierte Politik zitterte, endgültig zum Clown im Unterschichtenfernsehen mutiert.

Jeder Wähler, der sich nicht auf die Informationen aus den SPRINGER-Medien, BILD, Abendblatt und WELT, verließ wußte auch schon vor der Wahl 2001 ganz genau was für eine Total-Kanaille Schill war. Dementsprechend groß war ja das Entsetzen am Wahlabend.
Möglich gemacht hatte es Matthias Ikens Abendblatt!
13 Jahre später kommt dem Abendblatt seine eigene Schuld immer noch nicht in den Sinn; nein, im Gegenteil, nun auf einmal findet es Pimmel-Schill irgendwie peinlich. So peinlich wie Schills Biographie, für die es kostenlos Werbung macht.

Und er schreibt weiter: "Dieselbe Eigenschaft, die mir Macht einbrachte, wurde schließlich mein Verhängnis: die Maßlosigkeit. Es war meine Gier nach dem weiblichen Geschlecht, die meinen zahlreichen Feinden in Medien und Politik zu viel Angriffsfläche bot. Mein Schwanz brach mir das Genick."

Vielleicht ist Schill doch nicht so dumm, wie man zunächst dachte. Immerhin ist er schlau genug in seinem Boulevard-Büchlein gar nicht erst mit Politik anzufangen, sondern gleich von Schwänzen und Titten zu faseln.
Die ausländerfeindlichen Sprüche, die menschendiskriminierenden Grausamkeiten und die unfassbare Peinlichkeit, die er der Stadt zufügte, während Schills Regierungszeit, störte das Abendblatt nicht.
Daß er aber als dirty old man in einer Favela vom Ficken fabuliert, läßt Iken sein feines Näschen rümpfen.

Doch die Aneinanderreihung schlüpfriger Sexbeichten, politischer Selbstbeweihräucherung und bemerkenswerter Stilblüten ("Sie kam viermal zum Orgasmus und ihre Schreie tosten durch den Wald. Ein Wahnsinn! Sie würde mich süchtig machen. Oder war ich es schon? Jedenfalls war ich mal wieder an der Scheide meines Lebens.") gipfeln am Ende in nur einer Frage: Wie konnte Ronald Barnabas Schill dieser Stadt eigentlich passieren?

Das passierte, weil Ihr den Mann angepriesen habt wie warme Semmeln!
Dreist schiebt der konservative Iken dem einzig liberalen Boulevardmagazin Hamburgs den Schwarzen Peter zu.

"Richter Gnadenlos". So titelte damals die "Hamburger Morgenpost" – und sie traf damit genau den Nerv der Bevölkerung. Damals hatten viele Hamburger das Gefühl, die Stadt stecke im Würgegriff der Kriminalität; sie sei gar die deutsche "Hauptstadt des Verbrechens", wobei eine demotivierte Polizei, eine lasche Justiz und eine desinteressierte Politik alles noch verschlimmerten.

„Lasche Justiz“ und „desinteressierte Politiker“ – genauso mit dieser Rechts-Propaganda schrieb auch damals SPRINGER Schill hoch. Dabei war damals Olaf Scholz, der als absoluter „Law and Order-Mann“ galt SPD-Innensenator.
Das immer noch als „lasch und desinteressiert“ zu bezeichnen, erklärt unfreiwillig noch mal a posteriori wie das Hamburger Abendblatt Stimmung für den Rechts-Populisten anfachte.

"Richter Gnadenlos" gab dem weit verbreiteten Unbehagen über die Sicherheitslage Stimme und Gesicht. Dabei wirkte er so ganz anders als die unappetitliche Mischpoke von rechtsradikalen Politikern, die sonst mit der Angst vor Kriminalität und Fremden punkten wollten. Ronald Barnabas Schill war rhetorisch geschickt, groß gewachsen und sah blendend aus. Er verkörperte nicht die ewig-gestrigen, dumpfen Parolen anderer Populisten, sondern präsentierte sich in der Öffentlichkeit als intelligente wie charmante Mischung aus Law-and-Order-Mann und Bonvivant.

Auch wenn ich hartgesotten bin – aber dazu fällt mir nun wirklich nichts mehr ein! Bonvivant, charmant, blendendes Aussehen?



Geradezu berauscht feierten seine Anhänger auf einer bizarren Wahlparty auf dem Elbdampfer "Louisiana Star" die 19,4 Prozent und skandierten "Ronald, Ronald", als sei der damals 42-Jährige der Star einer Boyband. Und weil Rechtsausleger mit bürgerlichem Lebenslauf und hoher Intelligenz in Deutschland bis dahin eine Rarität waren, hallte das Medienecho enorm nach. [….]



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