Montag, 18. August 2014

Franziskus, der Clown


Lange Zeit war der Turiner Tarcisio Bertone (* 1934) die Nummer Zwei der 1,2 Milliarden Katholiken.
Als einer von nur neun Kardinalbischöfen, langjähriger Kardinalstaatssekretär und Camerlengo der Vatikanstadt hat Bertone außer Papst alles erreicht, was man in der katholischen Welt schaffen kann.
Gelegentlich galt Bertone sogar als eigentlicher Papst, der Ratzinger seine Entscheidungen diktierte.
Es ist verbürgt, daß beispielsweise Kardinal Meisner, der immerhin als enger Vertrauter Papst Benedikts gilt, mehrfach in Rom war, um Ratzi anzuflehen Bertone zu entmachten. Vergeblich. Der Mann kennt sich aus.
Auch Papst Franziskus brauchte sieben Monate, um den Pädophilen-Beschützer Bertone endlich am 15. Oktober 2013 von seinem Posten als Kardinalstaatssekretär zu schieben. Allerdings ist Bertone immer noch der ranghöchste wahlberechtigte Kardinal der Welt und würde als solcher auch das nächste Konklave leiten, falls Franzi wie sein Vorgänger plötzlich keine Lust mehr haben sollte.
Nun mit 79 Jahren zieht Bertone noch einmal um. Er wird der direkte Nachbar des Papstes, der im Gästehaus Santa Marta wohnt.


Genau davor liegt der Palazzo San Carlo, dessen 700 Quadratmeter großes Penthouse zurzeit für den welthöchsten Kardinal umgebaut und restauriert wird.
Die Italienische Presse spricht vom "goldenen Penthouse", der exklusivsten und teuersten Wohnung Italiens.

Bertone ist keine Ausnahme; Kurienkardinäle wohnen üblicherweise extrem teuer und luxuriös. Das „Kardinalsrot“ steht schließlich auch historisch für die teuerste Farbe der Welt. Sie hat ihren Ursprung im Purpur, das aus einer Absonderung der Hypobronchialdrüse der Purpurschnecke gewonnen wird. Da sich in der Drüse kaum messbare Mengen des weltexklusivsten Farbstoffs befinden, sind zur Herstellung eines Gramms reinen Farbstoffs circa 8.000 Schnecken notwendig. So ein Anspruch verpflichtet.

Bertone steht mit seinen Wohnplänen durchaus in der Tradition seiner Vorgänger. Auch er wohnte ein Jahr provisorisch im Johannes-Turm an der Vatikanmauer, bis sein Vorgänger Angelo Sodano (1990-2006) die Dienstwohnung freimachte. Dieser ließ sich eine großräumige Wohnung samt Bibliothek im Äthiopischen Kolleg inmitten der Vatikangärten einrichten. Dort wohnte er zunächst neben dem US-Kardinal Edmund Casimir Szoka, dem Gouverneur des Vatikanstaates. Als der in die Heimat übersiedelte, wurde dessen Nachfolger Giovanni Lajolo Sodanos neuer Nachbar.
Kaum weniger Aufwand betrieb Sodanos Vorgänger als Kardinalstaatssekretär, Agostino Casaroli. Für ihn wurde nach der Pensionierung 1990 unmittelbar neben dem Palazzo San Carlo ein Penthouse errichtet. Nach seinem Tod 1998 stand es mehrere Jahr lang leer, bis Kardinal Giovanni Battista Re, Leiter der Bischofskongregation, das begehrte Objekt bezog.

Franziskus, der als absoluter Monarch des Vatikanstaates Judikative, Exekutive und Legislative allein bestimmt, läßt Bertone gewähren und sieht tatenlos zu wie dort die kirchlichen Millionen verprasst werden.
Den Bertone-Balken im Auge scheint der Papst gar nicht zu bemerken.
Anders sieht es freilich aus, wenn es um Splitter in den Augen einfacher Priester auf der anderen Seite der Erdkugel geht. In Korea predigt er Armut und läßt sich als Vorkämpfer der Bescheidenheit bejubeln.

Papst warnt vor Luxus in der Kirche.
Papst Franziskus hat in Südkorea vor einem luxuriösen Leben von Priestern und Ordensleuten gewarnt.
Als Heuchelei verurteilte der Papst am Samstag in einer Rede vor Ordensfrauen und Patern das Leben "jener gottgeweihten Männer und Frauen, welche die Gelübde der Armut ablegen, dann aber wie Reiche leben". Ihre Haltung schade der Kirche.
Zugleich würdigte er das Gemeinschaftsleben der Ordensleute im 130 Kilometer von Seoul entfernten Ort Umsong. Das Oberhaupt der katholischen Kirche rief sie auf, jeder Versuchung einer "weltlichen Mentalität" zu widerstehen. Es ist der erste Besuch eines Papstes in Südkorea seit 25 Jahren.  [……]

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