Samstag, 30. August 2025

Wohnen der Zukunft

Mein Nachbarstadtteil Winterhude wirkt wie ein Magnet auf junge Leute.

Nicht ganz so exklusiv, wie die Lagen direkt an Außenalster oder Elbe. Nicht ganz so quirlig wie St. Georg oder St. Pauli. Nicht ganz so snobbistisch wie Eppendorf oder Eimsbüttel. Nicht so touristisch, wie Binnenalster oder Hafencity.




Aber sehr zentral gelegen, es gibt jede Menge Gastronomie, beste Einkaufmöglichkeiten, exzellenten ÖPNV und da im Krieg viel zerstört wurde, gibt es entsprechend viele eher häßliche, einfachere Nachkriegsbauten minderer Qualität mit kleineren Wohnungen.


Klar, eine Patrizier-Villa aus dem späten 19. Jahrhundert in Harvestehude mit beeindruckendem Stuck an den 4,20m hohen Decken, großzügigen Räumlichkeiten, aristokratisch-plastischen Fassaden und Intarsien-verzierten Doppelschiebetüren weckt Begehrlichkeiten. Aber solche Wohnungen gibt es entweder gar nicht auf dem Mietmarkt, oder sie sind für 99,9% der Bürger außerhalb ihrer finanziellen Reichweite.

Ein Gelbklinkerbau aus den 1950ern mag nicht schön sein und papierdünne Wände haben, aber mit 2,20m Deckenhöhe, Mikrobad ohne Fenster und Flächen um die 40 Quadratmeter bringt man sehr viel mehr Menschen unter, die pro Kopf erheblich weniger Miete zahlen und beim Heizen einen sehr viel geringeren Carbonfingerprint hinterlassen.

Winterhude ist heterogen und trotz der ausgezeichneten Lage nicht konservativ.

Die 61.000 Bewohner von Hamburg-Winterhude leben in sechs unterschiedlichen Zonen. Winterhude Süd (Außenalster, Mühlenkamp, südlicher Stadtpark) wartet auch noch mit Villen auf uns ist der Beliebteste.

Winterhude Nord (Winterhuder Marktplatz, Alsterdorfer Straße), die Jarrestadt, die City Nord, das Östliche Winterhude mit dem Pergolenviertel bieten Normalverdienern ein Zuhause, die sich keine Villen-Wohnungen leisten können.

Entsprechend groß ist der Zuzugsdruck. Freie Wohnungen gibt es nicht. Auch keinen Baugrund. Es muss erst irgendetwas abgerissen werden, um neu zu bauen. Auf solche Gelegenheiten lauern Bauherren, weil es einige häßliche Zweckbauten gibt, um die es architektonisch nicht schade ist und auf deren Grundfläche man erheblich mehr Wohnfläche generieren kann. Ein gutes Geschäft. Außer für die Alt-Mieter mit ihren kleinen Mieten. Die geraten unter die Räder, werden verdrängt.

Ein eklatantes Beispiel aus der noch feineren Uhlenhorst zeigt der exklusive Hofweg. Hier gibt es, leicht nach hinten versetzt, tatsächlich auch noch einige wenige „Billigbauten“, die Investoren magisch anlocken.

[…] Im Hofweg 87-89 stehen immer noch Wohnungen leer. Die PEG Projektentwicklungsgesellschaft, die die Häuser 2023 kaufte, hat sie nach Auszug der letzten Mieter*innen in einen Rohbauzustand versetzt, um sie nicht weiter vermieten zu müssen. Anfragen und Druck von Die Linke in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord konnten den Leerstand zum Teil beenden und die Gründe dafür öffentlich machen. Die PEG plant auf dem Grundstück teure Neubauwohnungen.   Im letzten Jahr hatte sie eine Genehmigung für den Abriss des Hauses Hofweg 87 mit vier Wohnungen und einer Gewerbefläche und für den Bau von zwei Neubauten mit 29 Wohnungen bekommen, für die elf große Bäume gefällt werden müssen. Da die leerstehenden Wohnungen im Hofweg 88 und 89 jetzt aber nur noch befristet für 1,5 Jahre vermietet wurden, machten sich die Bewohner*innen Sorgen, dass auch etwas mit ihrem Haus geplant ist.

Also hat Die Linke noch einmal nachgefragt, um Licht ins Dunkle zu bringen. Mit einer erschreckenden Antwort: die PEG plant nun den Abriss beider Häuser mit 40 Wohnungen, um auf dem Grundstück 75 Neubauwohnungen mit einer Tiefgarage unterbringen zu können. […] Dazu Marco Hosemann, Zubenannter Bürger der Linken im Stadtentwicklungsausschuss Hamburg-Nord und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die PEG ist bekannt für Entmietung und Spekulation mit Wohnraum. Solchen Methoden und Unternehmen müssen endlich das Handwerk gelegt werden. Es darf nicht sein, dass so viele Menschen für Profimaximierung ihre Wohnungen verlieren und verdrängt werden. [….]

(Marco Hosemann, 25.07.2025)

Willkommen im Kapitalismus und der Religion des Betongoldes: Eine günstige Wohnung in einem extrem beliebten Stadtteil zu haben, ist ein großes Glück, das sicher nicht ewig anhält, weil immer irgendjemand die Profitmöglichkeiten riechen wird.

Wie das in Winterhude aussehen wird, zeigt der Poßmoorweg 11. Zwischen den typischen billigeren Winterhuder Nachkriegsklinkerbauten, steht ein kleiner Flachbau, in dem bisher „Anjas Mega-Croque“ zu Hause war.

Zugegeben; es ist nicht abwegig, die Fläche besser zu nutzen. Und genau das geschieht. Gut, wir brauchen mehr kleine Wohnungen in beliebten Stadtteilen. Die Die Heimdall AE Projekt GmbH wird dort jetzt ein vergleichsweise kleines Haus mit 18 Eigentumswohnungen bauen: Apartments zwischen 19 und 41 Quadratmetern Wohnfläche!

[….]  [….] Der nächste Neubau am Poßmoorweg verfügt über Apartments zwischen 19 und 41 Quadratmetern Wohnfläche, der Komplex mit Solaranlage auf dem Dach bietet für die Bewohner Waschmaschinen und Trockner zur gemeinsamen Benutzung im Keller. Die Wohnungen werden vom Makler BCB Real Estate in einer Preisspanne zwischen 253.000 und 549.000 Euro zum Kauf angeboten. [….] Axel Baumann von BCB betont, nur die „nackte“ Wohnfläche zum Verkauf anzubieten, und verdeutlicht: „Wir bieten keine Möblierung. Die Kaufpreise für diese Eigentumswohnungen erklären sich auch dadurch, dass der Gebäudebau mit mehreren kleinen Wohnungen teurer ist als einer mit größeren. Man hat viel höhere Grundkosten, sei es für Gebäudetechnik, sanitäre Anlagen und weiteres.“ [….] Von den 18 angebotenen Apartments sind bereits drei verkauft. Nachfrage sei weiter vorhanden: [….]

(Hamburger Abendblatt, 30.08.2025)

549.000 Euro Kaufpreis, bedeutet mit Nebenkosten (Notar, Grunderwerbssteuer, etc), daß man gute 600.000 Euro auf den Tisch legen muss. Für ein 40qm-Mikroapartment zwischen häßlichen Nachkriegs-Klinkerbauten.

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