Freitag, 9. September 2016

Parteitaktische Meisterleistung.



Zwei Tage nacheinander beschrieb ich das totale Entgleiten der CSU in ihre eigene Gaga-Welt.
Frau Merkels Strategie, um ihre Schwesterpartei bei der Stange zu halten scheint nun zu scheitern.
Das Wahlvolk ist unzufrieden, straft die Partei der ewigen Kanzlerin ab.
Besonders negativ fallen die intra-Unions-Querelen auf.
Der Urnenpöbel mag Harmonie und keinen Streit.
Was für eine unglaubliche Gelegenheit für die SPD, die von Merkels Präsidialstil entzaubert selbst von dem miserablen 2013ner Bundestagswahlergebnis (25,7%) weiter auf 20% abschmilzt.
Übermächtig erschien die CDU mit ihrer Teflon-Vorsitzenden, die demoskopisch immer nur für die Lorbeeren verantwortlich gemacht wurde.
Und nun, oh Wunder, zerlegen sich CSU und CDU ein Jahr vor der Bundestagswahl selbst.
Was für ein Geschenk für die schon totgesagte SPD.
 Nun kann sie sich endlich als Kraft der Vernunft, der Konzeptionen und Seriosität darstellen.
Während sich die anderen beiden GroKO-Parteien in Streit und der Präsentation undurchführbarer und illegaler Pläne ergehen, können die Sozis dem Wahlvolk zeigen wie es geht und weswegen man im Herbst 2017 bei ihnen das Kreuz machen sollte.
Im Gegensatz zum allgemeinen Hass auf die Flüchtlinge, könnte man eine positive Botschaft senden, herausstreichen was alles erreicht wurde und detailliert darlegen, wie man mit den weiteren Herausforderungen ohne das NJET der C-Parteien zum Wohle aller Menschen in Deutschland umzugehen gedenke.


Menschlichkeit, sowie das weltoffene Deutschland, welches nach einem Jahr Flüchtlingskrise im Geld schwimmt, Wirtschaftswachstum und niedrigste Arbeitslosigkeit aufweist, sind die Errungenschaften, auf die man bauen sollte.
Die SPD könnte dieses „gute Deutschland“ als ihren Erfolg präsentieren und weiterentwickeln.
Die Sozis als die Optimisten und Realisten, die sich gegen die chaotischen Nihilisten der Union abgrenzen.

So ein Glück für die SPD-Wahlkampfstrategen.

So ein Pech hingegen, daß der Vorsitzende Sigmar Gabriel heißt, der Gelegenheiten nicht nur vergehen lässt, sondern auch noch bar jeden Verstandes die kotbraune Jacke überwirft, bei Seehofer abkupfert und mit voller Kraft gegen die Wand rast.

Falsche Richtung, SPD!
[….] Es bleibt natürlich der SPD überlassen, ihre schwindende Wählerschaft weiter zu verwirren. Die Sozialdemokraten werden sich schon etwas dabei denken, ihr Heil immer deutlicher in einer Distanzierung von der Flüchtlingspolitik zu suchen, die sie ein Jahr lang mitgetragen haben. Bei mancher Behauptung aus der sozialdemokratischen Spitze wundert man sich freilich schon, mal über den Inhalt, mal über die Rhetorik. Und bei Katarina Barley nun sogar über beides.
Die Generalsekretärin hat im eifrigen Bemühen, ihre Partei vor der gefürchteten Kontamination durch eine immer unpopulärer werdende Kanzlerin zu schützen, einen neuen Notausgang entdeckt: Es sei ein "entscheidender Fehler" Angela Merkels bei der Aufnahme der Flüchtlinge aus Ungarn am 4. September 2015 gewesen, so Barley nun in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sie es verpasst habe, "unsere europäischen Partner in die Pflicht zu nehmen". [….]
Es wurden Fehler gemacht. Wie kann das anders sein bei einer solchen Aufgabe? Das eigentlich Bedauerliche an solchen Äußerungen gerade aus der SPD ist aber, dass der fortwährende Versuch, wem auch immer "entscheidende Fehler" in der Flüchtlingspolitik nachzuweisen, stets suggeriert, dass die Sache insgesamt schiefgegangen sei. Wen soll das motivieren? Die freiwilligen Helfer, die sich seit Monaten den Arsch aufreißen, und von denen viele zumindest mentale Sozialdemokraten sein dürften? Die Kommunalpolitiker der SPD? Die Wähler? [….]

Donnerstag, 8. September 2016

Umarmungsstrategie am Ende.



Es gibt diese Politiker wie Guido Westerwelle und Donald Trump, die mit wenig Detailwissen und ohne Aktenfresserei auskommen.
Ihnen geht es nicht um die Sache, sondern um Macht.
Im politischen Alltag sind sie sich selbst Fixstern und bewerten alle anderen danach, ob sie für oder gegen einen sind.
Sie oszillieren letztendlich nur zwischen beleidigen und beleidigt sein.
Niemand zog so über Sozialdemokraten und Grüne her, wie der gelbe Chefbeleidiger Guido Westerwelle bis er nach endlosen Jahren endlich sein erstes und einziges Regierungsamt errang: Vizekanzler aus dem Stand.
Noch nie vorher in einer Gemeinde, einer Stadt, einem Bundesland oder gar der Bundesregierung gearbeitet zu haben, kann dann zu einem Kollaps der Erwartungshaltung führen. Gaga-Guido, eben noch im quietschegelben Guidomobil unterwegs, erwartete daß das hohe Amt augenblicklich die ihm fehlende natürliche Autorität kompensierte.
Nun würden ihn alle nur noch unterwürfig und voller Respekt behandeln. Endlich würde man ihn als Zentrum des Universums anerkennen und ihm uneingeschränkt huldigen.
Na, das war eine harte Landung, als Westerwave feststellen mußte, daß einige Journalisten ihn weiterhin als nicht sakrosankt ansahen und es wagten ihn in Frage zu stellen.
Seine Reaktionen sind legendär.

Nein, ich will kein englisch sprechen, es ist Deutschland hier. Ich bin nicht als Tourist in kurzen Hosen hier, was ich sage, das zählt! Jetzt ist mal Schluß mit spätrömischer Dekadenz.

Wehe einer zeigte nicht endlich den Respekt, von dem Guido immer geträumt hatte! Dann wurde er fuchsteufelswild und teilte aus.

Mit dieser Methode kann man viel Aufmerksamkeit generieren und es womöglich weit nach oben bringen; das zeigt gegenwärtig auch Donald Trump.

Nicht so hilfreich sind solche Charaktereigenschaften, wenn man sachpolitisch vorankommen will und sich auch länger an der Macht halten will.

Angela Merkel ist zwar bezüglich ihrer kaum vorhandenen politischen Überzeugungen ganz ähnlich wie Westerwelle, aber dafür habituell das diametrale Gegenteil von ihm.
Abgesehen von der Grundeitelkeit, die jeder Spitzenpolitiker haben muß, ist Merkel nicht dafür bekannt Glamour anzustreben und auf Statussymbole erpicht zu sein.
Ihre ganze äußere Erscheinung ist eher unauffällig und man kann sich bei ihr kaum vorstellen, daß sie wie einst Westerwelle täglich bei Yellowpress- und BUNTE-Events auftaucht, wenn sie nicht muß.
Merkel kann man nicht beleidigen.
Größtmögliche Demütigungen, die Trump oder Westerwelle vor Zorn beben lassen würden, nimmt sie stoisch und regungslos hin.
Wir haben das zuletzt auf dem CSU-Parteitag im November 2015 erlebt, als Seehofer sie öffentlich vorführte.
Aber Merkel war schon immer so.
Als sie 2011 auf dem Weg nach Indien stundenlang im Iranischen Luftraum aufgehalten wurde, weil Teheran sie ärgern wollte, nahm sie ihre Verzögerung mit einem Achselzucken hin. Westerwelle wäre an ihrer Stelle ausgerastet und hätte sofort den Iranischen Botschafter einbestellt.
Die Kanzlerin sparte sich die Energie und freute sich darüber ein, zwei Stündchen länger schlafen zu können.

Es ist schlau von Merkel sich nicht von unnützen Cortisol-Ausschüttungen irritieren zu lassen; das wird ihr manchen Verhandlungserfolg ermöglicht haben.

Ihre Methode stößt aber auch an Grenzen, denn in ihrem Job geht es ganz ohne Machtwort nicht.

Typen wie Erdogan und Obama nutzen Merkels stoisches Wesen aus, um ihr auf der Nase herumzutanzen. Immerhin so viel Rückgrat zu haben, daß sie zur Armenienresolution stünde, wäre schon nett.

Und immer wieder Crazy Horst.
Er ist natürlich stinksauer darüber, daß sie ihn immer an sich abtropfen lässt und sich nicht genügend aufregt.
Die CDU-Chefin verhält sich gegenüber dem CSU-Chef so wie eine Kindergärtnerin auf Valium gegenüber einem schwer ADHS-gestörten Gör auf Ritalin-Entzug.
Seehofer stichelt, kreischt und stampft. Er bettelt um Aufmerksamkeit und von ihr kommen nur sanfte wolkige Ermahnungen.

Leider ist der der unartige Bayer aber nicht nur der zappelige kleine Horst, den man ignorieren kann, sondern wesentlicher Teil der Bundesregierung, der sich nicht aussitzen läßt.
An ihm scheitert Merkel.

Ihre gestrige Mahnung gen Bayern - "Politiker, die wie wir hier Verantwortung tragen, sollten sich in ihrer Sprache mäßigen" – verhallte nicht nur ungehört, sondern trieb den Irren aus Ingolstadt regelrecht zur Weißglut.

Nun flippt die CSU noch mehr aus und überholt die AfD von rechts.

[….] Gerade erst hatte die Bundeskanzlerin zur verbalen Mäßigung aufgerufen. Da kommt die CSU mit Forderungen um die Ecke, die nichts anderes als eine Ohrfeige sind.
Keine 24 Stunden hat es gedauert, bis Horst Seehofer Kanzlerin Angela Merkel zeigt, was er von ihrer gestrigen Aufforderung zur Mäßigung hält: Rein gar nichts. Das Papier, das der CSU-Parteivorstand am Wochenende zur Flüchtlingspolitik beschließen soll, ist jetzt an die Öffentlichkeit gelangt. Es ist kein Papier der Mäßigung. Es ist ein AfD-Nachplapper-Papier.
Die Forderungen reichen von einer gesetzlichen Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen pro Jahr, über Transitzonen an der Grenze, der Zurückweisung von Ausländern ohne Bleiberecht bis hin zur Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft, einem Burka-Verbot und einem "Einwanderungsbegrenzungsgesetz".
Alles gipfelt in der Aussage: "In Zukunft muss gelten: Vorrang für Zuwanderer aus unserem christlich-abendländischen Kulturkreis." Und: "Wer auf Burka und Niqab nicht verzichten möchte, sollte sich ein anderes Land aussuchen." Das klingt nach mitternächtlichem Bierzeltbesuch. Grölende Zustimmung ist garantiert. Krachlederner lässt sich eine Position jedenfalls kaum vertreten.
CSU "Deutschland muss Deutschland bleiben" Video
[….] Seehofers CSU aber macht es ganz wie die AfD, die sich auch nicht um Fakten und Evidenz schert. [….] Wer mit solchen Vorschlägen die politische Debatte zu bestimmen versucht, der stärkt am Ende die AfD, aber nicht die eigene Position. [….] Das Papier der CSU ist in seinen Forderungen und - fast noch schlimmer - in seiner Tonalität, ein Eingeständnis, dass die AfD doch irgendwie recht hat. Und dass schon was dran ist an den oft irrationalen Sorgen und Ängsten vieler Menschen. [….]



Mit Seehofer kann man nicht vernünftig sein.
Da hilft nur ein Macht-Showdown, den Merkel aber nicht wagt.
Daran könnten beide untergehen. Nun ist die Regierung doch noch ernsthaft in Gefahr geraten.


[….] Der Moment des Innehaltens ist sehr kurz geblieben. Gerade mal einige Stunden schafften es am Mittwoch die Merkel-CDU, die Oppermann-SPD und die Hasselfeldt-CSU, zurückhaltender, bescheidener, leiser aufzutreten. Einen Augenblick lang konnte man die Hoffnung haben, die gegenseitigen Anschuldigungen seien endlich dem Versuch gewichen, den Rechtspopulisten der AfD nicht durch die Desavouierung der eigenen Koalitionspartner immer mehr Zulauf zu verschaffen. 24 Stunden später zeigt sich: Diese Hoffnung ist eine Illusion geblieben.
Dass die CSU am Donnerstag ein Papier zum Umgang mit Flüchtlingen präsentierte, das in der Tonlage aggressiv daherkam, unterstreicht, wie zerstritten CDU, CSU und SPD mit der größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung umgehen. Die Koalition, die sich große Koalition nennt, ist im Ringen um gute Politik zum Zwerg verkommen. Ihre Unversöhnlichkeit richtet sich dabei längst gegen sie selbst. Was in harmloseren Zeiten noch als parteipolitisches Scharmützel belächelt werden konnte, hat durch die Erfolge der AfD eine ganz andere Bedeutung bekommen. Jetzt scheint sich zu bestätigen, was die Rechtspopulisten behaupten: dass die in Berlin es eh nicht mehr können. Dass die Koalition das zulässt, ist zum Verzweifeln. [….]

Mittwoch, 7. September 2016

Runterkommen



Wer rausgeht, muß auch wieder reinkommen, sagte Herbert Wehner, als am 13. März 1975 die CDU/CSU-Fraktion während seiner Rede den Plenarsaal verließ, weil sie sich nicht von einem „Kommunisten“ über den Terrorismus belehren lassen wollte.
Wehner hatte ja so Recht.

Ach ja, wie man gerade an einem Tag wie heute, an dem ich todmüde morgens um 9.00 Uhr auf Phönix der Bundestagsgeneraldebatte verfolgte, Typen wie Wehner oder Joschka Fischer oder gar Helmut Schmidt vermisst.

Erster Redner war als Oppositionsführer Dietmar Bartsch.
Der Co-Vorsitzende der größten Oppositionsfraktion ist ein schlechter bis mittelmäßiger Redner, der zudem auch noch optisch über keinerlei Wiedererkennungswert verfügt und als ganz und gar nicht charismatisch gilt.

Ich habe seiner gesamten 27-minütigen Rede aufmerksam zugehört und mußte so gut wie jedem Satz zustimmen. Wieder einmal eine inhaltlich sehr gute Rede aus der LINKEN Fraktion.
Alle seine Kritikpunkte saßen, er legte die Finger in die Wunden, ohne dabei überheblich zu sein.
Schreihals Volker Kauder fiel dazu nichts Besseres ein, als zwischendurch immer wieder lauthals nach dem Verbleiben „des SED-Vermögens“ zu grölen, als ob es die Schuld der Linken von 2016 wäre, wenn in Ost-Vorpommern eine Buslinie eingestellt wird. Die Heuchelei der CDU ist nach wie vor nicht zu überbieten. Die Fragen nach ehemaligen DDR-Vermögen sollte sich Kauder lieber selbst stellen.

Die fünf Parteien des „Demokratischen Blocks“, die zuvor alle Pfründe untereinander aufteilten, zerfielen in Rekordtempo.

    SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
    CDU Christlich-Demokratische Union Deutschlands
    LDPD Liberal-Demokratische Partei Deutschlands
    DBD Demokratische Bauernpartei Deutschlands
    NDPD National-Demokratische Partei Deutschlands

CDU und DBD wurden von der West-CDU wegfusioniert; LDPD und NDPD riss sich die FDP unter den Nagel.
Vier von fünf tragenden Säulen ersparten sich also jede Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Die Namen verschwanden, das Parteivermögen kassierten West-CDU und West-FDP.

Der schwarze Peter verblieb allein bei der SED, die sich die nächsten 25 Jahre Vorwürfe anhören mußte.
Eine der größten Witze der Vereinigungsgeschichte ist die Kritik an der Umbenennung in „SED-PDS“, bzw später „PDS“, sie würde sich darum drücken die Vergangenheit anzuerkennen. Ihr ginge es nur darum, das Vermögen zu behalten.
Das Geschrei kam ausgerechnet von den „Bürgerlichen“, die selbst das komplette Parteivermögen von vier Blockparteien abgegriffen hatten und überhaupt gar keine Vergangenheit vor 1989 anerkannten.
Die einzige Partei, die sich nicht aus der DDR-Konkursmasse bediente, die keine Immobilien, Bankkonten und Parteimitglieder an sich raffte, war die SPD. Und diese SPD wurde von der CDU über 20 Jahre mit einer Rote-Socken-Kampagne überzogen.

Kauder zeigte mustergültig wie Politikverdrossenheit entsteht. Wer will sich solche billigen Manöver anhören?

Merkel war zweite Rednerin und spulte ihr Programm in 25 Minuten ab.
Sie ist bekanntermaßen wie die ihr folgende Grünen-Fraktionsvorsitzende Kathrin Göring-Kirchentag ebenfalls eine schwache Rednerin, so daß Menschen, die Spaß an guter Rhetorik haben, sich quälen ihr zuzuhören.
Es war recht öde und es ist bezeichnend, daß die seit einem Vierteljahrhundert von Merkel eingelullten Hauptstadtjournalisten ihren Auftritt allesamt als „kämpferisch“ bezeichneten.
Man erinnert sich an Volker Pispers, der bei Merkel die spezielle Bewertungskategorie „besser als erwartet“ diagnostizierte.
In der Tat; setzt man das linguistisch sehr niedrige Kanzlerinnen-Niveau als Maßstab für diese Rede an, war es eine der eher besseren.
Ohne Seehofer namentlich zu nennen, stellte sie sich ihm entgegen, reihte all ihre großen Taten auf, die sie in den vergangenen 12 Monaten zur Lösung der Flüchtlingsproblematik unternommen hätte und gab nicht im geringsten zu erkennen, daß sie nach der Wahl in MeckPomm auf CSU-Kurs einzuschwenken gedenke.

"Politiker wie wir hier, die Verantwortung tragen, sollten sich in ihrer Sprache mäßigen. Wenn wir in unserer Sprache eskalieren, gewinnen nur die, die es noch einfacher ausdrücken", mahnte die Kanzlerin und zog damit überdeutlich crazy Horst eins über.

Darauf ergibt sich nun aber ein Problem.
Denn Horst Seehofer, der auch von den anderen Parteien als Brandstifter und AfD-Helfer angegriffen wurde, ist nicht nur wie weiland 1975 einfach rausgegangen, so daß man nur abwarten müßte, bis er sich wieder bequemte an den Tisch zurückzukehren.

Der Chef-Bayer ist inzwischen so hoch auf den Baum geklettert, daß er gar nicht mehr runterkann.

Wie für CSU-Politiker üblich, verstrickte sich der MP in so ein gewaltiges Lügengeflecht, daß ein Burgfrieden mit Merkel und dem GroKo-Partner SPD gar nicht mehr möglich ist, ohne sich total zu blamieren.
Fälschlicherweise behauptet Seehofer zum Beispiel immer wieder, Merkel müsse dringend ihren Kurs ändern und endlich von der aus seiner Sicht fatalen Flüchtlingspolitik von vor einem Jahr abkehren.

In Wahrheit ist das längst passiert, Merkel hat das Asylrecht radikal verschärft, die Integrationsmaßnahmen beschnitten, die Grenzen geschlossen und läßt abschieben.
All das was Seehofer fordert, tut sie also längst.
Was könnte die Kanzlerin eigentlich überhaupt noch tun, um ihn endlich zufrieden zu stellen?
Der Chefbayer würde jetzt sicher „Obergrenze, Obergrenze, Obergrenze!“ skandieren.
Aber das ist erstens unsinnig, zweitens verfassungsrechtlich gar nicht möglich und drittens auch noch überflüssig, weil längst so wenige Flüchtlinge kommen, daß die Betreiber leerer Aufnahmeeinrichtungen die Politik anbetteln endlich wieder den Familiennachzug zu erlauben, damit die syrischen, irakischen und afghanischen Männer nicht mehr mit den unzumutbaren Sorgen um ihre Angehörigen im Kriegsgebiet leben müssen.

Seehofer ist also so weit entfernt von der Realität, daß gemeinsame Politik mit ihm unmöglich geworden ist.

Stefan Kuzmany fragte gestern, ob sich Seehofer wohl noch einmal zur konstruktiven Regierungsarbeit entscheiden werde.

Er wird zuerst bei sich selbst für Klarheit sorgen müssen. Will er weiterhin mit destruktiver Kritik an der Flüchtlingspolitik den Eindruck befeuern, die eigene Regierung habe die Lage nicht im Griff? Oder will er sich, gerade noch rechtzeitig im letzten Jahr dieser Legislaturperiode, zur bundespolitischen Regierungsverantwortung bekennen und also die Politik dieser Regierung intern mitgestalten und nach außen dann erklären und vertreten?
Solange er sich nicht entscheidet, ist Horst Seehofer nicht nur bayerischer Ministerpräsident und Vorsitzender der CSU - er bekleidet zudem höchst erfolgreich die Position des ehrenamtlichen Chefwahlkämpfers der AfD.

Ich halte das für Augenwischerei.
Horst Seehofer ist psychisch unfähig zur Vernunft und wird weiterhin mit Ultimaten und Drohungen das Regierungs-Rumpelstilzchen geben.

Arme Frau Merkel. Seit drei Jahren rate ich ihr immer wieder die CSU aus der GroKo zu werfen, aber natürlich war sie zu feige und zu träge dazu.
Lieber ließ sie sich aus München immer weiter demütigen.

Rechnerisch wäre ein CSU-Rausschmiss natürlich immer noch möglich, aber durch Crazy Horst hat die Union insgesamt so abgewirtschaftet, daß Merkel nur noch sehr schwer 2017 erneut Kanzlerin werden kann, wenn die CSU-Stimmen fehlen und sie mit den Grünen ins Bett will.

Dienstag, 6. September 2016

Ich scheiß‘ dich sowas von zu mit meinem Geld



In Hamburg ist die Kirche marginalisiert.
Katholiken finden traditionell ohnehin kaum statt.
Gut so, denn abgesehen davon, daß niemand mehr die Predigten der hanseatischen Pfaffen hören will, sind sie auch noch unangenehm.

Was also tun, wenn man kontinuierlich Kirchen schließen und/oder umwidmen muß, weil sich kein Hamburger mehr dazu aufraffen kann zum Gottesdienst zu erscheinen??

Hamburg-Ost der größere der beiden Hamburger Kirchenkreise. In seinen 116 Gemeinden gibt es 160 Kirchen und 134 Kitas. Aufgrund der hohen Bauaktivität in den Nachkriegsjahren und der demografischen Veränderungen in der Metropolregion gebe es in Hamburg "eine besonders hohe Dichte an Kirchen". Das Thema Kirchenschließungen habe daher in Hamburg eine 20-jährige Geschichte, sagte Claussen, der auch Präsident des Evangelischen Kirchbautages ist: "Wir sind da unfreiwillig in eine Vorreiterrolle geraten."
"Quer durchs Land" werde oft die Zahl verbreitet, dass perspektivisch ein Drittel der Kirchengebäude aufgegeben werden müssten, sagte der Propst weiter.
(epd, 24.06.2013)

278 Kirchen wurden nach Angaben der EKD von 1990 bis Ende 2014 zu den verschiedensten Zwecken umgenutzt, 16 davon sind im Eigentum der Kirche verblieben. [….]
Mit den zu erwartenden demografischen Veränderungen dürfte sich das Problem der Kirchen, ihren umfangreichen Immobilienbestand zu unterhalten, verschärfen. Die Kirchenstatistik lässt nichts Gutes erwarten: Die durchschnittliche Zahl der katholischen Gottesdienstbesucher sank von 11,7 Millionen im Jahr 1965 auf 2,6 Millionen 2014. Von 700 Gotteshäusern, deren Bedeutung und Verwendung sich in den nächsten zehn Jahren ändern werde, geht die Deutsche Bischofskonferenz allein für die katholische Kirche aus. [….]

Die Frage stellt sich nun, wieso eine ohnehin zur kleinen Minderheit degradierte Kirche in Norddeutschland nicht den Ratschlägen der Hardliner beider Konfessionen folgt und sich auf Christentum pur besinnt, wenn man ohnehin die große Mehrheit der Bürger nicht mehr anspricht und dementsprechend keine Kompromisse mehr machen muß.
Für die RKK wies kein Geringerer als Joseph Ratzinger diesen Weg, aber auch auf evangelischer Seite gibt es Evangelikale und Pietisten (wie die Rüß-Brüder), die darauf hoffen.
Man könnte dann endlich ganz klar Position beziehen gegen all das was am Staat Deutschland so schrecklich ist: Feminismus, Verhütung, Homoehe, Abtreibung und Sexualkunde in der Schule.

Ich bin sicher, daß dieser Weg, von dem schon Dyba und Mixa träumten, nie gegangen wird.
Stattdessen werden beide deutsche Kirchen weiterhin mit den Regierungspitzen auf allen Ebenen kuscheln, sich in Kommissionen und Rundfunkräte drängeln, im Bundestag Sonderrechte genießen und ihre Gremien mit Politikern besetzen.
Der Grund dafür ist einfach:
Mehr denn je zuvor scheißt der Staat die Kirchen mit Steuerzahlergeldern zu.
Das korrumpiert jeden.


Steuereinnahmen steigen – so reich sind die Nord-Kirchen
Der Kirchenkreis Hamburg-Ost hat 67 Millionen Euro Rücklagen, das katholische Erzbistum ein Vermögen von 200 Millionen Euro.
Volle Kassen bei weniger Mitgliedern: Die Evangelisch-Lu­therische Landeskirche in Norddeutschland rechnet in diesem Jahr mit einem Rekordaufkommen bei der Kirchensteuer. Erwartet werden Einnahmen von 467 Millionen Euro, sagte Kirchensprecher Frank Zabel. 2013 waren es 431,4 Millionen Euro.
[….] Auch das Erzbistum Hamburg (400.000 Mitglieder mit steigender Tendenz) rechnet mit einer "leicht positiven Entwicklung" der Kirchensteuer. "Für das Jahr 2016 sind es 91,9 Millionen Euro", sagte Erzbistums-Sprecher Manfred Nielen. Zu diesen Einnahmen kommen die sogenannten Staatsleistungen. So erhält die Nordkirche in diesem Jahr mehr als 28 Millionen Euro, das Erzbistum bekommt 400.000 Euro.
Der Kirchenkreis Hamburg-Ost hat 67 Millionen Euro Rücklagen, das katholische Erzbistum ein Vermögen von 200 Millionen Euro.
[….] Zum finanziellen Polster tragen auch Zinsen bei. Die Landeskirche rechnet in ihrem Haushalt 2016 mit 1,9 Millionen Euro. Die Zinsen der 1000 Kirchengemeinden sind darin nicht enthalten, sie werden nicht zentral erfasst. Beim Erzbistum waren es 2014 rund 7,5 Millionen Euro Zinsen.* [….]

*Während es im Islam heute noch  Zakat und Zinsverbot gibt, ist völlig in Vergessenheit geraten, daß die  Katholische Kirche die längste Zeit ihrer Existenz kein Herz für Kredithaie und Wuchergeschäfte hatte.

Im Gegenteil; die Bibel verbietet dies.

35 Wenn dein Bruder verarmt und sich neben dir nicht halten kann, sollst du ihn, auch einen Fremden oder Halbbürger, unterstützen, damit er neben dir leben kann. 36 Nimm von ihm keinen Zins und Wucher! Fürchte deinen Gott und dein Bruder soll neben dir leben können. 37 Du sollst ihm weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher geben.
(Levitikus 25)

20 Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen. 21 Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. 22 Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. 23 Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden. 24 Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Wucherer benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Wucherzins fordern.
(Exodus 22)

20 Du darfst von deinem Bruder keine Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt. 21 Von einem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, von deinem Bruder darfst du keine Zinsen nehmen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem, was deine Hände schaffen, in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen
(Deuteronium 23)

Insbesondere ab dem 12. Jahrhundert hat eine Vielzahl unfehlbarer Päpste das Zinsverbot als „unveränderliches kirchliches Gebot“ bestätigt.

Seinen Ausgangspunkt nahm das schon altkirchliche Zinsverbot im Mittelalter mit dem Zweiten Laterankonzil von 1139, dem Decretum Gratiani, einem ausdrücklichen Zinsnahmeverbot durch Papst Innozenz III. von 1215 und dem Konzil von Vienne von 1311. Danach war es verboten, Zinsen auf geliehenes Geld zu verlangen.
[…] Noch 1745 wandte sich Papst Benedikt XIV. in der an die hohe Geistlichkeit Italiens adressierte Enzyklika Vix pervenit entschieden gegen den Zins. In § 3, Absatz I heißt es: Die Sünde, die usura heißt und im Darlehensvertrag ihren eigentlichen Sitz und Ursprung hat, beruht darin, dass jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat […] Jeder Gewinn, der die geliehene Summe übersteigt, ist deshalb unerlaubt und wucherisch.
(Wiki)

In den nächsten Jahrhunderten fand man allerdings auch im Vatikan heraus wie wunderbar einfach man sich mit Geldverleih eine goldene Nase verdienen kann.
Insbesondere katholische Ritterorden waren extrem kreativ dabei die biblischen und Vatikanischen Regeln zu umgehen.
Im 19. Jahrhundert waren Zinsen dann inzwischen so alltäglich geworden, daß es überhaupt keinem mehr auffiel als Papst Pius VIII. am 18. August 1830 alle vorherigen Zins-Gesetze aufhob.

(…………….)

Das Zins- und Wucherverbot hat man ganz vergessen. Scheiß auf die Bibel. Was kümmert die Kirchen schon Gottes Wort.
Nun beklagt man Zinsen nicht mehr, sondern besitzt selbst Banken und erhebt Zinsen.
Höhere Moral à la Christentum.
Auch in Deutschland existieren mehrere kircheneigene Banken.
Zum Beispiel die „Pax-Bank“ der Caritas , die „Bank für Kirche und Diakonie“ (KD Bank) und die „Bank für Kirche und Caritas“.