Montag, 20. Januar 2025

Doomsday

Den Kabelanschluss bekam ich relativ spät; ich weiß nicht mehr wann, aber erinnere mich, jahrelang meine Bekannten beneidet zu haben, wenn sie von diesen exotischen Akronymen „RTL2PRO7TELE5VIVA“ sprachen. Als es schließlich so weit war, faszinierte mich natürlich CNN über alle Maßen, weil ich zuvor noch nie englischsprachiges TV gesehen hatte und endlich ungefiltert US-amerikanische Politik präsentiert bekam. Die Wahlnächte alle zwei Jahre, die acht Nominierungspartei-Daten alle vier Jahre, sowieso die Inauguration blieben über Jahrzehnte Pflichttermine, bei denen ich am Bildschirm festwuchs und jede Information in mich hineinsaugte. Bei LIVE-Übertragungen sieht man immer Interaktionen zwischen Gästen, Mimik und Gestik, die man eben nicht ohne weiteres in der geschriebenen Form später nacherzählt bekommt. Mit Internetflatrate vervielfachte sich mein Angebot US-amerikanischer Newssender. Zudem flaute meine CNN-Affinität nach der Übernahme durch republikanische Eigentümer gen Null ab. Mit Don Lemon verließ auch ich nachts den Sender. Reduzierte meinen CNN-Konsum auf wichtige Ereignisse. So eins wie heute, an dem ein demokratiefeindlicher verurteilter Verbrecher, Rassist und Vergewaltiger zum 47. US-Präsidenten eingeschworen wird. Das erste Mal seit meiner CNN-Empfangsbereitschaft, verpasse ich eine Amtseinführung in Washington.

 Ich kann einfach nicht. Ich halte die triumphierenden Fratzen der Rechteradikalen nicht aus. Das schreibe ich durchaus mit selbstanklagenden Ton, denn ich verachte dieses eskapistische Verhalten und beschimpfe jeden, der mir sagt „ich gucke gar keine Nachrichten mehr! Es ist schließlich genau diese Indolenz, die unsere westlichen Demokratien in faschistische Autokratien verwandeln. Man darf sich nicht in seine Hygge-Welt zurückziehen. Man muss maximal informiert sein, um 24/7 im Alltag argumentativ dagegen zu halten zu, wenn die MerzLindnerWeidelSöderWagenknecht-Wähler Propaganda absondern.

Aber heute gönne ich mir eine Auszeit und verlege meine Trump-Amtseinführung ausschließlich auf das geschriebene Wort, welches schon so unfassbar schlimm ist, daß die Düsternis der audiovisuellen Eindrücke mich überfordern würde. Wer wird denn nicht schon bei den Live-Tickern suizidal?

[…..] Cornelius Dieckmann: Jetzt redet Trump darüber, wie hervorragend seine Performance bei der Wahl war. In Alabama zum Beispiel oder in Wyoming. Dann driftet er in assoziativer Trump-Manier in wilde und haltlose Vorwürfe ab, dass die Demokraten »schummeln« würden, er hätte sonst auch Kalifornien gewonnen (Kamala Harris siegte dort mit 58,5 Prozent gegen Trumps 38,3 Prozent). Kurzum: Donald J. Trump ist in seinem Element.

[…..]  Roland Nelles: Diese nächste Trump-Rede, die er gerade hält vor Anhängern, ist »Trump unplugged«. Melanias Gesicht, die daneben sitzt, sagt alles. Blablabla. [….] Marc Pitzke: Trump und seine Leute sind jetzt in der Emancipation Hall, einem Saal im Kapitol, der die Sklaven ehrt. Dort warten weitere Anhänger, die nicht in die Rotunde reingekommen waren. »Wie war die Rede?«, fragt er sie. »Es war so eine wunderschöne Rede... Wir bekommen tolle Kritiken für die Rede.« Dann hält er eine weitere Rede – die Rede, die er eigentlich halten wollte, aber von dem ihm seine Berater abgeraten hätten. Und die ist ist klassisch Trump: Er verhakelt sich in der Vergangenheit, wandert von einem obskuren Thema zum nächsten, wiederholt die Lüge, dass er die Wahl 2020 gewonnen habe, beschimpft Biden, der gerade mit dem Helikopter entschwunden ist, sowie Nancy Pelosi und die Mitglieder des Sonderausschusses zum Kapitolsturm, die er »politische Gangster« nennt. Auch kündigt er »viel Action« hinsichtlich der verurteilten Kapitolstürmer an, die er »J6-Geiseln« nennt, vermutlich also Begnadigungen. Er lobt seinen Vize J.D. Vance, der neben ihn steht, als »kräftigen Bodybuilder«, und den in der eigenen Partei umstrittenen Repräsentantenhaussprecher Mike Johnson als einen »Mann, den jeder mag«. Dieses Unding von Rede ist die wahre Vorschau auf das, was den USA in den nächsten vier Jahren bevorsteht.  […..]

(SPON, 20.01.2025)

Dazu reißt Faschist Elon Musk zweimal begeistert den Arm zum Hitlergruß empor.

Wenigstens eine kleine Freude, daß Trumps superreiche Multimilliarden-Speichellecker heute besonders unter seinen Flatulenzen zu leiden haben. Auch Profis gerieten an ihre Grenzen.

[….] Dem TV-Sender Phoenix ist bei der Übertragung der Trump-Vereidigungssendung ein Patzer auf der Tonspur passiert. Ein Simultanübersetzer war dabei, eine Rede Trumps, die er nach seiner Vereidigung vor Anhängern hielt, wiederzugeben, als plötzlich die Worte zu hören waren: "Sag' mal, wie lange wollt ihr bei dem Scheiß bleiben?" Nach einer kurzen Pause ging die Übersetzung weiter.

Der öffentlich-rechtliche Sender erklärte die Situation auf dpa-Anfrage so: "Auf Grund einer technischen Panne war heute die Kommunikation zwischen Dolmetscher und Regie hörbar. Sie spiegelt selbstverständlich nicht die Meinung des Senders wider." Der Sender arbeite bei internationalen Großereignissen üblicherweise mit erfahrenen freien Dolmetschern, so auch in diesem Fall.   […..]

(Mopo, 20.01.2025)

Eine weitere kleine Freude: Aus Angst vor den mickrigen Crowdsize-Bildern, hatte IQ47 die Amtseinführung nach drinnen verlegt und prellte damit Myriaden rassistischen Idioten; die ihn erst ins Amt gebracht hatten.

[….] Unmut über Kälte-Aus bei vielen Touristen

Rund 220.000 Inhaber von ausgegebenen Tickets für den eingezäunten Bereich vor dem Kapitol schauen dagegen in die Röhre. Ihre Karten haben nur noch Erinnerungswert. Für weitere 250.000 Stehplatz-Besucher auf dem hinteren Teil der „Mall” in Richtung Obelisk gab es eine behördliche Genehmigung, die nun ebenfalls obsolet ist. Gretchenfrage: Wie wählen die Organisatoren jene 20.000 aus, die in der Sporthalle der Washington Wizards und Capitals den Live-Stream der Amtseinführung rudelgucken dürfen?

Etliche „Inauguration”-Gäste versuchten in letzter Minute Flüge und Hotelbuchungen zu stornieren, als die Nachricht vom Kälte-Aus kam; meist blieben die Versuche erfolglos. Dutzende Polit-Touristen, die am Samstag orientierungslos durch die Innenstadt pilgerten, machte ihrem Unmut darüber Luft, dass „niemand erreichbar ist, der uns sagt, was los ist”.  […..]

(Abla, 19.01.2025)

Die Trumpanzees schmecken also gleich die Medizin, die sie selbst wählten, während ihr seniler oranger Messias sich in Fußfetischismus erging.

[….] Der Auftritt erinnerte an seine teils schier endlosen Wahlkampf-Reden. Ein beispielhafter Auszug: Ganz am Ende ging es um Melanias Füße. Seine Ehefrau hatte sich offenbar nicht für sonderlich komfortables Schuhwerk entschieden und klagte laut Trump über schmerzende Füße. „Ich sollte das eigentlich nicht sagen, aber ihre Füße bringen sie um“, sagte er und erntete Gelächter.  [….]

(Abla, 20.01.2025)

Merz gefällt es also. Mir nicht.

[….] Kuriose Bilder bei der Amtseinführung von Donald Trump: Genau in dem Moment, als er seine Hand darauflegte, ging die Bibel, auf die er hätte schwören sollen, in Flammen auf.

"Oh, na sowas", rief Trump mit einem verlegenen Lächeln, als seine Gattin Melania vor Schreck die brennende Bibel fallen ließ. "Haha, das passiert mir immer wieder mal, wenn ich Bibeln anfasse. Keine Ahnung, warum."

Auch eine herbeigebrachte Ersatzbibel fing sofort Feuer, als Trump sie berührte. Erst, als die Bibel durch eine komplett leere Bibelattrappe ersetzt worden war, konnte die Zeremonie fortgesetzt werden. [….]

(dpo, 20.01.2025)

Sonntag, 19. Januar 2025

Umfragen sind die Pest

Helmut Schmidt war ein Ausnahmepolitiker, wie es ihn nur alle paar Hundert Jahre gibt. Er konnte reden, streiten, sich im täglichen parlamentarischen Geschäft durchsetzen; war aber gleichzeitig ein echter Intellektueller; ein Universalgenie, welches mit unglaublicher Disziplin, Populismus widerstand, um das Richtige und Notwendige durchzusetzen, auch wenn es ihm persönlich schadete.

Helmut Kohl und Gerhard Schröder hingegen sind/waren Instinktpolitiker, die ein ziemliches sicheres Gefühl dafür mitbringen, was die Masse will. Kohl nutzte diese Gabe, um möglichst lange an der Macht zu bleiben und schreckte, wie wir inzwischen wissen, vor keiner moralischen uns illegalen Schweinerei zurück. Er log, bestach, dirigierte zigmillionenschwere schwarze Kassen und verfügte auch privat über keinerlei Anstand, wie der Umgang mit seiner ersten Frau und seinen leiblichen Söhnen beweist. Erst kam er, dann die Partei und erst ganz am Ende das Land.

Schröder hingegen nutzte seinen politischen Instinkt nicht nur egoistisch, sondern war (zumindest bis zum Ende seiner Kanzlerschaft) moralisch so gefestigt, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, viele absolut richtige Dinge auch gegen Widerstände durchzusetzen (ökologische Steuerreform, Zwangsarbeiterentschädigung, Homoehe, uvam), opferte schließlich sogar sein Amt, um die als richtig erkannte Agendapolitik zum Wohle der Bürger durchzusetzen.

Mit Angela Merkel kam ein ganz neuer Typ ins Amt; sie verfügt über keinen politischen Instinkt und geht niemals aus Überzeugung oder emotional an Themen heran. Für sie gab es nur eine einzige politische Motivation: Kanzlerin sein. Man wird vermutlich nie erfahren, wie weit ihr Elternhaus, ihre Persönlichkeit, die DDR-Sozialisation, oder bloßer Zufall zu diesem überzeugungslosen und instinktlosen Politikstil führten. Er korreliert aber bemerkenswert mit ihrer völlig fehlenden Menschenkenntnis, die selbst die größten Merkel-Fans bei ihren Personal-Fehlgriffen für Kopfschütteln sorgten. Daß sie völlig unqualifizierte Personen als EU-Kommissare oder Minister nominierte, könnte man noch auf Proporz-Zwänge schieben. Aber wirklich legendär wurden ihre permanenten Fehlgriffe bei den Personalentscheidungen, die sie ganz allein bestimmen konnte: CDU-Generalsekretäre Kanzleramtsminister, Bundespräsidentschaftskandidaten. Sie konnte dennoch 16 Jahre lang Deutschland zu Grunde richten, weil sie intelligent ist. Sie analysierte ihre Tapsigkeit und Instinktlosigkeit korrekt und kompensierte.

Das betraf die Äußerlichkeiten, die sie geschickt anpassen ließ. Das betraf aber insbesondere die politischen Inhalte. Zuletzt war sie 2003 als Oppositionsführerin auf dem berühmten Leipziger Reformparteitag inhaltlich vorangegangen. Es wurde ein Desaster und kostete sie um ein Haar die Kanzlerschaft. Als Merkel tatsächlich ins Kanzleramt einzog, kassierte sie alle Leipziger Versprechungen und ließ stattdessen exzessiv Umfragen erstellen, die ihr zweimal pro Woche exklusiv vorgestellt wurden. Der Urnenpöbel wurde gründlich ausgeforscht und die Kanzlerin propagierte fortan nur noch das, was mehrheitlich gewünscht wurde. Nie wieder setzte sie sich an die Spitze der Bewegung, wenn politische Streithemen aufkamen. Sie ließ die Diskussion so lange laufen, bis sich eine Mehrheitsmeinung herauskristallisierte, die sie dann auch übernahm. Gab es keine eindeutige Präferenz der Wähler, inszenierte sie sich wolkigweich als Vermittlerin und beerdigte in Wahrheit die pressierenden Themen, indem sie auf den St. Nimmerleinstag verschoben wurden. Bis heute fragen sich Journalisten immer wieder „was wohl Merkel davon hält“, aber niemand kennt die Antwort.

Der Erfolg der Methode ist klar: Enorme persönliche Zustimmungswerte, exzellente CDU-Wahlergebnisse, 16 Jahre Kanzlerin. Merkel erkannte aus den Ergebnissen unendlich vieler Umfragen, wie sehr die Deutschen jegliche Reformen und Veränderungen hassen und handelte danach, indem sie Mehltau über das Land breitete.

Das zeigt aber gleichzeitig die große Gefahr der Methode; denn in einer sich rasant verändernden globalisierten Welt einfach zu verharren, führt unweigerlich zum Abstieg, weil alle anderen einen überholen.

Natürlich kann man mit Hilfe von Umfragen seine Politik nach der Mehrheiten ausrichten und so an der Wahlurne Erfolge einfahren.

Leider unterliegen die allermeisten Journalisten und Politiker der Versuchung, die Mehrheitsmeinung auch für das Richtige zu halten. Die Entscheidung scheint schließlich durch den Souverän legitimiert und eine angenommene Schwarmintelligenz werde einzelne extreme Meinungen nivellieren.

Das ist aber bedauerlicherweise großer Blödsinn, wie eindrucksvoll die Umfragedaten zur Energiepolitik zeigen. Hartnäckig hält eine Mehrheit Atomenergie für zukunftsweisend, sieht einen Widerspruch zwischen Klimaschutz und Wachstum.

In Umfragen hat jeder eine Meinung, auch wenn er die vorgegebenen Antworten gar nicht begreift. So lehnt die breite Masse gentechnisch veränderte Lebensmittel kategorisch ab, obschon 99% der Befragten gar nicht die Unterschiede von grüner, roter und weißer Gentechnik kennen, nicht wissen was die CRISPR/Cas9-Methode ist. Die Covidioten lehnen mit mRNA gewonnenen Impfseren ab, ohne daß sie den Unterschied zu Vektor- oder proteinbasierten Impfstoffen auch nur ansatzweise verstehen.

Zudem verstärken Umfragen Trends. Wenn 60% der Befragten (fälschlicherweise) annehmen, die Grünen wollten alle Deutschen zum Gendern und Veganismus zwingen, empört das, generiert daher noch mehr Aufmerksamkeit, lässt die Verursacher dieser Hetz-Märchen auf die 60% verweisen und bei der nächsten Umfragen sind es dann 70%, die den (nicht existenten) „Genderzwang“ der Grünen ablehnen.

Der deutsche Michl ist nicht nur veränderungsunwillig, sondern auch noch Konformitäts-affin. Man will nicht zu den Verlierern gehören. Vier Wochen vor der Bundestagswahl wird also weniger auf die steuerpolitischen Konzepte gesehen, die in der CDUCSUAFDP-Variante extrem einseitig die Superreichen beschenken, sondern auf die Umfragetrends. Die Wähler wählen gegen ihre Interessen, weil sie zu den Gewinnern  - CDU bei 30% - gehören und nicht den Verlierer – SPD bei 15% - gewählt haben wollen.

Gäbe es gar keine Umfragen, an denen sich Parteien und Politiker orientieren, fiele das Wahlergebnis ganz anders aus.

Zu allem Übel werden auch die Fragen oft subjektiv gestellt und die Ergebnisse entsprechend verzerrend gedeutet. Auf eine der am meisten abgefragten Dinge - Welche drei politischen Themen sind Ihnen momentan persönlich am wichtigsten? – kann ich gar nicht wahrheitsgemäß antworten.

Tatsächlich halte ich Migration für ein extrem wichtiges Thema. Aber darunter verstehen inzwischen fast alle Parteien „Grenzen zu – Ausländer raus“ und loben sich für ein Zurückdrängen der Migranten. Ich lehne das vehement ab und meine, diese xenophobe Politik muss dringend ein Ende haben. Es schadet Deutschlands Image und Deutschlands Wirtschaft. Die Politik der Abschottung ist moralisch verwerflich. Deutschland benötigt dringend einen jährlichen Nettozuzug von 500.000 Menschen, um dem Fachkräftemangel und der Demographie-Katastrophe entgegen zu wirken. Wir benötigen aber auch den kulturellen Input. Also ja, eine Veränderung dieser zutiefst menschenfeindlichen Migrationspolitik ist extrem wichtig. 


Kreuze ich aber in so einer Umfrage tatsächlich „Migration“ an, lesen am nächsten Tag Merz und Söder die Ergebnisse und fehlschließen daraus, daß nun noch mehr Menschen einen härteren Asylkurs verlangen.

Samstag, 18. Januar 2025

Brutale 5%-Hürde

Bei der letzten Bundestagswahl 2021 landeten nur CSU (5,2%) und Linke (4,9%) in der Nähe der 5%-Hürde. Beide gewannen aber genügend Direktmandate, um ins Parlament einzuziehen. FDP (10,3), AfD (11,5) und Grüne (14,8)waren zweistellig und somit noch nicht mal in der Nähe der Gefahrenschwelle.

Die größte Partei, die es nicht geschafft hatte, waren die Aiwangers mit 2,4%. Tierschutzpartei (1,5), Basis (1,4), PARTEI (1,0), Todenhöfer (0,5), Piraten (0,4), Volt (0,4) und ÖDP (0,2) hatten nicht die geringste Chance auf 5%.

Insgesamt verschwendeten 8,6% der Wählenden (Shame on you, Nichtwähler!) ihre Stimme an „die Sonstigen“.

Durch diese Unfähigkeit strategisch zu denken, erzwangen sie die Beteiligung der hepatitisgelben Destruktions-Chaoten an der Bundesregierung. Acht Prozentpunkte mehr für Grüne, bzw SPD und Deutschland könnte heute erheblich besser dastehen. Es zeigt sich immer wieder: Der Urnenpöbel verfügt nicht über genügend Intelligenz, um seine Aufgabe wahrzunehmen.

2025 dürfte es noch wesentlich schlimmer werden mit den sinnlosen Sonstige-Stimmen, die nämlich dem 30%-Merz ins Bundeskanzleramt helfen werden.

[….]  Um mich mal wieder unbeliebt zu machen: Eine Partei, die in Wahlumfragen nicht wenigstens drei Prozent hat, wird mit 1000-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht in den Bundestag ziehen. Eure Stimmen für Piraten, Tierschützer, Klimaliste etc. sind alle für die Tonne. Es sind egoistische Wohlfühl-Votes.

Einige sagen: "Ich wähle die Partei, die mir am meisten zusagt, egal ob groß oder klein." Daran stört mich Ich-mir-mich-Prämisse. Es geht darum, wer in den nächsten vier Jahren in Deutschland die Gesetze macht und wer im Parlament als Opposition sitzt, nicht darum, wie du dich bei der Wahl fühlst. [….]

(Mario Sixtus @sixtus.net, 14.01.2025)

Außer den Linken und der CSU, werden am 23.02.25 diesmal auch BSW, FDP um die 5% einschlagen. Die CSU wird bedauerlicherweise ob der vielen Bavarioten sicher in den Bundestag einziehen. Die anderen drei Kandidaten liegen eher unter der magischen Grenze. Schade um die Linke, die immer noch den Preis dafür bezahlt, viel zu lange Jahre an der völkischen Egomanin Wagenknecht festgehalten zu haben. Dem BSW und der FDP wünsche ich hingegen von ganzem Herzen an der Fünf zu scheitern. Beide sollten für immer aus der deutschen Parteienlandschaft verschwinden. Für Linocchios Lügen-Liste käme das nach den letzten drei Jahren Dauer-Desaster nicht überraschend. Aber Sahra Sarrazin wird nach ihren Erfolgen in Brüssel, Potsdam, Dresden und Erfurt die Schmach nicht antizipieren.

Empirische Daten habe ich nicht, aber kann es sein, daß die ARD/ZDF-Blabla-Shows Sahra Wagenknecht weniger einladen? Vielleicht sollte man die ständige kostenlose Werbezeit für extremistische Parteien doch nicht unterschätzen.

Eine Führerkult-Ein-Frau-Partei, die ansonsten nur durch Putin- und Weidel-Arschküssen auffällt, hat nichts im Parlament verloren.

Es ist schon kurios, wie sich das BSW, welches just in Sachsen gemeinsam mit der CDU den Faschisten Carsten Hütter von der AfD in die Parlamentarische Kontrollkommission (PKK) gewählt hatte, verzweifelt an die Nazis klammert und in einem peinlichen Julia-Klöckner-Move die Nazis anfleht, sie statt der AfD zu wählen. Die Nazi-Politik bekäme man auch bei der CDU, respektive des BSW.

[….] Abla: Die Union führt die Umfragen an, auf Platz zwei liegt die AfD. Wen hätten Sie lieber im Kanzleramt: Alice Weidel oder Friedrich Merz?

Wagenknecht: Keinen. Merz könnte Deutschland mit der Lieferung von Taurus in einen Krieg mit Russland führen. Weidel will jährlich 200 Milliarden Euro, fast die Hälfte des Bundesetats, in die Aufrüstung pumpen. Viele wählen die AfD für Dinge, die wir auch vertreten: Frieden für die Ukraine, Stopp der irregulären Migration, Aufarbeitung der Corona-Zeit. Aber die AfD hat ein Programm, unter dem gerade ihre Wähler, die ja überwiegend nicht zu den Privilegierten gehören, leiden würden.

Abla: Nach einer Brandmauer zur AfD klingt das nicht.

Wagenknecht: Die pauschale Ausgrenzung hat die AfD immer stärker gemacht. Natürlich würde ich einem Mann wie Björn Höcke, den die AfD selbst wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus vor wenigen Jahren noch aus der Partei ausschließen wollte, nicht zu Macht verhelfen. Aber wir sollten uns sachlich und nicht hysterisch mit der AfD auseinandersetzen.  [….]

(Hamburger Abendblatt, 18.01.2025)

 

Freitag, 17. Januar 2025

Die Bedeutung von Äußerlichkeiten.

Heute bin ich öde. Aber als Teenager und Twen war ich längere Zeit damit beschäftigt, verschiedene Spielarten des Lebens auszuprobieren. Man muss einige Dinge mal gemacht haben, um zu wissen, daß sie einem nicht gefallen.

Rauchen, Trinken, Drogen kam sehr früh und dann musste ich natürlich auch meinen Kleidungsstil finden.

Wie ich schon mehrfach schrieb gefallen mir a posteriori die 1980er Jahre am besten, weil sie so divers waren.

(….) In meiner Jugend war es ein großer Fauxpas Frisuren von Mitschülern nachzumachen und die gleichen Moonboots zu tragen.

„Wenn all von einer Klippe springen, tust du das dann etwa auch?“

Individualität war gefragt.

In der Abi-Zeitung gab es Bilder von Individuen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mods, Popper, Punks, Ökos, Langhaarige, Grufties, Edel-Punks, Goths, Müslis und auch die zwei, drei Anzugsträger aus der JU.

Heute sind die Abi-Zeitungen meiner ehemaligen Schule online. Sie haben sich alle hübsch zusammen zu einem Gruppenfoto vor der Aula aufgestellt. (Schon das wäre vor 30 Jahren unmöglich gewesen, weil sich die meisten so einem Massenbild verweigert hätten).

Der nivellierende Effekt der sozialen Medien ist sagenhaft: Alle Mädchen tragen die gleiche Jennifer Aniston-Frisur und alle Jungs tragen streng einheitlichen Dreitage-Bart und Anzug.

Die Jugend wurde sanft gehirngewaschen und vermutlich ohne es selbst zu bemerken optisch in eine Lemming-Armee verwandelt. (….)

(Pimmel-Problematik 10.02.2019)

Die männlichen Twens der Gegenwart sehen hingegen alle gleich aus.   Und alle eint der Wahn rund um die Uhr am Klugtelefon kleben zu müssen. (….)

(Veränderungen, 07.09.2019)

Ich konnte, anders als die Jugend von heute, weder Internet, noch Klugtelefon vermissen, weil sie nicht erfunden waren und bei niemanden die Vorstellung existierte, man könne so etwas benötigen. Auf der Suche nach „abgefahrenen Klamotten“ stöberte man also zunächst einmal im elterlichen Kleiderschrank – in meinem Fall dem Mütterlichen, da ich ohne Vater aufwuchs. Zum Glück mochte sie schwarze Unisex-Mode, so daß ich mit etwa 15 Jahren einen ihrer Blazer klaute. Ein ganz gerade und schmal geschnittenes Ding ohne Revers. Ich war damals schon einen guten Kopf größer, als meine Mutter, aber extrem schmal. Dadurch passte das Ding perfekt und ich war begeistert, weil so ein Sakko im Gegensatz zu „Jugendmode“ jede Menge Taschen besaß. Ein enormer Vorteil in den Zeiten, als noch kein Junge auf die Idee gekommen wäre, wie heute mit Louis Vuitton-Handtäschchen rumzulaufen, man aber durchaus allerlei Zeug immer „bei der Hand“ haben musste: Portemonnaie, Monatskarte, Labello, Schlüsselbund, Zigaretten, Feuerzeug, ein Döschen mit Gras, noch eine Packung Zigaretten.

Wie praktisch. Der einzige Nachteil war beim Ausgehen, daß meine Freundin mir immer ihr Geld und ihre Zigaretten auch noch in die Hand drückte „du hast doch Taschen“. Ich bemerkte schnell weitere Vorteile: So ein Sakko kann man tagelang anziehen; niemand bemerkt es und spricht einen drauf an, immer dasselbe zu tragen. Ich erinnere mich immer noch an einen Morgen im Deutsch-LK, als mein damaliger bester Freund, der neben mir saß, plötzlich sagte: „das ist eine coole Jacke, hast du die neu?“, obwohl ich das Sakko da schon mindestens ein Jahr fast jeden Tag trug. 1. Praktisch, 2. unauffällig und der dritte Vorteil eines schwarzen Sakkos lautet: Man ist automatisch immer schick, muss sich nicht erst verkleiden, wenn man mal zu einem offizielleren Anlass muss.

Durch puren Zufall hatte ich also schon mit 15 meinen Kleidungsstil gefunden und blieb ihm bis heute treu. Wenn man jung und dünn ist, sieht es natürlich besonders gut aus, wenn solche Dinger eng auf Figur geschnitten sind. Als Twen besaß ich auch Varianten, die zwar uni schwarz waren, aber mit verschiedenen Stoffen, Mustern und Schnitten aufwarteten. Gehröcke liebte ich sehr. Im Alter sind die Dinger wieder unauffälliger, weiter, sollen kaschieren, statt betonen. Aber die schwarzen Sakkos sind meine tägliche Uniform geblieben, weil sie neben all den genannten Vorteilen auch meiner Bequemlichkeit entsprechen. Ich musste in den letzten Jahrzehnten nicht eine Minute Zeit verschenken, um zu überlegen, was ich anziehe, was zusammen passt; sondern kann immer einfach das Erstbeste aus dem Schrank nehmen. Dabei bekleide ich kein öffentliches Amt und treffe beruflich kaum jemals auf Menschen, bei denen ich auf eine bestimmte Weise gekleidet sein müsste. Eine der wenigen Ausnahmen ist mein Schöffenamt. Da gibt es sogar eine Broschüre, die darauf verweist, welche Klamotten ungeeignet sind, wenn man auf der Richterbank sitzt. Aber auch da bin ich selbstverständlich fein raus. Ein schlichtes schwarzes Sakko geht immer.

Das diametrale Gegenteil von mir ist Angela Merkel, die nicht nur einen Job hat(te), bei dem sie immer von der halben Welt gesehen wird, sondern auch noch als Frau der Ungerechtigkeit unterliegt, anhand ihrer Kleidung und äußerlichen Erscheinung bewertet zu werden.

Das kann sicher brutal sein, wie „Kohls Mädel“ Claudia Nolte (ab 1994) und Angela Merkel (ab 1990) erlebten, als Ossi-Frau der CDU ins Bundeskabinett eintraten und ganz offensichtlich noch von niemanden beraten wurden. Noch nach 30 Jahren erinnert man sich an Noltes grausame weiße Rüschenbluse, die sie zur Amtseinführung als Familienministerin trug. Merkel erging es noch schlimmer, weil sich ihr eigener Kabinetts- und Parteichef Kohl gern öffentlich über ihr Erscheinungsbild mokierte.

 Er habe ihr erst mal beibringen müssen, ordentlich mit Messer und Gabel zu essen, erklärte der dicke Pfälzer feixend über Ministerin Merkel.

Ein ungeheuerlich sexistisches und misogynes Verhalten, das natürlich nicht nur die CDU-Frauen aus der DDR über sich ergehen lassen mussten. Insbesondere die Grünen Frauen, die 1980 in die Bundespolitik kamen, wurden mit sexistischer Häme aus den Reihen der CDUCSU überschüttet.

Nolte vertrieb es vollständig aus der Politik. Nach dem Ende der Kohl-Regierung 1998 bekam sie nie wieder ein wichtiges Amt. Bei Merkel verlief es bekanntlich ganz anders. Nach acht Jahren schlechter Witze über ihr Ministerinnen-Outfit, beschloss sie offenbar, sich nicht davon runtermachen zu lassen, sondern nach Kohls Ende umso entschlossener weiter an ihrer Karriere zu arbeiten. Allerdings schleppte sie drei Nachteile in der Andenpakt-CDU von 1998 mit sich herum. Sie ist 1. eine Frau, 2. unfotogen und 3. mit einer kompakt-pyknischen Figur versehen. Für alle drei Punkte kann sie nichts. Es ist grob unanständig, sie für einen dieser Punkte zu kritisieren. Insbesondere wenn man bedenkt, daß häßliche Fettsäcke wie Kohl oder Strauß nie ob dieser Äußerlichkeiten beurteilt wurden.

Merkel war aber klug genug, um zu wissen, daß sie dieses Thema in der ersten Reihe der Politik nie loswerden würde und unternahm mit ihrem Machtzuwachs um 1999 auch ein großes Makeover. Schminke und Frisur wurden ein für alle Mal festgelegt und nie mehr verändert. Sie legte sich die Raute zu, um ihre Haltung vor den Mikrofonen zu stabilisieren und fand zu ihren inzwischen so bekannten bunten Hosenanzügen. Ein zugegeben genialer Schachzug. Denn durch die unterschiedlichen Farben konnte sie ihr Outfit täglich verändern, ohne aber der Presse Anlass zu geben, ihre Kleiderwahl zum Thema zu machen, weil es immer die gleiche Kombination war. Es wurde ihre Uniform.

Die Hamburger Schneiderin Bettina Schoenbach aus der ABC-Straße machte ab Anfang der 20zehner Jahre alle Kanzlerinnen-Kostüme. Vorher ließ Merkel bei der Berliner Designerin Anna von Griesheim anfertigen, aber dort gab es offenbar Indiskretionen. Es wurde über ihre berühmteste Kundin getratscht und Merkel kam nie wieder. Schoenbach hingegen verlor nie ein Wort über Merkel.

Ähnlich soll Merkel auch mit Friseuren und Visagisten verfahren. Sie ist eine unkomplizierte Kundin, die selbst den Termin macht, kaum Extrawünsche hat, aber nie wieder kommt, sobald irgendetwas Privates von ihr ausgeplaudert wird.

Als Hamburger ist mir das sympathisch, aber mutmaßlich ist es einfach knallhartes Kalkül Merkels: Sie weiß, daß ihre solche Storys nur schaden und sie unnötig Angriffsfläche böte. Also würgt sie alles im Keim ab, was Boulevard-tauglich sein könnte.

Ich habe selbstverständlich keine Ahnung, welchen Kleidungsstil Merkel rein privat bevorzugt, halte es aber ihre Methode, sich optisch zu präsentieren, für intelligent. Sie akzeptiert die Gegebenheiten und macht das Beste draus. Es ist ihre individuelle Uniformität.

Brigitte Macron ist ein ganz anderer Fall. Sie kann als Französin ohnehin schlecht Modefragen komplett ignorieren. Glücklicherweise hat sie eine phantastische Figur, ist hochgradig fotogen und hat einen legendär guten Modegeschmack. Die Frau sieht immer perfekt aus und kann sich so gut kleiden, daß sie auch in extravagantesten Outfits nicht kritisiert wird. Dieser Stil, diese Klasse, ist offensichtlich vielen Französinnen „angeboren“ und nicht erlernbar, wie das Beispiel Melania Trump zeigt, die als Ex-Model natürlich ebenfalls eine perfekte Figur hat und bei der Wahl ihrer Kleidung über unendliche Mittel verfügt. Anders als Macron, ist sie aber eine im Grunde ihres Wesens eine Proletin, sieht oft verkleidet aus, greift schwer daneben. Ihre Umdekorierungen im Weißen Haus sind allesamt legendär misslungen. Sie ruinierte Jacky Kennedys Rosengarten und ließ grotesk scheußlichen Weihnachtsdekorationen aufstellen.

Melania Trump fehlt es an der Merkelschen Selbsterkenntnis „Mode nicht zu können“ und entsprechend ihre Finger davon zu lassen. Das beweisen auch ihre übertriebenen Plastic Surgerys die inzwischen für alle Frauen des Mar A Lago-Universums Pflicht sind: Aufgespritzte Lippen, kleine Nase, Schlitzaugen, boob-job.

Donald Trump liebt offensichtlich diesen Typ und so lassen sich Laura Loomer, Kristie Noem, Lara Trump, Ronna Romney McDaniel oder Kimberly Guilfoyle alle einheitlich umoperieren. Gut für Merkel, daß sie nie in den OP-Wettkampf einstieg und rational blieb.

So nachvollziehbar ich Merkels äußerliche Entscheidungen finde, so unverständlich bleibt mir, wieso Bettina Schoenbach die Kanzlerinnen-Kostüme nie in der richtigen Größe anfertigt. Immer sind die Oberteile zu kurz und zu eng. Das konterkariert leider Merkels Bemühungen, ihre Mode nicht zum Thema zu machen.

Als dicker Mensch ist es schwierig, Anzüge, bzw Kostüme „von der Stange“ zu finden, die gut sitzen. Das Problem entfällt aber, wenn man über die Mittel verfügt, maßschneidern zu lassen. Dann kann man auch als Moppel ausgezeichnet angezogen sein. Der genau vor 20 Jahren ermordete Rudolf Moshammer bewies es mit seinem enormen Wanst: Trotzdem saßen seine Hemden und Blazer immer absolut perfekt, waren aus schicken hochwertigen Stoffen gefertigt. Andere bekannte Dickerchen, wie Helmut Kohl, der natürlich auch einen privaten Schneider beschäftigte, mangelte es einfach grundsätzlich an Stil. Seine Anzüge saßen immer schlecht und waren peinlich schlabberig. In diese Kategorie fielen auch seine Minister Rühe und Kinkel, die mit sagenhaft zerknitterten und zerlotterten Klamotten auftraten.

Das muss nicht sein! Joschka Fischer (in allen Körperformen), Gerd Schröder, Heiko Maas, von Dohnanyi oder auch, ganz aktuell Felix Banaszak sind stets in auffällig perfekt sitzenden Klamotten zu sehen, auch wenn Letzterer durchaus mal legerer daherkommt, kaum Krawatten trägt und unter dem Sakko nur ein krangenloses Shirt oder einen Rolli anzieht. Es passt aber immer gut zusammen und sitzt richtig.


Gegenbeispiel Donald Trump, der sich sicher auch Schneider und beste Materialien leisten kann, aber in den letzten zehn Jahren noch nie mit passenden Hosen gesehen wurde. Es sind eher viel zu lange Hosenröcke mit grotesk überlangen Krawatten. Der Mann ist eben auch in der Hinsicht geschmacklos.

Generell haben es leptosome Typen wie Merz einfacher. Ein Anzug in seiner Größe findet sich leicht.

Möglicherweise ist die in dem letzten halben Jahr auffällig schlanker werdende Ozempic-Bitch Söder trotz seiner auf Instagram inszenierten Dauerfresserei daher auch erpicht, so dünn wie Merz zu werden. Es nützt nur nichts, da Söder noch geschmackloser als Trump ist und in unfassbar ausgebeulter, teilweise regelrecht schlampiger Rentner-Funktionskleidung auftritt. 

Offenkundig ist das bei dem Kamera-verliebten MP Strategie. Er will sich beim Wahlvolk als einer der ihren einschmeicheln. Einer, der genauso verlumpt und haltungslos in Opas Kord-Janker auf dem Sofa rumlungert. Als Söders Altersgenosse frage ich mich, was bei dem Mann schief gelaufen ist. Ich mag ein Sozi und zwar ein linker Sozi sein, aber ich bin zu konservativ, um zu akzeptieren, daß Spitzenpolitiker so peinlich angezogen öffentlich rumstolpern.



Donnerstag, 16. Januar 2025

Deutsche Dystopie

Unglaublich, aber wahr; als ich in der weit zurückliegenden „Damals-Zeit“ Antidepressiva verschrieben bekam, regelrecht entsetzt über das Ansinnen des Neurologen war, mochte ich das zunächst niemanden erzählen. Was sind das für Leute, die „Happy-Pills“ nehmen müssen? Die dann dick werden, immer müde sind und ihre Libido verlieren. Was hatte ich in der Schublade verloren?

Fast Forward zu 2025: Wer lebt denn bitte sehr im Social Media-Zeitalter während des Durchmarsches der faschistischen Autokraten und behält sein sonniges Gemüt? Wer kann das tägliche Weltgeschehen verfolgen, ohne zu Psychopharmaka zu greifen oder zumindest ernsthaft zu wünschen, diese Affenkugel zu verlassen?

Es ist so ungeheuer frustrierend, machtlos zusehen zu müssen, wie die Lüge, wie der Irrsinn, wie die Dummheit, wie die Destruktivität Erfolg haben. Wie ungeniert und boshaft AfDP, BSW, FW, CDUCSU auf den Zug aufspringen und in Toto riesige Mehrheiten für „Schluß mit Klimaschutz“, „Zurück zur Atomkraft“, „Genderzwang abschaffen“ bekommen, obwohl sie durchaus laufend in Factchecks der Lüge überführt werden.

Es gibt keinen und gab nie einen "Gender-Zwang"

Nichts von dem, was Merz und Söder und Weidel behaupten, stimmt. Die seriösen Quellen, die das täglich eindrücklich belegen, sind für jedermann zugänglich, dringen aber nicht durch, weil die Musks dieser Erde, Hetze und Fake News wesentlich schneller verbreiten, als man sie dementieren kann.

Und weil die Masse der Wähler intellektuell zu träge lebt. Tumb in ihren kleinen Trug-Blasen verharrt, BILD liest, NIUS guckt und AfD-TikToks konsumiert.

Spreche ich denjenigen, der seine Informationen ausschließlich über ein BILD-Online-Abo bezieht, auf die hanebüchene Qualität seiner Quelle an, bekomme ich eine von drei Antworten:

a)   Na und, die lügen doch ALLE!

b)   Ich arbeite schließlich und habe nicht den ganzen Tag, wie Du, Zeit, Zeitungen zu lesen.

c)   Ja, die schreiben schon viel Mist, aber ich kann damit umgehen und genau erkennen, was wahr ist.

Es fällt mir schwer zu sagen, welche ich davon am wenigsten verstörend finde.

Ähnlich deprimierend ist es zu beobachten, wie die rechtspopulistischen Merzsöderlindners den Diskurs kontinuierlich jeden Tag weiter in Richtung AfD verschieben.

Und wie soll man ohne Antidepressiva ertragen, daß TV-Sender in Gestalt ihrer Lanze und Miosgas den Lügnern und ihrer Lügenstories immer wieder den Roten Teppich ausrollen, um sie unwidersprochen und ohne Factchecks ihre toxische Ideologie unters Volk bringen zu lassen?

Wozu AfD-Urban 75 Minuten bei Lanz? Wozu Merz interviewen, der auch ein erwiesener Münchhausen ist?

[….] Merz lügt. Wiederholt. Das „Gute“ daran: Er ist sehr ungelenk darin, diese Lügen zu verbergen. Seine #Körpersprache verrät ihn stets und ständig. Das ist jener Teil der #Kommunikation, der oft ohne willentlichen Einfluss einfach so passiert - vor allem, wenn es emotional wird. Wenn also zum Beispiel jemand getriggert wird.

Und #Merz ist von dem Thema A*D natürlich getriggert - eiert er doch da sehr herum, weil er eigentlich will, aber nicht darf. Während die CDU in zig Kommunen, zig Bundesländern und sogar auf EU-Ebene mit den Rechtsextremen in zig Dingen kooperiert, bemüht sich Merz (vorerst noch!) auf #Bundesebene, so zu tun, als sei er der Garant, dass die CDU nichts mit der A*D tun wird. Dabei ist laut Umfrage klar, dass nahezu jedes zweite #CDU-Mitglied mit der A*D zusammenarbeiten möchte - ungeachtet der menschenverachtenden und verfassungsfeindlichen Ausrichtung der A*D. Das spricht Bände und lässt erahnen, wie hoch der Druck innerhalb der CDU ist, sich zur A*D zu öffnen.

Wir, die wir am 23.2. bei der #Bundestagswahl wählen dürfen, sollten deshalb neben der A*D auch die CDU maximal schwächen, damit sie keine starke #Position in Koalitionsverhandlungen einnehmen kann. Denn je stärker sie ist, desto eher kann sie diktieren, wer mit ihr unter welchen Bedingungen koalieren kann.  [….]

(Marc Raschke, 16.01.2025)

Während der CDUCSU-Bundestagsfraktionsvorsitzend und Kanzlerkandidat noch so spricht, breitet seine CDU die Arme aus, um die Nazis an ihr Herz zu drücken.

[….] Im Sächsischen Landtag ist am Mittwoch ein Abgeordneter der AfD in die Parlamentarische Kontrollkommission (PKK) gewählt worden, die den Verfassungsschutz des Bundeslandes kontrolliert. Der Landtag wählte in offener Abstimmung den AfD-Abgeordneten Carsten Hütter als Mitglied des Gremiums.  Neben der AfD stimmte die überwiegende Mehrheit der Abgeordneten von CDU und BSW für Hütter; gegen ihn votierten die Parlamentarier der Regierungsfraktion SPD sowie der oppositionellen Fraktionen von Grünen und Linken. Damit ist erstmals ein Parlamentarier einer Partei in dem Gremium vertreten, die vom sächsischen Verfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft wurde. [….] Notwendig für die Wahl der Mitglieder ist die Mehrheit der Parlamentarier des Landtags, die 61 Abgeordnete ausmacht. Die AfD selbst verfügt derzeit über 40 Sitze. Die CDU, die mit 41 Sitzen im Landtag vertreten ist, hatte zuvor angekündigt, den AfD-Abgeordneten zu wählen, weil man das Wählervotum grundsätzlich respektiere. [….] Scharfe Kritik daran kam von den Grünen. „Wenn ein Mitglied der Partei, die als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft worden ist, in das Kontrollgremium des Verfassungsschutzes gewählt wird, dann bedeutet das einen erheblichen Schaden für die wehrhafte Demokratie“, sagte der Grünen-Abgeordnete Valentin Lippmann, der selbst in der PKK sitzt, der F.A.Z. Als Mitglied der PKK habe der AfD-Abgeordnete Zugang zu hochsensiblen Informationen und bestimme unmittelbar mit, was der Verfassungsschutz tue. Ein AfD-Vertreter im Kontrollgremium sei deshalb „die größte Sicherheitslücke für den Verfassungsschutz“. [….]

(FAZ, 15.01.2025)

Und es hat, wie immer, gar keine demoskopischen Konsequenzen. Die Lügen-CDU paktiert mit den Nazis, ohne daß es irgendeinen Einbruch in der Wählerzustimmung gibt.

Die Wähler wurden schon längst moralisch in den Bankrott geplappert. Wie kann man da nicht deprimiert sein?
Nur indem man selbst rechtsradikal tickt, oder total verblödet ist.

[….]  Nun hat die CDU #Sachsen also dafür gesorgt, dass Merz zurücktreten muss. Wie das? Merz hatte ja erst vor wenigen Tagen bekräftigt, dass er sein persönliches #Schicksal damit verknüpft, dass die CDU nicht mit der A*D kooperiert. Nun hat die #CDU Sachsen ausgerechnet den Politiker Carsten Hütter der gesichert rechtsextremen A*D in das #Gremium gewählt, das den Verfassungsschutz von Sachsen kontrolliert.

Man kann also sagen: Die CDU hat den Verfassungsfeinden den Zugang zum #Maschinenraum der #Verfassung geöffnet - wohlgemerkt gegen die Stimmen von #SPD, Linke und #Grüne, die sich gegen Hütter ausgesprochen haben.

Damit aber noch nicht genug. Nach Informationen von TableBriefings übernimmt die A*D von der CDU die Vorsitze für Innen- und Justiz-Ausschüsse in Sachsen. Genau, richtig gelesen: Innen und Justiz. Auch das geht also auf das Konto von CDU-#Ministerpräsident Kretschmer, der ja bereits in die Schlagzeilen geriet, weil er sich während der #Koalitionsgespräche vertraulich mit der A*D zu Gesprächen traf. Für Inneres setzt die A*D übrigens ausgerechnet den früheren Polizisten Lars Kuppi ein, der 2022 an Protesten des #Querdenker-Milieus teilgenommen hat.

Ich frage mich inzwischen wirklich, ob uns die CDU vergackeiern will? Und: Wann tritt dann #Merz jetzt zurück? - Ach, er wird das gar nicht? Weil er das gar nicht ernst gemeint hat mit seinen persönlichen Schicksal als CDU-Vorsitzender?

Wir merken daran, dass die CDU von Beginn an nicht im Entferntesten verhindern wollte, dass die Rechtsextremen an die Macht kommen. Im Gegenteil: Die CDU ebnet den Rechtsextremen den Weg. Wo bleibt der Aufschrei? [….]

(Marc Raschke, 16.01.2025)

Mittwoch, 15. Januar 2025

Das Merz-Missverständnis.

Die politische Großwetterlage ist so günstig für die CDU. Die Ampel am Boden, der Sozi-Kanzler historisch unbeliebt, die Grünen von weiten Teilen der Presse und den Faschisten zum General-Buhmann herabgewürdigt. Das Wachstum bleibt auch 2024 wieder aus. Das Volk sorgt sich um Migration und Wirtschaft - die angestammten Kernthemen der Christen-Union.

Ein überzeugender CDUCSU-Kanzlerkandidat sollte da eigentlich spielend eine absolute Mehrheit bekommen.

Da trifft es sich leider schlecht für die CDU, nicht über so einen Kandidaten zu verfügen, sondern stattdessen auf ein fast 70-Jäheriges Greenhorn zu setzen, das nicht nur über keine Regierungserfahrung verfügt und durch drastische ökonomische Unkenntnis auffällt, sondern zu allem Übel auch noch mit persönlichen Beliebtheitswerten von Fußpilz oder Mundfäule aufwartet.

Merz ist charakterlich zutiefst abstoßend und gibt sich große Mühe, diese Tatsache jeden Tag erneut unter Beweis zu stellen.

[….] Es gibt frische Umfragen von ARD und ZDF vor der Bundestagswahl – für Friedrich Merz sind die Zahlen allerdings höchst besorgniserregend. Zwar führt die Union weiter deutlich vor den anderen Parteien, doch besonders seine persönlichen Zustimmungsraten stürzen bedenklich ab. [….] Vor allem bei Infratest dimap für die ARD zeigt sich ein klarer Trend seit Oktober. Dabei waren noch 34 Prozent der Befragten mit Merz zufrieden, nun sind es nur noch 25 Prozent. Ein anderer Kanzlerkandidatin wird derweil immer beliebter.

Merz auf Laschet-Tiefpunkt – dabei hat Wahlkampf noch nicht richtig begonnen  Doch zunächst weiter zu Merz: Der Wert von 25 Prozent bei der ARD ist deckungsgleich mit den 25 Prozent, die Armin Laschet 2021 bekommen hat. Die Zufriedenheit ist also auf demselben Tiefpunkt wie beim damaligen Kanzlerkandidaten nach seinem Lacher-Eklat im Hochwassergebiet! Nun aber beginnt die heiße Wahlkampfphase erst und Merz ist bekannt dafür, in Fettnäpfchen zu treten. [….] Auch die ZDF-Zahlen zeigen, dass Merz immer unpopulärer wird. So verlor er in der ersten Januar-Umfrage zwei Prozentpunkte bei der Frage zur Kanzler-Direktwahl. Nur noch 27 Prozent würden ihn bei einer fiktiven Direktwahl wählen wollen. All das hat auch Auswirkungen auf die Zustimmung zur Union bei der Sonntagsfrage. Wäre nun Bundestagswahl würden CSU/CDU bei ARD und ZDF jeweils auf 31 Prozent kommen – bei beiden Sendern ein Minus von zwei Prozentpunkten. [….]

(Der Westen, 15.01.2025)

Als Sozialdemokrat hämisch über eine Partei, die bei 30% steht, zu lachen, wirkt zwar verzweifelt. Aber natürlich müsste Merz eigentlich viel besser dastehen. Er hat es so viel leichter als Scholz, musste noch nie Verantwortung übernehmen, sich nicht mit realen Problemen beschäftigen oder gar garstige Koalitionspartner dirigieren. Spätestens vor gut drei Jahren zu seinem Amtsantritt als CDU-Chef und CDUCSU-Fraktionschef, hätte er aber Strategien und Konzepte entwickeln müssen, um alternative Politik zur Ampel vorzustellen; Antworten auf die vielen Probleme zu haben.

Das versäumte er aber auch ganzer Linie, weil es gar nicht möglich ist, zu seiner modernitätsfeindlichen, wissenschaftlich widerlegten Trickledown-Ideologie der einseitigen finanziellen Bevorzugung der Superreichen ein realitätstaugliches Konzept zu erstellen. Auf einen 1.000-Milliarden-Investitionsstau und eklatanten Fachkräftemangel, mit nicht gegenfinanzierter 100 Mrd. Euro Steuersenkung für die Topverdiener, Schuldenbremse, Ausländer raus-Polemik, sowie der Kriminalisierung von Cannabis und Transsexualität zu antworten, kann in keinem Universum funktionieren. Daher drischt Merz nur auf Grüne und Rote ein, bleibt aber wirr und vage, wenn es um die eigene Programmatik geht.

[….] Im Sommer 2023 forderte die CDU ein Fünf-Punkte- Programm und Anfang 2024 ein Sofortprogramm, die vor allem eine Abschaffung der Erbschaftsteuer und Steuererleichterung für Unternehmen beinhalteten. Ein großer wirtschaftspolitischer Widerspruch für Merz besteht in seinem Ausschließen sowohl einer Veränderung der Schuldenbremse als auch von Steuererhöhungen. Er kritisiert den Bundeshaushalt 2025 und fordert weitere Einsparungen, vor allem bei den Sozialausgaben. Wissenschaft und Wirtschaft fordern ein großes Investitionsprogramm, um eine Deindustrialisierung zu vermeiden. Ein Kanzler Merz wird die öffentlichen Investitionen jedoch weiter kürzen oder seine eigenen Worte schlucken müssen und eine Kehrtwende bei Steuern und Schuldenbremse vollziehen müssen.

Merz lehnt eine Stärkung Europas bei der Wirtschaftspolitik vehement ab. So attackierte er kürzlich die Vorschläge von Ex-EZB-Chef Mario Draghi für eine gemeinsame Industriepolitik und mehr europäische Investitionen. Deutschland soll von Europa profitieren, mehr gemeinsame Verantwortung lehnt er jedoch ab – auch dies ist ein Widerspruch, den er auflösen muss.

Bei der Arbeitsmarktpolitik will Merz zusätzliche Beschäftigte durch die Steuerbefreiung von Überstunden und eine Reform des Bürgergelds schaffen. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass keine dieser beiden Maßnahmen mehr Menschen in Arbeit bringen wird. Das große Potenzial bei der Erwerbstätigkeit von Frauen und Geflüchteten dagegen sieht er kritisch. Viele Maßnahmen zur schnelleren Integration von Ausländern –wie eine klare Bleibeperspektive – lehnt er genauso ab wie Reformen von Minijobs, Ehegattensplitting und Mitversicherung. [….]

(DIW-Präsident Marcel Fratzscher, 20.09.2024)

Grüne und Sozis werfen Merz oft vor, als Blackrocker einseitig die Interessen der Reichsten zu vertreten. Das ist insofern richtig, als Merz tatsächlich nur an die Wohlhabenden und nicht an die Gesamtgesellschaft denkt.

Aber es ist insofern unrichtig, als Merz automatisch zugestanden wird, über ökonomische Kompetenz zu verfügen, weil er bei Blackrock war.

Sicher haben Unternehmer, insbesondere Familienunternehmer, die aus der Praxis kommen und automatisch langfristig denken, weil sie Arbeitsplätze und die Substanz für ihre Nachfahren erhalten wollen, eine gewisse Kompetenz, weil Wirtschaft nun einmal ihr Metier ist. Das betrifft aber offenkundig nicht Risikomanager; beispielsweise in der Autoindustrie, die Milliarden verschieben, ohne irgendwelche persönliche Haftung zu übernehmen und an ihre Jobs gekommen sind, weil sie auf den entsprechenden Elite-Einrichtungen waren und gelernt haben, sich bei den Mächtigen einzuschmeicheln. Deutschlands Wirtschaft krankt ganz wesentlich am Totalversagen der Manager der Großindustrie. Blackrocker Merz wurde aber nicht in dieser Szene reich, weil er auf internationalen Business-Schools war oder Erfahrungen hätte, Firmen zu leiten. Nein, er ist bloß ein Provinz-Jurist als Brilon, der in der Bonner-Republik zum CDU-Fraktionsvorsitzenden der Opposition wurde und anschließend sein Adressbuch versilberte. Blackrock wollte ihn haben, weil er die Kontakte in Ministerien und den deutschen Beamtenapparat hatte. Er wurde als Kontakt-Dummerle benutzt und nicht für seine ökonomische Expertise bezahlt.

Selbstverständlich hofieren die Wirtschaftslobbyisten Friedrich Merz und freuen sich, wenn ihr Useful Idiot Multimilliarden Steuergeschenke ankündigt, weil diese in ihre Taschen fließen.

Ganz anders sieht es aber aus, wenn Merz über allgemeines „Umverteilen von unten nach oben“ hinaus, seine ökonomischen Ansichten ausplaudert.

In dem Fall sind diejenigen in der Wirtschaft, die etwas von Wirtschaft verstehen, stets entsetzt.

[…..] CDU-Kandidat fordert Steuervorteile: Ökonomen kritisieren Merz' Aktien-Vorstoß.  Friedrich Merz - Chefaufseher beim Milliarden-Investor Blackrock - will Aktienkäufer steuerlich begünstigen. Das soll die Altersvorsorge der Deutschen stabilisieren. Wirtschaftswissenschaftler widersprechen. [….]

(SPON, 03.12.2018)

[….] Merz würde mit seinem Sofortprogramm der Konjunktur mehr schaden als nützen. Denn was für das einzelne Unternehmen und ihre Eigentümer*in gut ist, muss nicht unbedingt förderlich für die ganze Volkswirtschaft sein. Denn zu ihr gehören auch die Beschäftigten. Und die würden unter den Maßnahmen sicherlich leiden. Deshalb sollte Merz nie die Chance bekommen, Kanzler zu werden.  [….]

(Simon Poelchau, 12.02.2024)

[….] Ich vermute, dass sowohl Merz als auch die Partei einem Trugschluss unterliegen und annehmen, dass seine Tätigkeit in Aufsichtsräten ihm wirtschaftspolitische Kompetenz verleiht. Er ist Jurist, er hat keine ökonomische Ausbildung. Das alleine spricht jemandem zwar nicht die Kompetenz ab. Doch in den vergangenen Monaten hat Merz einige Äußerungen gemacht, bei denen man den Eindruck gewinnen konnte, er habe grundlegende ökonomische Zusammenhänge nicht verstanden - etwa beim Begriff der Liquiditätsfalle. Ein anderes Beispiel: Merz sagt, die Zinsen seien zu niedrig. Zugleich lehnt er neue Schulden ab. Wenn er - warum auch immer - höhere Zinsen will, müsste er aber eigentlich für mehr Staatsschulden sein. Es gibt einfache Marktgesetze, die den Zins nach oben treiben. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Zinshöhe und Fiskalpolitik. Das Verständnis dafür scheint mir bei Merz etwas unterentwickelt zu sein.  [….]

(Ökonom Rüdiger Bachmann, 13.09.2024)

[….]  Aus der Wirtschaft kommen bereits die ersten kritischen Stimmen zum frisch gebackenen Kanzlerkandidaten. Eine davon gehört Marcel Fratzscher, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaft.

DIW-Präsident kritisiert Friedrich Merz – „massiver und nicht zu behebender Schaden“  Laut dem DIW-Präsidenten Marcel Fratzscher wäre ein etwaiger Kanzler Merz eher ein Hindernis für eine wiedererstarkende Wirtschaft. Fratzscher zufolge sind Merz‘ Vorwürfe, Bundeskanzler Olaf Scholz und die Ampel-Koalition seien an der schwachen Konjunktur schuld, schlichtweg unglaubwürdig – und die Pläne, die die CDU bereits vorgelegt hat, seien „aus der Hüfte geschossen.“

Mehr noch: Der deutschen Wirtschaft würde es „vermutlich schlechter gehen“, wenn Merz schon Kanzler wäre, zitierte die Neue Osnabrücker Zeitung den DIW-Präsidenten. Als Beispiel zog Fratzscher eine Drosselung vom Tempo der Transformation heran, die Merz versprochen hatte – dies würde die Deindustrialisierungsgefahr steigern und einen „massiven und nicht wieder zu behebenden Schaden“ anrichten. Kurz gesagt: „Aus volkswirtschaftlicher Perspektive stimmen mich Merz‘ Positionen daher sehr besorgt.“ […..]

(FR, 23.09.2024)

[….] Unternehmen kritisieren CDU-Ankündigungen zum Heizungsgesetz

Die Unionspolitiker Friedrich Merz und Jens Spahn wollen das Heizungsgesetz zurücknehmen. Die Branche reagiert mit massiver Kritik – und fürchtet Verunsicherung bei allen Beteiligten. [….]

(Handelsblatt, Catiana Krapp, 21.12.2024)

[….] »Populistische Rhetorik« Mittelstand kritisiert Merz’ Ausbürgerungsidee.

Im Wahlkampf will Friedrich Merz mit Wirtschaftskompetenz punkten. Doch mit seinem Vorschlag, straffällig gewordenen Doppelstaatlern die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen, verärgert der CDU-Mann nun Unternehmer.  [….]

(SPON, 09.01.2025)

[….] Ein Auftritt von Friedrich Merz in Bochum hat Streit im Wahlkampf ausgelöst. Der CDU-Chef zweifelte die Pläne für einen raschen Umbau der Stahlindustrie auf eine klimafreundliche Wasserstoffwirtschaft an. "Ich glaube persönlich nicht daran, dass der schnelle Wechsel hin zum Wasserstoff-betriebenen Stahlwerk erfolgreich sein wird", so der Kanzlerkandidat am Montagabend bei einer Betriebsrätekonferenz der CDU-Arbeitnehmerschaft CDA. [….] Die IG Metall reagierte ebenfalls. "Ich lade den CDU-Vorsitzenden ein, ihm die Bedeutung grünen Stahls für Industrie und Arbeitsplätze vor Ort in einem Stahlwerk zu erläutern", sagte Gewerkschafts-Vize Jürgen Kerner. An der Frage, "ob es gelingt, grünen Stahl in Deutschland zu produzieren, hängen Zehntausende Arbeitsplätze". ThyssenKrupp bekräftigte, an der grünen Transformation festzuhalten. Zugleich räumte das Unternehmen "an diversen Stellen Verzögerungen beim Aufbau von Infrastruktur und Produktionskapazitäten für eine zuverlässige Wasserstoffversorgung" ein.  [….]

(Tagesschau, 14.01.2025)

Dienstag, 14. Januar 2025

Wenn es nicht so traurig wäre.

Es gehört zu den drastischen Depressionsverstärkern meiner täglichen Routinen: Computer hochfahren, die aktuellen politischen Umfragen checken, von denen man nach den sagenhaften CDUCSUAFDP-Peinlichkeiten der letzten 24 Stunden nun wirklich einen dramatischen Einbruch bei den Schwarzbraungelben erwartet, weil nach meinem Verständnis auch der hartnäckigste Merz/Lindner-Fan nicht mehr diese Lügen-Deppen in die Regierung wünschen kann, aber NEIN! An den Teflon-Typen bleibt nichts hängen, das sie runterziehen könnte. Im Gegenteil; je dümmlicher und platter, je faktenwidriger, je verfassungsfeindlicher die Herren auftreten, je drastischere Wissenslücken sie offenbaren, je massiver sie sich selbst widersprechen, je plumper sie täglich neue Lügen herausposaunen und je hanebüchener ihre Ankündigungen, desto zufriedener reagiert der Urnenpöbel.

Es gibt unter Fachleuten nicht den geringsten Zweifel, daß Alice Weidels und Fritze Merzes Wahn, bei Amtsantritt die deutschen Windkraftanlagen zu demontieren, schon deswegen nicht möglich ist, weil die sich in Privatbesitz finden und weil beim Ausfall der Windkraft (Anteil der Windenergie an der deutschen Stromerzeugung im Jahr 2024 bei 31,87 Prozent) die gesamte deutsche Wirtschaft schlagartig zusammenbräche.

[…..] Weil AfD (und Union, neuerdings Friedrich Merz) gerne die Windkraft abreißen würden. Der Abriss der „Windmühlen“ würde zehntausende von Arbeitsplätzen kosten, momentan arbeiten 387.000 Menschen im Bereich erneuerbare. Bis 2030 sollen es 600.000 Menschen sein. Diese Beschäftigten werden übrigens von den „Stromkosten“ finanziert. Milliarden, die nicht ins Ausland an autoritäre Staaten fließen. Beschäftigte im Bereich Erneuerbare Energien verdienen in Deutschland durchschnittlich 52.206 € im Jahr. Das entspricht einem monatlichen Bruttogehalt von 4.351 €. Also letztlich mindestens 34 Milliarden €, die im Land bleiben.  […..]

(Solveig Forsthoff, 13.01.2025)

Aber das postfaktische Zeitalter macht es möglich: Man muss nur genug Bullshit streuen, um vom Wähler belohnt zu werden. Parteien, die wie SPD und Grüne, in der Realität verhaftet bleiben und machbare, wahre Pläne vorlegen, werden von den meisten Wählern abgestraft.

[….] Die Meldungen der letzten Zeit:

2024 heißester Sommer jemals

Glob. Temperatur über 1,5 Grad

Nordsee so warm wie noch nie

Neuer CO2-Rekord erreicht

ebenso...

Merz glaubt nicht an grünen Stahl

Merz stellt Kohleausstieg in Frage

Merz will Verbrenner-Aus kippen

Merz will Heizungsgesetz „korrigieren“ […..]

(Ingwar Perowanowitsch, 14. Januar 2025)

Ausgerechnet der Mann mit den allergrößten Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden, profiliert sich jeden Tag auf’s Neue auf geradezu abenteuerliche Weise ahnungslos. Er wird sich vermutlich wirklich gut mit Donald Trump verstehen. Beide sind gleichermaßen radikal verblödet.

Man kann nur staunen, wie borniert sich Merz offenbar um jedes Briefing drückt und fernab jedes wissenschaftlichen Standards ungeniert Eseleien ausplaudert.

Inzwischen biegen sich selbst Merzens Kumpel von der Großindustrie die Fußnägel hoch, wenn er losfaselt.

[…..] CDU-Chef Friedrich Merz hat mit Aussagen zu klimaneutralem Stahl Kritik auf sich gezogen. »Ich glaube persönlich nicht daran, dass der schnelle Wechsel hin zum wasserstoffbetriebenen Stahl erfolgreich sein wird. Wo soll der Wasserstoff denn herkommen?«, hatte der CDU-Chef am Montagabend auf einer Betriebsrätekonferenz in Bochum gesagt. »Wenn wir es mit Wasserstoff machen, dann ist die Tonne Stahl immer noch mindestens 300 Euro teurer als so, wie sie bisher konventionell erzeugt wird. Wo soll das Geld denn herkommen? Es wird ja nicht preisgünstiger, es wird nur noch teurer«, sagte Merz.  Die Herstellung von Stahl verbraucht nicht nur viel Energie, die bislang fossil erzeugt wird, die eingesetzte Kohle reagiert auch mit dem Eisenerz, ist also notwendiger Bestandteil der Produktion von Stahl. In neueren Verfahren lässt sich auch Erdgas einsetzen – oder Wasserstoff, der zuvor mithilfe von erneuerbaren Energien hergestellt werden kann. Dann ist Stahl weitgehend emissionsfrei. […..] Deutsche Stahlproduzenten planen teilweise schon mit Milliardeninvestitionen für die Umstellung auf die Herstellung von grünem Stahl mit Wasserstoff. Die Stahlherstellung ist für ungefähr fünf bis sieben Prozent der deutschen Emissionen verantwortlich.

SPD-Chef Lars Klingbeil kritisierte den Vorstoß des CDU-Chefs scharf. Friedrich Merz schüre Zweifel an der Zukunft einer deutschen Schlüsselindustrie: »Nachdem er die E-Mobilität und die Windkraft infrage gestellt hat, ist es jetzt der grüne Stahl. Das ist Gift für Deutschlands Zukunft als Industrieland und ein Schlag in die Magengrube für Tausende Stahlarbeiter, die aktuell um ihre Zukunft bangen. Solche Irrfahrten sind ein Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland.« […..]

(SPON,14.01.2025)

Für Putin muss es ein wahrer Genuss sein, zuzusehen wie der deutsche Urnenpöbel sich ganz freiwillig mit einer demokratischen Wahl ins ökonomische Aus schießt.

[….] Lasst euch nicht verkackeiern durch Scheinlösungen für die Energieversorgung!

E-Fuels brauchen die 7-fache Strommenge im Vergleich zu E-Autos.

Wasserstoff die 5-fache Strommenge einer Wärmepumpe.

Kernfusion gibt's nicht und wird es nicht geben bis wir 2045 klimaneutral sind.  [….]

(Prof. Stefan Rahmstorf, 14.01.2025)