Wie soll man da aushalten? Genau wie Carolin Emcke von
Natalja Kljutscharjowa zitiert: „am Abend denkst du: Schlimmer kann es nicht
werden. Aber am nächsten Morgen sagt das Leben freudig: Doch, kann es.“
Man kann es auch „Murphys Law“ nennen. Oder „every day a new low”.
Als würde ich nicht ohnehin schon absolut schwarz sehen
für die USA.
[….] Für Trump ist
Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig
Mit seinem Urteil zur
Immunität erhebt der Supreme Court jeden amtierenden Präsidenten über das
Recht. Das Gericht schenkt Trump einen Freifahrtschein in seine wildesten
Allmachtsfantasien.
Wenn Donald Trump seinem
Online-Mob in großen Buchstaben mitteilt: „BIG WIN FOR OUR CONSTITUTION AND
DEMOCRACY“, dann weiß man, dass es ein ziemlich schlechter Tag für die
Verfassung und die Demokratie in den Vereinigten Staaten gewesen sein muss. Der
1. Juli des Jahres 2024 war so ein Tag. Er wird als der Tag in die
amerikanische Geschichte eingehen, an dem Trump mit einem einzigen Urteil des
Obersten Gerichts gleich zwei Geschenke erhielt. Kein Wunder, dass er sich
freut. […..]
(Boris Herrmann, 02.07.2024)
Als gäbe es nicht schon genug Strukturprobleme bei den
Ossis, versuchen Thüringer und Sachsen, ihrer eigenen Wirtschaft mit Gewalt
durch ihre Nazi-Wahlentscheidungen den Saft abzudrehen.
[….] Dass die AfD
mitregieren will, haben die Rechtsextremen gerade wieder auf ihrem Parteitag in
Essen klargemacht. In Thüringen könnte es womöglich bald so weit sein, dort
wird am 1. September ein neuer Landtag gewählt, die AfD könnte stärkste Partei
werden, wie schon bei der Europawahl. Die Wirtschaft im Land ist bereits
besorgt, sagt Stefan Traeger, 56. Der promovierte Physiker ist gebürtiger
Jenenser und seit 2017 Vorstandsvorsitzender der Jenoptik AG. Die M-Dax-Firma
macht mit knapp 5000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als einer Milliarde
Euro, die optischen Technologien von Jenoptik werden weltweit verkauft und
angewendet, etwa in der Auto- und Halbleiterindustrie, und sind sogar auf dem
Mars im Einsatz.
SZ: Herr Traeger, Jenoptik
ist ein Unternehmen, das weltweit aktiv ist. Wie oft werden Sie im Ausland
angesprochen auf die politische Situation in Thüringen?
Stefan Traeger: Ich werde
oft darauf angesprochen. Wer hätte das gedacht, dass Thüringer Lokalpolitik mal
interessant wird. Neulich erst wieder auf einer Investorenkonferenz in New
York, da haben ganz viele zu mir gesagt: „Ich habe da noch eine Frage: Was ist
denn da los bei euch? Können Sie mir das mal erklären?“ [….] Berichte
über einen Neonazi, der es in einem Landkreis in eine Stichwahl geschafft hat,
produzieren mehr Schlagzeilen.[…..]
SZ: Die jüngsten Umfragen
zur Landtagswahl in Thüringen sagen, dass AfD und BSW zusammen auf knapp 50
Prozent der Stimmen kommen können. Angenommen, es gäbe einen
Ministerpräsidenten Björn Höcke, was hieße das für Jenoptik? Verlassen Sie dann
das Land? [….] Aber alles, was die AfD und Höcke wollen, ist doch gegen
die Interessen der Wirtschaft.
Stefan Traeger: Das stimmt:
Wir brauchen die Europäische Union, wir brauchen ein weltoffenes Land, um
weiter innovativ, kreativ und erfolgreich zu sein. Wir brauchen eine offene
Gesellschaft und Toleranz. [….] Das
Problem: Investitionen brauchen Sicherheit, extreme politische Positionen
führen aber erst mal zu Unsicherheit. [….]
SZ: Haben Sie jetzt schon
Probleme, Fachleute nach Thüringen zu bekommen?
Stefan Traeger: Natürlich,
übrigens nicht nur aus dem Ausland. Versuchen Sie mal, jemanden mit
Migrationshintergrund aus Nordrhein-Westfalen nach Jena zu locken. [….]
(Süddeutsche Zeitung, 02.07.2024)
Als hätten wir in Europa und mit der deutschen Ökonomie
nicht schon genug Schwierigkeiten, bemühen sich die irren schwarzgelben Wachstumsbremsen-Fetischisten
in all ihrer Borniertheit, uns den Rest zu geben.
[….] Die Schuldenbremse bedroht unsere Sicherheit[….]
Tatsächlich hat die Schuldenbremse funktioniert, ziemlich gut sogar. Aber
das ist Geschichte. Sie passt nicht mehr in die Zeit – in einen historischen
Epochenbruch, der finanzpolitische Flexibilität zu einer Überlebensfrage macht;
[….] Die Ausnahmeregeln der Schuldenbremse sind auf normale
Konjunkturschwankungen ausgelegt. Bei schrumpfender Wirtschaft kann der Staat
ins Defizit gehen. Wenn die Krise vorbei ist, muss die Schuldenquote wieder
sinken. So weit, so richtig.
Doch was wir seit 2022
erleben, ist etwas anderes: Wir stecken mitten in einer rapiden geopolitischen
Machtverschiebung. Unsere Sicherheitslage hat sich massiv verschlechtert.
Deutschland und seine europäischen Partner sind akut bedroht, insbesondere durch
ein expansionistisches Russland. Und zwar auf unabsehbare Zeit. Ob die USA
künftig noch bereit und in der Lage sein werden, Europas Sicherheit zu
garantieren, ist höchst fraglich. Wir müssen uns darauf einstellen, als
Europäer auf uns allein gestellt zu sein. [….] Die unbequeme Wahrheit
lautet: Es gibt letztlich nur ein europäisches Land, das eine Antwort auf diese
radikal veränderte Sicherheitslage geben kann. Nur Deutschland hat die
finanziellen und personellen Möglichkeiten, ein wirkliches europäisches
Gegengewicht zu Wladimir Putins Expansionismus zu schaffen. Alle anderen
europäischen Länder sind entweder zu klein oder zu finanzschwach, als dass sie
eine massive Aufrüstung stemmen könnten. [….]
(Henrick Müller, 30.06.2024)
Als kommunizierende Röhren wirken hier die debilen Merzlindners mit dem unterentwickelten
Urteilsvermögen der Wählermasse zusammen, um all die Äste gründlich abzusägen,
auf denen wir sitzen.
[….] Fehlt es im
Finanzministerium an basaler Fachliteratur? Ist sogar das Gabler
Wirtschaftslexikon gespart worden?
Wertschöpfung entsteht
nicht durch alle möglichen "Bereitschaften", sondern durch konkret
exekutierte Arbeitsteiligkeit. Die ist zwingend voller Vorleistungen und daher
wurde mal Geld erfunden, um die Leistungsverrechnung agiler zu gestalten. Bereits
die Fugger hatten daraus die Idee entwickelt, dass die Bereitstellung von Geld
ein exzellenter Treiber für Wertschöpfung ist. Schulden im heutigen
institutionellen Maßstab wurden nämlich vom Gläubiger erfunden, nicht vom
Schuldner - aus Gründen!
Später hat man erkannt,
dass daraus eine einzig relevante Quelle für Wertschöpfung entstanden ist, die
unter dem Namen Kapital bis heute genutzt wird. Bereits seit Jahrhunderten
streiten Denkrichtungen darüber, wie man das mehren, verteilen und einsetzen
kann. Marx, Keynes, Hayek, Friedman, Krugman - sie alle hatten unterschiedliche
Ideen, wie das ökonomisch und gesellschaftlich am besten organisiert werden
könnte, aber es gewissermaßen bis auf die Ebene aller öffentlichen Kommentare
zu "sparen", wäre keinem in den Sinn gekommen. Weiß Herr Lindner
noch, was Kapital ist und wie Kapitalismus funktioniert?
Kapital ist der Anfang von
allem, nicht Arbeit, nicht Leistung, auch nicht "Verdienst". Der
Satz, ein Euro müsse zuerst verdient werden, bevor man ihn ausgeben kann, ist
sachlich dumm. Zuerst muss ein Euro bereit stehen, damit man daraus durch Arbeitsteiligkeit
5 Cent Wert schöpft, die man dann verteilen kann. Wachstum entsteht u.A.
daraus, wenn diese 5 Cent für andere Wertschöpfungen eingesetzt werden. Ob die
in unserer Definition dafür investiert oder ausgegeben werden, ist sogar egal.
Die 5 Cent können auch gespart werden, denn das gibt es ja gar nicht, dafür
macht ein anderer schließlich Schulden, mit denen er eine Wertschöpfung
beabsichtigt.
Kommt dieser Kreislauf aus
Kapitalbereitstellung, Mehrung durch Wertschöpfung und Bereitstellung des
Mehrwerts in Form von Kapital ins Stocken, können die von Lindner zitierten
Bereitschaften in den Himmel wachsen, während die Wirtschaftsleistung nur weiter
sinkt. [….] Dem Finanzminister wäre dringend zu empfehlen, sich ums
Kapital im Kapitalismus mehr zu sorgen. Es ist genug davon da, aber das liegt
nur ineffizient herum. Irgendwer muss es wieder in Bewegung bringen. Amerikaner
und Chinesen machen das durch eine Kombination aus staatlichen Mitteln, also
Subventionen und Umverteilung, die Lindner aber ablehnt. [….]
(Dirk Specht, 01.07.2024)
Während sich jeder Mensch in Deutschland, der auch nur
über rudimentären Anstand und Intellekt verfügt, gegen die Machtübernahme der
Nazis wehrt; versucht, der rechtsextremen Einflussblase entgegen zu wirken, machen
es die rechtsextrem jungen CDU-Abgeordneten dem Porscheminister Lindner nach und werten Nazi-Hetzportale
auf.
[….] CDU-Mann Ploß als
Gastautor bei rechtem Portal – Parteifreunde genervt
Christoph Ploß eckt gerne
an. Immer ein bisschen lauter als seine CDU-Parteikollegen ist er, immer ein
bisschen steiler sind seine Thesen. Bundesweite Aufmerksamkeit bekam er durch
sein Lieblings-Hass-Thema, das Gendern. Jetzt ist der Hamburger Bundestagsabgeordnete
Gastautor beim rechtspopulistischen Medium „Nius“. In der Hamburger CDU sorgt
das für Ärger.

[….]
(HH MoPo, 02.07.2024)
Wäre die CDU tatsächlich eine verfassungstreue Partei der
Mitte, hätte sie den völkischen AfD-Mann Ploß längst aus der Fraktion geworfen.
[….] Was ist „Nius“, das
aufstrebende Onlineangebot des geschassten „Bild“-Chefredakteurs Julian
Reichelt? [….] Der Politikwissenschaftler Markus Linden sagte kürzlich
im Gespräch mit „t-online“, „Nius“ sei ein „rechtspopulistisches
Agitationsformat mit journalistischem Anstrich“. Im Deutschlandfunk erklärte
Linden, er stelle eine „gewisse Radikalisierung“ fest; Julian Reichelts Sendung
„Achtung, Reichelt!“ sei „ein Krawall-Format“. Wenn sich Politiker von „Nius“
interviewen ließen, würden sie das Programm „normalisieren“ und damit auch
Akteure, die bei „Nius“ auftreten würden. Linden nennt zum Beispiel Eva Vlaardingerbroek,
eine rechtsradikale Influencerin aus den Niederlanden, die als Kolumnistin für
„Nius“ schreibt und häufiger in Reichelts Sendung zu Gast ist.
[….] Hinter „Nius“ steht
der Unternehmer und Milliardär Frank Gotthardt. [….] „Nius“ biete „rechter Hetze eine Bühne“,
schreibt die „taz“; vom „krawalligen Internetportal“ spricht „t-online.de“; der
Journalist Jan Fleischhauer attestierte „Nius“, „zu hysterisch“ zu sein und
sagte ein geplantes TV-Format bei „Nius“ wieder ab.
Auch wir haben bei
Übermedien schon über einzelne Auswüchse von Reichelts Magazin berichtet: Etwa,
als „Nius“ ohne jeden Beleg behauptete, die Bundesregierung habe geheime
Unterlagen an den „Kontraste“-Redaktionsleiter durchgestochen. Oder als „Nius“
Ressentiments gegenüber Geflüchteten schürte, die sich in Deutschland die Zähne
hätten machen lassen. Ein weiteres aktuelles Beispiel ist die Unterstellung,
die Grünen würden in ihrer Parteizentrale eine eigene Polizei aufbauen, um –
ganz wie im „Dritten Reich“ – gegen politische Gegner vorzugehen. [….] Der Journalist und „Spiegel“-Kolumnist
Christian Stöcker, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in
Hamburg, twitterte kürzlich, er habe „kein Verständnis“ dafür, dass Politiker
der Union „diesem rechtsradikalen Desinformationsportal“ weiterhin Interviews
gäben. [….] Der Politikberater Johannes Hillje sagte bereits im August
vergangenen Jahres dem „Tagesspiegel“:
„Julian Reichelts Kanäle verbreiten
AfD-Narrative ohne AfD-Logo. Das neue Portal ,Nius‘ ist als Nachrichten
getarnter Kulturkampf von rechts. Es wundert mich, wie bereitwillig Politiker
demokratischer Parteien diese Kanäle als Interviewpartner aufwerten.“ [….]
Christoph Ploß: Der frühere
Vorsitzende der Hamburger CDU und heutige Bundestagsabgeordnete tritt häufig
bei „Nius“ in Erscheinung, er gibt Statements für Artikel und war mehrfach im
Talkformat „Stimmt!“ zu Gast.
Kürzlich etwa sprach er
dort über „Entgleisungen“ von Jan Böhmermann und dass er finde, das ZDF müssen
den Satiriker „rausschmeißen“. [….] Auf die Frage, inwiefern er „Nius“
für ein seriöses Medienangebot halte und wie er zu der Kritik stehe, Politiker
würden „Nius“ durch Auftritte „normalisieren“, schreibt Ploß:
„Als Bundestagsabgeordneter sehe ich es
nicht als meine Rolle, die Seriosität einzelner Medienangebote öffentlich zu
bewerten. Ich bin sehr froh, in einem Land zu leben, in dem die Presse frei ist
und in dem Leser und Zuschauer selbst entscheiden können, aus welchen Medien
sie sich informieren wollen.“ [….]
(Boris Rosenkranz, Übermedien, 01.03.3034)