Dienstag, 6. Februar 2024

Den Nazis zu helfen hat Konsequenzen

So lange die AfD nicht verboten ist, bzw so lange man der Nazi-Partei a priori ein Verbotsverfahren erspart, wird sie weiter mit vielen Millionen Euro Steuergeldern finanziert. So lange rollen die Öffentlich-Rechtlichen ihren Hetzern den Roten Teppich zu Werbezwecken aus. Louis Klamroth befragte bei „Hart aber Fair“ ausgerechnet zum Thema "Was hilft gegen die extrem Rechten: zuhören, demonstrieren, verbieten?" mit dem AfD-Abgeordneten Leif-Erik Holm einen der schlimmsten Faschisten.

Dieses perfide manische Denken - „Man muss ihnen zuhören! Deren Wähler vertreten berechtigte Ängste“ – existiert leider nicht nur in den Talkshowredaktionen, sondern insbesondere auch in den Köpfen der Parteioberen von FW, FDP, CDU und CSU. Der CDU-Chef richtet sich fast ausschließlich nach den braunen Gedanken der 20%, die AfD wählen und wirbt massiv für deren Agenda.

Das ist aber nicht nur Schwachsinn und untauglich, um den Rechtsextremismus einzudämmen, sondern stärkt die Nazis erwiesenermaßen.

Man darf solche Leute aber nicht normalisieren. Statt ihre Protagonisten in die TV-Studios zu laden, sollte der Bundestag endlich ein Partei-Verbotsverfahren auf den Weg bringen. Die gesichert rechtsextremen Jung-Nazis von der JA sind rechtlich betrachtet sogar nur ein Verein, so daß ein Verbot sehr viel niederschwelliger möglich wäre.

[….] Mitglieder der Jungen Alternative haben sich offenbar für Zwangsarbeit für Migranten und Juden ausgesprochen. Doch ihre Pläne gingen wohl noch weiter, so ein Bericht.

Nachdem ein Gericht in Köln entschieden hat, dass die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als gesichert extremistische Bestrebung eingestuft werden darf, enthüllen Recherchen des Senders RTL Extra welche Pläne der AfD-Nachwuchs bei seinen Treffen schmiedet. Sie zeugen von tief verankertem Rassismus und Antisemitismus in der AfD-Jugend.

Demnach sinnierten die Teilnehmenden auf einer JA-Veranstaltung in Sachsen über Zwangsarbeit und eine gesonderte Unterbringung in Lagern für Geflüchtete, Jüdinnen und Juden. "Es gibt dann Arbeitslager und Wohnlager. Da sollen die was zu essen bekommen und dafür, dass sie eine warme Unterkunft haben, müssen sie was leisten", heißt es von einem der Teilnehmenden des JA-Treffens. Nach seiner Ansicht solle die Zwangsarbeit so lange gehen, bis die Migrantinnen und Migranten von allein "in ihre Heimatländer" gehen würden, berichtet RTL Extra.

Ein weiterer Teilnehmer äußert sich demnach ähnlich: "Ich würde die halt erstmal internieren, in ein Ghetto stecken. Die haben die Pflicht, arbeiten zu gehen. Man könnte so Werkstätten zum Beispiel einrichten. Dafür, dass sie Essen bekommen und ein warmes Dach über dem Kopf, müssen sie selbstverständlich eine Leistung erbringen", sagt er. Damit koppelt er das im Grundgesetz verankerte Recht auf Asyl für Menschen, die vor Krieg oder politischer Verfolgung flüchten, an eine Arbeitspflicht. [….] Zur Durchsetzung dieser Vorschläge sei laut Aussagen der Teilnehmer Folgendes notwendig: "Es braucht eine gewisse Gewaltbereitschaft im deutschen Volk. (…) Als Staat würde ich Freiwillige suchen, die zur Not auch bereit sind, auf Frauen und Kinder zu schießen." Widerspruch für diese Aussage gab es aus dem Kreis der Teilnehmenden dem Bericht zufolge nicht. [….]

(t-online.de, 06.02.2024)

Deutschland; die Bürger, der Bundestag, die Bundesregierung, die Parteien, haben meines Erachtens die Pflicht, so offenkundig judenfeindliche Vereine sofort zu verbieten.

Stattdessen pflegen insbesondere die C-Parteien einen euphemistischen Umgang mit Antisemitismus.

Besonders ekelhaft agiert dabei die Bayerische Staatsregierung, die einen Hitler-Fan und Antisemiten als stellvertretenden Ministerpräsidenten beinhaltet. Markus Söder ging sein Machterhalt über alles und so fand er nicht die Kraft, sich von einem Faschisten an seiner Seite zu distanzieren. Das ist nicht nur politisch und moralisch erbärmlich, sondern hat auch praktische Konsequenzen für die jüdische Bevölkerung Deutschlands.

[…..] Die Zahl der antisemitischen Straftaten in Bayern ist seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober und dem darauffolgenden Krieg Israels im Gazastreifen stark angestiegen. 40 Prozent der 538 im vergangenen Jahr von der Polizei registrierten Vorfälle sind nach Angaben des bayerischen Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle im vierten Quartal passiert. "Wir erleben eine Explosion von Antisemitismus in Bayern", sagte Spaenle am Dienstag vor dem Europaausschuss des Landtags.

Die Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden in Bayern sei seit Jahrzehnten nicht mehr so angespannt gewesen. Deshalb müsse Judenfeindlichkeit - egal aus welcher politischen Richtung - konsequent verfolgt werden. Spaenle forderte erneut, den Schutz des jüdischen Lebens als Staatsziel in der bayerischen Verfassung zu verankern.  [….]

(Thomas Balbierer, 06.02.2024)

Montag, 5. Februar 2024

What else is new? – Teil III

Scheißt der wilde Bär in den Wald? Ist der Papst katholisch? Hat Walter Mixa junge Männer sexuell belästigt? 

Der erzkonservative Prügelpfarrer Walter Mixa aus dem oberbayerischen  Schrobenhausen empfing 1996 die Bischofsweihe und rückte ohne Weihbischofs-Intermezzo direkt zum Diözesanbischof von Eichstätt auf. Die Fäden dürfte ein weiterer Oberbayer, der seinerzeit zweitmächtigste Katholiban, gezogen haben: Der Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger.

Ein sadistischer heimlich schwuler Halbnazi, der Kinder misshandelt – der Mann war nach Ratzis Geschmack und erinnerte ihn an seinen Bruder, den Schorsch, der 30 Jahre lang bei den Regensburger Domspatzen kleine Jungs grün und blau prügelte, während seine Kollegen in Soutanen, die Kinder vergewaltigten.

Ob der ältere Papstbruder womöglich selbst sexuell übergriffig wurde, ist nicht bekannt.

Vielfach berichtet wurde aber von seiner ausgesprochen sadistischen Ader.

Er geriet in regelrechte Prügelorgien, warf mit Stühlen nach zehnjährigen Schülern. Ratzinger prügelte so von Sinnen auf seine Schüler ein, daß ihm vor Wut das Gebiss rausflog und durchs Klassenzimmer geschleudert wurde.

Auch Chorchef Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI., wurde von ehemaligen Domspatzen als "extrem cholerisch und jähzornig" erlebt. So habe Ratzinger noch Ende der achtziger Jahre bei Chorproben erzürnt Stühle in die Männerstimmen hineingeworfen. Einmal habe sich der Domkapellherr so erregt, dass ihm sogar das Gebiss herausgefallen sei. Der 86-jährige Ratzinger wollte sich dazu nicht äußern.

(DER SPIEGEL 13.03.2010)

Stadtpfarrer Mixa, der perfide Sadist gefiel den Ratzingers sehr.

(….) Bevor der Irre von Augsburg 1996 Bischof wurde, hat er in 21 Jahren als Stadtpfarrer von Schrobenhausen leider nicht nur verschroben agiert.
Vor allem war Mixa ein Sadist, der regelmäßig und brutal die armen Insassen des Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen verprügelte.
Die Rede ist nicht von cholerischen Attacken à la Georg Ratzinger, der abrupt austickte, Stühle auf die Kinder warf und sich dabei so aufregte, daß er sogar sein Gebiss raus schleuderte.
Mixa ging systematisch und kühl vor, er wurde extra zum Bestrafen gerufen, schlug dann aber unerbittlich zu: Faustschläge, Boxhiebe und natürlich Prügel mit Hilfsmitteln wie Teppichklopfern, Kochlöffeln und Stöcken.
Während er die Kleinen grün und blau schlug, pöbelte er auch noch auf sie ein:

"Kind Gottes, nimm diese Strafe", oder: "In dir ist der Satan, den werde ich dir schon austreiben."

Da ist sie wieder die kirchliche Perfidie - das Opfer wird zum Täter umfunktioniert. (….)

(Praktische Moral, 31.03.2010)

Nachdem Ratzi am 19.04.2005, einen Tag vor Hitlers Geburtstag, selbst das Papstamt erkämpft hatte, war Bischof Mixa demonstrativ die erste große Beförderung seines Pontifikats. Er verschob ihn aus der Diözese Eichstädt (6.025 km², acht Dekanate, 274 Pfarreien, 980.000 Einwohner, 390.000 Katholiken) in das ungleich mächtigere Augsburg (13.665 km², 23 Dekanate, 1033 Pfarreien, 2.475.000 Einwohner, 1.183.000 Katholiken). Mixa verstand und errichtete ab Juli 2005 dort ein Schreckensregime.

Der brutale Schläger schmuggelte Devisen, soff, veruntreute Geld, äußerte sich immer wieder antisemitisch und rechtsradikal.

Ganz nach vatikanischem Geschmack war vermutlich auch Mixas klassisch-klerikales Dasein als Klemmschwester. Jemand, der sich öffentlich radikal homophob äußert und hinter verschlossenen Türen Jünglinge belästigte.

(…..) Der Bischof und seine "Lustmolche" (=Kaplane und Priester)
Brisant ist vor allem ein wiedergegebener Dialog aus einem Urlaub des Bischofs, unter anderem mit einem jungen Priester.
Das Gespräch soll so verlaufen sein:

Mixa: 'Bleib hier, ich brauche deine Liebe.'
Priester: 'Ich bin doch nicht schwul.'
Mixa: 'Ich doch auch nicht.'
Priester: 'Und was war gestern Abend?'


Daraufhin habe der Bischof geantwortet, dies sei im Überschwang der Gefühle geschehen.   Er, Mixa, habe es gebeichtet. Den ganzen Urlaub über soll es immer wieder Streit gegeben haben, weil der Mann sich von Mixa bedrängt fühlte.


Einer der beiden jungen Priester hat angegeben, dass Mixa, der damals Stadtpfarrer in Schrobenhausen war, an einem Morgen nach dem Übergriff erst zur Beichte gegangen sei, bevor er die Messe gefeiert habe. Im Zuge der Ermittlungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten sei zudem ans Licht gekommen, dass Mixa Geld an eine Person in Rom gezahlt hatte, die im Rotlichtmilieu verkehrte. Die Akte soll am 27. April an Jean-Claude Périsset, den päpstlichen Botschafter in Berlin, gegangen sein und von dort in den Vatikan. Das Dossier soll zusammen mit den zuvor bekannt gewordenen Vorwürfen, Mixa habe ehemalige Heimkinder geschlagen, den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der Papst Mixas Rücktritt zugestimmt hat.
(TS) (….)

(Aus der vatikanische Akte Mixa, 21.06.2010)

Mixas Protektoren verschwinden allerdings zunehmend aus der Kurie.

Ratzi verrottet in einer Kiste, Kurienerzbischof Gänswein ist arbeitslos und langweilt sich in Freiburg, Glaubenspräfekt Kardinal Müller wurde bereits 2017 entmachtet und 2021 zum „Supremo Tribunale“ abgeschoben.

Ohne das supermächtige bayerische Trio im Vatikan, wird es zunehmend ungemütlich für den mittlerweile 82-Jährigen AfD-Mann.

Nachdem er 2010 aus Augsburg gegangen wurde, fuhr er offenkundig nahtlos damit fort junge Männer zu belästigen.

[….]  Gegen den ehemaligen Bischof von Augsburg und Eichstätt, Walter Mixa, hat die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen in der Schweiz nun ein Strafverfahren eröffnet. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft St. Gallen dem Bayerischen Rundfunk. Ein Strafverfahren in der Schweiz entspricht etwa einem Ermittlungsverfahren in Deutschland. Weitere Angaben zu dem Verfahren will die Staatsanwaltschaft wegen der laufenden Untersuchung nicht machen.

Anlass für das Strafverfahren ist wohl die Anzeige von Josef Henfling, der dem ehemaligen Bischof vorwirft, ihn 2012 sexuell belästigt zu haben. Wie der Anzeigenerstatter in einer eidesstattlichen Versicherung dem BR schreibt, war Mixa im Sommer 2012 für Filmaufzeichnungen in der Schweiz. Henfling arbeitete damals laut eigenen Aussagen für einen katholischen Fernsehsender und nahm, wie alle Mitarbeiter, anschließend auch am gemeinsamen Abendessen mit Mixa teil.

Nach dem Abendessen soll ihn Walter Mixa gebeten haben, bei einer Messfeier in einer Kapelle in Gossau zu ministrieren. Nach der Messe, schreibt Josef Henfling in seiner eidesstattlichen Versicherung, sei Bischof Mixa an ihn herangetreten, "zog mich an sich, umklammerte meinen Kopf mit seinen beiden Händen und küsste mich auf den Mund. Ich war völlig perplex. Ich löste mich aus seiner Umklammerung und verließ die Sakristei umgehend", so Henfling.

Weiter schreibt er: "Danach begab ich mich in mein Zimmer, das sich im selben Gebäude befand. Einige Zeit später ließ mir Bischof Mixa ausrichten, ich möge ihn in seinem Zimmer aufsuchen, das sich ebenfalls im selben Gebäude befand. Dieser Aufforderung kam ich nicht nach." [….]

(BR, 05.02.2024)

Sonntag, 4. Februar 2024

Wo soll das bloß enden?

Krieg war sicher immer grauenvoll, aber es gab Zeiten, als Kämpfe weitab der Zivilbevölkerung auf eigens eingerichteten Schlachtfeldern stattfanden und die Dörfer heil blieben.

Die Männer rasten Schwerter-schwingend auf einer großen Lichtung aufeinander zu, hacken sich gegenseitig die Gliedmaßen ab und gewonnen hatte man, wenn von den anderen keiner mehr übrig war.

Klare Sache, Gegner physisch vernichtet, die Witwen heirateten die Mörder ihrer Männer oder wurden in die Sklaverei verkauft. Die Ordnung war wieder hergestellt. Es gab aber auch Eroberungskriege, bei denen Dschingis Khan, die Inka, Alexander der Große oder die muslimischen Mauren in Spanien, geschickt die bestehende Kultur adaptierten und mit ihrem Wissen deutliche Verbesserungen für das einfache Volk einführten, so daß nach der Eroberung eine Blütezeit mit kultureller Co-Existenz und Multikulti anbrach.

Nicht, daß es schön gewesen wäre, wie Mutter Courage immer dem Gemetzel hinterher zu fahren und dabei Kattrin, ihre stumme Tochter, Eilif, den älteren Sohn und Schweizerkas, den Jüngeren zu verlieren. Aber 1618-1648 gab es auch keine klaren Fronten und keine haushoch überlegenen Eroberer. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Europa am Ende nahezu entvölkert und komplett verwüstet.

 Ab dem Vietnamkrieg wurden Kriege zunehmend asymmetrisch. Der Angreifer verfügte, wie die Amerikaner oder die Sowjetunion, über eine gewaltige Waffen-Übermacht, inklusive Atombomben, wollte aber nicht den gesamten Planeten ausrotten, sondern ein genehmeres Regime oder eine andere Herrschaftsform einführen. Der Plan war nicht, sich Gebiete einzuverleiben und zu bleiben. Die Afghanen, Iraker, Vietnamesen, Syrer, Jemeniten, Somalier hätten sich ergeben, den Eroberern danken sollen und eine freundliche Satellitenregierung bilden müssen, die Ruhe bewahrt und die Angreifer freundlicherweise mit billigen Rohstoffen beliefert, um die Kosten für den Militärschlag wieder reinzuholen. Diese dachten aber gar nicht daran.

Verblüffender weise versuchen militärische Supermächte sich immer wieder an dieser naiven Strategie, obwohl sie noch nie funktionierte.

Netanyahu erlebt es in Gaza, Putin in der Ukraine und Biden womöglich bei den Huthis.

Die Logik des Krieges scheint meistens darauf hinauszulaufen, daß man den Schwächeren, Ärmeren zwar von außen enorm wehtun kann, ohne daß man selbst um sein Leben fürchten muss.

Aber umgekehrt führt der Angegriffene dann Krieg in seinen eigenen Städten, hat nichts mehr zu verlieren und wehrt sich entsprechend garstig. Sie verstecken sich im Dschungel, im Gebirge, in Tunneln, oder zwischen Zivilisten, unter Krankenhäusern. Dagegen taugen im 21. Jahrhundert keine Mini-Nukes oder MOABs, weil damit „Kollateralschäden“ so gewaltig wären, daß im Internetzeitalter automatisch der PR-Krieg verloren ginge.

Es bleibt nur übrig, mit einer enormen zahlenmäßigen Übermacht von Soldaten selbst reinzugehen, aber das erhöht, erstens, die eigenen Verluste exponentiell und führt, zweitens, im Erfolgsfall unweigerlich zum Guerillakampf und noch schlimmer; Selbstmordterror. Dagegen ist gar kein Kraut mehr gewachsen.

Es braucht natürlich eine lange Zeit, bis der Angreifer sich eingesteht einen riesigen Fehler gemacht zu haben, in eine Falle gelaufen zu sein oder schlicht und ergreifend zu schwach zu sein, um sein Ziel zu erreichen. Das erfordert manchmal erst einen Regierungswechsel. Außerdem werden nicht alle Kriege aus purer Bosheit und Verblendung begonnen. Es gibt, wie im Falle Israels nach dem 07.10.2023, durchaus nachvollziehbare Gründe für eine große Militäroperation, was sich schon allein daran zeigt, daß so viele westliche Demokratien das Vorgehen unterstützen.

Dennoch ist ein Punkt erreicht, an dem es nur noch darum geht, wie man aus der Sache bloß wieder rauskommt. Möglichst, ohne dem eigenen Volk einzugestehen, daß alle Verluste völlig umsonst waren.

Im Falle Bibi kommt erschwerend hinzu, daß er ohne Ausnahmezustand und Kriegsrecht, irgendwann wieder Wahlen abhalten lassen muss, weil Israel eine echte Demokratie ist.

Bibi war aber schon vor dem Krieg unbeliebt. Inzwischen ist er bei einem Großteil der Wähler so verhasst, daß er nicht wiedergewählt würde. In seinem Fall hieße das aber (weil er nicht nur Premier, sondern auch hochkriminell ist), anschließend im Gefängnis zu verrotten.

[….] In Israel haben erneut Tausende Menschen für die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen demonstriert. Laut einem Medienbericht ist das Militär selbst für ein Waffenruhe. Netanyahus Position wird dadurch weiter geschwächt.

Die Wut der Demonstranten auf Premierminister Benjamin Netanyahu wird größer und deutlicher: "Du bist verantwortlich für den 7. Oktober", ruft der Vater eines Opfers in Jerusalem vor Netanyahus Residenz. "Und jetzt versuchst du, anderen die Schuld zu geben. Schäm Dich!"

In Tel Aviv gehen drei ehemalige Armeesprecher vor Tausenden Menschen auf die Bühne. Einer ist Avi Benayahu. Er hält dem Regierungschef vor, er stelle sein eigenes politisches Überleben über das Leben der Geiseln. "Der Premierminister wird sich bald zwischen seiner radikalen Koalition und seiner Verantwortung für die Bürger Israels entscheiden müssen", sagt er. "Die Geiseln sind nicht der Preis, der für den Krieg gezahlt werden muss. Die Geiseln zahlen den Preis für eine Politik, die versagt hat. Und wenn es jetzt keinen Deal gibt, werden sie sterben."  […..]

(Tagesschau, 04.02.2024)

Für den Israelischen Kriegsherren sind das nur extrem unangenehme Optionen.

Wie weiter Krieg führen, wenn nicht nur kein Erfolg in Sicht ist, sondern sogar die eigenen Militärs für ein Ende der Kämpfe plädieren?

Zudem befindet sich die globale Solidarität im freien Fall, nachdem Israel nun schon seit drei Monaten täglich 250 Palästinenser tötet.

[….] Israel’s military is killing Palestinians at an average rate of 250 people a day which exceeds the daily death toll of any other major conflict of recent years, Oxfam said today, as the escalation of hostilities nears its 100th day.

In addition, over 1,200 people were killed in the horrific attacks by Hamas and other armed groups in Israel on 7 October and 330 Palestinians have been killed in the West Bank since then. Sally Abi Khalil, Oxfam’s Middle East Director, said: “The scale and atrocities that Israel is visiting upon Gaza are truly shocking. For 100 days the people of Gaza have endured a living hell. Nowhere is safe and the entire population is at risk of famine. “It is unimaginable that the international community is watching the deadliest rate of conflict of the 21st century unfold, while continuously blocking calls for a ceasefire.”

15 January 2024 CLARIFICATION:  Using publicly available data, Oxfam calculated that the number of average deaths per day for Gaza is higher than any recent major armed conflict including Syria (96.5 deaths per day), Sudan (51.6), Iraq (50.8), Ukraine (43.9) Afghanistan (23.8) and Yemen (15.8).

The aid agency is warning that people are being increasingly forced into smaller areas due to constant bombardment, as they are forced to flee from places they have previously been told are safe, but nowhere in Gaza is truly secure. Over one million people - more than half the population – have been forced to seek shelter in Rafah on the Egyptian border. Oxfam staff in Rafah report massive overcrowding, with very little food and water, and essential medicines having run out. This crisis is further compounded by Israel's restrictions on the entry of aid, closing borders, imposing a siege, and denying unfettered access. Currently, only 10 percent of the weekly food aid needed is getting in. [….]

(Oxfam, 11.01.2024)

Nachdem die Hamas am 07.10.2023 über 1.200 friedliche Israelische Zivilisten ermordete, tötete Israels Militär 27.000 Palästinenser. Mehr als die zwanzigfache Zahl. Es ist aber weder ein Plan bekannt, was aus Gaza nach dem Krieg werden soll, noch ist die Hamas zerschlagen.

Für jeden toten Israeli mehr als 20 tote Palästinenser. Die meisten davon Frauen und Kinder. Wie lange soll das so weitergehen? Bis zu einem 1:40-Verhältnis?
1:100?

Samstag, 3. Februar 2024

Gelb gegen Wand

Es fällt mir schon schwer, mich in das Christian-Lindner-Mindset reinzudenken. Dieses völlig grundlose Selbstbewußtsein. Diese kontrafaktische Überzeugung von der eigenen Kompetenz. Dieser fahrlässige ökonomische Gottkomplex. Die aberwitzige Idee, ohne jede Erfahrung in einem Regierungsamt, ohne jemals auch nur Landrat oder kommunaler Kämmerer gewesen zu sein, Finanzminister der fünftgrößten Ökonomie der Welt sein zu können. Diese ungeheuerliche Anmaßung, sich als Unternehmensexperte zu begreifen, wenn die eigene Erfahrung des diametrale Gegenteil lehrt: Zwei Lindnerische Unternehmensgründungen, die er mit sicherem Griff ins Klo binnen kürzester Zeit in den finanziellen Orkus steuerte und Millionenschulden dem Steuerzahler aufbürdete. Dieser offenkundige Wahnsinn, sich vor einem Mob aus wütenden Bauern, als einer der ihren zu inszenieren, weil seine Frau einmal auf einem Pferd ritt. 

Normal ist das sicher nicht. Lindner, der schon mit 18 und Kuhkrawatte loszog, um Firmeninhaber zu beraten, fühlt sich ganz offenkundig zum Chef geboren. Der Psychologe Jürgen Hesse erläutert:

[….] SPIEGEL: Herr Hesse, für Sie sind Chefs Narzissten. Egomanen. Tyrannische Sadisten. Abgedrehte Neurotiker. Rechthaberische Dauernörgler, kommunikationsgestörte Despoten, notorische Miesepeter mit Kontrollzwang und Verfolgungswahn. Sind wir wirklich von Irren umgeben?

Hesse: Salopp gesagt: Mindestens die Hälfte ist leicht irre, es gibt aber auch schwere Fälle. Ein großer Teil der mit Personalverantwortung betrauten Menschen ist dafür schlicht nicht geeignet. Rund 44 Prozent der Arbeitnehmenden haben Angst, Probleme mit dem Chef oder der Chefin zu besprechen. Schon das spricht Bände.

SPIEGEL: Ist das ein strukturelles, ein moralisches oder gar ein medizinisches Problem?

Hesse: Alles drei. In den ganz schlimmen Fällen, wenn es ins Psychisch-Pathologische geht, auch medizinisch. Aber vor allem ist es ein gesellschaftliches Problem, dass Leute, die Macht über andere bekommen, glauben: Das sind jetzt meine Untergebenen, also haben die zu parieren. [….]

(SPON, 06.07.2022)

Dieser finanziell und ökonomisch stets nur gescheiterte Porsche-Boy, beharrt als Finanzminister auch noch auf einer, in jedem Land, zu jeder Zeit, gescheiterten Finanzpolitik der Wachstumsbremse.

(…..) In ihrem Wahn, Deutschland (und damit auch Rot/Grün) schwer zu schaden, trommeln CDU, CSU und FDP wie besessen für eine deutsche Wachstumsbremse.

Merz ist dabei nur dumm und unpatriotisch, verfolgt aber das parteipolitisch erklärbare Ziel, mit einem möglichst starken ökonomischen Niedergang Deutschlands, den Kanzler so unbeliebt zu machen, daß seine CDU möglichst bald wieder selbst den Kanzler stellt.

Möglicherweise ist der ausländerfeindliche AfD-Fan damit tatsächlich erfolgreich und kann sich zum nächsten Regierungschef aufschwingen. Aber es wäre ein sehr kurzfristiger Sieg, da sich durch jetzt blockierte Lösung, Probleme in der Zukunft nur vergrößern.

Lindner ist wie sein fliegender Hochzeitsfreund ebenfalls dumm und unpatriotisch; dazu aber auch noch parteitaktisch verwirrt. Der private und politische Mega-Pleitier Lindner vergisst nämlich bei seiner Fundamentaloppositionsarbeit, daß er Teil der Regierung ist und bei einer Implosion der Ampel kaum als strahlender Sieger daraus hervorgehen wird, sondern eher in der Apo landet, während Merz eine Kanzler-Kooperation mit Weidel eingeht. Lindners einzige Machtoption ist es, zum Gelingen der Ampel und zur erfolgreichen Reform Deutschlands beizutragen. Unglücklicherweise ist er zu borniert und zu arrogant, um das zu begreifen; blockiert lieber beides.

[….]  Immer heißt es, der Staat dürfe künftigen Generationen keinen Berg an offenen Krediten hinterlassen. Doch, darf er. Besser jedenfalls als kaputte Brücken, marode Schulen und lahmes Internet.

Disziplin gilt als Tugend, schon klar. Wer sich selbst und andere mäßigt, zur Ordnung ruft, bisweilen gar kasteit, der gilt als beherrscht, vernünftig, sparsam. So einem Menschen kann man sein Geld anvertrauen. Oder gar einen ganzen Bundeshaushalt.

Christian Lindner eifert dieser Tugend nach wie kein Zweiter. Eine restriktive Haushaltsplanung geht für ihn über alles, die Schuldenbremse scheint ein Wert an sich zu sein. Sie wieder und wieder auszusetzen, empfände er nach eigenen Worten als "finanzpolitische Kapitulation". Für 2024 erneut eine Notlage auszurufen, zum dann schon fünften Mal in Folge, kommt für ihn nicht infrage. Er will die Schuldenbremse endlich wieder einhalten. Doch das wäre ein großer Fehler.

In diesem Fall würde wirklich eine Kapitulation drohen, und zwar eine wirtschaftspolitische. Die deutsche Wirtschaft läuft Gefahr zu schrumpfen, auch als Folge von zwei Kriegen, die Energiekosten sind und bleiben hoch, die Klimakrise zwingt die Regierung zum überfälligen Umbau des Landes hin zu Klimaneutralität. Da spart man nicht. Man investiert.

Deutschland kann sich das leisten: Die Schuldenquote des Staates betrug im vergangenen Jahr 66,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; geringer war sie in keinem Land der G7. […..]

(Vivien Timmler, SZ, 29.11.2023)

Möglicherweise versteht Lindner wirklich rein gar nichts von Volkswirtschaft und hält sich wegen seiner ideologischen Erstarrung an gescheiterten Konzepten der 1990er fest. Möglicherweise führt er aber auch Deutschland sehenden Auges ins Verderben, weil er weiß wie populär die Schuldenbremse beim verblödeten Urnenpöbel ist. (….)

(Mehr Schulden, 29.11.2023)

Das Ende der „Schuldenbremse“ wird von Rot, Grün und Links schon lange gefordert. Die ihm innewohnende Destruktivität und parteipolitische Brille, lässt Lindner wie einen wütenden Stier auf so ein Ansinnen losrennen. Was Kühnert oder Mützenich oder Habeck vertreten, hält der Finanzminister prinzipiell für falsch; ganz egal worum es sich konkret handelt.

Da Lindner sich schon mit 18 Jahren in ein Paralleluniversum mit Lindnerischen Alternativ-Fakten verabschiedete, ignoriert er finanzpolitische Stellungnahmen von Menschen, die im Gegensatz zu ihm Experten sind.

[….] Zweifel an der Schuldenbremse wachsen

Verteidigung, Klimaschutz, Infrastruktur: Politik und Experten sehen großen Investitionsbedarf in Deutschland. Doch nicht nur das Urteil des Bundesverfassungsgerichts weckt Zweifel, ob das mit der Schuldenbremse geht. Die Kritik an der Regelung nimmt zu. [….] Als „zukunftsfeindlich“ bezeichnete der Ökonom Peter Bofinger von der Universität Würzburg die Schuldenbremse. Man könne sehen, wie die Bremse „in unsere Zukunftsgestaltung einschneidet“. Als Beispiele nannte Bofinger notwendige Investitionen in Bahnmodernisierung, Gebäudesanierung und Halbleiterfabriken. Die Ausnahmeregel von der Schuldenbremse könne man wohl nur bei konkreten Krisen ziehen, nicht bei längerfristigen Entwicklungen wie dem Klimawandel.

Jens Südekum, Ökonomie-Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sagte: Durch das Urteil aus Karlsruhe sei die „Schuldenbremse maximal scharf gestellt“. Es werde jetzt die Frage sein, „ob sie der Realität überhaupt standhält“.

Der Forscher stellte die Frage, ob diese Schuldenbremse „einfach nicht mehr in diese Zeit passt, wo wir diese riesigen Herausforderungen vor uns haben, gerade im investiven Bereich“. Deutschland sei zudem „nie exzessiv verschuldet“ gewesen, sagte Südekum. Die Schuldenquote sei im internationalen Vergleich „sehr niedrig“. Die Verschuldung in den USA, Großbritannien und anderen Staaten sei wesentlich höher.  [….]

(Deutschlandfunk, 02.02.2024)

Es ist doch offensichtlich; Deutschland hat einen vergleichsweise niedrigen Schuldenstand und schrumpft als einzige der großen Volkswirtschaften, weil die Investitionen ausbleiben.

Lindner ist das größte Risiko für den Standort Deutschlands.

[….] Lindner macht Haushaltspolitik gegen alle Lehrbücher

[….] Es wird wieder einmal einsam um Christian Lindner, jetzt, da auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sich für eine Lockerung der Schuldenbremse ausgesprochen hat. Die Kehrtwende der sogenannten Wirtschaftsweisen ist durchaus bemerkenswert, denn das Professorengremium hatte lange zu den emsigsten Verteidigern der im Grundgesetz verankerten Kreditobergrenze gehört. Dass man nun einer Reform das Wort redet, war nicht unbedingt zu erwarten. Der Druck auf den Bundesfinanzminister, aber auch auf die Union, ihre Nibelungentreue zu einer allgemein als unzulänglich erachteten Regel aufzugeben, wächst damit weiter. [….] Die geltende Regel ist angesichts der massiven Herausforderungen zu starr, zu dogmatisch, zu kleinkariert. Allein der klimagerechte Umbau des Landes bis 2045 wird einen Billionenbetrag kosten. Zugleich müssen Schulen saniert, die Forschung ausgebaut, Glasfaserkabel bis in die hintersten Winkel der Republik verlegt sowie das Mobilfunk- und das Schienennetz, Straßen und Brücken, Streitkräfte und Waffenarsenal technologisch auf Stand gebracht werden. Andernfalls riskiert Deutschland seinen Wohlstand und seine Sicherheit. [….] Wer die Schuldenbremse lockern will, muss in dieser Frage unverdächtig sein. Mützenich und seine Getreuen darf Lindner deshalb getrost ignorieren. Den Sachverständigenrat aber nicht.  [….]

(Claus Hulverscheidt, 31.01.2024)

Freitag, 2. Februar 2024

Ampel versus Rüben-RAF

Für meinen Geschmack war es schwer erträglich, wie servil Politiker aller Parteien auf das Geschrei einiger hundert hochsubventionierter Trecker-Besitzer reagierten, obschon diese mit Rechtsradikalen marschierten und beispielsweise mit ihrem physischen Überfall auf den Vizekanzler bei Schlüttsiel ihre undemokratische Gesinnung offenbarten.

Die Gülle-Gauner agieren unverantwortlich, egoistisch und gefährlich.

[…..] Mit Baumstämmen und Misthaufen: Erneut versammelten sich protestierende Bauern und blockierten stundenlang eine Autobahn bei Braunschweig in Niedersachsen. Die Polizei verurteilte die Aktion aufs Schärfste.

Nach Angaben der Polizei waren etwa 60 Demonstranten mit 40 Traktoren und anderen Fahrzeugen an der unangemeldeten Aktion auf der A2 beteiligt. Die Beamten sprachen von einer ihnen bislang unbekannten „neuen Art des Protests“.

Die Landwirte kippten laut Polizei am Freitagmorgen gegen 5.30 Uhr außer Baumstämmen sowie größeren Mistmengen auch Autoreifen auf die Autobahn, die daraufhin in Richtung Hannover gesperrt werden musste. Es bildete sich ein kilometerlanger Rückstau. Nach dreieinhalb Stunden verließen die Bauern, deren Verhalten von den Beamten als „unkooperativ“ beschrieben wurde, die Blockade zwar. Sie ließen die abgeladenen Gegenstände aber zurück. Wie die Polizei mitteilte, blieb die Autobahn daher „aufgrund notwendiger Reinigungsarbeiten“ zunächst weiter gesperrt. […..] Die Polizei kritisierte die Aktion scharf. „Mit der Blockade der A2 wurde eine Grenze überschritten“, erklärte der Leiter der Abteilung Einsatz der Polizeiinspektion Braunschweig, Jörn Paulsen. Es handele sich um Straftaten, die andere Menschen gefährdeten. Die Polizei verwies auf die Gefahr lebensgefährlicher Unfälle in Folge der Autobahn-Blockade. […..]

(dpa, 02.02.2024)

Man stelle sich vor, die LG oder FFF würden sich auch nur ansatzweise so rabiat und asozial benehmen. Aber die enorm mächtigen und finanzstarken Agrar-Lobbyisten wissen insbesondere FWCDUCSUAFDP auf ihrer Seite.

Merzens kleiner Homunculus, der rechtsbraune CDU-Wadenbeißer Linnemann, schoss den Vogel der Bigotterie ab.

[….] In der ARD-Sendung „Hart aber fair“ mit Moderator Louis Klamroth am Montagabend fällt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ein Antrag seiner Fraktion im Deutschen Bundestag aus dem vergangenen Jahr auf die Füße.

Die Unionsfraktion hatte damals gefordert, Straßenblockaden etwa von Klimaaktivisten härter zu bestrafen. Aus dem Antrag zitiert Klamroth bei „Hart aber fair“: „Täter sollen härter bestraft werden, die eine große Zahl von Menschen durch ihre Blockaden nötigen. Etwa dann, wenn es durch die Blockaden im Berufsverkehr zu langen Staus kommt.“

Bei Linnemann hakt Klamroth nun nach: „Verstehe ich das richtig? Sie wollen, dass Landwirte härter bestraft werden, wenn sie unangemeldet Häfen blockieren wie heute in Hamburg?“

Bevor er seine Antwort gibt, verengen sich Linnemanns Augen fast zu einem Schlitz, er beugt sich nach vorne und verdeutlicht zu dem Antrag von damals: „Da ging es um die Klimakleber.“ Gelächter im Publikum.   […..]

(NOZ, 30.01.2024)

Die Hamburger Polizei leitete 13 Ermittlungsverfahren gegen „renitente“ Blockade-Bauern ein.

Während die CDU weiter felsenfest an der Seite ihres Parteimitgliedes Joachim Rukwied steht, scheint sich in der Presse der Wind ein bißchen zu drehen. Endlich.

[…..] Wertschätzung fordern sie, die es zulassen, dass in ihren Reihen in verachtenswerter Weise Galgen aufgestellt werden – wahlweise mit Ampeln oder Strohpuppen dran. Und kann jemand wirklich Wertschätzung erwarten, der seit Wochen mit riesigen Maschinen (angetrieben durch subventionierten Agrardiesel) die Städte verstopft und mit Maximalforderungen versucht, die Regierung zu erpressen? Bauernpräsident Joachim Rukwied, dem es offensichtlich um eine persönliche Machtprobe geht, droht unverhohlen: „Wenn sich nichts verändert, dann kommt es möglicherweise zur Eruption.“

[…..] Wo ist die Verhältnismäßigkeit, auf Straßen festgeklebte Klima-Protestler in die Nähe von Terroristen zu rücken und den Trecker-Rambos ihre Machtspielchen durchgehen zu lassen? Richtig, wenn die Sympathie für die maßlosen Bauern-Proteste jetzt sinkt. […..]

 (Frank Wieding, 29.01.2024)

Die Demos gegen Rechts bringen die tausendfache Anzahl Menschen auf die Straße. Ihre Forderungen werden aber von Regierung und Opposition gleichermaßen ignoriert. Es geschieht das Gegenteil dessen, was die Millionen fordern: SPD, Grüne, FDP, CDU, CSU, BSW und FW eifern der AfD nach, verschärfen ihren Kurs gegen Menschen immer mehr.

Sind aber nur ein Promille der Menschen in Treckern unterwegs, unterbieten sich die Konservativen, um in jeden analen Ausgang zu kriechen, der nach Gülle riecht.

Da ist es immerhin ein kleines Zeichen der Hoffnung, daß sich die Ampelaner nicht auf ganzer Linie erpressen ließen und die moderaten Kürzungen der Agrardiesel-Subventionen nicht aufgaben. Die Lobby-hörigen Gummirücken der CDU-Landesfürsten hingegen, trauten sich heute nicht, dem rechtsradikalen Treckermob zu widerstehen.

[….]  Der Bundestag hat den Haushalt für das laufende Jahr beschlossen. […..] SPD, Grüne und FDP verständigten sich auf ein Sparprogramm, das unter anderem eine höhere Ticketsteuer für Passagierflüge und die  beinhaltet. Wie es genau mit den Agrardiesel-Subventionen weitergeht, blieb heute allerdings noch offen. Die Unionsländer haben völlig überraschend nicht zugestimmt, dass über das Gesetz zum Streichen der Agrardiesel-Subventionen heute im Bundesrat abgestimmt wird. Dies wäre nämlich nur gegangen, wenn das parlamentarische Verfahren verkürzt würde und dem wiederum müssten die Länder zustimmen. Für den allgemeinen Haushalt haben die Unionsländer das gemacht, aber eben nicht für das Haushaltsfinanzierungsgesetz und darin geht es unter anderem um die Agrardiesel-Zuschüsse. […..]

(NDR, 02.02.2024)

Und genau deswegen, lieber Urnenpöbel, darf man nicht auf Neuwahlen hoffen oder CDUCSUFWAfD unterstützen, sondern muss weiter der Ampel die Daumen drücken.

Donnerstag, 1. Februar 2024

Woelki – jetzt noch doofer.

Das mit dem Atheismus ist so überzeugend, daß ich nicht verstehe, wie irgendjemand kein Atheist sein kann. Die Definition eines Gottes als gütiges und gleichzeitig allmächtiges Wesen ist in sich paradox.

Die Existenz Auschwitz‘ hat die Nichtexistenz Gottes bewiesen.

So wenig man positiv Gott beweisen kann, so einfach ist es herzuleiten, daß ein Gott nicht existieren kann. Die Logik gebietet es.

Da aber für religiöse Überzeugungen allgemeine Verblödung oder eine Inselverarmung notwendig ist, schlucken die Gläubigen bereitwillig auch jede andere hanebüchene Paradoxie.

So tötet Gott nach christlichem Glauben alle erstgeborene ägyptischen Kinder -  "Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin." (Ex 14,18)

Seine Gläubigen jubeln begeistert über diesen Genozid. Später tanzen sie vor Freude, als der Himmelsfürst alle Soldaten massakriert. Gott ist schließlich Liebe.

So steht es in der Bibel.

[…..] Der Siegesjubel über das Ende des Todes wird erklingen. In der Freude der Osternacht scheint es verständlich, dass in fast jeder vierten katholischen Gemeinde die eigentlich verpflichtende alttestamentliche Lesung über das sogenannte Schilfmeerwunder lieber ausgelassen wird, obwohl die Teilung des Meeres eine der bekanntesten biblischen Texte ist. In ihm wird Gott als Krieger glorifiziert. Die Ägypter sind seine Opfer, die am Ende tot am Ufer liegen, und Mose singt mit den Israeliten ein Loblied über diese Gewaltszenerie. Um sein Volk zu retten, wird Gott zur gewalttätigen Todesmacht gegen Ägypten.   […..]

(Katholisch.de, 31.03.2018)

Und das war fast nichts. Zuvor hatte Gott schon während der Sintflut fast seine gesamte Schöpfung ertränkt.

Christen bestreiten diese zutiefst mordlustige und sadistische Seite Gottes gar nicht. Er hätte nun mal strafen müssen, weil die Menschen böse/Sünder/ungläubig waren.

Dieses „Böse“ schuf er allerdings nicht selbst. Dafür ist allein Satan verantwortlich, der allerdings auch eine Schöpfung Gottes ist.

I am not impressed. Statt die gesamte Erden-Fauna auszurotten, wäre es doch gütiger, einfach Satan zu töten.

Wenn Gott Satan nicht töten kann, ist er nicht allmächtig und damit kein Gott.

Wenn Gott Satan töten kann, es aber nicht tut, ist er nicht gütig und somit kein Gott.

Die ganze Theorie stinkt.

Besonders abstrus sind die unendlich vielen KI- und Bot-generierten christlichen Erbauungsseiten in der Social-Media-Welt, die dem Heer der Werbekunden verkünden, Jesus achte auf sie, lenke sie, sei ihr Freund, stehe ihnen bei, helfe immer und liebe sie.

 

Dabei ist die Evidenz in diesem Fall überwältigend: Jesus hilft eben NICHT, wie die 20.000 jeden Tag verhungernden Kinder, die 100.000en elend krepierten Zivilisten im Jemen, das Grauen in Gaza, die Myriaden zerfetzten Ukrainer und Russen beweisen. Mal ganz abgesehen von den Hunderttausenden Kindern, die von Jesu Hirten vergewaltig, gequält, gefoltert und verprügelt wurden.

Und wieso sollte Jesus überhaupt bei der unendlichen Zahl Galaxien mit jeweils unendlich viel Sonnen, um die unendlich viele Planeten kreisen, ausgerechnet zu dieser Zeit auf unseren winzigen lächerlichen Planeten sehen, um zu kontrollieren, ob jemand genug betet, um von Mukoviszidose geheilt zu werden oder zu viel masturbiert, um in den Himmel zu kommen?


"Welch Größenwahn ist es zu denken, ein Gott den hundert Millionen Galaxien beschäftigen, würde auch nur im geringsten interessieren, mit wem Sie schlafen oder ob Sie überhaupt an ihn glauben."

Richard Dawkins

Reiner-Maria Woelki, einer der wichtigsten Förderer des Atheismus in Deutschland, bringt die Abstrusität des Christentums in der Karnevalshochburg Köln wieder einmal besonders prägnant zum Ausdruck.

[…..] „Evangelisierung – Das Geheimnis eines Lebens mit Gott“ war der Vortrag überschrieben, den Rainer Maria Kardinal Woelki vergangenen Dienstag beim „Treffpunkt in Maurinus“ in Leverkusen-Lützenkirchen gehalten hat. […..] In seinem Vortrag ermunterte er die Zuhörenden, als „missionarische Jüngerinnen und Jünger“ zu leben und nannte die Selbst-Evangelisierung als Voraussetzung dafür: „Vertrautheit mit Gott finden, in der Vertrautheit mit Gott bleiben, in der Vertrautheit mit Gott wachsen.“ Es gelte, sich Zeit für Gott zu nehmen und die Beziehung mit ihm pflegen – zum Beispiel im Gebet oder in der Beschäftigung mit der Heiligen Schrift. Die Bibel sei voll von Geschichten, die deutlich machten, „ wie Gott immer wieder neu auf den Menschen zugeht, wie er ihm nachgeht, wie er ihm Brücken baut, wie er ihn in seine Arme schließt, ihn heilt, ihn erneuert und wie er im letzten darum wirbt, dass jeder Mensch das wahre Glück findet“, erklärte der Erzbischof.

Woelki […..]  berichtete von einer Reise nach Amerika Anfang des Jahres, bei der er an einem Kongress der Focus Missionare habe teilnehmen dürfen, und unterstrich die Bedeutung der Freundschaft und der persönlichen Begegnung für die Weitergabe des Glaubens.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, zitierte der Erzbischof den heiligen Augustinus. In der gegenwärtigen geistesgeschichtlichen Umbruchsituation sei dies ein Weg, der helfen könne, Menschen zu Christus zu führen. „Dazu gibt es die Kirche“, so Woelki. „Das ist unsere Berufung und unsere Sendung, damit Menschen Glück, Sinn und Halt in ihrem Leben finden – in Gott, der das Glück schlechthin ist.“ […..] (Erzbistum Köln, 01.02.2024)

Der Kinderfic**rförderer mit dem Quasimodo-Gesicht, der im Alleingang Zehntausende Kölner zum Kirchenaustritt treibt, lässt niederschreiben, wie sehr sich die Gläubigen freuten, ihn zu treffen, so daß es zu spontanen Selbst-Evangelisierungen käme.

Da Woelki seine kürzliche US-Reise erwähnt, erinnere ich an den 68-Jährigen Michael Mohn, der vorgestern in Levittown, Pennsylvania „Gott, der das Glück schlechthin ist“ erlebte, als ihn sein religiöser Sohn Justin live auf YouTube köpfte und den Kopf lustig der Welt zeigte.

<3 Gott <3

[…..] 'But I was betrayed by the FBI, the federal courts, and my own family, because there are people who believe I am the messiah. This belief that I am the messiah is why you have never heard this story on the news, because it would spread that belief.

'I'm not saying I am the messiah, as I would never compare myself to Jesus Christ. I'm just saying, that's why I was betrayed.'

And he ended by quoting the Bible at length, saying he had 'a sacred task.'  […..]

(Will Potter, 31.01.2024)



Mittwoch, 31. Januar 2024

Er begreift es einfach nicht.

Faschistenfreund Friedrich kann nicht anders, oder schlimmer, will nicht anders, als sich als oberster Werber für die AfD zu betätigen.

Auch nachdem, konservativ geschätzt, in den letzten zwei Wochen 2,2 Millionen Menschen gegen rechts demonstrierten, wirft sich Merz in der Bundestagsgeneraldebatte, der Stunde des Oppositionsführers, den Nazis an den  Hals.

Der CDU-Partei- und Fraktionschef adelt die AfDioten. Sie hätten legitime Anliegen und liefen verständlicherweise den demokratieverachtenden Rassisten nach.

[….] Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) hat in der Generaldebatte heftige Kritik an der Politik der Ampelregierung geäußert. Er machte die Koalition aus SPD, Grünen und FDP mitverantwortlich für das Erstarken der AfD. "Die Wählerinnen und Wähler sind nicht alle rechtsradikal. Aber sie sind alle ziemlich frustriert", sagte der Oppositionsführer. "Wir sollten weniger Zeit mit Abscheu und Empörung verbringen", sagte Merz. Vielmehr müsse nach den tieferen Gründen gesucht werden. "Die Lösung des Problems liegt darin, dass Sie die Probleme unseres Landes lösen", sagte Merz in Richtung Ampelregierung. "Aber von einer Lösung der Probleme in Deutschland sind Sie zu Beginn des Jahres 2024 noch weiter entfernt als zu Ende des Jahres 2023." Die Regierung bekomme "die Flüchtlingskrise nicht in den Griff", bemängelte Merz.   [….]

(Zeit online, 31.01.2024)

Merz voller Verständnis: Die Leute wären frustriert und müssten quasi Nazis wählen.

Um die Wähler in Weidels Arme zu treiben, lügt Merz immer wieder ungeniert.

Während man diese Lügen widerlegt, wird eine simple Sache vergessen: Es gibt ohnehin keine Rechtfertigung dafür, Nazis zu wählen! Punkt. Selbst wenn alles wahr wäre, das der Sauerländer Präfaschist über die Ampel behauptet, wäre das keine Entschuldigung für auch nur eine einzige Wählerstimme and die völkischen Menschenhasser.

Die CDU muss endlich damit aufhören, dem Volk und den AfD-Wählern einzureden, es gäbe plausible Gründe dafür, Höcke und Chrupalla an die Macht zu bringen.

Nein, die gibt es nicht. Nazis sind unser aller Untergang.

Aber dieser Minimalkonsens ist offenbar zu viel für die CDU-Führung. Stattdessen gießt sie aktiv Benzin ins braune Feuer.

In der heutigen Bundestagsdebatte blamierte sich der konservative Oppositionsführer über alle Maßen und wurde von Scholz glücklicherweise entsprechend deutlich zurechtgewiesen.

Der Bundeskanzler hat offenbar einen Lauf; gestern begeisterte er im Potsdamer Nikolaisaal bei einer Podiumsdiskussion mit Julie Zeh zum Thema "In Zeiten des Umbruchs."

[…..] Selten war Olaf Scholz so gut, so verständlich, so - tatsächlich - komisch, wie an diesem Abend in Potsdam, kurz nachdem Zeh dem Kanzler gegenüber ihrer Dankbarkeit Ausdruck verlieh, "dass es Leute gibt, die diesen beschissenen Job überhaupt machen". Dass Scholz die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt regieren kann, ja gut. Aber wer hätte gedacht, dass einen Olaf Scholz mal zum Lachen bringen würde? Zweimal sogar. Schallend.

Einmal, als Zeh neben einer "Politikverdrossenheit" aufseiten der Bürger auch eine "Bürgerverdrossenheit" aufseiten der Politik diagnostizierte, die sich in der Vorstellung äußere, man müsse sich um "Bürger" kümmern, sie "abholen", wie "verlorene Kinder, die irgendwie von der Kita nicht alleine nach Hause finden". Scholz' Versuch sich von diesem Habitus freizusprechen, konterte Zeh: "Sie sagen so was wie 'Doppelwumms', das ist doch von Ihnen." Darauf Scholz sehr vergnügt: "Das ist von mir und da bin ich auch stolz drauf." Aber "Doppelwumms" sei doch auch "Kita-Sprech", sagt Zeh. Darauf Scholz in überraschender Sprechgeschwindigkeit und nur von Publikumslachen unterbrochen: "Ich glaube nicht, dass ich Deutschland einen Gefallen getan hätte, wenn ich gesagt hätte: Hier haben wir ein sorgfältig ausgearbeitetes Programm zum Umgang mit den aktuellen Problematiken der Finanzierung unseres Gemeinwesens ..." [……]

(Nele Pollatschek, 31.01.2024)

Während sich heute auch die Ampel-Abgeordneten des Bundestages über ihren Kanzler freuten, robbte sein CDU-Widerpart ohne Not erneut an Weidel heran und übernahm die AfD-Lügen zur Wahlrechtsreform, die bei diesem XXXL-Bundestag lange überfällig ist, schon in der Merkel-GroKo beackert, aber stets an der C-Blockade scheiterte.

[….] Wegen einer geplanten Änderung des Bundeswahlgesetzes hat Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) die Ampelkoalition beschuldigt, das Wahlrecht manipulieren zu wollen. Das wollen Politikerinnen und Politiker von SPD und FDP nicht auf sich sitzen lassen – und werfen Merz Demagogie und AfD-Sprache vor. In dem Streit geht es darum, dass nach den Ampelplänen Sachsen-Anhalt mit sinkendem Bevölkerungsanteil einen Wahlkreis verlieren soll – zugunsten eines zusätzlichen Wahlkreises in Bayern. […..] Merz hatte gesagt, mit dem betroffenen Bundesland sei die Änderung nicht abgesprochen. Mit der Änderung werde »wieder einmal das Wahlrecht manipuliert und wieder einmal der Demokratie unseres Landes schwerer Schaden zugefügt« [….]

(SPON, 31.01.2024)

Merz kann einfach nicht anders. Er muss manisch Wahlhilfe für die Faschisten leisten.

Das ist ein ungeheuerlicher Vorwurf: Manipulation des Wahlrechtes. So würde die @AfD argumentieren. Wir, die Ampel, haben nur die der Union helfenden ungerechten Überhangmandate abgeschafft. Jede Fraktion bekommt die Mandate, die den Prozenten der Wahl entsprechen. Dazu 5% Hürde

Karl Lauterbach, 31.01.2024

Daß er dabei lügt, wie gedruckt, versteht sich von selbst.

[….] Was ist von Merz Aussagen zu halten?

Aus der Ampelregierung gibt es scharfe Attacken gegen Merz. Gesundheitsminister Karl Lauterbach sagte, die Union argumentiere wie die AfD. Aber auch aus der Wissenschaft gibt es Kritik an den Äußerungen. »Merz’ Vorwürfe sind lächerlich und brandgefährlich für die Demokratie«, sagt die Parteienrechtlerin Sophie Schönberger dem SPIEGEL. »Die Wahlkreise spielen für die Mehrheitsverhältnisse im Parlament keine Rolle. Den Eindruck, den Merz hier erweckt, ist falsch.«  [….]

(Spiegel Faktencheck, 31.01.2024)

»Man kann mit der Ampel unzufrieden sein. Aber Friedrich Merz ist keine Alternative, sondern ein gefährlicher Demagoge, der unverantwortliche Vergleiche zieht und das Bundesverfassungsgericht ignoriert. Dieser Mann darf nicht in Verantwortung kommen. Indiskutabel.«

(Marie-Agnes Strack-Zimmermann, 31.01.2024)


Dienstag, 30. Januar 2024

Klischee-Kinder

Klar, das ist im Medienblasen- und Fakenews-Zeitalter out; aber ich bin eben altmodisch und setze in meinem Blog gern einen Link zur Quelle, wenn ich irgendetwas behaupte, so daß sie jeder selbst von der Richtigkeit überzeugen kann.

Dabei verwende ich möglichst Links, die als seriös/neutral gelten, oder noch besser, von der kritisierten Stelle selbst stammen.

Wenn ein katholischer Pfaff ein Kind vergewaltigt hat, gucke ich zuerst in der Presseabteilung des Vatikans selbst, weil Katholiban das am wenigstens in Zweifel ziehen können.

Die Methode mit den Quellen birgt auch „Nachteile“. Kürzlich hatte ich mir eine schön ätzende Anti-Trump-Hasstirade ausgedacht, als er am 15. Januar 2024 diese ungeheuerlichen drei Sätze postete:

 “Unlike Martin Luther King, Crooked Joe Biden and Deranged Jack Smith are persecuting me just because I put America first. I marched with King and he didn't mind that I was white. I have a hole lot of black friends.”

Selbst für Trump-Verhältnisse extrem dreist.

Als ich den entsprechenden Link als Quelle suchte, war schnell klar: Das Zitat ist leider ein Fake. Da ich, anders als Trump, Merz oder die AfD, nicht in den postfaktischen Bereich umgezogen bin, war damit bedauerlicherweise mein ganzes Posting hinfällig.

Es gibt auch Klischees, die hartnäckig im Kopf festsitzen. Dazu gehört beispielsweise die Großstadt-Mär, daß am Heiligabend derartig viele Menschen von ihren Familien frustriert sind, daß es zu einem Jahreshöchststand bei den Suiziden kommt. Eine Geschichte, die mir als Ritual-loser Single und Weihnachtshasser gut in den Kram passt, so daß ich schon vor Jahren intensiv nach Zahlen suchte, die das belegen. Da war aber nichts zu finden.

Es ist generell problematisch, die eigenen Eindrücke für allgemeingültig zu erklären. Zum Beispiel habe ich dezidierte Vorurteile gegen die Klischee-Café-Latte-Jungmütter, die alle einen SUV fahren, unfassbar laute Stimmen haben, nur auf ihr Handy glotzen und sich in den Geschäften unmöglich benehmen, weil sie schließlich als erster Mensch der Welt jemals ein Kind geboren haben und dementsprechend permanente Sonderbehandlung und Lobpreisungen erwarten.

Wieso ich solche Berufsmütter so sehr hasse ist klar: Ich wohne zufällig genau gegenüber eines betreuten Spielplatzes und Hortes, in dem die reichen Blagen rumschreien. 355° der Umgebung sind nicht zugänglich, sondern von privaten Grundstücken umsäumt. Es gibt also nur einen schmalen Platz, um auf das Gelände zur Kreischbrigade zu gelangen: Genau vor meiner Küche und da drängeln sich die mit Gucci-Täschchen behängten Muttertiere in ihren BMW-SUVs. Es gibt inzwischen nicht nur, wie in früheren Jahren, einen Laternenumzug im Jahr, sondern ein halbes Dutzend an verschiedenen Tagen, mit unterschiedlichen Motti. Das Verhältnis Erwachsene zu Kind beträgt dabei 5:1. Ich mutmaße, den Gören sind ihre eigenen Eltern auch peinlich. Die unpeinlicheren Mütter, die nicht in einer 150.000Euro-Karre vorfahren und nicht aussehen, wie eine geliftete Influencerin nach acht Stunden in der Schönheitslounge, fallen mir natürlich weniger auf. Vielleicht kommen die mit dem Fahrrad und müssen nicht in Ermangelung eines Parkplatzes mit laufenden Motor vor meinem Fenster stehen bleiben, um „FRIEDRICH-ALEXAAAANDERR, du kommst jetzt sofort hierher“ mit Achterdeckstimme durch das Viertel grölen.

Wie sich andere Mütter in anderen Gegenden; berufstätige oder ländliche Mütter benehmen, weiß ich nicht. Ich habe keinen Kontakt zu Menschen, die Kinder bekommen.

Damit hängt ein anderes Klischee zusammen und zwar das von den total unselbstständigen Teens und Twens. Das nehme ich allerdings von verschiedenen Seiten wahr. Einerseits von Friseuren, Bäckern oder sonstigen Kleinstunternehmern, denen ich in meinem Umfeld täglich begegne und die allesamt an ihren Azubis verzweifeln, weil die unfähig sind, selbstständig zu arbeiten.

Ein befreundeter Uni-Dozent erzählte mir kürzlich, daß viele seiner Studenten von ihren Eltern zur Vorlesung gefahren werden. In solchen Situationen fühle ich mich verdammt alt. Klar, ich habe im letzten Jahrtausend studiert, aber damals wäre es undenkbar gewesen, daß man sich vom Mami morgens zur Uni bringen lässt. Ich erinnere mich auch nicht an Kommilitonen, die noch bei ihren Eltern wohnten. Alle hatten irgendeine andere Form der Bleibe gefunden und so gut wie jeder jobbte nebenher, um das zu finanzieren.

Weil die jungen Leute sich das nicht vorstellen können, wie das damals war, ohne Internet und Klugtelefon: Man fuhr zu allen Stellen, die sich als eine Art „schwarzes Brett“ etabliert hatten und hing Gesuche auf.

Die mit Abstand wichtigsten Quellen, waren aber die Wohnungsannoncen in der Samstag-Ausgabe der größten Zeitung der Stadt.

Dafür fuhr man mit einer Handvoll Groschen in der Hosentasche in der Nacht auf Samstag zum Hauptbahnhof, wo die ersten Ausgaben ausgeliefert wurden, prügelte sich mit den anderen armen Tropfen um die noch druckwarme Zeitung, setzte sich an Ort und Stelle auf den Fußboden, um die Angebote zu überfliegen und rannte dann zur nächsten Telefonzelle, um als erster bei den Inserenten anzurufen. Natürlich war dann immer besetzt, man musste immer wieder die Drehscheiben bedienen, während wütende Konkurrenten von außen an die Scheiben der gelben Zelle hämmerten – „jetzt bin ich mal dran!“

Was soll den „schwer“ an der Wohnungssuche sein, wenn man bräsig zu Hause mit seinem Klugtelefon chillt und ein automatischer Suchauftrag alle verfügbaren Buden bequem auf das Display zaubert?
Wieso Teens und Twens trotzdem alle an Burnout, Phobien und Depressionen leiden, ist auch klar, denn die Unselbstständigkeit ist purer Stress. Die Leibesfrüchte meiner US-Cousins führen alle ein streng durchgetaktetes Leben, in dem schon Fünfjährige Einträge wie „01.30 – 02.15 pm playtime with Timmy“ finden. Spielen will genau geplant sein, das Elterntaxi muss bereit stehen und es nützt nun einmal nichts, wenn man zum Gymnastik- und Schwimm-Training geht, ohne daß Mami dabei ist, alles filmt und sofort auf Facebook postet.

Eine meiner entfernten Tanten in Ohio schleppt sich mit 89 Jahren und lauter künstliche Gelenken unter größten Schwierigkeiten wöchentlich zum Einkaufen. Auf meine Frage, ob ihr nicht eins ihrer zahlreichen Enkelbälger mal dabei helfen könne, kam ein entschiedenes Nein. Die hätten alle zu viele Termine und Jack, der genau nebenan wohnt, ist erst 20; der kennt sich nicht aus im Supermarkt und wäre damit überfordert.

Anders als Trumps Einlassungen zu Dr. King, oder die Massensuizide am 24.12., sind die abstrusen Geschichten über völlig unselbstständige Jugendliche wirklich wahr.

[….] Diagnosen über Generationen haben den Vorteil, dass sie sich nur schwer widerlegen lassen. Eine Handvoll lautstarker Influencer, die ihre Generation erklären, dazu ein paar Anekdoten von Lehrerinnen und Vorgesetzten - fertig ist das Bild einer Alterskohorte. Der Generation Z zum Beispiel eilt der Ruf voraus, verweichlicht und unvorbereitet ins Erwachsenenleben zu starten. Ein Umstand, an dem ihre Helikoptereltern nicht ganz unschuldig sein sollen.

Eine neue Studie aus den USA liefert nun tatsächlich handfeste Zahlen über die Beziehung junger Amerikanerinnen und Amerikaner zu ihren Eltern - und bestätigt dabei so manches Klischee. Fast 60 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren werden demnach finanziell von ihren Eltern unterstützt. Selbst wenn ihre Kinder schon die Dreißig überschritten haben, halfen Mütter und Väter noch in 20 Prozent der Fälle bei der Begleichung von Miete und Handyrechnungen oder zahlten sogar für Lebensmittel und andere Alltagsausgaben. Für die repräsentative Studie befragten die Experten des Pew Research Center 1500 junge Erwachsene und 3000 Eltern in den USA.

[….]  Laut der Studie des Pew Research Center ist beispielsweise nur jeder vierte 30- bis 34-Jährige selbst Mutter oder Vater. Vor 30 Jahren hatten in dieser Altersgruppe bereits sechs von zehn Amerikanerinnen und Amerikanern mindestens ein Kind.

Womöglich hat das Hinausschieben des Erwachsenwerdens aber nicht nur mit neuen finanziellen Zumutungen und dem Hinterfragen alter Wertvorstellungen zu tun, sondern auch mit dem Verhältnis zwischen den Generationen - womit wir wieder bei Klischees über überfürsorgliche Eltern und angepasste Kinder wären. In der Pew-Studie gaben drei Viertel der Eltern an, mehrmals pro Woche mit ihren erwachsenen Kindern Textnachrichten auszutauschen. Und, was dann doch sehr nach Helikoptern klingt: Ein Viertel überwacht die Bewegungen ihrer Sprösslinge mindestens gelegentlich per GPS-Tracker. [….] (SZ, 30.01.2024)

Das besonders Verblüffende: Die elenden Helikopter-Eltern, die ihre Blagen so verhätscheln, wurden von ihren Eltern nicht so überbemuttert. Fragt man die Großeltern der 25-Jährigen, die an Mamis Rockzipfel hängend unfähig sind, ihr Leben allein zu gestalten, wundern die sich am meisten.

Sie haben die Boomer und GenX zu Welt gebracht und zur Selbstständigkeit erzogen.

Offenbar ist es erst der Einfluss der Social Media-Kanäle auf die Erziehung, der junge Eltern dazu zwingt, ihre Brut ständig mit anderen zu vergleichen und enorme Erwartungen weckt, die es zu erfüllen gilt.