Sonntag, 10. März 2024

New Low aus Alabama

Zu Beginn der Obama-Amtszeit radikalisierte sich insbesondere die weibliche Tea-Party-Szene. So wie man sich sicher war, in George W. Bush den schlechtesten Präsidenten aller Zeiten erlebt zu haben, war auch offensichtlich, mit den völlig verblödeten Fanatikerinnen Palin, Bachmann und O‘Donnell ROCK BOTTOM erreicht zu haben.

(….) Tea Party-Aktivisten ließen sich massenhaft für die GOP-Vorwahlen eintragen, kegelten die halbwegs vernünftigen Konservativen aus dem Rennen, erhoben eine batshit-crazy-Person zum Kandidaten.

Ein berühmter Fall war die damals neben Michele Bachmann und Sarah Palin prominenteste Teebeutlerin Christine Therese O'Donnell.

Die wollte konservative US-Senatorin von Delaware werden und fuhr damit Michael Castle, dem früheren Gouverneur des Staates in die Parade. Er hatte 2010 beste Chancen den Senatoren-Sitz von den Demokraten zurückzuerobern.

Christine O'Donnell zeichnete sich durch drei Dinge aus: Hass auf Barack Obama, Kampf gegen die Todsünde der Onanie und gewaltige Unkenntnis des politischen Systems.

(……) Die von den Republikanern in Delaware auserkorene Kandidaten für den US-Senat, Chrissi O’Donnell staunte nicht schlecht, als sie kürzlich auf einer Podiumsdiskussion von der US-Verfassung hörte.
Als klassische Teebeutlerin agiert sie stets im Intellekt-freien Räumen, lügt ungeniert das Blaue vom Himmel runter und hat keinerlei Scheu ihre Bildungslücken stolz jedermann zu präsentieren.
Wozu sollte auch eine US-Senatorin von Petitessen wie der US-Verfassung gehört haben?
Ihren Hauptanliegen (Ächtung von Masturbation, Anti-Obama Pogrome, fundamental asoziale Politik zugunsten der Evangelikalen und Reichen) werden von der lästigen Bill Of Rights ohnehin nur behindert.

“Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances.”
(1. Zusatzes zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika)

Deutsche missverstehen diese Teebeutler und Christen-Fundis, wenn sie annehmen, daß derart extremistische und realitätsferne Positionen den Kandidaten diskreditieren müßten.
Für eine Mehrheit der amerikanischen Wähler sind drastische Wissenslücken und intellektuelle Blamagen keine Gründe, die einen Politiker für Top-Ämter disqualifizieren. (….)

(Gott schütze Deutschland. 24.10.2010)

2010 machten ihre Auftritte weltweit Furore. Man staunte, wie es eine derart bornierte Person, die nicht nur mit abenteuerlichen Wissenslücken und Fantasie-Ansichten auftrat, sondern deswegen auch keinerlei Scham empfand, zu einer Kandidatin für die GRAND OLD PARTY Reagans und Bushs werden konnte.

Sie wurde Millionen Dollar aus dem Teebeutel-FOX-Universum unterstützt, erhielt enthusiastische Lobpreisungen vom Family Research Council, der National Rifle Association, Sarah Palin, Rush Limbaugh, Sean Hannity und Mark Levin.

O’Donnell griff zu jeder Schmutzigkeit, indem sie beispielsweise ihrem konservativen Gegenkandidaten Castle während der GOP-Vorwahlen schwule Affären andichtete. Sie gewann die Vorwahl mit sechs Prozent Vorsprung. (….)

(Komplizenschaft, 30.01.2021)

Das waren die schönen unschuldigen Zeiten, als das Gehirn noch nicht mit dem Wissen um die „Politiker“ Trump, Boebert, Gaetz, Jordan oder MTG kontaminiert war. Palin und Co erfüllten den alten US-Politik-Grundsatz „schlimmer geht immer“ wieder mit Leben. Tatsächlich, nach Boebert und MTG, kamen beispielsweise noch Kari Lake und Katie Britt. Zwei so sagenhaft debile Luftköppe, daß man sie noch nicht einmal herzlich auslachen kann, weil man sich mit Gänsehaut gleichzeitig gruselt und mitschämt, wenn die QTrumpliKKKans öffentlich auftreten. Ich hasse den inflationären Gebrauch von Anglizismen der Generation Reezo, insbesondere, wenn es Wortfragmente oder komplett sinnlose Erfindungen sind, die es so in der englischen Sprache gar nicht gibt; zB „Handy“ oder „Public Viewing“. Aber einige Begriffe, die ich einst bekämpfte, rutschen schon in den eigenen Gebrauch („relaxen“, „chillen“) und andere haben durchaus ihre Berechtigung, weil es für sie keine adäquate deutsche Entsprechung gibt.

US-Senatorin Katie Britt kann man schlecht, ohne die Jugendworte „cringe, weird, spooky, sus“ beschreiben.

Ihre Antwort auf Joe Bidens State Of The Union ließ sogar stramm rechte GOPer pundits im Zustand des Cringe-Overloads sprachlos zurück.

Kaum jemals bettelte eine Politikerin so verzweifelt vor den Augen der Welt, Objekt des nächsten SNL-Cold Openings zu werden.

[…..]  it was absolutely the worst political performance that I've ever encountered in my life it was creepy it was weird there were times where you weren't sure it was real […..]  stand out as particularly bad within a lineup of bad State of the Union responses and let me tell you the Katy Brit performance I'm because she was like a bad actor trying out for a role on on on like a soap opera kind of a reality TV […..]

 (The Bulwark, 08.03.2024)

Katie Weird, 42, ultrarechtsextreme, Trump-verehrende, fanatisch religiöse Anwältin aus Alabama, war von 2016 bis 2022 Stabschefin des republikanischen Senators Richard Shelby und wurde anschließend selbst in den Senat gewählt.

 

Obwohl sie also durchaus über politische und berufliche Erfahrung verfügt, sprach sie nicht etwa als Amtsträgerin zum Volk, sondern inszenierte sich brav in ihrer Küche, als Hausfrau und Mutter. Kritik an ihrem Auftritt wischte der zweite US-Senator aus Alabama, der berüchtigte Amerika hassende Trumpist Tommy Tuberville, mit der Charakterisierung vom Tisch, sie spreche als Hausfrau.

Der Rest der Welt versucht sich immer noch von dieser unangenehmen Blamage zu erholen. Auch die konservativsten deutschen Blätter versuchen gar nicht erst, das internationale Desaster schön zu reden.

[….] Ungläubige Belustigung bei den Demokraten, Händeringen und Kopfschütteln bei den Republikanern, scharfe Kritik über dreiste Desinformation: Die Replik der republikanischen Senatorin Katie Britt aus Alabama auf die Rede zur Lage der Nation des Präsidenten Joe Biden hatte ein Format, wie es sonst Donald Trump zu eigen ist. „Lügen“ wirft ihr das Weiße Haus vor, in den Medien ist von „Irreführung der Wähler“ die Rede. [….] Katie Britt hielt die traditionelle Gegenrede der Opposition zum Auftritt des Präsidenten offenbar in ihrer eigenen Küche. Sie sprach atemlos, mit bebender Stimme und melodramatischer Mimik. Die zu erwartende Parodie bei „Saturday Night Live“, da waren sich Beobachter nach Britts Video einig, würde kaum schräger ausfallen können. [….]

(FAZ, 10.03.2024)

Britt bekam ihren Willen: Bei SNL nahm sich die Scarlett Johansson, die Ehefrau des Moderators Colin Jost, persönlich der Steilvorlage an.

Zentrales Element der schauerlichen Britt-Perfomance, war die unter absurden Schultheater-Pathos vorgetragene Horrorstory über eine besonders brutale Vergewaltigung, für die sie mit bebender Stimme und aus den Augenhöhlen raustretenden Augäpfeln, verzweifelt stöhnend Joe Bidens Grenzpolitik verantwortlich machte.  Ein Stunt mit einer ganzen Liste von Twists:

1.) Senatorin Britt arbeitete selbst an einem sehr konservativen überparteilichen Grenzkontroll-Gesetz mit, welches all ihre Wünsche erfüllte; das sie aber auf Anweisung ihres orangen Messias selbst ablehnte, weil die GOPer unter allen Umständen eine Lösung des Problems verhindern wollen, um Wahlkampfmunition zu haben.

2.) Senatorin Britt vertritt die härteste Anti-Abtreibungslinie überhaupt und will das so herzzerreißend beschriebene 12-Jährige Vergewaltigungsopfer im Falle einer daraus resultierenden Schwangerschaft, dazu zwingen das Kind unter allen Umständen auszutragen.

3.) Senatorin Britt, die so episch-pathetisch die abscheuliche Vergewaltigung nacherzählt, unterstützt mit aller Kraft einen Serienvergewaltiger und sexuell übergriffigen Kandidaten als US-Präsident.

4.) Senatorin Britts Geschichte stammt nicht aus Joe Bidens Amtszeit, sondern aus der Zeit des republikanischen Präsidenten GW Bush.

5.) Senatorin Britts Geschichte der Kartell-Massenvergewaltigung fand nicht in den USA, sondern in Mexiko statt.

Die Dreistheit, mit der die Top-GOPerin das amerikanische Wahlvolk belügt, ist selbst für echte Teebeutler bemerkenswert.

[….] In ihrer Rede griff Britt das tragische Schicksal einer Mexikanerin auf, die als Zwölfjährige entführt worden war und anschließend jahrelang sexuell motiviertem Menschenhandel und unfreiwilliger Prostitution zum Opfer fiel. Für die Gewalttaten, die an der Frau verübt wurden, machte sie die Regierung unter Präsident Biden verantwortlich. Den Namen der Frau nannte Britt in ihrer Rede nicht.

Nun stellt sich heraus, dass die Senatorin Alabamas sich bei ihren Vorwürfen nicht ganz einwandfreien Mitteln bediente. Denn nicht nur hatte einer ihrer heftigsten Vorwürfe gegen den US-Präsidenten schlicht gar nichts mit Joe Biden zu tun, weil die Vorfälle sich außerhalb seiner Amtszeit zugetragen hatten, noch hatten sie überhaupt in den USA stattgefunden – sondern im Nachbarland Mexiko.

„Sie wurde ab ihrem zwölften Lebensjahr von den Kartellen zum Sex gezwungen. Sie erzählte mir nicht nur, dass sie jeden Tag vergewaltigt wurde, sondern auch, wie oft am Tag sie vergewaltigt wurde“, sagte Britt in ihrer Videoansprache. Selbst wenn so etwas „in einem Land der Dritten Welt“ geschähe, würde man das nicht akzeptieren. „Dies aber sind die Vereinigten Staaten von Amerika, und es ist an der Zeit, dass wir anfangen, uns auch so zu verhalten“, führte sie aus.Damit zielt sie auf einen verbalen Schlag gegen die Politik betreffend der US-Grenze zu Mexiko ab, die von republikanischer  Seite immer wieder politisch aufgeladen wird. Die von der Regierung Biden verursachte Grenzkrise sei außerdem nicht nur eine „verachtenswerte Schande“, sondern auch durchaus vermeidbar gewesen.

Am Freitag jedoch postete der Journalist Jonathan M. Katz von Talking Point Memo ein siebeneinhalb minütiges Video der Plattform TikTok, in dem er Beweise dafür anführte, dass Britts Darstellung der Situation nicht korrekt war. Laut den Informationen, die Katz gefunden hat, einschließlich ihrer eigenen früheren Aussagen vor dem Kongress, wurde die Frau, mit der der Senator seiner Meinung nach wahrscheinlich gesprochen hat, Karla Jacinto Romero, in jungen Jahren ausschließlich in Mexiko verschleppt. Dies geschah in einer Zeit, in der Biden nicht im Weißen Haus tätig war – nämlich zwischen 2004 und 2008.  [….]

(FR, 10.03.2024)

Senatorin Britt lügt, daß sich die Balken biegen.

[…..]  "I don't know even know what to say," Katz remarks in the video, "except that it is just fundamentally dishonest."

The gut-wrenching story that Britt told to fearmonger over Biden's border policy and denigrate immigrants and asylum-seekers to right-wing voters and unsuspecting viewers, explains Katz, "didn't happen in the United States" and "it's not an example of something that happened recently and is not even an example of something that happened on the border, and certainly not something that happened under Joe Biden." But why would she do that? "It's very clear to me," says Katz, that Britt was "trying to create an association in the people's mind between Joe Biden, the border, Mexicans... or people of Latin descent, and sexual violence. That's what she's going for and she's doing it on the basis of what you can only say is just an out and out lie." [….]

(Jon Quelly, 09.03.2024)

Senatorin Britt erhielt vom renommierten Washington Post-Factchecker Glenn Kessler die Höchstzahl von vier Pinocchios.

[….]  If you were watching Britt’s speech on Thursday night, you likely would have thought she was talking about a recent victim of sex trafficking who was abused in the United States and suffered because of President Biden’s policies. If you did, you would have been wrong. [….] Britt’s account of Romero’s experience was a centerpiece of her rebuttal to Biden’s address. The way Britt sets up the story, there is no indication that she is talking about a woman who was working in brothels in Mexico during the George W. Bush administration. This is how the passage unfolds.

    She first blames Biden for the surge of migrants at the border.

    Then she says she visited the border shortly after she took office. That would be 2023.

    At length, she details the story of an unnamed victim that she says she met on her trip. The implication is that the woman recently crossed the border — because of “sex trafficking by the cartels.”

    She strongly suggests that her abuse took place in the United States: “We wouldn’t be okay with this happening in a Third World country. This is the United States of America, and it is past time, in my opinion, that we start acting like it.”

    She ends by reinforcing that such alleged trafficking is Biden’s fault: “President Biden’s border policies are a disgrace.”

But Biden has nothing to do with Romero’s story. As she testified nine years ago, her mother threw her out of her house at age 12 and she “fell prey to a professional pimp.” She says she then spent the next four years in brothels before a regular client helped her escape when she was 16 years old. There is no indication in her story that drug cartels were involved, though Britt said that in the State of the Union response and has made a similar claim on at least one other occasion. Romero was never trafficked to the United States; instead, she says many men who paid to have sex with her were “foreigners visiting my city looking to have sexual interactions with minors like me.”

In a YouTube video, Britt features images of her hugging Romero during her 2023 trip to the border. “If we as leaders of the greatest nation in the world are not fighting to protect the most vulnerable, we are not doing our job,” she said in the video. The implication again is that this happened on Biden’s watch.

When Donald Trump was president, he regularly decried human trafficking that he claimed was happening at the border, including that “thousands of young girls and women” were being smuggled across the border for prostitution. In 2019, we investigated that claim and found no evidence to support it. Most human trafficking prosecutions generally involve legal border crossings, visa fraud and travel into the United States on airplanes. Victim organizations say there are relatively few cases that involve forced kidnapping across the border. This might be one reason Britt regularly cites a case that happened long ago and did not involve crossing the border. [….] The Pinocchio Test

In a high-profile speech like this, a politician should not mislead voters with emotionally charged language. Romero’s story is tragic and may be evocative of other Mexican girls trapped in the sex trade in that country. But she was not trafficked across the border — and her story has nothing to do with Biden. Britt’s failure to make that clear earns her Four Pinocchios.  [….]

(WaPo, 09.03.2024)

Mutmaßlich wird das Entlarven der massiven GOP-Lügen aber weder Britt, noch Trump schaden, weil die Informationen gar nicht in die Trump-Blase gelangen.

Samstag, 9. März 2024

State Of The Split

Na selbstverständlich bin ich als US-amerikanischer Wähler und registrierter Demokrat frustriert über Joe Biden.

Nicht weil ich generell 81-Jährige für viel zu alt halte, aber der US- Präsident ist für sein Alter sehr alt und es macht keinen Spaß, einen Politiker zu unterstützen, bei dessen Auftritten man stets angstvoll mitzittert, ob irgendwas peinliches passiert, indem er sich verhaspelt, Personen verwechselt, oder wieder bei dem Versuch jugendlich zu wirken, vom Fahrrad purzelt. Noch unangenehmer ist die Erkenntnis, schon bei diesen Gedanken, auf das schmutzige Spiel der Republikaner reinzufallen, die Bidens Alterserscheinungen grotesk überzeichnen.

Nachdem der US-Präsident nun vorgestern bei seiner Rede an die Nation einen kämpferischen und vitalen Eindruck erzeugte, wie es von einem Präsidentschaftskandidaten im Wahljahr zu erwarten ist, kollidierte die Trumpsche Fake-Welt brutal mit der Realität.

[…..] Dieser kämpferische, entschlossene Biden war in den vergangenen drei Jahren nie weg, er hatte die drohende Gefahr immer mal wieder benannt. Nur zu sanft und zu selten. Zuletzt sah es manchmal so aus, als sei Trump kaum mehr zu verhindern mit seiner Wucht, frei von jeglichen Skrupeln. Doch Trump ist zu verhindern. Joe Biden hat jetzt acht Monate lang die Gelegenheit, sein Amerika zu pflegen und vor Trumps Amerika zu warnen, er muss seinen Kontrahenten nicht mal beim Namen nennen. Mit einer Prise Populismus setzt Biden bei der Wirtschaft selbst auf America First, aber zum Glück nicht bei der Nato. Er muss hoffen, dass das Wachstum entscheidende Teile der Wählerschaft überzeugt.  [….]

(Peter Burghardt, 08.03.2024)

Wer Biden als „sleepy, senile, confused“ beschimpft, sieht ihn nicht, sondern erlangt diese „Erkenntnisse“ von Trump.

Die erzkonservativen Trump-Speichellecker bei FOX und Co, hatten sich so gefreut, sich über ein seniles Wrack lustig zu machen, daß sie erst völlig verstört und dann rasend wütend reagierten, als die Wirklichkeit nicht zu den Hass-Zerrbildern in ihren Strohköpfen passte. Schließlich verbreiteten sie die Lüge, Biden hätte Drogen genommen. Ein Demokrat, der eine ausgezeichnete Rede hält, passt nicht in ihr Weltbild.

Ich ärgere mich, dieses Spiel mitmachen zu müssen, weil Biden unbedingt noch einmal antreten will, statt ehrenvoll abzutreten und einem Jüngeren, einer Jüngeren Platz zu machen. Offenkundig hadert seine Partei mit ihm, hadern die Wähler mit Biden. Seine Umfragewerte sind angesichts der boomenden Wirtschaft katastrophal und ich ärgere mich schwarz, daß er mit dem Erzwingen einer erneuten Kandidatur, die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Trump-Präsidentschaft erhöht. Nur durch seine Eitelkeit schadet Biden damit der Partei, dem Land und der Demokratie so sehr, daß die reale Chance besteht, ab November in eine Diktatur überzugehen.

Das zutiefst ungerechte, die Republikaner extrem bevorzugende und alternative Parteien ausschließende Mehrheitswahlrechtssystem, wird sich allerdings garantiert nicht verbessern, da diejenigen, die davon so profitieren, zustimmen müssten.

Also musste ich bei den demokratischen Vorwahlen in meinem Heimatstaat New York auch für Joe Biden stimmen, obwohl ich so viele Andere lieber als demokratische Präsidentschaftskandidaten sähe.

Gavin Newsom (Gouverneur) oder Pete Buttigieg (Minister) oder Hakeem Jeffries (Fraktionsvorsitzender) oder Katherine Clark (Whip) wären großartige Präsidenten.

Aber jede Vorwahlstimme, die jetzt nicht an Biden geht, schwächt ihn im Kampf gegen Trump und die Wiederholung des Zweikampfs von 2020 steht schon fest.

Es geht ohnehin nicht um eine rationale Abwägung bei der eigentlichen Wahl am 05. November 2024. Wären die Wähler vernunftbegabte Wesen, die in der Realität verankert wären, würde Biden einen Erdrutschsieg einfahren.

Schon allein, weil man eine Person wie Trump gar nicht wählen kann, wenn man einen IQ über Zimmertemperatur hat.

Bidens politische und ökonomische Bilanz ist beeindruckend. Alle anderen westlichen Ländern blicken neidisch  auf die US-Wirtschaft. Die derangierten, von Hass zerfressenen Konservativen im Lande, haben allerdings längst keine Berührungspunkte mehr mit der Realität.

[….] In Bidens Augen ist Belvidere überall. Dank seiner Wirtschaftspolitik seien im Land 15 Millionen neue Jobs entstanden, Unternehmen hätten 650 Milliarden Dollar investiert, lobte Biden sich selbst. Seht her, es läuft doch!

Es wirkte, als würde der US-Präsident in einem anderen Universum leben als sein Volk. Denn die Mehrheit der Amerikaner blickt deutlich pessimistischer auf die Wirtschaft als Biden. Nur etwas mehr als jeder Vierte bewertet die ökonomische Lage als "gut" oder "exzellent", wie eine aktuelle Umfrage der Meinungsforscher des Pew Research Center ergab. Knapp 60 Prozent erklärten in einer anderen Umfrage des Fernsehsenders CBS, dass die Wirtschaft unter Biden schlecht laufe.

Das ist auch deshalb erstaunlich, weil die Zahlen etwas anderes sagen: Die US-Konjunktur wuchs im vierten Quartal 2023 um 3,2 Prozent. Ein Wert, der Bundeskanzler Olaf Scholz und viele seiner europäischen Kollegen vor Neid erblassen lassen dürfte. Der wichtige Aktienindex S&P 500 erreichte Anfang März ein Allzeithoch. Auch die Arbeitslosigkeit liegt auf einem fast schon historischen Tief. Allein im Februar entstanden im Land 275 000 neue Jobs.

Normalerweise können US-Präsidenten aus so einem Boom Kapital schlagen. Denn wenn die Wirtschaft gut läuft, sehen die Wähler das als persönlichen Erfolg des Mannes im Weißen Haus - was nicht selten eine maßlose Überschätzung ist. Denn selbst der angeblich mächtigste Mensch der Welt hat nur begrenzten Einfluss auf Konjunktur und Konsum, immerhin sind die Vereinigten Staaten eine Markt- und keine Planwirtschaft.

Umgekehrt werden amtierende Präsidenten in den Krisenzeiten von den Menschen abgestraft. In den vergangenen 70 Jahren scheiterten nur vier Amtsinhaber an ihrer Wiederwahl. Jedes Mal steckte die amerikanische Wirtschaft in einer Rezession. Zuletzt war das 2020 der Fall. Da verlor Donald Trump, kurz nachdem die Corona-Pandemie überall auf der Welt Lieferketten zerrissen und Betriebe stillgelegt hatte, gegen Biden. Auch George Bush, der Ältere, unterlag 1992 wegen der zehn Millionen Arbeitslosen im Land gegen seinen Herausforderer Bill Clinton. Dessen Berater James Carville hatte im Wahlkampf einen Slogan erfunden, den man eigentlich nicht mehr zitieren darf, weil er so abgegriffen ist: "It's the economy, stupid." Es kommt auf die Wirtschaft an.

So war es jedenfalls bisher. Die Wirtschaft wog in den Augen der Wähler schwerer als die Außenpolitik und als Streitthemen wie das Abtreibungs- und Waffenrecht. In diesem Wahljahr aber ist vieles anders. Aktuelle Umfragen legen nahe, dass die Wähler die Migration diesmal für das drängendste Problem halten. [….]

(Ann-Kathrin Nezik, 08.03.2024)

Trump hingegen, der nach Expertenmeinung mit weitem Abstand Schlechteste aller bisherigen 46 US-Präsidenten, ist eine derartige Katastrophe, daß man neun Jahre nach seiner ersten Kandidatur immer noch schaudert, wenn die Liste seiner Verbrechen und Fehlleistungen aufgezählt wird.

Daß 74 Millionen US-Wähler für so einen Typen gestimmt haben und ihn die Mehrheit aller Amerikaner lieber als Biden erneut zum Präsidenten hätte, zeigt klar:

Das Wahlvolk ist derartig unzurechnungsfähig, daß ich sehr bezweifele, ob irgendein anderer demokratischer Kandidat als Biden etwas verändern könnte. Damit würde man den MAGAs, den QTrumpliKKKans die Fähigkeit zu Denken zusprechen, die sie aber ganz offensichtlich nicht haben. Es ist ein Todeskult des Hasses. Niemals würde sich einer der Fanatiker von Trump abwenden, nur weil die Alternative nicht Biden lautet.

Freitag, 8. März 2024

Elb-CDU extrapeinlich

Ach Du Schreck, dachte ich heute, als mir von der Mopo-Titelseite aus der schwachsinnige CDU-Politiker Berndt Röder mit irrem Blick entgegen stierte. Den Mann hatte ich erfolgreich weit über zehn Jahre verdrängt und nun beamt er sich bedauerlicherweise zurück in mein Bewußtsein.

Ich musste mehr als 14 Jahre in meinem Blog zurückscrollen, um nachzulesen, wie der Top-Beustler damals verschwand.

(…..)  Politisch tödlich endete hingegen heute die Salami-Performance von „Glatteis-Röder“.  Der Präsident der Hamburger Bürgerschaft, Berndt Röder (CDU) stolperte, verglichen mit dem Tanklaster-Bombardement oder den Milliardenverlusten der Bayern-LB über eine Petitesse.
Geradezu lächerlich angesichts der echten Probleme Deutschlands.
Was war passiert? Während Tout Allemange täglich am Rande des Knochenbruchs auf winterlichem Glatteis umher schlitterte, mochte Gernegroß Röder sich dem Risiko nicht aussetzen und ließ exklusiv seine eigene Wohnstraße pikobello räumen.
Der tödliche Fehler passierte dann, als er von der MoPo auf sein amtsanmaßendes Verhalten angesprochen wurde. Er log und wandte sich, stritt zunächst alles ab und gab dann immer nur das zu, was man ihm ohnehin nachweisen konnte.


Mathis Neuburger:  Berndt "Glatteis" Röder hat offenbar schon wieder gelogen!
Entgegen seinen Angaben soll er mehrfach und ausdrücklich die Räumung seiner vereisten Wohnstraße gefordert haben. Röders Parteifreunde sind stinksauer, über Nachfolger wird schon spekuliert.
Noch am Dienstag hatte Hamburgs oberster Parlamentarier behauptet, sich für alle vereisten Straßen eingesetzt zu haben - seine Frustbergstraße in Groß Borstel habe er nur als Beispiel erwähnt. Deshalb sei er auch "überrascht" gewesen, als diese geräumt war.
Die CDU-Fraktion hatte Röder deshalb im Amt belassen - auf Bewährung.
"Zwei Mal haben wir ihn unmissverständlich gefragt, ob jetzt alle Fakten auf dem Tisch liegen", so ein Teilnehmer der entscheidenden Vorstandssitzung. Röder bejahte. Aus zuverlässiger Quelle heißt es jetzt, Röder hat gelogen: "Er leidet wohl an selektiver Wahrnehmung. Das Nachschieben irgendwelcher Begründungen macht es nicht besser."
Demnach hat es mehr Gespräche Röders mit dem Bezirksamt Nord gegeben als zugegeben. Und vor allem soll er deutlich die Räumung speziell seiner Straße gefordert haben. Röders Behauptung, ihm sei es "nie um einen persönlichen Vorteil" gegangen, wäre damit widerlegt.


Anders als bei Afghanistan oder der abstrakten Zahl von 102 Milliarden Euro für die HRE, kann sich jeder Wähler sehr plastisch vorstellen, worum es bei Röder ging.
Jeder ist von den Wetterverhältnissen auf den Straßen betroffen, aber kaum einer hat die Möglichkeit die Stadtreinigung exklusiv seinen Hauseingang glitschfrei zu bekommen. Was Röder tat, kann sich jeder nur zu gut vorstellen. Statt Tiger-Wood‘scher Reue dann noch einen Haufen Lügen und Ausreden zu verbreiten, ließ das Fass schnell überlaufen:

Der Präsident der Hamburger Bürgerschaft, Berndt Röder (CDU), ist wegen einer Sonderbehandlung seiner Straße bei der städtischen Schnee- und Eisbeseitigung zurückgetreten.

Seine Lügen - zunächst hatte er behauptet gar nicht involviert zu sein, später log er, daß er seine eigene Straße gar nicht erwähnt hätte, waren nicht zu halten:


Medien hatten jedoch spekuliert, ob Röder wirklich die Wahrheit gesagt hat. Danach habe er doch nicht nur die allgemeine Situation kritisiert, sondern ausschließlich seine Straße gemeint. "Ich habe nachmittags einen Termin, ich will hier weg!", soll er bei einem Telefonat mit dem zuständigen Bezirksamt Nord gesagt haben. Sollte dies zutreffen, muss es sich um einen privaten Termin gehandelt haben, wie der Terminkalender des Präsidiums zeige.
Auch andere Erklärungen des Bürgerschaftspräsidenten seien nicht schlüssig gewesen.
So habe die Feuerwehr mitgeteilt, dass es zur fraglichen Zeit keinen Einsatz in Röders Straße gegeben habe. Röder hatte behauptet, ihm sei der Kragen geplatzt, als ein Rettungswagen wegen der widrigen Straßenverhältnisse wieder umdrehen musste.


Der Röder! Mit einer besser aussehenden Ehefrau und einer weniger unsympathischen Rotzbremse im Gesicht hätte er hübsch zu ein paar Photo-Terminen nach Vancouver jetten und sich aus dem Hamburger Klein-klein raushalten können. So sitzt man einen Affäre elegant aus.
Interessantes Detail am Rande:
Während sich schon ganz Hamburg - inklusive der CDU-freundlichen Springerpresse über den Bürgerschaftspräsidenten aufregte, hockte die GAL demonstrativ schweigend im Enddarm der CDU. Kein böses grünes Wort über Röder. Über so viel Angepasstheit wundert sich sogar schon das Hamburger Abendblatt in seinem heutigen Hauptkommentar:
Karl Günther Barth schreibt unter dem Titel "Eine Schande für Hamburg":

Die GAL, die früher wohl als Erste den Rücktritt gefordert hätte, hält sich zurück. Koalitionsräson, ist zu vermuten.

Da hat das HH Abla wohl recht. (….)

(Affären Handling, 20.02.2010)

Aus der Versenkung tauchte Röder nach 14 Jahren wieder auf, im Zusammenhang mit der Schließung des Kulturcafés im Stavenhagenhaus.

Nicht-Hamburger können es nicht wissen:
Im ganzen Stadtteil Hamburg-Groß Borstel gab es lange nur ein Café, bis vor einem Jahr der zuständige Bezirk Nord eine Lösung fand, indem er einen Pächter für das genannte Kulturhaus präsentierte, eine Genehmigung erteilte dort ein Café zu führen und die Groß Borsteler das neue Lokal so begeistert annahmen, daß es immer voll war. Allerdings wehrte die Freude nicht lang. Gerade mal fünf Wochen.

[…..] Durch einen Beschluss in einem Eilverfahren des Hamburgischen Verwaltungsgerichtes darf das Kulturcafé im Stavenhagenhaus in Groß Borstel bis auf Weiteres nicht öffnen. Der Ausgang des Hauptsacheverfahrens vor dem Verwaltungsgericht Hamburg bleibt abzuwarten. […..] Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz: „Ich bedauere sehr, dass dem großen Wunsch der Menschen in Groß Borstel nach einem zentralen Treffpunkt für Kultur und Vereinsleben aufgrund einer Nachbarschaftsklage zunächst nicht entsprochen werden kann.“ […..]

(Bezirk Hamburg-Nord, 06.03.2024)

Ja, die Hamburger Grünen kuscheln traditionell mit der stramm rechten Elb-CDU, aber in diesem Fall wollte die CDU lieber parteipolitisches Kapital aus der Causa ziehen, da Bezirkschef Michael Werner-Boelz ein schlagzeilenaffiner Grüner ist.

Über seinen Bezirk hinaus bekannt durch besonders delikate private Peinlichkeiten.  Er ist der Anthony Weiner der Hamburger Kommunalpolitik.

(….) Werner-Boelz leitet seit Februar 2020 das Bezirksamt Hamburg-Nord. Wenn er nicht gerade in meinem Bezirk manisch Bäume abholzen lässt, die nie nachgepflanzt werden, langweilt er sich, chattet auf Facebook mit jungen Frauen und tauscht Nacktbilder aus.

[….] Michael Werner-Boelz von den Grünen, Bezirksamtsleiter in Hamburg-Nord, ist nach eigener Aussage Opfer krimineller Machenschaften geworden. Wie die Bild-Zeitung auf Nachfrage erfahren hat, wurde Werner-Boelz um 50.000 Euro erpresst, weil er ein Nacktbild versendet hat. [….] Der 56-jährige Werner-Boelz erklärte, dass er Anfang des Jahres von einer 30-jährigen Frau über das soziale Netzwerk Facebook angeschrieben wurde. Über Monate bestand Kontakt zu der Frau, die vorgegeben hat, Französin zu sein. Schließlich wurden die Gespräche bei dem Messaging-Dienst Skype fortgeführt – über Monate, wie Werner-Boelz berichtet. Die vermeintliche Französin schickte wohl mehrmals Nacktbilder. Letztendlich ließ Werner-Boelz am Ostersonntag auch die Hüllen fallen und schickte eins zurück. Er gab an, das Foto direkt wieder löschen zu wollen. Allerdings war es zu spät, die Internetbetrüger hatten die Aufnahme offenbar direkt gespeichert. Kurz darauf erhielt Werner-Boelz eine Zahlungsaufforderung von 50.000 Euro. Er weigerte sich, den Betrag zu zahlen und erstattete Anzeige bei der Polizei. Auch die europäische Kriminalpolizei Europol ist am Fall beteiligt. In der Zwischenzeit stellten die Kriminellen das Nacktbild von Werner-Boelz laut dem Bild-Bericht auf einer osteuropäischen Webseite online.  [….]

(Berliner Zeitung, 14.04.2023)

Es ist natürlich sehr intelligent von einem bekannten Kommunalpolitiker, auf Wunsch einer halb so alten Französin, Pimmelbilder von sich zu verschicken. Wer hätte auch ahnen können, daß eine Betrugsmasche dahinter steckt?  (….)

(Realitätsblinde Grüne Wähler, 27.04.2023)

Natürlich war es der CDU unmöglich, der Versuchung zu widerstehen, über den Pimmelmann herzufallen. Zumal Werner-Boelz auch die Nemesis der Häuslebauer ist, der als erster deutscher Politiker die (klimapolitisch völlig richtige) Forderung erhob, keine Baugenehmigungen mehr für Einfamilienhäuser zu erteilen. Also pöbelten die Christdemokraten los.

[….] Nach nur 5 Wochen wurde der neu eingerichtete Café-Betrieb im Stavenhagenhaus in Groß Borstel vom Verwaltungsgericht unterbunden.

Für den Stadtteil und die Nutzung des Stavenhagenhauses als Kulturzentrum ist dies ein Desaster, für das der Grüne Bezirksamtsleiter die Verantwortung trägt:

Hierzu Dr. Andreas Schott, CDU Fraktionsvorsitzender: „Alle Warnungen wurden arrogant ignoriert und unsere Anfragen im Vorfeld nichtssagend beantwortet. Eine sorgfältige rechtliche Prüfung und Klärung, bevor ein gewerbliches Café eingerichtet wird, sieht anders aus. Jetzt wurde nicht nur für die engagierte Betreiberin des Cafés schwerer Schaden verursacht. Auch die gute gastronomische Versorgung durch das Hausmeisterehepaar bis Anfang 2024 steht jetzt für die vielen Nutzer des Stavenhagenhauses nicht mehr zur Verfügung. » […]

(CDU-Fraktion Hamburg Nord, 07.03.2024)

Da ist nur eine Kleinigkeit, die Dr. Schotts CDU nicht erwähnt:

Die Klage, aufgrund der das Stavenhagenhaus vorläufig geschlossen wurde, wurde vom CDU-Mann Berndt eingereicht. Er wohnt in der Nachbarschaft und fürchtete die Lärmbelästigung.

[…..] Es war der große Wunsch vieler Menschen in Groß Borstel, endlich einen Treffpunkt zu haben. Denn ansonsten gebe es in dem Stadtteil nur ein weiteres Café, erzählt Ulrike Zeising vom Kommunalverein Groß Borstel. […..] Doch der Bezirk hatte die Rechnung offenbar ohne die Nachbarn gemacht. Unter ihnen ist auch der CDU-Politiker Berndt Röder. Er klagte vor dem Verwaltungsgericht - und bekam in einer ersten Eil-Entscheidung Recht. […..] Der Kommunalverein Groß Borstel zeigt sich fassungslos und sagt: egoistische Interessen hätten den Treffpunkt eines ganzen Stadtteils kaputt gemacht.  […..]

(NDR, 06.03.2024)

Wenn hier also jemand Verantwortung für die Schließung trägt, dann ist es die CDU.

Und, ja, selbstverständlich bleibt es in Hamburg wirklich ganz leicht zu wählen. Hier kommt nur die SPD in Frage. Erstens ist Tschentscher gut und zweitens sind die Grünen im Norden echte Witzfiguren.

Donnerstag, 7. März 2024

Selektive Einmischung

Die Kirchen des 21. Jahrhunderts verstehen nichts von Politik und halten sich aus den niederen weltlichen Dingen raus. Kein Wunder, denn der verlumpte Jesus gehörte zu einer vor Jahrtausenden vergangenen äußerst primitiven Hirtenkultur und ließ seine Jünger keine Anweisungen über Corona-Vakzine oder Rentenformeln in die Bibel schreiben.

Damals wurde verhältnismäßig wenig über das Für und Wider der Lieferung 500 Kilometer weit reichender Marschflugkörper, die Streckenführung von Stromtrassen oder die Kennzeichnungspflicht KI-generierter Social-Media-Inhalte debattiert.

Gott kannte ja noch nicht mal das Känguru oder Pinguine, obwohl es die immerhin schon damals gab.

Ich mutmaße, daß Koalas und Wallabys die Sintflut nur durch das beherzte Eingreifen der Reptiloidenmenschen überlebten, indem sie in den Aldebaran-Nebel evakuiert wurden.

Würden die Kirchen sich nur auf die Themen beschränken, von denen sich zweifellos etwas verstehen; bunte Herrenkleidermode, Pädophilie oder SM-Sexpraktiken zum Beispiel; wäre uns allen geholfen.

Bedauerlicherweise nerven sie aber nicht nur ihre eigenen gläubigen Schäfchen, die sich Sonntags in den Gottesdienst schleppen, sondern molestieren auch immer wieder die breite Öffentlichkeit.

Dabei geht immer um die beiden ureigenen Leidenschaften der Kleriker:

A)   Ihre Pfründe, Mammon, Privilegien

B)   Ihre sadistische Freude daran, andere zu diskriminieren

Frauen entrechten, Kinder verstümmeln, Geschiedenen den Job kündigen und natürlich der Klassiker: Queere auf jede erdenkliche Art niedermachen.

Das macht der Jesus-Fraktion so richtig Spaß. Gerade wieder geschehen in Griechenland.



[…..] Mitte Februar öffnete das griechische Parlament mit großer Mehrheit die Ehe für gleich­geschlechtliche Paare – gegen den erbitterten Widerstand der griechisch-orthodoxen Kirche […..]. Nun wollen sich die Bischöfe für diesen Schritt rächen: Die Kirchenführung in Korfu hat am Dienstag erklärt, dass sie zwei Abgeordnete der Opposition mit Sanktionen belegt. Die beiden "unmoralischen" Abgeordneten hätten den "größten spirituellen und moralischen Fehler" begangen und dürften deshalb nicht mehr an Kirchenveranstaltungen teilnehmen und dürften nicht mehr die Kommunion empfangen. […..]  In einem offenen Brief ruft etwa Ex-Bischof Ambrosius laut "Guardian" dazu auf, den konservativen Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis zu exkommunizieren. Mitsotakis hatte, wie auch mehr als zwei Drittel seiner Fraktion, für die Gleichbehandlung gestimmt. "Unsere orthodoxe Kirche befindet sich im Belagerungszustand", so Ambrosius, der in der Vergangenheit Homosexuelle als "Abschaum der Gesellschaft" bezeichnet hatte und dafür auch wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist (queer.de berichtete). "Wir sollten eine Revolution ausrufen gegen alle, die das Wort Gottes verwässern. Der Hauptakteur dieses Verbrechens, der Ministerpräsident von Griechenland, sollte – wie auch die 175 Abgeordneten, die mit Ja gestimmt haben – exkommuniziert werden", so Ambrosius. […..]

(Queer.de, 07.03.2024)

Christentum und Kirche – egal, ob sie in den USA Trump bejubeln, in Russland Putin zum Krieg anstacheln, in Polen die PiS unterstützen oder in Griechenland die Liebe an sich bekämpfen – sind immer der moralische Lackmustest.

Was sie unterstützen, ist garantiert falsch.



Mittwoch, 6. März 2024

Jeder Trump-Gegner willkommen

Natürlich sind die Bidemokratischen Influencer meiner Social-Media-Blase allesamt riesige Taylor Swift-Fans. Auch intelligente US-Freunde mit gutem Geschmack schicken mir Taylor-Swift-Videos und benehmen sich als „Swifties“ wie diese 11-Jährigen Tokio-Hotel-Fans vor 20 Jahren, über deren verzweifelte Väter die SZ damals eine Staun-Reportage schrieb. Die erschöpft im hinteren Hallenbereich der Tokio-Hotel-Konzerte ausharrten, weil ihre Brut zu jung war, um allein auf ein Popkonzert zu gehen. Die fassungslos in wabernden Wolken beißenden Uringeruchs standen, weil sich ihre präpubertären Töchter kollektiv vor Entzückung einnässten.

Für mich scheint der Zusammenhang zwischen Popmusik und Blasentätigkeit immer noch rätselhaft; wenn ich auch zugeben muss, gelegentlich gelitten zu haben, wenn eine musikalische Darbietung auf der Bühne so beeindruckend war, daß ich keinesfalls meinen Platz vorn inmitten einer jubelnden Masse aufgeben wollte, andererseits aber, ob der Höllentemperaturen seit Stunden ein Bier nach dem nächsten gesoffen hatte. Aber offenbar war ich niemals Fan genug, um nicht im Zweifelsfall doch lieber die Klos aufzusuchen.

Aber im Ernst, wer ist denn als erwachsener Mann noch Kreischfan so eines mainstreamigen blonden weißen Country-Gewächses aus Tennessee?

Die Antwort ist auch klar: Demokraten lieben sie, weil GOPer sie hassen. Letztere hassen zuverlässig immer das, wovor die Angsthasen sich am meisten fürchten! Und das ist in diesem Fall Swifts enorme Medienpower. Sie ist ultraerfolgreich, Milliardärin, Musikpreisrekordhalterin, vermutlich die bekannteste Frau der Welt und, besonders relevant, verfügt über rund 300 Millionen Social-Media Follower, die auf sie hören. Der größte Gruselfaktor aus republikanischer Sicht ist aber ihr Privatleben, denn mit der Verbindung zu einem superprominenten und bulligen bärtigen Ballspieler, der auch noch just den Superbowl gewann, dringt Swift endgültig in Fanschichten ein, die eher republikanisch ticken und normalerweise für politische Botschaften der Liberalen nicht empfänglich sind. Football ist der Sport der Konservativen und hier ist Multimillionär Travis Kelce mit fünf Millionen Instagram-Followern auch ohne seine Freundin eine große Nummer.  Mit seinem Podcast macht er weitere 100 Millionen US-Dollar. Peanuts verglichen mit Taylor, die mehr als 300 Millionen Tonträger verkaufte und deutlich mehr als eine Milliarde Dollar besitzt.

Ich versuche gar nicht erst diesen Megaerfolg zu erklären. Ich mag weder ihre Musik, noch ihre äußere Erscheinung, aber offenbar vertrete ich dabei eine extreme Minderheitenmeinung. Elf Nummer-eins-Singles, 13 Nummer-eins-Alben, über 100 Guinness-Weltrekorde, die am meisten gestreamte Frau auf Spotify, 14 Grammys, 40 American Music Awards, 29 Billboard Music Awards, 23 MTV Video Music Awards und 2023 Times Person of the Year.

Da machen es republikanische Strategen den 11-Jährigen Tokio Hotel-Fans von damals nach und nässen sich kollektiv ein, bei der Vorstellung, Tylor Swift könnte ein Instagram-Posting mit einer Biden-Wahlempfehlung absetzen.

Geschehen ist das bisher freilich nicht. Dafür ist Swift ganz offenkundig viel zu geldgierig und traut sich nicht, Trumpmerica offen zu verprellen.

[….] Taylor Swift took time out on Super Tuesday to implore her fans to vote in the 2024 primary elections.  “Today, March 5, is the presidential primary in Tennessee and 16 other states and territories. I wanted to remind you guys to vote the people who most represent YOU into power. If you haven’t already, make a plan to vote today,” Swift shared in a post on her Instagram Story.

“Whether you’re in Tennessee or somewhere else in the US, check your polling place and times at Vote.org.”

Swifties around the globe, who have been waiting with bated breath for the pop sensation to speak [….] Outside of these instances, as she did on Tuesday, Swift has used her platform repeatedly to tell fans to vote. Notably, voter registration soars by the tens of thousands after each of her get-out-the-vote Instagram posts.

It remains unclear if Swift will use her platform this year to do more than tell her fans to vote, but there is certainly an appetite for her to do so – and an appetite for her to keep quiet. [….] Also this year, there have already been many rightwing conspiracy theories flourishing online that suggest Swift is a covert asset to bolster Biden and that she and her boyfriend, Travis Kelce, are a set-up to bolster Biden; allies of Trump even pledged a “holy war” against Swift if she sides with the Democrats in November. [….]

(Guardian, 06.03.2024)

Aber schon ihr parteipolitisch neutraler Hinweis, doch bitte an den Vorwahlen teilzunehmen, gruselt die GOP. Denn sie profitiert immer von niedriger Wahlbeteiligung. Je mehr Leute überhaupt zur Wahl gehen; womöglich auch noch überproportional junge Swift-Fans, desto besser für die Demokraten.

Ob sich Swift und Kelce klar gegen Trump und die GOP stellen, wie es sich eigentlich für jeden Amerikaner mit auch nur einem Funken Anstand gehört, wage ich bisher zu bezweifeln.

Die Südstaatenblondine will schließlich noch viel mehr Geld verdienen.

[…..] Vom Rechtspopulisten Milo Yiannopoulos und anderen Vertretern der Alt-Rights wurde Swift als Ikone verehrt. Andre Anglin, Autor des neonazistischen Blogs The Daily Stormer, bezeichnete die Sängerin als „reine arische Göttin“. Swift bezog dazu nicht direkt Stellung, sondern versuchte, die Beiträge löschen zu lassen. Daher wurde ihr damals vorgeworfen, sich nicht von Neonazis zu distanzieren. In einem späteren Interview mit Rolling Stone erklärte Swift “There’s literally nothing worse than white supremacy. It’s repulsive. There should be no place for it” („Es gibt buchstäblich nichts Schlimmeres als weiße Vorherrschaft. Sie ist abscheulich. Dafür sollte es keinen Platz geben“). In einem Interview mit der Zeitschrift Time begründete Swift (damals 22-jährig) ihre Zurückhaltung in Sachen Politik damit, dass sie andere Menschen nicht beeinflussen wolle, solange sie noch nicht genug wisse, um den Leuten zu sagen, wen sie wählen sollen. Zudem fürchtete Swift, durch politisches Engagement in ähnliche Situationen wie die US-amerikanische Country-Band The Chicks im Frühjahr 2003 zu gelangen, als sich ein Band-Mitglied darüber äußerte, beschämt zu sein, weil der Präsident der Vereinigten Staaten (damals George W. Bush) ebenfalls aus Texas komme. Daraufhin erhielt die Band scharfe Kritik und wurde von zahlreichen Menschen der US-amerikanischen Bevölkerung boykottiert.  […..]

(Wikipedia)

Bisher ordnen sich ihre (angeblichen) Überzeugungen immer noch dem Mammon unter.

Das zeigt sich auch daran, daß Swift unter allen Prominenten weltweit seit Jahren die größte Klimapest ist.

[….]  Taylor Swift ist die Nummer eins. Nur geht es dieses Mal nicht um die Charts, sondern um Flugsünden. Die amerikanische Digitalagentur Yard hat ausgewertet, welche Promis am häufigsten mit ihren Privatjets durch die Gegend jetten, und Swift zur unrühmlichen Siegerin erklärt: Seit Januar dieses Jahres ist die Sängerin demnach schon 170 Mal geflogen. Laut Yard hat sie so 2022 schon 8293,54 Tonnen Emissionen ausgestoßen, 1100 mal mehr als eine durchschnittliche Person. […..]

(FAZ, 02.08.2022)

[…..] Wenn es um die Liebe geht, ist für Taylor Swift kein Weg zu weit – und keine Tonne CO2-Emissionen zu viel. 2022 wurde die US-Sängerin bereits angeprangert, unter den Promis das umweltschädlichste Verhalten an den Tag zu legen. Sie hatte im Gegensatz zu Kolleginnen und Kollegen die meisten Meilen im Privatjet zurückgelegt und damit den größten CO2-Fußabdruck hinterlassen. In diesem Jahr gibt es keine Besserung. Grund dafür soll ihre Beziehung sein.

Seit ein paar Monaten zeigt sich Taylor Swift an der Seite von Footballstar Travis Kelce. Für ihn ist die 34-Jährige in den vergangenen Monaten zwischen New York und Kansas City hin und her gependelt. Zusätzlich ist sie zwischen ihren Tourneestopps in Südamerika in den Flieger gestiegen, um nach Kansas City zu reisen. Das berichten mehrere Medien und beziehen sich auf den Instagram-Kanal "Taylor Swift's Jets", der die Routen des Privatjets verfolgt.

Durch die mehr als zwölf Flüge innerhalb der vergangenen drei Monate hat sie 138 Tonnen CO2-Emissionen ausgestoßen. Um diesen Umweltschaden wieder auszugleichen, müsste Taylor Swift 2.282 Bäume pflanzen und diese 10 Jahre lang wachsen lassen. Für die Fahrten wurden 12.622 Gallonen (umgerechnet 47.779 Liter) Kerosin verbraucht, was einem Wert von 70.779 US-Dollar – 64.230 Euro – entspricht.  […..]

(T-Online.de, 31.12.2023)

Aber noch wesentlich unsympathischer: Swift geht mit allen Mitteln gegen diejenigen vor, die es wagen, über ihre Klimaverpestung zu berichten.

[…..] Seit Jahren veröffentlicht ein Student aus Florida die Flugdaten der Privatflieger von Prominenten auf Social Media. Popstar Taylor Swift fühlt sich verfolgt - und will nun gegen ihn vorgehen.

Musikerin Taylor Swift will sich nicht länger überwachen lassen und geht gegen den Informatikstudenten Jack Sweeney aus Florida vor. Dieser hatte wiederholt Flugdaten ihres Privatfliegers veröffentlicht. Für Swift und ihr Management ein Problem: Mehrere US-Medien berichteten nun, dass Swifts Anwälte dem Studenten bereits im Dezember ein Unterlassungsschreiben geschickt hätten.

Pop-Superstar Swift ist dabei nicht die einzige, deren Flugdaten von dem Studenten getrackt und veröffentlicht wurden. Der 21-Jährige sammelt regelmäßig Bewegungen von Flugzeugen einer Reihe von Prominenten und veröffentlicht diese. Dafür benutzt der junge Mann öffentlich zugängliche Daten und verbreitet diese auf verschiedenen Social-Media-Kanälen.  [….]

(Tagesschau, 08.02.2024)

Keinerlei Umweltbewußtsein, Einschüchterung von Kritikern, Milliardärin – die klassische Vertreterin der Demokraten ist sie sicherlich nicht.

Sie ist eher das Idol der Superreichen. Arme können sich ihre Ticketpreise ohnehin nicht leisten.

[….] Singapur engagiert Taylor Swift für sechs Konzerte - ein Vergnügen ausschließlich für Reiche. [….] Bis zum Samstag tritt Swift im Rahmen ihrer "Eras"-Welttournee sechsmal in Singapur auf. Die Tickets kosten zwischen 108 und 1228 Singapur Dollars, also zwischen 75 und 850 Euro. Wer aber nicht zufällig zu den etwa 5,5 Millionen Einwohnern des Stadtstaates gehört, wird ganz leicht eine Fantastilliarde los, wenn er oder sie die Künstlerin live in Südostasien erleben will. Denn sie spielt nur in Singapur, nicht in Bangkok, Jakarta oder Manila. Die geografische Verknappung bedeutet, dass alle Swifties aus Laos, Kambodscha, von den Philippinen und aus Indien einfliegen müssen - in die derzeit teuerste Stadt der Welt.

"Ein Tourist, der ein Konzert oder eine Veranstaltung besucht, gibt in der Regel das Fünffache des Eintrittspreises aus", erklärte Sarah Wan, General Manager der Reiseagentur "Klook" dem Nachrichtensender CNN. Im Mittel sind das etwa 800 US-Dollar pro Fan, ohne Flüge. Und das in einer Weltregion, in der das durchschnittliche Monatseinkommen von etwa 180 Euro (Laos) bis zu 440 Euro (Thailand) reicht. Taylor Swift in Südostasien live zu sehen, ist also etwa so ein demokratisches Vergnügen wie eine Reise ins Weltall. Am 16. Februar behauptete der thailändische Premierminister Srettha Thavisin auf einem Wirtschaftsforum in Bangkok, Singapur habe Swift drei Millionen Dollar pro Auftritt bezahlt. Der philippinische Politiker Joey Salceda erklärte laut der Nachrichtenagentur Reuters, dies sei "nicht das, was gute Nachbarn tun". [….] Das "Singapore National Stadium", ist eine Open-Air-Arena, die 55 000 Menschen fasst. Für eine Künstlerin wie Swift, die lange, aufwendige Shows bietet, eine besondere Herausforderung. "Wie ihr sehen könnt, ist mein Haar zu seiner Werkseinstellung zurückgekehrt, dank der Luftfeuchtigkeit hier", scherzte eine perfekt geschminkte, aber sanft schwitzende Taylor Swift mit welligem Haar, zum Ende ihres Auftritts am Montag. Man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie sich nicht ins Zeug legt, für ihre wohlhabenden Fans.  […..]

(SZ, 06.03.2024)

Dienstag, 5. März 2024

Alptraum Thüringer CDU

Die CDU bekämpft laut ihres Bundesparteichefs einen Hauptgegner: Die Grünen.

Sein Thüringer Gauleiter Mario Voigt sieht es ähnlich, findet aber in überregionalen Interviews die AfD fast genauso schlimm, wie die Grünen.

[….]  Seit Wochen schlingert die CDU in ihrem Oppositionskurs, erklärt mal die Grünen zum »Hauptgegner«, dann doch wieder die AfD. Zuletzt irritierte CDU-Chef Friedrich Merz mit Aussagen zur möglichen kommunalen Kooperation mit der AfD. Nun hat Thüringens CDU-Chef Mario Voigt eine deutliche Grenze zu den extrem Rechten gezogen – und sie zugleich mit den Grünen gleichgesetzt.

Sowohl die Grünen als auch »in anderer Art und Weise die AfD« seien »Angstparteien«, sagte der 46-Jährige am Montag im RTL/n-tv-»Frühstart«. »Die wollen den Leuten immer einreden, dass wir jetzt kurz vor dem Weltuntergang sind.« […..]

(Spiegel, 31.07.2023)

Äußert sich Voigt hingegen in Landesmedien, die weniger Aufmerksamkeit in Berlin erregen, wird er deutlich AfD-freundlicher.

Im Landtag arbeiten die Braunen und Schwarzen immer wieder zusammen. CDU-Landräte setzt AfD-Forderungen um.

(….) [….] In einem gemeinsamen Schreiben haben 17 Thüringer CDU-Funktionäre nach der Schlappe ihrer Partei bei der Landtagswahl Bereitschaft zu Gesprächen mit der AfD im Freistaat gefordert. Der "Appell konservativer Unionsmitglieder in Thüringen" sei in CDU-Kreisen verbreitet worden, berichtete die "Ostthüringer Zeitung". Die Funktionäre empfinden es demnach als undenkbar, dass "fast ein Viertel der Wähler" in Thüringen "bei den Gesprächen außen vor bleiben soll". Damit wählten sie ganz ähnliche Worte wie der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Heym, der vergangene Woche mit Blick auf das Stimmenergebnis der AfD von 23,4 Prozent bei der Wahl gesagt hatte: "Man tut der Demokratie keinen Gefallen, wenn man ein Viertel der Wählerschaft verprellt." [….]

(SZ, 05.11.2019)

Heym sitzt immer noch für die CDU im Landtag, in dem seine CDU inzwischen mehrfach mit den Nazis der Höcke-Fraktion zusammenarbeitete.

Die Nazis in Deutschland marschieren wieder und vor die Frage gestellt, ob man sich dem entgegenstellt, oder lieber mit den Nazis gemeinsam geht, wählt die CDU zumindest nicht klar die erste Option, sondern übernimmt die faschistischen Narrative, den rechtsradikalen Hass und die populistische Staatsverachtung.

[….]  Die Beschädigung von demokratischer Zivilität speist sich nicht nur aus der politischen Peripherie, sondern aus jenen Teilen der bürgerlichen Mitte, die alles, was republikanische Bürgerlichkeit im besten Sinne bedeuten könnte, verleugnen. Das zerstörerische Werk der demokratischen Missachtung erledigen mittlerweile alle in Parteien und Redaktionen, die sich einen eigenen Nutzen davon versprechen, populistische Rhetorik und Ressentiments zu kopieren.

Wer sich permanent fragt, ob die eigenen Worte oder Positionen auch ausreichend das AfD-Klientel "abholen" oder besänftigen, hat den eigenen demokratischen Kompass schon verloren. Wer sich permanent fragt, ob die eigenen Aussagen oder Programme auch ausreichend die Anhänger von Verschwörungserzählungen "abholen" oder besänftigen, hat die Wirklichkeit als Maßstab schon verloren. Wer sich nicht traut, Stimmungen und Affekten zu widersprechen, nur weil sie laut sind, verwechselt Volumen und Wahrheit. Wer glaubt, die Prinzipien des Grundgesetzes seien "normalen Leuten" nicht zumutbar, ist nicht "nah an den Sorgen der Menschen", sondern zelebriert lediglich die zynische Gleichgültigkeit einer bürgerlichen Mitte, die nur noch nicht begriffen hat, dass das Grundgesetz das Fundament dieser Republik ist. [….]

(Carolin Emcke, 12.01.2024) (….)

(Präfaschismus, 14.01.2024)

Frisch zum Landesparteivorsitzenden wiedergewählt, macht sich Voigt gleich ans Werk, die AfD und den Nazi Bernd Höcke, weiter zu fördern und zu normalisieren.

Vielleicht verbindet die beiden Rechtsaußen die gemeinsame Erfahrung, Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen zu sein.

[….] Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen den Thüringer CDU-Landeschef Mario Voigt, 45, wegen des Verdachts der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. In dem Zusammenhang seien mehrere Räumlichkeiten durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden, sagte Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen. Seinen Angaben zufolge wurde das Korruptionsverfahren gegen Voigt eingeleitet, nachdem sich in einem anderen Ermittlungsverfahren Hinweise ergeben hätten.   […..]

(13.10.2022)

Nazis gibt Voigt gern eine Bühne. Traditionell wird in der Thüringer CDU, die eisern den judenfeindlichen Verschwörungstheoretiker HG Maaßen als CDU-Kandidaten verteidigte, darauf geachtet, auch antisemitisch zu blinken.

[….] Landtagswahl in Thüringen CDU-Spitzenkandidat Voigt will sich TV-Duell mit Björn Höcke liefern

Die Thüringer Spitzenkandidaten von CDU und AfD, Mario Voigt und Björn Höcke, wollen miteinander debattieren, ausgerechnet am Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Buchenwald. Die Empörung bei den anderen Parteien ist groß. [….]

(SPON, 04.03.2024)

Solange jüdische Organisationen nicht absolut entsetzt über die CDU wirken, sind Merzens Erfurter Ableger nicht zufrieden.

[….]  Das Internationale Auschwitz Komitee hat ein geplantes TV-Duell zwischen den Thüringer Spitzenkandidaten von CDU und AfD, Mario Voigt und Björn Höcke, scharf kritisiert. Die Diskussion der beiden Politiker ist bislang am 11. April, dem Tag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora, im Nachrichtensender "Welt" vorgesehen.

"Die Entscheidung des Thüringer CDU-Vorsitzenden, einer der bekanntesten Galionsfiguren rechtsextremer Hetze in Europa ausgerechnet an diesem Gedenktag einen weithin beachteten Auftritt zu ermöglichen, mutet Überlebenden des Holocaust politisch völlig instinktlos und makaber an", sagte der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, in Berlin.

Man empfinde dies "als Beschädigung der von allen demokratischen Parteien geförderten und geforderten Erinnerungskultur in Deutschland und auch als Beschädigung des Vertrauens, das zwischen Überlebenden der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager und Thüringen und Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist", so Heubner. [….]

(Tagesschau, 04.03.2024)

Die Thüringer CDU weist die empörte jüdische Kritik, ebenso wie die entsetzte Kritik anderer Parteien, trotzig von sich und beharrt auf dem Termin.

Das ist in sich logisch; denn schließlich wollen die kleinen braunen Ost-Merze nicht die Opfer Buchenwalds, sondern die Nachfahren und Fans der Täter ehren.

Daß Nachplappern und Übernahme der AfD-Themen nur die AfD stärkt und die Demokratie schwächt, wissen Merz und Voigt. Möglicherweise.

Wenn sie es wissen und es dennoch tun, zeigt das ihre moralische Verkommenheit und macht sie dadurch unwählbar.

Wenn sie es nicht wissen und es tun, zeigt das ihre intellektuelle Unterentwicklung und macht sie dadurch unwählbar.

[….]  CDU-Chef Mario Voigt fordert den AfD-Rechtsaußen zum TV-Duell heraus. Er will ihn inhaltlich stellen. Na, das wird was werden.

Aufmerksamkeit ist eine wichtige Währung im Wahlkampf. Wer sie bekommt, hat schon viel gewonnen. Wer sie fürchtet, tritt besser gar nicht erst an. Und wer sie sucht, sollte geschickt sein in der Wahl seiner Mittel. In Thüringen fordert CDU-Chef Mario Voigt für ein TV-Duell nun Björn Höcke von der AfD heraus, den Mann, den er selbst "Möchtegern-Führer" einer rechtsextremistischen Truppe nennt. Mit dieser Truppe hat Voigt im Landtag Gesetze beschlossen und vor vier Jahren einen Ministerpräsidenten von der FDP gewählt. Nun möchte Voigt Höcke ins Licht ziehen, wie er es selbst nennt, um dessen Schwäche zu offenbaren.

An diesem Konzept sind schon viele gescheitert, man kann es in Talkshows regelmäßig beobachten. [….] Höcke hat in dieser Konstellation alle Chancen auf seiner Seite: Egal, ob er rhetorisch provoziert oder den Staatsmann mimt, es wird ihm bei seinen Anhängern nützen. [….]

(Iris Mayer, SZ, 05.03.2024)

Höcke einen Vorteil zu verschaffen, liegt ganz auf Voigts Linie. Den zutiefst bürgerlichen, praktizierenden Christen Ramelow und seine RRG-Koalition verachtet der CDU-Chef sehr viel mehr, als die inhaltlich CDU-nahe AfD. Aus Überzeugung hilft er, die Braunen stark zu machen, damit die Linken schwächeln.

[….] In den Umfragen liegt Höckes AfD weit vorn, viele denken, uneinholbar weit. Eine Chance hat Voigt nur, wenn seine CDU mindestens auf Platz zwei landet. Seine Strategie: den weiterhin beliebten Ramelow verdrängen und die Wahl zu einem Zweikampf zwischen Höcke und sich selbst stilisieren.

Wer die AfD verhindern will, so das Kalkül, müsse im September CDU wählen. Das kann man als Parteistratege so darstellen. Doch wie die CDU ihren Angriff auf die AfD umsetzt, ist falsch, gefährlich und wird am Ende nicht der CDU, sondern den Rechtsextremisten nützen. Kurz: Es ist ein Trauerspiel, das weit hinter die Erkenntnisse zum Umgang mit Rechtsextremisten zurückfällt.

Am deutlichsten wird dies durch das Fernsehduell, das Voigt nun für April plant: Er will sich einem Zweikampf mit Höcke stellen, ausgestrahlt von Welt-TV. Darin will Voigt die AfD wohl inhaltlich angehen, wie die CDU es mehrfach angekündigt hat. Gegen rhetorisch begabte Demagogen wie Höcke ist die Gefahr, dass jemand wie Voigt verliert, sehr hoch.

Doch die Gefahr besteht ganz unabhängig vom Ausgang des Duells. Denn Höcke bekommt so eine weitere Bühne, um sein extremes Gedankengut auszubreiten und zu verharmlosen. Ein solcher Zweikampf erweckt den Eindruck, die AfD sei eine ganz normale Partei, Höcke ein legitimer Gegenkandidat. Doch genau das ist eben nicht der Fall.  […..]

(Sabine am Orde, taz, 05.03.2024)