Mittwoch, 6. Dezember 2017

Mehr Golf bitte.



Eine Schlagzeile ist diese extreme Hypokrisie natürlich wert.
Der Typ, der Obama bezichtigte zu viel Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen, statt als Präsident im Oval Office zu arbeiten, stellt sich als Obamas Nachfolger als faulster US-Präsident aller Zeiten dar.

[….] Donald Trump hat am Freitag zum 80. Mal einen seiner eigenen Golfclubs besucht, seit er am 20. Januar seinen Amtseid ablegte.
Das hat der Sender CNN errechnet - und strahlte zugleich Clips aus dem Wahlkampf im vergangenen Jahr aus: Da hatte der Republikaner wiederholt mit Seitenhieb gegen Vorgänger und Golfliebhaber Barack Obama betont, dass er sich als Präsident keine Zeit nehmen würde, den Schläger zu schwingen: Er würde nur arbeiten, arbeiten - zum Wohle des amerikanischen Volkes. [….]

Ich bin aber weit davon entfernt mich über Trumps obsessive Golferei zu ärgern.
Im Gegenteil, so lange er kleinen weißen Bällchen in seinem Golfcart hinterher juckelt, stellt er wenigstens nichts Schlimmeres an.

Trump und seine Partei, die GOP, die „Grand Old Perverts“ sind eben nicht länger nur eine lächerliche Lobbyistenvereinigung, um gewaltig von unten nach oben umzuverteilen, sondern sie bemühen sich als neroeske Terrortruppe intensiv darum die Welt zu entflammen.


Gerade halten die USA das größte Militärmanöver seit 1948 an der nordkoreanischen Grenze ab, um Kim Jong Un maximal zu provozieren. Gut möglich, daß es dem Atomschlag-begeisterten Trump bald gelingt den Biscuit zu knacken und mit dem darin enthaltenen Code den „Football“ zu aktivieren.

Der destruktive Irre hat allerdings noch weitere Eisen im Feuer; irgendwie wird er die Welt schon kaputt bekommen.
Seit gestern zündelt er intensiv im Nahen Osten, indem er etwas so Wahnsinniges tut, das sogar der nicht unbedingt friedensliebende George W. Bush alle sechs Monate durch eine Unterschrift verhinderte, Clinton und Obama sowieso.
Sie alle sorgten stets dafür das entsprechende Gesetz nicht umzusetzen.

[….] Der Erlass für den Sitz der Botschaft bezieht sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995, in dem der amerikanische Kongress ihre Verlegung beschlossen hatte. Bislang verschoben aber alle Präsidenten die Umsetzung mit der Begründung, dies schade der nationalen Sicherheit. Die Frist wurde immer wieder um sechs Monate verlängert. Trump hatte die Verlegung der Botschaft im Wahlkampf versprochen. [….]
(dpa, 06.12.17)

Wir erleben ein Musterbeispiel von Trumps völliger Ignoranz.
Die Bush-II-Administration mit Cheney, Wolfowitz und Rumsfeld war sicherlich noch israelfreundlicher als Trumps kuriose mit radikalen Antisemiten (Gorka, Bannon) besetzte Chaosbande. Aber selbst GWB, der immerhin zwei illegale Angriffskriege begann, erkannte nicht offiziell die 1967 im Sechstagekrieg von Israel besetzte heilige Stadt der Araber als Hauptstadt Israels an.
Jeder Achtjährige kann sich ausrechnen, welchen Zündstoff so eine Wahnsinnstat in der ultraleicht entzündlichen Gegend darstellt.

[….] Bevor Donald Trump Präsident der USA wurde, war er im Immobiliengeschäft tätig [….] Das gilt auch für seinen Schwiegersohn Jared Kushner, der früher Hochhäuser baute und heute ein ranghoher Berater im Weißen Haus ist, von Trump damit beauftragt, Frieden zu schaffen zwischen Israel und den Palästinensern. Und es gilt für Jason Greenblatt, der sein ganzes Berufsleben als Anwalt mit Grundstücken zu tun hatte, bis ihn Trump voriges Jahr zu seinem Beauftragten für internationale Verhandlungen ernannte.
Insofern war die Frage nicht allzu ketzerisch, die der israelisch-amerikanische Medienunternehmer Haim Saban vor einigen Tagen Kushner bei einer Veranstaltung in Washington stellte. Kushner sollte erklären, wie er das hinkriegen wolle mit dem Frieden im Heiligen Land, an dem er seit Monaten bastelt. Und Saban machte keinen Hehl aus seinen Zweifeln: "In der ganzen Gruppe ist kein einziger Nahostexperte", stichelte er. "Ich meine, wie arbeitet ihr mit lauter Leuten, die keine Ahnung von nichts haben? Was macht ihr Jungs?" [….]

Der von keinerlei Bildung belastete Hobbygolfer begreift wieder einmal gar nicht was er anrichtet – außer, daß er wieder einmal seiner tödlichen Obsession frönt die Spuren Obamas aus der Geschichte zu tilgen.
Daß er den ohnehin unter seinem Freund Bibi nicht vorankommenden Friedensprozess damit beerdigt, ist Trump egal.

Mahmud Abbas (Palästinenserpräsident): "Diese beklagenswerten und unannehmbaren Maßnahmen untergraben bewusst alle Friedensbemühungen." Washington gebe "seine Rolle als Förderer des Friedensprozesses" auf.
Ismail Hanija (Chef der radikalislamischen Hamas): "Trumps Entscheidung (...) wird die historischen und geografischen Fakten nicht verändern. Das palästinensische Volk weiß angemessen auf die Missachtung seiner Gefühle und Heiligtümer zu reagieren."
Emmanuel Macron (Präsident Frankreichs): "Zum Thema Jerusalem: Frankreich ist nicht einverstanden mit der Entscheidung der Vereinigten Staaten. Frankreich unterstützt die Zwei-Staaten-Lösung in Israel und Palästina, in Frieden und Sicherheit, mit Jerusalem als Hauptstadt zweier Staaten. Wir konzentrieren uns auf Beschwichtigung und Dialog."
Türkisches Außenministerium: "Wir verurteilen die unverantwortliche Stellungnahme der US-Regierung."
Iranisches Außenministerium: "Diese irrationale und provokante Entscheidung wird zu einer weiteren Intifada sowie mehr Extremismus und Gewalt führen."
António Guterres (UN-Generalsekretär): "Es gibt keinen Plan B. Ich habe mich immer wieder gegen einseitige Maßnahmen ausgesprochen, die die Aussichten auf einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern gefährden würden."
Saeb Erakat (Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO): "Ich denke, dass Präsident Trump die USA heute Abend für jegliche Rolle im Friedensprozess disqualifiziert hat. Er hat die Zwei-Staaten-Lösung zerstört."
Jamal Zahalka (arabisch-israelischer Parlamentsabgeordneter): "Trump spielt mit dem Feuer, er kümmert sich nicht um anhaltendes Blutvergießen und er ist bereit, alles zur Beschwichtigung der extremen Rechten in Israel zu tun." Zahalka sprach von einer "Beerdigungsfeier für den Friedensprozess."

Auch in Deutschland ist jeder Mensch mit mehr als drei Hirnzellen zutiefst geschockt von der Entscheidung aus Washington.

[….] Trump ist ein Spieler. Aber wer im Nahen Osten glaubt, spielen zu können, reitet auf einer Rasierklinge. Der US-Präsident scheint aus seinem sehr eingeengten Blickwinkel wirklich zu glauben, mit diesem Schritt das Spielfeld erweitern zu können. Gerade das macht diese Entscheidung so dramatisch. [….]

Beifall klatschen Trump nur die übelsten rechtsradikalen Islamophoben in Deutschland.
David Berger, der verwirrte rechtsnationale Ego-Blogger ist entzückt und stellt einen „Gastbeitrag“ des fanatischen Zündlers Adam Elknakhal auf seinen Phimoseblog.

[…..] Allen voran unsere Kanzlerin, die über Israels Existenzrecht als „deutsche Staatsräson“ spricht, könnte nun ihren als leer empfundenen Worten Taten folgen lassen und die deutsche Botschaft in Israel ebenfalls dorthin verlegen, wo sie auch hingehört: In die Hauptstadt Jerusalem!
Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in absehbarer Zeit passieren wird, geht freilich gegen Null.
Trotzdem bleibt der Schritt der Vereinigten Staaten ein Hoffnungsschimmer und vielleicht setzt er einen Dominoeffekt in Gang – auf dem Weg zur Normalität.
Das von Feinden umgebene Israel kann aufatmen. Der große Bruder steht wieder freundschaftlich an der verwundbaren Seite. Trump sei Dank! [….]

Wer so überschwänglich vom braunen Hassblogger Berger gelobt wird, hat die Gewissheit vollkommen falsch zu liegen.

Mehr Krieg und Terror werden folgen, also genau das, was Typen wie Berger und Trump so heiß ersehnen, dass sie es immer herbeireden.
Je mehr Blutbad, desto glücklicher sind sie.

Wäre Trump doch in Mar A Lago geblieben, hätte seine 200.000-Dollar-Mitgliedsbeiträge kassiert und seine enthirnten Epigonen durch Betrügereien beim Golf geschlagen.

Dienstag, 5. Dezember 2017

Weihnachtswahn.


Gerade komme ich vom Groceryshopping bei meinem REWE.
Für einen Supermarkt ist dieser REWE recht angenehm, weil er so groß ist, daß man nicht mit anderen Kunden kollidiert und insbesondere, weil dort keine Hintergrundmusik läuft.
Um 22.00 Uhr da zu sein ist besonders gut, weil dann auch keine lärmigen Kinder mehr durch die Gänge toben.
Allerdings begegnete ich einem entfernten Bekannten, der mir erklärte, ohne daß ich ihn dazu aufgefordert hätte, wie ihn die vielen Stände mit Weihnachtsdekoration, Glühwein und Stollen nervten.

Ich sah mich kurz um; tatsächlich. Alles voll mit dem Zeug.
Offenbar habe ich mir inzwischen einen derartigen Tunnelblick angewöhnt, daß ich die saisonalen Dinge, die mich nicht interessieren, gar nicht wahrnehme.
Meine Mutter fuhr vor ca 20 Jahren mal einen schwarzen Fiat Barchetta mit Hardtop. Wirklich ein süßes Auto, das durch seine runden Formen so extravagant wirkte.









„So ein kurioses Auto hast Du noch nie gesehen“ sagte ich zu einer Freundin, die ich von der Arbeit abholte. Barchetta kannte sie nicht. Kurze Zeit später fuhr ein anderer Barchetta auf der Nebenspur. Ich konnte es nicht fassen, weil ich annahm, meine Mutter fahre den Einzigen weit und breit. Aber weit gefehlt. Wenn man drauf achtet, sieht man die Dinger an jeder Ecke. Das war mir nur früher nie aufgefallen, weil mich Autos nicht interessieren.

Genauso erging es mir einst, als ich völlig geschockt ob meiner MINUS-EIN-VIERTEL-DIOPTRIN-Diagnose vom Augenarzt kam, der mir empfahl mit einem Optiker zu sprechen. Meine erste Brille wäre fällig. BRILLE? Optiker? Ich kannte keine Optiker. Wie findet man so einen? Wo muss man denn da ganz hinfahren?
Auf dem kurzen Weg nach Hause dann die Überraschung – sage und schreibe fünf Brillengeschäfte zählte ich beim Vorbeifahren. Die gibt es wie Sand am Meer. Ich hatte nur nie vorher einen wahrgenommen, da ich selbst keine Brille trug.

Wenn mir also nicht gerade in penetranter Lautstärke irgendwo in der Öffentlichkeit „Stille Nacht“ vorgespielt wird, bemerke ich weihnachtliche Dekoration nicht.
Klar, wenn man drauf hingewiesen wird, ist der REWE voll mit dem Zeug. Aber wen wundert es? Schließlich ist morgen schon Nikolaus.
Offensichtlich gibt es haufenweise Kinder und Eltern, die dem entsprechenden Konsumzwang frönen.
Für mich ist das aber zu lang her. Weihnachten, Silvester, Ostern und Co ignoriere ich seit mehr als drei Dekaden.
Meine Mutter pflegte auf die Frage „was machst du Weihnachten?“ zu antworten „da gehe ich nicht hin!“

Wie viele Menschen habe auch ich etwas rosige Kindheitserinnerungen an Weihnachten, das wir bei meiner Oma mütterlicherseits begingen.
Meine Oma starb aber 1982; der 24.12. 1982 war das erste Weihnachten ohne sie und endete in allgemeiner Depression.
Wie sich herausstellte, hing der Rest weniger an dem christlichen Fest, der Tradition oder den Geschenken, denn an meiner Oma, die eine sehr besondere Stellung innerhalb der Familie einnahm. 
Sie wurde geliebt, war aber auch gleichzeitig Autorität. Mein Oma war eine extrem elegante und selbstbewußte Frau, die schon im 1. Weltkrieg einen Führerschein machte und in den 20er Jahren in einem Cabrio durch die Stadt düste; ihre beiden ältesten Kinder hinten auf dem aufgeklappten Notsitz.
Sie hielt die Familie, die längst nicht mehr zusammenwohnte, zusammen.
 Ich bewunderte sie grenzenlos und wußte wohl schon als Kind instinktiv, daß wir nachfolgenden Generationen verglichen mit ihr alle Proleten waren; nie so viel Haltung zeigen könnten.
Haltung in vielfachem Sinne. Im ganz hohen Alter saß sie immer kerzengerade, hätte niemals gejammert oder sich gehen lassen.
In den 1930ern ging sie bewußt im hellen Tageslicht zu ihren jüdischen Schneidern, denen die Familie seit Generationen verbunden war. 
Es ging ihr womöglich gar nicht so sehr darum ein Zeichen zu setzen oder der Gestapo zu trotzen. Aber ihr persönlicher Anstand erforderte es zu ihnen so höflich wie immer zu bleiben.
Es gab dann einige anonyme Anzeigen gegen sie, weil die Deutschen nun mal zu gerne denunzieren. Aber auch das Nazi-Regime zeichnete sich durch eine gewisse Willkür aus, so daß sich meine Oma immer wieder herausreden konnte.
So eine Frau war meine Oma und nach dem Weihnachten 1982 ohne sie, sagte meine Mutter aller weiteren Weihnachtsfeiern für den Rest ihres Lebens ab.
Ich fand das nur konsequent. Die Generation meiner Oma, die noch im 19. Jahrhundert geboren wurde, war ausgestorben.
 Einige Jahre später; ich wohnte zum erstem mal allein, studierte, wurde mir erstmals bewußt, wie viel Glück im Unglück ich hatte.
Freunde, die in anderen Ländern oder Städten studierten, kamen über Weihnachten nach Hamburg, riefen mich an, wunderten sich, wie ich die Tage ganz allein verbringen konnte. Bis zum 25.12., spätestens 26.12. – da riefen sie wieder an, auf der Flucht vor ihrer eigenen Familie.
„Kann ich vorbei kommen? Ich halte das hier nicht mehr aus. Du machst es richtig!“
Ich begann mich privilegiert zu fühlen.
War das ein Glück, daß ich diesen Kaufrausch, das Singen und „festliche Beisammensein“ nicht mitmachen musste.
Das Wort „chillen“ war noch lange nicht erfunden, aber tatsächlich chillte ich in diesen Tagen. Zu keiner anderen Zeit im Jahr hat man als Großstadtbewohner in einem Mietshaus mit kleinen Wohnungen so eine Ruhe.
Schließlich wohnen in den umliegenden Wohnungen fast nur Singles, die zu diesem Familienfest ihre Verwandten in größeren Behausungen aufsuchen.
Drei Tage völlige Ruhe. Kann es etwas Schöneres geben?

Inzwischen habe ich vergessen, daß es familiäre Zwänge, gesellschaftliche Konventionen und christliche Riten gibt, die eine Weihnachtsfeier erfordern.

Seit einiger Zeit lese ich allerdings wieder in den sozialen Netzwerken Postings wie dieses.


Angeblich soll es zur Feier von Christi Geburt die meisten Suizide geben, weil den Menschen ihre Einsamkeit so schmerzlich bewußt wird.
Ich konnte dafür keinen klaren Beleg ergoogeln.
Aber scheinbar gibt es selbst in einer Stadt wie Hamburg, in der mehr als 50% der Wohnungen Singlehaushalte sind, massenhaft Menschen, die sich durch diese Feiertage sozial derartig unter Druck gesetzt fühlen, daß sie bei Nichterfüllen des angemessenen Festprogramms schon Wochen vorher in Depressionen versinken.

Ich verstehe es aber nicht. Wir haben das Jahr 2017, das Internet, leben weitgehend säkular und selbstbestimmt.
Wie kann das Nichtfeiern eines  Festes, das dem Konsum huldigt und heidnische Bräuche mit einer Ekelreligion verquickt, Menschen so verunsichern?

Macht Euch frei von Weihnachten.
Kein (erwachsener) Mensch braucht das.

Montag, 4. Dezember 2017

Kleptokratie extrem



Der pathologische Lügner im Weißen Haus scheint es nach einem Jahr endlich geschafft zu haben sein erstes Gesetz durchzubringen.

Eine im Rekordtempo zusammen gestümperte Steuerreform, die in den nächsten acht Jahren etwa sechs Billionen Steuererhöhungen für die Mittelklasse und vier Billionen Steuererleichterungen für das reichste Prozent der Bevölkerung bringen wird.

Offiziell rechnet man mit 1,4 bis 1,5 amerikanischen Trillionen  Haushaltsdefizit.
Das sind rund 1.400 Milliarden Euro.

Im Grunde kann man darüber nur noch lachen:
Bei demokratischen Wahlen bringen superreiche Strippenzieher wie die Koch-Brüder die weiße abgehängte Unterschicht dazu für einen irren Milliardär zu stimmen, der dann konsequent gegen die Interesse der Ärmeren und Ungebildeteren, die ihn gewählt haben Politik macht. Er will ihnen die Krankenversicherung und Sozialleistungen nehmen, zerstört die Umwelt und schiebt sich selbst Milliarden auf das eigene Konto.
Schon lange wählt der konservative White Trash im Biblebelt konsequent gegen die eigenen Interessen, indem er nur GOP ankreuzt und dann zusieht wie die GOP-Multimillionäre im Senat und House Politik zu Gunsten des einen obersten Prozents macht.
Eine sehr reiche Minderheit macht von einer Minderheit gewählt Politik für die extreme Minderheit der Billionäre.
Für Amerikaner, die unter 75.000 Dollar im Jahr verdienen, wird die Abgabenlast steigen. Gefeiert wird das als erster ganz großer Erfolg Trumps.
Willkommen in der ältesten Demokratie der Welt, dem Land Of The Free.


Kann man sich nicht ausdenken.

[….] A rushed tax bill showers goodies on parts of corporate America. The Republican Senate plan sneaked in tax breaks for oil and gas partnerships, real estate investment trusts and other sectors. One hiccup, though, puts the research and development tax credit favored by business at risk.
The plan passed early Saturday expands the kind of income eligible for reduced tax rates in pass-through entities, like partnerships and limited-liability companies. Oil and gas partnerships would be eligible under the bill, in addition to mortgage investments by real-estate investment trusts.
Instead of paying a top income tax rate of nearly 40 percent, they would face an effective rate of about 30 percent because of a 23 percent deduction allowed for pass-through income. Overall, wealthy individuals like President Trump would benefit the most from the provision because they often structure their businesses as pass-through entities.
Banks also stand to gain from a last-minute exception to a provision aimed at prohibiting tax-base erosion through overseas activities. Derivative payments, initially included as qualifying activities, are now excluded from such tax calculations.
That’s in addition to a cut in the overall corporate tax rate to 20 percent from 35 percent. Yet reductions for individual income would be temporary and taxes for people making up to $75,000 a year would go up by 2027, according to the Congressional Budget Office. […]

Sonntag, 3. Dezember 2017

Ich sehe schwarz, und zwar dunkelschwarz



Man sollte das wirklich nicht tun, aber ab und an kann ich es mir nicht verkneifen und werfe doch mal einen Blick auf Maischberger, Will und Co.
Es ist und bleibt aber extrem ärgerlich, wie das Ein-links-ein-rechts-Schema und das Bemühen um die totale Ausgewogenheit jeden Erkenntnisgewinn blockiert.
Verroht unsere Gesellschaft?“ lautete zuletzt das Thema bei Maischberger.

Wie immer bereitete die ARD den AfD-Hetzern den roten Teppich aus. Alice Weidel (Betriebswirtin, keine Juristin) bezichtigte Heiko Maas (Volljurist, Justizminister) auf breiter Linie gesetzwidrig vorzugehen.
Die anderen Gäste, Prof. Pfeiffer (habilitierter Jurist, ehemaliger Justizminister Niedersachsens), Fleischhauer (konservativer Journalist) und Andreas Hollstein (promovierter Volljurist, CDU) wiesen das allesamt als abwegig zurück.
Maas, wie immer sehr kontrolliert und sachlich, bat Weidel zu erklären, wie und wo er gegen das Grundgesetz verstoße.
Maischberger ließ die Diskussion natürlich nicht zu, verhinderte eine tiefer Erörterung des Themas und sicherte so wieder einmal einer ultrarechten AfD-Person ihren PR-Erfolg vor ihren eigenen Leuten. Sie hatte nicht nachgegeben, war bei ihren Behauptungen geblieben und geriet nicht in Bedrängnis.

Wer an sachlichen Informationen interessiert ist, hat keinen Erkenntnisgewinn aus diesen hektischen Aufsagerunden, in denen jeder einmal kurz seine Position raushaut, bevor Einspielfilmchen und weitere Abfragerunden folgen.

Aber bei dieser erbärmlichen Art des Polit-Infotainments wird ohnehin nur an die eigene Basis appelliert.
Weidel zeigte das sehr schön, als der renommierte Kriminologie Prof. Dr. Pfeiffer ihre Thesen von der ansteigenden Gewalt in Deutschland durch Flüchtlinge widerlegte, ja sogar bewies, wie die Gewaltstraftaten in den letzten Jahren zurückgingen und nicht etwa durch die „Flüchtlingsströme“ zunahmen.
Statt inhaltlich auf Pfeiffers Faktenmaterial  einzugehen, grinste sie hämisch und wies mit gespielter Empörung auf Pfeiffers SPD-Mitgliedschaft hin.
Im TV-Studio hatte das natürlich keinen Effekt; Fakten bleiben Fakten, Weidel war weiterhin erkennbar als Lügnerin unterwegs.
Aber ihr war es egal, da sie an die AfD-Sympathisanten und Nazis vor den Bildschirmen dachte, denen in ihren Filterblasen erfolgreich eingehämmert wurde, die Altparteien steckten ohnehin aller unter einer Decke in ihrem Bemühen „Deutschland umzuvolken“ und die „Scharia einzuführen“.
Wer das glaubt, weiß schon nach dem Trigger „SPD-Parteibuch“, daß er den Pfeiffer-Ausführungen nicht glauben wird.
Wer einen starken Magen hat, möge während einer Maischberger/Will/Pasberg-Sendung mit AfD-Beteiligung unter den entsprechenden Hasch-Tagen die Twitter-Homepage aufrufen.
Das pure Grauen breitet sich da aus – Myriaden von braunen Verschwörungstheoretikern kriechen da aus ihren Löchern und verzerren die Realität.

Jan Fleischhauer, nach Matusseks Abgang das größte Ärgernis des SPIEGEL, hatte an dieser Stelle einen lichten Moment, indem er von seinen Erfahrungen mit einem AfD-Fake-Profil auf Facebook berichtete. Es brauche nur wenige Klicks und schon befindet man sich in einer reinen rechtsradikalen Verschwörungswelt.
Die Algorithmen von Facebook, Twitter und Co sorgen dafür, daß man nur noch ins braune Weltbild passende Nachrichten von bösartigen islamistischen Horden hört, die brandschatzend und vergewaltigend durch Deutschland ziehen.
Den Müll, den Elsässers Compact, David Bergers Phimoseblog, Jürgen Fritz, PI, JF, Kopp, die Facebookauftritte von Höcke, Weidel, Gauland und viele andere ausschließlich verbreiten.
Schaltet man derart gefiltert die ganz normalen HEUTE-Nachrichten oder die Tagesschau ein und findet dort die ganzen Horrormeldungen über das Millionenheer von in Deutschland rumrockernden Islamisten nicht mal erwähnt, ist alles klar: Die Mainstreammedien lügen und verschweigen etwas.

So entstand Trump. Eine ganze Industrie aus ultraradikalen Verschwörungsmedien – Breitbart, Infowars, Fox – verbreitete ausschließlich Trumps grotesk verlogene Scheinrealität.
Schaltet ein derart braingewashener Trump-Hillbillie aus Alabama mal aus Versehen NBC oder CNN an, hält er die dort verbreiteten Fakten alle für Lügen.

[….] Vor drei Mo­na­ten habe ich ei­nen Selbst­ver­such als AfD-An­hän­ger be­gon­nen. Ich habe mir bei Face­book un­ter dem Nach­na­men mei­ner Frau ein neu­es Pro­fil zu­ge­legt, als Hin­ter­grund­bild wähl­te ich eine Berg­land­schaft von Cas­par Da­vid Fried­rich. Dann schick­te ich zehn Frem­den, von de­nen ich an­neh­men konn­te, dass sie mit der rech­ten Sa­che sym­pa­thi­sie­ren, eine Freund­schafts­an­fra­ge. Die Na­men hat­te ich aus Kom­men­ta­ren auf den Face­book-Sei­ten der AfD in Ber­lin und Sach­sen zu­sam­men­ge­sucht.

Es war ein Ex­pe­ri­ment. Ich woll­te her­aus­fin­den, wie sich der Blick auf die Welt ver­än­dert, wenn man plötz­lich mit Leu­ten in Kon­takt steht, die Lutz Bach­mann für ein Jus­ti­zop­fer und Frau­ke Pe­try für die nächs­te Bun­des­kanz­le­rin hal­ten. [….]
Es ist er­staun­lich, wie sich die Wahr­neh­mung ver­düs­tert, wenn Face­book ei­nen als AfD-Sym­pa­thi­san­ten iden­ti­fi­ziert hat. Man tritt in eine Welt, in die sel­ten ein Son­nen­strahl fällt. Die ver­gan­ge­ne Wo­che be­gann mit ei­nem Zu­sam­men­schnitt von Film­clips, in de­nen ara­bisch aus­se­hen­de Ju­gend­li­che auf Men­schen ein­schlu­gen, die laut um Hil­fe rie­fen. „Ach­tung!! Tei­len!!!“ stand dar­un­ter. „Die­ses Vi­deo zeigt die Ge­walt, die sich Ein­hei­mi­sche ge­fal­len las­sen müs­sen von Mi­gran­ten.“
Dann las ich die Nach­richt, dass in der Stadt Neuss auf Druck der Mus­li­me an ei­nem ers­ten Ki­osk statt Bock­wurst nur noch Hühn­chen­spie­ße ver­kauft wer­den. Spä­ter wur­den mir Schock­bil­der von Tier­schlach­tun­gen prä­sen­tiert, ver­bun­den mit dem Auf­ruf, mich für ei­nen Bann der Schäch­tung ein­zu­set­zen.
So geht es im­mer wei­ter, Tag für Tag. Auf die Mel­dung über das Bock­wurst-Ver­bot folgt die Nach­richt, dass jetzt die Spar­schwei­ne ver­schwin­den, nach dem Spar­schwein-Alarm kom­men neue Schlä­ger­vi­de­os. Wer das län­ger mit­macht, muss un­wei­ger­lich zu dem Schluss ge­lan­gen, dass Deutsch­land vor die Hun­de geht, wenn sich nicht bald et­was än­dert. Und das Irrs­te ist: Nichts da­von fin­det sich in den her­kömm­li­chen Me­di­en!
Die meis­ten Men­schen glau­ben, dass die Nach­rich­ten, die sie über Face­book emp­fan­gen, Teil ei­nes Face­book-Nach­rich­ten­diens­tes sei­en. Was sie dort le­sen, zeigt nach ih­rer Über­zeu­gung, wie es in Wirk­lich­keit zu­geht, so­bald man die Scheu­klap­pen ab­legt. Wenn man den Leu­ten sagt, dass ihr „News­feed“ an­ders aus­sieht als der ih­res Nach­barn und erst recht an­ders als der ei­nes po­li­ti­schen Op­po­nen­ten, sind sie über­rascht. [….][….]  [….]

Unfreiwillig unternehme ich gerade ein ähnliches Experiment, da Herr Zuckerberg mich gleich für einen ganzen Monat in den Giftschrank sperrte, nachdem ich (angeblich) etwas Unfreundliches über den gegenwärtigen US-Präsidenten gesagt haben soll (als ob ich sowas jemals täte. Ich bin doch ein guter US-Patriot).

Ein linkes Profil ist ebenso schnell erschaffen wie ein Weidel-Konformes.
Als überzeugter R2G-Anhänger sollte ich mich da eigentlich nicht so unwohl fühlen, wenn ich in FB-Gruppen wie „Linke in der SPD“ gesteckt werde.
Aber die Einseitigkeit erschreckt mich dann doch.
Natürlich ist Schröder schlimmer als Satan und Sauron zusammen. Für alle gegenwärtigen Schwierigkeiten der Sozis ist er verantwortlich. Oder die kriminellen Seeheimer, die in Wahrheit zur CDU gehören und rechte Politik durchsetzen wollen.
Alle SPD-Mitglieder hassen die Seeheimer.
Typen wie Gabriel (ist zwar kein Seeheimer, aber egal), Scholz und Oppermann sollen bloß „das Maul halten“ und „den Martin in Ruhe lassen.“ (Schulz ist zwar tatsächlich Seeheimer, aber was gerade nicht ins Weltbild passt, wird ignoriert).
Vorsichtig warf ich ein, daß Scholz als stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender gar nicht schweigen darf. Dann kommen solche Antworten:

Michael B.: Na dann kann edathy ja auch weitermachen...
(30. November um 13:07)

Scholz soll die Partei verlassen, weil ihn jeder hasst.
Meine kurze Intervention, daß eher das Gegenteil der Fall wäre, nach aktuellen Umfragen ist Olaf Scholz unter SPD-Mitgliedern der beliebteste Politiker, wird mit den üblichen Argumenten gekontert.
Der Forsa-Chef hasse die SPD und alle Umfragen wären gefälscht.
Tatsächlich ist der Hass auf die Realpolitiker in diesen linken Gruppen so übermächtig und konsistent, daß anderslautenden Ergebnisse über die Welt außerhalb dieser Gruppe völlig unglaubwürdig erscheinen.
Genau wie AfDler schmoren auch Linke in ihren eigenen Filterblasen und wollen alles andere nicht mehr wahrnehmen.

Ich sehe für die politische Diskussion nicht nur schwarz, sondern die ist endgültig hinüber.
Die Welt ist nicht mehr zu retten.
Man kann sich nur noch Mühe geben nicht selbst vollkommen in Filterblasen abzugleiten, indem man große seriöse Medien mit ihrer professionellen Gatekeeper-Funktion abonniert. Und wenn man dort jeden Tag etwas liest, das einem nicht gefällt, muss man dennoch dabei bleiben, ständig der Versuchung widerstehen sich auf Randmedien zurückzuziehen, die nur das schreiben, das der eigenen Meinung entspricht.