Sonntag, 3. Dezember 2017

Ich sehe schwarz, und zwar dunkelschwarz



Man sollte das wirklich nicht tun, aber ab und an kann ich es mir nicht verkneifen und werfe doch mal einen Blick auf Maischberger, Will und Co.
Es ist und bleibt aber extrem ärgerlich, wie das Ein-links-ein-rechts-Schema und das Bemühen um die totale Ausgewogenheit jeden Erkenntnisgewinn blockiert.
Verroht unsere Gesellschaft?“ lautete zuletzt das Thema bei Maischberger.

Wie immer bereitete die ARD den AfD-Hetzern den roten Teppich aus. Alice Weidel (Betriebswirtin, keine Juristin) bezichtigte Heiko Maas (Volljurist, Justizminister) auf breiter Linie gesetzwidrig vorzugehen.
Die anderen Gäste, Prof. Pfeiffer (habilitierter Jurist, ehemaliger Justizminister Niedersachsens), Fleischhauer (konservativer Journalist) und Andreas Hollstein (promovierter Volljurist, CDU) wiesen das allesamt als abwegig zurück.
Maas, wie immer sehr kontrolliert und sachlich, bat Weidel zu erklären, wie und wo er gegen das Grundgesetz verstoße.
Maischberger ließ die Diskussion natürlich nicht zu, verhinderte eine tiefer Erörterung des Themas und sicherte so wieder einmal einer ultrarechten AfD-Person ihren PR-Erfolg vor ihren eigenen Leuten. Sie hatte nicht nachgegeben, war bei ihren Behauptungen geblieben und geriet nicht in Bedrängnis.

Wer an sachlichen Informationen interessiert ist, hat keinen Erkenntnisgewinn aus diesen hektischen Aufsagerunden, in denen jeder einmal kurz seine Position raushaut, bevor Einspielfilmchen und weitere Abfragerunden folgen.

Aber bei dieser erbärmlichen Art des Polit-Infotainments wird ohnehin nur an die eigene Basis appelliert.
Weidel zeigte das sehr schön, als der renommierte Kriminologie Prof. Dr. Pfeiffer ihre Thesen von der ansteigenden Gewalt in Deutschland durch Flüchtlinge widerlegte, ja sogar bewies, wie die Gewaltstraftaten in den letzten Jahren zurückgingen und nicht etwa durch die „Flüchtlingsströme“ zunahmen.
Statt inhaltlich auf Pfeiffers Faktenmaterial  einzugehen, grinste sie hämisch und wies mit gespielter Empörung auf Pfeiffers SPD-Mitgliedschaft hin.
Im TV-Studio hatte das natürlich keinen Effekt; Fakten bleiben Fakten, Weidel war weiterhin erkennbar als Lügnerin unterwegs.
Aber ihr war es egal, da sie an die AfD-Sympathisanten und Nazis vor den Bildschirmen dachte, denen in ihren Filterblasen erfolgreich eingehämmert wurde, die Altparteien steckten ohnehin aller unter einer Decke in ihrem Bemühen „Deutschland umzuvolken“ und die „Scharia einzuführen“.
Wer das glaubt, weiß schon nach dem Trigger „SPD-Parteibuch“, daß er den Pfeiffer-Ausführungen nicht glauben wird.
Wer einen starken Magen hat, möge während einer Maischberger/Will/Pasberg-Sendung mit AfD-Beteiligung unter den entsprechenden Hasch-Tagen die Twitter-Homepage aufrufen.
Das pure Grauen breitet sich da aus – Myriaden von braunen Verschwörungstheoretikern kriechen da aus ihren Löchern und verzerren die Realität.

Jan Fleischhauer, nach Matusseks Abgang das größte Ärgernis des SPIEGEL, hatte an dieser Stelle einen lichten Moment, indem er von seinen Erfahrungen mit einem AfD-Fake-Profil auf Facebook berichtete. Es brauche nur wenige Klicks und schon befindet man sich in einer reinen rechtsradikalen Verschwörungswelt.
Die Algorithmen von Facebook, Twitter und Co sorgen dafür, daß man nur noch ins braune Weltbild passende Nachrichten von bösartigen islamistischen Horden hört, die brandschatzend und vergewaltigend durch Deutschland ziehen.
Den Müll, den Elsässers Compact, David Bergers Phimoseblog, Jürgen Fritz, PI, JF, Kopp, die Facebookauftritte von Höcke, Weidel, Gauland und viele andere ausschließlich verbreiten.
Schaltet man derart gefiltert die ganz normalen HEUTE-Nachrichten oder die Tagesschau ein und findet dort die ganzen Horrormeldungen über das Millionenheer von in Deutschland rumrockernden Islamisten nicht mal erwähnt, ist alles klar: Die Mainstreammedien lügen und verschweigen etwas.

So entstand Trump. Eine ganze Industrie aus ultraradikalen Verschwörungsmedien – Breitbart, Infowars, Fox – verbreitete ausschließlich Trumps grotesk verlogene Scheinrealität.
Schaltet ein derart braingewashener Trump-Hillbillie aus Alabama mal aus Versehen NBC oder CNN an, hält er die dort verbreiteten Fakten alle für Lügen.

[….] Vor drei Mo­na­ten habe ich ei­nen Selbst­ver­such als AfD-An­hän­ger be­gon­nen. Ich habe mir bei Face­book un­ter dem Nach­na­men mei­ner Frau ein neu­es Pro­fil zu­ge­legt, als Hin­ter­grund­bild wähl­te ich eine Berg­land­schaft von Cas­par Da­vid Fried­rich. Dann schick­te ich zehn Frem­den, von de­nen ich an­neh­men konn­te, dass sie mit der rech­ten Sa­che sym­pa­thi­sie­ren, eine Freund­schafts­an­fra­ge. Die Na­men hat­te ich aus Kom­men­ta­ren auf den Face­book-Sei­ten der AfD in Ber­lin und Sach­sen zu­sam­men­ge­sucht.

Es war ein Ex­pe­ri­ment. Ich woll­te her­aus­fin­den, wie sich der Blick auf die Welt ver­än­dert, wenn man plötz­lich mit Leu­ten in Kon­takt steht, die Lutz Bach­mann für ein Jus­ti­zop­fer und Frau­ke Pe­try für die nächs­te Bun­des­kanz­le­rin hal­ten. [….]
Es ist er­staun­lich, wie sich die Wahr­neh­mung ver­düs­tert, wenn Face­book ei­nen als AfD-Sym­pa­thi­san­ten iden­ti­fi­ziert hat. Man tritt in eine Welt, in die sel­ten ein Son­nen­strahl fällt. Die ver­gan­ge­ne Wo­che be­gann mit ei­nem Zu­sam­men­schnitt von Film­clips, in de­nen ara­bisch aus­se­hen­de Ju­gend­li­che auf Men­schen ein­schlu­gen, die laut um Hil­fe rie­fen. „Ach­tung!! Tei­len!!!“ stand dar­un­ter. „Die­ses Vi­deo zeigt die Ge­walt, die sich Ein­hei­mi­sche ge­fal­len las­sen müs­sen von Mi­gran­ten.“
Dann las ich die Nach­richt, dass in der Stadt Neuss auf Druck der Mus­li­me an ei­nem ers­ten Ki­osk statt Bock­wurst nur noch Hühn­chen­spie­ße ver­kauft wer­den. Spä­ter wur­den mir Schock­bil­der von Tier­schlach­tun­gen prä­sen­tiert, ver­bun­den mit dem Auf­ruf, mich für ei­nen Bann der Schäch­tung ein­zu­set­zen.
So geht es im­mer wei­ter, Tag für Tag. Auf die Mel­dung über das Bock­wurst-Ver­bot folgt die Nach­richt, dass jetzt die Spar­schwei­ne ver­schwin­den, nach dem Spar­schwein-Alarm kom­men neue Schlä­ger­vi­de­os. Wer das län­ger mit­macht, muss un­wei­ger­lich zu dem Schluss ge­lan­gen, dass Deutsch­land vor die Hun­de geht, wenn sich nicht bald et­was än­dert. Und das Irrs­te ist: Nichts da­von fin­det sich in den her­kömm­li­chen Me­di­en!
Die meis­ten Men­schen glau­ben, dass die Nach­rich­ten, die sie über Face­book emp­fan­gen, Teil ei­nes Face­book-Nach­rich­ten­diens­tes sei­en. Was sie dort le­sen, zeigt nach ih­rer Über­zeu­gung, wie es in Wirk­lich­keit zu­geht, so­bald man die Scheu­klap­pen ab­legt. Wenn man den Leu­ten sagt, dass ihr „News­feed“ an­ders aus­sieht als der ih­res Nach­barn und erst recht an­ders als der ei­nes po­li­ti­schen Op­po­nen­ten, sind sie über­rascht. [….][….]  [….]

Unfreiwillig unternehme ich gerade ein ähnliches Experiment, da Herr Zuckerberg mich gleich für einen ganzen Monat in den Giftschrank sperrte, nachdem ich (angeblich) etwas Unfreundliches über den gegenwärtigen US-Präsidenten gesagt haben soll (als ob ich sowas jemals täte. Ich bin doch ein guter US-Patriot).

Ein linkes Profil ist ebenso schnell erschaffen wie ein Weidel-Konformes.
Als überzeugter R2G-Anhänger sollte ich mich da eigentlich nicht so unwohl fühlen, wenn ich in FB-Gruppen wie „Linke in der SPD“ gesteckt werde.
Aber die Einseitigkeit erschreckt mich dann doch.
Natürlich ist Schröder schlimmer als Satan und Sauron zusammen. Für alle gegenwärtigen Schwierigkeiten der Sozis ist er verantwortlich. Oder die kriminellen Seeheimer, die in Wahrheit zur CDU gehören und rechte Politik durchsetzen wollen.
Alle SPD-Mitglieder hassen die Seeheimer.
Typen wie Gabriel (ist zwar kein Seeheimer, aber egal), Scholz und Oppermann sollen bloß „das Maul halten“ und „den Martin in Ruhe lassen.“ (Schulz ist zwar tatsächlich Seeheimer, aber was gerade nicht ins Weltbild passt, wird ignoriert).
Vorsichtig warf ich ein, daß Scholz als stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender gar nicht schweigen darf. Dann kommen solche Antworten:

Michael B.: Na dann kann edathy ja auch weitermachen...
(30. November um 13:07)

Scholz soll die Partei verlassen, weil ihn jeder hasst.
Meine kurze Intervention, daß eher das Gegenteil der Fall wäre, nach aktuellen Umfragen ist Olaf Scholz unter SPD-Mitgliedern der beliebteste Politiker, wird mit den üblichen Argumenten gekontert.
Der Forsa-Chef hasse die SPD und alle Umfragen wären gefälscht.
Tatsächlich ist der Hass auf die Realpolitiker in diesen linken Gruppen so übermächtig und konsistent, daß anderslautenden Ergebnisse über die Welt außerhalb dieser Gruppe völlig unglaubwürdig erscheinen.
Genau wie AfDler schmoren auch Linke in ihren eigenen Filterblasen und wollen alles andere nicht mehr wahrnehmen.

Ich sehe für die politische Diskussion nicht nur schwarz, sondern die ist endgültig hinüber.
Die Welt ist nicht mehr zu retten.
Man kann sich nur noch Mühe geben nicht selbst vollkommen in Filterblasen abzugleiten, indem man große seriöse Medien mit ihrer professionellen Gatekeeper-Funktion abonniert. Und wenn man dort jeden Tag etwas liest, das einem nicht gefällt, muss man dennoch dabei bleiben, ständig der Versuchung widerstehen sich auf Randmedien zurückzuziehen, die nur das schreiben, das der eigenen Meinung entspricht.

Kommentare:

  1. 'Alle SPD-Mitglieder hassen die Seeheimer.'

    Aber doch zurecht! Die Seeheimer sind der rechte Flügel der SPD. Durch sie verlor die SPD ihr linkes Profil; macht seit vielen Jahren Unternehmer-Politik. Mit Ansage machte sich die SPD auf den Weg in die Mitte. Das ist das Werk der Seeheimer. Darum wird die SPD vom kleinen Mann auf der Strasse nicht mehr gewählt. Darum dümpelt sie jetzt angeschlagen bei 20% herum. Darum werden sie seit mehreren Wahlen nicht müde, linke Politik zu propagieren, dann aber die politische Führung der CDU zu überlassen.

    Erst jetzt, wo sie die Totenglocken läuten hören, denken sie darüber nach, dem Wähler eine Alternative zur CDU bieten zu können. Darum ist alles richtig, was die Kritiker der Seeheimer sagen. Die gehören politisch in die CDU. Es gab mehrfach Stimmen, die die Seeheimer als Maulwürfe der Wirtschaft bezeichnet haben. Ich glaube die haben Recht. Was wollen die in einer Arbeiterpartei, wenn nicht linke Politik verhindern?

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  2. Die beiden beliebtesten Politiker UNTER SPD-MITGLIEDERN - sind beides Seeheimer; Scholz und Schulz.
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/olaf-scholz-laut-umfrage-spd-hoffnungstraeger-15312380.html

    Ich wohne ja im Wahlkreis vom Seeheimer-Chef Johannes Kahrs. Und der bekommt in Hamburg immer das beste Wahlergebnis aller Bezirke.
    Der Seeheimer Scholz hat der SPD die absolute Mehrheit zurück geholt.

    Seeheimer haben den Sozialstaat überhaupt gerettet. Ohne die Agendapolitik wären wird pleite und hätten 5 Mio Arbeitslose.

    LGT

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    1. 'Seeheimer haben den Sozialstaat überhaupt gerettet. Ohne die Agendapolitik wären wird pleite und hätten 5 Mio Arbeitslose.'

      Als SPD-Mitglied so zu denken, sagt denn auch, warum die Wahrnehmung der Ursachen über den Niedergang der SPD bisher nicht bei der SPD angekommen sind.

      Denn mit der Agenda sind wir immer noch Pleite (jetzt sogar über zwei Billionen Euro Schulden) und haben zu den schöngerechneten zweieinhalb Millionen Arbeitslosen rund acht Millionen prekär Beschäftigte, die auch noch im Alter arm sein werden. Zudem steigen die Mieten und Lebenskosten in Deutschland weiter, weil reiche Spekulanten und Investoren darin eine neue Einkommensquelle entdeckt haben. Die Bürger dieses Landes sind sehr wohl pleite und es geht ihnen gar nicht gut, TAMMOX.

      Deutschland geht es nicht gut, wie so oft und gern von der Politik behauptet wird. Dem Finanzamt geht es gut - jedoch auf Kosten des kleinen Mannes von der Straße. Und die Steuereinnahmen werden nicht dazu benutzt, Schulden zu bezahlen oder ihnen zu helfen. Geholfen wird nur denen, die Hilfe eigentlich nicht nötig hätten.

      Schuld sind unkritische und leichtgläubige Menschen, die sich trotz zugänglicher Fakten immer noch erzählen lassen, dass es nicht so wäre.

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    2. „Geholfen wird nur denen, die Hilfe eigentlich nicht nötig hätten.“
      -12 Jahre Merkel.
      Wenn die Wähler das nicht so wollten, könnten sie ja anders wählen.
      Dass es jetzt aber überhaupt etwas zu verteilen gibt, liegt zweifellos an der Agenda 2010.


      In den 1990ern wurde Deutschland unter der Kohl-Merkel-Regierung als „Europas kranker Mann“ angesehen, weil die Bundesrepublik in der Tat durchreguliert war und hohe Steuern verlangte, ohne daß der Staat als mutiger und strategischer Investor agierte.

      Das inzwischen extrem negativ konnotierte Wort „neoliberal“ klang damals noch verheißend. Wäre es nicht toll, wenn man auch einen Telefonapparat privat kaufen könnte, statt gezwungen zu sein wie in der DDR das Einheitsmodel von der Deutschen Post zu nehmen?
      Meine Tante, damals Mitte 80, brachte zu der Zeit mal ein flaches schwarzes Telefon aus Amerika mit. Illegal!
      Sie besorgte sich kleine Schraubenzieher und schaffte es das Gerät allein zu Hause anzuschließen. Ein eigenes privates Telefon! Das führte zu allgemeiner Besorgnis, da man gar nicht an den Post-eigenen Dosen rumschrauben durfte.
      Was würde passieren, wenn einer das illegale Telefon entdeckt? Schaltet die Post dann den Telefonanschluss endgültig ab?

      In Deutschland wurde kaum noch investiert, immer weniger Patente angemeldet.
      Unternehmen wie Microsoft könnten gar nicht in Deutschland entstehen, weil man nie eine Genehmigung bekommen würde in einer Garage zu arbeiten – so stand es damals in jedem zweiten Zeitungsartikel.

      Wenn die Unternehmer aber keine Gewinne mehr machen und zudem jede Investition vom Staat durch einen Wust von Verboten und behördlichen Vorgaben zunichte gemacht wird, muss es ja wirtschaftlich bergab gehen.
      Das leuchtete auch Sozialdemokraten ein; und zwar nicht nur Schröder und Blair beim Papiere-Verfassen.
      Die USA wirkten ökonomisch wie ein Freiheitsparadies. Da konnte man noch nach 18.00 Uhr seine Milch kaufen gehen und sich aussuchen von wem man Strom und Telefon beziehen will.
      Reaganomics und Thatcherismus galten als überfälliger Schritt. Allerdings würde man unter der Führung von Labour (Blair) oder SPD (Schröder) nicht den manischen Hass auf Gewerkschaften ausleben und die Sozialsysteme erhalten; sogar stärken.

      Die deutsche Antwort war in Gestalt der Agenda 2010 daher auch keine primitive Steuersenkung bei den Superreichen bei gleichzeitigen radikalen Einschnitten aller staatlichen Ausgaben.
      Daß in den USA und England unter radikal neoliberaler Wirtschaftspolitik das Bildungssystem geschwächt und die gesamte Infrastruktur des Landes marodierte, wußten Schröder und die Seinen.
      Es kam für sie nie in Frage auch in Deutschland Armut an fehlenden Zähnen erkennbar zu machen, Millionen Menschen hungern zu lassen, Massenobdachlosigkeit zu generieren. Allgemeine Krankenversicherung und eine finanzielle Grundversorgungen standen nie zur Debatte; im Gegenteil, Schröders Bestreben galt dem Erhalt deutscher Errungenschaften wie der Arbeitnehmer-Mitbestimmung, kostenloser Schulen und Sozialleistungen.
      Natürlich lag die Schröder-Fischer-Regierung richtig damit viele überflüssige Regularien zu lockern.
      Tatsächlich zog auch die deutsche Wirtschaft in Folge der Agenda-Politik an.

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    3. Keiner sagt, daß prekär Beschäftigte gut sind. Schröder war der Erste, der Änderungen an der Agendapolitik anmahnte.
      Mindestlohn und Mindestrente hätten natürlich schnell kommen müssen.

      NUR - seitdem hat ununterbrochen die CDU die Bundeskanzlerin gestellt.
      Der Wähler wollte ja ganz offensichtlich WENIGER linke SPD-Politik und mehr FDP-Umverteilung von unten nach oben.

      Erstaunlich ist nicht nur, daß die FDP noch 2009, NACH der Mega-Finanzkrise, die das Nichtfunktionieren und die tödliche Gefahr der unkontrollierten Finanzströme eindrucksvoll bewiesen war, vom deutschen Urnenpöbel mit 15% in die Regierung geschickt wurde.
      Sofort machten sich Rösler, Lindner, Westerwelle und Co daran Milliardenwohltaten an ihre Spender aus der Pharmaindustrie, den Versicherungskonzernen und Hotelbesitzer zu verteilen.

      Das hatte Folgen für Deutschland. Bröckelnde Infrastruktur, Dritte-Welt-Internet und eine deutliches Aufklaffen der sozialen Schere.

      Dank der „bösen Seeheimer“ konnten in den beiden letzten Groko doch eine ganze Menge Verbesserungen „für die Armen“ gegen die CDU durchgedrückt werden.


      […..] Es ist daher gut, dass die SPD seither in beiden großen Koalitionen zahlreiche Reformen vorangetrieben hat, die Deutschland sozialer und gerechter machen. Kurzarbeit hat in der Krise 2008/2009 Hunderttausende Arbeitsplätze gerettet, Branchenmindestlöhne und ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn wurden etabliert, Leiharbeit und der Missbrauch bei Werkverträgen eingeschränkt, erwerbsgeminderte Rentner bessergestellt, langjährigen Beschäftigten der Rentenzugang bereits mit 63 ermöglicht, Kitaplätze ausgebaut, BAföG und Wohngeld erhöht, Alleinerziehende unterstützt, Mieter besser geschützt. Die Aufzählung der von der SPD durchgesetzten Gesetze für ein gerechtes Deutschland ließe sich mühelos verlängern. Das Wahlprogramm der SPD bei dieser Bundestagswahl hat mit zahlreichen Konzepten wie der Wiedereinführung der Parität bei den Beiträgen zur Krankenversicherung oder der Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen oder zur Stabilisierung des Rentenniveaus daran angeknüpft. Und der Wahlkampf stand ganz im Zeichen der sozialen Gerechtigkeit. Es ist daher nicht plausibel möglich, das Wahlergebnis damit zu begründen, dass die SPD sich nicht genügend für soziale Gerechtigkeit einsetze. [….]
      (Olaf Scholz, 27.10.2017)


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  3. 'Keiner sagt, daß prekär Beschäftigte gut sind.'

    Du hast die Agenda 2010 als gut bezeichnet. Prekäre Beschäftigung ist direkte Folge der Agenda 2010. Sie ist auch der Grund, warum Unternehmen jetzt Milliardengewinne machen und die Steuerkassen füllen. Das geht natürlich auf Kosten der Arbeitnehmer, auf die durch die Hartz-Gesetze mehr Druck ausgeübt werden konnte. Die hat man in Jobs mit Niedriglöhnen gezwungen.

    Dass jemand die Privatisierung des Fernmeldewesens feiert, weil seine Oma sich an deren Installationen zu schaffen machen musste, um ein Telefon zum Laufen zu bekommen, ist wohl nicht ernst zu nehmen.

    Die Privatisierung hatte zur Folge, dass wir heute in Deutschland die höchsten Kosten für Mobilfunk in Europa haben. Deutsche zahlen im Schnitt 200 Euro pro Jahr für eine 10 GB Flatrate. In Dänemark, Holland und Frankreich kostet das keine 30 Euro. Man bekommt sogar deutlich mehr für sein Geld. Obendrein müssen die Steuerzahler jetzt den teuren Netzausbau bezahlen, damit Internet-Surfer in Märkisch- Oderland nun endlich auch in den Genuss von DSL bekommen. Die Telekom investiert dort nicht, weil sie ihre überteuerten Flatrates dort nur an wenige Kunden veräußern kann.

    Das Unternehmensrecht zu deregulieren, hatte nicht zur Folge, dass in Deutschland Firmen wie Microsoft entstehen. Stattdessen werden Menschen zur Schein-Selbsständigkeit gezwungen, um sich z.B. von Transportunternehmen ausbeuten zu lassen. Für Unternehmen ist es ein neues Geschäftsmodell, die Kosten für Sozialabgaben auf die Beschäftigten oder Subunternehmen abzuladen. Das ist ein Baustein für die Milliardengewinne, die jetzt - dank der fehlenden, einheitlichen Steuerpolitik in Europa - fast gar keine Steuern mehr zahlen. Damit sind sie international zwar wieder wettbewerbsfähig, Deutschland hat davon aber nur leere Sozialkassen und mehr Armut. Die Kosten für Sozialausgaben fallen nämlich nicht. Siehe http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/888-milliarden-sozialstaat-waechst-schneller-als-die-wirtschaft-14317356.html

    Natürlich verkaufen uns die Täter ihre Taten als Fortschritt. Man darf allerdings nicht so einfältig sein, ihnen blind zu glauben. Dass Mindestlöhne überhaupt nötig sind, ist Folge der Agenda 2010. Da kann man nicht sagen, dass sei ein Fortschritt.

    'Der Wähler wollte ja ganz offensichtlich WENIGER linke SPD-Politik und mehr FDP-Umverteilung von unten nach oben.'

    Das ist nicht richtig. Die SPD betreibt einfach keine linke Politik mehr. Darum wird sie nicht gewählt. Man hat sich stattdessen mit der CDU zusammengetan, um weiter Agenda-Politik zu betreiben. Gäbe es eine echte linke Alternative zur etablierten Parteien-Landschaft, würde sie bei der nächsten Wahl auf Anhieb an der SPD vorbeiziehen. Man muss nur nach Frankreich schauen. Da haben sie sogar einen Macron ins Amt gewählt. Die Amerikaner sind von der Politik so enttäuscht, dass sie einen Trump wählten.

    Radikale sind in allen Ländern auf dem Vormarsch. Was die Stunde geschlagen hat, sieht mittlerweile jeder. Nur die Verursacher des Dilemmas feiern sich weiter und nennen sich noch die Lösung. Nein, das funktioniert so nicht mehr.

    Die Globalisierung in der Form ist eine soziale Katastrophe. Den entfesselten Märkten hechelt die Politik nach und hat eben keine Lösungen parat. Gezwungenermaßen entrechtet man den kleinen Mann und stärkt die Unternehmen, um nicht an den Arbeitslosen zu ersticken. Immer stärker macht sich die Automatisierung breit. Arbeitsplätze fallen weg. Befeuert vom Reichtum der Unternehmen, die dank voller Kassen umstellen können. Und die etablierten Parteien glauben weiterhin, alles richtig gemacht zu haben und ihre präferierte Lösung heißt weiter so. Die SPD hat offenbar noch nicht verstanden, warum der entrechtete, verarmte, zukunftsängstliche Wähler sie nicht mehr wählt.

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    1. So ein Bullshit.
      Du weißt eben nicht was für ein gigantisches Gesetzeskonglomerat die Agenda war und ist.
      Sich einzelne ungerechte Punkte rauszupicken ist lächerlich, wenn seit 12 Jahren die CDU immer Mehrheiten bekommt und dran gewesen wäre etwas zu ändern.

      " Gäbe es eine echte linke Alternative zur etablierten Parteien-Landschaft, würde sie bei der nächsten Wahl auf Anhieb an der SPD vorbeiziehen. Man muss nur nach Frankreich schauen. Da haben sie sogar einen Macron ins Amt gewählt. Die Amerikaner sind von der Politik so enttäuscht, dass sie einen Trump wählten. "

      Auch Unsinn.
      Natürlich GIBT es eine linke Alternative, nämlich die Partei "DIE LINKE", die von Anfang an und bis heute klar gegen HartzIV ist. Aber 90% der Deutschen wählen die eben gerade NICHT, weil sie wissen, daß das so nicht geht.

      "Die" Amerikaner haben auch nicht Trump gewählt, sondern mehrheitlich Hilary Clinton.
      Und Macron ist schon gar nicht links, sondern eher wirtschaftsliberal.

      LGT

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