Donnerstag, 2. Oktober 2014

Evaluation



Jeder deutsche Bundespolitiker, der etwas auf sich hält übt so lange das Wort „Evaluationsprozess“ auszusprechen, bis es ihm in jedem zweiten Satz flüssig über die Lippen kommt.
Wer von Evaluierung spricht, erweckt den Eindruck sich im Dschungel der Zuständigkeiten auszukennen und zudem das Fach „politische Theorie“ belegt zu haben.
Mit so einem schönen Begriff im Wortschatz klingen selbst unterbelichtete Blitzbirnen wie Alexander Dobrindt fast intelligent.
Der Zungenbrecher „Evaluationsprozess“ wirkt zudem latent ehrfurchteinflößend und erstickt damit die Frage danach, was das eigentlich bedeutet im Keim.


Evaluation oder Evaluierung (aus lateinisch valere „stark, wert sein“) bedeutet im politischen Sinne einfach nur, daß man beispielsweise ein Gesetz auf seine Wirksamkeit überprüft.
Viele Steuern und Verordnungen sollen ein bestimmtes Verhalten der Bürger fördern.
Das ist manchmal stark unterkomplex wie bei der Herdprämie, die angeblich nur eine „Gerechtigkeitslücke“ schließen sollte, indem auch Eltern, die ihre Kinder nicht in eine KITA bringen staatliche Leistungen kassieren können.
Es erforderte allerdings nur wenige Hirnzellen zu prophezeien, daß dieses Projekt eine Bauchlandung sein würde. Für wohlsituierte Akademikerfamilien ist die Herdprämie zu gering, um ein Anreiz zu sein, während die Armen und Doofen reihenweise ihre Brut bei der Kita abmelden, um sie von jeder frühkindlicher Bildung fernzuhalten.

Manchmal weiß man auch nicht genau, wie sich eine Regelung auswirkt.
Geht durch die Einführung von Karenztagen der Krankenstand signifikant zurück?
Führen Lockerungen beim Kündigungsschutz tatsächlich dazu, daß die Arbeitgeber deutlich mehr Stellen schaffen?
Gehen durch die allgemeinen Mindestlohn Arbeitsplätze verloren, oder aber ermöglicht er mehr Firmen konkurrenzfähig zu sein und kurbelt durch die ansteigende Nachfrage die Wirtschaft an?

Sind Gesetzesvorhaben extrem komplex – man denke an Peer Steinbrücks gigantische Konjunkturpakete I und II oder die Hartz-Reformen – streitet man sich vorher und nachher darüber, ob die Maßnahmen sinnvoll waren.
Eine genaue Evaluierung ist in diesen Fällen dringend geboten und partielle Nachbesserungen (oder im Politsprech: „Nachjustierungen“) sind keine Schande!

Steinbrücks Konjunkturpakete, also die klassisch Keynesianische Nachfragebelebung mit Abwrackprämie und ähnlichen würde übrigens heute kein Menschen mit Verstand mehr ablehnen.
Zu offensichtlich ist der Erfolg dieser SPD-Politik, die interessanterweise von einer Kanzlerin mitgetragen wurde, die als Krisenrezept für alle anderen EU-Staaten genau das Gegenteil empfiehlt: Statt staatliches Geld in die Konjunktur zu pumpen, will Merkel, daß staatliche Gelder abgezogen werden. Kürzen, sparen, schrumpfen lautet ihr offensichtlich fehlschlagendes Austeritätsmantra.

Die große Mehrheit der Experten sieht auch die Hartz-Gesetze als Erfolgsgeschichte. Für ganz Linke ist es allerdings zu einer Religion geworden Hartz IV zu verdammen.
Dabei gibt es keinen Grund für eine dieser Extrempositionen zu entscheiden.
Die guten Seiten der Hartz-Gesetze sollte man ausbauen und die offensichtlichen Ungerechtigkeiten und überflüssigen Komplikationen abschaffen.
Hartz ist so groß und gewaltig, daß es kontinuierlich evaluiert und nachjustiert werden muß.
So ein „Evaluationsprozess“ kann einen erheblichen empirischen Beobachtungsaufwand bedeuten.
Mit einem Blick in die Zeitung ist das nicht getan – daher ist eine echte Evaluations-Branche entstanden.

Die deutsche DeGEval - Gesellschaft für Evaluation - hat zahlreiche methodische und sektorale Arbeitskreise. Sie hat Standards, Empfehlungen und Handreichungen zur Planung und Durchführung von Evaluationen herausgegeben. Ihre Mitglieder stammen überwiegend aus Deutschland und Österreich.
Im internationalen Bereich haben Organisationen wie UN, EU, OECD, IWF, GIZ etc. eigene Evaluations-Abteilungen, welche jeweils neben der Bearbeitung konkreter Fragestellungen auch allgemeine Standards und Methoden sammeln, entwickeln und aufbereiten.
(Wikipedia)

Der technische Cousin des „Evaluationsprozesses“ heißt „Technologiefolgenabschätzung“ und ist eine vergleichsweise junge Wissenschaft.
Daß es irgendwelche Folgen haben könnte, wenn man beim Goldschürfen die Flüsse mit Zyanidlauge vergiftet, Wälder abhackt, Tierarten ausrottet oder aber überall auf der Welt Kohle und Öl verbrennt, fiel der Gattung Homo Sapiens über Jahrhunderte nicht ein.
Aber auch im Jahr 2014 stolpern wir immer noch erstaunlich naiv in neue Techniken wie Fracking oder genetisch manipuliertes Saatgut, ohne uns vorher über Risiken oder Chancen Gedanken zu machen.

Das Paradebeispiel ist die Nutzung der Kernspaltung zur Stromgewinnung.
Obwohl bis heute niemand auf diesem Planeten irgendeine Idee hat, was man mit dem supertoxischen und karzinogenen Strahlenmüll in den nächsten paar Myriaden Jahren passieren soll, produzieren wir fleißig weiter Atommüll.

Als ich vor endloser Zeit meine Nuklearchemie-Vorlesungen begann und der Professor uns zu bestimmten Zerfallsarten erklärte, wie krebserregend das auf Menschen wirkt, fragte ich ihn, wieso man da eigentlich so genaue auf Menschen bezogene Daten hätte; üblicherweise würde so etwas doch eher mit Tieren versucht.
Es gibt aber genaue Datensätze aus Palästina in den 1960er Jahren.
Damals war es üblich Kindern mit Kopfläusen eine  Radiumstrahlenquelle auf die Birne zu halten. Zur Sicherheit auch gleich seiner ganzen Schulklasse. Dann fielen anschließend alle Haare aus und man ersparte sich das lästige Rasieren.

20 Jahren später konnte man dann wissenschaftlich auswerten wie schnell sich Hirntumore entwickelten. Unschätzbare Informationen für Wissenschaftler.

Es fasziniert mich bis heute, daß niemand schon damals auf die Idee kam, daß solche Radioaktivität irgendwie ungesund sein könnte – immerhin war der sofort einsetzende Haarausfall doch ein auch für Laien deutliches Zeichen.

Menschen….

Ich träume davon „Evaluationsprozesse“, bzw „Technologiefolgenabschätzung“ auch für andere Wissenschaften zu entdecken.

Kein Religionsunterricht in der Schule dürfte ohne Folgenanalyse stattfinden.
Welche Auswirkungen soziologischer, kultureller und medizinischer Art hat das Ausbreiten von Religion?
Man erinnere sich nur an die Ausbreitung von Seuchen, die von dem Kampf der Kirchen wider die Hygiene begünstigt wurden.
Auto Dafés, Pogrome, Kreuzzüge, Missionierungsfeldzüge, Inquisition, Hexenverbrennung, Wissenschaftszensur, Unterdrückung der Naturwissenschaft – all das sind enorme Einflüsse der Religion.

Vermutlich hätten wir schon seit hundert Jahren den Mars besiedelt, wenn die Menschheit zumindest in Europa nicht tausend Jahre durch die Kirchen Wissenschaft behindert und weitgehend verboten hätte.
Wie sollten sich auch erkenntnistheoretische Neugier und Forschergeist entwickeln, wenn man immer gleich auf den Scheiterhaufen kam, sobald man eine Entdeckung gemacht hatte?

Es wäre doch schön belastbares Zahlenmaterial darüber zu haben wie viele Menschenleben, Seuchen, Kriege und Genozide durch Religionen verursacht wurden.

Hier ist Evaluierung dringend geboten.


Mittwoch, 1. Oktober 2014

Impudenz des Monats September 2014.


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.
Es war ja wieder einmal ordentlich was los in diesem Monat.
Impudenz des Monats wird diesmal ein Politpaar, nämlich Angela Merkel und ihre Papabile, Ursula von der Leyen.

Beide sind nämlich der Typ Politiker, die sich stets aus den Niederungen der Sacharbeit fernhalten und stattdessen unablässig dafür arbeiten ihr persönliches Ansehen beim Urnenpöbel zu maximieren.
Kanzlerin und Verteidigungsministerin lassen zu Gunsten ihrer eigenen Karriere alles andere hintanstehen. Nach mir die Sintflut.

Während Merkel dabei noch einigermaßen geschickt vorgeht, indem sie generell konkrete Aussagen vermeidet und stets nur im wolkig-vagen Bereich mäandert, geht von der Leyen frontal dummdreist auf den Urnenpöbel zu.
Sie inszeniert sich immer nur selbst und bevorzugt Auftritte in Talkshows, bei „Wetten, daß…“ oder den Boulevardzeitungen.


Beide haben keinerlei Scheu zu lügen und morgen das Gegenteil dessen zu verkünden, was sie heute als einzigen Weg propagieren.
Merkel tut das aber mit einer größeren Wellenlänge und entschwebt einer politischen Richtungsänderung so lange, bis der Wähler schon vergessen hat, wofür sie ursprünglich stand. Sie setzt sich dann gern auf den fahrenden Zug und versteht es den Eindruck zu erwecken, als ob das alles lange geplant sei.
Lange Zeit haben viele ihr wohlgesonnene Journalisten und Analysten das als „strategisches Denken vom Ende her“ verklärt.
Wie wir inzwischen wissen, ist die Wahrheit sehr viel simpler:
Die Kanzlerin läßt geradezu manisch Umfragen anfertigen und richtet ihre Reden nur danach aus, was die Mehrheit der Wähler in dem Moment gerade am liebsten hört.

Das strategische Denken im Kanzleramt ist komplett abgeschafft.

Das beklagen interessanterweise in erster Linie konservative Medien.

Es folgte der Herausgeber der stramm konservativen F.A.Z. Frank Schirrmacher.

Bürgerliche Werte: „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“
Im bürgerlichen Lager werden die Zweifel immer größer, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang. Gerade zeigt sich in Echtzeit, dass die Annahmen der größten Gegner zuzutreffen scheinen.

Das zutiefst bürgerliche Manager-Magazin empört sich in der aktuellen Ausgabe über die totale Denkfaulheit und intellektuelle Unterbesetzung des Merkel’schen Kanzleramtes.

Wie die Merkel-Regierung Politik simuliert
Strategische Fragen werden geräuschlos verwaltet - bestenfalls. Der Euro? Eine Großbaustelle ohne Bauplan. Die Energiewende? Ein Projekt mit desaströsem Vollzugsdefizit. Die drohende Vergreisung der Gesellschaft? Die alles umwälzende Digitalisierung der Wirtschaft? Themen für "Gipfel" genannte Konferenzen, mit denen die Merkel-Regierung Politik zu simulieren pflegt - schöne Bilder, keine Folgen.
[….]   Im Kern plagen das Kanzleramt zwei Defizite: ein personelles und ein strukturelles. Zum einen mangelt es an straffer Leitung; dem Amt fehlt Führung an der Spitze, auch wichtige Abteilungen waren schon stärker besetzt.
Zum anderen ist die Organisation der Regierung überholt: Nach wie vor dominiert das Ressortprinzip. Gemäß Grundgesetz ist die Regierungsgewalt geteilt zwischen den Ministerien. Das Kanzleramt soll kontrollieren und koordinieren. Doch in einer Zeit, in der viele Probleme Ressortgrenzen sprengen, steigt zwangsläufig die Bedeutung der Zentrale.
So erscheint das Merkel-Amt als real existierendes Paradoxon: An der Spitze steht eine Kanzlerin mit Richtlinienkompetenz, die aber, wenn irgend möglich, keine Richtlinien vorgibt. Ihr assistiert ein Kanzleramtschef, der Konflikte ausräumen und Entscheidungen beschleunigen soll, stattdessen aber Streit schürt und Beschlüsse ausbremst.
[…]    Der eigentliche Hebel einer Kanzlerschaft besteht in der Deutungshoheit. Wirkmächtig agieren kann der Regierungschef, wenn er Strategien formuliert - indem er Volk und Welt eine Idee davon vermittelt, wohin man gemeinsam will, und diese Idee dann konkretisiert. Verfassungsrechtler nennen das Richtlinienkompetenz.
Im Zentrum der Macht herrscht inhaltliche Leere
Ideen? Konzepte? Strategien? All das ist Merkels Sache nicht. Im Zentrum der Macht herrscht eine bedrückende inhaltliche Leere.
Das beklagen auch Topentscheider des Regierungsapparats selbst, die die Stiftung Neue Verantwortung kürzlich befragen ließ. Um in einem immer unsichereren Umfeld managen zu können und den Ereignissen seltener hinterherzurennen - "vor die Lage" zu kommen, wie Ministeriale das nennen -, wünschen sich die meisten Befragten mehr strategisches Denken und mehr Koordination.

Der bürgerlich-Intellektuelle CICERO beklagt währenddessen den Jubeljournalismus, der unkritische Merkelbelobigungen abliefert.

Von der Leyen simuliert stattdessen die ideenreiche Anführerin und prescht immer wieder mit neuen Plänen vor, um den Urnenpöbel mit ihrem Fleiß zu beeindrucken.
Höchst werbewirksam inszenierte sie als frische Verteidigungsministerin ihre Idee von der Bundeswehr-KITA und eröffnete höchst-selbst so eine Einrichtung.
In der letzten Woche prahlte sie mit der Idee Flugzeuge für die Bundeswehr zu mieten, um ihr Image als unkonventionelle Pragmatikerin zu pflegen.

Fachpolitiker staunen über diese Dreistigkeit, denn beides sind keineswegs von der Leyen-Ideen, sondern schon seit Jahren ausgefeilte Pläne des Ministeriums. Die von ihr mit großem Presse-Tamtam eröffnete Bundeswehr-Kita war natürlich in Wahrheit nicht die Erste.

[..Von der Leyen muß sich]  fragen lassen, warum sie, die vor gut zehn Monaten mit dem Versprechen von Transparenz antrat, die Probleme nicht vorher offenlegte. Auch ob sie das Thema bisher angemessen behandelt, wird stark bezweifelt.
Stattdessen kündigt die Ministerin immer neue Maßnahmen an, die sich zwar zunächst verlockend anhören: Um den Notstand bei der Transportflotte der Luftwaffe zu beheben, sollen zum Beispiel Flugzeuge geleast werden. Was sich wie eine neue Idee der Ministerin anhört, wird jedoch bereits seit Jahren praktiziert. Für den Afghanistan-Einsatz beispielsweise werden schon immer Antonov-Jets angemietet, um das schwere Gerät zu transportieren.
Es sind diese Worthülsen, meist in der Boulevardpresse geäußert, die von der Leyen Kritik von den Fachpolitikern einbringen. Selbst aus den Reihen der Koalition wird sie attackiert. Vorläufiger Höhepunkt der Kritik: Am Montag wurde von der Leyen von der SPD als "Foto-Ministerin" diffamiert, weil sie sich bei Terminen und Auslandsreisen ähnlich exzessiv inszeniert wie vorher wohl nur Karl-Theodor zu Guttenberg.
Die Ministerin aber lässt sich bisher nicht beirren. Am Tag, als die neuen Pannen beim "Eurofighter" bekannt wurden, kündigte ihre PR-Abteilung sogleich den nächsten spektakulären Fototermin an: Am kommenden Donnerstag will sie die Bundeswehr-Kaserne in Hammelburg besuchen. Dort trainieren derzeit rund 30 Peschmerga aus Kurdistan an deutschen Waffen für den Krieg gegen den "Islamischen Staat" (IS).

Die Kriegsministerin ist Meisterin der Methode mit einer Lüge vorzupreschen und dann bei Enttarnung der Lüge abzutauchen oder jemand anders die Suppe auslöffeln zu lassen.

Wir erinnern uns an ihren spektakulären Einsatz für einen Frauenquote. Als diese dann schließlich im Bundestag zur Abstimmung kam, stimmte sie mit „nein“ und sagte ihre Parlamentsrede ab.

Seit vielen Jahren beschreibe ich dieses Vorgehen der gewohnheitsmäßigen Lügnerin Ursula von der Leyen.

Köhler, Merkel, Beust - die präsidialen nicht festzulegenden Gummirücken werden gemocht.

Das Paradebeispiel dafür ist Übermutter von der Leyen, die das Magazin ZAPP am 06. Mai so schön mit dem Beitrag „Viel Show und wenig Konkretes“ beschrieb.

Ursula von der Leyen telefoniert mit Kind: „Gut, mein Wonnepuss. Sonst geht’s dir gut, mein Liebchen?“ Wonnepuss, Liebchen: Seifige Worte und ihr Lächeln. Bei jeder Gelegenheit. Ursula von der Leyen weiß, wie diese Bilder wirken. Dieter Wonka, Redakteur „Leipziger Volkszeitung“: „Keine lächelt so wie Frau von der Leyen. Egal worum es geht, ob zu den Neonazis oder zur Zahl der Kindergeburten – sie verkauft alles lächelnd.“ Barbara Kostolnik, Reporterin ARD-Hauptstadtstudio: „Sie kann ganz eindeutig sehr charmant sein. Mit diesem umwerfenden Lächeln, das sie dann auch anknipsen kann, glaube ich, macht sie auch eine gute Figur.

Aus ihrem Haus kommt üblicherweise Sinnloses (Internet-STOPP-Schilder), Kontraproduktives (stümperiges Jugendschutzgesetz), dramatisch Schädliches (Herdprämie), Klerikal-Extremes (Ferkelbuch), Serviles (RTL-Show angeblich aus Rücksicht auf die verliehenen Babies verbieten - NACHDEM alle Folgen längst abgedreht sind) oder auch glatt Gelogenes (Zunahme der Geburten 2008).

Dieter Wonka, Redakteur „Leipziger Zeitung“: „Frau von der Leyen sucht sich ja auch die einfachen Themen, die man mal schnell anschieben kann und sich oben draufsetzt als Chef und den Rest machen dann andere Unterlinge, Arbeiter oder Denker. Aber mit denen hat sie dann nichts mehr zu tun. Und wenn man nur so kurz draufguckt und auf die schnelle Schlagzeile hofft, dann kann es halt auch mal sein, dass man daneben greift, wie bei den Geburtenzahlen.“

Dabei schafft es Ernst Albrechts Tochter sich immer selbst optimal in Szene zu setzen - keine Unterhaltungsshow, in der sie noch nicht auftrat, kein Niveau zu dümmlich, als daß nicht noch die Familienministerin in einer Quizsendungs-Jurys dazu grinst.
Gibt es Popularitätspunkte zu sammeln, scheut sie keinen schmutzigen Trick, um ihren Kollegen die Show zu stehlen.

Barbara Kostolnik, Reporterin ARD-Hauptstadtstudio: „Obwohl sie mit anderen Ministerien zusammen dieses Gesetz gestaltet hat, ist sie zuerst vor die Presse getreten. Eine Woche bevor die anderen da waren und hatte wieder den großen Auftritt - diese Bühne. Und hat das dann auch genutzt und die anderen waren erst eine Woche später dran, als das Thema schon wieder ein wenig abgeflacht war. Also die Bugwelle, die nimmt sie für sich immer in Anspruch. Als die Bugwelle abgeebbt ist, dürfen auch die Kollegen mit auf’s Foto. Sofern von der Leyen sie rechtzeitig informiert. Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz: „Sie können doch mir mal Bescheid sagen, dass Sie hochgehen!“ Die Stimmung auf dem Podium vergiftet, dabei wollten sich alle nur im Kampf für das Gute präsentieren. Doch wieder gibt von der Leyen den Ton an. Barbara Kostolnik, Reporterin ARD-Hauptstadtstudio: „Das ist natürlich für die anderen Minister und die daran beteiligt sind, nicht ganz unproblematisch, wenn immer nur die Strahlelfrau gehypet wird. Und als die Mutter aller guter Dinge sich verkauft. Und die anderen kriegen nur ein paar Krümelchen und Brotsamen ab. Das mag natürlich kein Minister, wenn er so im Schatten einer anderen Kollegin surfen muss.“

Läuft etwas aus dem Ruder, also beispielsweise ihre Geburtenzunahme-Lüge aufgedeckt wird, taucht sie ab, schickt Staatssekretäre vor - Hauptsache nicht mit negativen Nachrichten assoziiert werden.

Gestern trieb es die Frau, die niemanden so liebt wie sich selbst so weit, daß sich selbst ihre Claqueure von der Springerpresse irritiert die Augen rieben.
Matthias Iken vom Hamburger Abendblatt schrieb euphemistisch:
Seltsamer Auftritt einer Ministerin und mutmaßte sie bewerbe sich um die Ehrenmitgliedschaft bei Ver.di..

Was war geschehen?

20.000 streikende Kindergärtnerinnen versammelten sich in Köln, obwohl ihr Tarifvertrag bis 2011 gilt und somit Friedenspflicht herrscht.
Eltern sind genervt und die klammen Kommunen wissen nicht, woher sie mehr Geld nehmen sollten.

Entsprechend verärgert reagierte der Städte- und Gemeindebund auf liebesdienerische Auftritte der Bundespolitiker.
An der Spitze Ursula von der Leyen, deren Haus sich vornehm bei der Bezahlung der Erzieherinnen zurück hält; sie trat vor der protestierenden Menge, machte sich lieb Kind und krakelte:
"Sie haben unsere Solidarität.“
Den Kommunen, die die Zeche zu zahlen haben, fiel sie damit in den Rücken und blies sich zum Lafontaine auf:
Selber nichts leisten, aber vollmundig mehr Geld fordern, das aber andere aufbringen müssen.

Die Bundeswehr, die übrigens so gut mit Geld ausgestattet ist, daß sie 2013 mehr als  1,5 Milliarden Euro aus dem Wehretat gar nicht verbrauchen konnte und an den Finanzminister zurück überwies und 2014 erneut eine halbe Milliarde Euro zurückzahlen wird, verkommt unterdessen zu einer Pannenarmee.
Pleiten, Pech und Pannen mit Ansage, weil die katastrophal schlecht von mediengeilen Laien geführt wird.

Merkel und von der Leyen bestimme ich aber auch deswegen zur Monatsimpudenz, da sie beide ihren Job grundsätzlich falsch und schlecht machen.
Als Ministerin oder Bundeskanzlerin muß man sich zwingend auch um die Dinge kümmern, die einem nicht liegen.
Alles schleifen zu lassen und dafür den demoskopischen Schönheitswettbewerb zu intensivieren, ist grobes Versagen und eine Verletzung des Amtseides.

[…] Angela Merkel […] amtiert seit neun Jahren als Kanzlerin. Und ihr Teil der Verantwortung geht durchaus über das Maß hinaus, in dem ein Regierungschef sowieso immer an allem schuld ist.
Merkel hat das Verteidigungsressort stets nach Erwägungen besetzt, die mit seinem Gegenstand nichts zu tun hatten. Der glücklose Franz-Josef Jung war ihr erster Minister, weil Roland Koch es nicht sein wollte. Karl-Theodor zu Guttenberg war Nummer zwei, weil der Nachwuchsstar ein wichtiges Amt haben sollte. Das Ende ist bekannt. Thomas de Maizière wurde schon als politischer Sanitäter geholt, um von einer überstürzten Bundeswehrreform zu retten, was zu retten war. Ursula von der Leyen rückte ein, weil de Maizière beim Begrenzen mancher Schäden selbst nicht unbeschadet blieb.
[…] Merkel […] weiß mit der Bundeswehr nicht viel anzufangen. […] Die Besuche der Kanzlerin bei der Truppe beschränken sich auf das Nötigste; die Laienhaftigkeit, die sie dabei zur Schau trägt, kann man auch als Signal interpretieren, dass sie eben nicht zuständig sei, jedenfalls nicht unmittelbar. […]

Genau diese planmäßige Unverantwortlichkeit macht die Kanzlerin so abstoßend.


Dienstag, 30. September 2014

A huge waste of time



In meiner Generation weiß man noch, daß es sich nicht gehört jemanden um 20.00 Uhr anzurufen.
Tagesschauzeit. Äußerst unhöflich, wenn jemand während „der Nachrichten“ anruft.
Ich rufe einige Freunde immer um 20.15 Uhr an. Der erste Satz, der aus dem Hörer dringt, lautet meist „hast Du auch gerade Nachrichten gesehen?“ und schnell ist man sich einig, daß es „so schlimm wie jetzt“ noch nie war.
In der Tat scheint es an allen Enden und Ecken zu brennen.
Dabei schockieren mich weniger Unglücke und Naturkatastrophen, als die Desaster, in welche die Menschheit sehenden Auges hineinschlittert.
Ein zerfallender Irak im Bürgerkriegschaos wurde schon 2002 für den Fall eines US-Einmarsches prophezeit.
George W. Bush, Angela Merkel und Tony Blair wollten das aber nicht hören.
Genauso wenig überraschend ist Putins schlechte Laune, nachdem ihm die NATO seit 20 Jahren wider ihre Versprechen immer mehr auf den Pelz rückt.
Ein halbes Jahr nachdem die UN eindringlich zu warnen begann, die Ebola-Seuche gerate außer Kontrolle, bequemt sich Frau von der Leyen in ihrer Garage nachzusehen, ob die Bundeswehr vielleicht noch ein flugfähiges Flugzeug hat, welches irgendwelche Hilfsgüter nach Liberia bringen könnte.

Die Weltgemeinschaft handelt nach der Maxime „es gibt viel zu tun, lassen wir es liegen!“

Sind vielleicht die Menschen der fehlkonstruierten Rasse Homo Demens zu phlegmatisch, um sich zu engagieren?
 - Wenn es doch nur das wäre!

Es ist schlimmer.
Mit Verve stürzen sich die Menschen auf Nebenkriegsschauplätze, hören auf imaginäre Freunde, die ihnen Mord und Totschlag der Menschen mit anderen imaginären Freunden auftragen.
Während man sich gegenseitig möglichst effektiv zu schaden versucht, ruft das größte Militärbündnis der Welt dazu auf unbedingt mehr in Rüstung und Waffen zu investieren.
Die Kapazität die Welt hundertfach zerstören zu können, reicht ihnen nicht aus.
Für das Militär wird bereits so viel Geld investiert, daß man mit einem Bruchteil dessen den Hunger in der Welt abstellen könnte. Aber man sieht lieber zu wie jeden Tag 20.000 Kinder an Hunger sterben und verspricht noch mehr Dollar in die Rüstungsindustrie umzuleiten.

Eine der größten und ältesten Organisationen des Planeten; die RKK mit 1,2 Milliarden Mitgliedern diskutiert währenddessen mit größtmöglichen Eifer darüber, ob man einem geschiedenen Menschen eine 0,5 mm dicke Esspapier-Scheibe in die Hand drücken darf.
Das Thema ist derart heikel, daß der Papst selbst sich nicht traut zu sagen „jetzt ist aber endgültig Schluß mit der unsinnigen Kommunions-Diskussion; jeder bekommt eine Oblate.“
Nein, dazu hat er die Soutane zu voll und veranstaltet lieber eine Hochzeit mit 20 Brautpaaren im Vatikan, unter denen – symbolträchtig – symbolträchtig – symbolträchtig – auch ein Bräutigam in seine zweite Ehe einwilligt.
Kardinal Müller was not amused.

Falls uns gerade die kleinen grünen Männchen beobachten, bekommen sie spätestens jetzt einen Lachanfall und wenden ihre Untertassen auf Nimmerwiedersehen.

Solche Gaga-Diskussionen werden gerne auch mal über Jahrhunderte ausgetragen.
Sämtliche Moralexperten aller Religionen, die ja immerhin Gottes wörtliches Wort auf ihrer Seite haben, waren viele Jahrhunderte fest davon überzeugt, daß Sklaverei eine gute und gottgewollte Angelegenheit ist. Daß Frauen kein Wahlrecht haben und sich überhaupt unterordnen müssen. Daß Demokratie des Teufels ist. Daß man Andersgläubige töten muß.
In quälend langen Prozessen über viele Dekaden kamen immerhin Teile der Menschheit zu der Erkenntnis, daß Frauen irgendwie auch nicht total rechtlos sind, daß man Schwule nicht sofort ins Zuchthaus sperren muß und daß sogar gemischtkonfessionelle und gemischtrassige Ehen erlaubt werden können, ohne daß auf der Stelle die Sonne implodiert.
Natürlich sind diese Diskussionen keineswegs ausgestanden. Keine einzige der rund 600 Millionen katholischen Frauen ist jemals Priesterin oder Bischöfin geworden. Soweit sind wir noch nicht mit der Gleichberechtigung.
Und bei unseren zweitbesten Freunden im Nahen Osten, in Saudi Arabien, heißt es „Rübe ab“, wenn eine Frau ohne Niqab aus dem Haus geht und womöglich auch noch mit dem Auto fährt.
Stört uns gar nicht. Im Gegenteil, bei dieser wundervollen Herrschaftsform setzt sich Angela Merkel besonders intensiv für Geschäftsbeziehungen ein.

In Deutschland, ich kann es nicht glauben, wallen die Emotionen auf, wenn auch nur laut gesagt wird, daß „Strafrecht kein Moralrecht ist“, daß man also die Liebe zwischen zwei Menschen nicht mit Gefängnis ahnden sollte.
Bruder und Schwester, die sich lieben? Das finden wir so ekelig, daß wir sie lieber einsperren.
Plötzlich sind persönliche Vorurteile und Abneigungen Maßstab für Gesetze.
Mit der Argumentation könnte ich alle heterosexuellen Ehefrauen über 60 in den Knast stecken lassen, weil ich es nun einmal ausgesprochen widerlich finde mir vorzustellen, wie Angela Merkel nackt mit ihrem Herrn Sauer kopuliert.

In Deutschland, ich kann es nicht glauben, holen ewig-gestrige Moralinsaure aus Kirchen und CDU tatsächlich das Strafrecht aus dem Köcher, wenn erwachsene Menschen beschließen ihr eigenes Leben, das ja ohnehin endet, auf die Art zu beenden, die sie bevorzugen.

In Deutschland, ich kann es nicht glauben, sträubt sich die größte und beliebteste Partei des Landes, ebenso wie ihre mit 70%-Zustimmungsraten gesegnete Vorsitzende ernsthaft immer noch dagegen gleichgeschlechtlichen Paaren die Rechte der gegengeschlechtlichen Paare einzuräumen.
Inhaltliche Gründe gibt es zwar nicht, aber Konservative finden das bähbäh und so wird das Thema seit Jahren durchdiskutiert.

Die deutsche Bundesregierung hat schriftlich auf eine Anfrage des Kölner Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) erklärt, dass sich die Koalition noch nicht auf die Umsetzung des Koalitionsvertrags bei Homo-Rechten geeinigt habe.
Beck hatte angefragt, wann und wie die Regierung ihr Versprechen einlöse, rechtliche Benachteiligungen von Homo-Paaren abzuschaffen. "Die Meinungsbildung der Bundesregierung zur Umsetzung der Koalitionsvereinbarung ist noch nicht abgeschlossen", heißt es lapidar in einer Antwort des Bundesjustizministeriums vom letzten Mittwoch.
Der Grünen-Politiker zeigte sich über die fehlenden Fortschritte in der Großen Koalition enttäuscht: "In 54 Gesetzen und Verordnungen werden Lebenspartnerschaften und Ehe ungleich behandelt", so der 53-Jährige am Dienstag in einer Presseaussendung. "Fast ein Jahr nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrages hat die schwarz-rote Koalition immer noch keinen Plan, wie sie die bestehende Diskriminierung eingetragener Lebenspartnerschaften beseitigen will. Nachdem die SPD im Wahlkampf mit dem Versprechen '100 % Gleichstellung nur mit uns' den Mund etwas voll genommen hat, beißt sie nun bei der CDU/CSU auf Granit." Die Antwort zeige, dass die Bundesregierung "konzeptlos" beim Thema schwul-lesbischer Politik sei.

Es gibt kaum einen Politiker, den ich so vehement ablehne wie den extrem dreist lügenden Heuchler Volker Beck.
Es passte nur zu gut ins Bild, daß er mich auch persönlich angriff und beleidigt um sich biss, als ich eine reine sachliche Diskussion führte.
Bis heute weiß ich kaum einen Politiker, der auf ein derart niedriges Niveau abgleiten kann.

Dennoch hat der Grüne natürlich vollkommen Recht damit wie er die GroKo wegen der „Homorechte“ angreift.
Das ist doch wirklich nicht zu fassen: Wir befinden uns im Jahr 2014 des Herren, die Welt um uns herum springt aus den Fugen; Seuchen, Krieg und Elend überfluten uns, aber in Deutschland diskutiert die Bundesregierung noch ernsthaft darüber, ob man etwa auch „Queeren“ dieselben Rechte wie dem Rest der Menschen zubilligen sollte.

[….]  Vor einem Jahr bin ich Bundeskanzlerin Angela Merkel begegnet, es war vor der Bundestagswahl in der ARD-Sendung „Wahlarena“. Ich konnte ihr diese Frage stellen: Warum will sie nicht, dass schwule Paare Kinder adoptieren können? Das Treffen hat mich für ein paar Tage in das Licht der Öffentlichkeit gebracht. Ein Jahr später frage ich mich, was geblieben ist außer der kurzzeitig geführten Diskussion, die dann noch einmal aufflammte, als der Fußballer Thomas Hitzlsperger sich als schwul outete.
[….]  Ich bin ein Mensch, ein Mann wie jeder andere Mann auf dieser Welt auch. Und es darf in der heutigen Zeit keine Rolle mehr spielen, ob ich einen Mann oder eine Frau liebe. Es geht nicht um schwul, lesbisch oder heterosexuell. Es geht um die Liebe und die verlässliche Partnerschaft zu einem Menschen. [….]  Bei der Homosexualität aber tut sich dieses Land schwer. Warum nur? Weil Schwule in einer doch immer noch sehr männlich geprägten politischen Elite unausgesprochen als Bedrohung empfunden werden?
[….]  Ich hatte keine Wahl, schwul zu werden oder nicht. Ich habe die gleichen Wünsche, Hoffnungen, Freuden und Ängste wie andere Menschen auch. Warum werde ich nicht ebenso behandelt? Wir Deutschen sind gut darin, mit dem Finger auf andere zu zeigen, die nicht nach unserem Verständnis von Recht und Freiheit leben, die zum Beispiel Homosexuelle diskriminieren. Doch wie schaut es mit dem Umgang mit Homosexualität in Deutschland aus?
[….]  Der Politik fehlt der Mut, in die gelebte Realität einzutauchen. Sie sollte den Kindern aus Regenbogenfamilien zuhören und deren Eltern. Frau Merkel ist schließlich die Bundeskanzlerin aller Deutschen.
(Patrick Pronk SZ vom 30.09.2014)

Deutschland bauscht, wieder einmal, ein Nicht-Thema zum großen Thema auf.
Was für eine Zeitverschwendung.

Auch im „Land of the free“, der westlichen Führungsnation gibt es keineswegs die gleichen Rechte für alle.
Auch dort diskriminiert man lieber.
Und wenn man doch gehindert wird zu diskriminieren, fängt man an zu heulen.

A baker who closed her store after deciding she could not follow the law that mandated same-sexcouples not be discriminated against brook down in front of cameras at a conservative anti-gay conference.  […]