Dienstag, 27. Juni 2023

Medial nicht repräsentiert.

Heute schraubte sich der immerwährende Woelki-Pädosexskandal eine weitere Umdrehung um seinen Hals zu.

Natürlich bin ich über so ein Vorgehen gegen den Lügenkardinal latent besorgt, weil ich befürchte, er könnte irgendwann so weit der Lächerlichkeit ausgesetzt sein, daß er es sogar selbst merkt und zurücktritt.

Das wäre aber ein schrecklicher Verlust für den Atheismus, da niemand unter den deutschsprachigen Christen so effektiv darin ist, die Mitglieder zum Austritt zu bewegen.

In meiner speziellen atheistischen Social-Media-Blase wird das inzwischen von einigen auch so gesehen und gefeiert.

Obwohl inzwischen die Mehrheit der Deutschen konfessionsfrei ist, wird meine Ansicht zum Thema interessanterweise in den klassischen Medien überhaupt nicht wiedergegeben; nicht einmal erwähnt, daß es solche Ansichten gibt.

In Presseberichten gibt es nur zwei andere Denkschulen:

Die sehr viel Kleinere (AfD, Dunkelkatholiken, Urinduscher, Piusbrüder, Vatikan, Kuby/Beverfoerde/Kelle) steht auf der Seite Woelkis und verteidigt seinen Kurs gegen die angebliche „Beliebigkeit“ und Protestantisierung der katholischen Kirche.

Die sehr viel Größere (Boulevard, seriöse Zeitungen, öffentlich-rechtliche Medien, alle Parteien außer AfD) ergeht sich in Larmoyanz, bedauert wie sehr Woelki der Kirche schade und den engagierten Gläubigen das Leben schwer mache und betrachtet ganz selbstverständlich Kirchenaustritte als negativ, weil man die Kinderfi**erorganisation unbedingt erhalten müsse.

Natürlich lehne ich jede Gängelung der Presse ab; jeder soll das schreiben, was er möchte. Ich halte es nur für nicht sorgfältig, die Sicht der Humanisten auf das Thema komplett zu unterschlagen.

Vermutlich fühlen sich die vielen Putinfreunde in Deutschland ähnlich, weil sie den Eindruck haben, die gesamte Presse stehe auf der Seite der Ukraine.

Das kann frustrieren. Der Vergleich hinkt aber insofern, daß die Weidelknechte durchaus in den „Mainstreammedien“ vorkommen. Entweder als Talkshowgäste oder zumindest als Faktor, den Leitartikler mit ganz anderen Meinungen immerhin auch darstellen.

Öffentliche Meinung und VERöffentlichte Meinungen divergieren traditionell sehr stark beim Thema Sport. Insbesondere Sportgroßveranstaltungen.

Obwohl bei der Fußball-WM in Katar eine große Mehrheit der Bevölkerung angab, kein Interesse daran zu haben, wurde die Meinung, sich die mutmaßlich 300 Millionen Euro für die Übertragungsrechte an die hochkorrupte und zutiefst antihumanistische FIFA zu sparen, so gut wie nicht vertreten. Keine Bundestagspartei sprach sich gegen Fußball-Übertragungen auf Kosten der Beitragszahler aus.

Selbst wenn die divergierende Ansicht der Bürger zur einhelligen Medienmeinung wie bei den gescheiterten Olympia-Bewerbungen durch Volksentscheide belegt ist, ärgern sich so gut wie alle Parteien und Presseorgane und Vereine kollektiv über die Mehrheitsansicht, weil gar nicht erst gedacht wird, der Urnenpöbel könnte sich auch mal NICHT irren.

Da ich konservativ, alt und langweilig bin, lebe ich seit 35 Jahren in demselben Stadtteil. Er liegt relativ zentral und ist daher schwer von Eventisierung betroffen. Fast jedes Sommerwochenende findet irgendein „Event“ statt. Die Anlässe – CSD, Schlagermove, Harleydays, Marathon, Triathlon, Halbmarathon, Weinfest, Alstervergnügen, Dom, Japanisches Kirschblütenfest, Stadtteilfest, Weihnachtsmarkt Hafengeburtstag, Elbfest.Hamburg, Maskenzauber, Osterstraßenfest,  Holsten Brauereifest, Discomove,  Stadtfest St. Georg,  Eppendorfer Landstraßenfest, Harburger Binnenhafenfest, 48h Wilhelmsburg, STAMP - The Street Art Melting Pot, altonale, Wedeler Hafenfest, Musikfest am Jungfernstieg, Barmbek schwingt, Außenmühlenfest, Weißes Dinner, Winzerfest St. Pauli, Alafia Afrikafestival, Kreativnacht St. Pauli, Oktoberfeste, Weltkinderfest, Norddeutsche Apfeltage – sind austauschbar; das Bild ist immer gleich: Fressen und Saufen, sehr laute Musik, Rumgrölen.

Zweifelsfrei gibt es diese Menschen, die sich gerne in Massen zusammenballen, sich zusammengedrängt wie Ölsardinen kollektiv besaufen und das zu einem aberwitzig überteuerten Bier/Wein/Glühwein-Preis.

In den letzten 35 Jahren hatte ich natürlich genügend Gelegenheit mit Nachbarn darüber zu sprechen und erlebe dabei ein nahezu homogenes Meinungsbild, welches diametral der veröffentlichen Meinung entgegensteht.

Jeder hasst diese Veranstaltungen, niemand geht dahin, jeder fühlt sich belästigt.

Ich mache mir seit Jahren systematisch einen Spaß daraus, anschließend jeden zu fragen „Na, und waren Sie beim Straßenfest?“ Darauf gibt es zwei Antworten. Entweder „nein, das ist nichts für mich“, oder „ich war vor Jahren einmal da und nie wieder“. (Ich gehöre zu letzterer Kategorie)

Solche Events ziehen Touristen und eine bestimmte Saufklientel an. Ich verstehe, daß dadurch Umsatz generiert wird und Geld in die Hamburger Kassen kommt. Ich verstehe auch, daß ich mir selbst ausgesucht habe, in der Innenstadt zu leben.  Um lediglich zu hören, wie sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, bin ich am falschen Ort. Daher fordere ich auch keine Einschränkungen oder Verbote solcher Veranstaltungen.

Aber die mediale Begleitung treibt mich um. Es ist wie bei Woelki, Katar oder Olympiabewerbungen: Es gibt in den Hamburger Zeitungen und Fernsehsendern und in der Kommunalpolitik zu 100% nur Event-Freunde.

Selbst wenn es offensichtlich ist, daß das gemeine Volk kein Interesse daran hat, wird diese Tatsache ignoriert.

Das 2023er „Uhlenfest“, das  hiesige Stadtteilfest, wurde gestern mangels Interesse abgesagt. Genau wie schon 2022. Die Veranstalter können keine Fress- und Saufbudenbetreiber mehr finden, die den Unsinn mitmachen wollen.

Das kann man bedauern, man kann aber auch froh sein, ein Wochenende Ruhe zu haben und damit die Umwelt zu schonen. Letzteres wird aber noch nicht einmal erwähnt. Kollektiv bedauern alle Medien den Ausfall des „so beliebten Stadtteilfestes“.

[…] Beliebtes Hamburger Stadtteilfest findet wieder nicht statt […] Erneut gucken Uhlenhorster in diesem Jahr in Sachen Straßenfest in die Röhre: Das beliebte Fest auf dem Hofweg und der Papenhuder Straße fällt ins Wasser. Schon im vergangenen Jahr fand auf der Uhlenhorst nichts statt. […] Auf dem Facebook-Kanal des Uhlenhorster Stadtteilfest teilten die Veranstalter:innen mit, dass die beliebte Veranstaltung im Alster-Stadtteil auch diesen Sommer gecancelt ist. Dort schreiben sie: „Leider müssen wir euch mitteilen, dass das Uhlenhorster Stadtteilfest in diesem Jahr nicht stattfinden wird. Wir haben uns alle auf das tolle Stadtteilfest gefreut.“ […] Schon im vergangenen Jahr hatten sich viele Menschen auf das beliebte Stadtteilfest gefreut – vor allem nach der coronabedingten Zwangspause. […]

(MoPo, 27.06.2023)

Es liegt offenbar aber nicht an meinem speziellen Stadtteil, sondern die „besonders beliebten Stadtteilfeste“ sind offenbar unbeliebt.

[….] Volksdorfer Stadtteilfest vor dem Aus – eine Spendenaktion soll helfen

Seit vielen Jahren ist das Volksdorfer Stadtteilfest ein wichtiges Ereignis für Hamburger am nordöstlichen Rand der Stadt. Coronabedingt musste es in den vergangenen beiden Jahre ausfallen und auch dieses Jahr steht das für Anfang September geplante Stadtteilfest nun auf der Kippe – denn es fehlt an finanziellen Ressourcen. […] Zuletzt wurden das Osterstraßenfest (Eimsbüttel) und das Außenmühlenfest (Harburg) abgesagt. […]

(MoPo, 21.07.2022)

Obwohl es wie bei den Volksbefragungen zu Olympiabewerbungen ganz offensichtlich keine Begeisterung für diese Vorhaben in der Bevölkerung gibt, plappern alle Journalisten Pawlowsch mit Tränen in den Augen von den „beliebten“ Festen und bedauernd die Absagen gar fürchterlich.

Genau wie bei den Kirchenausstritten.

[…] Weiteres beliebtes Hamburger Straßenfest fällt aus

Eigentlich hätte es dieses Jahr endlich ein Comeback nach zwei Pandemie-bedingten Absagen geben sollen. Doch jetzt ist klar: Das Osterstraßenfest in Eimsbüttel kehrt auch in diesem Jahr noch nicht zurück. „Aus logistischen und organisatorischen Gründen“, wie es von den Veranstalter:innen heißt. Zuletzt war schon der Ausfall des Außenmühlenfests bekanntgeworden. […]

(MoPo, 02.07.2022)

Beliebt, beliebt, beliebt – SO beliebt ja offenbar auch nicht, wenn keiner dahin will.

Ich möchte wenigsten einmal einen einzigen Artikel erleben, in dem steht „Zum Glück wurde das abgesagt, das ist kein Verlust!“

[….] Feiern an der Außenalster Uhlenhorster Stadtteilfest

Abgesagt: Das Stadtteilfest wird leider auch 2023 nicht stattfinden! Am Ostufer der Außenalster heißt es: Feiern, Tanzen, Stöbern und Genießen beim Uhlenhorster Stadtteilfest! Das Straßenfest verwandelt den Hofweg und die Papenhuder Straße in eine Kunst-, Kultur-, Gourmet- und Unterhaltungsmeile.

Leider musste das Stadteilfest auch für 2023 abgesagt werden!

[…] Das Uhlenhorster Stadtteilfest […] gehört nicht umsonst zu den beliebtesten und stilvollsten Straßenfesten Hamburgs. […]

(Hamburg.de)

Zumindest ich bin glücklich.

Montag, 26. Juni 2023

Die Pinball-Welt

Das kann doch gar nicht sein; ein Haufen rechtsradikaler, zu großen Teilen krimineller Abgeordneter, die auf Gaga-Themen herumreiten, ist seit Monaten der großen Demoskopiesieger.

Insa meldet heute den neuesten Rekord – wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, bekäme die faschistische AfD 20,5%.

Bevor man sich auch nur halbwegs von dem Sonneberg-Wahlschock erholt hat, gleich der nächste Einschlag.

53% der Südthüringischen Wähler laufen den braunen Sarumans hinterher.

Und fast noch schlimmer, obwohl ganz Deutschland auf die Landratswahl guckte, können sich 40% der Wahlberechtigten nicht aufraffen, überhaupt zu wählen, weil es ihnen schlicht egal ist, ob sie von einem Nazi regiert werden.

Das eigene Nervenkostüm ist zu dünn geworden, um sich adäquat und rational mit all den Gruselmeldungen zu beschäftigen, die auf einen einprasseln.

[…..] Auch früher traten gelegentlich überraschende Krisen auf. Aber sie blieben vergleichsweise isolierte Ereignisse. Danach kehrte die Normalität zurück. Diesmal ist das anders. Pandemie, Krieg, Inflation […..], Energie- und Klimakrise. Es geht Schlag auf Schlag. An diesem Wochenende hielt die Welt den Atem an, weil sich in der Krieg führenden Atommacht Russland ein Bürgerkrieg ankündigte, der die nächste folgenschwere Wendung im Ukraine-Drama schien. Was kommt als Nächstes? Wir sind eine Gesellschaft im Ausnahmezustand, seit 2020 schon. Das lastet auf den Seelen – und auf der Stimmung von Investoren und Konsumenten. […..] Eine Krise nährt die nächste. Vor uns türmt sich eine lange, dunkle Wolkenwand auf. Wann wieder so etwas wie Normalität eintritt und wie diese Normalität dann aussehen wird, ist bislang unklar. [….]

(Henrick Müller, 25.06.2023)

Aber was soll man tun, wenn man nicht doof genug ist, um vor allem die Augen zu verschließen? Der ARD-Nachrichtenmoderator Constantin Schreiber schlitterte in eine persönliche News-Fatigue-Krise, aus der er sich durch sehr bewußte und gesunde Lebensführung (heile Familie, Sport, Musik) herausmanövrierte.

[….] Denken Sie an die letzten Jahre: Corona, Krieg, Inflation, Energiekrise, Erdbeben. In der 20-Uhr-Sendung am 26. Februar 2022 wurde es mir zu viel. Ein Beitrag über weinende Frauen und Kinder, die aus der Ukraine flohen, machte mich fix und fertig. Gleichzeitig merkte ich, dass ich die Nachrichten vortrug und selbst weghörte, dass die dauernden Katastrophenmeldungen etwas mit mir machten. Eine seltsame Mischung aus Betroffenheit und emotionaler Abstumpfung, wahrscheinlich eine Abwehrreaktion, um die schlechten Nachrichten emotional auf Distanz zu halten. Was ich damals nicht wusste, es gibt einen Begriff dafür: News Fatigue. Damals begann ich, mein Leben neu auszurichten. [….] Weniger Medienkonsum, mehr Dinge, die mich glücklich machen. Ich habe eine Liste erstellt. Das allein macht schon gute Laune. Erst lief es spielerisch ab, inzwischen ist es zu einer Strategie geworden. Viele Menschen richten sich in der Unzufriedenheit ein, akzeptieren sie als Teil ihrer Identität, aber man muss das Glück wollen und bereit sein, Dinge zu verändern, dann kommt es auch. [….] Ich habe wieder mit dem Klavierspielen angefangen. Als Junge habe ich ordentlich gespielt, danach 28 Jahre lang überhaupt nicht, und auf einmal saß ich vor dem E-Piano meiner Tochter und versuchte, Mozarts „Rondo alla Turca“ aus dem Gedächtnis zu spielen.  […..]

(Constantin Schreiber, SZ, 14.04.2023)

Leider kann ich nicht Mozarts „Rondo alla Turca“ aus dem Gedächtnis spielen.

So bleibt mir nur das ewige kleine und große Pinball-Spiel; also dem kontinuierlichen Stress, den man dabei empfindet, wenn man chaotische hüpfende Bällchen vor dem Absturz bewahren muss.

[…..] Die anhaltend hohen Notierungen unseres DoCMA-Unsicherheitsindikators zeigen an, dass wir in einem Umfeld leben, das nicht zur Ruhe kommt. Seit dem Mega-Schock der Coronapandemie geht es unerhört weiter: Inflation, Ukrainekrieg, drastische Zinserhöhungen, schwelende Finanzkrise, Zuspitzung der geopolitischen Lage, eine innerlich zerrissene Regierungskoalition. […..]

Letztlich jedoch ist es die Summe diverser Unsicherheitsfaktoren, die unseren Indikator insgesamt auf hohem Niveau hält. Das unterscheidet die derzeitige Phase maßgeblich von früheren Schocks. Das Brexit-Referendum beispielsweise spielte sich vor allem im Faktor »EU-Konflikte« ab. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten stiftete Unsicherheit in den internationalen Beziehungen, blieb aber in ihren sonstigen Auswirkungen begrenzt. Seit Corona jedoch beobachten wir einen Pinball-Effekt, bei dem krisenhafte Ungewissheit wie beim Flipperautomaten von einem Feld zum anderen springt. Lässt sich diese negative Dynamik stoppen? [….]

(Henrick Müller, 25.06.2023)

Neben dem großen – internationalen – Pinball-Effekt, gibt es leider auch noch den Kleinen. Es ist purer Stress, dabei zusehen zu müssen, wie deutsche Parteipolitiker kontinuierlich die Situation verschlimmern, weil sie wie die FDP von Großindustrielobby-Interessen geleitet, Deutschlands Zukunft ruinieren.

Oder weil sie, wie die CDU, unfähig und unwillig sind, irgendetwas aus ihren Fehlern zu lernen, sondern immer weiter auf eine Stärkung der AfD und eine kommenden AfD-CDU-Koalition hinarbeiten.

[…..]  Merz kündigt schärferen Kurs gegen Grüne an

Friedrich Merz zieht aus dem AfD-Triumph in Sonneberg Konsequenzen. Nach Ansicht des CDU-Chefs sind härtere Angriffe gegen die Grünen angezeigt. In Thüringen gratulierte die Junge Union derweil zum AfD-Wahlsieg.  […..]

(SPON, 26.06.2023)

Und drücke ich die Flipper-Knöpfe immer schneller, immer hektischer.

[….] Deshalb hat Sonneberg das Potenzial, Schaden anzurichten weit über den Landkreis hinaus. Es kündigt sich eine Normalisierung an im Umgang mit der mehr und mehr rechtsextremen Partei. Eine Normalisierung wäre ein abschüssiger Weg hin zu gemeinsamen Beschlüssen von AfD und CDU - oder anderen Parteien - in Landtagen, zur Tolerierung einer Landesregierung durch die AfD, schließlich zu einem Regierungsbündnis. Es wäre ein Triumphzug der AfD, der in Sonneberg seinen Ausgangspunkt nahm.  […]

(Roland Preuß, 26.06.2023)

Sonntag, 25. Juni 2023

Es geht rapide bergab

Durch die fleißige Mithilfe der CDU, CSU und FDP, welche die AfD-Lügen populärer und hoffähig machten, kam der rechtsradikale Robert Sesselman im Landkreis Sonneberg in Thüringen heute auf fast 53% und wurde zum Landrat gewählt.

Das fand ausgerechnet in dem AfD-Bundesland statt, das unter ihrem faschistischem Hitler Imitator Bernd Höcke die extremste und klar antidemokratische Sturmgruppe stellt.

Diejenigen, die ihre Großeltern vorwurfsvoll fragten, wie sie die Machtergreifung 1933 zulassen konnten, haben 2023 die Chance, die Antwort live zu erleben.

Hitler putschte sich nämlich nicht an die Macht, „ergriff“ sie nicht auf dubiose Weise, sondern wurde vom deutschen Volk demokratisch gewählt.

Der konservativ-nationale Katholik Heinrich Brüning von der Zentrums-Partei amtierte vom 30. März 1930 bis zum 30. Mai 1932 als Reichskanzler. Er band erste Faschisten in eine Rechts-Koalition ein. Erst wollte er die Nazis der NSDAP und DNVP aus der Regierung halten, indem er auf Notverordnungen setzte und sich von der SPD tolerieren ließ. Aber der erzkonservative Reichspräsident Hindenburg wollte keine Sozis in der Regierung. Seinen Freunden in Militär und Adel war Adolf Hitler einfach sympathischer als die Arbeiterpartei. Also kuschelte Brüning mit den Faschisten, bis Hindenburg um die Subventionen für sein Gut Neudeck fürchtete („Osthilfe“) und Franz von Papen zum nächsten Reichskanzler ernannte.

Der ehemalige Zentrums-Mann entmachtete die SPD Preußens, hielt aber mit einer Gruppe aus Adeligen („Kabinett der Barone“) nur fünf Monate durch.

Nachdem am 03.12.1932 der bisherige Reichswehrminister Kurt von Schleicher neuer Reichskanzler wurde und versuchte ein breites Bündnis aus NSDAP, Konservativen und Militärs unter seiner Führung zu vereinen, verhandelte von Papen mit Hitler über eine Koalitionsregierung zwischen der nationalkonservativen DNVP und der NSDAP. Man müsse die Anliegen der Rechtsradikalen ernst nehmen und durch eine Einbindung in die Regierung würden sie auf den Boden der Tatsachen geholt.

Tatsächlich wurde von Papen, der nach nur sieben Wochen von Schleicher-Regierung unter Hitler Vize-Reichskanzler und trat 1938 in die NSDAP ein.

[…..] Sein Vorhaben, selbst das Amt des Reichskanzlers zu übernehmen, musste dabei durch den Führungsanspruch Hitlers zurückgestellt werden. Der 85-jährige Reichspräsident gab schließlich dem Drängen seiner Ratgeber aus Politik und Wirtschaft nach und stellte seine politischen und persönlichen Vorbehalte gegenüber Hitler hinten an. Insbesondere Papen überzeugte Hindenburg davon, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit "eingerahmter" und neutralisierter NSDAP-Führer als Träger der Regierungsgewalt eine nur geringe Gefahr bedeute. So sollte das Kabinett hauptsächlich aus Politikern bestehen, die nicht der NSDAP angehörten. Die nationalsozialistische Führungsriege war bis zuletzt skeptisch, ob es tatsächlich zur Bildung einer Regierung unter Hitlers Kanzlerschaft kommen würde. Aber auch anderen Zeitgenossen und Zeitgenossinnen erschien dies unwahrscheinlich, einige rechneten eher wieder mit Franz von Papen als Regierungschef.  Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und die Vereidigung seines Kabinetts mittags am 30. Januar 1933 erfolgten aufgrund eines Gerüchts über einen unmittelbar bevorstehenden Militärputsch in einer hektischen Atmosphäre. Angeblich plante Schleicher, mit der Verhaftung Hindenburgs die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler zu verhindern. Damit zerstreuten sich beim Reichspräsidenten auch die letzten noch möglichen Bedenken gegenüber Hitlers Kanzlerschaft. Mit, unter anderem, Franz von Papen, Alfred Hugenberg, Franz Seldte, Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk und Werner von Blomberg stellten Mitglieder der DNVP und parteilose Männer die Mehrheit im Kabinett. Die NSDAP erhielt neben der Kanzlerschaft zwei Ministerposten: Wilhelm Frick leitete zunächst das Innenministerium, Hermann Göring wurde Minister ohne Geschäftsbereich. [….]

(LEMO)

Hitler wurde demokratisch gewählt.

Die Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 zum 6. Reichstag der Weimarer Republik endete mit einem vorläufigen NSDAP-Rekord von 37,3%. Bei der Reichstagswahl vom 6. November 1932 zum 7. Deutschen Reichstag erreichte die NSDAP 33,1% der Stimmen. Nachdem Hitler zum Kanzler aufgestiegen war, wurden am 5. März 1933 Wahlen zum achten Deutschen Reichstag in der Weimarer Republik abgehalten. Hitler erhielt 17.277.180 Stimmen. Das waren 43,9%. Abgeschlagen auf Platz Zwei landete die SPD mit 18%. Die ehemaligen konservativen Wähler verschiedenster Parteien hatten sich offenbar nun hinter Hitler gestellt, weil sie so zufrieden mit ihm waren.

Anderthalb Jahre nach Hitlers Wahl zum Reichskanzler, starb am 2. August 1934 Paul von Hindenburg auf seinem Ostpreußischem Gut Neudeck.  Die Nationalsozialisten ließen am19. August 1934 die Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs abhalten.

Auf den Stimmzetteln stand:

    „‚Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Er bestimmt seinen Stellvertreter.‘ […] Stimmst Du, deutscher Mann, und Du, deutsche Frau, der in diesem Gesetz getroffenen Regelung zu?“

Hitler erhielt 90%, gut 38 Millionen Ja-Stimmen.

Man kann Deutsche also sehr wohl für den Nationalsozialismus, für völkische Vernichtungsideologien voller Feindlichkeit für Minderheiten und Fremde gewinnen.

[…..]  Der frühere AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hat die zunehmende Radikalisierung seiner alten Partei scharf kritisiert. Mit seinem Abgang sei das gemäßigte Lager innerhalb der Partei zerfallen, „die Radikalen haben die Kontrolle über die AfD übernommen“, sagte Meuthen der Bild am Sonntag. Sie sei heute eine „Partei am rechten Rand mit völkisch-nationalistischen Positionen, die von einer einzigen Person dominiert wird, und das ist Björn Höcke“. Die AfD hatte in jüngsten Umfragen Höchstwerte erreicht, was die Mehrheit der Deutschen beunruhigt. Besonders in Ostdeutschland ist die AfD stark. Der aktuelle Umfrage-Erfolg der AfD hat laut Meuthen „rein gar nichts“ mit eigener Stärke zu tun. „Inhaltlich und personell ist die Partei völlig blank, die guten Leute sind alle weg. Die Partei profitiert allein von der erschreckenden Schwäche der anderen Parteien“, sagte Meuthen. Wirtschaftlich verfolge die AfD inzwischen einen „völkischen Sozialismus“. Einmal an der Macht, würde die „Höcke-AfD“ Deutschland abschotten, den europäischen Binnenmarkt bekämpfen und die Grenzen für alle dicht machen. „Keine wirkliche Fachkraft, die noch bei Verstand ist, würde mehr freiwillig nach Deutschland kommen. Ich kann nur hoffen, dass die Brandmauer der Union hält. Ich will diese Leute nicht in der Regierung sehen“, sagte der frühere AfD-Chef. […..]

(Frankfurter Rundschau, 25.06.2023)

Samstag, 24. Juni 2023

Der blauweiße Hemmschuh Deutschlands.

Außer der AfD, sind alle Bundestagsparteien sehr stolz auf des deutsche Grundgesetz; unsere Verfassung.

Und natürlich außer der CSU, die dem 1948 auf dem Verfassungskonvent von Herrenchiemsee ausgearbeiteten Text nicht zustimmen mochte.

[…..] In den frühen Morgenstunden des 20. Mai 1949 war es soweit: Die Debatte war beendet, es konnte abgestimmt werden. Mehr als vierzehn Stunden hatten die Abgeordneten des bayerischen Landtages heftig und leidenschaftlich gestritten. Zur Entscheidung stand in dieser dramatischen Nacht, ob der Freistaat Bayern dem Grundgesetz, der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, zustimmen sollte oder nicht. O-Ton Horlacher: „Das Ergebnis der namentlichen Abstimmung ist folgendes: Abgestimmt haben 174 Abgeordnete; davon stimmten 64 mit „Ja“, 101 mit „Nein und 9 mit „Ich enthalte mich“. Ich habe demgemäß festzustellen: Das Grundgesetz in der vorliegenden Fassung hat nicht die Zustimmung des Bayerischen Landtags gefunden (Zurufe: Pfui!, Pfui!). Ich bitte diese Zwischenrufe zu unterlassen! (Weitere Zurufe) …  Die bayerische Staatsregierung hatte dem Landtag empfohlen, das Grundgesetz abzulehnen. Große Teile der regierenden CSU empfanden das Grundgesetz in seiner vorliegenden Fassung als Angriff auf die Eigenständigkeit Bayerns. Bereits im Parlamentarischen Rat in Bonn, wo die Verfassung erarbeitet worden war, hatten die meisten CSU-Abgeordneten dagegen gestimmt. Es gab in ihren Augen dem Bund zu viel Gewicht und schmälerte die Gesetzgebungs- und Finanzhoheit der Länder. In der CSU herrschte die Meinung vor, daß dem Bund nur so viel zustehe, wie die Länder ihm zu geben bereit seien.  [….]

(Deutschlandfunk, 20.05.1999)

Vielleicht der größte Fehler der Bundesrepublik Deutschland. Man hätte 1949 den ärmliche Agrar-Freistaat Bayern, der den andern Bundesländern bis 1987 nur auf der Tasche lag, nie in die BRD aufnehmen dürfen.

[….] Was bei der bayerischen Kritik am Finanzausgleich zudem oft unter den Tisch fällt: Bayern war selbst von 1950 bis 1986 durchgehend Nehmerland. Insgesamt hat der Freistaat laut Finanzministerium rund 3,4 Milliarden Euro durch den Länderfinanzausgleich erhalten. Genau in diesen Zeitraum fällt auch Bayerns wirtschaftlicher Aufstieg vom Agrarland zum Industrie- und Technologiestandort, auf dem der heutige Wohlstand Bayerns fußt.  [….]

(BR,31.02.2023)

Statt dessen bekam Bayern aber durch den Sonderstatus der CSU sogar stets ein politisches Übergewicht in Bonn, bzw Berlin. Unglücklicherweise wurden daher viel zu viele CSU-Mitglieder Bundesminister, die sich leider allesamt dadurch auszeichnen latent debil zu reden und fachlich weit unterdurchschnittliche Leistungen abzuliefern.

Die gewaltigen Probleme, der Reformstau, vor dem die Ampelregierung heute steht, der 20-Jahre-Rückstand gegenüber anderen europäischen Ländern (zB zerbröselnde Infrastruktur, Digitalisierung, Wärmepumpen, Schnarch-Bahn, Bundeswehrdesaster) wurden weit überwiegend von CSU-Bundesministern verursacht. Glos, Guttenberg, Ramsauer, Aigner, Friedrich, Dobrindt, Seehofer, Scheuer – davon erholt sich die stärkste Volkswirtschaft nicht.

Bayern, die Plage der Bundesrepublik.

Glück im Unglück dabei war immerhin allerdings die CSU-ureigene Doofheit der Minister, die noch mehr schädliche Gesetze durchgepeitscht hätten, wenn sie wüßten, wie man Gesetze schreibt. Aber es wurde zu ihrem Signature-Move, grundgesetzwidrige Gesetze zu propagieren, die ohnehin wieder einkassiert werden mussten – Herdprämie, Anti-Ausländer-Maut, Bayerische Grenzpolizei – alles illegaler Unsinn.

2023 ist Wahljahr in Bayern. Daher muss Markus Söder, der quasi im Alleingang die deutsche Energiepolitik ruinierte, den Ausbau von Stromtrassen und erneuerbarer Energie blockierte und stattdessen, wie alle seine CSU-Ministerpräsidenten-Vorgänger stets zum Hintern-Küssen nach Moskau jettete, lügen wie gedruckt, um von seiner blamablen Bilanz abzulenken. Lieber stärkt er die AfD.

[….]  »Ihr habt’s wohl den Arsch offen da oben«, ruft Hubert Aiwanger, der Chef der Freien Wähler, auf einer Demonstration im bayerischen Erding. In der Bundesregierung habe man offenbar »kein Interesse an einem gemeinsamen Erfolg«, sagt der Spitzenkandidat der hessischen Grünen, Tarek al-Wazir. »Unser Land wird vor die Wand gefahren«, heißt es auf den Flyern des AfD-Politikers Robert Sesselmann, der am Sonntag im thüringischen Sonneberg zum ersten Landrat seiner Partei in Deutschland gewählt werden könnte.  Ohne diese drei Politiker oder ihre Parteien gleichzusetzen: Was solche Äußerungen eint, ist der Adressat. Beziehungsweise das Zerrbild, das sie von ihm entwerfen. Wo immer es ans Wählen geht, dieses Jahr in Bayern und Hessen, nächstes Jahr in drei ostdeutschen Bundesländern, ist die Hauptstadt mit ihren angeblich abgehobenen Eliten ein beliebtes Ziel. Mit Sprüchen über »die da in Berlin« lässt sich im Land Stimmung machen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bestreitet gefühlt halbe Wahlkampfauftritte mit Angriffen gegen urbane Milieus. »Wir essen lieber Schweinsbraten statt Insekten und Madenmüsli«, sagte er auf dem Politischen Aschermittwoch.  [….]

(SPIEGEL, 24.06.2023)

Mit seinem sinnlosen Bayern-Bayern-Bayern-Geschrei zerstört der CSU-Chef unser aller Zukunft.

Denn auch, wenn Söder, Scheuer oder Aiwanger es nie laut sagen würden, es gibt beim besten Willen keine Alternative zur Energiewende, die bereits seit 40 Jahren verschleppt wird.

Wir müssen weg von fossilen Energien, dürfen nicht mehr ewig mit Gas und Öl heizen. Die CSU verhindert aber nicht nur den Eingang in das moderne klimaneutrale Zeitalter durch ihre verheerende Regierungsbilanz auf Landesebene, sondern vergiftet auch deutschlandweit das Gesprächsklima

[….] das Ziel an sich, also die Wärmewende weg von fossiler, hin zu erneuerbarer Energie, ist doch nicht das bizarre Hobby eines einzelnen Ministers, wie der Ausdruck suggeriert. (Da könnte man noch eher von "Wissings Weiterbau-Wahn" reden, wenn es um neue Autobahnprojekte geht.) Eine zügige Umstellung der Heiztechnik ist unverzichtbar, wenn Deutschland 2045 oder überhaupt irgendwann in absehbarer Zeit klimaneutral werden will. Eine Heizung tauscht man ja nicht alle paar Jahre aus.

Und dieses Ziel wiederum haben sich auch nicht irgendwelche Ideologen ausgedacht, sondern es steht im Klimaschutzgesetz. Zur Erinnerung: Das Zieljahr 2045 kam ins Gesetz, nachdem das Bundesverfassungsgericht die frühere, weniger strikte Version als in Teilen grundgesetzwidrig eingestuft hatte. Mal abgesehen davon, dass Deutschland sich als Teil der EU und mit dem Pariser Klimavertrag sowieso verpflichtet hat, seinen Teil zum Klimaschutz beizutragen.

Auch wenn das Pariser Abkommen offenlässt, wer sich wie sehr anstrengen muss, ist doch klar: Wenn es sich alle erst mal gemütlich machen, wird das nichts. Bleibt es bei den bisher weltweit umgesetzten Maßnahmen, müsste man bis 2100 mit rund 2,6 Grad Erwärmung rechnen, und noch mehr danach. Das kann niemand wollen. Es ist auch nicht so, dass man hierzulande überambitioniert wäre. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland laut dem unabhängigen Projekt Climate Action Tracker nur im Mittelfeld, Gesamtnote "unzureichend". Beim Einsatz Erneuerbarer zum Heizen und Kühlen ist Deutschland in der EU sogar weit abgeschlagen, auch eine Folge des langen Festhaltens an billigem Gas aus Russland.  […]

(Marlene Weiß, 23.06.2023)

Hätten wir die Bayern doch bloß 1949 draußen gelassen!


 

Freitag, 23. Juni 2023

Die schlechteste Opposition, die Deutschland je hatte.

Da ich bei Civey registriert bin, werde ich regelmäßig gefragt, welche Partei im Bundestag die beste Oppositionsarbeit macht.

Das ist mal eine gute Frage. Völlig klar, unter den vier Möglichkeiten CDU, CSU, Linke und AfD, habe ich natürlich nur mit der Linken Übereinstimmungen. Aber ausgerechnet diese Linke Fraktion lässt dann Sahra Sarrazin als Rednerin auftreten, die als radikal queerfeindliche Putin-Freundin, die Grünen zur „gefährlichsten Partei Deutschlands“ erklärt und Bundeswirtschaftsminister Habeck vorwirft, „einen beispiellosen Wirtschaftskrieg gegen unseren wichtigsten Energielieferanten vom Zaun zu brechen“. Ich kann doch nicht eine Partei, die so eine perfide Täter-Opfer-Umkehr betreibt, als „beste“ Oppositionspartei ankreuzen.

Aber wen denn sonst? Die finster-faschistischen AfDler, die grölend in der Deppenloge hocken und Verschwörungstheorien verbreiten?

Die homophobe Desantis-CSU, deren Parteichef lügt, daß sich die Balken biegen? Oder doch die größte Oppositionspartei unter ihrem Vorsitzenden, dem völkischen Fritz, der sich einzig dem Ziel verschrieben hat, die Weidel-Faschisten zu stärken?

Wenn man nur herausbekommen könnte, welche Parteien 16 Jahre lang für Verkehr, Infrastruktur und Digitalisierung zuständig waren...

[….] Friedrich Merz erlebt eine Woche zum Gruseln: Statt über den Grundsatzkonvent seiner Partei redet alle Welt über seine Führungsprobleme und mangelnde Impulskontrolle. [….] Aus den Tagen des Aufbruchs wurden für Friedrich Merz die schlimmsten Tage seiner bisherigen Amtszeit. Seine Autorität ist erschüttert, die Partei hat plötzlich eine Führungsdebatte am Hals. Am Ende dieser Woche schauen viele Christdemokraten fassungslos auf ihre Partei und fragen sich, wie das hat passieren können. Die CDU ist über sich selbst erschrocken. [….] Die umstrittene Uniform-Rede von Claudia Pechstein bezeichnet Merz als "brillant" - und bekommt dafür umgehend Widerspruch aus den eigenen Reihen. Und als ob das alles nicht genug wäre, gibt es in der Partei inzwischen dermaßen große Unzufriedenheit über den von Merz ausgesuchten Generalsekretär Mario Czaja, dass sich der CDU-Chef am Freitag genötigt sieht, öffentlich Spekulationen über eine Ablösung zu widersprechen. [….]

(Robert Roßmann, 23.06.2023)

Seit seiner Übernahme des Partei- und Fraktionsvorsitzes setzt Merz den verbalen Meißel an der „Brandmauer nach rechts“ an, um sie einzureißen.

Zu allem Übel hat sich AfD-Werber Merz so schlecht im Griff, daß er immer wieder lospoltert. Die „jungen Wilden“ Wüst und Daniel bringen ihn mühelos mit infinitesimal kleinen Provokationen aus der Fassung.

[….] Die Ampel stabilisiert sich, die Umfragewerte für die Union sinken, während die Werte der AfD durch die Decke gehen – also ausgerechnet jener Partei, von der Merz einst verkündet hatte, er werde sie halbieren. Und als wäre das nicht genug, hat Merz nun noch eine Führungsdebatte am Hals. Plötzlich steht die Frage im Raum, ob er der richtige Mann an der CDU-Spitze ist. Und der richtige Kanzlerkandidat für die Union.

Das liegt ausnahmsweise nicht an Bayerns Ministerpräsident Söder, der sich fürs Erste immer noch darauf konzentriert, im Oktober wiedergewählt zu werden. Der Störenfried heißt diesmal Wüst, Hendrik Wüst, und ist Regierungschef von Nordrhein-Westfalen. [….] Auf die Frage nach seinen eigenen Ambitionen antwortete er: »Meine Aufgaben liegen aktuell in Nordrhein-Westfalen.«

Aktuell also. Spätestens an dem Punkt wurde es Merz offenbar zu viel. Er revanchierte sich, erst mit einem Seitenhieb in seiner Rede beim kleinen Parteitag vergangenen Freitag in Berlin, dann in einem ZDF-Interview am Sonntagabend: »Die Unzufriedenheit mit Regierungen in den Ländern, auch in NRW, ist fast so groß wie mit der Regierung im Bund«, sagte Merz. Der Parteichef greift seinen eigenen, erfolgreichen Ministerpräsidenten an? Merz hatte offensichtlich mal wieder die Beherrschung verloren, wie schon oft in seiner Karriere. [….]

(DER SPIEGEL, 23.06.2023)

So einen mindersouveränen Hitzkopf möchte man wirklich nicht als Regierungschef haben!

Ob der vier unsäglichen FDP-Minister und der loose Cannon Kubicki steckt die Regierung schon in größten Schwierigkeiten. Aber das ist alles noch Gold, verglichen mit der katastrophalen Opposition.

Donnerstag, 22. Juni 2023

Konservative im Pride-Juni

Natürlich müssen sich die US-Republikaner auf misogyne und transphobe Kampagnen konzentrieren.

Was bleibt ihnen anderes übrig, nachdem sie sich auf einen kriminellen Lügner eingeschworen haben und in ihrer Regierungsverantwortung einen finanziellen, ökonomischen und außenpolitischen Scherbenhaufen anrichteten?

[….]   Anti-LGBT+ mobilization — including demonstrations, political violence, and offline propaganda activity — has risen to its highest levels since ACLED started collecting data for the United States in 2020

    Nearly 200 anti-LGBT+ incidents have been reported so far this year, marking an increase of three times compared to 2021 and 12 times compared to 20201

        Acts of political violence targeting the LGBT+ community have more than tripled compared to 2021

        Anti-LGBT+ demonstrations have more than doubled relative to 2021

    Far-right militias and militant social movements like the Proud Boys have ramped up their engagement in anti-LGBT+ demonstrations by over three times this year compared to 2021  [….]

(ACLED, 23.11.2022)

Schwulenhetze hilft natürlich niemanden, führt zu Hass und Gewalt, aber sie elektrisiert die Basis.

Bei CDU und CSU gibt es ein ganz ähnliches Phänomen. Keins der Megaprobleme, die derzeit von der Ampel beackert und bestümpert werden, wurde nicht maßgeblich von C-Politikern in 16 Jahren C-Herrschaft verursacht: Bahnchaos, Digitalisierungsrückstand, Gas-Abhängigkeit von Putin, verschlafene Energiewende, zerfallende Schulen oder die rostig-untaugliche Bundeswehr: Verbockt von C-Ministern. Da wird es immer gleich sehr peinlich, wenn C-Chef Merz den Zeigefinger erhebt und Versäumnisse anprangert.

Und so wettern neben den ganz Rechten; also AfD und Wagenknecht; auch C-Politiker gegen Queere, gegen Transrechte, gegen Selbstbestimmung, gegen Gleichberechtigung.

Es verfängt unglücklicherweise, weil große Teile des Urnenpöbels sich chronisch benachteiligt fühlen. Zwar wird natürlich keinem heterosexuell Verheirateten irgendetwas weggenommen, wenn ein Gesetz auch zwei Frauen erlaubt, zu heiraten, aber die fühlen sich benachteiligt, wenn andere nicht mehr benachteiligt werden.

[….] Der große gemeinsame Nenner der AfD-Wählenden ist neben Abstiegs- und Untergangsängsten vor allem das Gefühl, benachteiligt zu werden. Eine Studie von 1980 hilft zu verstehen, warum das so ist. Dabei haben Robert Kleck und Angelo Strenta den Versuchsteilnehmenden eine täuschend echte Narbe im Gesicht aufschminken lassen. Dann sollten sie mit ihnen unbekannten Personen ein Gespräch über ein festgelegtes Thema führen. Was sie nicht wussten: Unter einem Vorwand wurde ihnen kurz vor dem Aufeinandertreffen die Narbe wieder entfernt, sie betraten den Versuchsraum ohne jede Veränderung. Nach dem Gespräch glaubten die Teilnehmenden, häufiger angestarrt worden zu sein und dass ihr Gegenüber angespannter gewesen sei und sie weniger attraktiv gefunden habe als Menschen aus einer Vergleichsgruppe. Die Autoren schreiben, dass es unterschiedliche Interpretationen dieses Ergebnisses gebe. Eine Schlussfolgerung ist aber sehr gut geeignet, das Benachteiligungsgefühl besser zu verstehen: Wenn Menschen glauben, benachteiligt zu werden, kann sich dieser Eindruck verselbstständigen und von der Realität ablösen. Für das Gefühl der Diskriminierung braucht es keine Diskriminierung – wenn der Grund dafür unsichtbar ist. Dieser Zusatz ist essenziell, weil das Experiment manchmal in sozialen Medien von amerikanischen Rechten oder Libertären missbraucht wird, um jede Form von Diskriminierung zur Einbildung zu erklären.  [….]

(Sascha Lobo, 21.06.2023)

Politiker der Christen-Parteien können also die Wähler wunderbar gegen Dinge aufhetzen, die sie gar nicht bedrohen.

Ein Musterbeispiel ist Elon Musks Cis-Bann, der lediglich von Unkenntnis und Bösartigkeit zeugt.

Merz, Bär, Scheuer, Söder, Pechstein und Co bereiten damit den Boden für Gewalttaten gegen Minderheiten.

[….] Auf offener Straße verprügelt und beleidigt, Hetze im Netz: Die Zahl der Straftaten gegen queere Menschen nimmt in Deutschland zu. Angeheizt wird diese Feindlichkeit auch in den Parlamenten, allen voran durch die AfD. Doch auch einige Politiker der Union übernehmen die extrem rechten Narrative. Narrative, die für queere Menschen zur Bedrohung werden können. Für Menschen, die ohnehin schon in Gefahr sind – in Deutschland, aber auch weltweit.  [….]

(MONITOR, 08.06.2023)

Mit den unterschwelligen Appellen an menschenfeindliche Gewalt, besinnen sich die konservativen Christen wieder einmal auf ihre Jahrhunderte eingeübte Kernkompetenz.

Mittwoch, 21. Juni 2023

Das unterschiedliche Leid in der Kirche

Es stimmt, die katholische Kirche „leidet“ unter den Missbrauchsskandalen.

Da sind Gläubige und Atheisten sich einig.

Es gibt allerdings deutliche Unterschiede, wenn man hinterfragt, was genau dieses „Leiden“ auslöst.

 Als Atheist leide ich mit den Opfern und an der Ungerechtigkeit, daß die Täterorganisation nicht nur von den Strafverfolgungsbehörden geschont, sondern explizit von der Politik auf Kosten der Opfer gefördert wird.

Die Kirchenführer leiden insbesondere daran, daß ihre Missetaten überhaupt herausgekommen sind. Hatten sie doch alles unternommen, um die Täter zu schützen und alles unter den Teppich zu kehren.

[….] Die Aufarbeitung des Missbrauchs an Kindern durch Priester erinnert an ein Schachspiel. Im Zentrum stand der König – in diesem Fall: das Oberhaupt der Katholiken, Benedikt XVI.. Unsere Recherche zeigt, wie umfassend die Bischöfe den Papst deckten. [….]

(Marcus Bensmann, 20. Juni 2023)

Besonders leiden die Bischöfe daran, sich womöglich von ihrem schönen Geld trennen zu müssen. Ist doch das Zusammenraffen von Reichtümern, die einzige echte Konstante ihrer 2.000-jährigen Geschichte.

[….] Das Landgericht Köln (Deutschland) hat das Erzbistum Köln am Dienstag zur Zahlung von 300.000 Euro Schmerzensgeld an einen Missbrauchsbetroffenen verurteilt. Der heute 62-Jährige hatte 750.000 Euro Schmerzensgeld gefordert. […]

(ORF, 13.06.2023)

Ich hingegen, leide als Atheist, der nie Mitglied einer Kirche war, darunter solche Menschen wie Kardinal Woelki gegen meinen Willen finanzieren zu müssen.

[….] Der Zentralrat der Konfessionsfreien übt scharfe Kritik an den Plänen der Bundesregierung zur Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen.

Das Ende der Zahlungen sei längst überfällig, aber eine Ablösesumme von 11 Milliarden Euro vollkommen inakzeptabel, so der Vorsitzende des Zentralrats Philipp Möller. "11 Milliarden Euro sind 11 Milliarden zu viel. Laut Verfassung müssen diese Zahlungen seit über 100 Jahren abgelöst werden", sagt Möller. "Allein seit Gründung der Bundesrepublik haben die Kirchen über 20 Milliarden Euro erhalten, jetzt reicht es." Ein früherer Gesetzentwurf sah neben einer Einmalzahlung die steigende Fortzahlung der Staatsleistungen für weitere 20 Jahre vor. Bisher gibt es keine offiziellen Informationen darüber, ob es dabei bleiben soll. "So würden weitere 24 Milliarden Euro an Steuergeldern zusammenkommen, die christliche Politiker ihren Kirchen zuschieben wollen – das ist ein verantwortungsloser Umgang mit Steuermitteln", so Möller weiter. [….]

(HPD, 07.02.2023)

Die deutschen Kirchenoberen leiden hingegen darunter, nun auch noch zu allem Übel, haftbar gemacht zu werden für ihre übergriffigen Pädosex-Priester – nur weil sie ihnen über Jahrzehnte neue kleine Jungs zuführten und sie vor der Polizei und Staatsanwaltschaft verbargen.

[….] Zuerst gab es Limonade. Dann startete Priester Peter H. einen Pornofilm und begann zu onanieren. Andreas Perr war damals zwölf Jahre alt, Messdiener im oberbayerischen Garching an der Alz und im Pfarrhaus von Peter H. zu Besuch, zusammen mit einem Freund. Beim Onanieren blieb es nicht, H. fasste auch Perr und seinen Freund an. [….] Heute, Jahrzehnte später, steht der 39-Jährige vor dem Landgericht Traunstein. Andreas Perr nestelt nervös Tabak und Filter aus der Hosentasche und dreht sich schnell noch eine Zigarette. Bauchgrummeln habe er, sagt Perr. Er verklagt das Erzbistum München und Freising sowie Peter H. auf Schmerzensgeld. Insgesamt 350 000 Euro fordert er, 300 000 Euro vom Erzbistum und 50 000 Euro von Peter H..

Im Münchner Missbrauchsgutachten füllen die Taten von Peter H. und der Umgang der Kirche damit einen fast 500 Seiten starken Sonderband. Die Verantwortlichen des Erzbistums München und Freising wussten früh, dass H. pädophil und bereits in seinem Heimatbistum Essen einschlägig aufgefallen war. Sie setzten ihn trotzdem in der Seelsorge ein. Verantwortliche Bischöfe waren damals erst der damalige Erzbischof Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., und dann Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter. Peter H. bestreitet nicht, was er Andreas Perr angetan hat. [….] Das Gericht geht auch von einer Mitschuld Benedikts XVI. aus: Er war in der entscheidenden Ordinariatssitzung vom 15. Januar 1980, in der es um die Aufnahme von Peter H. in die Erzdiözese ging, anwesend. Darum habe er "entsprechend Kenntnis von dem Vorleben" des Priesters gehabt, sagt Nitzinger-Spann. Auch aus dem Verhalten Ratzingers ergibt sich aus Sicht des Gerichts ein Schmerzensgeldanspruch des Klägers gegen das Erzbistum. [….]

(Annette Zoch, 20.06.2023)

Ich leide darunter, daß die Kinderfi**rorganisation RKK es vermochte, den Hauptverantwortlichen, der einst allen 4.000 Bischöfe der Welt unter Androhung der Exkommunikation verbot, Kinder missbrauchende Priester der Polizei zu melden, bis er 95-Jährig starb, vor jeder Strafverfolgung geschützt war und ein Staatsbegräbnis erhielt.

Kardinal Ratzingers deutsche Hirten leiden hingegen darunter, immer weniger Priester-Nachwuchs zu generieren, weil immer weniger latent sadistische Klemmschwestern bereit sind, einer antidemokratischen Pädosex-Organisation zu dienen.

[….] Die fünf (Erz-)Bistümer in Nordrhein-Westfalen bekommen in diesem Jahr elf neue Priester. Damit bleibt die Zahl der Priesterweihen auf demselben niedrigen Niveau wie in den drei Vorjahren, wie eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bei den Bistümern ergab. Die Zahlen beliefen sich 2022 auf 12, 2021 auf 13 und 2020 auf 10. Auch in den Jahren davor lagen sie im unteren zweistelligen Bereich. In vier von fünf Diözesen in NRW finden die Weihen traditionell am Pfingstwochenende statt. Am kommenden Freitag empfängt im Bistum Essen wie im Vorjahr ein Kandidat die Weihe. Am Samstag folgen das Erzbistum Paderborn und die Diözese Aachen mit jeweils – wie 2022 – zwei Weihekandidaten. Im Bistum Münster gibt es in diesem Jahr keine Weihe (2022: drei). [….]

(Katholisch, 24.05.2023)

Ich leide darunter, daß es überhaupt noch Menschen gibt, die sich freiwillig in Woelkis Dienste stellen.

Dienstag, 20. Juni 2023

Wie Verbrecher Immunität erhalten

Donald Trump hat sehr klar gemacht, wieso er wieder als Präsident der  Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden will: Jeder, der gegen ihn ermittelt und seine Straftaten aufklären will, soll von seinem präsidentiellen Hammer getroffen werden: Richter, Staatsanwälte, Sicherheitsbehörden, Geheimdienste, FBI, Polizei.

Sich selbst aus dem Gefängnis zu halten, ist das Hauptmotiv für den Wahlkampf und ausnahmsweise lügt er deswegen gar nicht, sondern gibt es offen, ja geradezu prahlend zu.

[…] Trump saw the DOJ as a tool that should be wielded for his own personal, political benefit. Since leaving office, his attacks on the department have been adopted by a growing swath of the GOP, with calls to defund the FBI and otherwise rein in federal prosecutors run amok.  [….]

(Hayes Brown, 20.06.2023)

Auch Trumps demokratiefeindliche rechtspopulistische Kollegen Silvio Berlusconi und Bibi Netanjahu erstrebten den Regierungschefsessel, in erster Linie, um selbst dem Knast zu entgehen.

Aber bereits die Immunität als Parlamentarier zu erlangen, kann eine taugliche Methode sein, um sich juristische Scherereien vom Leibe zu halten, wenn man ein faschistisches Arschloch ist.

Nehmen wir zu Beispiel Hannes Gnauck (*1991), den in der Uckermark geborenen Bundesvorsitzenden der Jungen Alternative für Deutschland, JA.

[….] Das Bundesamt für Verfassungsschutz setzt zu einem neuen Schlag gegen die sogenannte Neue Rechte an: Gleich drei Organisationen werden als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft - darunter die Nachwuchsorganisation der AfD. [….] In der Pressemitteilung des Bundesamtes für Verfassungsschutz zur Einstufung der JA als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung" findet man hierzu Antworten: "Die JA propagiert ein völkisches Gesellschaftskonzept, das auf biologistischen Grundannahmen beruht, ein ethnokulturell möglichst homogenes Staatsvolk postuliert", heißt es da. Staatsangehörige mit Migrationshintergrund würden als Deutsche zweiter Klasse abgewertet. Eben dieses Volksverständnis stehe im Widerspruch zum Grundgesetz.   [….]

(Tagesschau, 26.04.2023)

Gnauck scheint selbst für AfD-Verhältnisse ein besonders übles Bürschlein vom äußersten Höcke-Flügel zu sein.

[….]  An der Spitze der "Jungen Alternative" steht seit Oktober 2022 der AfD-Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck. Bereits in seiner Zeit bei der Bundeswehr wurde Gnauck vom Militärischen Abschirmdienst als Rechtsextremist eingestuft, bevor er in den Bundestag einzog. Die Wahl Gnaucks zum JA-Chef galt als weiteres Indiz dafür, dass die AfD-Jugendorganisation konsequent immer weiter nach rechts abdriftete. Auch die JA verbreitet das Narrativ vom "Bevölkerungsaustausch", hetzt gegen Migranten und vertritt ein völkisches Gesellschaftsmodell. So sprach Gnauck erst kürzlich auf einer AfD-Kundgebung in Prenzlau davon, dass die anderen im Bundestag vertretenen Parteien nicht ruhen würden, "bis jeder Winkel dieses Landes und jedes friedliche Dorf mit illegalen Migranten vollgestopft ist". [….]

(Tagesschau, 26.04.2023)

Nun ist der völkische hetzende, martialisch auftretende Gnauck aber nicht bloß Chef eines gesichert rechtsextremen Vereins, sondern auch noch Bundeswehrfeldwebel, der so abscheuliches rassistisches Zeug von sich gibt, daß der Militärische Abschirmdienst (MAD) schon vor zwei Jahren handelte.

[….] Der Brandenburger AfD-Politiker Hannes Gnauck ist vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) als Extremist eingestuft worden. Das hat die Bundeswehr auf Anfrage des rbb bestätigt. [….] Gnauck sei weiterhin Soldat im Verantwortungsbereich der Panzergrenadierbrigade 41, so ein Sprecher der Brigade. Die behördlichen Ermittlungen zu einem disziplinarrechtlichen Verfahren dauerten an. [….] Wegen des laufenden Verfahrens ist Gnauck seit dem vergangenen Jahr vom Dienst freigestellt. Die Kaserne darf er nur nach Aufforderung betreten, das Tragen der Uniform ist ihm untersagt. Seine Bezüge erhalte er aber weiter bis das Verfahren abgeschlossen sei - das hatte Gnauck dem rbb bereits im Frühjahr bestätigt. Zu den neuen Entwicklungen wollte sich der AfD-Politiker auf Anfrage des rbb nicht äußern. Nach Hinweisen auf mangelnde Verfassungstreue setzte der MAD den Fall nach rbb-Informationen zunächst auf Orange. Offenbar haben sich die Erkenntnisse gegen den 29-jährigen Gnauck nun verdichtet und der Fall wird der Stufe Rot zugeordnet. [….]

(RBB, 27.07.2021)

Das roch nach Ärger. Aber Gnauck konnte sich juristischen Konsequenzen entziehen, indem er für die AfD in den Bundestag wechselte.

Mit seinem Mandat ist er sicher.

[….] Der MAD hatte Gnauck gerade als gesicherten Rechtsextremisten, Stufe "rot", ausgemacht, aber eine Entfernung aus dem Bundeswehrdienst dauert. Ein Jahr lang hatte Gnauck schon die Kaserne nur nach Aufforderung betreten dürfen, als die Prüfung durch den Bundeswehr-Nachrichtendienst noch lief. Ein paar Wochen später war die Truppe das Problem von selbst los: Gnauck wurde für die AfD in den Bundestag gewählt.  [….]

(SZ, 20.06.2023)

Ossi-Wähler stören sich offenkundig nicht daran, bei bekannten Faschisten ihr Kreuz zu machen und so hetzt er nun auf Staatskosten.

[….] Niemand von uns „Ur-Deutschen“ wurde gefragt, ob wir unsere #Heimat als Siedlungsgebiet für die Dritte Welt, als internationale Zone für globale Großkonzerne oder Soziallabor für linke NGOs hergeben möchten. Als #AfD stehen wir dafür ein, wieder Herr im eigenen Land zu werden.  [….]

(@Hannes_Gnauck, 30.05.2023)

Einen besonders Twist erhält die braune Story durch Gnaucks Ausschussmitgliedschaften. Er ist Mitglied in Strack-Zimmermanns oft geheim tagenden Verteidigungsausschuss. KSK und MAD berichten dort, Details über die Kriegsführung in der Ukraine werden besprochen, Details über streng geheime Bundeswehr-Bewaffnung erörtert. AfD-Mitglieder, die als Putin-Fans gern nach Russland fahren, um dort im Propaganda-TV aufzutreten mittendrin.

[….] Gnauck ist längst nicht der einzige AfD-Abgeordnete, der Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen hat. Im Innenausschuss etwa sitzen fünf, im Rechtsausschuss vier Fraktionsmitglieder. Gnauck ist sicher ein herausgehobener Fall [….] Parlamentarier anderer Fraktionen fragen inzwischen immer lauter, ob es nicht einen Weg gibt, AfD-Abgeordnete von hochsensiblen Informationen abzuschneiden. [….] Teile der AfD seien "sehr stark von Moskau beeinflusst" und würden "russische Narrative verbreiten", sagte Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Jahresberichtes. Neulich hatte er zudem gesagt, er halte es für "äußerst problematisch", wenn sogar erwiesene Extremisten Zugang zu sensiblen Informationen hätten. [….]

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, stört sich ebenfalls daran, dass ein AfD-Mann wie Gnauck in diesem Gremium sitzt. Aus ihrer Sicht hat er sich ins Parlament gerettet, um Immunität zu genießen. [….] Sebastian Hartmann sitzt für die SPD im Parlamentarischen Kontrollgremium - dem Geheimdienstausschuss des Bundestags - und im Innenausschuss, wo beispielsweise nach der "Reichsbürger"-Großrazzia Details zu Funden der Ermittler berichtet wurden - eine der Beschuldigten ist die ehemalige AfD-Abgeordnete Birgit Malsack-Winkemann. Er habe "nicht wirklich ein besonderes Vertrauen", sagte Hartmann der SZ, dass bestimmte AfD-Abgeordnete sensible Informationen "nicht auch anderweitig nutzen oder weitergeben". Er halte das für ein "gravierendes Problem".[….] Nach der Hochstufung der JA im April hatten die Ampel-Obleute im Verteidigungsausschuss, Wolfgang Hellmich (SPD), Sara Nanni (Grüne) und Alexander Müller (FDP), die AfD gemeinsam aufgefordert, Gnauck sofort abzuberufen. Die AfD beeindruckte das nicht. [….]

 (SZ, 20.06.2023)

Montag, 19. Juni 2023

Woelki und die Giftigen

Angesichts der tödlichen globalen Multikrisen und der Unfähigkeit der westlichen Demokratien, im Social Media-Zeitalter Lösungen zu finden, hoffe ich entweder auf einen intergalaktischen Vogonen-Frachter, der mich mitnimmt, oder stärkere Antidepressiva.

Die Welt heizt sich immer drastischer auf; am schlimmsten in Europa.

Die AfD liegt bei 20%, schickt sich an stärkste Partei zu werden, weil Fritz Merz ihr weiterhin Steilvorlagen liefert. Zu allem Übel droht uns auch noch eine zweite Trump-Präsidentschaft, mit der Demokratie, Pressefreiheit und Minderheitenschutz endgültig zum Auslaufmodell würde. Unterdessen tobt weiterhin ein Krieg in Europa, für den es laut des AfD-Bundestagsexperten David Berger ein klare Verantwortliche gibt; nämlich die Kriegstreiber Ukraine, England und USA. Wladimir Putin ist nach Ansicht der braunen 20%-Partei hingegen der reinste Friedensengel, der alles tut, um die Kämpfe zu beenden. Kann man sich nicht ausdenken.

Man muss sich an den wenigen positiven Konstanten festhalten, um nicht von Depressionen niedergestreckt zu werden. Eine solcher Leuchtturm ist der Kölner Held mit dem kleinen Hut, der es als atheistischer Top-Agent vermag, im Alleingang Myriaden zahlenden Kirchenmitglieder aus der RKK zu vertreiben.

(….) Unser wertvollster Agent, ein schwerer Zerstörer der TVE-Mixa-Klasse, bleibt nach der der Beförderung Ratzingers am 31.12.2022 weiterhin der Kölner Metropolit.

(….) Umso erfreulicher, daß Papst Franziskus mit Rainer Maria Kardinal Woelki, 66, am 11. Juli 2014 einen so wirkungsmächtigen Säkularisierungsbeschleuniger zum wichtigsten und reichsten deutschen Metropoliten machte. Als Kölner Erzbischof vermochte es Woelki, erst in Köln und dann bundesweit, die Terminvergabe für Kirchenaustrittsgesuche kollabieren zu lassen! Dank seiner Leistung unterschritten protestantische und katholische Kirche zusammen bereits 2022 die 50% Grenze und stellen nun erstmals seit vielen Jahrhunderten eine Minderheit in Deutschland.

Woelki ist mein Held und ich werde ihm für seinen Einfallsreichtum immer dankbar sein.

Langsam steigen in mir aber Sorgen um meinen Helden auf. Könnte mir nach Dyba, Mixa, TVE und Meisner etwa auch Woelki vorzeitig genommen werden?

Es spricht eigentlich wenig dafür, denn der Stellvertreter Gottes setzte ihn mit seiner unfehlbaren Weisheit nach einer kurzen Zeit des hochbezahlten Chillens (mit B11 auf Steuerzahlerkosten) am Aschermittwoch, dem 2. März 2022, wieder in seine Amtsgeschäfte ein. Ein Unfehlbarer kann nicht irren und daher wäre es schwierig für Matteo Bruni, den Direktor der Pressestelle des Heiligen Stuhls, wenige Wochen später zu erklären, Bergoglio habe da wohl Mist gebaut und nun müsse Woelki doch gehen.

Aber die braven Kölner Katholiken sind in derartiger Aufruhr gegen ihren verhassten Kardinal, daß selbst die treuesten der Treuen, Geistliche, wie Laien; jede Zusammenarbeit mit dem Kardinal verweigern.

Ein Oberhirte, der so verachtet wird, daß noch nicht mal Katholische Priester mit ihm zusammen gesehen werden wollen, ist für mich persönlich zwar äußerst amüsant, aber ich mache mir ernsthafte Sorgen, der Vatikan könnte doch noch einknicken und den Mann absägen. [….] [….] Welch ein Dilemma für den Vatikan. Köln ist nach dem Bistum Rom die zweitreichste Diözese dieses Planeten. Geldströme sind wichtig und so kann Bergoglio nicht zusehen, wie dieser Säkular-Agent die Gläubigen verjagt. Er muss Woelki abberufen, wenn er nicht ganz Deutschland dem Atheismus vorwerfen will.

Der Papst hat aber andererseits bereits entschieden, Woelki im Amt zu lassen. Würde er sich auf Druck des Fußvolkes umentscheiden, wäre das ein ungeheuerlicher Präzedenzfall, der seine umfassende Allmacht unwiederbringlich ramponierte. Wenn das Schule macht, könnten überall auf der Welt, Gläubige ihren Bischof boykottieren, bis sie einen anderen bekommen. Also kann Bergoglio Woelki gar nicht abberufen.  (…..)

(Sorge um Köln, 07.09.2022)

Zum Glück ist der Kardinal der Herzen, Eminenz Woelki weiterhin aktiv uns einfallsreich. Mit diabolischer Perfidie setzt er den Opfern und Zeugen des sexuellen Missbrauchs durch seine Priester zu.

[….] Woelki lässt Anwalt gegen Zeugin vorgehen[….] [….]

(FAZ, 15.01.2023)

Ja, Woelki weiß eben, wie man die Spenden der Kirchenmitglieder sinnvoll einsetzt: Indem man Millionen für Anwälte ausgibt, die mit perfidesten Mitteln seine Kritiker drangsalieren. So dient man Jesus und der Menschheit!

Oh Darwin in der Erde, ich danke Dir für Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki! Welch ein Glücksfall für den deutschen Atheismus!  (….)

(Dankgebet, 16.03.2023)

Am Wochenende schaffte es der Top-Agent wieder einmal durch die pure Abstoßungskraft seiner toxischen Persönlichkeit in die Medien.

Der Kölner Metropolit wollte eins seiner Suffraganbistümer – neben Aachen sind das Essen, Limburg, Münster und Trier – besuchen und mit dem Aachener Bischof Helmut Dieser einen Gottesdienst abhalten; also sein eigenes Reich inspizieren.

Aber selbst die treuesten der Treuen, die fleißigen Kirchengänger seiner Suffragan-Diözese Aachen, bekamen schon bei der Vorstellung Brechdurchfall und Ausschlag. Seine Schäfchen gingen auf die Barrikaden.

Ein Problem für den Kardinal, der nach neun Jahren wieder einmal  auf einem Roadtrip durch seine Provinzen vier ollen Lappen zeigen wollte. Wer steht nicht darauf, eine 1.200 Jahre alte Windel anzubeten?

[….] Die Heiligtumsfahrt in Aachen endet am Montagabend mit der sogenannten Verschließungsfeier. Im Mittelpunkt der seit 1349 begangenen Wallfahrt stehen vier Tuchreliquien, die 799 Karl dem Großen übergeben wurden. In ihnen wird das Kleid Mariens aus der Heiligen Nacht, Windeln Jesu, das Lendentuch des Gekreuzigten und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers verehrt. Für ihre Echtheit gibt es keine historischen Nachweise. […..]

(Katholisch.de, 18.06.2023)

Das Gute am Katholizismus ist ja, daß seine Riten und Reliquien so gar nicht lächerlich sind. Klar, die Stinke-Lumpen müssen wieder fest verschlossen werden. Die müffeln sicher ganz fürchterlich. Aber niemand wollte die antiken Textilien wieder einschweißen, wenn der Kölner Chef zuguckt.

[….] Im Vorfeld des Gottesdienstes gab es im Mädchenchor des Aachener Doms Diskussionen darüber, ob man in Woelkis Anwesenheit bei der Messe singen wolle oder nicht. 54 Mitglieder wollten singen, 32 lehnten das ab und weitere 34 konnten oder wollten aus anderen Gründen nicht teilnehmen.

In den zurückliegenden Monaten gab es immer wieder Proteste gegen Woelki im Umfeld von Gottesdiensten – etwa bei einer Ministrantenwallfahrt im Herbst vergangenen Jahres in Rom. Nicht der erste Gottesdienst-Protest gegen Woelki

Rund 100 bis 150 Messdienerinnen und Messdiener aus dem Erzbistum Köln standen bei der Predigt des Kardinals auf und kehrten ihm demonstrativ den Rücken zu. Beim Palmsonntags-Gottesdienst im vergangenen Jahr trat das Vokalensemble am Dom nur mit 8 seiner rund 50 Sängerinnen und Sänger auf. [….]

(Domradio, 18.06.2023)

Am Ende entschied man sich, Woelki ausdrücklich auszuladen. Stattdessen lagerte Dompropst und Wallfahrtsleiter Rolf-Peter Cremer die miefige Leichenwindel wieder ein.

[….] Als Reaktion auf die Bitte des Aachener Bischofs Helmut Dieser, an der heiligen Messe am morgigen Sonntag im Rahmen der Aachener Heiligtumsfahrt wegen befürchteter Störungen nicht teilzunehmen, hat Rainer Maria Kardinal Woelki entschieden vor einer Instrumentalisierung von Gottesdiensten sowie der heiligen Eucharistie für Protestaktionen gewarnt.  [….]

(Kath.net, 17.06.2023)

Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie Agent Woelki seine Kotzbrocken-Rolle weiterhin voll auslebt, keinerlei Reue oder sonstige sympathische Charakterzüge erkennen lässt und kräftig gegen seine eigenen Schäfchen - für ihn offenbar Giftmischer - austeilt, um noch mehr aus der katholischen Kirche zu vertreiben.

[….] Kardinal Woelki: [….] „Katholisch sein, Weltkirche sein, bedeutet unter anderem, sich bei allen Unterschieden gemeinsam auszuhalten. [….]  Und hier heißt katholisch zu sein – auch wenn die Aufarbeitung weh tut und sie tut weh – nicht dem Gift der Polarisierung zu erliegen, sondern Brücken zu bauen.“ [….]

(Kath.net, 17.06.2023)

Danke Woelki!