Montag, 12. Dezember 2022

Voll etablierte Doofheit.  

Darüber haben wir vielleicht gelacht 1998, als im Bundestagswahlkampf Reporter loszogen und mit bierernster Miene Passanten auf der Straße fragten, was sie eigentlich davon hielten, mit Joschka Fischer möglicherweise einen Heterosexuellen als Außenminister zu bekommen?

Vor einem Vierteljahrhundert war die Stimmung illiberaler, man befürchtete schon, RotGrün könne eine Schwulenpartnerschaft legalisieren, kannte sich aber noch nicht mal mit den Begriffen aus. Von den im Fernsehen Gezeigten, verstand offenbar niemand den Begriff „heterosexuell“, hielt es aber im Zusammenhang mit den Grünen für etwas Hochperverses und pöbelte dementsprechend rum, das dürfe niemals geschehen! So einer könne niemals Minister werden.

Damals hatte kaum jemand Internet, social Media war nicht erfunden und man war auch noch keineswegs Stefans Raabs regelmäßige TV-Total-Segmente gewöhnt, in denen er die totale Verdummung der deutschen Jugend bloßstellte.

Vor einem Vierteljahrhundert wunderte ich mich weniger über die offensichtliche Unkenntnis des Begriffs „Heterosexualität“, als über die Tatsache, daß so viele Menschen überhaupt ausführliche Statements für das Fernsehen abgeben, wenn sie doch offensichtlich das Thema gar nicht verstehen. Ich stellte mir immer vor, sofort wegzurennen, sollte ich jemals in eine Straßenumfrage geraten und dort nach Dingen interviewt werden, von denen ich nichts wüßte. Das hielt ich für eine natürlich Scham. Man möchte doch nicht „vor einem Millionenpublikum“ als Depp entlarvt werden.

Im Jahr 2022, nachdem es nicht mehr extrem selten für Otto Normalverbraucher ist „in die Medien“ zu geraten, sondern jeder einzelne ein Klugtelefon mit sich herumschleppt, mit dem er jederzeit seine irrelevanten Ansichten und sein Gesicht publizieren kann, wundere ich mich über keinen einzigen Idioten, der das regelmäßig tut.

Mittelerstaunlicherweise wurde dabei der Umgang mit klassischen Medien verlernt.

So bemerken es Querdenker, Covidioten, Montagsspaziergänger und Pegidioten gar nicht, wie lächerlich sie sich machen, wenn sie Demonstrationen anmelden, um Aufmerksamkeit zu erregen, dann aber genau das, was Aufmerksamkeit generiert – nämlich Pressevertreter – pöbelnd und schreiend verjagen.

Wer unbedingt in die Sauna will, sollte sich nicht wundern, wenn es darin heiß ist.

Prominente Politiker, die auf der Straße von Reportern mit Kameras angesprochen werden, fragen häufig, von welcher Zeitung oder welchen Fernsehsendung sie stammen. Das ist klug, denn einem Heute-Show-Team antwortet man anders als einem Monitor-Team.

Beim einfachen Volk ist diese Erkenntnis noch nicht sehr weit verbreitet. Menschen plappern in jede Kamera und merken gar nicht, wie sie benutzt werden, damit das Publikum sie auslacht.

Besonders erstaunlich erscheint mir diese bahnbrechende Doofheit bei Trump-Rallys, bei denen selbstverständlich viele liberalere Pressevertreter auftauchen, um mit den Statements des Fußvolkes zu schocken. Es gibt sogar ein eigenes Genre dafür: Spezialisten wie Jordan Klepper von der Daily Show, der seit Jahren Hardcore-Trumpisten blamiert, indem er sie zum Reden animiert. Daß die immer wieder darauf reinfallen, verblüfft insofern, da die angebliche liberalen Medien das zentrale Thema bei Trump-Veranstaltungen sind. Seit sieben Jahren nennt Trump die Presse „Feinde des Volkes“ und hämmert dieses „enemy oft he people“ seinen Jüngern bei jeder Rally ein. Adaptiert haben sie davon aber offensichtlich noch nichts.

Klepper befragt republikanische Wähler beispielsweise nach Obamas Rolle beim World Trade-Center Anschlag und erntet wütende Schimpftiraden wider des demokratischen Präsidenten. Er hätte sich nicht gekümmert, wäre nicht oft genug im Weißen Haus gewesen und hätte ständig nur Urlaub gemacht. Keinem fällt ein, daß Obama erst acht Jahre nach 9/11 ins Amt kam.

Die Massendoofheit verbreitet sich natürlich durch Facebook und Co. Aber eine der wichtigen Quellen ist nach wie vor das lineare, klassische Fernsehen.

Ich staune, daß ich noch staunen kann, aber FOX News strahlte beispielsweise gerade ein Interview mit Ted Cruz aus, in dem nicht nur, wie üblich, alles erlogen war, sondern eine erstaunliche Plumpheit an den Tag gelegt wurde.

Das „Biden White House 2020“ wurde dafür verantwortlich gemacht, im letzten Präsidentschaftswahlkampf Twitter zu Ungunsten Trumps manipuliert zu haben. Dabei kam Biden bekanntlich erst im Januar 2021 ins Amt. Es gab logischerweise 2020 kein Biden-WH, sondern nur ein Trump-WH.

75 Millionen Amerikaner wissen nicht mehr, wer George W. Bush war, können sich nicht mehr an 2001-2009 zurück erinnern, schieben 9/11 und den Irakkrieg Obama in die Schuhe.

Nun stellt sich heraus, daß sie nicht einmal mehr zwei Jahre bis zu ihrem Held Trump zurückwissen.

So etwas wie einen „gesunden Menschenverstand“ gibt es nicht und kann es nicht geben, wenn so große Teile der Menschheit komplett verblödet sind.

Sonntag, 11. Dezember 2022

Hugo Vogel hatte es auch nicht leicht.  

Da ist erstens schon mal der Name, der dazu einlädt, von den Mitschülern verballhornt zu werden. Zudem ist Vogel auch noch Ossi und wurde 1855 in Magdeburg bei den Anhalt-Sachsen geboren.

Zum Studium der Malerei ging er 1874 nach Düsseldorf und ergatterte 1887 eine Professur an der Berliner Akademie. Das ging allerdings nicht lange gut. Fünf Jahre später war er den Job wieder los, weil die Edvard Munch-Ausstellung die konservativen Berliner zu sehr geschockt hatte. Anton von Werner, als Direktor der Königlichen Hochschule der bildenden Künste, Vogels Chef, kollabierte fast vor Entsetzen, als er Munchs Bilder sah. Er stürmte aus dem Saal, bepöbelte die norwegischen Gemälde als „einen Hohn für die Kunst, als Schweinerei und Gemeinheit“ und schloß die Ausstellung. Hugo Vogels Ansichten über Munchs Werke sind nicht überliefert, aber er ärgerte sich so über die Einschränkung der Kunstfreiheit, daß er kündigte und erst mal für Jahre auf ausgedehnte Reisen ging.

Ab 1900 wurde Vogel Freskenmaler in großen Rathäusern. Das ging aber auch nicht lange gut, nachdem 1902 nachgewiesen wurde, daß er sein berühmtes Merseburger Reiter-Fresko „der deutsche Michael“ tumb plagiiert hatte, indem er Paul Dubois‘ „Johanna von Orléans“ abkupferte. Noch blöder lief es ein paar Jahre später, 1907 in Hamburg, als er für den riesigen Festsaal des neu gebauten gewaltigen Rathaus tätig wurde.

Das Fresko „Christianisierung der Hamburger Bevölkerung durch Erzbischof Ansgar“ wurde 1909 fertig und die Ratsherren fanden es richtig schlecht. Sie empfanden sich nicht als Untertanen der Kirche und waren empört, weil sie sich symbolisch vor einem Bischof buckelnd, dargestellt sahen.

[….] Der Grundsatz „Ein Hamburger kniet vor niemandem“ ist in Hamburg ein geflügeltes Wort. Doch woher stammt dieser Spruch? Darum ranken sich verschiedene Legenden.

Der Festsaal ist der mit Abstand größte Raum im Hamburger Rathaus. Hier finden Empfänge und große Veranstaltungen wie das historische Matthiae-Mahl statt. Den Saal zieren deckenhohe Gemälde, auf denen die Geschichte der Stadt dargestellt ist, von der Zeit der Besiedlung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Eines der Bilder zeigt die Christianisierung Hamburgs: Im 9. Jahrhundert kam Bischof Ansgar in das noch dörfliche Hamburg, um die dort lebenden Menschen zu bekehren. Auf dem Gemälde im Festsaal steht Bischof Ansgar vor einer Gruppe Menschen. Mit einer segnenden Handbewegung deutet er vor sich in Richtung Boden. Doch dort, wo er hinzeigt, ist nichts – außer Gras.

Der Maler Hugo Vogel malte das Wandgemälde zwischen 1902 und 1909. Ursprünglich sollte vor Ansgar ein Hamburger knien, der vom Bischof getauft wird. Doch der Rat lehnte den Entwurf ab: Ein Hamburger stehe immer aufrecht und knie vor niemanden, auch nicht vor gekrönten Häuptern oder einem Priester! Vogel entfernte laut Geschichte daraufhin den knienden Täufling. Übrig blieb die Lücke auf dem Bild. […..]

(Hamburger Rathaus)

Bei einem bestimmten Lichteinfall, soll man an der Stelle, an der Ansgar ins Leere segnet, noch die Umrisse des Hamburger Täuflings, der vor der Kirche kniet, erkennen. Bei meiner letzten Rathausführung bemerkte ich allerdings nichts.

Vogel erlebte noch mehr Unerfreuliches. Drei Jahre lang musste er dem ollen Paul Hindenburg als dessen Portraitmaler im Ersten Weltkrieg durch die Schlachtfelder begleiten. Als eben dieser Hindenburg 1933 einen gewissen Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, kniff Vogel alsbald auch die Arschbacken zu.

Er starb 1934 im Alter von 79 Jahren.

Samstag, 10. Dezember 2022

Kirche in Not.  

Um Agent Woelkis persönliches Auskommen müssen wir uns keine Sorgen machen.

Offenbar denkt Papst Bergoglio gar nicht daran, ihn als Kölner Metropoliten abzusetzen. Aber selbst wenn das geschähe, bliebe Woelki sein geistlicher Status als Bischof. Der ist ein Sakrament und kann nicht genommen werden. Noch wichtiger: Seine finanziellen Bezüge sind lebenslang sicher. Egal, was er macht, es geht abschlagsfrei in Rente. Bezahlt vom Staat – also Atheisten, Hindus, Muslimen.

(….) Trotz ihres quasi göttlichen Standes müssen sie sich nach der schnöden Beamtenbesoldungstabelle B (für höhere Beamte); B1-B11 (7.000 bis 15.000 Euro monatlich) bezahlen lassen. Sie steigen aber erst ab B8 ein in die schnöde weltliche Gesellschaft.

B8 bekommen etwa die Bürgermeister von Bremen oder Magdeburg.

B9 stehen Staatssekretären in den Bundesministerien, dem Verfassungsschutzpräsidenten, Botschaftern, Gerichtspräsidenten, Direktoren der Bundesbank, dem BKA- und BND-Chef, allen Generalleutnants, Vizeadmiralen, Generaloberstabsärzten und Admiraloberstabsärzten der Bundeswehr und dem Chef des Bundesrechnungshofes zu.

B10 erhalten Ministerialdirektoren, der Chef der Rentenversicherung sowie Generäle und Admiräle der Bundeswehr, sowie die meisten Behördenchefs (BAMF, Bundeswehrbeschaffungsamt, Bundesversicherungsamt, etc)

Ein Bischof bekommt B8, ein Erzbischof oder Kardinal erhält mindestens B9

Nach der aktuellen Besoldungstabelle sind das monatlich für

B8 11.373,67 EUR, B9 12.051,37 EUR, B10 14.197,53 und B11 14.749,49 EUR.

Ein Domdekan muss von B2 (8.176,63 EUR) leben, ein Generalvikar darbt mit B3 (8.658,13 EUR).  Bei den Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen kommen aber Zuschläge aus Rom hinzu, so daß Letztere leicht auf 15.000,00 EURO monatlich kommen.

Brutto oder netto muss man in diesem Fall nicht fragen, da die Gottesmänner fast völlig von Steuern und Abgaben befreit sind.

Schwierigkeiten entstehen für die Topklerikalen aber bei den Ausgaben. Denn wie soll man 180.000,00 EURO steuerfrei im Jahr eigentlich ausgeben, wenn man kaum Unkosten hat?

Altbischof Kamphaus, der Vorgänger des legendären Limburger Bischofs Tebartz-van-Elst beklagte diesen Umstand bitterlich. Er wohne mietfrei, ihm werde eine Dienstlimousine samt Fahrer gestellt, Reiseunkosten übernehme das Bistum und zum Essen werde er immer eingeladen.  (….)

(Bischofsleid, 05.03.2020)

Bischöfe, Jesus und der Papst preisen Armut. Sie predigen von Armut. Sie lieben Armut.

Aber eben nur Armut bei anderen. 

Die Bischöfe selbst nehmen die Last des Luxus auf sich, plagen sich persönlich mit Reichtum, müssen in den Bistümern Milliarden verwalten.

Nicht auszudenken, wenn die katholische Kirche nicht die reichste Organisation der Erde wäre! Wie viele Millionen Menschen würden um ihre gottgewollte selige Armut gebracht, zur Todsünde Völlerei verführt! Jeden Tag bliebe Myriaden Kindern der schnelle segensreiche Aufstieg ins Himmelreich verwehrt, wenn sie nicht verhungerten!

Kirchenaustritte sind nicht schön für EKD und RKK Deutschland. Aber sie sind gemütlich zu verkraften, solange Bischöfe so hervorragend bei den aktiven Parlamentariern lobbyieren, daß ihre Einnahmen durch „Kirchensteuer“, Staatsdotationen, Steuerfreiheiten, persönliche Bezüge und Griffe in die Sozialkassen nicht nur üppig sprudeln, sondern jedes Jahr mehr anschwellen.

Aber so langsam werden selbst die ultrareichen deutschen Bischöfe etwas nervös.

Sicher, sie haben in ihren „Bischöflichen Stühlen“ noch Milliarden Euro gebunkert, auf die kein Finanzamt Zugriff hat. Ihre eigenen Gehälter sind sicher.

Aber die raffgierigen Sex-Opfer der Soutanen-Sadisten könnten ihnen demnächst etwas Geld abknöpfen.

[….] Vor dem Kölner Landgericht hat ein Musterprozess gegen das Erzbistum begonnen: Ein Opfer sexualisierter Gewalt verlangt Schadensersatz von der katholischen Kirche - und eines möchte die ausdrücklich verhindern. [….] Die Aufgabe lautet: Wie viel Schadenersatz steht Georg Menne zu, einem 62-jährigen Mann, der vor etwa 50 Jahren als Jugendlicher von seinem Priester mindestens 320 Mal missbraucht und vergewaltigt wurde? Mennes Anwälte haben für das jahrzehntelange Leid ihres Mandaten eine Summe von 725 000 Euro errechnet, plus 80 000 Euro für künftige Schäden. Also 805 000 Euro. Das Erzbistum hält die Summe für zu hoch, auch der Richter deutet Zweifel an: "Sechsstellig kann es werden, aber eher im unteren Bereich." [….] Dennoch erringt Georg Menne - einst Opfer, nun Kläger - einen Teilerfolg. Der Prozess hat begonnen - weil das Erzbistum Köln, das den Fall seit Jahrzehnten kannte und offenbar vertuschte, keine Verjährung reklamierte. Rein juristisch hätte die Erzdiözese das tun und so wohl eine Menge Geld sparen können. Doch wie hätte das ausgesehen? Das Erzbistum habe damit eine "moralische Bankrotterklärung" vermieden, sagte der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke dem WDR: Sonst wäre "das Gerede von Transparenz, vollständiger Aufarbeitung, Anerkennung von Leid endgültig als PR-Getue entlarvt" worden. [….] Kardinal will das Schicksal von Georg Menne als singuläre Angelegenheit begriffen wissen. Das deutet darauf hin, dass das Erzbistum einen Vergleich anstrebt - um ein Musterurteil gegen die katholische Kirche in Deutschland zu vermeiden.

Opferanwalt Luetjohann hat dafür am Dienstag seinen Preis benannt: Um per Vergleich und ohne Richterspruch davon zu kommen, müsse Kölns Kardinal die Forderung seines Mandanten nach 805 000 Euro Schmerzensgeld erfüllen. "Dann geht das Erzbistum immer noch als Sieger aus diesem Gerichtssaal," rief Luetjohann in den Raum, "weil es kein Urteil gibt!"

Andernfalls jedoch könnte der katholischen Kirche eine Welle weiterer Schmerzensgeldklagen drohen. Der juristische Hebel dafür trägt den sperrigen Namen "Amtshaftung": Verursacht zum Beispiel ein Staatsbeamter in Ausübung seines Amtes gegenüber einem Dritten einen Schaden, haftet dafür zivilrechtlich nicht der Beamte selbst, sondern der Dienstherr, also der Staat. Und das gilt auch für die Kirche, machte Richter Singbartl deutlich: "Für uns steht außer Frage, dass Amtshaftungsrecht anwendbar ist. Da sehen wir keine Diskussion." [….]

(Annette Zoch, 06.12.2022)

Bei den Dagobert Ducks des deutschen Episkopats schrillen die Alarmglocken.

Imageverlust, Kirchenaustritte sind das eine. Damit können sie leben. Aber ihre schönen Millionen hergeben? Das ist fies!

Katholisch.de kritisiert Woelki bereits dafür, im oben genannten Fall auf die Einrede der Verjährung zu verzichten. Das könnte furchtbar teuer werden! Die schönen Millionen sollten doch lieber bei den Tätern, statt den doofen Opfern verbleiben. Dann bliebe den Opfern wenigstens der Segen der göttlichen Armut.

[….] In dem konkreten Fall geht es um insgesamt 805.000 Euro, die der Kläger verlangt. Selbst für das wohlhabende Erzbistum Köln eine stattliche Summe, wenngleich zu stemmen. Was passiert nun aber, wenn sich eine deutlich ärmere Diözese – etwa ein Diasporabistum in Ostdeutschland – einer ähnlich hohen Schmerzensgeld-Forderung gegenübersieht? Die Antwort ist klar: Das könnte den Bankrott bedeuten. [….]  Und noch eins ist klar: Sollte in mehr als einem Fall Missbrauchsbetroffenen deutlich höhere Summen zugesprochen werden, als es aktuell durch die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen geschieht, gehört das System noch einmal auf den Prüfstand. [….]

(Tobias Glenz, 07.12.2022)

Freitag, 9. Dezember 2022

Heulsusen  

Ich komme wirklich noch aus einer Zeit, als man kleinen Jungs einbläute, nicht „wie ein Mädchen zu weinen.“

Das war natürlich auch noch die Zeit, als Kind in Ermangelung von Computern, Spiele-Konsolen und Klugtelefonen, draußen spielte. In Teiche sprang, auf Bäume kletterte. Ohne Helm Fahrrad fuhr und sogar ohne Elterntaxi in die Schule gelangte.

Gelegentlich kollidierten die eigene Feinmotorik mit der Gravitation, so daß man sich mit einem blutigen Knie auf dem Boden der Tatsachen wiederfand. Man hörte dann wenig woke Sinnsprüche wie „ein Indianer kennt keinen Schmerz“, gab sich als Junge große Mühe nicht zu weinen. Obwohl ich mich nicht als übermäßig mutig betrachte und sicher nicht zu den körperbetonten Raufbolden gehörte, weinte ich kaum. Vermutlich, weil ich ein eher stilles Kind war, das nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen mochte.

Als an eigenartigen Körperregionen Haare wuchsen, sich unsere Stimmen veränderten und wir in der BRAVO nachlasen, welche sexuellen Aktivitäten wir bei welcher Gelegenheit zu leisten hatten, wurde dieses Rollenverständnis bereits gebrochen. Kaum hatte man den ersten Bartflaum auf der Oberlippe, galt Sensibilität als Jungs-Qualität. Jungs durften auch Mädchensachen machen.

Als wir 1984 Herbert Grönemeyers Superhit „Wann ist Mann ein Mann“ nicht entkommen konnten, weil er alle drei Minuten im Radio gespielt wurde, mokierten wir uns bereits über die in seinem Text thematisierten Geschlechter-Stereotypen. Natürlich durften und sollten und konnten Männer weinen, ohne deshalb als unmännlich verachtet zu werden.

In meinen 20ern und 30ern schien in meinem Umfeld der Geschlechterkampf zu ruhen. Selbstverständlich konnten Frauen all das, was auch Männer taten. Selbstverständlich zeigte Mann seine Gefühle. Selbstverständlich war man im Alltag, in einer Beziehung, beim Sex, im Beruf gleichberechtigt.

Ich fühlte mich ohnehin nie als Klischee-Mann, weil meine Mutter auch keine Klischee-Mutter war. Waschen, bügeln, Knöpfe annähen waren ganz selbstverständlich schon als Kind meine Aufgaben. Mit 18 allein zu wohnen, war daher unproblematisch. Ich war vorher schon viele Jahre im Haushalt unabhängig.

Vielleicht war ich metrosexuell, bevor das Wort erfunden wurde.

Nur eins lag mir gar nicht: Die Heulerei.

Zufall, Erziehung, Gene, Mode – ich weiß nicht wieso genau, aber ich bin nun mal nicht nah am Wasser gebaut. Ich erinnere mich daran, als Teenager vor lauter Rührung bei den WALTONS mal eine Träne verdrückt zu haben. Aber auch da stumpfte ich ab.

Ich weiß auch nicht, wieso sich das Männerbild irgendwann wieder drehte, weshalb sich Teenagerinnen auf einmal wieder nach einer Hausfrauen-Existenz sehnten und sich einen starken Mann wünschten, der sie beschützt.

Eine Reihe von Anja-Rützel-Artikel im SPIEGEL thematisierte den Sexualdimorphismus des modernen Trashshow-Teilnehmers. Ich konnte es nicht fassen. Männer geben den Frauen wieder Befehle und die wünschen sich auch genau das, verhalten sich devot und stilisieren es zu ihrer besonderen Qualität, sich dem tätowierten Muskelwesen mit Uppercut und Vollbart zu unterwerfen.

[….] Heute allerdings zeigt sich dieses Genre reaktionärer denn je. Als hätte es sich vorgenommen, alle möglichen Varianten davon durchzuspielen, wie Männer ganz selbstverständlich über Frauen verfügen.  Die männlichen Kandidaten bezeichnen sich, ohne lachen zu müssen, als "Wölfe" oder "Adler" und verkünden, sie müssten "jagen" und "beißen", Frauen natürlich, beziehungsweise: "Beute".

Zum Beispiel in "Paradise Hotel", einem neuen Format der RTL-betriebenen Streamingseite TV Now (das eigentlich ein uraltes ist, eine Ramschversion von "Love Island" nämlich): Singles, die permanent Willigkeitserklärungen abgeben, werden darin in eine Sammelunterkunft an fernen Gestaden verschifft und müssen sich immer wieder neu verpaaren (idealerweise auch im körperlichen Sinn), um nicht aus der Sendung zu fliegen.

Ständig wird neues Menschenmaterial nachgeschossen. Die männlichen Kandidaten sind testosterondampfende Schnellkochtöpfe, so etwa stellt man sich die Abschlussklasse der sonderbaren Alpha-Akademie vor, die der Rapper Kollegah betreibt: Sie bezeichnen sich, ohne lachen zu müssen, als "Wölfe" oder "Adler" und verkünden, sie müssten "jagen" und "beißen", Frauen natürlich, beziehungsweise: "Beute".

"Hey, wo ist Linda, die Fotze?", fragt Mario, der "crazy Surferboy mit Gute-Laune-Potenzial" (RTL), und die anderen lachen, denn Linda hat sich das schließlich selbst zuzuschreiben: Sie hatte den anderen Frauen geraten, mit Rücksicht auf eine spätere bürgerliche Berufswahl eventuell nicht unbedingt vor der Kamera Sex zu haben, und so die Männer gegen sich aufgebracht. Denn natürlich soll bei "Paradise Hotel" auch Sex gezeigt werden, zumindest schummrige Aufnahmen einer Bettdecke, die rhythmische Beulen schlägt. Das kann man geschmacklos finden, aber es wäre nicht weiter verwerflich, wenn es einvernehmlich geschähe.

Eine Grenze, die bei "Paradise Hotel" schon in der Anfangsfolge überschritten wird: Aaron und Jacqueline steigen ins ihnen zugewiesene gemeinsame Bett, schnell wird klar: Sie hat zwar den ganzen Abend mit ihm geflirtet, will aber keinen Sex. Sie sagt "Nein", er fragt "Wieso?" und rückt noch näher ran, sie sagt noch mal "Nein", dann noch mal und noch mal, und er sagt: "Ich schwör, ich geb gleich auf, aber dann hast du keine Chance mehr" (und gibt natürlich nicht auf). Dieses ständige Bedrängen, Betatschen und -quatschen nennt Aaron in ekligstem Pick-up-Artist-Sprech: "Ich habe versucht, sie zu knacken." Und wertet Jacqueline am nächsten Tag vor den anderen als "nicht fuckable", nicht fickbar also, ab.  [….]

(Anja Rützel, 16.08.2019)

Ich bin zu alt dazu, um das erklären zu können. Ich bin kein Zeitgeist-Analytiker. Kein Soziologe. Ich weiß einfach nicht, wie es passieren konnte, daß sich Männer und Frauen wieder auf eine Ungleichberechtigung einpendeln konnten. Ich weiß auch nicht, was ich schlimmer finde: Jung-Machos, die ganz selbstverständlich erklären, Frauen überlegen zu sein. Oder aber Frauen, die genau das erwarten, den schlimmsten Alphas hinterherrennen und die vermeidlich verweichlichen Männer ohne Muskeln verachten. Frauen, die gar nicht hinterfragen, daß sie in der Familie selbstverständlich die Rolle der Putzfrau und Köchin übernehmen. Oder ausgewachsene Twens, die noch nie eine Waschmaschine bedient haben, weil ihnen nach wie vor Muttern alles hinterher trägt.

Ich mutmaße, es hat etwas mit dem nivellierenden Effekt der sozialen Medien zu tun, der durch die höllischen Dumm-Telefone die Digital Natives manipuliert.

Mit dem modernen Muskelmann, der sich ein Leben als Privatdiktator in einem zweieinhalb-Zimmer Neubau erträumt, in dem sein Weibchen das Essen auf den Tisch zu stellen hat, wenn Pascha nach Hause kommt, habe ich keine Gemeinsamkeit. Will ich auch nicht haben.

Bis auf die eine Sache eben: Ich heule nach wie vor nicht und mokiere mich ehrlich gesagt selbst ein bißchen, wenn ich haarige Hipster mit Manbun in emotionaler Auflösung sehe.

Natürlich dürfen auch die Männer von 2022 weinen, aber mir ist unklar, wieso das so öffentlich zelebriert wird.

Wann immer ich mal zufällig doch in eine Casting-, Trash- oder Quizshow zappe, versehentlich beim Sport lande, sehe ich junge Typen, die sich womöglich eben erst in der Sendung kennenlernten, dann getrennt werden, weil einer verloren hat/rausgewählt wurde/die Antwort nicht wußte und schon liegen sie sich flennend in den Armen.

Es lag sicher am Zufall meines Geburtsjahres und meines Geburtsortes, aber ich wuchs a) ohne diesen haptischen Bezug zu anderen Männern auf und b) breche ich nicht in Tränen aus, weil ich irgendein Spiel verloren habe.

Öffentliches Heulen ist für mich immer noch, ein eher unangenehm zu beobachtender Kontrollverlust. Ich empfinde coram publico zu weinen, nicht als Schwäche. Zu seinen Schwächen zu stehen, ist stark. Mich stört eher die emotionale Zumutung gegenüber anderen.

Helmut Kohl beispielsweise war gelegentlich so gerührt von seiner eigenen Bedeutung, daß ihm öffentlich die Tränen über die wulstigen Wangen kullerten. Das wurde ihm stets hoch angerechnet. Als Zeichen seiner Menschlichkeit gewürdigt.

Ich empfinde es aber eher als Distanzlosigkeit und habe im Amt des Bundeskanzlers lieber einen Olaf Scholz, dem seine eigene Person nicht so wichtig ist, daß er einem Millionenpublikum ausführlich seine Angefasstheit demonstriert.

Es scheint sich sogar zu einer Art Signature Move besonders intoleranter, konservativer Mächtiger zu entwickeln, öffentlich zu heulen.

Trump ist eine Heulsuse. Ihm laufen zwar keine Tränen über das geschminkte Gesicht, weil dadurch die orange Farbe abgewaschen würde, aber es lässt sich nahezu ausschließlich von seiner eigenen Eitelkeit und Verletzlichkeit leiten. Er fühlt sich immer als Opfer und fordert Mitleid ein.

Einigermaßen absurd auch der Papst, der als Vizegott doch Fachmann für Leiden aller Art sein sollte, nur leider kein Mitgefühl für die Myriaden Kinder aufbringen kann, die von seinen Geistlichen missbraucht und gequält werden, heult nun auf großer Bühne.

[….] Anlässlich eines Feiertags betete Papst Franziskus am Donnerstag öffentlich in Rom. Als er die Ukraine in die Fürbitte einschließen will, beginnt er zu weinen und kann lange nicht weitersprechen. [….]

(SPON, 09.12.2022)

Was soll das? Gesteht er damit ein, daß seine Gebete sinn- und wirkungslos sind? Daß die Seelen der Ermordeten doch nicht glücklich im Himmel landen? Daß Gott, der sowas zulässt, ein Sadist ist?

Noch abstoßender wirkte gestern Ultra-MAGA Vicky Hartzler, US-Kongressabgeordnete aus Missouri, die bei der Abstimmung über den Schutz von gleichgeschlechtlichen und gemischtrassigen Ehen (Respect for Marriage Act) in Tränen ausbrach, als sie sich nur vorstellte, Frauen dürften Frauen, Männer könnten Männer oder Schwarze gar Weiße heiraten.

Crying over gay people’s ability to marry is a reminder that tears aren’t always an expression of vulnerability. Sometimes, they’re meant to wield power.

(Benjamin Perry, 09.12.2022)

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Unsympathen.  

Aus meiner Perspektive wirken Konservative nahezu einheitlich unsympathisch.

Seehofer, Schäuble, Merz, von der Leyen, Bosbach – mit keinem von denen möchte ich privat etwas zu tun haben.

Das ist wenig überraschend und höchstwahrscheinlich empfinden Rechte umgekehrt genauso, wenn es um SPD-Größen geht.

Ich werde aber immer hellhörig, wenn Journalisten aus Hintergrundgesprächen durchblicken lassen, wie es in den eigenen Reihen aussieht.   Talkshow-König Wolfgang Bosbach wird von den Deutschen geliebt, weil er so oft im Fernsehen ist, daß ihn alle kennen. Zudem wird er von einem journalistischen Narrativ umwoben, das ihn als Klartext-Mann hochlobt. Bosbachs Trick, um seine harten Ansagen zu produzieren: Er lügt wie gedruckt. Aber im seichten Talkshow-Format wird er nicht mit seinen Falschaussagen konfrontiert. Er übernahm nie ein Regierungsamt und beschränkte sich darauf, im TV zu nörgeln. Wenn man genau zwischen den Zeilen liest, merkt man; innerhalb der Unionsfraktion wird er für seine arrogante Besserwisserei herzlich verachtet. Manchmal lässt sich das nicht mehr verheimlichen.

[….] Von seinen Freunden wird der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach dafür gerühmt, dass er nicht nur vor laufenden Kameras, sondern auch in der Fraktion und in den Gremiensitzungen seine Meinung vertritt. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise im Spätsommer 2011 kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Bosbach und dem damaligen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU).  Die nordrhein-westfälische CDU-Landesgruppe traf sich in der Berliner Repräsentanz des Landes, um über den Euro-Rettungsschirm EFSF zu beraten. Bei der Frage, wer gegen den Rettungsschirm stimmen werde, meldete sich auch der damals noch neue Abgeordnete Carsten Linnemann, der heute der Unionsmittelstandsvereinigung vorsitzt. Pofalla der zwei Plätze von Linnemann entfernt saß, fragte, ob dieser in der Nacht noch Nachhilfe benötige.

Bosbach sprang dem jüngeren Kollegen zur Seite und kritisierte Pofallas drohenden Tonfall, dies sei nicht die "feine englische Art". Kurz darauf war die Sitzung der CDU-Parlamentarier beendet. Pofalla und Bosbach trafen beim Herausgehen aufeinander. Pofalla raunzte Bosbach an: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen."  Dann eilte Pofalla weiter, drehte sich noch einmal um setzte nach: "Du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt." Bosbach wiederum, der von dieser Verbal-Attacke völlig überrascht war, ging Pofalla hinterher und verteidigte sich. Der Streit, den viele Abgeordnete mithörten, hatte sich mittlerweile auf die Straße verlagert, wo die Dienstlimousinen warteten:  "Ronald, guck bitte mal ins Grundgesetz, das ist für mich eine Gewissensfrage", argumentierte Bosbach. Pofalla wurde noch einmal ausfällig, bevor er in den Wagen stieg: "Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe", sagte er. [….]

(RP, 23.08.2016)

Einige Unions-Größen wie Seehofer oder Schäuble, werden von ihrer Partei allgemein gemocht, als „alte Hasen“ zutiefst respektiert.

Anders sieht es aber aus, wenn man die engeren Mitarbeiter Wolfgang Schäubles befragt. Der Mann scheint privat sagenhaft unsympathisch zu sein, wird von seinen Untergebenen bestenfalls gefürchtet, vielfach für seinen sadistischen Umgangston gehasst. Und auch Schäuble lügt wie gedruckt. Er ist derart ungehobelt und unsolidarisch, daß er Mitarbeiter coram publico erniedrigt.

[….] Minister Gnadenlos

Wolfgang Schäuble ist hart zu sich selbst - und zu seinen Mitarbeitern. Mit der öffentlichen Demütigung seines Sprechers aber ging er zu weit, nun hat Pressemann Michael Offer seinen Job hingeworfen. Zurück bleibt ein Minister, dessen Amtsführung immer mehr in Frage steht, auch in den eigenen Reihen. [….]

(Philipp Wittrock, 09.11.2010) 

Bei Horst Seehofer zog es weitere Kreise. Mir ist nicht bekannt, ob er von seinen Sekretärinnen, Fahrern oder Assistenten besonders geschätzt wurde. Sicher ist aber, daß er seinen Sadismus gegenüber anderen CSU-Größen nie zügeln konnte und immer wieder mit äußerster Perfidie seine eigenen Minister quälte. Der Mann ist ein echter Widerling. Seehofer ist ganz offensichtlich nicht voll zurechnungsfähig. Er ist ein Soziopath und als solcher ein psychiatrischer Fall.

Er kennt keine Empathie und rockert daher brutal-erratisch in seiner eigen Partei umher.

Über Friedrich Merz gibt es hingegen gelegentlich politischen Unmut aus seiner eigenen Partei, weil er „zu wenig liefert“. Ich habe aber bisher noch nie wahrgenommen, daß er innerhalb der CDU persönlich nicht gemocht wird.

Noch ein anderer Fall ist Ursula von der Leyen, die zwar in der Öffentlichkeit stets bekannt war und über ansehnliche Beliebtheitswerte verfügte, aber sowohl in der Partei allgemein, als auch unter ihren Ministerkollegen gehasst wird, wie die Pest. Sie hätte nie eine Chance gehabt, es zur CDU-Chefin oder Bundeskanzlerin zu bringen, auch wenn sie selbst und interessierte Kreise sie gern dazu hochschrieben. Aber ihre Profilierungssucht zu Ungunsten ihres Umfeldes ist derart ausgeprägt, daß selbst den amoralischsten Konservativen schwant, wie unmöglich eine Zusammenarbeit mit einer Frau ist, die ausschließlich danach trachtet, selbst im besten Licht dazustehen und ungerührt die Köpfe anderer für ihre ureigenen Fehler rollen lässt. Auch Angela Merkel scheiterte an der zutiefst unangenehmen Niedersächsin, wußte sich nie anders zu helfen, als sie wegzuloben. Zunächst auf den Schleudersitz der Verteidigungsministerin – in der Hoffnung, von der Leyen möge sich dort selbst ins Aus schießen. Tatsächlich versagte sie auf der Hardthöhe, wie kaum ein Amtsvorgänger zuvor, bliebt aber hartnäckig trotz aller Skandale, die sie ungerührt ihren Mitarbeitern in die Schuhe schob, an ihrem Sessel kleben. Am Ende blieb Merkel nur noch übrig, sich nach Brüssel zu entsorgen.

Einen Sonderfall bildet der US-Senator Ted Cruz, der womöglich der einzige Rechte ist, von dem es quer durch alle politischen Ebenen und entlang des gesamten Spektrums eine homogene Ansicht gibt: Jeder verabscheut ihn persönlich. Linke, Rechte, Texaner, Washingtoner, Parteifreunde, Parteigegner. Seinen Kollegen, seinen Mitarbeiter dreht sich ebenso der Magen um, wie ehemaligen Mitschülern und Kommilitonen.

Ich bin keine Ausnahme und verachte Cruz sogar so sehr wie Trump und Lindsey Graham.

[….]  As Ted Cruz has risen to become Donald Trump's main rival in the Republican primary, it's become clear just how deeply much of the party's Washington establishment loathes him — to the point where many have still refused to endorse Cruz, and some say they'd even prefer Trump to Cruz as a nominee.  Indeed, while speaking at Stanford on Wednesday, former Speaker of the House John Boehner referred to Cruz as "Lucifer in the flesh," according to the Stanford Daily. He added: "I have Democrat friends and Republican friends. I get along with almost everyone, but I have never worked with a more miserable son of a bitch in my life."  So what has Cruz done to earn this hatred? Several great articles have collected anecdotes shedding light on this — for instance, from the Atlantic's Molly Ball and Mother Jones's Tim Murphy and David Corn. They make clear that part of this dynamic is a personal one: A lot of people who work closely with Cruz are just truly repelled by him.  But the issue is broader than that — at heart, Ted Cruz is so loathed by Republicans because he's not a team player. And not only is he not a team player, but he instead constantly positions himself as working against the Republican team in general and his Senate colleagues in particular. [….]  

(VOX, 28.04.2016)

Wie illoyal und verlogen er ist, zeigte Cruz beispielweise im Februar 2021, als während einer Kältewelle in Texas bei Millionen Haushalten aufgrund der katastrophalen GOP-Energiepolitik der Strom ausfiel. Der zuständige Senator floh, statt zu helfen, ins sonnige Cancún. Als er dabei erwischt wurde, machte er es schlimmer, indem er nicht nur über seine Reisegründe log, sondern statt Verantwortung zu übernehmen, die Schuld auch noch seinen minderjährigen Töchtern in die Schuhe schob.

Geriete Ted Cruz auf einem Kreuzfahrschiff in Seenot, wäre er sicherlich derjenige, der zuerst in das Rettungsboot stürmt, um dort Kinder und Frauen ins Meer zu schubsten.

Im Gegensatz zu Wolfgang Bosbach, dessen ultrakonservative Tochter ihn in den Medien eifrig unterstützt, wird Cruz aber offenbar auch von seiner eigenen Familie verachtet.

Legendär die Beleidigungen Trumps, der im 2016ner Wahlkampf Cruz‘ Ehefrau Heidi als „ugly“ verspottete und seinen Vater Rafael mit dem Mord an John F. Kennedy in Verbindung brachte, woraufhin „Lyin‘ Ted“ Trumps eifrigster Speichellecker wurde und ihn nach 06.01.2021 vehement verteidigte.

Auch seine Töchter Caroline und Catherine scheinen ihren berühmten Vater bereits zu verachten.

Jeder kennt die Bilder, wie sie sich schon als kleine Mädchen öffentlich gegen die Übergriffe ihres Erzeugers wehrte, als er sie zu Wahlkampfzwecken missbrauchen will.

[….] Caroline, die Tochter von US-Senator Ted Cruz, hat sich Berichten zufolge in den sozialen Medien als bisexuell geoutet und sich zugleich von den rechten politischen Ansichten ihres Vaters distanziert.

Caroline Cruz weiss, wie man sich Feind*innen in der eigenen Familie macht. In einem auf TikTok geposteten Video warf sie ihren Eltern vor, ein Foto für die Familienweihnachtskarte digital verändert zu haben, um ihre Kleidung konservativer aussehen zu lassen.

«Viele Leute beurteilen mich auf den ersten Blick nach ihm», erklärte die 13-Jährige bereits gegen Jahresende. «Aber ich stimme den meisten seiner Ansichten wirklich nicht zu.» [….]

(Mannschaft, 11.01.22)

Die heute 14-Jährige Caroline unternahm in den vergangenen Tagen mutmaßlich einen Suizid-Versuch und musste nach den sich selbst zugefügten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Da ich nicht so moralisch verkommen bin, wie Ted Cruz, werde ich nicht auf dem Rücken einer offensichtlich verzweifelten 14-Jährigen, höhnische Bemerkungen machen, wie es ihr Vater zu tun pflegt, wenn andere mit familiären Tragödien konfrontiert werden.

Als vor wenigen Wochen der 82-Jährige Ehemann von Nancy Pelosi von einem fanatischen GOP-Anhänger schwer verletzt wurde, amüsierten sich die Republikaner darüber.

Als erster stürzte sich Ted Cruz auf den mit dem Tode ringende Paul Pelosi.

[….]  Sen Ted Cruz seemed to be amplifying misinformation about the man suspected of attacking Nancy Pelosi’s husband after he’d earlier condemned the incident as “horrific”.

On Friday, hours after learning that Paul Pelosi, 82, had been “violently assaulted” in the San Francisco home that he shares with the House speaker, who was in Washington DC at the time of the attack, the Texas senator tweeted out a message that said he and his wife Heidi were praying for the Pelosi family. [….]  The Republican lawmaker then made an about-face on those earlier sympathies extended to his Democratic colleague, as by Monday he began posting tweets from unreliable sources that seemed to promote falsehoods and innuendo about the suspected attacker, 42-year-old David DePape. In one of the posts, Sen Cruz had reshared a screenshot from alt-right activist Matt Walsh, in which he pushed back against the information that has been widely reported from reliable news outlets that Mr DePape had recently become engaged in posting on far-right political blogs. [….]

(Independent, 31.10.2022)

Besonders brutal sprang das Schicksal mit Joe Biden um.

1973 geriet seine Frau Neila mit ihren drei kleinen Kindern Hunter, Beau und Naomi in eine Verkehrsunfall. Nur die beiden Söhne überlebten schwer verletzt. Tochter und Frau musste Biden begraben. Sohn Beau starb 2015 an einem Hirntumor. Der einzig verbliebene Sohn Hunter wurde suchtkrank und leidet bis heute. Kürzlich tauchten geleakte Nacktbilder auf, um den psychisch Angeschlagenen weiter zu demütigen. An vorderster Front dabei natürlich wieder Ted Cruz, der die Penis-Bilder des unglücklichen Hunters genüßlich über Twitter weiterverbreitete, um sich über das Opfer lustig zu machen.

[….]  NEW LOW: [….]  Senator Ted Cruz, on the day after Elon Musk giddily released information about Twitter’s content moderation processes, took it upon himself to publicly post nude photos of the current president’s son.

President Joe Biden has never denied that his son, Hunter, has struggled with addiction and other issues that are often associated with it. Instead, he’s called for compassion, expressed his love and support for his child, and in leaked messages, we’ve seen him urging his son to get help.

Republicans, however, prefer to go for the salacious and have produced a photo that was allegedly found on the laptop that they say is Hunter’s, although their atrociously lax chain of custody makes it unlikely the public will ever know the truth of the real contents.

In this photo, the subject — reportedly Hunter — is lighting a pipe, lying nude on a couch, with genitals visible in the shot.

It’s hardly a surprise that a tabloid or the lowest of political operatives would be happy to publish this as an attack on the president (although the tabloid, at least, would probably censor it), but in this case, a sitting U.S. Senator seems to have decided it would be an appropriate thing to share on his Twitter timeline.

The screenshot shared below is censored; in the version that Senator Cruz posted there was no black rectangle, only light blurring, but still very clearly a genital image. [….]  

(Washington press, 08.12.2022)

Man kann also versichert sein: Hätte sich die kleine Tochter eines demokratischen Top-Politikers versucht umzubringen, wäre Ted Cruz der Erste, der höhnisch Salz in die Wunden riebe.

Mittwoch, 7. Dezember 2022

Deutsche Sportfunktionäre drehen frei.  

Die Welt der international Sport-Großereignisse; insbesondere die Welt ihrer Funktionärs-Eliten, war in den letzten Wochen wahrlich nicht arm an Irrsinn.

Ich gebe mir akribisch Mühe, alle entsprechenden Meldungen zu ignorieren; die Nachrichten gleich abzuschalten, wenn der Sportteil kommt. Die elende Larmoyanz, die in allen Medien über das Ausscheiden der deutschen Bällchentreter mitschwingt. Also ob es naturgegeben wäre, immer zu gewinnen. Was ist denn mit „dabei sein ist alles“ geworden?

Am meisten ärgere ich mich, daß es Namen wie „Hansi Flick“ oder „Oliver Bierhoff“ bis in meine Großhirnrinde geschafft haben und dort nun Platz besetzen, den ich lieber mit wichtigeren Informationen gefüllt hätte. Man entgeht dem Mist nicht, weil Tagesschau, Spiegel und Süddeutsche Zeitung, genau wie BILD und RTL meinen, es wäre relevant, ihre Leserschaft über die Welt der Ballspielmillionäre aufzuklären.

Heute wartete die Mopo-Titelseite mit einer Sportfunktionärsmeldung auf, die den Irrsinn ins Quadrat setzte.

Offenbar denkt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) daran, sich zum 100. Jubiläum der Nazi-Spiele von Adolf Hitler 1936, für die Olympischen Spiele zu bewerben. Mutmaßlicher Austragungsort: Hamburg. „Hamburg 2036“

[….]  Jetzt will es der DOSB noch mal wissen: Bis Ende 2023 will er entscheiden, ob und mit welchen Städten sich Deutschland für die Olympischen und Paralympischen Spiele in 2036 oder 2040 bewerben könnte. 2024 würde dann die Bevölkerung über die Bewerbung abstimmen. Einer der möglichen Kandidaten: Hamburg. [….]

(MoPo, 07.12.2022)

Was ist nur los mit diesen Leuten?

1.)

Diese hochkommerzialisierten Dopingfestspiele der ultrakorrupten IOC und FIFA sind out.

[….] Desinteresse und Boykottstimmung in Deutschland: Etwa 50 Prozent weniger TV-Zuschauer bei der Katar-WM.

Keine anderen Fernsehsendungen sind in Deutschland so beliebt wie Liveübertragungen von großen Fußballturnieren. Doch die WM in Katar sorgt für einen beispiellosen Quoteneinbruch.   [….]

(SPON, 07.12.2022)

2.)


Die 2021 abgehaltenen Olympischen Sommerspiele von Tokio 2020 haben gezeigt, wie solche Mega-Veranstaltungen im Zeitalter der Pandemien ablaufen: Verzögerungen, Absagen, Verschiebungen. Ausschluss von Zuschauern, Gespenster-Sport vor leeren Rängen (wie jetzt auch vielfach in Katar). Ausgesperrtes Volk, Friedhofsstimmung.

3.)

Moderne Olympische Spiele sind immer ein finanzielles Desaster für den Ausrichter. Nur die IOC-Funktionäre stopfen sich die Taschen voll. Ich habe nicht den Eindruck, daß Deutschland nach Krieg, Pandemie und Energiekrise, ein paar Dutzend Milliarden an Sportfunktionäre zu verschenken hat. Mit fallen da ein paar etwas wichtigere Möglichkeiten ein, um Geld auszugeben: Klimawandel. Energiewende. Hunger in der Welt. Infrastruktur. Wiederaufbau Ukraine. Zum Beispiel.

4.)

Wenn es eins gibt, von dem wir in Hamburg mehr als genug haben, dann sind es Stau und Großbaustellen. Die Stadt steht ohnehin schon still, weil alle drei Meter Tiefbauarbeiten stattfinden.

[….] Hamburg ist neben Wiesbaden die Stadt in Deutschland, bei der der motorisierte Straßenverkehr am längsten im Stau steht. Das ist das Ergebnis des "TomTom Traffic Index" für 2021, für den die Daten aus 27 deutschen Städten ausgewertet wurden.  [….]

(NDR, 09.02.2022)

Und nun sollen zusätzlich noch Dutzende Mega-Wettkampfstätten und ein Olympisches Dorf gebaut werden?

5.)

Abgesehen von den Kosten: Es gibt in ganz Deutschland keine Kapazitäten in der Bauwirtschaft. Alle Gewerke leiden unter drastischem Fachkräfte- und Materialmangel.

[….] Die Bundesregierung scheitert nach Einschätzung der Bauwirtschaft mit ihrem Versprechen von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr.  "Es droht ein Absturz mit Ansage, die Regierung wird ihr Wohnungsziel krachend verfehlen", sagte der Präsident des Gesamtverbands der deutschen Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, der "Bild". Bauherren müssten demnach bis zu 60 Prozent mehr Miete verlangen als vor zwei Jahren.  Konkret rechnet Gedaschko in diesem Jahr mit rund 250.000 neugebauten Wohnungen. Für 2023 sagt er 200.000 voraus und für "2024 dann noch weniger".  [….]

(dpa, 01.12.2022)

6.)

Selbst wenn wie durch ein Wunder hunderttausende Bauarbeiter und Handwerker vom Himmel fielen und mit ihnen Millionen Tonnen preisgünstiges Baumaterial, hätte nicht nur der Wohnungsbau Priorität vor olympischen Luftpistolen-Schießanlagen, sondern es wartet auch noch die Megaaufgabe „energetische Sanierung“. Millionen Altbauten müssen gedämmt, mit anderen Heizungen versehen und mit neuen Fenstern bestückt werden.

7.)

Die Hamburger wollen keine Olympischen Spiele in ihrer Stadt! Am 29.11.2015 holten sich DOSB und Senat schon einmal eine blutige Nase, als unter deutlich günstigeren, vorpandemischen und Vorkrisen-Zeiten, 52% der Hamburger „NOLYMPIA“ sagten.

8.)

Olympische Spiele sind in demokratischen Staaten ohnehin kaum noch denkbar, weil sie finanzielle und ökologische Desaster sind.

Das haben die Bürger längst begriffen und verhindern den Irrsinn – sofern sie gefragt werden. Mit 54% lehnten die Bayern 2013 eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 in Garmisch-Patenkirchen ab.

2014 zog Oslo die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2022 zurück. 2015 das Nein aus Hamburg.

(….) Die Olympischen Spiele werden in Wahrheit gar nicht vermisst.

Wer nicht gerade selbst Sportler ist, oder in irgendeiner Form finanziell von Sportveranstaltungen lebt, kann durchaus auf das milliardenschwere Pharma-Spektakel verzichten.  Im Gegenteil, der Bombast-Kommerz ist sogar so unbeliebt, daß das IOC so gut wie keine Chancen mehr hat die Spiele an demokratisch regierte Länder  zu vergeben. Wann immer das Volk auch etwas dazu sagen darf, heißt es ‚NEIN DANKE‘!

Hamburg, Oslo, München/Garmisch, Graubünden 2026, Boston, Innsbruck 2026 – überall holten sich die Bewerber und das IOC blutige Nasen vom Wahlvolk.

Ein so ökologisch wahnsinniges und extrem überteuertes Korruptionsprojekt kann man nur noch durchführen, wenn wie in Sotchi oder Peking per order di mufti entschieden wird und die Bewohner der fraglichen Orte nichts zu melden haben.

Selbst im obrigkeitshörigen Japan sinkt die Begeisterung für die auf den 23.Juli 2021 verschobenen Spiele dramatisch. Allein die Verschiebung um ein Jahr kostet sechs Milliarden Euro.  (….)

(Fest im Sattel, 29.07.2020)

Ohne Bürgerbeteiligung wird sich der DOSB glücklicherweise keine Vorstöße mehr leisten.

Nach den krachend gescheiterten Bewerbungen von Berlin, München und Hamburg bin ich zuversichtlich, daß sich die Sportfunktionäre wieder ein gewaltiges NJET holen werden, sollten sie uns Hamburger 2024 zu so einem Vorhaben befragen.

Dienstag, 6. Dezember 2022

Blamables aus Hamburg  

Natürlich frage ich mich, wieso ausgerechnet der Hamburger Landesverband der Grünen eine derartige Vollkatastrophe ist. Wieso sind die Elb-Ökos derartig rechts, daß sie ähnlich wie im Saarland und Baden Württemberg, zu einem regelrechten CDU-Fanclub mutierten?

Es gibt sicher nicht die eine einleuchtende Erklärung, sondern ein Bündel von Faktoren.

Zum Teil liegt das an der extrem wohlhabenden Grünen Wählerschaft in BW und HH. Ihre Wähler fahren SUVs und wohnen in Vorstadtvillen. Politik für „kleine Leute“, für Minderheiten, für finanziell Schwache; kurzum ROT-grüne Politik; kommt da nicht gut an. Das sind Olivgrüne, die der Partei in beiden Bundesländern weit überdurchschnittliche Ergebnisse bescheren. Das enorme Chaos in den Grünen Bezirksfraktionen erklären Spitzengrüne gern mit eben diesem Erfolg. Dadurch wurden so viele Abgeordnete in die Parlamente gewählt, daß die Listen bis ganz hinten griffen. Es kamen Kandidaten zum Zug, die nie damit rechneten tatsächlich Politiker zu werden.

Da sind aber auch zwei erzkonservative Landesvorsitzende – Katharina Fegebank und Anna Gallina. Erstere schwärmte für die skandalumwobene Beust-CDU, in der Dutzende CDU-Politiker Ärger mit der Staatsanwaltschaft hatten. Letztere ist – ausgerechnet als Justizsenatorin – selbst Gegenstand von gleich zwei staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Die Personalie Gallina verwundert nicht nur wegen der peinlichen Ermittlungen gegen ihren Ex-Lebenspartner. Sie erstaunt auch, weil sie Jura-Laiin ist und als mit Abstand schlechteste Hamburger Senatorin gilt. Der Unwille der Grünen-Chefetage, sich von Gallina zu trennen, verblüfft zudem, weil sie mit einer so abstoßenden Persönlichkeit gesegnet ist, daß selbst Parteifreunde sich weigern mit ihr zusammen zu arbeiten. Jeder erinnert sich schaudernd an den Abgang ihrer eigenen grünen Stadträtin.

(….) Der drastischste Fall von Senatoren-Unfähigkeit ist sicherlich Anna Gallina; jene Jura-Laiin, gegen die schon zwei staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren liefen (eins davon eingestellt), die aber dennoch ausgerechnet Justizsenatorin wurde. Die Grünen wagten es nicht, ihr diesen Wunsch abzuschlagen, da sie von 2015 bis 2021 Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Hamburg und somit die mächtigste Grüne war.

Das noch laufende Ermittlungsverfahren richtet sich in erster Linie gegen Gallinas Ex-Freund und Vater ihres Kindes, Michael Osterburg, der während seiner Partnerschaft mit der Grünen-Chefin als Fraktionsvorsitzender der Grünen Bezirksfraktion in Hamburg Mitte 68.000 Euro veruntreut hatte und die privaten Hummer-Sausen des Paares mit Fraktionsgeldern bezahlte. Die nahezu wöchentlichen neuen Gallina-Skandälchen werden von den Grünen devot und still akzeptiert.

[…..]  Erst Flüchtlinge retten, dann Hummer schlemmen?   […..]  Bewirtungsanlass Flüchtlingsrettung - wird ein luxuriöses Hummer-Dinner auf Malta Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) zum Verhängnis? Die Hamburger Staatsanwaltschaft ist bei ihren Spesen-Ermittlungen gegen den Ex-Lebensgefährten der Senatorin auf Belege gestoßen, die Gallina weiter in Bedrängnis bringen können. […..]  Michael Osterburg, ehemaliger Fraktionschef der Grünen in Mitte, soll Gelder in Höhe von 67.900 Euro veruntreut haben. Inzwischen ist die Zahl der Belege, die die Staatsanwaltschaft überprüft, auf rund 4000 gestiegen. Darunter ist auch die Quittung für einen Strauß mit 40 roten Rosen, die Osterburg im Juni 2016 zwei Tage vor Gallinas 40. Geburtstag gekauft hat – und den er sich mutmaßlich von der Bezirksfraktion, also aus Steuergeldern, erstatten ließ. […..]   Besonders dreist […..]  wäre die Abrechnung eines noblen Hummer-Essens im Wert von 250 Euro im Mai 2017 auf Malta. Damals war Gallina Hamburger Grünen-Chefin und nahm an einer Rettungsmission der Sea-Eye auf dem Mittelmeer teil. Im Hafen von Malta ging sie an Bord. Nach MOPO-Informationen stellt der obligatorische Bewirtungsanlass auf dem Luxus-Beleg tatsächlich einen Bezug zum Thema Flüchtlingsrettung her. […..] 

(MoPo, 09.12.20)

Die Grüne Bürgermeisterin und größtes CDU-Fan-Girl findet es OK.

[…..] Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin, äußert sich mit einer Solidaritätsadresse für die Parteifreundin und Mit-Senatorin: „Mir ist wichtig klarzustellen: Das Ermittlungsverfahren gegen Michael Osterburg ist kein Ermittlungsverfahren gegen Anna Gallina.“ […..]

(MoPo, 09.12.20)

Im Lichte der neuesten Gallina-Affäre um ihre Stadträtin Günther, wird aber das andere Ermittlungsverfahren interessanter, weil es auf ein Muster hinweist.   Die Grüne Gallina ist offensichtlich nicht nur fachlich völlig inkompetent, sondern auf der persönlich-menschlichen Ebene derartig unangenehm, daß niemand es aushält, mit ihr zusammen zu arbeiten. Sie greift zu perfiden Mitteln weit unterhalb der Gürtellinie.  Nach der Bezirksversammlungswahl im Mai 2019 war die Grüne Fraktion in Hamburg-Mitte sehr stark geworden, wollte aber nicht mehr Gallinas Mann Michael Osterburg zum Fraktionsvorsitzenden wählen. In maximal undemokratischer Weise übte die Landeschefin nun Druck auf die neuen Abgeordneten aus, um ihrem Osterburg zu wählen. Als zwei von ihnen sich immer noch weigerten, nutzte Gallina deren migrantische Nachnahmen aus, um ihnen Islamismus zu unterstellen.

Ein so ungeheuerliches Vorgehen der Grünen Landes-Chefin, daß sich vier weitere Grüne Abgeordnete mit den beiden Angegriffenen solidarisierten. Die sechs Grüne-II Parlamentarier waren so entsetzt von ihrer eigenen Partei, daß sie geschlossen aus den Grünen austraten. Aber damit nicht genug; die sechs Ehemaligen behalten ihre Sitze und treten geschlossen in die SPD ein. (….)

(Grüner Sumpf, 04.11.2021)

Von den empörenden Personen der Grünen-Führung darf man selbstverständlich nicht auf alle Grünen Funktionsträger schließen.

Unter den Grünen gibt es anständige Menschen wie die Mitte-Abgeordneten Kay Dassow, Nicole Kistenbrügger, Miriam Natur, Meryem Celikkol, Shafi Sediqi und Fatih Can Karismaz, die allesamt in die SPD eintraten und ihre Mandate mitnahmen.

Ein ähnliches Chaos hatte die Grüne Führung im Bezirk Hamburg-Wandsbek angezettelt.

(….) Im Bezirk Hamburg-Wandsbek (mit 440.000 Einwohnern allein größer als Bochum oder Wuppertal) vollzieht sich gerade ein drittes Mal das bekannte Grüne Desaster. Nachdem mehrere Grüne Abgeordnete entnervt von dem Chaos ihrer eigenen Partei ihr Mandat abgaben, wollten die Nachrücker erst gar nicht Mitglied der Grünen Fraktion werden. Auch in Wandsbek ist die Mehrheit nun futsch. Die SPD verhandelt mit CDU, FDP und Linken über die Bildung einer neuen Bezirks-Koalition. Die Grünen sind nicht regierungsfähig.  (….)

(Hamburger Verhältnisse, 25.10.2022)

Auch in Wandsbek fand sich nun eine Lösung nach dem Vorbild Hamburg-Mitte.

Der Abgeordnete Oliver Schweim, der entsetzt aus seiner ehemaligen Grünen Partei ausgetreten war, weil er den chaotischen Rechts-Kurs nicht mittragen wollte, trat ebenfalls in die SPD ein und wurde Mitglied der SPD-Fraktion.

[…..]  Probleme durch personellen Aderlass bei den Grünen: Es ist eine weitere überraschende Wendung im wochenlangen Drama um die Mehrheit im Bezirk: Der fraktionslose Wandsbeker Bezirksabgeordnete Oliver Schweim tritt in die SPD ein, die ab sofort 17 Abgeordnete stellt. Zusammen mit den 12 Stimmen der Grünen reicht es wieder für eine knappe Mehrheit von 29 der 57 Sitze.  Es war der personelle Aderlass bei den Grünen, der zuvor das rot-grüne Bezirksbündnis in Bedrängnis gebracht hatte. Mit 15 Abgeordneten waren die Grünen in Wandsbek nach den Bezirkswahlen 2019 gestartet - inzwischen sind es nur noch 12. Zwei Abgeordnete hatten in den vergangenen Jahren die Fraktion verlassen und sind als fraktionslose Abgeordnete in der Bezirksversammlung geblieben. Einer von ihnen war Oliver Schweim. Später wollte eine Nachrückerin der Grünen nicht Mitglied der Fraktion werden. [….]

(NDR, 04.12.2022)

Ungelöst bleibt aber das konservativ-Grüne Chaos in Hamburg-Eimsbüttel.

(….) Die Grüne Mehrheit in Hamburg-Eimsbüttel versuchte immer wieder gemeinsam mit der CDU den SPD-Bezirkschef zu stürzen, agierte dabei aber derartig dilettantisch, daß sie jedes Mal scheiterte, weil einige Grüne über so viel Anstand verfügten, sich der eigenen Parteiführung zu widersetzen. Der Sozi Kay Gätgens ist dreieinhalb Jahre nach der Kommunalwahl, die eine deutliche Grüne Mehrheit erbrachte, immer noch im Amt, weil die Eimsbüttler Grünen völlig unfähig sind. (….)

(Hamburger Verhältnisse, 25.10.2022)

Auch in Hamburg-Eimsbüttel waren die Grünen im Mai 2019 deutlich stärkste Partei geworden, kündigten daraufhin trotz Mehrheit die Rot-Grüne Koalition, um mit ihrem Wunschpartner CDU zu koalieren. Zweieinhalb Jahre hielt das olivgrüne Bündnis. Im November 2021 platzte die Koalition; offenbar ist eine dauerhafte Zusammenarbeit mit diesen Grünen unmöglich. Sie waren trotz Mehrheit nie in der Lage einen neuen Bezirksamtschef zu wählen, wollten aber auch keine neue Koalition jenseits der CDU eingehen und wurschteln nun schon ein volles Jahr mit wechselnden Mehrheiten herum. Nun läuft aber die reguläre Amtszeit Gätgens aus. Alle Parteien zeigten sich kompromissbereit, um die Personalie zu klären. Allein, eine Lösung ist mit diese Grünen nicht möglich. Einen eigenen Kandidaten mit der CDU möchten sie nach den vielen Pleiten mit ihrer inzwischen bei einem Fahrradunfall gestorbenen Grünen Bezirksbürgermeisterin Katja Husen nicht mehr wagen. Sie wissen, daß ihre eigene Fraktion viel zu chaotisch und zu undiszipliniert ist. Mit der SPD zusammen Gätgens wiederwählen, wollen sie aber auch nicht, weil die Grünen dafür zu rechts sind.

[….] Wer steht im kommenden Jahr an der Spitze der Verwaltung in Eimsbüttel? Die Amtszeit von Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD) läuft Anfang Januar ab. SPD und Grüne haben lange verhandelt - jetzt sind diese Gespräche gescheitert. Viele Runde hat man seit dem Sommer gedreht, zum Schluss in drei Nachtschichten hintereinander verhandelt - dann hatten sich die Spitzen der Parteien und Fraktionen von Rot-Grün auf ein elfseitiges Kooperationspapier geeinigt. Und darauf, dass Gätgens weiter Bezirksamtschef bleibt - zumindest bis zur nächsten Bezirksversammlungswahl im Mai 2024. Die SPD-Fraktion stimmte dem Papier einstimmig zu, die Grünen-Fraktion am Wochenende nicht. [….] "Wir sind absolut enttäuscht", sagte Milan Pein, Chef der Eimsbütteler SPD. Man sei den Grünen bei vielen Verkehrsthemen sehr entgegengekommen. [….]

(NDR, 05.12.2022)

Die Grünen sind hochgradig regierungsunfähig. Nachdem sie nun dreieinhalb Jahre unfähig sind, einen neuen Bezirksamtschef zu bestimmen, wird mutmaßlich mit dem Ende von Gätgens‘ Amtszeit, seine Stellvertreterin Sandra Böseler, die Dezernentin für die beiden Dezernate Steuerung und Service sowie Bürgerservice, kommissarisch den Job bis zu den nächsten Kommunalwahlen übernehmen. Dann werden die Grünen hoffentlich ihre Mehrheit verlieren, so daß wieder normale Politik möglich ist.

Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Eimsbüttel war einmal Hamburgs linkester Bezirk. War in den 1980ern und 1990ern eine absolute Grünen-Hochburg, als diese als GAL noch ganz links stand. Inzwischen wurde Eimsbüttel aber zum Paradebeispiel der Gentrifizierung. Die Mieten stiegen in astronomische Höhen. Finanziell schwächere Bürger wurden vertrieben. Wer es sich noch leisten kann dort zu leben, beruhigt gern sein Gewissen, indem er die Grünen wählt. Aber natürlich die 2022er Grünen, die fest an der Seite der Wohlhabenden stehen und nicht etwa mit der SPD soziale Politik umsetzen.

Die Grüne Begeisterung für die CDU mag auch damit zusammenhängen, daß die Hamburger Ploß-CDU derartig weit nach Rechtsaußen gerückt ist. So bleibt mehr Platz für konservative Grüne, die aber nicht so weit gehen möchten, gleich die schwarzbraune AfD-affine Elb-CDU zu wählen.

Der 37-Jährige CDU-Landesvorsitzende Ploß stammt aus dem völkischen JU-Milieu der braunsten Art.

(….) Das CDU-Schätzchen der Woche ist aktuell der JU-Kreischef Alexander Weiss. Gegen den 22-jährigen Jungpolitiker wird wegen ausländerfeindlicher Äußerungen ermittelt. "Niggerschlampe" soll der Jurastudent eine südländisch aussehende Kommilitonin beschimpft haben und sie dann mit Bierdeckeln beworfen haben. Zudem, so die Vorwürfe, soll Weiß "Nicht-Arier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben.
Für den aktiven CDU-Funktionär kann es gar nicht braun genug sein - Im Internetportal "StudiVZ" ist der Jungpolitiker, der im vergangenen Juni an der Heinrich-Hertz-Schule (Winterhude) Abitur gemacht hat, zudem offensichtlich unter anderem Mitglied in den Gruppen "Gegen Inländerfeindlichkeit durch Ausländer" und "Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten" - eine Anspielung auf den Einmarsch der Nazis im Zweiten Weltkrieg. (…)

(Hamburger Jungs, Teil II, 22.03.2008)

(….) Da mieft es noch gewaltig.
Kürzlich erst mußte sich die Hamburg-CDU auf öffentlichen Druck (und nicht etwa aus eigener Einsicht) vom Junge Union-Bezirkschef Alexander Weiß, der eine Kommilitonin als "Niggerschlampe" und "Nicht-Arier" bezeichnet hatte trennen.
Nun ist schon wieder so ein tiefbrauner Schleimpropfen im Personal der CDU-Jugend ans Tageslicht gekrochen:
Patrick Schlemmer, der Vize-Chef der Schüler-Union in Altona. Er ist bei der Bezirksversammlungswahl im Februar für die rechte DVU angetreten. Die CDU will das alles aber gar nicht vorher gewußt haben.
Na so eine Überraschung - hatte doch Patrick Schlemmer die "asoziale Politik" von Bürgermeister von Beust kritisiert und unter anderem gesonderte Schulklassen für Ausländer gefordert.
Außerdem ist Patrick Schlemmer der Sohn von DVU-Landeschef Günther Schlemmer, stand auf Platz sechs der Landesliste und trat auch bei der Wahl zur Bezirksversammlung für die Rechts-Partei an.
"Wie tief ist der braune Sumpf in der Jungen Union?" ätzt sie sozialdemokratische Jugend. Mit Entsetzen hat der Juso-Landesvorstand auf die Nachricht reagiert, dass das führende Mitglied der Hamburger DVU, Patrick Schlemmer, seit über einem halben Jahr als stellvertretender Kreisvorsitzender der Altonaer Schüler-Union amtiert. Dazu der Juso-Landesvorsitzende Danial Ilkhanipour: “Nachdem es bereits in den letzten Wochen zu heftigen Vorwürfen gegen den Vorsitzenden der Jungen Union Nord kam, stellt dieses einen absoluten Tiefpunkt innerhalb der politischen Kultur in Hamburg dar.
Die Grünen stört das offenbar weit weniger. (…)

(Nun wächst zusammen, was nicht zusammengehört, 09.04.2008)

(…) Eben jene GAL koaliert auch freundlich mit der CDU, deren bräunliche Jugend-Truppe sich Gestalten wie den JU-Kreischef Alexander Weiss leistet.
[….]  Neuester Vorfall:
Die JU Hamburg lud den ultrarechten Felix Menzel zu einem Seminar im "Ludwig Erhard Haus", bei dem er unter dem Motto "Mit gleichen Waffen zurückschlagen" die "Konservativ-Subversive Aktion" (KSA) Agitationstechniken des braunen Mobs erklärte.
Der politisch Kacke-farbene Menzel ist Mitbegründer der revanchistischen "Pennale Burschenschaft Theodor Körner", Leitspruch: "Deutsch und frei! Kühn und treu".
Die JU sog den braun-national miefenden Handlungsleitfaden gierig auf und setzte die neuen Rüpel-Methoden bereits in destruktiver Weise gegen eine Veranstaltung der Initiative „Eine Schule für alle“ ein.  (….)

(Groundhog day, 15.10.2008)

Die Ploßschen Jung-CDUler sind seit den Beust Jahren nicht sympathischer geworden. Der Hamburger JU-Chef Benjamin Welling von 2022 ist nicht besser.

Aber die Grünen stehen scheinbar auf solche Leute.

[….]  Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen: Vier von sieben Kreisvorsitzenden fordern von Benjamin Welling, dem Landesvorsitzenden der Jungen Union, sein Amt niederzulegen. Ihm werde Urkundenfälschung und Versicherungsbetrug vorgeworfen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das dem Hamburger Abendblatt vorliegt. Dem 32-Jährigen wird insbesondere die "strafbewehrte Schadensabwicklung" eines JU-Mitglieds zur Last gelegt. Hierbei soll er absichtlich einen falschen Namen angegeben haben. "Dadurch sehen wir uns gezwungen, dir aufgrund der jüngsten Ereignisse und deiner Verwicklung in dieses Unrecht das Misstrauen auszusprechen", zitiert das Abendblatt aus dem Schreiben, "sowie deinen Rücktritt von allen politischen Ämtern zu fordern." Unter den Unterzeichnern des Schreibens ist auch Julian Herrmann, der beim Landesparteitag der Jungen Union knapp gegen Welling verlor. [….]

(T-online.de, 06.12.2022)