Donnerstag, 16. September 2021

Laschet, der chronische Lügner – Teil I

Das hat mich als Teenager schon gestört, wenn es im Bonner Bundestag richtig heiß her ging und schließlich als Empörungsmaximum dem politischen Gegner vorgeworfen wurde „sie reden die Unwahrheit“! Niemals hörte ich das böse Wort von der Lüge. Warum eigentlich nicht, wenn ein Politiker so offensichtlich lügt? Kann man ihn nicht „Lügner“ nennen, ohne als Prolet da zu stehen?

Selbst bei dem serial liar Trump und seinen 30.000 Lügen im Amt, tat sich CNN bis zum Schluß schwer, sprach lieber davon; seine „claims“ könne man nicht mit Fakten unterfüttern.

In der ehrenhaften deutschen parlamentarischen Ordnung wird nicht geschimpft, sonst gibt es einen Ordnungsruf. Man bezeichnet sich nicht gegenseitig als „Lügner“, sondern greift zum juristisch milderen „Unwahrheit sagen“.  Das sind keine Synonyme.

Eine Lüge geschieht mit Absicht, um sich einen Vorteil zu verschaffen; die Unwahrheit zu sprechen geschieht aus Schlampigkeit und Wissenslücken.

[….] Lüge und Unwahrheit: Lüge ist eine Aussage, von der der Verkünder weiß, dass sie falsch ist. Unwahr ist eine Aussage, von der der Verkünder glaubt, sie sei wahr, die aber tatsächlich falsch ist. Absicht, Vorsatz macht die Lüge aus. Deshalb wimmelt es in der Philosophie von Unwahrheiten, aber nicht von Lügen. Obwohl es auch die gibt. [….]

(Philolex)

Wahlkämpfe sind notgedrungen anfällig für Unwahrheiten, weil komplexe Zusammenhänge für die weitgehend ahnungslosen Wähler extrem vereinfacht und in Schlagworten dargestellt werden müssen.

Es ist für keinen Politiker möglich, etwas so Hochkompliziertes wie einen Klimaschutzplan oder ein Steuerreformmodell in einer Zwei-Minuten-Antwort umfassend und korrekt zu erklären.

Es mischen sich auch Prognosen und Fehlprognosen in die Programme, die erst Jahre später fragwürdig aussehen.

Als Helmut Kohl 1990 versprach, für die deutsche Einheit werde es keine Steuererhöhungen geben, war das sicherlich gelogen, da vom Bundesbankpräsident Pöhl über erfahrene Politiker wie Helmut Schmidt und Klaus von Dohnanyi bis zu dem SPD-Kanzlerkandidaten Lafontaine jeder wußte, daß man „die Einheit“ eben nicht „aus der Portokasse bezahlen“ könne.

Als Kohl „blühende Landschaften“ versprach, war das eher keine echte Lüge, weil der Satz a) viel zu unpräzise war und b) Kohl in seiner Naivität vermutlich wirklich daran glaubte.

Gerd Schröder verkündete 1998, er werde als Kanzler die Arbeitslosigkeit bis 2002 auf 3,5 Millionen senken. Dann platzte aber die New Economy-Blase, die Weltwirtschaft schrumpfte und das deutsche Sozialsystem blieb schwerfällig. Die Arbeitslosenquote sank zwar von Schröders Amtsantritt (1998) 10,9% auf 9,8% nach vier Jahren, lag aber absolut bei 4,1 Mio.

Da die 3,5 Millionen so klar gerissen wurden, bezichtigte man Schröder der Lüge.

Der Vorwurf war aber ungerechtfertigt, da seine Aussagen von 1998 ganz offensichtlich eine Prognose waren und keine bewußte Falschdarstellung bestehender Fakten. Für die Politik gilt immer noch das Bonmot des weisen SPD-Professors Egon Bahr:

„Alles was man sagt muss wahr sein.

Man muss aber nicht alles sagen, das wahr ist.“

Wenn also Wahlkämpfer im Eifer des Gefechts ein paar Details weglassen, die sie schlecht aussehen ließen, wenn die bei ihren Prognosen übertreiben und optimistischer erscheinen, als sie sind, verzeihe ich ihnen das gern. Es ist schließlich ein schmutziges Geschäft, in dem Puristen nichts verloren haben.

Viele Kommentatoren neigen dazu, Armin Laschets Umgang mit der Wahrheit im milden Licht zu betrachten. Er sei eben etwas „onkelhaft“, neige nicht zu präzisen Formulierungen.

Das ist schon Ärgernis Nummer Eins. Ein Kanzlerkandidat darf nicht damit entschuldigt werden, daß er nun mal etwas doof ist, der es selbst nicht so genau weiß und sich leider nicht vernünftig ausdrücken kann. Und zudem auch noch mit einem „Lausbubenhumor“ belastet ist, so daß er quasi unverschuldet immer wieder irgendwas oder irgendwen veralbert.

Nach dieser Lesart konnte Laschet gar nicht anders, als mit ausgetreckter Zunge die Erftstädter Flutopfer auszulachen.

In Wahrheit war es natürlich noch schlimmer, wie er unbeabsichtigt zugab, als er sich damit entschuldigte, Steinmeier nicht gehört zu haben.

Er hielt es also gar nicht für nötig seinen Regen-sicheren Unterstand zu verlassen, um dem Bundespräsidenten zuzuhören.

Ärgernis Nummer zwei ist, daß es ausgerechnet dieser notorisch unernste nachlässige Hinhuscher Laschet ist, der anderen in Bausch und Bogen vorhält zu lügen.

Beispiel Wahlarena 15.09.2021. Eine 15-Jährige FFF-Schülerin greift Laschet für sein klimapolitisches Versagen in NRW an.

[…..]  Als die Schülerin wieder unterbricht, fährt es in der ARD-Sendung aus Laschet heraus: „Nein, hören Sie auf! Sie sind Klimaaktivistin und haben gerade drei Behauptungen aufgestellt, wo ich doch kurz mal entgegnen darf, dass die alle drei falsch waren.“ Daraufhin erklärt er erneut, dass seine Regierung den Hambacher Forst „gerettet“ habe - die Vorgänger hätten ihn roden wollen. Zudem habe er den Kohleausstieg mitverhandelt, der jetzt komme.  [….]

(Merkur, 15.09.2021)

Eine Dreistigkeit. Nicht nur, daß Laschet wieder pauschal anderen vorwirft zu lügen, sondern er ventiliert erneut die Lüge, er habe in der Kohlekommission für den Kohleausstieg gesorgt. Das Gegenteil ist der Fall. In der Kommission zog er sich heftigen Unmut der Klimaschützer zu, weil er tumben RWE-Lobbyismus betrieb und gegen die frühere Abschaltung von Kohlekraftwerken stritt.

Das gleiche Muster bei den Pro7-Kinderreortern, die ihm unangenehme Fragen stellten. Die üblichen Lügen zu Maaßen und dem Hambacher Forst wiederholt er noch halbwegs ruhig, wird aber beim Thema Schwule aggressiv. Laschet greift die beiden Elfjährigen an, unterstellt ihnen, sich nicht auszukennen.

[….] Abschließend verrennt sich Laschet in eine Aussage, die er im Nachgang an die ZDF- „Klartextsenung“ bereits als „Missverständnis“ verstanden wissen wollte. Nichts dagegen habe er, wenn Männer heiraten wollen. Warum Laschet dann nicht dafür gestimmt hätte, will Romeo wissen. Er sei nicht im Bundestag gewesen, wer denn „auf so komische Ideen“ komme? Romeo: „Du hast Interviews gegeben, wo du gesagt hast, du willst es nicht“ - richtig, beispielsweise im Spiegel („Dem Antrag der SPD hätte ich wie Merkel nicht zugestimmt“). Und Armin Laschet? „Nee, das stimmt nicht.“ „Dem Spiegel“, weiß auch Romeo. Jetzt wird der Kanzlerkandidat der Union völlig unsouverän: „Du hast damals schon den Spiegel gelesen? Ist aber toll, dass du das kannst.“ „Nee, ich habs gegoogelt“. Bähm, und danke an Romeo und Pauline, dass sie sich vom alten Mann nicht haben einschüchtern lassen. [….]

(FR, 16.09.2021)

Auch die detailliert belegten Rezo-Vorwürfe bügelt Laschet als „alles falsch“ ab.

(….)  Was als nächstes kam, war so sicher, wie das Amen in der Kirche: Alle starrten gebannt auf den CDU-Chef, wie er diesmal reagieren würde. Schließlich hatten sämtliche Medien über das Video berichtet. Welche souveräne Erwiderung hätten sich die versammelten CDU-IQs in zwei Jahren mit der massiven Medien-Kompetenz der BILD und der ehemaligen BILD-Chefredakteurin Tanit Koch als oberste Laschet-Beraterin ausgedacht? Welche Schlagfertigkeit würde die an Laschet (ver)zweifelnden CDU-affinen Wähler überzeugen? Vorgestern im SWR3-Interview war es so weit, die Moderatoren fragten Laschet, ob er das Rezo-Video schon gesehen hätte. Armin grinst und lacht.

Antwort: „Nein, wenn ich alle Videos ansehen würde, die irgendwer macht, hätte ich viel zu tun. [….] Die Thesen [….], die sind wie immer falsch. Und Stück für Stück kann man denen dann widersprechen.“

Kann man sich nicht ausdenken: Laschet erklärt in einem Satz, so ein Wahlkampf-relevantes Video gar nicht anzusehen, aber dennoch zu wissen, alles darin wäre falsch.

[….] Armin Laschet erklärt in der ARD, dass er das Rezo-Video nicht kenne und nicht angeschaut habe, aber alles darin Behauptete sei falsch!  Tja, Pech gehabt, Rezo… Das ist eine inhaltlich saubere und konsistente Widerlegung, der auch Du nichts entgegensetzen können wirst! […..]

(Lorenz Meyer, 28.08.2021)

Rezo fügte seinem Video ein „Inkompetenz Quellendokument“ mit 145 Quellen hinzu; er steckte viel Zeit hinein, um jede seiner Behauptungen absolut wasserdicht zu belegen. Von Laschet wird das jovial mit „wie immer alles falsch“ weggerinst.  Zu seinem Glück waren SWR3-Moderator Constantin Zöller und RBB-Moderatorin Angela Ulrich viel zu schwach und uninformiert, um Laschet in die Zange zu nehmen und nachzubohren, ob er ernsthaft alle 145 Links für falsch hält.  (….)

(Pannen-Update, 28.08.2021)

Das größte Unwahrheits-Ärgernis, Nummer drei, ist aber, daß Laschet keine Skrupel hat bewußt, manipulativ und öffentlich zu lügen.

Auch wenn er genau weiß, daß er lügt.

Mehr dazu morgen…..

Mittwoch, 15. September 2021

Ein guter Tag für den Hamburger Atheismus

In Hamburg litt ich lange Zeit unter einer eigenartigen Situation. Mit Erzbischof Thissen war ein Oberkatholik im Amt, der für RKK-Verhältnisse geradezu nett war.  So eine Art Franz Kamphaus von Hamburg. Bescheiden und liberal. Aber genau wie in Limburg, wo auf Kamphaus das diametral entgegengesetzte Extrem TVE kam, wurde den Hamburgern nach dem sympathischen Thissen mit Stephan Heße eine päpstliche Schocktherapie verpasst.

Was für ein Glück für das weit überwiegend atheistische Hamburg, wenn sich der Vatikan ebenfalls intensiv um Kirchenaustritte bemüht und so einen Säkularisationsbeschleuniger wie den Kölner Kinderfi**ervertuscher Heße entsendet. Und wie traurig, wenn so ein fähiger Agent der Konfessionslosigkeit seinen Rücktritt in Spiel bringt.

(…..) Erzbischof Heße war ein großes Glück für Hamburg. In nur fünf Jahren schaffte er es, das positive Image seines Vorgängers Erzbischof Thissen ins diametrale Gegenteil zu verkehren und alle Hamburger Katholiken gegen sich aufzubringen.

Daher wünsche ich mir von Herzen, Papst Franz möge seinen angebotenen Rücktritt nicht annehmen, damit er sein Werk der Säkularisierung Hamburgs weiter führen kann. (….)

(Krasse Kölner Kardinäle, 20.03.2021)

Hamburg ist katholische Diaspora, hier gibt es nur 9% Katholiken, die aber wie viele religiotische Minderheiten (Thierse in Berlin!) besonders in ihren Gemeinden verankert und sind und viele Projekte betreiben.

Heße leistete dann ganze Arbeit, schloß ein Dutzend katholische Schulen, wickelte die Obdachlosenhilfe (Alimaus, Kältebus,..) de facto ab, indem er die Leiter durch hardcore-Katholiban ersetzen ließ.

Ein großartiger Verbündeter der Atheisten!

(….)  Mit Heße stimmt mein Weltbild wieder.

Der Mann stammt wie so viele Bischöfe aus der ultrakonservativen Kardinal-Meisner-Schule und hat dort alles gelernt, was man braucht, um die Katholiken zu vertreiben.

Er ist unsympathisch, raffgierig, fundamentalistisch, lügnerisch und hat zudem wie es sich für einen guten Kölner Toptheologen gehört auch persönliche Kinderficker-Altlasten, indem er die Täter schützte und den Opfern den ausgestreckten Mittelfinger zeigte.

Binnen kurzer Zeit schaffte er es, sich in Hamburg maximal unbeliebt zu machen, schloss ein Dutzend Hamburger Schulen – inklusive einer Pflegeschule im Jahr 2020.

(….) Neues Opfer der hanseatischen Katholiken ist die Pflegeschule des Krankenhauses Groß-Sand in Hamburg-Wilhelmsburg.    Es ist ja bekannt, daß wir in Deutschland eine derartige Pflegekräfte-Schwemme haben, daß niemand noch mehr Krankenschwestern oder Altenpfleger gebrauchen kann.    Außerdem haben wir in Hamburg insgesamt genau eine Pflegeschule im Großraum Harburg-Bergedorf; da kann man sie doch ebenso gut schließen.

[…..] Die Krankenpflegeschule am katholischen Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg wird Anfang Oktober geschlossen. Hamburg verliert damit die einzige Krankenpflege-Schule südlich der Elbe. Der Schritt stößt bei den Betroffenen und den Hamburger Behörden auf Bedauern und Unverständnis.   Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler seien aus allen Wolken gefallen, als die Schließungspläne verkündet wurden, erzählt eine Betroffene NDR 90,3. Die Schule sei im Quartier etabliert, hätte akademisch überdurchschnittliche Absolventinnen und Absolventen und wurde sich finanziell quasi selbst tragen. […..]

(NDR, 06.07.2020)

Es ist daher auch ganz unverständlich wieso ausgerechnet in den eher sozial schwachen südlichen Stadtteilen Menschen den Pflegeberuf erlernen wollen.  Haben die denn noch nie von der Friedrich-Merz-Alternative gehört? Statt umständlich so einen Pflege-Unsinn zu lernen, könnten sie doch lieber in Hedegefonds und Private Equity investieren. Wissen das die Migranten auf der Veddel etwa nicht? (…..)

(Neues vom Raffgier-Erzbistum, 25.08.2020)

Aus alter Thissen-Gewohnheit, daß man mit dem Erzbistum gut sprechen kann, wandten sich die katholischen reichen Hamburger Pfeffersäcke an Heße und seinen Vertreter Generalvikar Ansgar Thim. Sie wollten die Finanzierung der Schulen übernehmen, wenn sie nur offen blieben.

Das lehnte aber Heße immer ab, ließ sich auch keine Gespräche ein – wie man später erfuhr mit gutem Grund: Er wollte die von der Stadt für Schulen zu Verfügung gestellten Grundstücke als teures Bauland verscherbeln und Reibach machen.

Zu den Elternvertretern und engagierten Schul-Finanziers schickte er Thim und den Schulbeauftragten Christopher Haep, die dabei so extrem unfreundlich und unsympathisch waren, daß sie in kurzer Zeit auch die engagiertesten Katholiken vergraulten.

(….)    Die Schulen zu erhalten scheiterte also nicht an den finanziellen Mitteln, sondern am offensichtlichen Unwillen des Erzbischofs und seiner beiden menschlich radikal unangenehmen Schul-Beauftragen Thim und Haep.

In der Folge passierten erstaunliche Dinge. Eine extrem katholische portugiesische Reinmachefrau, die ich seit 30 Jahren kenne und die fleißig jedes Jahr einmal auf Knien drei Wochen lang zur schwarzen Fatima-Madonna rutscht, die auch in Hamburg jeden Tag in den Gottesdienst ging, erzählte mir erbost, sie habe nun genug von der Kirche. Sie bete nun zu Hause zur Madonna, verehre die Mutter Maria, aber die katholische Kirche könne ihr gestohlen bleiben; ihre Enkel sollten nicht auf eine katholische Schule gehen.

Angesichts solcher Entwicklungen kann ich als Atheist natürlich nur meinen Hut ziehen vor dem Hamburger Erzbischof. Das war eine reife Leistung. Herzlichen Glückwunsch; immer weiter so.

Inzwischen kristallisiert sich immer mehr raus, wieso der feine Kirchenfürst eigentlich so vehement gegen katholische Schüler vorgeht.  Er ist offensichtlich aus Köln gewöhnt – der nach Rom angeblich zweitreichsten Diözese der Welt – im Geld zu schwimmen und Milliardenwerte herum zu jonglieren. In den katholischen Schulen sah er weniger eine Einrichtung zur Bildung oder gar zur Hilfe für junge Familien, sondern Toplagen-Grundstücke in einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem die Bodenpreise aufgrund des Baubooms explodieren. Also scheiß auf die garstigen Blagen! Lieber mit den Grundstücken spekulieren und mal richtig Reibach machen. (….)

(Raffzahn Heße, 17.12.2018)

Die Kinderfi**er-Vertuschung aus Köln ist natürlich das i-Tüpfelchen.

Heße ist die persona non grata unter Hamburgs Gläubigen.

Extrem unbeliebt.

Zum Glück liebt Bergoglio Kinderfi**er-Bischöfe, erlässt ihnen die Strafen und bemüht sich, sie nicht nur im Amt zu behalten, sondern nach Möglichkeit zu befördern (Stichwort Pell!).

Auch Heße soll in Deutschlands größter Erzdiözese „weiterwirken“.

[….] Papst Franziskus hat den Amtsverzicht des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße nicht angenommen und ihn gebeten, "seine Sendung als Erzbischof von Hamburg im Geist der Versöhnung und des Dienstes an Gott" fortzuführen. So heißt es in einer Mitteilung der Apostolischen Nuntiatur in Berlin. [….]

(Dpa, 15.09.2021)

Binnen 48 Stunden geht also schon wieder ein großer Wunsch von mir in Erfüllung.  Ich habe offensichtlich einen Lauf.  Katholikenschreck Heße ist genau der Mann, den ich mir als Atheist für Hamburg wünsche!

Das war ja kein Zustand mit dem alten Theissen, den man bei öffentlichen Auftritten heimlich sympathisch fand.

Bei Heße kann das nicht passieren. Der ist Kategorie Woelki-TVE. Ein zutiefst abstoßender Charakter, der sehr erfolgreich die Mitglieder aus der Hamburger RKK treibt.

DANKE FRANZI!!!!

Dienstag, 14. September 2021

Baerbocks Tendenzen

Wenn man durch Hamburg fährt und es auch nur halbwegs gutes Wetter ist, stehen rund um die Uhr vor fast jedem Geschäft, das auch nur entfernt etwas mit Lebensmitteln zu tun hat, Außengastronomie-Tische.

Offenbar haben die Leute Nachholbedürfnis und wollen gar nichts mehr zu Hause tun.  Viele Gastronomen würden nur zu gern auf das vom Hamburger Senat ermöglichte 2G-Konzept umstellen: Aussperren von Ungeimpften und dafür wieder volle Belegung ohne Schachbrettmuster und Abstand.

Vielfach ist das aber zu ihrem größten Bedauern nicht möglich, weil ihnen die Mitarbeiter im Service, der Küche und die Reinigungskräfte fehlen.

Für den Personalengpass gibt es mehrere einfache Erklärungen. „Weil Gastro einfach Scheiße ist!“ sagt meine Friseurin, nachdem sie selbst viele Jahre Servicekraft war. Weil man für das miese Gehalt auch einen netteren Job findet, sagen viele ehemalige Restaurant-Mitarbeiter, die sich während der Pandemie umorientierten.

Die gleichen Bilder bieten sich im Handwerk und der gesamten Pflegebranche.  Die Chefs suchen händeringend nach Personal, können Aufträge nicht mehr annehmen, bzw Patienten nicht mehr versorgen.

In der neoliberalen 1990er Dekade dominierten Friedrich Merz und Guido Westerwelle die Debatte: Die Sozialhilfeempfänger hätten es zu einfach, ruhten sich in der sozialen Hängematte aus, wollten gar nicht arbeiten.

Natürlich gibt es solche Fälle, die dann wie „Florida-Rolf“ durch die BILD-Zeitung berühmt wurden.

In den Krawallsendungen wurde im Wochentakt von Sozialschmarotzern berichtet. Harald Schmidt lästerte jeden Abend über das „Prekariat“. Filmteams begleiteten Sozialfahnder, die immer auf die Klischee-Drückeberger trafen: Junge  übergewichtige Frauen ohne Schulabschluss, die aber schon mindestens drei Kinder von verschiedenen Partnern hatten und am obligatorischen Couchtisch voller leerer Bierdosen und überfüllter Aschenbecher saßen.

Die linken Hartz-IV-Kritiker von heute vergessen immer, wie populär Einschnitte ins Sozialsystem vor 20 und 30 Jahren waren. Nicht nur die Konservativen, auch STERN und SPIEGEL trommelten dafür. Wer verlangte, Langzeitarbeitslose zum Spargelstechen zu schicken, bekam überwältigende Zustimmung.

CDU/FDP-Politiker erklärten Erhöhungen der Sozialausgaben zur Einladung zum Saufen und Qualmen.

[…..] "Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie." [….]

(JU-Chef Mißfelder, Feb 2009)

Die Wähler waren begeistert und wählten Ende 2009 mit großer Mehrheit eine schwarzgelbe Bundesregierung.

Es mag ein Zerrbild gewesen sein, aber auch eine der besten und vielfach ausgezeichneten deutschen Filmemacherinnen Rita Knobel-Ulrich, die nicht unter dem Verdacht steht neoliberal oder rechts zu sein, recherchierte ausführlich für mehrere Filme und Bücher, fand groteske Verschwendungen sozialer Gelder.

Heinz Buschkowsky, der Neuköllner Bürgermeister, rechnete den verblüfften Deutschen vor, daß ein Handwerksgeselle mit zwei Kindern ein ähnlich hohes Haushaltseinkommen wie eine vierköpfige Hartz-IV-Familie habe, aber sich kein drittes oder gar viertes Kind leisten könne, da er die dazugehörige größere Wohnung nicht bezahlen könne.

Die Hartz-IV-Familie habe nicht nur mehr Zeit für die Kinder, sondern könne auch immer mehr Nachwuchs produzieren, da ihnen automatisch eine größere Wohnung finanziert würde.

Groko-Arbeitsminister Franz Müntefering plagte sich mit anderthalb Millionen „Aufstockern“ – das sind Menschen, die Vollzeit arbeiten, aber dennoch weniger als Hartz-IV-Empfänger bekommen und sich dann die Lohnlücke bis zum Alg-II-Satz bei der Arge abholen.

Westerwelle sprach vom „anstrengungslosen Wohlstand“. Das war einerseits perfide, denn Wohlstand ohne Anstrengung trifft sicherlich eher auf die FDP-Millionärsklientel zu, die ihr Geld für sich arbeiten lässt und dafür weniger Steuern bezahlt, als Menschen mit Erwerbseinkommen.

Aber nach der knappen Wahlniederlage der Schröder-SPD von 2005 wurden immer die Parteien vom Wahlvolk mit Mehrheiten versehen, die einen noch härteren Kurs in der Sozialpolitik wollten als SPD und Grüne.

Härte gegen Arbeitslose war und ist populär.

So verlangen es heute noch die Wahlprogramme aller Parteien rechts von SPD. Auch Asylbewerber und Flüchtlinge sollen nur Sachleistungen bekommen. Wer kein Geld bekommt, muss arbeiten – so die dahinterstehende Logik. Auch bei Flüchtlingen, die gar keine Arbeitserlaubnis bekommen.

Es schien wie eine Win-Win-Win-Situation: Die faulen, aber gesunden Arbeitslosen schickt man als Erntehelfer zu den Bauern. Oder zur Stadtreinigung, um in den Parks Müll aufzusammeln. Oder in öffentliche Kantinen/Krankenhäuser zum Saubermachen. Dann werden diese Menschen wieder an Arbeit gewöhnt, der Staat gibt kein sinnloses Geld mehr aus und die Bauern sparen sich, ein Heer polnischer und rumänischer Saisonarbeiter zu bezahlen.

Blöderweise funktioniert die Operation Spargelstechen nur in der Theorie. Bauern, die einmal kostenlose „Erntehelfer vom Amt“ bekamen, zahlten in Zukunft umso lieber wieder aus eigener Tasche ihre osteuropäischen Kräfte.

Wie sich herausstellte, sind total unmotivierte Kräfte nicht zu gebrauchen, weil sie nicht nur unzuverlässig sind, sondern selbst die, die sich anstrengen, viel langsamer und degenerierter als die Profis sind.

Menschen auf menschenwürdige Weise zum Arbeiten zu zwingen, statt sie für’s scheinbare „Nichtstun“ zu bezahlen, ist eine prima Idee in den Köpfen der FDP-Funktionäre. Praktisch ist das aber nicht umsetzbar.

Man kann unmotivierte Teenager nicht par ordre du mufti dazu verdonnern, die Jobs zu machen, in denen gerade Mitarbeiter fehlen.

(….)  Denn alle Handwerkerfirmen suchen händeringend nach Mitarbeitern. Die Stadt fördert massiv das Anwerben von Lehrlingen in den über 130 Ausbildungsberufen des Handwerks. Der Fachkräftemangel ist gravierend.

Bei einigen körpernahen Dienstleistungen – Friseur, Kosmetik – bin ich nur mittelmäßig mit den Salon-Inhabern mitleidend, weil sie ihre Lehrlinge so ungeheuer schlecht bezahlen.  Man muss den Job schon sehr lieben, um ihn lernen, wenn man a priori weiß, daß der Lohn wohl nie reichen wird, um die Miete für eine Stadtwohnung zu bezahlen.

‚Aber wieso will denn bei Euch keiner anfangen` fragte ich schon mehrfach meinen Malermeister. Bei dem Stundenlohn müssten die Mädels und Jungs doch auch ein paar Euro am Ende des Monats nach Hause tragen.

Eine zufriedenstellende Erklärung hat er nicht, beteuert immer, er würde jederzeit wieder diesen Beruf ergreifen, der schließlich eine gewisse Sicherheit bietet, weil man mit den erlernten Fertigkeiten in quasi jedes Land der Erde auswandern kann, um dort zu arbeiten.

Aber woran auch immer es genau liegt; immer weniger junge Deutsche wollen Berufe ausüben, bei denen man körperlich gefordert wird. Abitur und Studium sind das Maß der Dinge. Wer sich mit „mittlerer Reife“, oder gar Hautschulabschluss begnügt, wird schon schief angesehen. (….)

(Hassen CDU, CSU und AFDP Deutschland? 26.08.2021)

Wenn man aber Arbeitslose nicht dazu zwingen kann Maler, Kindergärtnerin,  Erntehelfer, Krankenschwester oder Kellner zu werden, muss man diese Jobs attraktiver machen.

Das geht einerseits mit Geld – in den USA arbeiten „Reisekrankenschwestern“, die bis zu 10.000 Dollar die Woche verdienen.

Andererseits geht es über gesellschaftliche Anerkennung. In Skandinavien genießen Kindergärtner oder Grundschullehrerinnen enormes Ansehen, während sie in Deutschland eher für ihre Hiwi-Jobs bemitleidet werden.

Beides hängt natürlich zusammen. Philipp Möller beklagt schon in „Isch geh Schulhof“ den Unsinn, daß sich ein Lehrergehalt nach dem Alter der Schüler richtet. Das Einkommen steigt drastisch in der Reihenfolge Kindergärtner, Grundschullehrer, Realschullehrer, Gymnasiallehrer, Hochschullehrer. Ziemlich unsinnig, denn der Hochschullehrer kann gar nichts mehr ausrichten, wenn die ersten beiden in der Reihenfolge versagt haben. Sollte man nicht die besten Lehrkräfte in den Grundschulen einsetzen?

Besonders die konservativen Parteien CDU, CSU und AFDP manövrieren sich in eine doppelte Sackgasse, indem sie einerseits eine bessere Bezahlung der Mangelberufe, zB durch den von Olaf Scholz geforderten 12-Euro-Mindeslohn kategorisch ablehnen. Andererseits blockieren sie auch Einwanderung und den Zugang des deutschen Arbeitsmarktes für dringend benötigte Migranten.

Das ist nicht nur Heuchelei und asozial, sondern auch wirtschaftsfeindlich.

Die so viel gelobten mittelständischen Unternehmer können ohne qualifizierte Mitarbeiter nicht überleben. Daher waren viele Handwerksmeister in der Flüchtlingshilfe engagiert, steckten enorme Zeit in die Ausbildung einzelner Lehrlinge aus Syrien oder Eritrea, nur um dann insbesondere in Sachsen und Bayern zu erleben, wie die Behörden ihnen Knüppel zwischen die Beine warfen und die bestens integrierten Mitarbeiter doch abschoben.

Die Bereiche Gastronomie, Service, Reinigungskräfte und Krankenhaus kann man ohne Migranten sofort schließen. Es sind aber Hunderttausende Stellen nicht besetzt, daher müssen die Chefs unbedingt tiefer in den Geldbeutel greifen.

Gute Firmeninhaber in Hamburg wissen das auch, scheren sich längst nicht mehr um Tariflöhne und bezahlen deutlich darüber liegende Gehälter. Damit prosperieren sie, weil durch motivierte Mitarbeiter die gesamte Firma finanziell profitiert.

Man kann das als Verbraucher sehr gut unterstützen, indem man sich überlegt wo man kauft und sein Geld eben nicht zu Lidl und Amazon trägt.

(…..)  Niemals würde ich einen Mercedes oder BMW fahren; schließlich würde dadurch ein Teil meines Geldes in den Taschen konservativer Multimilliardäre wie Susanne Klatten landen, die damit die CDU cofinanziert und Industrielobbyisten aus Merkels Kanzleramt kauft.  Niemals würde ich bei Lidl einkaufen und damit den ultrakonservativen Multimilliardär Schwarz noch reicher machen, damit er weiterhin Steuern durch Stiftungsmodelle verweigert und seine Angestellten mies behandelt. Obst, Gemüse und Brot kaufe ich bei inhabergeführten Familienfirmen, die persönlich haften. Fruchthaus Bescherer liefert, bietet Service seit 93 Jahren in einem kleinen Winterhuder Laden und geht in die vierte Generation.

Niemals hätte ich Klopapier bei Schlecker gekauft, während doch in Hamburg die Familienfirma Budnikowski existiert, heute von den Wöhlkes geführt, die sich sozial engagiert.

Ich kaufe mein Eau de Toilette sich nicht bei Douglas, um damit eine Aktienholding reicher zu machen, sondern gehe zu den Jebe oder einer Filiale der Lübecker Familienfirma Schuback, die Ausbildungsplatzgarantien gibt und ihre Mitarbeiter umsorgt.

Niemals würde ich eine Armbanduhr bei Juwelier Christ kaufen, weil die Kette nach 20 Jahren im Besitz der Douglas Holding, die wiederum der Advent International Corporation gehört und vor einigen Jahren an das Private-Equity-Unternehmen 3i verscherbelt wurde. Stattdessen gehe ich zu Wempe, dem Hamburger Juwelier in vierter Generation, der nach wie vor der Familie gehört, die gar nicht dran denkt an die Börse zu gehen. Hellmut und Kim-Eva-Wempe haften persönlich und erhöhten auch im Corona-April 2020 wie jedes Jahr die Gehälter aller Mitarbeiter.

Niemals würde ich beim internationalen Mega-Discounter Aldi einkaufen, der Bauern und Zulieferer brutal unter Druck setzt. Dafür gibt es in Hamburg beispielsweise die neun Filialen des 1965 von Dieter Niemerszein gegründeten Edeka-Filialen. Die Familie ist stark sozial engagiert und bezahlt alle Mitarbeiter über Tarif.

Niemals würde ich bei Jeff Bezos, dem reichsten Mann der Erde Bücher bestellen, damit er noch reicher wird, seine Angestellten brutal ausbeutet, ganze Staaten erpresst, Myriaden Kleinstunternehmern in die Pleite treibt und natürlich auch keine Steuern in Deutschland zahlt. Ich bin stolz kein Amazon-Konto zu unterhalten, sondern kaufe Bücher und CDs beim kleinen Buchladen um die Ecke.

Es gibt Situationen, in denen man schlecht auf E-Commerce verzichten kann, aber warum dann Amazon?
Geht lieber zu Otto.de – die haben auch fast alles, kaufen aber strikt nachhaltig ein und gehören nach wie vor zu 100% der Gründerfamilie Otto, die zu den ganz großen Spendern Hamburgs gehört.

Seniorchef Michael Otto ist Hamburger Ehrenbürger und wurde bereits 1991 als „Ökomanager des Jahres“ ausgezeichnet. (….)

(Lebensziel „bE-Fall“, 10.06.2020)

Andere, dümmere Unternehmer muss „die Politik“ zu ihrem Glück zwingen.  Mehr Gehalt für die Mitarbeiter, mehr Steuern für Superreiche.

Leider machen FDP und Union das diametrale Gegenteil; sie wollen massive Steuersenkungen für Superreiche.

[…..] Bei Einkommensmillionären ist die Lage ähnlich. Sie hätten nach den Vorstellungen der Union 710 Euro mehr im Portemonnaie, bei der FDP sind es 6.129 Euro. Die anderen Parteien planen hier zum Teil erhebliche Mehrbelastungen. Bei der SPD sind es 27.440 Euro, bei den Grünen 26.498 Euro und bei den Linken 129.573 Euro. Es gibt also einen klaren Unterschied zwischen den Parteien links und rechts der Mitte. [….]

(ZEIT, 23.06.2021)

CDU, CSU und AFDP wollen aber nicht nur den Multimillionären erheblich höhere Nettoeinkommen zuschieben, sie sagen auch nicht, woher das Geld eigentlich kommen soll.    Die vier rechten Parteien belassen es aber nicht dabei von unten nach oben durch Steuersenkungen umzuverteilen, sondern sie gehen auch noch perfide gegen Menschen mit kleinen Löhnen vor.  Der FDP-Großzampano und ehemalige Wirtschaftsminister Brüderle klagt sogar gegen höhere Löhne in der Pflegebranche.

[….] Mit einer Verfassungsbeschwerde wehren sich Pflegeunternehmen gegen deutliche Lohnerhöhungen in der Branche. Das im Juni beschlossene Pflegegesetz beschränke die Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Unternehmen, sagte Rainer Brüderle, Präsident des bpa Arbeitgeberverbandes, am Montag in Berlin. Durch das neue Gesetz sollen von September 2022 an nur jene Pflegeeinrichtungen Leistungen abrechnen können, die ihre Pflegekräfte () nach Tarif, nach dem kirchlichen Arbeitsrecht oder mindestens in gleicher Höhe bezahlen. Von den rund 1,2 Millionen Pflegekräften wird derzeit nur etwa die Hälfte tariflich entlohnt. "Die Bundesregierung will irgendwelche Tarifverträge von Miniminderheiten, im Zweifel sogar von einzelnen Häusern, jetzt zum Standard erklären", sagte der ehemalige FDP-Bundeswirtschaftsminister Brüderle. [….]

(SZ, 14.09.2021)

Ein interessantes Signal, daß die FDP hier in der heißen Wahlkampfphase liefert:
Sie wollen den Milliarden-schweren Klinikbossen von Asklepios (Broermann) oder Helios (früherer Besitzer Familie von und zu Guttenberg) nicht nur Millionen-Steuergeschenke darbieten, sondern auch strikt verhindern, daß ihre Angestellten anständig bezahlt werden.

Interessant ist aber auch, welche Signale die Grüne Kanzlerkandidatin dazu heute gibt.   Sie wendet sich nicht etwa empört und entsetzt von der FDP ab, sondern verdammt in einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung die Linke. Stattdessen weist sie demonstrativ auf Gemeinsamkeiten mit den Lindner-Lobbyisten hin, stellt sich viel massiver als die SPD gegen RRG.

[…..] SZ: Wer ist für Sie das kleinere Übel? Linkspartei oder FDP?

Baerbock: […..]. Ich will eine Bundesregierung, die im Herzen pro-europäisch ist und Verantwortung in der Welt übernimmt. Wenn einzelne Parteien das nicht wollen, dann widerspricht das dem Auftrag des Grundgesetzes. Das trägt uns auf, Verantwortung für Frieden in der Welt und ein gemeinsames Europa zu tragen. Und da hat sich die Linke in den letzten Wochen ins Abseits gestellt. […..] Wenn man außenpolitische Handlungsfähigkeit einer Regierung nicht sicherstellen kann, gibt es keine Regierungsgrundlage.

SZ: Was verbindet die Grünen mit der FDP?

Baerbock: Mit der FDP gibt es bei den Parlaments- und Bürgerrechten große Schnittmengen. Wir haben eine gemeinsame Verfassungsklage gegen den Staatstrojaner auf den Weg gebracht.   […..]

(SZ, 14.09.2021)

Ein klares Grünes Signal für Jamaika.

Baerbock möchte lieber Laschet zum Kanzler machen als Scholz.

Wer die CDU/CSU aus der Regierung halten will, muss SPD wählen!

Montag, 13. September 2021

Ein Traum wird wahr

Als Atheist bete ich nicht und praktiziere keine metaphysischen Rituale. Ich fahre ohne Christopherus-Figur im Auto, trage keinen Talisman bei mir, glaube nicht an Schicksal, Karma oder böse Omen.

Dennoch male ich mir in meiner Phantasie gelegentlich Wunschvorstellungen aus, obwohl ich weiß wie müßig es ist und ich ihr Wahrwerden nicht beeinflussen kann. Aber es macht einfach Spaß, seine Gedanken durchdeklinieren zu lassen, was man mit dem Gewinn eines Lotto-Jackpots anfangen könnte.

Auch wenn man in der Oberstufe beim Thema Stochastik gut aufgepasst hat und rational versteht, wie unwahrscheinlich ein Millionengewinn ist, muss das Nachdenken über denselben nicht völlig nutzlos sein, wenn es Vergnügen bereitet und ein paar Neurotransmitter und Endorphine in den Synapsen lockert.

Ich wünsche mir noch viele andere Dinge, die nie eintreten werden.

Wunderschön wäre es beispielsweise, wenn im Triell der Atheist Scholz und das Kirchenmitglied Baerbock Laschets Opus-Dei-Verbindungen attackierten, die klare Verfassungsfeindlichkeit der Bibel betonten und ankündigten die Mitgliedsbeiträge der Kirchen nicht mehr von Steuerbeamten einziehen zu lassen.

Ich wünsche mir Profanes – daß Novak Djokovic die US-Open und damit den Grand Slam gewinnt. Ich wünsche mir Böses – daß Trump all sein Geld verliert und mitsamt seiner Brut im Knast versauert.

Ich wünsche mir Gutes – daß meine Schützlinge im Pflegeheim keine Schmerzen erleiden und glücklich sind. Ich wünsche mir Praktisches – daß mein Auto bitte noch ein paar Jährchen durchhält. Ich wünsche mir Wahrscheinliches – daß der nächste Papst ein sehr unsympathischer konservativer Hardliner ist, der weiter die Mitglieder aus der Kirche treibt. Ich wünsche mir Unmögliches – daß eine Fee erscheint, die meinen Keller aufräumt und entrümpelt. Ich wünsche mir Dinge, die durchaus passieren können – daß Olaf Scholz Bundeskanzler wird und die oppositionelle CDU im Hühnerhaufenmodus den Weg ihrer italienischen und französischen Schwesterparteien geht. Ich wünsche Dinge, die wohl eher nicht mehr zu meinen Lebzeiten eintreten – daß die CSU in Bayern auf die Oppositionsbänke verbannt wird und erlebt wie sie alle ihre Pöstchen verliert.  Und ich wünschte, ich wüßte wieso ich mich mit all den Wünschen beschäftige. Welche Zeitverschwendung.

Aber dann passiert es. Aus heiterem Himmel. Einer meiner innigsten Wünsche, der auch keineswegs intim und geheim war, sondern den ich mit vielen anderen online ventilierte und ausschmückte, wurde heute wahr.

    Der bösartigste, gefährlichste und reichweitenstärkste Nazi-Covidiot, den wir im deutschsprachigen Raum haben, wurde heute gehackt.

Attila Hildmann, der neben Adolf Hitler insbesondere sich selbst, als den Mann den „dicksten Eiern in Deutschland“ lobt, steht vor den Trümmern seiner Internet-Existenz. „Anonymus“ hat ihm seine Webseiten, seine Telegram-Kanäle und Zugang zu hunderttausenden Emails weggenommen!
YES!

Über 100.000 Emails mit offenbar für Hildmann peinlichsten Details werden in den nächsten Tagen veröffentlicht, ohne daß der antisemitischen rechtsextreme Verschwörungstheoretiker etwas dagegen tun kann.

  [….]  Mitglieder des Hacker-Kollektivs Anonymous haben mehrere Telegram-Kanäle und zwei Websites von Attila Hildmann übernommen und dort eigene Botschaften platziert. Auf der offiziellen Website von Hildmann, wo sonst seine veganen Kochbücher beworben werden, erschien die bekannte weiße Maske der Hacker-Gruppierung. [….] 

 (SPON, 13.09.2021)

Möglich machte es der „Verrat“ durch Hildmanns engsten IT-Vertrauten.

[…..] Attila Hildmann steht vor dem Nichts: Nach seiner Existenz in Deutschland verliert er jetzt auch die im Netz. Sein engster Berater hat alle Kanäle abgedreht und seit Monaten Beweise gegen ihn gesammelt. […..] Kai E. […..] war der Computerfachmann und engste Vertraute von Attila Hildmann, und er denkt jetzt anders darüber: "Attila Hildmann ist ein Nazi, das ist hochgradig gefährlich." Deshalb schadet der Mann, dem Hildmann alles anvertraute, ihm jetzt maximal. E. wollte nicht mehr Komplize sein bei Judenhass und NS-Verherrlichung. Er hat Hildmanns Denken aus nächster Nähe kennengelernt, und er hat auf Hildmanns altem Handy gesehen, dass es schon vor Jahren Hakenkreuz-Bilder enthielt.  […..] Mit allen ihm bekannten Informationen und Zugangsdaten ist Kai E. zum Hackerkollektiv "Anonymous" gegangen. […..] Die "Rückkehr in die Gesellschaft" ist für E. nicht einfach. Er hat sich mit der Mitwirkung am Portal für NS-Symbolik und Volksverhetzung wohl selbst strafbar gemacht. An dieser Stelle könnte der Fall auch ein Kapitel über mögliches Behördenversagen werden: Es soll von ihm Kontaktaufnahmen zu Behörden gegeben haben, Versuche, zu warnen und sich Ermittlern als Zeuge anzubieten. "Anonymous" dazu in einem Text: "Das Vertrauen darauf, dass Strafverfolgungsbehörden ein Interesse haben, Attila hinter Gitter zu bringen, ist Kai genauso abhandengekommen wie uns." […..]

(Lars Wienand, 13.09.2021)

Für Hildmann ist das nicht nur bedauerlich, sondern ein großes finanzielles Problem, weil seine Onlineshops nicht mehr zugänglich sind. Zudem dürfte es ihm nicht gefallen, daß nun auch Vieles über seine masochistischen Sexualpraktiken bekannt wird.

 [……] Zudem habe man Beweise, dass sich bestimmte Personen mit öffentlichem Amt zur Mitarbeit in Hildmanns Chats bewarben, obwohl sie dies öffentlich leugneten. „Wir haben über 2000 Kontakte aus Attilas Adressbuch und wissen Bescheid über ‚Babsi Berlin xxx‘ und 25 andere mit xxx markierte Sexarbeiterinnen – Escorts, Dominas, Latex“, kurz: Die Einblicke in Attila Hildmanns Korrespondenz dürften sehr ergiebig sein. [……]

(Katja Thorwarth, 13.09.2021)

Zum Thema „Sexualpraktiken“ fällt mir mein nächster dringender Wunsch ein: Bitte, AnonLeaks, nehmt Euch als nächstes den UD, den Nazi-Seuchenfreund David Berger vor!

Hildmann ist natürlich nicht der einzige Betroffene, der nun Angst haben muss.

Seine Verbindungen zur AfD und offensichtlich auch zur Berliner Staatsanwaltschaft dürften bald offengelegt werden.

[….] Kai übergab uns die Zugangsdaten zu mehr als 20 Mail-Accounts der Domains attilahildmann.de und attilahildmann.com. Insgesamt konnten Anons so an die 100.000 Mails im Live-Betrieb aus Attilas Postfächern saugen. office@attilahildman.de, management@attilahildmann.de und viele mehr sind darunter, keine Backups, sondern direkter Zugriff auf die Postfächer.  Dadurch kennen wir Attilas Lieferanten. Wir wissen, dass Voelkel als Hersteller von Daisho endgültig raus ist und wir verstehen, warum das für die Firma so ein Angang war: wer ein 6stelliges Darlehen einräumt, Geld, dass Attila längst ausgegeben hat, der muss alles gut überlegen. Wir wissen auch, dass inodrinx nie raus war, der Hersteller der Schokolade hingegen sehr schnell; wir wissen, dass andere Hersteller zu Attila hielten, komme was wolle. Das alles wird nun Teil des letzten, des finalen Kapitels.

Wir kennen die Anwaltskorrespondenz zwischen den Anwälten der Unternehmen und zu den Fällen Beck und Kahane (letztere in Teilen). Wir wissen, welchen Betrag Attila bei Vattenfall in Raten bezahlt, welches Konto vom Finanzamt wegen Steuerschulden gepfändet wurde, welche Sorgen Bonvista’s Melansek in Bezug auf Attila mit sich herumschleppt.

Wir haben die Mails, mit denen sich Ralf S. (AfD Stadtrat aus Ludwigshafen) und Jutta S. (die bei der Lufthansa war) als Administratoren für den Demokraten-Chat bewarben, und können belegen, dass beide logen, als sie behaupteten, das sei gar nicht so.

Wir wissen, welche Reperaturen am Haus in Wandlitz nach Attilas Auszug durchgeführt werden mussten und welchen Betrag Attila seinen ehemaligen Vermietern schuldet.

Wir kennen das Basisrezept von Daisho.

Wir haben über 2000 Kontakte aus Attilas Adressbuch und wissen Bescheid über “Babsi Berlin xxx” und 25 andere mit xxx markierte Sexarbeiterinnen – Escorts, Dominas, Latex. […..]

(ANONLEAKS – Operation TINFOIL, 13.09.2021)

Sonntag, 12. September 2021

Triell 2

Diese Wahlkampf-Duelle und Trielle sind ein Format, um das Bauchgefühl der Bürger zu streicheln.

Um inhaltlich aufschlussreiche Diskussionen kann es nicht gehen, wenn pro Kandidat nur insgesamt 25 Minuten Redezeit für sämtliche politische Themen zur Verfügung stehen. Es ist absurd, so hochkomplexe Themen wie Pandemie-Management, oder Gesundheitssystem mit einminütigen Aufsagern abzuhandeln.

Es ist müßig über nicht zu ändernde Dinge zu lamentieren; eine monothematische 8-Stundensendung, in der die Details des Steuersystems systematisch ausdiskutiert werden, gibt es nicht, weil die Zuschauer intellektuell gar nicht folgen könnten.

Stattdessen werden Lächerlichkeiten nach vorn gestellt. Moderator Oliver Köhr stellt sich sofort in den Dienst der CDU-Rote-Socken-Kampagne, indem er Ausschließeritis-Fragen stellt. Die Moderatoren und Laschet behaupten unwidersprochen, die Bürger wollten keine Links-Koalition, obwohl das in einigen Umfragen sogar die beliebteste Option ist.

Also geht es darum, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, in Erinnerung zu bleiben, Sympathiepunkte zu sammeln.

Während dieses zweiten Triells, notierte ich in meinem Kopf dauernd Punchlines, die ich gesetzt hätte, die aber insbesondere Baerbock und Scholz liegen ließen.  So viele verschenkte Chancen!

Laschet wirft Scholz wortreich und wahrheitswidrig vor, er habe Ärger mit der Staatsanwaltschaft, aber niemand erwähnt das Urteil zum Hambacher Forst, in dem Laschet eine schwere Klatsche verpasst wurde.

[…..] Christian Stöcker: Man könnte meinen, gegen Mitglieder und (ehemalige) Abgeordnete der Partei, deren Kandidat Armin Laschet ist, liefen nicht diverse Ermittlungsverfahren wegen Bestechlichkeit im Amt und anderer Vergehen. [……]

(SPON, 12.09.2021)

Der CDUCSU-Kanzlerkandidat, der sich gestern von Markus Söder den Befehl abholte, Scholz anzugreifen, behauptete Scholz habe die Finanzaufsicht über die beim Zoll angesiedelte FIU. Eine glatte Lüge, denn der Finanzminister darf gar nicht in die Fälle der FIU eingreifen, so wie auch eine Regierung den Richtern keine Vorschriften machen darf. Scholz hat nämlich nicht die Finanzaufsicht, sondern die Rechtsaufsicht über den Zoll.

Laschet sagt: „Ich bin immer in die Politik gegangen, um redlich zu argumentieren.“

Aber niemand nennt es den größten Witz des Tages. Ausgerechnet der notorische Lügner Laschet.



Baerbock lässt Laschet beim Thema Maaßen vom Haken, keiner hält dem CDU-Chef vor damit einen Antisemiten und Verschwörungstheoretiker zu schützen.

Die dramatischen Rückstände bei der Digitalisierung erklärt Laschet mit: „Weil zu wenig getan wurde.“ Daher wolle er ein Digitalisierungsministerium. Aber niemand fragt, wieso die zuständigen CDU-Minister das in den letzten 16 Jahren nie taten und wieso er dann ausgerechnet die auf diesem Gebiet so klar versagende Staatsministerin Bär in sein Zukunftsteam holt. Weder Baerbock noch Scholz rufen laut und vernehmlich „SCHEUER!“

[….] Anna Clauß: 5 Euro fürs Phrasenschwein von Armin Laschet. »Es darf auch hier kein Weiter so geben.« [……]

(SPON, 12.09.2021)

Laschet will keine Vermögenssteuer und für die Superreichen sogar Steuern senken. Aber keiner verweist darauf, daß die von Konservativen propagierte Trickle Down-Politik immer und überall gescheitert ist.

[…..] Christian Stöcker: Jetzt ist wieder der Moment für Wunderglauben. Es geht ohne Schulden, ohne Steuererhöhungen, alles mit der Magie des Marktes. Jede Ökonomin und jeder Ökonom weiß, dass das nicht funktioniert. Das hat man der CDU auch schon ein paar Mal gesagt. Denke ich. [….]

(SPON, 12.09.2021)

Scholz sagt zwar sinngemäß ‚nach CDU-Plänen bekommen Leute wie ich und Reichere 30 Milliarden. Die können wir uns bei 400 Milliarden Schulden nicht leisten.‘

Richtig, aber wenn er schon so ehrlich sein eigenes Einkommen thematisiert, wieso fragt er dann nicht Armin Laschet, wie viel Geld Laschet persönlich mehr im Geldbeutel hätte, nach Laschets Steuerplänen ohne den Soli?

10.000 Euro mehr im Jahr, 20.000? 30.000? Das würde vielleicht manchen Geringverdiener, der überlegt CDU zu wählen, gern wissen.

Das Thema Wohnungsnot begreift Laschet offensichtlich gar nicht und setzt einseitig auf die Gunst der multimillionenschweren Bau-Unternehmer.

Laschet: Was war die Frage?

Nun besinnt sich Laschet, wirft garstig ein, der rotrotgrüne Mietendeckel Berlin sei gescheitert, dabei  hatte Moderator Köhr das schon in seiner Frage gerade selbst gesagt, aber richtigerweise ergänzt, man könne so ein Gesetz bundesweit machen. Es ist nur deswegen gerichtlich verworfen worden, weil es gegen ein Seehofer-Gesetz steht.  Laschet will stattdessen eine „einfachere Bauordnung“.

Aber weder Baerbock, noch Scholz stellen das als Leersatz bloß. Als ob es irgendjemand gäbe, der sich für eine möglichst komplizierte Bauordnung einsetze. Niemand stellt die Frage an Laschet zur welcher Partei eigentlich der zuständige Bundes-Bauminister Seehofer gehört.

Scholz antwortet lediglich, das „Bauplanungsrecht muss schneller werden“, verzichtet aber freundlich darauf die Schuld dem unionsgeführten Ministerium zuzuschieben.

Laschet kritisiert Söder und Merkel für den Atomausstieg; daher sei man nicht schneller beim Kohleausstieg. Aber niemand kommt auf die Idee nach Laschets Lobby-Amalgam mit den Kohle-Königen zu fragen.

Baerbock, die natürlich verschweigt an wie vielen Landesregierungen die Grünen beteiligt sind und daß es im einzigen Bundesland mit einem Grünen Ministerpräsidenten am langsamsten mit dem Windkraftausbau geht, macht aber einen guten Punkt, wenn sie genüsslich darauf hinweist, in den vergangenen acht Jahren hätten CDU und SPD doch Zeit gehabt, den Kohleausstieg zu vollziehen. Da hat sie natürlich ins Schwarze getroffen.

[…..] Christian Stöcker: Fun Fact zu den Verhandlungen über den Kohleausstieg: Da steht oft, was "NRW/RWE" (so geschrieben) gerne möchten oder nicht möchten. Also Laschets Bundesland und der größte deutsche Braunkohlekonzern. […..]

(SPON, 12.09.2021)

Auch bei Laschets immerhin klarer Verteidigung des Zweiklassen-Gesundheitssystems, bei dem nur die Reichen Chefarztbehandlung bekommen und den Wischiwaschi-Schwafeleien zur Rente stellt ihn niemand bloß.

Laschet will die privaten Krankenversicherungen behalten.

[…..] Christian Stöcker: Er sagt das ("dieses 'Weiter so') jetzt mindestens zum vierten Mal. Das ist wirklich bemerkenswert. Das ist ein Talking Point, der auf irgendeinem Zettel steht. Zwei Wochen vor der Wahl versucht Laschet, auf Aufbruch umzuschalten. […..]

(SPON, 12.09.2021)

Baerbock weist daraufhin, daß auf dem Lande gesetzlich Versicherte viel länger als Privatversicherte auf Facharzttermine warten müssten. Sie verweist, ohne den Verantwortlichen Spahn zu nennen, auch endlich darauf, daß nicht etwa alle Privatversicherten auf ihre Privilegien pochen, sondern viele sich quasi gar nicht anders versichern können und liebend gern in die Gesetzliche wechseln würden.

Ich habe kein Wahlrecht in Deutschland. Außerdem würde ich meine Wahlentscheidung eben nicht wie die verblödeten immer noch Unentschiedenen, von einem Triell abhängig machen und selbstverständlich die SPD und damit Olaf Scholz wählen.

Hätte ich aber gar keine anderen Informationen und nur das heutige Triell gesehen, fände ich Olaf Scholz zu zurückhaltend, zu wenig angriffslustig. Zugegebenermaßen machte Annalena Baerbock heute einen guten Eindruck.  Daher nahm ich an, ihre Werte könnten nun nach oben gehen.

Die Blitzumfragen vom ZDF und die von Infratest dimap bestätigen meinen Eindruck allerdings nur partiell. Ja, Baerbock wirkte sympathischer, holte möglicherweise einen Tick auf, aber Scholz gewann das Duell mit deutlichem Abstand, liegt in der Kanzlerfrage immer noch klar vorn

[….] Nach dem TV-Triell der Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen sehen die Zuschauer SPD-Spitzenkandidaten Olaf Scholz vorn. 41 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap fanden ihn im Triell von ARD und ZDF am überzeugendsten. Unionskandidat Armin Laschet kam auf einen deutlich niedrigeren Wert: 27 Prozent der Befragten sprachen sich für ihn aus. Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock fanden 25 Prozent der Zuschauer am überzeugendsten. [….]

(Tagesschau, 12.09.2021)

Möglicherweise ist der defensive Scholz-Kurs besser als ich denke.


Samstag, 11. September 2021

Gay Baiting.

Mit dem Neuland war ich etwas spät dran. Erst die TV-Bilder von 9/11 haben mich dazu bewogen mir Ende 2001 ein Laptop zu kaufen und mich mit der AOL-CD über die analoge Telefonleitung ins WWW zu wagen.

Social Media gab es da noch gar nicht, aber ich wunderte mich von Anfang an, wie freizügig ganz normale Menschen in irgendwelche Diskussionsforen Bilder von sich verbreiteten.

Als es ein paar Jahre später mit Facebook losging, konnte ich mich als derjenige, der sich 1987 hartnäckig gegen die Volkszählung wehrte, um dem Staat nicht die Macht über meine persönlichen Daten zu geben, nur wundern.

Meine US-Verwandten luden nicht nur dauernd Fotos aus ihrem Alltag hoch, sondern gaben dazu öffentlich unter Klarnamen alle Kontaktdaten preis. So viel Phantasie brauchte es da nicht, daß das in Kombination mit ihren bereitwillig mitgeteilten persönlichen Vorlieben ein wunderbares Geschäftsmodell für Mark Zuckerberg bedeutet.

Die Intimisierung der Öffentlichkeit, bzw das Veröffentlichen des Intimen, schritt immer rasanter voran. Bald wurden Youtuber mit über einer Millionen Abonnenten berühmt, die nicht nur ihre Fans in ihr Schlafzimmer ließen, um von innersten Gefühlen zu sprechen, sondern nebenbei auch noch reich wurden, in große Villen zogen und sich Sportwagen zulegten.

Es wurde gewissermaßen eine Demokratisierung der Prostitution. Früher ein Geschäftsmodell hauptsächlich für junge Frauen mit riesigen Brüsten und wenige Männer mit Muskel und enormen Genitalien, konnten nun auch Nerds, Lustige, Introvertierte, Depressive, Dicke und Böse ihre Millionen-Followerschaft generieren und mit den Werbeeinnahmen wohlhabend werden.

Damit beginnt aber erst die Vermarktung. Heute gibt es kaum einen mittelgroßen Social-Media-Account, der nicht auch „Merch“ vertreibt. Die kleinen Fische bedrucken in der heimischen Küche selbst ein paar T-Shirts, die sie an ihre Fans verticken. Diejenigen mit sieben- oder achtstelliger Fan-Schar können sich ganze Mode- oder Kosmetiklinien in China auch den Leib schneidern lassen.

Da ich alt und technisch rückständig bin – ich besitze bis heute keine Digitalkamera und kaufte mein bisher einziges Klugtelefon im Jahr 2018 (nahm es aber erst Mitte 2019 aus der Verpackung) – stellt sich mir die Frage gar nicht, über das Internet Geld zu verdienen.

Ich bemerke aber an mir selbst eine gewisse Nachlässigkeit. Die ersten zehn Jahre meines Blogs konzentrierte ich mich zu 100% auf die Inhalte, die hauptsächlich aus deutscher Parteipolitik und atheistischen Ansichten bestehen. Damit generiert man kein Millionenpublikum.

Sicherlich werde ich auch zukünftig keine Softpornos oder süße Katzenvideos posten, aber in den letzten Jahren lasse ich doch gelegentlich persönliche Geschichten, ein paar Einblicke in meine Familie durchscheinen.

Wohlwissend, daß die Digitalmenschen, die mit ihrer „Persönlichkeit“ richtig Geld verdienen, zu TikTok, Instagram und vor allem OnlyFans gewechselt sind.

Von der Porno-Bezahlplattform Onlyfans, die für mich nicht zugänglich ist, weil ich sehr bewußt keine Kreditkarte besitze und daher von digitalen Bezahlinhalten abgeschnitten bin, hörte ich das erste mal im Pandemiejahr 2020 durch die Süddeutsche Zeitung, die berichtete wie Millionen arbeitslos gewordene US-Amerikanerinnen mit Onlyfans finanzielle Engpässe ausgleichen.

[….] Seit Beginn der Corona-Krise verzeichnen all diese Portale einen enormen Zulauf. "Only Fans" berichtet von einer sechsstelligen Anzahl neuer Nutzer pro Tag.  Natürlich haben die Markenstrategen und Schönredner im Silicon Valley bereits ein neues Wort für dieses Phänomen erfunden. Sie nennen es die "Passion Economy" - Wirtschaftskraft durch Leidenschaft. Ein jeder verkauft nur noch Produkte und Dienstleistungen, an denen er selbst Freude empfindet. Erbaulicher wird's nicht. Leider hat das wenig mit der Realität zu tun. In Wahrheit entsteht so ein neues Hyper-Prekariat, in dem nicht einmal mehr die schlechten Rahmenverträge und Scheinselbständigkeiten der Sharing Economy den Anschein von Sicherheit geben. Jeder steht von nun an für sich selbst. [….]

(SZ, 09.08.2020)

Es sind aber nicht nur ein paar Dollar, die man so dazu verdienen kann.  Das merkten schnell auch viele Popgrößen und Sexworker.  Wer jung ist, gut aussieht und bereit ist seine Genitalien zu entblößen, kann leicht sechsstelligen Summen IM MONAT verdienen.

Heterosexuelle Männer sind scheinbar benachteiligt, weil ihr Beuteschema – also heterosexuelle Frauen – salopp gesagt nicht pervers genug sind, um für Porno-Inhalte zu zahlen.    Aber sie nutzen fleißig die Möglichkeit, sich an die nicht nur reicheren, sondern auch zahlungswilligeren schwulen Männer zu wenden.

Das Gay-Baiting wurde erfunden: Heterosexuelle Männer, die sich für Schwule attraktiv machen, immer wieder damit kokettieren, selbst natürlich nicht mit Männern zu schlafen, aber irgendwie doch interessiert wären.

Eine feine Sache. Wer vor dem Internetzeitalter als Mann das schnelle Geld im Pornobusiness machen wollte, musste in schummerigen Hinterhofstudios Schwulenpornos drehen. Damit begab er sich aber in die Hände von zwielichtigen Produzenten, setzte sich einem hohen Ansteckungsrisiko aus und last but not least – nicht jeder Mann hat Spaß daran mit anderen Männern zu kopulieren.

Wie  viel einfacher ist da doch die Porno-Industrie im Only Fans-Zeitalter. Absolut sicher, keine Geschlechtskrankheiten, kein physischer Kontakt mit anderen und das Geld der Freier fließt direkt auf’s eigene Konto.

Viele mittelerfolgreiche Insta- und Youtube-Männer, die mit ihren paar Hunderttausend Followern finanziell nicht über die Runden kommen, haben sich inzwischen Onlyfans-Kanäle zugelegt.  Maria Adrion oder AbsolutelyBlake oder Jeff Kasser, allesamt straight guys mit festen Freundinnen, erzählen ganz offen wie sie mit etwas Haut zeigen auf OnlyFans ihr Geld verdienen.

Im Zuge der Olympischen Spiele sah ich ein Instagram „Q&A“ mit Matty Lee, dem Goldmedaillen-Gewinner im Turmspringen. Der heterosexuelle Lee hat mehrere Hunderttausend Follower und sagte auf die Frage nach seiner sexuellen Orientierung, geradezu verschämt, es tue ihm leid seine Fans zu enttäuschen, aber er möge Frauen.

Mich amüsiert das.

Es fällt mir schwer die Begriffe „Influencer“ oder „Content Creator“ zu verwenden, ohne in langatmige Hassattacken auf oberflächliche Wichtigtuer wie Cathy Hummels oder Joe Laschet zu verfallen.

Aber daß die männlichen Social-Media-Typen schlau genug sind, sich möglichst viel mit rasierten, trainierten, nackten Oberkörper zu zeigen und gern auch ihr Gemächt besonders ausgestopft in knappen Badehosen präsentieren, verüble ich ihnen nicht.

Gaybaiting verschafft Aufmerksamkeit und das ist nun einmal die Währung auf Instagram und Co.

Übel zu nehmen ist Gay Baiting allerdings solchen Typen wie Armin Laschet, die sich wenige Tage vor der (hoffentlich krachend verlorenen) Bundestagswahl plötzlich als LGBTI-freundlich inszenieren, obwohl er aus dem homophoben Opus-Dei-Sumpf stammt, der schwulenfeindliche Nathanel Limiski sein engster Mitarbeiter ist und natürlich auch Laschet selbst stets gegen die Ehe für alle argumentierte.

 Daß ausgerechnet Laschet mit der Regenbogenfahne wirbt, ist eine Unverschämtheit.

[….] Laschet wirbt mit Regenbogenfahne.  Vor vier Jahren wollte Armin Laschet noch verhindern, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen. Jetzt präsentiert sich der Kanzlerkandidat in einem neuen Wahlwerbespot als Verfechter für queere Rechte. Das wird als "Pinkwashing" kritisiert. [….] Die Vereinnahmung der Regenbogenfahne durch den Kanzlerkandidaten stieß in sozialen Netzwerken auf Kritik. Der Essener Bundestagsabgeordnete Kai Gehring (Grüne) schrieb etwa am Montagmorgen auf Twitter: "#Laschet lässt im #CDU-Wahlspot eine Regenbogenflagge erscheinen, obwohl die Union seit Jahr(zehnt)en gleiche Rechte für LGBTIQ verhindert & jeden Fortschritt blockiert. Unglaubwürdiges und schamloses #Pinkwashing!" Mit dem Wort Pinkwashing wird eine insbesondere in der Produktwerbung populäre Strategie umschrieben, deren Ziel es ist, durch das Vorgeben einer Identifizierung mit der queeren Community fortschrittlich und tolerant zu wirken. [….]

(Queer.de 23.08.2021)

Wirklich wundern kann Laschets Gaybaiting allerdings nicht. Schließlich ist der Mann ein notorischer Lügner.


 

Freitag, 10. September 2021

Krankenpflege kapitalistisch

Die so viel gescholtene Politik macht natürlich nicht alles falsch in der Pandemie.

Eine richtige Maßnahme ist es, Seuchenfreunden und Impfverweigerern, die durch ihr zutiefst unsolidarisches Handeln in Corona-Quarantäne müssen, die Lohnfortzahlung zu streichen.

[….] In mehreren Bundesländern gibt es Pläne, die Ersatzleistungen für Menschen einzustellen, die eine Impfung verweigern und in Quarantäne müssen. Die Allgemeinheit müsse nicht für den ausfallenden Verdienst aufkommen.  Wer in Rheinland-Pfalz nicht gegen Corona geimpft ist und eine behördliche Anweisung zur Quarantäne erhält, hat ab Oktober keinen Anspruch mehr darauf, dass der Staat seinen Verdienstausfall ersetzt. [….]

(TS, 09.09.2021)

Meines Erachtens geht Jens Spahn aber immer noch viel zu lasch mit Seuchenfreunden um.

Ich unterstütze ausdrücklich die harte Linie des Joe Biden, der es sogar ermöglichen will, Anti-Vaxxer zu entlassen.

Die Gründe sind offensichtlich. Impfgegner verlängern die Pandemie, stellen eine tödliche Gefahr für die Menschen dar, die sich tatsächlich nicht impfen lassen können (Kleinkinder, Schwangere) und sie verstopfen die Intensivstationen.  Ihre Borniertheit geht auf Kosten der Allgemeinheit.

Einerseits ist das wortwörtlich zu verstehen, weil die Solidargemeinschaft die Behandlungskosten bezahlt und andererseits müssen die schwer geplagten Menschen des medizinischen Bereichs die Covidioten versorgen.

[…] Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE): Uns erschreckt, dass unsere ungeimpften Intensivpatienten fast alles Menschen mit Risikofaktoren sind. Sie sind zum Beispiel übergewichtig, haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sind schwanger und schon ein wenig älter. Das Personal ist ein Stück weit frustriert, weil sich jeder mit einer Impfung gegen schwere Corona-Verläufe schützen könnte. […] Ich hätte mir im vergangenen Jahr nie vorstellen können, dass wir heute an einem Punkt sind, wo die Impfkampagne stagniert. Das ist frustrierend und hier muss die Politik noch aktiver werden. […..]

(MoPo, 06.09.2021)

Ein Argument gegen die Impfpflicht lautet, die Seuchenfreunde unter den Altenpflegern, Ärzten und Krankenschwestern könnten kündigen und die jetzt schon unerträgliche Personalnot dramatisch weiter verschärfen.

Ich meine aber, daß die Sorge davor nicht rechtfertigen kann, vulnerable pflegebedürftige Menschen in tödliche Gefahr zu bringen. Ungeimpfte Angestellte haben in Altenpflegeheimen nichts verloren.

Interessant ist der Ansatz aus den kapitalistischen USA, die nun auf „Travel-Nurses“ setzen müssen.

Springer-Krankenschwestern, die die härtesten Job übernehmen und dafür aber auch bis knapp 90 Dollar in der Stunde verdienen!

[…..] If you're considering becoming a nurse, you're likely wondering how much you can make and how you can earn the highest salary as a nurse. According to the U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS), Registered nurses earn a median annual salary of $75,330 as of 2020. But that's just an average across all specialties, with some of the highest paying nursing careers paying over $183K annually!

To help you decide which career direction is right for you, take a look at some of the highest paying specialties for RNs. Keep in mind that salaries do vary greatly based on location and employer, so the earnings listed below are just a baseline to help with your research. The top 15 highest paying nursing jobs are:

Top Nursing Jobs by Salary

1. Certified Registered Nurse Anesthetist (CRNA): Annual $183,580 or $88.26/hr*

What is the highest-paid nurse? Certified Registered Nurse Anesthetists! Earning $183,580 annually, CRNAs earn significantly more than any other type of nurse or nursing specialty. […..]

(Nurse.org)

Wir erinnern uns, die marktgläubigen CDU/FDP-Rechtsaußen Spahn, Merz („Mehr Kapitalismus wagen“) und Lindner („Wirtschaft entfesseln“) sind stets daran gescheitert, ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen, weil sie einseitig die Interessen der Superreichen vertraten und nie akzeptierten, daß es außer „dem Kapital“ auch andere Faktoren gibt.

Vor vier Jahren versprach Jens Spahn 13.000 neue Pflegekräfte einzustellen. Er scheiterte auf ganzer Linie, weil er nicht verstand, daß der Pflegeberuf nicht attraktiv ist, wenn man alle Trümpfe den schwerreichen Krankenhausbetreibern zuschiebt, die Chefärzte und Pharma-Vertreter Porsche Targa fahren lässt und den Krankenschwestern Mehrarbeit und Lohnverzicht beschert.

(….) Und eins muss man sagen, Spahn schafft was weg (Merkel): Ein gutes Jahr nach seiner Ankündigung bundesweit 13.000 zusätzliche Pfleger einzustellen (gebraucht werden mindestens 50.000 Zusätzliche), hat er bundesweit schon fast 300 Neueinstellungen geschafft! Yippie, wenn das in dem Tempo weitergeht, sind die 13.000 Stellen in etwa 43 Jahren, also 2062 besetzt. Die 50.000 benötigten Kräfte wären dann im Jahr 2186 einsatzbereit. (….)

(Geld oder berufliches Ansehen, 31.08.2019)

Es ist wenig überraschend; die Pandemie und die damit verbundene extreme Zusatzbelastung macht den Job noch unattraktiver. An die Zehntausend Pflegekräfte kündigten inzwischen.

[….] Seit Beginn der Coronapandemie hat Deutschland offenbar tausende Pflegekräfte verloren. Der Rückgang betreffe Krankenhäuser ebenso wie die Altenpflege, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe heute unter Berufung auf bislang unveröffentlichte Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die die Linken-Bundestagsfraktion anfragte.  Demnach ging die Zahl der Beschäftigten in der Pflege zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 um mehr als 9.000 zurück – dies entspreche einem Rückgang um 0,5 Prozent. Insgesamt waren demnach in Deutschland zuletzt rund 1,8 Millionen Menschen in der Pflege tätig. Vor der Pandemie seien die Be­schäf­tigtenzahlen in der Pflegebranche dagegen leicht gestiegen. Besonders von dem jüngsten Rückgang betroffen war dem Bericht zufolge die Krankenpflege in den Kli­niken. Das Minus bei den Beschäftigtenzahlen lag demnach in der ersten Hochphase der Coronakrise bei 5.124. In der Altenpflege sei die Zahl der Beschäftigten im Zeitraum von Anfang April bis Ende Juli um 3.885 zurückgegangen – in der Summe 9.009 Pflegekräfte weniger. [….]

(Ärzteblatt, 09.03.2021)

In den USA, dem kapitalistischen feuchten Traum der Lindners und Merze gibt es weniger Kündigungsschutz und weniger Arbeitssicherheitsgesetze.

In den Krankenhäusern spielten sich apokalyptische Szenen ab, weil an allem Mangel herrschte. Mangel im teuersten Gesundheitssystem der Erde. Aber die Milliarden landen eben bei den Pharmakonzernen, Krankenhausbetreibern und sonstigen Gesundheits-Topmanagern.

Es musste offensichtlich erst eine Pandemie kommen, um zu verdeutlichen, daß die Billionen-Gewinne nicht nur auf dem Rücken des Pflege- und Service-Personals ausgetragen werden, sondern daß ohne diese Geringbezahlten alles zusammenbricht.

Immerhin haben die Krankenschwestern verstanden, wie wertvoll sie sind. Da es sich um ein kapitalistisches Land handelt, in dem ein so großer Pflegepersonal-Mangel besteht, verzichteten nun mehr und mehr Pfleger auf eine Festanstellung und gehen dahin, wo nicht nur die größte Not herrscht, sondern wo man ihnen am meisten zahlt. Der Job ist hart. Sehr hart. Aber endlich gibt es angemessene Bezahlung. Bis zu 10.000 Dollar – in der Woche! Willkommen im Kapitalismus und der heiß begehrte Reise-Krankenschwester.

[…..] Angesichts massiv gestiegener Infiziertenzahlen hat sich der Bedarf zuletzt derart erhöht, dass auch die Vergütungen der Springer durch die Decke gehen. Schon in normalen Zeiten sind die Verdienstmöglichkeiten mit 2500 oder 3000 Dollar nicht schlecht - pro Woche, wohlgemerkt. Allerdings müssen die Zeitarbeiter von dem Verdienst Hotelzimmer und alle Mahlzeiten bezahlen, zudem ist der Job anstrengend, und zwischen den Engagements gibt es manchmal Lücken. Derzeit aber offerieren die Krankenhäuser geradezu Traumpakete: 6000 Dollar für eine Woche sind beinahe üblich, 8000, gar mehr als 10 000 nicht selten. Dafür, so das Branchenportal nurse.org, müssen sich Pfleger aber gerade in Covid-Kliniken darauf einstellen, "dass sie in ein Kriegsgebiet kommen". […]

(Süddeutsche Zeitung, 10.09.2021)

Dem gemeinen FDPler und CDUler mag nun das Herz bluten, wenn er voller Mitleid an die Personalkosten der Milliarden-schweren Klinikbesitzer Bernd Broermann (Asklepios) oder Franzel Simon (Helios) denkt.

Aber immerhin sind die amerikanischen Travel-Nurses noch recht bescheiden und bieten eine echte Gegenleistung, wenn man es mit den Raffkes aus der CDU/CSU-Fraktion vergleicht, die die übergroße Not der Menschen dreist ausnutzten, um siebenstellig die Hand bei Maskendeals aufzuhalten.

Das gilt auch für Armin Laschets direktes Umfeld. Er hatte dem Geschäftspartner seines Influencer-Söhnchens Joe, der Firma van Laack, 38,5 Millionen Euro zukommen lassen.

Thomas Hellmann, Laschets Mann für Klima, verdient ebenfalls kräftig mit.

[….] Die verschlungenen Investments des CDU-Politikers Thomas Heilmann. Er gehört zum neuen Klimateam von Kanzlerkandidat Armin Laschet. Zugleich ist Thomas Heilmann mittelbar an einer Firma für erneuerbare Energien beteiligt. Auch die Immobilie einer Flüchtlingsunterkunft wirft Fragen auf.  [….. ]

(SPON, 10.09.2021)

Dagegen sind 10.000 Dollar Wochenlohn für eine Corona-Krankenschwester ein Pappenstiel.