Samstag, 19. Dezember 2020

The Party Of Evil

Als sich gestern Mike Pence, Nancy Pelosi und Co öffentlich impfen ließen, war das Fehlen eines Mannes die eigentliche Sensation.
Donald Trump, dem die Pandemie nicht nur komplett entglitten ist, sondern der durch das Verächtlichmachen von Schutzmasken und durch seine Superspreader-Events aktiv zu den Rekordzahlen von über 300.000 US-amerikanischen Covid-Toten beitrug, erschien nicht öffentlich.

Warum auch? Dem Psychopathen sind an die 4.000 Amerikaner, die derzeit von ihm mitverschuldet täglich sterben ebenso vollkommen egal wie der massive Hackerangriff auf amerikanische Behörden Ministerien und Sicherheitsagenturen. Es ist der größte Spionage-Hack seit Jahren; Trump zeigt kein Interesse.

Der amerikanische Außenminister, der zuvor CIA-Chef war, nennt Verantwortliche.

[……] Es ist der wohl spektakulärste Cyberangriff des Jahres: Hacker konnten die Systeme Tausender US-Behörden und Unternehmen kompromittieren. Nun äußerte Außenminister Mike Pompeo seinen Verdacht.    US-Außenminister Mike Pompeo hat Russland für den groß angelegten Cyberangriff auf Bundesbehörden und Unternehmen in den Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht. Die Täter hätten mit großem Aufwand versucht, über die Software eines Drittanbieters auf die IT-Systeme der Regierung zuzugreifen, sagte Pompeo am Freitag in der Radiosendung »The Mark Levin Show«. Es sei »ziemlich eindeutig«, dass Russland hinter diesen Attacken stecke. Das Außenministerium hat ein Transkript des Interviews veröffentlicht.   Die US-Regierung hatte vergangene Woche einen groß angelegten, offenbar monatelang andauernden Cyberangriff auf mehrere Behörden bestätigt. Die Systeme konnten über ein manipuliertes Update der SolarWinds-Software Orion kompromittiert werden. […..]

(SPON, 19.12.2020)

Trump, der seit sechs Wochen seine Amtsgeschäfte ruhen lässt und nicht die geringste Absicht zeigt arbeiten zu wollen, wachte nun doch kurz auf.

Wenn der von ihm so bewunderte Wladimir Putin angegriffen wird, kann er das nicht so stehen lassen und pfeift Pompeo zurück.

Man dürfe nicht immer das arme Russland verdächtigen; vielleicht war ja auch China der Bösewicht, ließ IQ45 wissen.

 In Trumpmerika dürfen russische Regierungsbehörden auch Kopfgelder auf US-Soldaten aussetzen.

Im Trump-Universum gibt es nur vier Dinge von Relevanz:


1.) Trumps eigene Gefühle, insbesondere sein stets zu streichelndes Ego.

2.) Trumps finanzielles Wohl

3.) Trumps Unterwürfigkeit gegenüber Putin

4.) Ivanka

Alles andere, insbesondere die das Wohlergehen der 330 Millionen US-Amerikaner tangiert ihn nicht.

Fast sieben Wochen nach der US-Wahl schmollt Trump immer noch wie eine garstige Kindergarten-Göre und lügt wie gedruckt.

[…..] He didn’t win the Election. He lost all 6 Swing States, by a lot. They then dumped hundreds of thousands of votes in each one, and got caught. Now Republican politicians have to fight so that their great victory is not stolen. Don’t be weak fools! […..]

(Donald Trump über Joe Biden, 19.12.2020)

Wieso ziehen die Kabinettsmitglieder, Pence, die Republikaner nun nicht die Karte „25th“?

Es ist schließlich mehr als offensichtlich wie kriminell, verfassungswidrig und demokratiezersetzend der psychisch schwer gestörte US-Präsident handelt.

Aber die Amtsenthebung nach dem 25. Verfassungszusatz kann nur mit Hilfe republikanischer Politiker durchgeführt werden und unter ihnen gibt es so gut wie keine zurechnungsfähigen Menschen mehr.

Trump stellte sie durch seine Dauermedienpräsenz in den Schatten, aber dennoch sind und bleiben die mächtigen Senatoren und Parlamentarier wie Rubio, Cruz, McConnell, Jordan, Gaetz, Graham und Co zutiefst bösartige egoistische Lügner, denen ihr eigenes Wohl sehr viel wichtiger als das Land ist.

[…..] The dichotomy in the Republican Party, today, is profound. They're going to do whatever Trump tells them to do. No matter the cost to the country or the corrosiveness of their behavior. They must be stopped!  [….]

(The Lincoln project, 19.12.2020)


 
Tommy Tuberville, 66, ehemaliger Football-Trainer, warf den Demokraten Doug Jones aus dem Senat. Jones,  der vor zwei Jahren unter außergewöhnlichen Umständen im ultraerzkonservativen Alabama gegen den pädophilen Lügner Roy Moore den Sitz im US-Senat holte, der fest in republikanischer Hand liegt.

In ihrer großen Weisheit wählten die Alabamaer den zwar politisch völlig ahnungslosen, aber dafür glühenden Trump-Fan Tuberville in den extrem mächtigen US-Senat.

Tuberville ist begeistert von der Trump-wall, weil er Mexikaner hasst, bestreitet vehement den menschengemachten Klimawandel, ist fanatischer Abtreibungsgegner und meint die Erde wurde vor 6.000 Jahren von Gott erschaffen.

Tubervill, dumm wie Bohnenstroh, tut das was man von ihm erwartet; er stellt sich gegen Realität und Verfassung, kämpft wie ein Märtyrer für sein Idol.

Daß Joe Biden acht Millionen Stimmen mehr als Trump holte, kann Tuberville auch nicht glauben, will das offizielle Wahlergebnis annullieren lassen.

[…..] The chief obstacle to ending the ridiculous Republican refusal to accept President Trump’s November defeat is Alabama congressman Mo Brooks, who is threatening to challenge the electoral vote when Congress rubber-stamps it on January 6. So far, Brooks has been unable to find a senator to join him in that futile gesture, which under the Electoral Count Act of 1887 is all that’s necessary to force a two-hour debate and a vote in each house on a motion to overturn the results. Among those who would very much like to avoid this scenario is Senate Republican leader Mitch McConnell:

[…..] it’s a “terrible vote” for the GOP. They’d have to vote it down, which makes it seem like they are anti Trump, he said [….]

So any senator choosing to take the fateful step in Brooks’s direction is risking the wrath of Mitch and of other Republican colleagues who don’t want to be forced to go on record favoring or opposing Trump’s delusions of a “landslide win.” Who would be that dumb? Maybe another Alabama Republican, as al.com suggested?

    “I think that he [Tommy Tuberville] and Ted Cruz are the two best candidates to do this,” said Stan McDonald, Tuberville’s campaign chairman, during an interview on WVNN-radio in Huntsville on Tuesday. “I don’t know yet if or when he will do this. He’s very seriously considering it.”

There’s video available of Tuberville hinting he might take this step in an appearance in Georgia, saying “You see what’s coming; you’ve been reading about it in the House. We’re going to have to do it in the Senate.” […..]

(The Intelligencer, 17.12.2020)

Trump ist begeistert und lobt Tuberville sofort. „Tubs“ ist sein neuer Liebling und williger Gehilfe bei seinem Vorhaben die US-Verfassung zu zerstören.

[....] President Donald Trump lauded Tommy Tuberville this week after the Republican Alabama senator-elect said he is not ruling out joining a House member to object to the election results when Congress meets in a joint session to accept the votes of the Electoral College.   Trump is continuing to push senators to overturn the election while Tuberville's efforts would put his party in an awkward spot to vote on whether to accept the will of the voters or side with him. [……]

(CNN, 18.12.2020)

Der irre Fanatiker Tuberville hat zwar keinerlei juristische oder politischen Kenntnisse, aber dafür bezieht er seine Legitimation aus dem Kampf seines Vaters gegen den bekannten Kommunisten Adolf Hitler.

[…..] Though war metaphors are common in the language of sports, it appears that Tommy Tuberville, the incoming Republican senator from Alabama, didn’t learn much about World War II in his time coaching Auburn football. On Thursday night in Montgomery, Tuberville told his supporters about the sterling military record of his father, an American G.I. who landed on Normandy Beach in D-Day and drove a tank across western Europe, earning five bronze stars and a Purple Heart at the Battle of the Bulge during his deployment.    Despite being of an age at which American men pick up military history as if by osmosis, Tuberville did not seem familiar with the politics of the European theater: In his speech, the new senator described how his father took part in “liberating Paris from socialism and communism.” While this may be an effort to compare his father’s combat experience to his own effort to halt “the doctrine of socialism” in America, the coach’s political framework is off. When First Sergeant Charles Tuberville landed in France in 1944, he was part of a campaign to liberate the Allied power from the Nazis. […..]

(Matt Stieb, 12.11.2020)

Der große Historiker Trump schätzt sicher auch den Einsatz der Tuberville-Familie gegen das linksextreme Hitler-Deutschland.

[…..] I look at it and I see what country I grew up in and what it’s meant and the direction that we were going, and it’s concerning to me that a guy can run for president of the United States and have an opportunity to win when he leans more to a Socialist type of government. … And that’s concerning to me that we’re to the point now where we’ve got almost half the country voting for something that this country wasn’t built on. Very concerning and, you know, as I tell people, my dad fought 76 years ago in Europe to free Europe of Socialism. Today, you look at this election, we have half this country that made some kind of movement, now they might not believe in it 100 percent, but they made some kind of movement toward socialism. So we’re fighting it right here on our own soil. We’ve got to decide, you know, over the years which direction we’re going, and that part’s concerning to me. […..]

(Senator Tuberville, Nov 2020)

Ob nun mit oder ohne Trump – die republikanische Partei ist durch und durch verdorben, verblödet und gefährlich.

Freitag, 18. Dezember 2020

Impfe mich

Möglicherweise beginnen nächste Woche schon die Corona-Impfungen in Hamburg.

Dank des wie immer debakulierden Jens Spahn gibt es zunächst viel zu wenig Vakzin-Dosen.

Auf Hamburg entfallen 15.000 Einheiten. Jeder Geimpfte braucht zwei, so daß inklusive eines gewissen Schwundes maximal 7.000 Menschen einen Covid19-Schutz bekommen können.

Das ist bei knapp 1,9 Millionen Menschen in der Stadt wahrlich nicht viel.

Normalbürger wie ich werden noch lange warten müssen, weil, und in dem Fall bin ich mit den Gesundheitspolitikern einig, erst die besonders Vulnerablen bedacht werden. Heimbewohner über 80, medizinisches Personal und besonders gesundheitlich gefährdete Personen.

Solange es weniger Impfstoff als Impfwillige gibt, muss moralisch abgewogen werden wer Vorrang bekommt.

In den nächsten Monaten wird fleißig nachproduziert, es werden weitere Impfstoffe zugelassen.

Weltweit wird man genau beobachten und auswerten, welche Nebenwirkungen es gibt, wie zuverlässig die Vakzine vor einer Infektion schützen, ob sie auch gegen mutierte Formen des SarsCoV-II wirken und wie lange der Schutz anhält.

Es werden gewaltige Datenberge gesammelt werden und mutmaßlich noch lange über Finanzierung weltweiter Impfkampagnen, sowie die aufwändige Logistik debattiert werden.

Man wird überlegen, ob die deutschen Impfzentren wirklich so abstoßend und antiseptisch wie aus einem Endzeit-Thriller aussehen müssen, oder ob es nicht sinnvoller ist, sie wie in Italien mit Hilfe von Floristen ansprechend zu gestalten.

In einigen Monaten werden sich die Vorzeichen ändern. Die Übersterblichkeit wird zurückgehen, weil die extrem gefährdeten Schwachen und Alten bereits geimpft sind. Es wird mehr als genug der verschiedenen Vakzine zur Verfügung stehen, aber wir werden die Pandemie keineswegs überwunden haben, weil die vielbeschworene Herdenimmunität noch lange nicht erreicht ist.

Wir wissen nicht wie lange die Immunität nach einer Impfung anhält, können daher wie die Bundesregierung nur schätzen, daß mindestens 2/3 aller Menschen geimpft sein müssen, um Herdenimmunität zu erreichen.

Die US-Ikone Anthony Fauci spricht von 75%-85% Impfquote bis zur Herdenimmunität.

Das könnte schwierig werden, weil durch die elenden sozialen Medienplattformen Covidioten, Impfgegner, Maskenmuffel, Homöopathie-Jünger,  „Germanische Medizin“-Schwurbler, Aluhüte, AfDioten, Corona-Leugner, Hildmanns und Verschwörungsspinner die Impfbereitschaft in der Bevölkerung so signifikant gesenkt haben, daß die gesamte westliche Welt in Gefahr schwebt.

Deswegen sind Werbung und Impfkampagnen absolut notwendig.

Final verwirrte Hirntote wie Xavier Naidoo wird man auch damit nicht erreichen, aber ich halte es für gut möglich eine Mehrheit der Zweifler zu überzeugen, indem Prominenten und Politik coram publico gepikst werden.

Nächste Woche läßt sich der nächste US-Präsident Joe Biden impfen; schon heute legten Pelosi, McConnell und Trumps kleiner homophober Fanboy Mike Pence öffentlich vor.

 Es ist vermutlich das erste mal in seinem Leben, daß der intellektuell bestenfalls rudimentär versorgte Noch-Vizepräsident etwas Sinnvolles tat.

Nicht hilfreich ist der rechtsextreme, kriminelle brasilianische Trump, der darüber orakelt durch die Impfung zu einem Kaiman zu mutieren.

[….] Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat die Unternehmen Pfizer und Biontech kritisiert und mögliche Kollateralschäden ihres Impfstoffs herangezogen. »Im Vertrag ist klar geregelt, dass Pfizer nicht für Nebenwirkungen verantwortlich ist. Wenn Du Dich in einen Kaiman verwandelst, ist es Dein Problem«, sagte Bolsonaro bei einer Veranstaltung in der Stadt Porto Seguro und lachte. Auch wenn jemand Superman werde, einer Frau ein Bart wachse oder ein Mann anfange, geschliffen zu reden, hätten sie (Pfizer) nichts damit zu tun. […..]

(SPON, 18.12.20)

Donnerstag, 17. Dezember 2020

AfD-Triage

In amerikanischen Kittel-Soaps ist immer Triage. Das ist aus dramaturgischen Gründen notwendig; schließlich gibt es in Amerika eindeutig die besten Drehbuchautoren für Dramaserien.

Es mag für den Zuschauer spannend sein, wie in einer TV-Notaufnahme um das Leben eines verletzten Kindes gekämpft wird, aber das echte Drama spielt sich erst dann ab, wenn auch noch der Gangster, der das Kind angeschossen hat oder der Alki, der es volltrunken angefahren hat, in dieselbe Notaufnahme eingeliefert wird, genau wie das arme kleine süße verletzte Kind an die ECMO-Maschine angeschlossen werden muss, aber nur noch ein Gerät vorhanden ist.

Jeder will natürlich lieber das Leben des Kindes retten, aber möglicherweise gibt es rein medizinische Gründe, die dafür sprechen erst den Täter zu retten, weil dessen Verletzungen minimal schwerer sind.

Diese Konstellation gibt es in unzähligen Varianten immer wieder; gerne geht es dabei auch um mangelnde Transplantate. Mehre Schwerstkranke brauchen ein Herz/eine Niere/Leber, aber ein Empfänger ist übler Ku Klux Klan-Rassist und die Spenderin war ein ganz liebes schwarzes Mädchen.

Nun sieht es so aus, als ob es in Deutschland aufgrund der mancherorts voll belegten Intensivstationen und der rasant ansteigenden Covid19-Infektionen ebenfalls zu Triage-Maßnahmen kommen kann.

Dabei entsteht noch der groteske Twist, daß es vielerorts zwar genügend Intensiv-Betten gäbe, aber einfach nicht genügend qualifiziertes Pflegepersonal da ist.

Wir haben nämlich die Belegschaft kaputtgespart seit das Fallpauschalen-Modell eingeführt wurde und immer mehr Kliniken auf Druck von CDU/CSU/FDP privatisiert wurden.

Wir sind sehenden Auges in diese Not gerutscht; es fehlte nie an Mahnungen, daß es genau zu diesen Engpässen kommen würde.

Aber Jens Spahn und seine Länderkollegen blieben untätig.

Was soll nun also eine Intensivstation in Zittau machen, wenn noch drei freie Beatmungsgeräte da sind, aber fünf Corona-Infizierte mit so schweren Verläufen da sind, daß keiner von ihnen ohne künstliche Beatmung überleben würde?

Was macht man, wenn einer der Patienten einer der Masken-verweigernden Aluhüte ist, der nicht nur durch eigene Schuld infiziert wurde, sondern auch noch durch sein unverantwortliches Verhalten (beispielsweise als Organisator von „Hygienedemos“) aktiv dafür sorgte das Virus zu verbreiten.

[…..]  Der AfD-Politiker war mit löchriger Maske im Bundestag aufgetreten und hatte sich nach einer Rüge über den „Maulkorb“ beschwerte. Nun ist er selbst erkrankt.   Nach einem positiven Corona-Test wird der AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Seitz nach Angaben seines Büros stationär im Krankenhaus behandelt. […..]  Seitz war unter anderem bei einer Sitzung im November aufgefallen, als er mit einer offenkundig löchrigen Maske zum Rednerpult kam. Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) untersagte ihm, damit zu seinem Platz zurückzugehen. Sie reichte ihm eine frische FFP2-Maske. Als Seitz sich über den „Maulkorb“ beschwerte, drohte ihm Roth ein Ordnungsgeld an. […..] 

(Tagesspiegel, 17.12.2020)

Muss man diese Rechtsextremen, Verschwörungstheoretiker und Hobby-Hildmanns, die seit Monaten kontinuierlich gegen Merkels Vorsicht und insbesondere gegen Fachleute wie Prof. Drosten und Prof. Lauterbach hetzen, genauso medizinisch versorgen wie einen „normalen“ Patienten? Auch, wenn die Ressourcen zu knapp sind, um alle adäquat zu behandeln?

[…..] Zu einer klaren – wenn auch bizarren – Position ringt sich Höcke durch, als es um die Pandemie geht: „Corona ist vorbei“, behauptet der AfD-Mann. Und dann erklärt der Gymnasiallehrer für Geschichte und Sport, dass das RKI sich irre und der aktuelle steile Anstieg der Zahlen lediglich zurückzuführen sei auf die gestiegene Anzahl durchgeführter Tests und falsche positive Testergebnisse.   Höcke ruft zu Großdemo gegen Corona-Einschränkungen auf.  In sich schlüssig immerhin, dass jemand, der das behauptet, alle Gegenmaßnahmen gegen die Pandemie für überflüssig und auch für übergriffig hält. Höcke gehört – neben den Rechtsextremisten von NPD und der Kleinstpartei der 3. Weg – zu jenen, die dazu aufrufen, eine Anti-Infektionsschutz-Großdemonstration in Berlin am kommenden Samstag zu besuchen. […..]

(WAZ, 25.08.2020)


Müssen wir noch mit den Sachsen solidarisch sein, nachdem es gerade Ministerpräsident Kretschmer war, der über Monate schärfere Corona-Regeln verhinderte?

[…..] Corona bestraft Ausreden wie diese: „Wir haben das Virus unterschätzt – alle miteinander.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sie formuliert, um davon abzulenken, dass sein Bundesland durch Zaudern, Zögern und Verharmlosen zum Treiber der zweiten Welle wurde. Kretschmer hatte versucht, sich den Corona-Verharmlosern anzubiedern. Die Sachsen hatten gehofft, nach glimpflich überstandener erster Welle auch das zweite Mal ungeschoren davonzukommen. Die Mischung aus Unterschätzen und Laufenlassen war besonders toxisch. […..]

(Jan Sternberg, FR, 13.12.2020)

Nun ist Sachsen mit Bayern das am schlimmsten betroffene Bundesland.

Der populistische Kurs hat sich wieder einmal bitter gerächt. Aber die Sachsen sind offenbar vollkommen beratungsresistent. Dresden ist immer noch die deutsche Pegida-Hochburg und nun entwickelt sich auch noch Leipzig zur Hauptstadt der Aluhut-Schwurbler und Masken-Gegner.

Sollen wir ausgerechnet ins faschistoide „Ausländer raus!“-Pegida-Dresden nun das Biontech mRNA-Vakzin schicken? Biontech, das von dem aus der Türkei stammenden muslimischen Spitzenmediziner Uğur Şahin gegründet wurde?

Hätten AfDler die Möglichkeit über zu knappe Vakzine und Beatmungsgeräte zu entscheiden, würden sich ganz sicher keine Migranten berücksichtigen, sondern ihre rechtsextreme Brut bevorzugen.

Können wir dann nicht auch Aluhut-AfDler in Zeiten knapper medizinischer Ressourcen abweisen, wenn sie sich Corona eingefangen haben?

Nein, können wir nicht.

Das ist der Preis, wenn man ein „guter Mensch“ ist.

Die Linksgrünversifften lassen sich nicht auf so ein Niveau herab.

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Ohne Warnungen

Zwei volle Zeitungsseiten in der kleinstmöglichen Schrift.

So viel Platz nimmt im heutigen „Hamburger Abendblatt“ das Kirchenprogramm ein. Dort werden die Uhrzeiten aller Weihnachtsgottesdienste der Stadt aufgelistet. Einfach so.

Allein am 24.12. finden 137 Christmetten statt.

War da nicht zufällig irgendeine infektiöse Krankheit?

Corona, oder so ähnlich?

Gab es da nicht irgendwelche gesundheitlichen Probleme, die mit dem überflüssigen Zusammentreffen von Menschen zu tun hatte?

[…..] Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus hat einen neuen Höchststand erreicht. Binnen einem Tag übermittelten die deutschen Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 952 neue Todesfälle, wie aus den RKI-Zahlen vom Mittwochmorgen hervorgeht. [….]

(Spon, 16.12.2020)

Aber vermutlich fällt Pandemie-Superspreading kaum noch ins Gewicht bei einer Organisation, die auf eine 2.000-jährige Kriminalgeschichte mit vielen Millionen Toten, Genoziden, Massenhinrichtungen, systematischer Folter auf allen Kontinenten zurück blickt.

Offenbar stört es zig Millionen deutsche Kirchenmitglieder bis heute nicht, daß ihre Vereine systematisch über Jahrzehnte hunderttausende Kinder in kirchlichen Heimen missbraucht, versklavt, misshandelt und psychisch schwer traumatisiert hat.

Es stört ja offenbar auch nicht, daß ein weltweites katholisches System dafür sorgte auch in Deutschland Myriaden kleine Kinder, vor allem Jungs, von Priestern, Ordensleuten, Kaplanen und Bischöfen sexuell missbrauchen zu lassen.

Gegenwärtig lesen wir in vielen Medien ausführlich über das Schicksal Ben Königs, der 1963 im Alter von fünfeinhalb Jahren dem Grauen der Engelsgasse ausgesetzt wurde. Eine Foltereinrichtung, die von den Niederbronner Schwestern geführt wurde. Auch andere Opfer berichten.

[….] Nach eigener Aussage wurde er in dieser Zeit unzählige Male sexuell missbraucht. Haupttäter soll Rudolf Motzenbäcker gewesen sein, der frühere Generalvikar des Bistums Speyer und Offizial, also oberster Kirchenrichter. Keil war Messdiener bei ihm, er sagt, Motzenbäcker habe sich wieder und wieder an ihm vergangen.    Außerdem seien er und andere Heimkinder bei Sexorgien von Erwachsenen vergewaltigt worden. Auch Politiker seien beteiligt gewesen. Keil sagte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, Nonnen hätten die Kinder zu den Treffen gezwungen und dafür von den Männern Geld erhalten, "bar und in Umschlägen".  Als er zwölf oder 13 Jahre alt gewesen sei, seien er und ein Mädchen zu Polizei und Jugendamt gegangen, um die Vergewaltigungen anzuzeigen. Aber "uns Kindern hat niemand geglaubt". Als die Schwestern davon erfuhren, seien er und das Mädchen bestraft und verprügelt worden.   Später, sagt Keil, habe er das Mädchen auf dem Dachboden des Heims erhängt aufgefunden. Sie sei auf einer der Partys von einem Geistlichen geschwängert worden. […..]

(Bernd Kastner und Rainer Stadler, SZ, 14.12.2020)

In dem katholischen Orden führten die Geistlichen über Jahrzehnte regelrechte Vergewaltigungsorgien an kleinen Jungs durch.

Bis heute wurde kein Täter verurteilt.

Eine besondere sadistische „Qualität“ entwickelten dabei die Nonnen, die als perverse, geldgeile Pädo-Zuhälterinnen ihre Jungs an die Sextäter vermieteten.

„Die haben Mädchen und Jungs fast totgevögelt«, sagt ein Opfer aus. Bis heute höre er das Wimmern der Opfer während der Vergewaltigungen. „Manchmal bin ich in blutverschmierter Kleidung zurück ins Heim gelaufen, mir lief das Blut die Beine herunter.“ Aber die heute noch lebenden Nonnen schämen sich immer noch nicht die Kinder mit Prügeln zu den Vergewaltiger-Priestern getrieben zu haben. Angeblich wußten sie von nichts.

[….] Keil fragte, warum ihm die Schwestern nicht geholfen hätten, wenn er vergewaltigt worden war, "obwohl ich im Genital- und Afterbereich blutig war, was an der Unterhose klar zu erkennen war". Die Antwort: Die Wäsche sei im Gesamten gesammelt, "Verunreinigungen im Einzelnen nicht nach der Herkunft ihrer Verschmutzung kontrolliert" worden. […..]

(Bernd Kastner und Rainer Stadler, SZ, 14.12.2020)

 Sie setzen noch eins drauf im Jahr 2020 und erklären es rückblickend für ganz üblich und nicht etwa besorgniserregend, wenn die ihrer „Fürsorge“ unterstehenden Kleinkinder aus dem Anal- und Genitalbereich bluteten und die Unterwäsche dementsprechend aussah.

Daß insbesondere Nonnen zu bestialischem Sadismus fähig sind, wissen wir aus vielen Ländern. In irischen Kinderheimen prügelten sie Waisenkinder tot und verscharrten sie zu hunderten. In Deutschland lieferten sie Heimkinder für Medikamententests. In Indien war es Teresa, die gewaltige Vorräte an Schmerzmitteln hortete, aber befahl sie nicht an schwerstkranke, auch Krebspatienten auszugeben, damit sie „die Leiden Jesu“ spürten.

(…..) Die Verhältnisse in Österreich waren nicht anders und in Spanien betrieben dem faschistischen Regime treu ergebene Nonnen im 20. Jahrhundert sogar massenhaften Kindesraub und Menschenhandel. Sie sollen bis zu 300.000 Babies verkauft haben.

Morgen zeigt „Tele5“ wieder einmal den 2002 entstandenen Film „Die unbarmherzigen Schwestern“, welcher das perverse Treiben irischer Nonnen nachzeichnet.

Die Magdalenen-Heime - benannt nach der biblischen Figur der ehemaligen Prostituierten Maria Magdalena, der Jesus ihre Sünden verzieh - wurden im 19. Jahrhundert in Irland als Zuflucht für in Ungnade gefallene Frauen gegründet. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm die katholische Kirche diese Einrichtungen und führte strenge Regeln ein. Die Aufsicht unterstand den Barmherzigen Schwestern (Sisters of Mercy), die die jungen Frauen zu bis zu zehn Stunden unbezahlter täglicher Arbeit zwangen. Der sonst so heilige Sonntag bildete keine Ausnahme. Hunger, Prügel und sexueller Missbrauch führten zu zahlreichen Ausbrüchen und in den 50er- und 60er-Jahren auch zu Aufständen.

(Tele5)

Auch wenn Nonnen keine Kinder oder Kranke in die Finger bekommen, stehen sie gern auf der Seite der Brutalen.

Beispiel Syrien. Dort ist die katholische Kirche ein der letzten und wichtigsten Stützen des Assad-Regimes. Daß Hunderttausende gekillt werden, teilweise sogar vergast wurden, stört nicht weiter.

Oberin Agnes-Mariam vom Kreuz erhebt ihre Stimme, sie will versöhnen in einem Krieg, 'der Syrien ausbluten lässt'. Und doch klingt sie nur wie der Lautsprecher des Regimes. Für die Rebellen ist die Ordensfrau denn auch 'Assads Nonne'. Sie behauptet etwa, die Opferzahlen beim Damaszener Giftgasangriff seien übertrieben gewesen - Russlands Außenminister Sergej Lawrow zitierte sie sogar als Kronzeugin. Sie erklärt, die Rebellen töteten Babys, um ihre Leichen als Kriegsopfer auf der Internetplattform YouTube zu zeigen: Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte den Vorwurf 'bizarr'.   Die Gegner des Aufstands hingegen sehen in der 61-Jährigen eine Stimme der Wahrheit. [….]  Als Christin steht Agnes-Mariam Präsident Baschar al-Assad zwangsläufig näher als den Aufständischen. […]  Sie sagt, unter den Assads sei Syrien ein 'liberaler, säkularer Staat' gewesen, in dem die Frauen Rechte hatten.

(SZ vom 29.11.2013)

Nonnen, immer wieder nett. (….)

(Naughty Nuns, 30.11.2013)

Die Nonnen der Engelsgasse im Bistum Speyer passen also ins Bild.

[…..] »Bis zu meinem Weggang im September 1972 bin ich etwa tausendmal sexuell missbraucht worden«, sagt er dem SPIEGEL.   Vor allem der damalige Generalvikar Rudolf Motzenbäcker habe sich regelmäßig an ihm vergangen. Aber auch externe Besucher hätten ihn auf sogenannten Sexpartys missbraucht, einmal sei er von drei Priestern gleichzeitig vergewaltigt worden. […..] Besonders perfide scheint die Rolle der »Schwestern vom Göttlichen Erlöser« in dem Heim gewesen zu sein. […..] Der Betroffene schildert auch sexuelle Übergriffe der Schwestern auf minderjährige Jungen. Etwa zehn Frauen seien zum Tatzeitpunkt in dem Heim beschäftigt gewesen. An ihre Namen erinnert sich König nicht – bei den Kindern hätten sie nur »Schwester Gnadenlos«, »Schwester Prügel« und »die Hexe« geheißen.   Bei den »Sexpartys« hätten die Frauen den Vergewaltigern Kinder zwischen 7 und 14 Jahren zugeführt und Getränke für teilweise stadtbekannte Gäste aus der Politik und Wirtschaft ausgeschenkt. Ihre Dienste hätten sie sich bar bezahlen lassen. Auch Hausbesuche seien organisiert worden. »Die Nonnen waren Zuhälterinnen«, so Königs Vorwurf.   Bei Ungehorsam seien die Kinder mit Stöcken geprügelt oder ihre Köpfe an die Wand geschlagen worden. Viele Opfer hätten versucht, sich das Leben zu nehmen, auch er selbst. [….]

(SPON; 15.12.2020)

Trotz Pandemie erlauben Ministerpräsidenten und Bundesregierung Weihnachten in die Kirchen zu gehen.

Das ist fahrlässig.

Aber viel abartiger ist die Tatsache, daß immer noch so viele Gläubige vorhanden sind, die eine solche Kirche aktiv – unter anderem jährlich mit einem zweistelligen Milliarden-Betrag – unterstützen.

Warum?
Hat nicht der Chef des reichsten und größten Bistums in Deutschland, der Metropolit von Köln, Kardinal Woelki, nicht just eben, zehn Jahre nach Canisius klar gemacht wie die römisch-katholische Kirche den massenhaften sexuellen Missbrauch an kleinen Kindern einschätzt?

Woelki missbrauchte die Opfer öffentlich ein zweites Mal, verhöhnte sie und entschied klar und deutlich lieber einen Sextäter zu schützen, mit dem er privat befreundet ist.

[…..] "Gaudete - freut euch im Herrn allezeit!" Unter dieser Überschrift steht in der katholischen Liturgie der dritte Adventssonntag. Er markiert die wachsende Vorfreude auf die Geburt des Herrn, des Erlösers. Den Gaudete-Sonntag hatte der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, zum Anlass genommen für eine kurze Video-Botschaft. "Die Kirche will uns ermutigen, froh zu sein", sagt Woelki da. "Christen haben immer schon die Ungerechtigkeiten und die Dunkelheiten dieser Welt gesehen. Sie blenden das Unheil nicht einfach aus."    Nur mit einer sehr großen Verdrängungsleistung kann man den Worten des Kölner Erzbischofs zuhören, ohne Unbehagen zu empfinden. Was ist mit den Ungerechtigkeiten und dem Unheil in der Kirche? Die katholische Kirche selbst trägt eine große Dunkelheit in sich. Es sind die entsetzlichen Taten ihrer Priester und Ordensleute, die Vergewaltigungen und Übergriffe, der geistliche Missbrauch, die Erpressungen, die Vertuschung, das Wegschauen. In diese Dunkelheit wird in manchen Diözesen bis heute höchstens mit einer schwachen Funzel hineingeleuchtet. Wenn überhaupt.

Besonders finster sieht es derzeit im Erzbistum Köln aus. […..]   Ein Gutachten sollte dort schonungslos offenlegen, welche Generalvikare und Personalchefs sich mitschuldig gemacht haben, indem sie Täter einfach nur versetzt und so neue Taten ermöglicht haben. Doch die Untersuchung bleibt unter Verschluss. […..]   Das an sich ist schon unfassbar, doch besonders schändlich war der Umgang Woelkis mit dem Betroffenenbeirat. Die Mitglieder wurden in einer eilig einberufenen Sondersitzung mit einer Juristen-Phalanx konfrontiert. Sie wurden unter Druck gesetzt und sollten den Daumen senken über ein Gutachten, das sie selbst gar nicht kannten. Dass die Betroffenen sich nun retraumatisiert und erneut missbraucht fühlen, das hat Woelki in Kauf genommen. Inzwischen steht er sogar selbst unter dem Verdacht, einen befreundeten Priester-Täter geschützt zu haben. Und nun stellt er sich vor einen geschmückten Altar und predigt von der Freude der Christen? […..]

 (Annette Zoch, SZ, 15.12.2020)

Und diese Kirche wird auch Weihnachten 2020 weiter unterstützt und finanziert.

So gut finanziert, daß Kardinal Marx insgesamt 600.000 Euro aus seinem Privatvermögen übrig hat, sie für die Opfer zu stiften.

Jahrzehnte B10-Bezüge von 13.500 Euro steuerfrei im Monat machen es möglich Geld zu sammeln, während er mietfrei im gewaltigen Rokoko-Palais Holnstein residiert, für dessen Renovierung der bayerische Staat acht Millionen Euro Steuergeld springen ließ und darüber hinaus noch für 17 Millionen Euro den Palazzo Marx in Rom kaufen kann, damit er auch während seiner Vatikan-besuche standesgemäß übernachten kann.

Papst Franzen Kirchen der Armen und der Barmherzigkeit, die wir alle bitte auch weiterhin unterstützen sollen.

Dienstag, 15. Dezember 2020

Diese Ratten!

Es sind ja nicht nur Trump selbst und seine Administration, sondern auch fast alle republikanischen Senatoren, 19 GOP-Justizminister in den Bundesstaaten 124 US-Kongressabgeordnete, die mit ungeheuerlicher Perfidie auf einen Staatsstreich hinarbeiten und unverhohlen zur Gewalt anstacheln.

Die sich daran erfreuen, die Proud Boys-Nazis prügelnd durch Washington ziehen zu sehen. Es fehlen die Worte, um das Verhalten dieser ehemals verfassungstreuen Partei zu beschreiben.

In den sozialen Medien werden diese Berichte gelegentlich mit „rats“ kommentiert.

Republikaner als Ratten?

Ich halte das für unglücklich, weil die teilweise offen faschistisch und verfassungswidrig auftretenden GOPer und ihre antisemitischen Schlägertrupps auf den Straßen damit ausgerechnet das Narrativ übergezogen bekommen, mit dem das nationalsozialistische Deutschland Juden verunglimpfte.

In Hitlers bösesten antisemitischen Propagandafilmen wurden Juden immer mit Ratten verglichen. Fritz Hipplers Film „Der Ewige Jude“ von 1940 dürfte zusammen mit Veit Harlans „Jud Süß“ aus demselben Jahr gehört zu der scheußlichsten Hass-Kultur, die je von Menschen fabriziert wurde.

Szenen von Juden, die unter erbärmlichen Bedingungen in Ghettos gesperrt wurden, schnitten die Nazis zusammen mit Bildern von Ratten und Ungeziefer in der Kanalisation.

Der Sprecher Harry Giese erklärte dazu:

„Wo Ratten auch auftauchen, tragen sie Vernichtung ins Land, zerstören sie menschliche Güter und Nahrungsmittel. […] Sie sind hinterlistig, feige und grausam und treten meist in großen Scharen auf. Sie stellen unter den Tieren das Element der heimtückischen, unterirdischen Zerstörung dar – nicht anders als die Juden unter den Menschen.“

Grundsätzlich bin ich aus moralischen Gründen dagegen so eine Metaphorik in irgendeinem Zusammenhang jemals wieder zu verwenden.

Außerdem ist es generell eine Farce überhaupt menschliche Abgründe mit Tier-Sprachbildern zu illustrieren.

Das resultiert aus der abstrusen christlichen Vorstellung sich die Erde untertan zu machen, den Menschen als Abbild Gottes zu betrachten und alle Tiere als minderwertige Dinge zu betrachten.

Das ist natürlich grober Unsinn. Das ist sogar möglicherweise der Hauptgrund für die deprimierend miese Verfassung dieses Planeten: Leider sehen sich Anhänger abrahamitischer Religionen nicht als Teil der Natur, die sie erhalten sollen, sondern als etwas Besseres. Über hyper-natürliche Wesen, die auf Gottes Geheiß alle anderen Lebewesen morden und quälen sollen, die Fauna zerstören, Flüsse vergiften und die Luft verpesten sollen.

Ratten sind im Übrigen faszinierende, schlaue Wesen, die mir sehr viel sympathischer als republikanische Politiker sind.

Glaubt irgendjemand, es gäbe Corona-Vakzine oder Covid19-Medikamente ohne Tierversuche an Ratten?

Ratten helfen den Menschen, wenn sie sich selbst in die Krise geritten haben.

Ratten sind effektive Minenräumer, die all die tödlichen Antipersonen-Minen, an denen die deutsche Rüstungsindustrie so prächtig verdiente aus afrikanischen und asiatischen Böden sammeln.

In Afrika arbeitet die Riesenhamsterratte für Antipersoonsmijnen Ontmijnende Productontwikkeling, APOPO.

[…..] APOPO's scent detection animals, nicknamed 'HeroRATs' and 'HeroDOGs', help to rid the world of landmines and tuberculosis – returning safe land back to communities for development, and freeing people from serious illness so they can get back on their feet. […..]

(Apopo)

Der Geruchssinn der Ratten ist dem Menschlichen weit überlegen und kann nicht nur winzige Spuren des Sprengstoffs Trinitro-Toluol (TNT), sondern beispielsweise auch Tuberkulose sicher erschnüffeln.

Die mit inklusive Schwanz bis zu 90 cm lange Riesenhamsterratte kann ohne mit Patienten in Kontakt zu kommen Sputum-Proben sicher als TB-befallen diagnostizieren. Einfacher und sicherer als jedes medizinische Testverfahren. Dafür müssen die Tiere nur nach dem bekannten Pawlowschen Prinzip auf den Geruchtrainiert werden.

 […..] Jährlich gibt es laut Weltgesundheitsorganisation WHO etwa zehn Millionen TB-Erkrankungen und 1,5 Millionen Todesfälle durch die Krankheit. Das macht Tuberkulose zur weltweit tödlichsten Infektionserkrankung. Die Übertragung findet über die Luft statt, vor allem über Aerosole. […..] Zu den stark betroffenen Ländern gehört Tansania. 2019 wurden dort mehr als 80 000 TB-Erkrankungen registriert. Tatsächlich dürften sich sehr viel mehr Menschen infiziert haben. Denn nach Schätzung der WHO werden in Tansania nur 59 Prozent der TB-Fälle diagnostiziert und behandelt. Weltweit liegt dieser Wert bei 71 Prozent.  Diese Lücke in der Diagnostik versucht die Organisation Apopo mit ihren Ratten zu verkleinern. Seit mehr als 20 Jahren trainiert die belgische Organisation die großen Nager in ihrem Forschungs- und Trainingszentrum in enger Zusammenarbeit mit der Sokoine University of Agriculture im Osten Tansanias. Die Riesenhamsterratte hat einen hervorragenden Geruchssinn und ist gut an die Umweltbedingungen in Ostafrika angepasst. Außerdem qualifiziert sie sich durch ihre ruhige Art. Die großen Ratten sind leicht zu zähmen und lassen sich einfach züchten und halten. […..] Inzwischen sind die Ratten an verschiedenen Standorten zu Forschungszwecken im Einsatz und haben mehr als 680 000 Patientenproben in Tansania, Mosambik und Äthiopien untersucht. Dabei haben sie mehr als 18 300 zusätzliche TB-Erkrankungen entdeckt, die durch Standardtests bestätigt wurden. Durch die zusätzlichen Diagnosen und Behandlungen könnten Schätzungen zufolge bis zu 150 000 weitere Infektionen verhindert werden. […..][…..]

(SZ, 14.12.2020)

Republikaner wie Matt Gaetz, Jim Jordan, Lindsey Graham und Trump als Ratten zu bezeichnen, geht wirklich zu weit.

Das haben die armen Ratten nicht verdient!

Montag, 14. Dezember 2020

Vollständig versödert

Was ist eigentlich die CSU?

Der legendäre Ehrenvorsitzende Franz-Josef Strauß, der 27 Jahre unangefochten Parteivorsitzender war?

Edmund Stoiber, Strauß‘ blondes Fallbeil, das später Kanzlerkandidat und 14 Jahre Ministerpräsident war und 2003 mit 124 von 180 Sitzen das beste Landtagswahlergebnis aller Nachkriegswahlen holte?

Oder Horst Seehofer, der zehn Jahre Ministerpräsident war, elf Jahre Parteivorsitzender und die CSU aus dem Beckstein-Tief zurückholte und den unglücklichen Erwin Huber vergessen ließ?

Nein, sie alle passten nicht vollständig in die CSU-Schablone.

Strauß kam aus einer vorbundesrepublikanischen Zeit, war NSdAP-Mitglied und polyglott. Stoiber war unnahbar, fremdelte mit bayerischer Bierseligkeit und bumste nicht mit solcher Selbstverständlichkeit wie Strauß, Seehofer und Söder außerhalb seiner Ehe durch die Betten.

Seehofer schließlich ist viel zu sprunghaft, illoyal und eigenbrödlerisch, als daß ihm wirklich alle CSU-Herzen zuflögen.

Der erste echte CSU-Mann, mit 100 reiner CSU-DNA ist Markus Söder, 53.

Sein einziger minimaler Makel ist es evangelischer Franke zu sein und somit nicht zu den CSU-dominierenden katholischen Oberbayern zu gehören.

Aber dafür ist er erzkonservative und kannte schon als kleiner Junge nichts anderes als CSU. In seinem Kinderzimmer hingen Strauß-Plakate statt billiger BRAVO-Bilder von Popbands, wie bei uns anderen.

Natürlich trat er 1983, sobald es sein Alter zuließ mit 16 in die CSU und die Junge Union ein, deren Landesvorsitzender er 12 Jahre später wurde und bis 2003 blieb, als er die maximale Altersgrenze erreichte, um nahtlos für vier Jahre CSU-Generalsekretär zu werden.

Nebenher wurde er mit 27 Jahren in den bayerischen Landtag gewählt, stieg mit 28 Jahren ins CSU-Präsidium auf, wurde er schon mit 30 Jahren Chef des Kreisverbandes Nürnberg-West.

2007 gab er den Posten als CSU-Generalsekretär auf, um wieder nahtlos, als Staatsminister in die bayerische Regierung zu wechseln.

Schon als Parteigeneral hielt er sich – zu Recht – für den kommenden Ministerpräsidenten.

 […..] Wir leben in einer Mediendemokratie. Das können Sie beklagen. Sie können es sich aber auch zunutze machen. Getreu Söders Devise: "Solange es richtig scheppert, ist alles im Lot. Hauptsache, der Name ist richtig geschrieben." Forderungen, die in diesem Sinne immer funktionieren:

- Schlechten Eltern das Kindergeld streichen. - Schwarzfahrer ins Internet stellen. - Das Schulgebet wieder einführen.

Wenn einige Ihrer Parteifreunde nun finden, Ihre Aussagen seien "intellektuell erbärmlich" und Sie selbst ein "gnadenloser Populist", dann haben die die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Denn um, wie Söder formuliert, "im Nirwana der Medienwelt verlässliche Botschaften" zu setzen, muss man manchmal bis an die Grenzen gehen.  Ein Fallbeispiel: Sie haben im Wahlkampf gegen ein Asylbewerberheim polemisiert (siehe Kapitel III: Politik heißt Kampf) und der politische Gegner hat Sie daraufhin als Rassisten bezeichnet. Dies erfüllt möglicherweise den Tatbestand der Verleumdung, Sie müssen ihn vor Gericht bringen. Dort gewinnen Sie und wieder sind Ihnen ein paar Schlagzeilen sicher. Dass Sie der Urheber des ganzen Ärgers waren - daran erinnert sich am Ende keiner mehr. […..]

(SZ-Magazin vom 14.1.2005)

Systematisch und ohne Pausen oder Umwege, absolvierte er alle Schritte in der Partei-, Parlaments- und Regierungshierarchie.

Einmal im Kabinett angekommen ließ er keinen Zweifel daran selbst die beiden Top-Ämter übernehmen zu wollen – CSU-Bundesvorsitz und bayerischer Ministerpräsident.

Um immer der maximalen medialen Aufmerksamkeit sicher zu sein, arbeitete er hart an seinem Ruf stets der ruppigste und den CSU-Herren zu sein – Frauen spielen bekanntlich in der Altherrenpartei bis heute keine Rolle.

Jedes aufziehende Thema kommentierte er als erster. Jede Forderung übertrumpfte er mit einer Zuspitzung und segelte stets am Rande des Rechtspopulismus; gern mit einer ordentlichen Portion Xenophobie, Europafeindlichkeit und stets voller Verachtung für die politischen Konkurrenten.

Söder hält sich selbst für den Allerbesten und Einzigen und schießt auch scharf, wenn es gilt Parteifreunde aus dem Weg zu räumen. Schon Jahre bevor er Ministerpräsident wurde, versuchte er seinen Vorgänger loszuwerden.

(….) Bayern ist unterm Strich noch schlimmer als Sachsen, weil Crazy Horst als Parteichef der CSU zwar über deutlich weniger Bundestagssitze als Linke oder Grüne verfügt, aber überproportional stark in der Bundesregierung vertreten ist.

Immer wenn es so richtig schwachsinnig, teuer, bürokratisch, xenophob, kontraproduktiv wird, steckt Horst Seehofer dahinter: Anti-Ausländer-Maut, Bildungs-Fernhalteprämie, Hotelsteuerermäßigung oder Umstellung auf Sachleistungen bei Flüchtlingen.

In den letzten Tagen vermochte es Markus Söder, der Mann mit dem Gesicht, das nur eine Mutter lieben kann (Hildebrandt), noch eine Umdrehung hinzuzufügen.

In abscheulichster Matussek-Manier ging er auf die Opfer des IS los, die gerade noch ihre Haut vor dem Terror retten konnte und unterstellte ihnen auch Täter zu sein.

Ekeliger geht es kaum noch.

Man darf getrost davon ausgehen, daß diese widerlich-populistisch-xenophobe Sicht von den meisten CSU-Politikern geteilt wird und dadurch auch in die Bundesregierung getragen wird.

Das sind die Momente, in denen man an Max Liebermann und das „fressen“ und „kotzen“ denkt.

Nun passiert aber etwas unerwartet Lustiges.

Eine zweite Ebene der Bayernpolitik wird sichtbar, so sichtbar, daß sie die Flüchtlingspolitik überlagert.

Horst Seehofer, 66, befindet sich in seinem politischen Herbst und mag wie so viele andere vor ihm – man denke nur an Stoiber und Kohl – nicht rechtzeitig loslassen.

Eifersüchtig auf seine egoistischen Machtinteressen fixiert beißt Seehofer alle jüngeren Konkurrenten weg. In diesem Punkt ähnelt er seiner Schwesterparteichefin Merkel: Auch sie verhindert konsequent, daß ein möglicher Nachfolger gefunden wird.

Während man sich aber in der CDU an das Papstnachfolger-Motto hält, demzufolge jemand der öffentlich bekundet Papst werden zu wollen es niemals werden kann, geht es bei den Christsozialen rabiater zu.

Markus Söder will unbedingt Seehofer nachfolgen. Dafür geht er über Leichen. Dafür versucht er seit Jahren Crazy Horst waidwund zu schießen (…..)

(Zurücklehnen und genießen, 18.11.2015)

Söder wurde immer lauter: Homos sind bähbäh:  „Natürlich haben und behalten wir feste Grundwerte, die wir auch als Idealziel festschreiben. Ehe und Familie sind das, was sich die meisten Menschen für ihr Leben wünschen und anstreben.“ Ließ er wissen.

Er verlangte die Aussetzung des Kündigungsschutzes, wetterte gegen den Mindestlohn, attackierte Hartz-IV-Empfänger, die ihm zu viel Urlaub machten und wollte mehr Leistungskürzungen als Bestrafung für Fehlverhalten.

Den Blasphemie-Paragrafen wollte Jurist Söder verschärfen lassen, niemals werde seine Partei „Gotteslästerung zulassen“.

Als 2012 der BR kritisch über die Arbeit des damaligen Umweltministers berichten wollte, ließ er sein Büro intervenieren – erfolgreich. Der brave Staatsfunkt strahlte den Beitrag nie aus.

Für Söder sind Eingriffe in die Pressefreiheit üblich; immer wieder ruft er in Talkshowredaktionen oder sogar beim Morgenmagazin an, um die Gästelisten nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Söder wollte die Griechenland aus der EU werfen, forderte 2015 die Entlassung Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis, der einen Bruchteil der Schulden zu verantworten hatte, die die CSU und Söder durch ihre dubiosen Landesbankgeschäfte verursacht hatten.

Seine Ausfälle gegen Andersgläubige, Andersaussehende, Andersdenkende und Andersliebende waren bin vor zwei Jahren so allgegenwärtig, daß er schon ein gewisses Trumpsches Niveau erreicht hatte: Nichts, womit Söder die Verfassung oder den allgemeinen Anstand angriff, konnte einen noch schockieren.

[…..] Er äußerte im April 2004, in die Schulen gehörten „Kruzifixe und keine Kopftücher“, und behauptete, „typisch deutsche Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Pünktlichkeit und Disziplin“ seien „verloren gegangen“.[39] Söder erklärte 2007, er sei gegen einen „falsch verstandenen Dialog ohne Resultate“ mit muslimischen Zuwanderern. Er forderte, dass derjenige, der auf Dauer in Deutschland leben möchte, sich lückenlos zu hiesigen Werten bekennen müsse. Wer sich nicht dazu bekenne, habe hier keine Zukunft.[40] 2010 befürwortete Söder ein Vollverschleierungsverbot.[41]  Angesichts der Flüchtlingskrise 2015 stellte Söder das Grundrecht auf Asyl in Frage. Er kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel und forderte einen besseren Schutz der Außengrenzen Europas.[42] Dazu spekulierte er über mögliche Zäune an der Grenze zu Österreich,[43] was CSU-Parteichef Horst Seehofer zurückwies.[44] Die Verknüpfung seiner Position zur Asylpolitik mit den Terroranschlägen vom 13. November 2015 in Paris brachte ihm vor allem Kritik ein, erneut von Seehofer und anderen Politikern der Union. […..]

(Wikipedia)

Söder segelte stets so weit rechts in den AfD-Gewässern, daß nach seiner eigenen Lehre die AfD keine Chance mehr bei den bayerischen Landtagswahlen 2018 haben könnte. Er selbst besetzte schließlich selbst alle rechtspopulistischen Klischees der Faschisten.

(…..) Die CSU des Jahres 2018 ist zu einer ausschließlich destruktiven, debilen und dämonischen Kraft retardiert. Verglichen mit den grenzdebilen Gestalten, die derzeit die Parteiführung in München stellen, wirkt Strauß wie ein besonnener weiser Mann.

[…..] Es gab eine Zeit, da war die CSU eine große Europapartei, konservativ und weltoffen zugleich. Sie arbeitete kraftvoll an der Einigung des Kontinents, und Franz Josef Strauß, ihr bedeutendster Politiker, sagte: "Ein geeintes Europa soll die Vorstufe zu den Vereinigten Staaten von Europa sein."   In diesen Tagen fordert kein Führungspolitiker der CSU mehr den europäischen Bundesstaat, jedenfalls nicht vernehmlich. Im Gegenteil. Die Partei legt unter dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, Bundesinnenminister Horst Seehofer und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt die Axt an den Baum, den sie selbst mit gepflanzt hat. Und nun verarbeitet sie den Stamm zu Schlagbäumen. Das ist Kahlschlagpolitik.  [….] Multilateralismus ist ein sperriges Wort für eine einfache Idee: Probleme lassen sich eher miteinander als gegeneinander lösen. Und Konflikte bereinigt man besser durch Kompromisse als durch Konfrontation. Die Geschichte Europas gibt dieser Idee recht. [….] Seither erleben die Europäer, trotz aller Probleme im Einzelnen, die längste und reichste Friedenszeit ihrer Geschichte.   Das alles wird gerade von einer Allianz der Zerstörer angegriffen, deren Paten in Moskau und Washington sitzen, deren Mitglieder aber auch bereits in Warschau, Budapest und Rom regieren. Und womöglich auch schon in München. Diese Kräfte nähren sich - so wie der Monsterclown in Stephen Kings Horrorroman "Es" - an den Ängsten der Menschen. Sie greifen diese auf und verstärken sie, um dann den starken Nationalstaat als Lösung zu präsentieren, der die vermeintlichen Interessen des Volkes kraftvoll gegen die anderen Länder durchsetzt. Das Problem ist nur: Wenn alle so handeln, gibt es am Ende wieder Krieg. [….]   Noch freie Staaten wie Deutschland und die anderen EU-Länder stehen heute mit dem Rücken zur Wand. Sie werden von den USA unter Handelskrieger Trump, vom Sowjetnostalgiker Wladimir Putin und der totalitären Weltmacht China bedrängt. In dieser Lage die Bundesregierung aufs Spiel zu setzen, Europa kaputtzureden und auf nationale Alleingänge zu setzen, ist verwerflich. Markus Söder und Horst Seehofer sind zum Sicherheitsrisiko für die Zukunft Deutschlands geworden. [….]

(Stefan Ulrich, SZ vom 16.06.2018) (…..)

(Let’s go crazy, 16.06.2018)

Es war, wie so oft, ein kapitaler Söder-Fehlschluß. Natürlich wählten, wie zu erwarten, die ganz Rechten das Original. Die AfD zog zweistellig in den bayerischen Landtag ein, Söders CSU sackte auf den blamabelsten Wert seit 1950 ab: Nur 37,2%!

Als Ministerpräsident Beckstein im Jahr 2008 erstmalig die magische 50% verfehlte und nur 43,4% für die CSU holte, jagte ihn die Partei vom Hof.

Söder aber ist die Apotheose der CSU. Mehr CSU geht nicht und gegen ihn geht auch nichts mehr, so daß er auch nach dem für CSU-Verhältnisse absolut erbärmlichen 37 Prozent unumstritten ist.

Heute ist Söder als Herr der Exekutive weiterhin erstaunlich schlecht.

Bayern weist zahlreiche Negativrekorde auf; kaum irgendwo wird die Corona-Pandemie so schlecht gemanaged.

Dennoch könnte Söder groteskerweise der nächste Bundeskanzler werden. Er hat Fans.

Und zwar bei den Grünen.

Die Grünen-Anhänger des Jahres 2020 lieben den Rechtspopulisten. Da beide grünen Parteivorsitzenden ebenfalls klar auf die Union setzen und Schwarzgrün eindeutig RRG vorziehen, steht der Fusion zu einer Oliven-Volkspartei nichts mehr i mWeg. Schließlich schmeißen sich auch die Grünen in Hessen oder Hamburg hemmungslos der CDU an den Hals und verachten die sozialen Ziele der RR-Parteien.

[….] Im SPIEGEL-Gespräch loben und necken sich Markus Söder und Robert Habeck, vor allem der CSU-Chef wirbt für Schwarz-Grün. Finden wir gut, sagt eine Mehrheit der Grünenanhänger – gern mit Söder als Kanzler. [….]  Habeck hatte viel Lob für den CSU-Vorsitzenden übrig.  [….] Gehen da zwei potenzielle Kanzlerkandidaten ihrer Parteien auf Tuchfühlung? Wollen Söder und Habeck den Weg für eine Zusammenarbeit nach der nächsten Wahl ebnen?  [….]  Die meisten Fans hat Schwarz-Grün tatsächlich bei den Grünen. Über 50 Prozent sind für eine Koalition mit CDU und CSU, ein Viertel finden, die beiden Parteien sollten diese »auf jeden Fall« anstreben. Dagegen sind lediglich etwas mehr als 20 Prozent. Im Vergleich zum Sommer hat die Zustimmung noch einmal etwas zugenommen, die Ablehnung ist kleiner geworden. Unionsanhänger sind skeptischer. Knapp über 40 Prozent sprechen sich für eine schwarz-grüne Koalition aus, der Anteil derer, die mehr oder weniger große Vorbehalte haben, ist etwas größer.[….]

(SPON, 14.12.20)