Donnerstag, 5. September 2013

Outing




Dieses grauenhafte Merkel-Steinbrück-Düllchen hatte immerhin ein Gutes. Während ich mich über Raab gruselte, ist mir eingefallen, daß ich bei der letzten Bundestagswahl immer diesen „TV-Total-Erstwähler-Check“ angesehen  habe.


Das war immer sehr lustig – wenn auch sicher nicht repräsentativ. Aber man wird auch 2013 wieder mit Straßenumfragen zugemüllt, in denen desinteressierte Doofe ungeniert in die Kamera grinsen, erklären von Politik nichts zu verstehen  und dann doch ihre irrelevanten Meinungen in das MoPo-Mikro plappern.
Man ahnt ja gar nicht wie verblödet Menschen sein können. Demokratie kann so nicht funktionieren.




Aber das nur am Rande.
Nun könnte man hoffen, daß die sogenannten „Promis“ ein bißchen besser informiert sind und insofern eine Vorbildfunktion einnehmen, für die Wahl und für eine Partei zu werben.
Die allermeisten Personen, die man „aus Film, Funk und Fernsehen“ kennt, hüten sich aber davor ihre politischen Vorlieben bekannt zu machen.
Sie scheinen also entweder Angst davor zu haben politisch Andersdenkende zu verprellen, oder aber sie sind auch nicht gebildeter als die TV-Total-Erstwähler und fürchten sich zu blamieren.
Das ist erbärmlich! In Zeiten von politischer Apathie und einer partiell fragilen Demokratie sollte jeder seine Prominenz nutzen, um auf die Wichtigkeit von Wahlen hinzuweisen.
Ich habe schon immer hochaufmerksam verfolgt, ob sich „Star“ parteipolitisch äußert.
Für den Konsumenten politischer Informationen ist das auch nicht unwichtig zu wissen, wo die Berühmten zu verorten sind.
Ich erinnere mich an ein Talkshow zur Zeit der rot-roten Koalition in Sachsen-Anhalt unter Ministerpräsident Höppner (auch einer von den Guten). Eingeladen war unter anderem Tagesschau-Sprecherin Susanne Daubner, die regelrecht in Wut geriet und sich als strammer CDU-Fan zu erkennen gab.
So etwas möchte ich doch als Tagesschau-Gucker gerne wissen.
Nun ja, vielleicht spreche ich auch von einem hohen Ross aus.
Im politischen Links-Rechts-Schema gibt es eine Bildungskorrelation. Je intellektueller, desto linker.
Es hat Tradition, daß die SPD von Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern unterstützt wird, während die CDU ihre Promis eher unter Fußballern, Schlagerstars und Halbseidenen Typen findet.
Ganz ohne Ironie bekunde ich durchaus Respekt mit den „schwarzen Fans“, die seit Jahrzehnten für die CDU und CSU Werbung machen. Viel mehr Menschen sollten sich outen.
Glücklicherweise geriet ich noch nie in einen Gewissenskonflikt in dem Sinne, daß ich für einen CDU-Fan schwärmte.
Die CDU-Unterstützer fand ich bisher durch die Bank weg charakterlich abstoßend.
Zeit endlich ein paar Namen zu nennen.

Heiner Lauterbach
Uschi Glas

Schauspielerin Uschi Glas (69) gerät regelrecht ins Schwärmen: „Wenn ich an Angela Merkel denke, fallen mir spontan Begriffe ein wie: Bescheidenheit, Besonnenheit, Bestimmtheit, Charme und Verschmitztheit. Ich finde es großartig, wie sich Angela Merkel hier in unserem Land, in Europa und in der ganzen Welt präsentiert.“
(Focus 19.08.13)

Udo Walz
Dieter-Thomas Heck
Regina Halmich
Roberto Blanko
Wolfgang Joop
Heike Drechsler
Marianne und Michael
Michael Stich
Sascha Hehn
Gaby Hauptmann
Otto Rehakel
Dagmar Berghoff

Es fällt auf, daß es sich bei all den Genannten um besondere Blitzbirnen handelt, deren Wahlentscheidung nicht wundert.

Die SPD hat ganz andere Kaliber auf ihrer Seite.

Lisa Fitz
Walter Sittler
Günter Grass
Gesine Schwan
Jürgen Habermas
Eva Menasse
Silvia Bovenschen
Ulrich Beck
Ulrich Matthes
Thomas Quasthoff
Senta Berger
Renan Demirkan
Maren Kroymann
Sten Nadolny
Leonie Ossowski
Tammox

Die ZEIT befragt in ihrer aktuellen Ausgabe 48 Intellektuelle nach ihren Wahlabsichten.
Von ihnen geben beschämende 60% keine parteipolitischen Angaben.
Es finden sich aber immerhin zwei intelligente CDU-Freunde:

Martin Walser und Wolf Biermann.
Also beides Denker, die durchaus mal sehr Gutes geschrieben haben, aber seit Jahren offensichtlich dem Wahnsinn anheimgefallen sind und nun gerne mal kriegslüstern oder antisemitisch daher reden.
Da stimmt das Bild dann wieder.




Martin Walser

Mittwoch, 4. September 2013

Deswegen SPD - Teil XI





Zu Beginn dieser lockeren Pro-SPD-Reihe versuchte ich die Ausgangslage zu schildern. Das publizistische Jaucheloch, in dem die Sozis stecken. 
Das ist aber verdammt ungerecht, weil die korrumpierten Parteien eindeutig die Schwarzgelben sind.

In Angela Merkels gestriger Bundestagsrede war viel davon die Rede, was sie, Plural, also ihre Regierung, tun werden (Futur I).
Eine gute Vorlage, die von der SPD aufgegriffen wurde: Wer hat denn die letzten vier Jahre regiert? Warum hat Frau Merkel nicht längst das umgesetzt, was sie jetzt in ihrer typischen Themen-Klau-Performance angeblich auch alles will?
Pflegenotstand, Altersarmut, Bildungsabfall, 7,5 Mio deutsche Analphabeten, Mietpreisexplosion, Infrastrukturverfall – wo waren denn die Minister Bahr, Schavan und Ramsauer seit 2009? Dabei starteten die Hornissen-Farbigen mit einer Mehrheit in Bundestag und Bundesrat und vollen Kassen.
Unisono sprechen Kommentatoren von der schlechtesten deutschen Regierung seit 1945.
 Selbst die sie tragenden Parteien sehen das genauso und attestierten sich gegenseitig das Verhalten von Wildsäuen und die Fähigkeiten einer Gurkentruppe.

In Deutschland hat sich in den letzten Jahren eine Mischform aus Kakistokratie („Herrschaft der Schlechtesten“ analog zu Aristokratie „Herrschaft der Besten“) und Neopatrimonialismus („Günstlingsherrschaft.“ Kennzeichen sind Klientelismus und politische Apathie).

Die einzig sinnvolle Möglichkeit zu einer besseren Regierung zu kommen, erscheint mir die Umwandlung Deutschlands in eine Tammokratie, so daß ich die alleinige Vollmacht habe politische Ämter und politische Mandate zu vergeben.

Da es bedauerlicherweise nicht hochrealistisch ist für eine entsprechende Grundgesetzänderung eine 2/3-Mehrheit zu bekommen, wird man sich hierzulande erst einmal mit der rudimentären Demokratie begnügen müssen.

Daß Parlamente gewählt werden, ist grundsätzlich auch eine honorige Idee.
Unglücklicherweise läßt der geistige Zustand des deutschen Urnenpöbels diese Option eigentlich nicht zu.
Wir sind mit der als „schlechtesten Regierung aller Zeiten“ agierenden Gurkentruppe aus Schwarz und Gelb am Kabinettstisch geschlagen, die aber schon kurz nach der Wahl von 2009 die Regierungstätigkeit komplett einstellte.
Nicht ein einziges der anstehenden Megaprobleme wurde auch nur angefangen.
Die Kanzlerin kann sich grundsätzlich zu nichts entscheiden. 
Bildung, Pflege, Steuersystem, Infrastruktur, Gesundheitssystemkollaps und vielem anderen mehr wurde beim Vermodern zugesehen.
Die einzigen bemerkbaren Aktivitäten der Merkel-Regierung waren ungenierte Bedienung der Interessen der größten Parteispender und exzessiver Ausbau der Waffenexporte in alle Krisengebiete der Erde.
Die Konsequenzen sind beeindruckend. 
War Deutschland noch unter der Schröder-Fischer-Regierung weltweit einer der beliebtesten Staaten überhaupt, der in Krisenregionen wie Nahost als einziges Land von beiden Seiten gleichermaßen anerkannt und geschätzt wurde, haben der debakulierende Westerwelle und der diskriminierende Schäuble Angela Merkel dabei unterstützt Deutschlands Renommee international wieder auf den Stand von 1945 zurück zu fahren.

Nach einigen Entscheidungen, die nur durch puren Irrsinn zu erklären sind – Milliardenausgaben für die Herdprämie, um das Verdummen der Jugend zu garantieren, Verhinderung von umweltfreundlicherer Automobiltechnologie, Förderung von Kohlkraft, Geschenke an Hoteliers – dachte ich schon fast, nun sei der Vorrat der Verrücktheiten, das Depot des Debakels, der Schatz der Sinnlosigkeit, die eiserne Reserve der Einfalt aufgebraucht.

Aber weit gefehlt.
Schwarzgelb hat noch einiges auf der Pfanne.

Die seit Jahrzehnten unbestritten dümmste und ungerechteste Milliardenausgabe Deutschlands, bildet das „Ehegattensplitting“, das schlicht und ergreifend abgeschafft gehört, weil es nur die Reichen reicher macht und das bloße Vorhandensein einer Eheurkunde belohnt. So fließen viele Milliarden Euro, die dem Fiskus verloren gehen an kinderlose Paare, während unverheiratete Eltern oder alleinerziehende Väter und Mütter nichts bekommen.
Das Geld fließt also zu denen, die es nicht nötig haben und läßt dafür die ärmsten Kinder im Regen stehen. Die Millionärs-Lobbyvereinigung FDP ist glücklich.
Mit einer Familienministerin der Unterbelichtung einer Kristina Schröder wurde an diesem Irrsinn natürlich nichts geändert.
Aber für „nach der Wahl“ plant Merkel ein sogenanntes „Familiensplitting“, bei dem natürlich ganz in CDU-Manier die Reichsten am meisten profitieren, während Hartz-Empfänger und deren Kinder leer ausgehen. Dümmer geht immer bei Schwarzgelb.

Familiensplitting ist neues Klientelgeschenk von CDU/CSU
Zum heute erschienenen DIW-Gutachten über das von CDU und CSU geforderte 
Familiensplitting erklärt der stellvertretende Vorsitzende der 
SPD-Bundestagsfraktion Joachim Poß:
Das vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorgelegte Gutachten macht erneut die systematische Bevorteilung hoher Einkommensbezieher durch die Unionsparteien deutlich. Wo immer Steuerpläne von CDU und CSU auftauchen, wird vor allem die Entlastung der hohen Einkommen vorangetrieben und das mit großem Einsatz verschleiert.
Beim Familiensplitting stellt das DIW fest, dass niedrige Einkommen nur mit 300 Euro entlastet würden, Gutverdiener aber 840 Euro pro Jahr mehr in der Tasche hätten. Damit verschlimmern CDU/CSU die ungerechte Verteilungswirkung des Ehegattensplittings anstatt sie zu begrenzen. Gleichzeitig würde die Reform die öffentlichen Kassen mit sieben Milliarden Euro belasten, kein Cent davon ist im Programm von CDU/CSU gegenfinanziert.
Nach dem gleichen Muster würde auch der von Herrn Schäuble geforderte Abbau der Kalten Progression funktionieren: Was als gut gemeinte Maßnahme getarnt ist, kommt am Ende vor allem den Gutverdienern zu Gute: Wäre der Gesetzesentwurf der Koalition durchgekommen, wäre ein Einkommen von 10.000 Euro jährlich um 19 Euro entlastet worden, ein Einkommen von 54.000 Euro aber um 116 Euro. Und auch hier galt: Ein Loch von mehreren Milliarden Euro im Haushalt wäre durch neue Schulden finanziert worden.

Anlässlich der Kritik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) an den Plänen der Union zur Einführung eines Familiensplittings erklärt Katja Dörner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik:
Ein Familiensplitting ist ungerecht und unausgewogen, weil es nur Familien mit hohem Einkommen begünstigt. Es lässt unverheiratete Eltern komplett außen vor. Zudem behält es die Fehlanreize des heutigen Ehegatten-Splittings mit Blick auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen bei. Deshalb ist der Vorschlag der Union ein Irrweg.
Die DIW-Studie bestätigt einmal mehr, was wir spätestens seit der von der Bundesregierung selbst in Auftrag gegebenen Evaluation der ehe- und familienpolitischen Leistungen wissen: Es gibt eine Schieflage in der deutschen Familienförderung. Schon heute profitieren Familien mit sehr hohem Einkommen über die Kinderfreibeträge mehr von der staatlichen Unterstützung als Familien, die Kindergeld beziehen. Die Union will diese Schieflage verschärfen. Die Bekämpfung der Kinderarmut hat sie offensichtlich nicht mehr auf der Agenda. [….]

Familiensplitting ist weitere leere Schachtel
Anlässlich der Analyse des DIW zum geplanten Familiensplitting der Union 
erklärt die Sprecherin der Arbeitsgruppe Gleichstellungspolitik der 
SPD-Bundestagsfraktion Christel Humme:
Von wegen Entlastung von Familien: Das von Schwarz-Gelb geplante Familiensplitting ist nichts als eine weitere leere Schachtel im Schaufenster von Union und FDP. Zu diesem Ergebnis kommt auch das DIW in seinem aktuellen  Wochenbericht nach der Analyse der schwarz-gelben Steuerpläne. Denn am stärksten profitieren Gutverdienende vom Familiensplitting der Koalition; vor allem Alleinverdiener-Ehen haben den größten Steuervorteil. Das traditionelle Rollenbild wird so weiter festgeschrieben. Damit werden Frauen in der Armutsfalle gehalten.
Nach der Ausweitung der Minijobs und der Einführung des Betreuungsgeldes passen diese Steuerpläne jedoch in das traurige Bild, das die Bundesregierung in Sachen Gleichstellung bietet. Die Politik der Bundesregierung ignoriert weiter die gesellschaftlichen Realitäten. Alleinverdiener-Ehen sind ein Auslaufmodell, das sich viele Paare nicht leisten können und wollen.
Der geplante Partnerschaftstarif der SPD für Neu-Ehen funktioniert anders: 
Beide Ehepartner werden unter Berücksichtigung von Unterhaltsverpflichtungen getrennt besteuert und so die Subventionierung von Alleinverdiener-Ehen gestoppt. Erwerbstätigkeit lohnt sich auch dann, wenn beide Partner unterschiedlich viel verdienen. Das erleichtert es vor allem Frauen, sich für eine Berufstätigkeit und damit für eine eigenständige Absicherung zu entscheiden – unabhängig vom Familienstand.

Es ist EBEN NICHT SO, wie einige Nichtwähler und Piratenfans behaupten, daß es egal wäre, ob die SPD oder die CDU regiert.
Wer nicht der regierungsfähigen Opposition – und das sind nur Grüne und SPD – seine Stimme gibt, sondern Merkel und die FDP eine Stimme näher zur Kanzlermehrheit bringt, indem er der dem Steinbrücklager eine Stimme vorenthält, ist ganz konkret für solche Schweinereien mitverantwortlich, daß REICHE EHEPAARE gefördert werden und HartzIV’ler mit Kindern leer ausgehen.
Darum geht es bei der Bundestagswahl – um eine Richtungsentscheidung für die Jahre 2013-2017 und nicht um verletzte Gefühle aus dem Jahr 2002.

Der nächste Unfug
Das Ehegattensplitting ist ungerecht und setzt falsche Anreize. Das "Familiensplitting" soll künftig auch die Kinder in die Steuerberechnung einbeziehen - doch das würde die Ungerechtigkeit nur noch schlimmer machen.
[…] Mittlerweile aber ist das Ehegattensplitting zunehmend schlecht beleumundet. Aus gutem Grund, denn das aus einem anderen Jahrhundert stammende Steuerprivileg ist ungerecht und setzt falsche Anreize: Es bevorzugt reiche Ehepaare mit nur einem Gehalt und belohnt Frauen, die nach der Geburt eines Kindes dauerhaft daheim bleiben. Das […]
vermeintliche Zauberwort "Familiensplitting" […] klingt gut - ist es aber nicht, denn durch ein Familiensplitting würden die Nachteile des Ehegattensplittings noch potenziert: Hauptnutznießer wäre der Top-Manager mit einer nicht arbeitenden Gattin und vier, fünf Kindern - er würde im Jahr viele tausend Euro an Steuern sparen.
Statt solcherlei Unfug zu planen, sollte die Koalition die Familienförderung komplett von der Steuer entkoppeln und allen Eltern, unabhängig vom Einkommen und der Frage, wer arbeitet, ein einheitliches, höheres Kindergeld zahlen.

Dienstag, 3. September 2013

Die GOPer


Obwohl ich gerade jetzt wieder stündlich mit der Nase drauf gestoßen werde was für eine Versammlung von miesen Heucheln der CDU ist, hege ich den Verdacht, daß von alle westlichen konservativen Parteien die amerikanischen Republikaner, die GOPer, die Abartigsten sind. Neuere rechts-komödiantische Gaga-Trupps wie die Österreichischen FPÖ und BZÖ, die Italienische Popolo della Libertà oder die Niederländische rechtspopulistische Partij voor de Vrijheid mal ausgenommen.
(G.O.P. = Grand Old Party, wie sie sich selber nennen, oder nach der neueren Deutung ob der massenhaften schwulen Sexskandale der GOP-Politikern auch „Gay Old Party“).
Die GOPer sind etwas anders als Europäische Parteien des rechtesten Spektrums.
Das fängt schon damit an, daß ihre Parteifarbe für europäische Augen sehr verwirrend rot ist.
Während die Partij voor de Vrijheid und die Popolo della Libertà von ihren Vorsitzenden Geert Wilders, bzw Silvio Berlusconi nach Belieben dominiert werden, spielt in Amerika der Parteivorsitzende Reince Priebus nur eine geringe Rolle.
Die Mächtigen der Republikaner sind die Mandatsträger, also beispielsweise George W. Bush während seiner Amtszeit und heutzutage der stramm konservative John Boehner (Speaker of the House) und der noch viel fundamentalistisch-konservativere Eric Cantor (Mehrheitsführer). Etwas mehr im Hintergrund steht Mitch McConnell, der Chef der GOPer im Senat, weil er eine Minderheitsfraktion führt.
Außerdem hat die durch einen Elefanten symbolisierte Partei eine lange Geschichte.
Die beiden großen amerikanischen Parteien machten in den 1960er Jahren eine Art Polit-Rochade durch. Als die GOP 1854 gegründet wurde, war sie die sehr viel Progressivere und setzte sich für die Abschaffung der Sklaverei ein.
Zur Zeit des republikanischen Präsidenten Lincoln wurden die Partei von den Südstaatlern als „Nigger-Freunde“ gehasst. Sie waren die bösen „Yankees“, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die US-Politik klar dominierten.
Nach der Dominanz der Demokraten in den 1930er und 1940er Jahren (FD Roosevelt und H.S. Truman) folgte mit dem Weltkriegsgeneral Eisenhower erstmals wieder ein Republikaner.
Während der Studentenunruhen, der Bürgerrechtsbewegung und des Kampfes um gleiche Rechte der Schwarzen, verkehrten sich die politischen Vorzeichen. Die Demokraten schlugen sich auf die Seite der Protestler, während die Republikaner immer konservativer wurden.
Die Parteien waren in den 60er und 70er Jahren ungefähr gleich stark, bis 1980 Ronald Reagan kam und die gesamte US-Politik nach Belieben beherrschte. Er fuhr wahre Erdrutschsiege ein, bei denen oppositionelle Kandidaten nicht den Hauch einer Chance hatten. Bei seiner Wiederwahl 1984 holte RR unglaubliche 98% der Wahlmännerstimmen.
Es begann die große Zeit der Evangelikalen und Frömmler, der „moral majority“, der „family values“ – also all der Bewegungen, die strikt gegen die Gleichberechtigung von Frauen, Schwarzen oder gar Schwulen waren.
Unter G.W. Bush hatte die GOP die Metamorphose so weit vollzogen, daß Ratio und Realität endgültig aus der Partei vertrieben waren.
Unter dem Symbol des Elefanten versammelten sich jetzt nur noch Xenophobe, Fundamentalisten, Militaristen, Reaktionäre, Rassisten und Großindustrielle.
Unter George Bush lautete die Devise nur noch Krieg, Gebete und Borniertheit.
Wissenschaftler wurden zu Feinden, man verneinte den Klimawandel, gab den Schwulen die Schuld an AIDS und begann an den Schulen Creationismus statt Evolution zu lehren, Enthaltsamkeitsringe, statt Sexualaufklärung zu vermitteln. Sozio-Ökonomisch verschob sich das Gewicht zu den reichsten 10.000 der Nation.
Die Vermögen der Milliardäre explodierten, Manager verdienten bis zum 1000-fachen eines Arbeitermonatslohns. Das Steuersystem wurde zu Gunsten des reichsten 1% umgestaltet. Da sich die Staatskassen leerten, wuchsen Schuldenberge, während Amerikas Infrastruktur verrottete und die amerikanischen Schulen immer maroder wurden.
Kaum zu glauben, aber wahr:
Nach Barack Obamas Wahlsieg triggerte seine Hautfarbe noch einmal die niedersten Instinkte der Menschheit. Die völlig verblödeten Teebeutler übernahmen die Macht und setzen auf Destruktivismus, Obstruktion und blanken Hass.
Ungeniert fügen die GOPer bis heute der eigenen angeblich so heißgeliebten Nation kontinuierlich schweren Schaden zu, indem sie beispielsweise die Blamage einer USA-Zahlungsunfähigkeit herbeiführen wollen oder dem Volk eine Krankenversicherung vorenthalten. Die Parole lautet „Hauptsache dem Neger schaden“
Präsident Obama konnte machen was er wollte. Für jeden Plan, der der US-Wirtschaft gut getan hätte, holte er sich ein garstiges „Nein“ aus dem Kongress.

Aber nun, auf einmal, nach fünf Jahren Obama, wird erstmals das Betteln und Bitten des Präsidenten erhört. Die GOPer werden ihn unterstützten.
Denn es gibt eine Sache, die Republikaner noch mehr lieben, als sie Obama hassen können.
 Das sind Kriegseinätze!

Republikaner Boehner stützt Obamas Syrien-Kurs
US-Präsident Obama hat die Entscheidung über einen Militärangriff auf Syrien in die Hände des Kongresses gelegt. Diese riskante Strategie könnte aufgehen. Am Dienstag hat der ranghöchste Republikaner im Kongress, John Boehner, dem Präsidenten seine Unterstützung zugesichert. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses rief seine Kollegen auf, sich ebenfalls hinter Obama zu stellen.
[…] Boehner traf am Dienstag im Weißen Haus mit Präsident Obama und anderen führenden Kongressabgeordneten zusammen.[…] Eric Cantor, republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, sagte: "Ich werde dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Möglichkeit geben, militärische Gewalt in Syrien anzuwenden."
[…] Bereits am Montag hatte der Präsident mit den einflussreichen republikanischen Senatoren John McCain und Lindsey Graham gesprochen. Beide Oppositionspolitiker sprachen sich grundsätzlich für einen Militäreinsatz in Syrien aus, forderten von Obama aber zugleich eine Strategie für eine stärkere Unterstützung der syrischen Aufständischen.

Montag, 2. September 2013

Zum Mitschämen



Wie ich gestern mal wieder erwähnte, fiel unsere heißgeliebte Bundesregierung vier Jahre durch glatte Arbeitsverweigerung auf.
Die Kanzlerin rühmt sich ungeniert damit beim Schuldenabbau erfolgreich gewesen zu sein, obwohl sie in vier Jahren über 100 Milliarden Euro neue Schulden aufgetürmt hat.
Dabei müssen Schulden noch nicht einmal grundsätzlich verkehrt sein.
Es hängt zum Beispiel davon ab, wo man sich das Geld leiht.
Hat ein Land eine so hohe Sparquote wie Deutschland, so daß der Finanzminister quasi bei den eigenen Kleinsparern für stabile Zinsgewinne sorgt und diese dann wieder als Nachfrage in die deutsche Wirtschaft eingehen, sind Schulden eigentlich vernünftig. Vernünftiger jedenfalls als in einem Land wie der USA, deren eigene Bürger keine Sparbücher kennen, mit Dutzenden Kreditkarten jonglieren und alles auf Pump kaufen. Dann muß man sich das Geld in China borgen und wird abhängig von einer anderen Nation.
Ob Schulden einigermaßen vertretbar sind, ist ferner davon abhängig, ob das zusätzliche Geld von der Regierung ökonomisch sinnvoll eingesetzt wird.
Als „sinnvoll“ gelten beispielsweise Konjunkturmaßnahmen oder klassische Zukunftsinvestitionen, wie der Ausbau von Schulen, Hochwasserschutz oder die Errichtung von Anlagen zur Gewinnung von regenerativer Energie.
Ganz sicher keine sinnigen Ausgaben sind hingegen die schwarzgelbe Lobbybeglückung wie Hotelsteuerermäßigung oder die Bildungsfernhalteprämie, mit der die Verdummung von Jugendlichen aktiv gefördert wird, indem sie von frühkindlicher Bildung und dem Erlernen sozialer Fertigkeiten abgeschnitten werden.
Einig sind sich aber alle Experten, daß Schulden etwas für Not- und Ausnahmesituationen sind. Sobald ökonomisch rosigere Zeiten anbrechen, sollte der Staat anfangen Geld zurück zu zahlen, da die künftigen Generationen sonst immer weniger Spielraum haben, wenn die Steuereinnahmen weitgehend für Zins- und Tilgungszahlungen verplant sind.
Wolfgang Schäuble erlebte durch die konstruktive Arbeit seiner beiden Vorgänger Eichel (April 1999 bis November 2005) und Steinbrück (November 2005 bis Oktober 2009) rosige Zeiten. Die Steuereinnahmen sprudelten wie nie. Ohne eigenes Zutun füllten sich die Kassen des Finanzministers, der darüber hinaus auch noch 60 Milliarden Euro Zinsen sparte, weil Deutschland das Geld auf dem Kapitalmarkt derzeit hinterher geworfen wird.
Es ist also die klassische Tilgungssituation, in der unbedingt Schulden zurück gezahlt werden müßten.
Hier versagten Kanzlerin und ihr Finanzminister auf ganzer Linie, indem sie das Geld mit vollen Händen hinauswarfen. Schäuble schaffte es gerade mal die Ausgaben im letzten Jahr etwas weniger als die Einnahmen ansteigen zu lassen. Aber die Ausgaben des Bundes stiegen in jedem Schäuble-Jahr. Haushaltskonsolidierung ist das nicht!
Man fragt sich wie blamabel der Mann erst agieren wird, wenn die Schlaraffenlandzeiten, in denen er wie Sterntaler im Geldregen steht einmal enden sollten.
Es gibt nichts daran zu rütteln: Schwarzgelb ist Gift für solide Finanzen.
Wenig verwunderlich für eine Regierung, die so dreist Energie-intensive Betriebe, Atom- und Kohlekraftwerke, Pharmaindustrie, Hoteliers und Waffenindustrie mit Steuermitteln pampert.
Merkels Lieblingsministerin Schavan, die strenggläubige, zölibatäre Katholikin gab das Geld lieber für Waffen, als für Kinder aus.

Das Haus unterstützt auch zahlreiche Rüstungskonzerne mit Millionen - das geht aus einem aktuellen Katalog hervor, der laufende und abgeschlossen Förderprojekte beschreibt. Mittel aus dem Haushalt des BMBF haben unter anderem namhafte Branchenvertreter wie Diehl Defence, Thales Defence oder Rheinmetall Defence erhalten. Allein Cassidian, die Rüstungssparte des EADS-Konzerns, bekommt zur Zeit in sieben Projekten rund vier Millionen Euro aus dem Forschungsetat.  […] Annette Schavan hilft nun der hiesigen Rüstungsindustrie, dieses Geschäftsfeld weiter zu erschließen. Im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit" hat das Ministerium in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 279 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, Anfang des Jahres wurde das Programm verlängert.

Waffen, Waffen und immer wieder Waffen – dafür hatte Merkel stets ein offenes Ohr. Dazu noch die Karriereförderung der eigenen Parteikader.
Dafür war bei dieser Christenregierung eben nie Geld übrig.

Aber ich will nicht ungerecht sein. Bei einer Sache hat die Bundesregierung recht ordentlich gespart. Beim Kampf gegen Xenophobie, Antisemitismus, Homophobie sagte Merkels braune Freundin Schröder immer wieder STOPP.
Was haben die Schwarzgelben angesichts der Morde der NSU und des Totalversagens der Geheimdienste nicht für betroffene Gesichter gemacht.
Aber den Kampf gegen Nazis verhindern sie, indem sie die Mittel entziehen.
Diese Regierung ist nicht nur politisch, sondern auch moralisch vollkommen gescheitert.

Kusche ist Geschäftsführer einer sächsischen Opferberatung, die voriges Jahr allein 206 Menschen betreute, die Zielscheibe rechter Gewalt geworden waren. Die RAA Sachsen e. V. engagiert sich seit zwölf Jahren gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Doch nun sieht es danach aus, als gäbe es für den Verein keine Zukunft – wie für etliche andere Anti-Nazi-Initiativen in der Republik auch.
 „Wir stehen vor dem Aus“, sagt Kusche. Organisationen wie die RAA wurden bislang vor allem durch Mittel des Bundesfamilienministeriums finanziert. Für das Programm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ verteilte die schwarz-gelbe Koalition zuletzt 24 Millionen Euro pro Jahr an die Länder. Doch Ende September läuft das Projekt aus. Kusche hat seine Mitarbeiter bereits über die bevorstehenden Entlassungen informiert, spätestens zum 1. Oktober muss der Verein die Büros kündigen.
Politiker betonen gern die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements. Nach der Enttarnung der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) beschworen Vertreter aller Parteien ein verstärktes Vorgehen gegen Rechtsextremismus. Was läge daher näher, als jene Menschen und Institutionen, die sich tatkräftig gegen Neonazis einsetzen, auch materiell zu unterstützen?
Monatelang hat das gemeinnützige Berliner Unternehmen Phineo die Wirksamkeit eines Engagements gegen rechte Umtriebe untersucht.
 In ihrem Bericht, der diese Woche vorgestellt werden soll, kritisieren die Forscher das staatliche Förderchaos und die chronische Unterfinanzierung von Anti-rechts-Initiativen. „Selbst prämierte Vereine, deren Beitrag für die demokratische Kultur in Deutschland unbestritten ist, kämpfen ums Überleben“, urteilt Phineo-Vorstand Andreas Rickert. So steht etwa der Berliner Verein Violence Prevention Network vor der Auflösung. [….]
(DER SPIEGEL 36/2013)