Mittwoch, 5. Juni 2013

Die großen Maschen des sozialen Netzes.


Nach 44 Jahren SPD-Herrschaft in Hamburg stellten mit dem schwarz-braunen Duo Beust/Schill im Jahr 2001 die Konservativen die Regierung. Sofort begannen sie das Tafelsilber zu verkloppen, um sich mit den Erlösen Denkmäler zu setzen – Elbphilharmonie und Europapassage z.B.
Jene Elbphilharmonie, deren Baukosten der CDU-Senat auf 77 Millionen Euro festsetzte. Von den 77 Mios würde aber der größte Teil „aus der Wirtschaft“ kommen.
Aktuell belaufen sich bei Baukosten auf 800 Millionen, von denen allein Ole von Beusts Architektenbüro schon 125 Millionen eingesackt hat.
Legendär ist das Desaster, das Beust mit dem Verkauf der Hamburger Krankenhäuser (LBK) an Asklepios anrichtete.

29.2.2004: Beim Volksentscheid stimmen 76,8 Prozent der Wähler gegen den LBK-Verkauf.

7.9.2004: Ole denkt sich „scheiß auf die Demokratie - Finanzsenator Peiner hat doch da diesen netten Vetter bei Asklepios“ und so beschließt der Senat den Verkauf des LBK an den privaten Betreiber Asklepios.

Neun Jahre später ist Aspklepios-Besitzer Broermann zwei Milliarden Euro reicher und seine Angestellten haben teilweise nicht mal einen Tarifvertrag. 
Heute streikten die Mitarbeiter vor dem Asklepios-Krankenhaus St. Georg.
100 Servicemitarbeiter fordern einen einheitlichen Haustarifvertrag. Doch die Unternehmensleitung lehnt weitere Verhandlungen ab […] Wenn sich Wut in Dezibel messen lassen würde, wäre die Obergrenze fast erreicht: Riesenwut. Gemeinsam mit etwa 100 anderen Servicemitarbeitern der Asklepios Kliniken steht Schoop vor dem Eingang des AK St. Georg an der Langen Reihe. Es sind Reinigungskräfte, Wachleute, Küchenhilfen, Lagerarbeiter aus allen Häusern. […]

Bereits zum dritten Mal seit Mitte Mai hat Ver.di zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert einen Haustarifvertrag für die Tochterfirma Asklepios Services Hamburg (ASH). […] "Nach wie vor gibt es keine Bereitschaft, die 900 Beschäftigten angemessen zu entlohnen", kritisiert Björn Krings von Ver.di. […] Nach der Privatisierung des Hamburger Landesbetriebes Krankenhäuser 2007 waren die Servicebereiche in Tochterfirmen des Asklepios-Konzerns ausgelagert worden. Die Folge: Der Tarifvertrag der Hamburger Krankenhäuser muss nicht angewendet werden. […] Margerit Amori verdient 1100 Euro im Monat. Seit zwei Jahren arbeitet sie als Servicekraft im Klinikum Nord, ist etwa für Essenverteilung zuständig. Die Schichten gehen von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends - mit zwei Stunden Pause. "Harte Arbeit, wenig Geld", sagt die 48-Jährige, während sie mit den anderen Demonstranten über den Steindamm zieht. Viele Kollegen hätten Zweitjobs oder seien auf Hartz IV angewiesen. Auch Amori denkt darüber nach.

So geht es vielen. Küchenhelfer Harald Lünstedts Bruttostundenlohn liegt bei 8,38 Euro.
Der Zufall wollte es, daß ich am Sonntag zehn Stunden (als Begleitung) in der Notaufnahme des Asklepios St. Georg gehockt habe. Natürlich wäre ich lieber in dem von mir hochgeschätzten UKE gelandet, aber dort gab es am Sonntag einen Aufnahmestopp wegen totaler Überfüllung.
Wer schon mal sonntags in einer Notaufnahme gesessen hat, weiß wie unspaßig es dort zugeht.
Das Krankenhaus St. Georg ist aber noch mal eine Nummer gruseliger, weil es das sozial eher problematische Publikum von St. Pauli und der Reeperbahn mitversorgen muß.
Die St-Georg-Notaufnahme ist so wie man sie aus den diversen Fernsehreportagen kennt.
 Jede Menge verlauste Penner und Volltrunkene, Polizei, Security-Leute, Patienten, die sich Kopf an Fuß auf Tragen im Flur stapelten. Dreck-starrende Fenster und auf dem Weg zum Röntgenraum habe ich später mit meiner Haarfrisur ein paar Spinnenweben einsammelt, die sich vom Tür-Sims zur Deckenleuchte spannten. 
 Das Warten war eine echte Quälerei, weil der Patient zusammengesackt auf einem ausgeklappten Tragestuhl hing und trotz der Zufuhr von 6 Liter O2 über Maske immer weniger Luft bekam. 
Das Personal war dermaßen überlastet, daß wir allein auf die Röntgenaufnahmen von 16.00 bis 20.00 Uhr warten mußten.
 Immerhin wurden MEINE Bronchien auf dem Weg in den Radiologie-Raum frei, weil die Pfleger im Gang konzentriertes Minzöl versprüht hatten, nachdem ein in der Ecke vergessener Obdachloser eingekotet hatte.
Der Transport-Mann sagte nur trocken, daß wir sicher noch viel weniger gern durch den Flur ohne Minzölbehandlung gefahren wären.
 Das habe ich auf’s Wort geglaubt angesichts der Gestalten, die dort umher wankten und sicher seit Jahren keine Dusche mehr gesehen hatten. Erst um 22.30 Uhr, nach neun Stunden Wartens wurde dem Patienten etwas Erleichterung durch eine Sultanol-Inhalationsmaske und eine Cortison-Infusion verschafft. 
Vor allem war es in der Notaufnahme aber absolut  VOLL - wirklich wie in einem Entwicklungsland. Jeder Zentimeter auf den Fluren zugestellt mit Tragen, auf denen irgendwelche Maladen lagen - und natürlich lauter Leute mit kleineren Verletzungen, die noch viel länger warten mußten. Vor dem Röntgenraum lag ein Typ mit einem von seiner Freundin zerstampften Zeh, der schon ganz blau anlief. 
So ein Hipster, Mitte 20. Der war offenbar schon den ganzen Tag da und sah immer nur zu wie dringendere Fälle vor ihm geröntgt wurden. Vermutlich sitzt der immer noch da – konserviert von einer konzentrierten Minz- und Lavendelöl-Wolke.

Heute erlebte ich auf der C-F1-Station; das ist die internistische Monitoring-Aufnahmestation; die nächste ganz schwere olfaktorische Katastrophe. 
Im Nachbarbett lag eine 89-Jährige obdachlose Frau, die ausgetrocknet war und unter Luftnot litt.
Als sozial eingestellter Mensch ist das ein echtes Dilemma. Natürlich kann ein Obdachloser nicht so hygienisch sein, wie wir etwas Glücklicheren. Man hat Mitleid. 
Gleichzeitig ist es aber extrem schwer auszuhalten diesen permanenten Gestank zu erdulden.
Wie sich rausstellte, war diese fast 90-Jährige Dame erst dieses Jahr obdachlos geworden!
Sie lebte bisher allein in einer kleinen Wohnung in Stuttgart von einer winzigen Rente, bis ihr die steigenden Kosten so über den Kopf wuchsen, daß ihr die Wohnung gekündigt wurde.
Ich wußte bisher gar nicht, daß es überhaupt möglich ist eine 89-Jährige buchstäblich auf die Straße zu setzen. Offenbar aber doch.
 Ihr einziger Verwandter, ihr Sohn, lebt von Gelegenheitsjobs als Handwerker in Hamburg. Auch er hat keine feste Adresse, weil er keinen festen Job hat, weil er keine feste Adresse hat, weil er keinen festen Job hat.
Er versucht sich so gut es geht um seine inzwischen nach Hamburg gepilgerte Mutter zu kümmern, aber natürlich ist die Straße nicht gerade ideal für eine fast 90-Jährige, die zudem auch noch bis auf die Knochen abgemagert war.
Ich hätte sie aus dem Bett pusten können; so dürr war sie. Wie ein Skelett.
Sie wurde von der Polizei mit Atemnot gefunden und ins Asklepios St. Georg gebracht. 
Dort versuchte man sie natürlich so schnell wie möglich wieder loszuwerden, weil sie eindeutig ein Pflegefall ist. Allerdings kann die Krankenhaus-eigene Sozialstation nicht tätig werden, weil die Patientin aus einem anderen Bundesland kommt, und sich Asklepios nur um die Anwohner kümmert.

Immer wieder habe ich die Reformen gegen pauschale Angriffe von ganz links verteidigt.
Daß man in Deutschland aber 90-Jährige unterernährte Frauen auf die Straße wirft, ist unabhängig von der Gesetzeslage einfach ein extrem beschämender und skandalöser Vorfall.

Wenn man dann noch ansieht wie locker die Bundeskanzlerin mal eben wieder 30 Milliarden Wahlgeschenke verteilt (von denen das meiste Geld bei den Reichsten bleibt), kann man angesichts solcher Schicksale, wie dem der Dame, der ich heute begegnete, nur noch die kalte Wut in sich aufsteigen spüren. Altersarmut ist das was uns die Regierung merkel einmal hinterlassen haben wird.
Insbesondere in Ostdeutschland kommt es vor, daß Arbeitgeber UNTER ZWEI EURO Stundenlohn bezahlen – mit freundlicher Rückendeckung der Bundesregierung.
Stundenlöhne von bis zu 1,32 Euro: Jobcenter müssen solche Gehälter mit Hartz IV ergänzen, damit es für die Betroffenen überhaupt zum Leben reicht. Jetzt gehen die Behörden in ganz Ostdeutschland gerichtlich gegen die Arbeitgeber vor. […] So erhielt eine Verkaufshilfe 1,67 Euro die Stunde, ein Mitarbeiter eines Imbissbetriebs 2,70 Euro und ein Arbeitnehmer in einem Callcenter weniger als zwei Euro. "Die Vergütung richtete sich dabei nach dem Anrufaufkommen und nicht nach der Arbeitszeit", sagt der Geschäftsführer des Jobcenters Andreas Wegner.

Während Merkel und von der Leyen das „Jobwunder“ bejubeln und Milliarden für Sinnlosigkeiten wie die Herdprämie verplempern, kommt bei denen, die tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind immer weniger an.

Nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Professor Stefan Sell von der Hochschule Koblenz hat sich die Situation in den Jobcentern in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Die finanziellen Mittel zur Förderung und Eingliederung von Langzeitarbeitslosen seien um die Hälfte eingedampft worden, kritisiert Sell im Frontal21-Interview, gleichzeitig sei aber die Zahl der Hartz IV-Empfänger nicht zurückgegangen. Viele Mitarbeiter in den Jobcentern seien mit ihrer Arbeit „brutal überfordert“.

Das bestätigt auch der Vorsitzende der Jobcenter-Personalräte, Uwe Lehmensiek, im Interview. Die hohe Arbeitsbelastung in den Jobcentern führe zunehmend dazu, dass Mitarbeiter dauerhaft krank werden, klagt er. Der Krankenstand sei relativ hoch. Das habe zu Folge, dass zunehmend Anträge nicht rechtzeitig bearbeitet werden können. So seien Mitarbeiter auch immer häufiger Beschimpfungen und Bedrohungen unzufriedener Klienten ausgesetzt.

Selten sind solche „Härtefälle“ nicht.
Je mehr das deutsche Sozialsystem sich auf der sinnlosen Suche nach Einzelfallgerechtigkeit verstrickt (hier kann nur das bedingungslose Grundeinkommen abhelfen, welches auch Hundertausende Sozialgerichtsverfahren ersparen würde!), fallen immer mehr Menschen durch die Maschen, während sich gleichzeitig eine gewaltige Sozialindustrie gebildet hat und lauter findige Unternehmer – unter anderem die Kirchen – eine goldene Nase an den Arbeitslosen verdienen.

In einer der letzten Frontal 21-Sendungen wurde berichtet, daß allein 300.000 Haushalten in Deutschland jährlich der Strom abgestellt wird. (Kein Strom für Arme – Wenn Licht und Wärme zu teuer sind. Sendung vom 21. Mai 2013)
Es reichen schon 100-Euro-Zahlungsrückstand – was bei einer Familie oft nur ein Monat ist – und schon kann der Versorger die Leitungen kappen.

Während der Hartz IV-Regelsatz seit 2008 um nur 5,6 Prozent gestiegen ist, sind die Stromkosten dagegen um 35 Prozent in die Höhe geschossen. Durchschnittlich fehlen Familien, die Hartz IV beziehen, jährlich 240 bis 280 Euro für Strom - mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen, warnt der Paritätische Gesamtverband.

O-Ton Ulrich Schneider, Der Paritätische Gesamtverband: In Deutschland kann zu schnell und zu einfach der Strom abgesperrt werden. Wir müssen uns vorstellen, wenn eine Familie, sagen wir mal mit zwei ganz kleinen Kindern, vielleicht ein Baby, im Winter im Dunkeln sitzt und es möglicherweise auch noch kalt in der Wohnung ist, dann ist das barbarisch einfach.

Hannover - Die Stromsperre droht auch der alleinerziehenden Mutter Nicole Tanriverdi. Sie bekommt mit 37 Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Dazu Hartz IV. Ihr wurde bereits zwei Mal die Sperre angedroht. Sie hat Krebs. Ihr Arzt hat ihr in einem Attest bestätigt,
Zitat:  „Aufgrund einer Krebserkrankung ist meine Patientin auf Strom und Wärme angewiesen.“
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Wenn ich keine Wärme habe, fangen meine Knochen an weh zu tun.
O-Ton Frontal21: Wie kommt das?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Durch meine Krebserkrankung.
O-Ton Frontal21: Und was können Sie dann? Was können Sie nicht?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Ich kann dann gar nichts mehr. Ich kann dann nicht richtig laufen. Muss mich hinlegen. Medikamente nehmen. 
Die Heizung ist eine Gastherme, hängt am Stromnetz. In wenigen Monaten sind für Nicole Tanriverdi und ihren Sohn 700 Euro Stromschulden aufgelaufen. Die erste Sperre konnte sie durch eine Spende verhindern. Jetzt muss Nicole Tanriverdi wieder befürchten, daß ihr der Strom abgestellt wird.
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Ich kann gar nichts machen, weil wenn die kommen, dann wird’s ausgestellt. Machen kann ich da gar nichts.
O-Ton Frontal21:Und das Jobcenter?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Das Jobcenter, das prüft erst mal, ob überhaupt ein Darlehensanspruch besteht.
O-Ton Frontal21: Aber eigentlich ist’s ja schon zu spät?
O-Ton Nicole Tanriverdi, Stromkundin: Eigentlich ist es schon zu spät.


In einem Land, in dem man 89-Jährige Frauen auf die Straße wirft und krebskranken Frauen Heizung und Strom abstellt, sollten sich Merkel und von der Leyen ihre Selbstzufriedenheit verkneifen.

Vor allem aber sollten sie unter keinen Umständen wiedergewählt werden!

Dienstag, 4. Juni 2013

Der Unangenehme - Teil II


Gauck – Man muss ihn einfach lieben.
Der Bundespräsident, der angeblich die Freiheit so sehr liebt, hat nur ein Ideal, welches er noch mehr verehrt. Sich selbst.

Er ist rund um die Uhr intensiv mit Gauck-Sein beschäftigt, berauscht sich an seiner eigenen Bedeutung.
Demonstrationen gegen Hartz-IV findet er kümmerlich und bescheinigt stattdessen Thilo Sarrazin Mut für dessen Thesen.
Aber der Wert der Freiheit und auch sein Amtseid kümmern ihn wenig, wenn er stattdessen einer Religion Privilegien zuschieben möchte.
Das Recht auf Freiheit VON der Religion und die Unversehrtheit des eigenen Körpers ignoriert Gauck ausdrücklich und spricht sich unter Inkaufnahme von Todesfällen und Impotenz für die Genitalverstümmelung an Säuglingen aus.

Aber er kann sich auch gänzlich in der Bedeutung an sich verlieren.
Bei seinem Antrittsbesuch bei der Führungsakademie der Bundeswehr herzt Gauck die schwarzrotgoldene Fahne. Macht sich quasi eins mit dem nationalen Symbol Deutschlands.
Bundespräsident Joachim Gauck weiß um die Macht der Bilder. Bei seiner Rede in der Führungsakademie der Bundeswehr fasst er die Deutschlandfahne an.
Bizarrer geht es nicht mehr.
Wie beeindruckt Gauck von sich selbst ist, zeigte er schon in der ersten Minute seiner Nominierung. Er erfuhr im Taxi von seiner baldigen Wahl zum Staatsoberhaupt.
Als Gaucks Handy klingelte, habe er die Musik leiser gedreht, erzählt Belon der "Bild"-Zeitung. "Als Taxifahrer hört man nie so genau hin, was die Leute am Telefon sagen. Aber ich habe trotzdem gehört, wie er sagte: 'Okay, ich bin einverstanden. Ich mache das'", berichtet der 44-Jährige.

Gauck hatte das Taxi am Flughafen Tegel genommen, am Berliner Kaiserdamm sei es dann zu dem Telefonat gekommen. Der 72-Jährige habe danach ganz ruhig die neue Route bestimmt: "Sie fahren jetzt den neuen Bundespräsidenten. Wir müssen die Richtung ändern und direkt zum Bundeskanzleramt fahren."
Der „unbequeme Präsident“, der er sein wollte, wurde Gott, äh Gauck, dann aber doch nicht.
Er ist viel zu sehr damit beschäftigt sich selbst zu bewundern, als daß er sich beispielsweise darum kümmern könnte sich für das Projekt und das Ansehen Europas zu engagieren.
Er forderte lediglich von der Kanzlerin ein, „Europa zu erklären“.
Dringend nötig wäre es. Herrschen doch eklatanten Wissenslücken und Falschinformationen vor, die zu einem hochbrisanten Europafrust führen.
Skepsis gegenüber Einwanderern, Roma und Sinti, gegen Schwule – gegen alles nicht Konforme nimmt derzeit zu in Deutschland.
Gauck hat dazu nichts zu sagen.

Er läßt sich lieber feiern. 
Zum Beispiel auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg vor einem Monat, als er von Springers rechtskonservativer WELT bejubelt als Prediger auftrat und sich in einer zum Mitschämen geeigneten Weise an den ohnehin omnipräsenten Samuel Koch ranschmiss.
Bundespräsident Joachim Gauck hat sich kritisch zur Abtreibungspraxis in Deutschland geäußert. Manche Menschen machten sich die Frage danach, ob ein Kind geboren werden solle oder nicht, „einen Tick zu leicht“. Dazu trage eine in Teilen der Gesellschaft verbreitete Auffassung bei, die „nichts abverlange“ und von einem lockeren Leben und einer Vermeidung von Risiken geprägt sei. „Wir haben abgetrieben, wenn es überhaupt keinen Grund gab abzutreiben“, sagte Gauck am 2. Mai auf einer Veranstaltung des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hamburg. Er unterstrich: „Leben hat ein Recht auf Dasein, und zwar von Anfang an.“
Eine der Hauptaufgaben eines Präsidenten ist es Lobreden zu halten und Auszeichnungen zu verleihen.
Ich bin Hanseat genug, um zu wissen, daß ein Hamburger keine Orden annimmt und trägt.
Anständige Menschen haben es nicht nötig sich mit diesem anachronistischen Humbug zu schmücken, den sich zum Beispiel die bayerischen Minister gegenseitig zuerkannten.
Du sollst Deinen Spezl lieben wie Dich selbst - getreu diesem Grundsatz haben Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Finanzminister Markus Söder (CSU) gehandelt, als sie sich gegenseitig für das Bundesverdienstkreuz vorschlugen.
Das Bundesverdienstkreuz verliehen hätte Gauck. Leider fällt das nun aus.
Aber der Bundespräsident hat sofort einen anderen Preiswürdigen gefunden. 
Und zwar nicht nur für ein schnödes Bundesverdienstkreuz, sondern für den ganz ganz großen Brummer, den small-penis-Orden:
Die Ehrung eines Mitglieds der umstrittenen ungarischen Regierung durch Bundespräsident Joachim Gauck stößt auf Kritik. Es sei ein 'Riesenskandal', dass der ungarische Minister für Humanressourcen, Zoltan Balog, mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband ausgezeichnet worden sei, sagte die grüne Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon. Die Auszeichnung war Balog vergangene Woche vom deutschen Botschafter in Budapest überreicht worden. Der Minister stehe als Verantwortlicher der 'Nationalen Roma-Strategie' maßgeblich für die staatliche Ausgrenzungspolitik der Roma in Ungarn, begründete Cramon ihre Kritik. 'Bundespräsident Gauck scheint hier seinen ansonsten guten Kompass in Menschenrechtsfragen verloren zu haben und sollte seine Entscheidung korrigieren', forderte sie. Balogs Politik ziele unter dem Motto der 'liebevollen Segregation' auf die Abgrenzung von Roma-Kindern in vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als ethnische Diskriminierung gerügten Sonderschulen. Balog war auch in die Kritik geraten, nachdem unter seiner Verantwortung der Fernsehmoderator Ferenc Szaniszlo den Tancsics-Preis erhalten hatte, die höchste staatliche Ehrung für Journalisten. Szaniszlo hatte im Fernsehsender Echo TV antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und die Roma als 'Menschenaffen' diffamiert.

Montag, 3. Juni 2013

Wem Merkel das Leben verlängert.



Acht Jahre Merkel haben sozioökonomisch durchaus Spuren hinterlassen.
Das Prekariat ist systematisch so verdummt worden, daß die Hälfte der Lehrlinge nicht ausbildungsreif sind.
Nach der „Generation Golf“ und der „Generation Praktikum“ übernimmt nun die „Generation Doof“ das Ruder.

Viele Teenies sind zu doof für die Lehre. Viele Ausbildungsplätze bleiben in diesem Sommer wohl unbesetzt. Weil es immer weniger Jugendliche und damit immer weniger Bewerber gibt – aber auch weil viele Bewerber schlicht unfähig sind.
Seit fast zwei Jahren hat Floristmeisterin Gabriele Wittrock (49) keinen Azubi mehr. Die Bewerber waren einfach zu schlecht. „Ich möchte mein Wissen gern weitergeben. Aber es ist schwer, geeignete Bewerber zu finden“, sagt Wittrock.  Sie betreibt den Laden „Blomen Deel Rissen“ an der Wedeler Landstraße (Rissen). 2012 hat sie gar keine Auszubildende gefunden. Die davor hat sie während der Probezeit entlassen.
Fachlich hapert es oft an einfachen Mathekenntnissen. „Für die Arbeit sollte man zumindest das kleine Einmaleins beherrschen, aber schon daran scheitern viele“, sagt die Floristin.  Bewerbungsschreiben strotzen zudem oft vor Fehlern. Und auch um die Umgangsformen ihrer Bewerber ist es oft schlecht bestellt. „Es gibt junge Leute, die können die Kunden nicht vernünftig begrüßen und nuscheln nur in sich hinein“, sagt Wittrock.  Ähnliche Erfahrungen hat auch Bäckermeister Heinz Hintelmann (58) aus Allermöhe gemacht.  Früher hatte er sieben Azubis, jetzt sind es nur noch zwei. „Mehr gibt der Markt nicht her“, sagt er. Pünktlichkeit und Mathe fallen vielen jungen Leuten schwer, hat er beobachtet. […] Zu wenige Bewerbungen oder zu schlechte – die Handelskammer kennt das Problem: „Die Ergebnisse unserer jährlichen Umfragen zeigen, dass Betriebe zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre freien Lehrstellen zu besetzen“, sagt Armin Grams, Leiter des Geschäftsbereichs Berufsausbildung.

Die „Generation Doof“ ist als Urnenpöbel hochwillkommen – wer soll denn sonst schwarz oder gelb wählen?

Es ist soweit, ich bin offenbar endgültig in dem Alter angekommen, in dem man kopfschüttelnd Rückschau hält und feststellt, „das gab’s in meiner Jugend nicht!“
Wer wie ich seine Kindheit vor der Erfindung von Computern und Mobil-Telefonen verbracht hat, erinnert sich daran dauernd mit dem Fahrrad unterwegs gewesen zu sein und sobald es über 10°C warm wurde in irgendwelchen Seen schwimmen zu gehen.
Die Option haben heute viele Kinder nicht mehr, weil sie vorm TV oder dem Smartphone festgewachsen sind. Einige können buchstäblich nicht anders.

Jeder sechste Hamburger Grundschüler kann nicht schwimmen. Und auch das Turnen fällt den Kindern zunehmend schwer. Das ist bekannt. Doch jetzt schlägt erstmals auch die Polizei Alarm: Immer mehr Kinder können nicht Rad fahren!
„Wir stellen zunehmend motorische Defizite bei Kindern fest“, sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky. Damit die Schüler in der vierten Klasse an der Fahrrad-Prüfung teilnehmen können, legen die Verkehrslehrer sogar schon Extraschichten ein und geben nachmittags Einzelunterricht. „Manche Schüler fahren sehr unsicher. Und dann gibt es vermehrt auch Kinder, die gar nicht mehr Fahrrad fahren können“, so die Polizeisprecherin.

All das sind mittelbare Folgen der kontinuierlichen Umverteilung von unten nach oben, die Merkels Regierung bewirkt. 
Schulen vergammeln, Myriaden Lehrerstellen fehlen, viele Bundesländer begnügen sich mit mangelhaft ausgebildeten Hilfslehrern, die jeweils nur ein paar Monate eingestellt werden. 


Im beginnenden Wahlkampf wirbt Merkel ein 30-Milliarden-Wohlfühlpaket. 
Sie verspricht nun das zu intensivieren, was ohnehin ihr Markenzeichen ist: Politik für die Reichsten.

Merkels Steuerentlastungen würden vor allem Besserverdienern nützen.  […] Für eine Familie mit zwei Kindern kann die Entlastung - je nach Einkommen - zwischen 840 und 1276 Euro im Jahr liegen. Dabei profitieren Besserverdiener deutlich stärker als die Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen.
[…] Hechtners Berechnungen zufolge käme eine westdeutsche Familie mit zwei Kindern und einem monatlichen Brutto-Einkommen von bis zu 6000 Euro lediglich in den Genuss der Kindergeld-Erhöhung. Da in dieser Einkommens-Gruppe schon der Soli fällig ist und dieser stets die Kinderfreibeträge berücksichtigt, läge die Entlastung im Jahr bei Einkommensteuer und Soli zusammen bei etwa 882 Euro im Jahr.
Je höher das Einkommen, desto deutlicher steigt die geplante Entlastung. Sollte in der gleichen Familie, der eine Partner 3000 Euro und der andere 5000 Euro brutto im Monat verdienen, spränge eine Steuerersparnis von 934 Euro im Jahr heraus.
Unterstellt man ein noch einmal deutlich höheres Einkommen von 9000 Euro im Monat, wobei die beiden Ehepartner exakt die Hälfte verdienen, liegt der Vorteil des CDU-Modells schon bei 1002 Euro. Verdiente einer der Ehepartner das ganze Familieneinkommen alleine, würde er durch die Pläne der CDU pro Jahr 1048 Euro Steuern sparen. Bei einem Familieneinkommen von mehr als 45.000 Euro brutto im Monat werden laut Hechtners Berechnungen die höchsten Entlastungen fällig. Diese betragen dann im Jahr gut 1276 Euro.

Merkels Methode „der Teufel scheißt auf den größten Haufen“ hat allerdings eine demographisch durchaus sinnvolle Komponente. 
Denn so werden zunehmend nur diejenigen alt, die es sich auch leisten können.
Die Millionen von Merkel in die Billigarbeit Getriebenen, belasten die Rentenkassen weniger, da sie mit „sozialverträglichem Frühableben“ auffallen.

Studie belegt, dass Armut und mangelnde Bildung das Leben verkürzen
Geahnt hat man es ja schon immer: Arme Menschen sterben früher als reiche. Eine Gesundheitsstudie des RobertKoch-Instituts (RKI) – befragt wurden fast 8000 Menschen – dokumentiert erstmals, welche Faktoren die Lebenserwartung wirklich beeinflussen. […] Noch drastischer lässt sich die soziale Spaltung Deutschlands aus Daten der Deutschen Rentenversicherung ablesen, die die Bundestagsfraktion der Linken im Bundestag thematisierte: So soll zwischen dem reichsten und dem ärmsten Viertel der Bevölkerung in der Lebenserwartung ein Unterschied von elf Jahren bei den Männern und acht Jahren bei den Frauen bestehen.
„Personen mit niedrigem sozioStatus schätzen ihren allgemeinen Gesundheitszustand schlechter ein und sind häufiger erkrankt als Personen mit höherem Status, zum Beispiel auch an Diabetes“, heißt es in der RKI-Studie. Ursachen dafür sind vielfältig:
Geld Geringverdiener sparen oft an der Essensqualität. Zudem können sich Besserverdiener eine bessere Gesundheitsversorgung (Versicherung) leisten.
Stress „Galt der Herzinfarkt in den 60er Jahren noch als typische Managerkrankheit, häuft er sich heute bei den Unterprivilegierten“, sagt der Soziologe Thomas Lampert. „Je häufiger ein Mensch arbeitslos ist und je länger er es bleibt, desto höher steigt sein Risiko, schwer zu erkranken – an Depressionen, Stoffwechselleiden oder HerzKreislauf-Beschwerden.
Ungesunde Lebensweise Laster wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind in einkommensschwachen Schichten verbreiteter.
Sport Freizeitbeschäftigungen kosten Geld, setzen anderseits ein Gesundheitsbewusstsein voraus, das in der Unterschicht weniger verbreitet ist.
Arbeit Ein körperlich belastendes Arbeitsleben kann die Lebenserwartung verringern.

Schöne neue Merkelwelt.
Die Deutschen lieben es und wollen am allerliebsten SIE als Kanzlerin behalten.

Sonntag, 2. Juni 2013

Das Leben…..



Ist eine durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit, die zu 100% tödlich endet.

Oder wie der Amerikaner sagt:

„Life sucks – and then you die“


Wir sterben also alle und zwar auf jeden Fall.
Seltsamerweise bildet sich der kleine Homo Sapiens ein durch intensives Ignorieren und Verdrängen die absolute Sinnlosigkeit des eigenen Seins ausblenden zu können.

Niemand will an sein eigenes Ende denken.

Daß man endet ist klar, aber WIE man endet, ist außerordentlich vielfältig. So unterschiedlich, daß man dabei glatt vergessen könnte, daß man ja doch stirbt und demnach alles egal ist was man tut.


Ich möchte im Schlaf sterben wie mein Großvater, nicht schreiend und heulend wie seine Beifahrer im Wagen.
(Will Shriner)


Bonmots dieser Art und viele lustige Wege, wie Menschen gestorben sind, findet man in Cynthia Ceiláns „Missgeschicke mit Todesfolge“-Sammlungen „Dumm gelaufen“ (Bastei Lübbe 2010) und „Feierabend“ (Bastei Lübbe 2013).



… und wenn alle Stricke reißen, läßt sich die Unsterblichkeit immer noch durch einen spektakulären Irrtum erlangen!
(John Kenneth Galbraith 1908-2006)