Freitag, 1. Februar 2013

Impudenz des Monats Januar 2013.

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Es mag den ein oder anderen anöden, weil ich das Folgende schon gefühlte 100 mal geschrieben habe, aber ich kann diese Anklage immer noch nicht ersparen:


Wir haben eine rückgratlose Amöbenkanzlerin, die sich systematisch um alle Entscheidungen drückt und dadurch diesem Land einen riesigen Haufen ungelöster Probleme auftürmt.
Von September 2009 bis Mai 2010 durfte noch nicht einmal über schwarzgelbe Politik gesprochen werden - so sehr hatte die Kanzlerin den Hosenanzug voll vor der NRW-Wahl.
Noch am Wahlabend erklärte die ob der Rüttgerschen Niederlage konsternierte CDU-Chefin, was nun NICHT erfolgen werde. Nämlich Steuersenkungen, also dem einzigen Programmpunkt, den Gaga-Guido bis dahin noch in seinem Köcher hatte.
Nahles sagte damals ihren einzigen sinnigen Satz der Dekade, als sie dem FDP-Bundesgeneralsekretär Christian Lindner bescheinigte, seine Gelben wären soeben von der „Ein-Themen-Partei“ zur „Null-Themen-Partei“ geschrumpft worden.
Unglücklicherweise standen weitere Landtagswahlen bevor, so daß Merkel bisher keine Gelegenheit hatte politisch aktiv zu werden.
Sie beließ es bei vagen Ankündigungen, wolkigem Gewaber und einigen konkreten Aktionen, die sie für die Zukunft „ausschließe.“
Das ist wenigstens immer ein inhaltlicher Orientierungspunkt; denn wenn Merkel etwas ausschließt, weiß man, daß das Gegenteil kommen wird.

Merkel treibt planlos vor sich hin - durch ihren aberwitzigen ZickZack- und Hinhaltekurs hat sie die Eurorettungsaktion zigfach verteuert. 
Ihr abstruses Spardiktat würgt die Konjunkturen diverser Nationen ab.
 So ein Rezept hätte sie nie für Deutschland gewollt. Hier reagierte sie 2008/2009 völlig gegenteilig auf die Krise; nämlich mit gewaltigen Ausgaben-Orgien, zwei dicken Konjunkturpakten und Geldrauswurfmaßnahmen wie der Abwrackprämie.

Die Chaotisierung der europäischen Finanzarchitektur durch Wolfgang Schäuble und Angela Merkel folgt einer Grundregel, die SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann sehr schön auf den Punkt brachte, nachdem der eben noch endgültig auf maximal 218 Milliarden Euro begrenzte Haftungsrahmen von Merkel doch auf 280 Milliarden aufgeblasen wurde.
Wieder einmal, so Oppermann, komme das "Merkel'sche Gesetz" zur Anwendung: Je vehementer die Kanzlerin etwas ausschließt, desto sicherer ist, dass es später doch eintritt.  Der Ärger der Genossen erscheint verständlich, denn es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Merkel in der Schuldenkrise eine Position revidiert. Im Gegenteil: Die meisten Bundesbürger haben angesichts des Hü und Hott längst den Überblick verloren. Sie registrieren nur noch, dass die Summen, für die sie einstehen sollen, immer astronomischer werden und dass mittlerweile halb Europa auf ihre Kosten zu leben scheint. Wut, Frust und Missverständnisse haben ein Maß erreicht, das geeignet ist, die Demokratie in ihren Grundfesten zu erschüttern.    Die Hauptschuld daran trägt die Kanzlerin, der es nicht gelingt, mit den Bürgern so zu kommunizieren, wie es die Schwere der Krise von ihr verlangt. Keine Fernsehansprache, keine Rede zur Lage der Nation, stattdessen Gemauschel in Hinterzimmern nebst anschließender Kurskorrektur.
Griechenlandumschuldung, Wehrpflicht, Atomkraft, Mehrwertsteuer, Gesundheitsreform - wohin man auch blickt; man kann sich stets darauf verlassen, daß das was die Kanzlerin als absolut alternativlos einnordet doch nicht kommt, sondern eher das Gegenteil dessen angepeilt wird.

Ich kann eine gewisse Bewunderung für Frau Merkel nicht verhehlen. 
Nicht für ihre ständigen Kurswechsel, aber doch für die konsequente Enteierung und Rückgrat-Ektomierung ihrer Partei: Die nicken einfach alles ab.
Die MPEE, die Merkelsche Polit-Enteierung, ist mittlerweise ein recht gewöhnliches Machtmittel der CDU-Vorsitzenden geworden.

Ihre Operationstechnik ist nach wie vor nicht bekannt, aber in informierten Kreisen wird gemunkelt, daß Merkel mit ihrem Voodoo-haft und manischem SMS-Tippen auf magische Weise die Testikel ihrer Konkurrenten über UMTS restlos wegschrumpfen läßt.
Die Unionsfraktion macht die Wendung von Kanzlerin Merkel, die Rettungsschirme ESM und EFSF für eine gewisse Zeit parallel laufen zu lassen, mit. […]
Die Unionsfraktion im Bundestag hat sich mit großer Mehrheit hinter die Pläne der Regierung für eine vorübergehende Aufstockung der Euro-Rettungsschirme gestellt. In der Sitzung habe es nur vier Gegenstimmen gegeben, hieß es aus Teilnehmerkreisen.
Selbst bei den völlig sinnLOSEN Vorhaben verzettelt und vertüdeln sie sich.
Die ZDF-Politsatiresendung „Neues aus der Anstalt“ wies dankenswerterweise daraufhin, wieso so viele dringend anstehenden Probleme nicht gelöst werden:
Die Kanzlerin hatte sie nämlich zur Chefsache, bzw Cheffinnensache erklärt.
Und so viel ist sicher: Wenn sich Merkel persönlich einem Anliegen verschreibt, geht es im Chaos unter:
„Stuttgart 21, Energiewende, Opelrettung, Klimaschutz, Umwelt, Gebäudedämmung, Milchpreise, IT-Sicherheit, Bildungsgipfel, Afghanistan, gescheiterter Klimagipfel Kopenhagen, Olympiabewerbung München, Demographiewandel, Integration, HartzIV-Reform, bundeseinheitlicher Nichtraucherschutz, Köhler, Wulff, Freilassung Julia Timoschenko,…“
Inzwischen ist 2013 und wir wissen eins sicher:
Politik wird es in den neun Monaten bis zur Bundestagswahl auf der Regierungsbank nicht mehr stattfinden.
Man könnte ja einen Wähler vergraulen, wenn man irgendeine inhaltliche Entscheidung träfe.
Das will die Kanzlerin nicht riskieren, also mäandert sie manisch um alle heißen Eisen herum.
Was bleibt ihr auch anderes übrig?
Selbst wenn ihr in der Nacht Jesus erschiene und sie mir enormer Entschlußkraft segnete, nützte das rein gar nichts, weil es in der K.O.alition weder Pläne noch Konzepte gibt.
Die Koalitionsspitzentreffen (=Koalitionsausschuss; „Ausschuss“ ist immerhin ein passendes Wort in dem Zusammenhang) sind deswegen zu einer Art Leistungsschau-Simulation der Lahmen und Blinden geworden.
Schwarz-Gelb ist kraftlos. […] Die Vertreter von Union und FDP mussten erst mal ihre Wunden lecken. Der Machtverlust in Niedersachsen war nicht nur schmerzhaft, er stellt auch den bisherigen Kurs in Frage. […] Am Donnerstagabend konnten sich die Regierungspartner noch nicht einmal bei der Rente verständigen, dabei hätte das Thema schon beim letzten Treffen vor drei Monaten geklärt werden sollen. Union und FDP wissen immer noch nicht, ob sie eine Lebensleistungsrente oder höhere Mütterrenten haben wollen. Jetzt haben die Koalitionäre erst einmal eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Das sagt alles über ihre Entscheidungskraft.
(Robert Rossmann, Süddeutsche Zeitung, 01. Februar 2013)

Die beiden wichtigsten Themen wurden heute jedoch erst mal in Arbeitsgruppen geparkt. Zu weit liegen die Koalitionspartner auseinander… […]  Mit anderen Worten: Es gibt keine Fortschritte. […] Das alles zeigt: Spätestens seit der Niedersachsen-Wahl kämpft jeder der drei Koalitionspartner für sich allein […]

Einzige gute Botschaft des Koalitionsgipfels: „CDU/CSU und FDP haben sich auf das Datum der Abwahl dieser Regierung geeinigt und beschlossen, das Regieren bis dahin weitgehend einzustellen“, so Dietmar Bartsch, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses.
„Bei zentralen politischen Themen wie der Gestaltung der Energiewende und der Bekämpfung der Altersarmut kapituliert Schwarz-Gelb. Nachdem schon der Koalitionsvertrag nur so strotzte vor Ankündigungen, Arbeitsgruppen zu bilden, gebar auch der Koalitionsgipfel wieder eine. Schwarz-Gelb wird immer mehr zu einer Koalition des blanken Nichts. Ich gratuliere den drei ‚Generalsekretären vom Grill‘ zu der schauspielerischen Fähigkeit, so gute Miene zu so miesem Spiel zu machen.
Die realen Probleme vieler Menschen dieses Landes blieben mal wieder außen vor. Auch deshalb ist die Bestätigung des 22. September 2013 als Datum, an dem diese Regierung abgewählt werden wird, die einzige gute Botschaft dieses Koalitionsgipfels.“
(Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. 01.02.2013)

Wie viel kann man von einem Gipfel erwarten, bei dem vorher schon verbreitet worden ist, dass es in den strittigen Themen zur Einsetzung von Arbeitsgruppen kommen wird? Wohl wenig. Schwarz-Gelb tritt auf der Stelle. Es fehlt die Kraft und der Wille, wichtige Entscheidungen zu treffen.

[…] Die Gemeinsamkeiten zwischen Schwarz und Gelb sind aufgebraucht. Selten wurde das so deutlich, wie in den Tagen um diesen Koalitionsausschuss. Zwei große Themen hatte man sich vorgenommen und beide enden in Arbeitsgruppen. Zu groß die Unterschiede, zu grundsätzlich die Meinungsverschiedenheiten.

Das Thema Rente entzweit nicht nur Liberale und Union, sondern der Riss geht auch mitten durch die CDU/CSU. […] Das Projekt Schwarz-Gelb ist am Ende und dennoch zum Weitermachen verdammt.

Schwarz-Gelb hat abgewirtschaftet. Das wurde beim gestrigen Koalitionsausschuss abermals mehr als deutlich. Beim vorangegangenen Koalitionsausschuss hatte sie eine Einigung bei der sogenannten Lebensleistungsrente verkündet, jetzt steht Ursula von der Leyen nun abermals mit leeren Händen da. Der seit Monaten schwelende Streit um eine Rentenreform konnte erneut nicht beigelegt werden. Das ist ein Armutszeugnis für Schwarz-Gelb und macht deutlich, dass nach der verlorenen  Niedersachsenwahl der Wahlkampf innerhalb der Koalition auf Hochtouren läuft. Jeder kämpft für sich allein, Kompromisse sind nicht mehr erwünscht. Die Leidtragenden dieses armseligen Schauspiels sind die Bürgerinnen und Bürger. Um das Scheitern der verkorksten Lebensleistungsrente von Bundesarbeitsministerin von der Leyen ist es nicht schade.
[…] Aber anscheinend ist außer weiteren Arbeitsgruppen von  dieser kraftlosen Koalition in dieser Wahlperiode nichts mehr zu erwarten.

Niedrige Erwartungen - voll erfüllt. Viel Zeit bleibt Schwarz-Gelb nicht mehr in dieser Legislaturperiode - trotzdem endete der Koalitionsgipfel in Berlin ohne großen Durchbruch. […]  Obwohl die Zeit drängt, um vor der Wahl noch Gesetze auf den Weg zu bringen, haben Union und FDP die strittigen Fragen zu Rente und Energie einmal mehr vertagt.  Damit kam es, wie es sich angedeutet hatte. Schließlich hatten selbst Teilnehmer der Runde im Vorfeld mit den Schultern gezuckt, als sie nach dem Sinn der Zusammenkunft gefragt wurden. […]  Die SPD [spottete] schon vor dem Koalitionsausschuss. Das Regieren aber habe Schwarz-Gelb schon aufgegeben.
Glatte Arbeitsverweigerung also. Die Bundesregierung handelt nicht, weil sie vor Angst vorm Wähler die Hosen voll hat und weil sie auch gar nicht wüßte was zu tun wäre.

Aber nun kommt es: Der Urnenpöbel ist so begeistert von dem Stillstand, daß er der schon zuvor schon mit Rekordbeliebtheit ausgestatteten Kanzlerin weitere sechs Zufriedenheitsprozentpunkte draufschlägt.

Daher wird der Urnenpöbel gleich noch einmal zur Inpudenz des Monats gekürt. Auch im Januar 2013 trägt das Wahlvolk den Titel.

 Die Hauptverantwortliche für das größte Regierungsversagen seit 1945 sonnt sich in der Gunst ihres enthirnten Volkes. 
Merkel beliebter denn je. Die Union profitiert dabei noch stärker als zuletzt vom hohen Ansehen, das Bundeskanzlerin Angela Merkel in weiten Teilen der Bevölkerung genießt. Sie baute ihren Vorsprung als beliebteste Politikerin nochmals aus. 71 Prozent der Wahlberechtigten sind mit ihrer Arbeit zufrieden - das ist ihr bester Wert seit Beginn der Wahlperiode. Auch im Direktvergleich mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück liegt die CDU-Vorsitzende klar vorne. 59 Prozent wünschen sich Merkel als Kanzlerin und 28 Prozent Steinbrück. Der Abstand wuchs im Vergleich zum Vormonat um sechs Prozentpunkte.
  Mit so einem Volk aus Halbdebilen funktioniert die beste Demokratie nicht!

Donnerstag, 31. Januar 2013

Wir fallen zurück.


Als Herr Gysi in den 1990er Jahren im Bundestag saß und über Lauschangriff, Einschränkung des Asylrechts und Videoüberwachung diskutiert wurde, trat er einmal ans Rednerpult und stellte fest, in seiner bundesrepublikanischen Zeit hätten sich 100% der Gesetzesentwürfe zu den Bürgerrechten nur mit der EINSCHRÄNKUNG derselben beschäftigt. 
Noch nie sei es um die Ausweitung von Bürgerrechten gegangen.

Hihi, da war aber was los.
 Den Konservativen ist fast der Kopf geplatzt vor Empörung.
Bebend vor Wut deklinierten sie ihre Gysi-Konnationsliste runter:
„Stasi, SED, Kommunismus, Überwachungsstaat,…“
Die Vorwürfe kämen ja gerade von der richtigen Seite!

So ist das eben in Bundestagsdebatten. 
Daß Gysi RECHT HATTE, mit dem was er sagte, spielte keine Rolle, weil es eben der Falsche war, der es sagte.

Besser geworden ist es nicht seitdem.
Dazwischen waren noch die Antiterrorgesetze, Innenminister Schäuble, Bundestrojaner, Zensursula, großflächige Videoüberwachung in allen Innenstädten, Nacktscanner, verschärfte Abschiebungen etc pp.

Bürgerrechtlich betrachtet nähern wir uns Russland und China an.

Eine kleine Ausnahme gibt es bei den Homorechten, die von RotGrün ein bißchen angehoben wurden (aber nicht etwa auf das Hetero-Niveau).
Eine gewisse Christin namens Angela Merkel ging auf Fundamentalopposition, klagte gegen die „Homoehe“ und stellt sich auch 2013 hartnäckig gegen Steuersplitting und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare.

Anderswo geht man in eine andere Richtung.

Norwegen ließ sich demonstrativ nicht von Herrn Breivik ins Bockshorn jagen und verteidigte nach Utøya ostentativ seine pluralistische, multikulturelle und offene Gesellschaft.

Und dann ist da noch Island.
 Island liebe ich natürlich sowieso.
Nicht wegen der blöden Elfen- und Trolle-Assoziationen, sondern wegen der Natur, wegen des Klimas, wegen der Musik, wegen der Kultur und wegen der Extravaganz der Bewohner.

Als die Isländischen Banken 2007/2008 unter Zudrückung aller Augen der Regierung das ganze Land in den Ruin führten, machten die Bürger Putz. Aber ernsthaft!
Sie gingen nicht nur auf die Straße, sondern wurden so energisch, daß sie gleich mal die gesamte Regierung zum Teufel jagten und die sozialistische Lesbe Jóhanna Sigurðardóttir zur Ministerpräsidentin bestimmten. 
Die Banken wurden verstaatlicht. 
  In der Hauptstadt Reykjavík (dort leben 40% der Gesamtbevölkerung Islands) wurde die anarchistische „Spaßpartei“ Besti flokkurinn (die beste Partei) stärkste Kraft. Ihr Initiator, der Komiker, Musiker und Schriftsteller Jón Gnarr wurde Bürgermeister.
 Das Parteiprogramm der Besti flokkurinn hatte überzeugt:
1. Offene statt heimliche Korruption. 2. Kostenlose Handtücher für alle Schwimmbäder. 3. Ein Eisbär für Reykjavíks Zoo.
Und es funktioniert!
Mit Island geht es nicht nur bergauf, Island steht weltweit an der Spitze des Human Development Index (HDI).

Gestern beschloß das Isländische Parlament die Gleichstellung für säkulare Verbände und ist damit dem christlich indoktrinierten, antihumanistischen deutschen Parlament um Lichtjahre voraus.
 Als einen historischen Wendepunkt bezeichnete Hope Knutsson, Präsidentin des humanistischen Verbandes Sidmennt, den jüngsten Beschluss des isländischen Parlaments, den säkularen Verbänden den Weg zur Gleichberechtigung mit den Kirchen und anerkannten Religionsgemeinschaften zu bahnen.
Dem neuen Gesetz nach ist es für nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaften nun möglich, auf Antrag die rechtliche Gleichstellung zu erhalten. Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit, rechtlich wirksame Trauungen vorzunehmen und Zuschüsse aus dem öffentlichen Haushalt für die eigene Arbeit zu erhalten.

Von den internationalen Dachverbänden und in anderen europäischen Ländern wurde das Ereignis begrüßt. Sonja Eggerickx, Präsidentin der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union, gratulierte den Mitgliedern von Sidmennt und sagte, der isländische Verband nehme eine aktive Rolle in der Arbeit für einen Wandel wahr.  „Sie reden nicht nur über Humanismus und verweisen auf Vorfälle der Diskriminierung, sondern betreiben aktiven Lobbyismus, arbeiten mit den Parlamentariern und anderen an der Reform der Gesetze im Sinne der Gleichstellung.“
 (Diesseits 31.01.13)

Mittwoch, 30. Januar 2013

Noch ein schöner Erfolg für Merkel.



Robert Ménard gründete vor knapp 30 Jahren in Montpellier die „Reporters sans frontières" (Reporter ohne Grenzen, ROG bzw. RSF) und formte sie zu einer international tätigen bedeutenden NGO.
Weltweit werden zunehmend Journalisten drangsaliert, verfolgt, eingesperrt, gefoltert und getötet. 
Überall sitzen Machthaber, die großes Interesse daran haben ihre Aktionen zu verheimlichen und zu verschleiern.
Merkel zum Beispiel.
Sie ist die Inkarnation der Auskunftsverweigerung. Bei all den Gipfeln gibt sie wolkige Allgemeinplätzchen ab, ohne daß irgendjemand wirklich erfährt, was mit der Schweiz ausgeklüngelt wird, wieso Deutschland Zypern mit seinem Steuerdumping durchkommen lässt, wohin wie viele Waffen exportiert werden, weshalb Deutschland in Brüssel Klimaschutz und Elektroautos blockiert, oder wieso eigentlich fünf Jahre nach dem Lehmann-Zusammenbruch nach wie vor keine Regulierungen auf dem Finanzmarktsektor eingeführt wurden.

Genau weiß man nicht wer wo und wann die Strippen zieht, wenn die Lobbyorganisation FDP auf die Privatisierung der Wasserversorgung dringt oder Landwirtschaftssubventionen nur geheim verteilt werden.

Das wäre eigentlich eine schöne Aufgabe für die Journalisten.
Rechtlich hätten sie dazu alle Möglichkeiten; wie sich schon aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10. Dezember 1948) ableiten läßt.
Artikel 19
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.
Natürlich, es gibt deutsche Journalisten, die vorbildlich und akribisch recherchieren.
Aber zu viele Skandale werden einfach schulterzuckend akzeptiert.
40.000 Menschen sterben jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern an nosokomialen Keinen, weil die Landesgesundheitsminister sich weigern Hygienestandards durchzusetzen? 
Macht ja nichts.
 Erstaunlich ist insbesondere, daß gewisse Skandale durchaus von einzelnen Journalisten aufgedeckt werden und dennoch vollkommen folgenlos bleiben.
So deckte ZAPP schon im Februar 2009 zum Amtsantritt von und zu Guttenbergs als Wirtschaftsminister auf, daß sein Lebenslauf gefälscht war und Tätigkeiten bei einem Guttenberg-Baustoff-Unternehmen suggerierte, mit dem KTG gar nichts zu tun hatte.
Es wußten auch einfache Blogger seit vielen Jahren von kinderfickenden Pfaffen, die von ihren Bischöfen geschützt wurden.
Aber solche Themen werden über Jahre nicht aufgegriffen, weil die Journaille ein Herdentier ist. Man einigt sich auf eine gemeinsame Meinung, die dann von absolut allen vertreten wird. 

So haben beispielsweise sämtliche Wirtschaftsjournalisten bis Anfang der 2000er Jahre unisono rein neoliberal argumentiert. Es müsse endlich dereguliert werden, Regelungen abgeschafft werden und das freie Unternehmertum gefördert werden. 
Privatisierung war das Zauberwort. Von der Müllentsorgung über Bahn bis zu Telefon und Strom sollte sich der Staat zurückziehen.

Ähnlich einig war man sich drei Jahre lang bezüglich Herrn Guttenberg, der von BILD bis SPIEGEL über den grünen Klee gelobt wurde.

Diese Einheitlichkeit beruht nicht nur auf Phlegma, sondern auch auf einer beispiellosen Fusionitis und Redaktionszusammenlegung.
Laufend werden regionale Redaktionen aufgelöst und Artikel aus einem gemeinsamen Pool bezogen. Unabhängigere Verlage gehen pleite.
Zeitungen wie „die Woche“, FTD oder FR werden einfach eingestellt.
Bald wird es so sein, daß alle Informationen nur noch aus einem der großen stramm auf CDU-Kurs liegenden Megazeitungshäuser kommen.
Hubert Burda, Heinz Bauer, Friede Springer und Liz Mohn sind vier konservative Merkel-Freunde, die weite Teile der Medien kontrollieren.

Die Reporter ohne Grenzen sehen es mit Sorge. Im jährlich erstellten Index der Pressefreiheit sinkt Deutschland kontinuierlich ab.

Die freie Berichterstattung gerät in der Bundesrepublik nach Ansicht der Organisation Reporter ohne Grenzen ökonomisch immer mehr unter Druck. „Problematisch ist hier vor allem die abnehmende Vielfalt der Presse. Aus Geldmangel arbeiten immer weniger Zeitungen mit eigener Vollredaktion, mehrere Redaktionen wurden 2012 komplett geschlossen“, erklärte die Vereinigung anlässlich der Vorstellung ihrer Rangliste der Pressefreiheit. Stattdessen würden Unternehmen und Lobbyisten immer mehr Geld in Stellung bringen, um ihre Interessen in den Medien unterzubringen.
Deutschland rangiert auf der Liste nur auf Platz 17, gegenüber 2011 rutschte die Bundesrepublik um einen Rang ab. An der Spitze der jährlich veröffentlichten Übersicht nehmen Finnland, die Niederlande und Norwegen ein. Am schlechtesten ist die Lage der Pressefreiheit nach Ansicht von Reporter ohne Grenzen in Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan.
Bye bye Pressfreiheit in Deutschland. 
So umfassend informiert wie die Jamaikaner, die Esten oder Tschechen werden wir nicht!
Hier werden sogar Lokalreporter in Sachsen mit Strafverfahren überzogen, wenn sie unter Steine sehen, deren Geheimnisse nicht gelüftet werden sollen.
"In Anbetracht der oben skizzierten Situation ist diese Strategie ausgesprochen erfolgreich, denn Redakteure haben immer weniger Zeit zu recherchieren und Informationen zu prüfen", erklärte ROG. […]

Fünf Bundesländer haben noch kein Informationsfreiheitsgesetz verabschiedet, kritisierte ROG weiter. Auch dort, wo solche existierten, würden sie von den Behörden unterschiedlich umgesetzt. Anfragen würden mitunter nur sehr langsam oder gegen hohe Gebühren bearbeitet. Damit würde aktuelle Berichterstattung erschwert oder ganz unmöglich gemacht, monierte die Organisation. Hinzu käme die steigende Bedrohung nach kritischen Berichten durch Rechtsextreme oder radikale Islamisten gegenüber Reportern.
 Es gibt Länder, in denen die Regierung die Pressevielfalt sehr konkret fördert. 
In Frankreich (Platz 37) werden die fünf großen überregionalen Zeitungen sogar direkt vom Staat alimentiert.

Von Schwarzgelb ist diesbezüglich aber nichts zu erwarten.
 Das Zeitungs- und Verlagssterben ist schließlich erwünscht.
 Je verdummter der Urnenpöbel, desto angenehmer für die Politik.
Deutschland ist nur Mittelmaß in Europa, wenn es um Pressefreiheit geht. Das ist erschreckend und kann nicht unser Anspruch sein. Eine der Hauptursachen, warum sich Deutschland wieder im Ranking verschlechtert hat, ist die abnehmende Pressevielfalt. Wenn es vor Ort keine Lokal- oder Regionalzeitung mehr gibt, die berichten kann, gefährdet das auch die Pressefreiheit.
Die Zeitungen haben es aufgrund sinkender Abozahlen, sinkender Werbeeinnahmen und sinkender Auflagen zunehmend schwerer, sich zu finanzieren. Der Bunderegierung fällt außer einem Leistungsschutzrecht nichts ein.
[…] Journalistinnen und Journalisten sind außerdem immer wieder der Ermittlungspraxis von Strafverfolgungsbehörden ausgesetzt, zuletzt in Augsburg. Auch dadurch wird die Pressefreiheit in Deutschland gefährdet. Das 2012 von der Koalition beschlossene Gesetz zur Stärkung der Pressefreiheit im Straf- und Strafprozessrecht war nur ein Minimalkonsens und blieb weit hinter den Möglichkeiten zurück. Mit einer schwarz-gelben Regierung ist so auch in Zukunft nicht damit zu rechnen, dass Deutschland andere Länder wie Finnland, Österreich oder auch Jamaica jemals überholen wird.
(PM der Grünen Bundestagsfraktion Nr. 80/13 vom 30.01.2013)

Dienstag, 29. Januar 2013

Der Christ des Tages - Teil LXXIII


Ach die armen Katholen! Als sie noch das Glaubensmonopol hatten, war es irgendwie einfacher. Das Produkt mußte gar nicht attraktiv sein. Wenn man der einzige Anbieter ist und Verweigerer einen Kopf kürzer machen kann, wird man seine Botschaft schon los.

Wie das ist, wenn die Katholische Kirche die alleinige Macht hat, wissen wir ja; im englisch-sprachigen Raum nennt man es „The Dark Ages“. 
Damit ist je nach Auslegung das ganze Mittelalter gemeint.
 Also Folter, Wissenschaftsunterdrückung, Hexenverfolgung, Willkür, Sklaverei, Genozide, Kreuzzüge, Leibeigenschaft, Seuchen, Hungersnöte, Reliquienkult, Ablasshandel, Orgien im Petersdom, Kriege und unfassbare Brutalität überall.
Man könnte also meinen, die Katholiken hätten ihre Chance gehabt.

Unglücklicherweise wird man so eine ideologische Krake, die sich 15 Jahrhunderte festgesaugt hat, Unmengen Macht und Reichtum hortete, nicht so leicht wieder los.
Die Aufklärung ist immer noch im Gang - alle Menschenrechte mußten mühsam und unter großen Verlusten der Kirche abgetrotzt werden.

Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Folterverbot, Abschaffung der Sklaverei, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Tierrechte, Ächtung von Antisemitismus, Schwulenrechte, Abschaffung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Abschaffung des Verbots gemischtkonfessioneller Ehen, Verbot von Vergewaltigungen in der Ehe, etc pp - all das mußte gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden.

Die Kirchen waren dagegen und verschwendeten damit sinnlos über Dekaden ihre Kraft.
Matthäus 10,37: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.

Jeremia 17,5: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom Herrn.

1Mose 17,1: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm.
Wer es also ernst meint mit der Menschenwürde, der sollte dringend die Finger von der Bibel lassen – alle modernen Menschenrechte wurden GEGEN den erbitterten Widerstand der Kirche und gegen die Bibel erkämpft.
Die reizenden Christen stemmten sich immer am längsten gegen die Abschaffung der Sklaverei, gegen die Leibeigenschaft, gegen das Frauenwahlrecht. Etc.
Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn.
(Jesus, MT 10,24)

Die Sklaverei ist ein Gottesgeschenk.
(Kirchenlehrer Ambrosius) 
    
 Aktuell erleben wir die Dark-Ages-geprägte Einstellung der Kirchen am deutlichsten bei ihrer Hetze gegen Schwule und Lesben.
Ob Österreich, ob Italien oder Russland - stets sind die Christen an vorderster Front des Menschenhasses.

Die Aufklärung verläuft aber etwas schneller als vor 100 oder 200 Jahren, weil die Christen den Informationsfluß nicht mehr kontrollieren können.
Ihnen spielt zwar immer noch die geistige Apathie der Kirchenmitglieder in die Hände, aber man KANN sich über die Bigotterie und Brutalität der Kirche informieren.

An der PR-Front läuft es gerade ziemlich schlecht für beiden Großkirchen in Deutschland. Kindesmisshandlungen, Raffgier, miese Behandlung ihrer Angestellten, der Rauswurf Professor Pfeiffers, Abweisung von Hilfsbedürftigen und natürlich die Homophobie der Röckchenträger kommen nicht mehr so gut an.

Die Kirche entwickelt sich immer mehr zum Verkünder schlechter Nachrichten.

Sie steht für ewig-gestrige Verbote, Vorurteile und weltfremdes „Du darfst nicht!“

PID, Kondom oder Homoehe - für offiziöse Christen ist das alles bähbäh.

Sie sind diejenigen, die mit erhobenen Zeigefingern in den Talkshows sitzen und sich zum Affen machen.

Der Christ des Tages Nr. 73 ist da eine löbliche Ausnahme. 
Er verkündet nur Positives. Die gute Botschaft! Seht, ich bringe Euch frohe Kunde.

Der zur Erzdiözese Wien gehörende Pfarrer Leitner, 50, ist fromm und fröhlich. 
Pfarrer Mag. Martin Leitner ist seit 1. September 2001 in den Pfarren Wimpassing und Dunkelstein-Blindendorf tätig. Er ist Jahrgang 1963, von seiner ersten Ausbildung her Nachrichtentechniker (Technische Universität Wien) und wurde nach Absolvierung des Theologiestudiums an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Heiligenkreuz am 29. Juni 1998 zum Priester geweiht. Seine Kaplansjahre verbrachte er in Wien, St. Brigitta und Mödling, St. Othmar. Neben seiner pfarrlichen Tätigkeit ist er Spiritual im Überdiözesanen Priesterseminar Leopoldinum in Heiligenkreuz.
Der Christ des Tages LXXIII, ehemaliger Bundeskurat der Gruppe „Katholische Pfadfinderschaft Europas“ und Webmaster der Pfadfinderwebsite beindruckte mit einem kämpferischen Blogposting, „Von der Lust, katholisch zu sein… „, das mich so positiv durchdrang, daß ich auf der Stelle in die RKK eintreten möchte.
Ja zu Gott! Ja zu Jesus! Ja zu Maria! Ja zur Katholischen Kirche! Ja zum Papst!
Ganz im Vertrauen: Ich bin hier Optimist! Schauen Sie, seit rund 2000 Jahren gibt es sie – die katholische Kirche - , meistens ein wenig gegen den Zeitgeist. Ihre Grundwahrheiten sind ihre Stärke!
[…] Die katholische Kirche gibt uns eine Richtschnur, die ein Leben lebenswert macht und erhält. Ihre Grundsätze sind erprobt. Sie stammen aus dem Leben. […] Freuen wir uns, dass wir dieser standhaften Kirche angehören dürfen, die ihre Fahne nicht in jeden Wind hält, sondern sich der Wahrheit verpflichtet weiß. […] Ob "Kirchenvolksbegehren", "Wir sind Kirche", "Pfarrer-Initiative", "Aufruf zum Ungehorsam" "Nein-Sager" - es ist und bleibt der "Kanon des Widerspruchs" von dem "ein gewisser Kardinal Ratzinger" bereits im Jahr 1989 gesprochen hat (als wir es noch nicht zu träumen wagten, dass die Kirche ihn als begnadeten Papst Benedikt XVI. geschenkt bekommt!): Auflösung des Zölibats, Frauenpriestertum, Aufhebung der kirchlichen Ehe Moral, Aufhebung der Sexualmoral in Bezug auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften.
Immer dasselbe - immer ein bisschen anders verpackt. Aber letztlich immer verbunden mit einem Nein zur römisch-katholischen Kirche in ihrer konkreten Verfasstheit, mit einem Nein und zum Hl. Vater, dem Stellvertreter Christi auf Erden. Anstatt - gerade in Zeiten, die so gerne als "Krise" gesehen werden - ein freudiges JA zu Gott und zu SEINER Kirche zu sprechen.
[…] JA zu einer klaren Bereitschaft der Hingabe! […] JA zur priesterlichen - ehelosen - Lebensform! […] JA zur Lehre der Kirche, die immer klar - bis hin zum Dekret Ordinatio sacerdotalis - bezeugt hat, dass die Weihe zum Priester für Frauen nicht möglich ist. […] JA zur kirchlichen Ehe Moral. JA zu einer neuen Begleitung der Ehepaare, dass ihr Versprechen haltbar und tragfähig ist. JA zum Ideal der christlichen Familie, […] JA zur kirchlichen Sexualmoral. JA auch zu so unmodern gewordenen Begriffen wie Keuschheit und Enthaltsamkeit. JA zu den klaren Aussagen des Weltkatechismus, der in Bezug auf homosexuell veranlagte Menschen von der Berufung zur Keuschheit spricht. […] JA zu einem demütigen Blick auf den Herrn, ja zum Mut, den Herrn auch zu fragen, wo der Weg des Einzelnen hinführt.
Setzen wir den Nein-Sagern ein klares JA zum Glauben, JA zu Gott und SEINER Kirche entgegen.
(Mag. Martin Leitner, Pfarrer und Spiritual, 29. Januar 2013

Montag, 28. Januar 2013

Schattenminister.



Sinnigerweise stellt Steinbrück nun peu à peu so eine Art Schattenkabinett auf.
Dabei geht es um Arbeitsteilung, so daß sofort klar ist welcher Sozi auf welche Themen antwortet. Dabei kommt es nicht unbedingt auf größte Kompetenz an, sondern auf Proporz und maximale Wählermobilisierung. 
Steinmeier und Schwesig gelten beispielsweise als a priori gesetzt. Ersterer, weil er seit der Nierensache so beliebt ist und letztere, weil sie Multiquotistin (Frau, jung, Ost,..) ist.

Schattenminister sind also prä-elektionäre Steinbrück-Epigonen, die rein virtuell agieren. 
Sie können vor Kameras auftreten, Partei-Propaganda betreiben, haben aber keinen Einfluß, weil sie  keinerlei Befugnisse haben.
Bizarrerweise verwendet die real existierende Bundesmerkel auch im Jahr Dreineinhalb nach Vereidigung ihres Kabinetts Schattenminister.
Die fünf FDP-Pfeifen, aber auch Schavan, von der Leyen, Aigner und Schröder sind aus reinen Proporz-Überlegungen auf ihren Posten, treten in Talkshows auf, haben keinerlei Einfluß.
Zwar hätten sie die Befugnisse, aber sie sind einfach zu unfähig, um irgendetwas sinnvolles durchzusetzen. 
Selbst bei den völlig sinnLOSEN Vorhaben verzettelt und vertüdeln sie sich.


Die ZDF-Politsatiresendung „Neues aus der Anstalt“ wies dankenswerterweise daraufhin, wieso so viele dringend anstehenden Probleme nicht gelöst werden:
Die Kanzlerin hatte sie nämlich zur Chefsache, bzw Cheffinnensache erklärt.
Und so viel ist sicher: Wenn sich Merkel persönlich einem Anliegen verschreibt, geht es im Chaos unter:
„Stuttgart 21, Energiewende, Opelrettung, Klimaschutz, Umwelt, Gebäudedämmung, Milchpreise, IT-Sicherheit, Bildungsgipfel, Afghanistan, gescheiterter Klimagipfel Kopenhagen, Olympiabewerbung München, Demographiewandel, Integration, HartzIV-Reform, bundeseinheitlicher Nichtraucherschutz, Köhler, Wulff, Freilassung Julia Timoschenko,…“
Hinter der medienaffinen Schröders und Schavans, fällt ein Minister kaum auf, dem aber durchaus Aufmerksamkeit gebührt. 

Peter Ramsauer. Konservativer Hardcore-Hetero-Katholiken-Familienvater mit vier Töchtern.
Der CSU-Spitzenkandidat ist insofern relevant, weil er als Bau- und Verkehrsminister einen der größten Etats überhaupt verwaltet.
 Er ist der Mann mit dem Geld und kann viele, viele Baufirmen und Landespolitiker glücklich machen.

UND er hat perfekt das Merkel-Motto „was ich anpacke, geht schief“ adaptiert.
Was er anfasst, geht in den meisten Fällen schief: Peter Ramsauer (CSU), Minister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ist der „Bruder Leichtfuß“ der Bundesregierung.
(HH Mopo 28.01.13) 
Erst Ramsauers „Krisenmanagement“ stürzte den Berliner BER so richtig ins Chaos.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kommt durch interne Protokolle aus seinem eigenen Ressort in der Affäre um den Berliner Hauptstadtflughafen unter Druck. So kritisiert die von Ramsauer selbst eingesetzte Sonderkommission "BER" das Krisenmanagement des Bundesverkehrsministeriums beim Flughafen. […] Aus den Protokollen geht weiter hervor, dass Ramsauers Sonderkommission spätestens ab Sommer 2012 weniger darauf hinarbeitete, den maroden Flughafen zu retten, sondern vor allem belastendes Material für eine Ablösung von Flughafenchef Rainer Schwarz sammelte. "Die Soko kommt zu dem Schluss, dass der Aufsichtsrat über die tatsächlichen Vorgänge falsch bzw. nicht umfassend informiert worden ist", heißt es über die Rolle von Schwarz im Protokoll der Soko-Sitzung vom 12. Oktober.

Anton Hofreiter, der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, kritisiert Ramsauers Krisenmanagement mit harschen Worten. "Aus einer Baustelle mit Terminproblemen wurde eine Bauruine", sagt der Grünen-Politiker.
Auch Ramsauers Lieblingsprojekt, die Reform der Flensburger Punkte-Datei, fuhr er zielstrebig gegen die Wand. Der Bundesrat stimmt nicht zu. Nicht weil dort SPD’ler das sagen haben, sondern weil der Gesetzentwurf grottig schlecht ist. Experten schütteln den Kopf über den dilettierenden Minister.

Die geplante Reform des Flensburger Punktekatalogs ist bei Verkehrsexperten glatt durchgefallen. Dem Gesetzentwurf der Bundesregierung könne nicht zugestimmt werden, beschloss am Freitag der zuständige Arbeitskreis auf dem 51. Verkehrsgerichtstag in Goslar. Verkehrsgerichtstags-Präsident Kay Nehm bezeichnete den Gesetzentwurf aus dem Haus von Peter Ramsauer (CSU) als enttäuschend. Hauptkritik: mangelnde Transparenz. So sei unklar, ab wann welche Punkte zählen oder wieder gelöscht werden sollen. Zudem fehle die Möglichkeit zum Punkteabbau, um einen Führerscheinentzug abzuwenden.
Es ist eigentlich keine einzige politische Aktion des Bayern bekannt, die nicht im Chaos geendet wäre.
 „Stuttgart 21“


Das gegen den Widerstand der Bevölkerung durchgesetzte Bahnhofsprojekt wird immer teurer. Zuletzt war von Mehrkosten in Höhe von zwei Milliarden Euro die Rede – die am Steuerzahler hängen bleiben. Ramsauer und sein Ministerium haben die Fehlplanung maßgeblich zu verantworten und sind auch im Aufsichtsrat der Bahn – dem Bauträger – vertreten.



Jade-Weser-Port



Zwar hat der einzige deutsche Tiefwasserhafen, der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, kürzlich eröffnet. Die Container rollen. Allerdings ist das Hinterland des Hafens kaum erschlossen. Die Bahnanbindung kommt wohl erst im Jahr 2019. Ein Versäumnis des Verkehrsministeriums.



Pkw-Maut



Ob man eine Maut für Pkw für sinnvoll hält oder nicht – Ramsauer hat wiederholt dafür gekämpft. Und ist immer wieder von der Kanzlerin zurückgepfiffen worden.



Gigaliner



Ramsauer will gegen massiven Widerstand im großen Stil sogenannte Gigaliner auf die Straße bringen – 25-Meter-Lkw, die Kritiker für umweltschädlich und gefährlich halten. In der Testphase beteiligten sich nur wenige Bundesländer und kaum Speditionen.



Elektroautos



Ramsauer hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland fahren zu lassen. Bisher werden aber nur 6.000 im Jahr verkauft. Ramsauer tut wenig, um die Forschung, die Entwicklung oder den Absatz solcher Autos zu fördern.


Ein typischer schwarzgelber Minister also, der zu den demoskopischen Rekordwerten der Union beiträgt.

Der Urnenpöbel liebt sowas.