Montag, 26. November 2012

Es nervt!




In meinem neuen Blog Tammox-II gibt es zu rund 300 Postings schon wieder 35 mal das Label „schwul“.
Bei den 1709 Postings des Tammox-I-Blogs gibt es diesen tag sogar 135 mal.

Dabei interessiert mich das Thema überhaupt nicht! Das Adjektiv „schwul“ ist für mich genauso unspannend wie „hetero.“
Schwul oder hetero ist für mich das klassische Nichtthema. 
Ich kann mir keinen Grund vorstellen, aus dem ich von mir aus das Schwul-Fass aufmachen sollte. (Ich selbst bin bekanntlich sowieso asexuell und streng zölibatär. Was sollte es mich tangieren wer wen im Bett antörnend findet?)
Ich finde beispielsweise Helmut Kohl extrem unsympathisch.
Ob er des nächstens über seine Hannelore oder über einen Herrn vom Sicherheitsdienst gerollt ist, spielt dabei wirklich keine Rolle. 
Beide Varianten sind ekelhafte Vorstellungen, denen man besser in seinem Gehirn nie Platz schafft.

Daß ich dennoch das Thema Homosexualität immer wieder streife, hängt nur damit zusammen, daß zwei meiner Hauptinteressen - konservative Politik und Religioten - ihrerseits andauernd das Genitale Geschehen auf die Tagesordnung legen.

Ob es nun die amerikanischen Republikaner, Ratzis Verein, die CDU oder Kreuznet ist - sie alle sind regelrecht besessen vom Schwulsein.

Besonders bizarr sind dabei die Katholiken der Ära Ratzinger. 
Wann immer einer von den Röckchenträgern in einer Diskussion oder einem Interview sitzt, beklagt er früher oder später, das schlechte Image der RKK sei unter anderem dadurch bedingt, daß sie von „den Medien“ immer nur auf das Thema Sexualmoral reduziert würden.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. 
Wenn Ultrakonservative und Religioten sich nicht fortwährend gegen die Menschenechte stellten, eckten sie damit auch nicht an.

Sie sollten wie in Skandinavien und den Benelux-Ländern einfach die volle rechtliche Gleichstellung durchsetzen und das Thema „Homoehe“ könnte ab sofort aus den Schlagzeilen verschwinden.

Man würde darüber genauso viele Worte verschwenden, wie über die Minderwertigkeit von Linkshändern.

Wenn man sich aber wie die Bundesregierung, der Papst oder die US-GOPer dauerhaft darauf versteift einigen Menschen selbstverständliche Rechte vorzuenthalten, hält man das Thema unweigerlich am Kochen.

Ich kann mich nicht als Partei für die Diskriminierung von Blauäugigen einsetzen und mich dann beklagen, wenn ich dauernd gefragt werde, was ich eigentlich gegen Blauäugige habe und wie ich es rechtfertige, daß sie weniger Rechte als Braunäugige und Grünäugige haben sollen.

Wer offiziell eine diskriminierende Position vertritt, handelt aber nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch politisch-taktisch fragwürdig.

Es ist eine NoWin-Situation. 


Die meisten humanistischen Positionen, die der moderne Kirchismus hart bekämpfte, wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Folterverbot, Abschaffung der Sklaverei, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Tierrechte, Ächtung von Antisemitismus, Schwulenrechte, Abschaffung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Abschaffung des Verbots gemischtkonfessioneller Ehen, Verbot von Vergewaltigungen in der Ehe, etc pp - wurden inzwischen klammheimlich akzeptiert.


Die Kirchen waren aber lange Zeit dagegen und verschwendeten damit sinnlos über Dekaden ihre Kraft.

Glücklicherweise hat sich der kirchliche Widerstand gegen Bürgerrechte meistens als Mißerfolg erwiesen, weswegen Seth Macfarlane es als Zeitverschwendung betrachtet auf Seiten der Kirche zu stehen:
It is a huge waste of time; if you look back in history every civil rights-movement; the blacks or woman, they always lose. Anyone who tries to fight the advance on any particular minority-group is going to lose - weather it is now, weather it is 20 years from now.
They are wasting their time.
Die wenigen menschenrechtsantagonistischen Vorstellungen, an denen US-Republikaner und RKK noch festhalten, werden auch in absehbarer Zeit verlassen werden. 
Der Zug geht nur in eine Richtung.

Man möchte Unionsparteien, Katholiban und GOPern einen in Blick in den Brockhaus empfehlen – das immerhin anerkannteste Lexikon-Werk der Welt – in dem es dazu heißt:
In der Sexualforschung geht man davon aus, dass die HOMOSEXUELLE ORIENTIERUNG EBENSO WIE DIE HETEROSEXUELLE tief und UNABÄNDERLICH mit der Persönlichkeit verknüpft ist. Die Homosexualität wird inzwischen VON ALLEN MIT IHR BEFASSTEN WISSENSCHAFTLICHEN DISZIPLINEN als ein häufig vorkommendes sexuelles NORMALPHÄNOMEN angesehen.
 Sich heute noch auf die Homosexualität als politisches Thema zu kaprizieren, kann man nur psychologisch erklären.
Homophobe sind ängstlich, sich ihrer eigenen Sexualität nicht sicher, notorische Misanthropen oder eben Klemmschwestern, die ihre heimliche Homosexualität mit besonders stark zur Schau gestellter Schwulenfeindlichkeit überkompensieren wollen.

Oder kann es ein Zufall sein, daß derart viele anti-gay-Aktivisten der US-Republikaner irgendwann beim Sex mit Männern ertappt werden?
Caleb Douglas Hesse - longtime anti-gay activist and even donated to Prop 8 in California to ban gay marriage. In August 2012, he confessed to sexually abusing "numerous underage boys," usually during overnight trips with the Evangelical Free Church youth group in Yucca Valley, CA.

George Rekers, a man who helped start one of the most powerful anti-gay lobbying groups in the US during the 80s and has written published papers such as "Growing Up Straight [….] He hired a male prostitute.

Georgia Pastor Eddie Long, a Baptist and famed televangelist in his area. In 2004, he led a march to Dr. Martin Luther King's grave in the name of defining marriage as between a man and a woman. He has also been quoted as saying that his church can "deliver" people from homosexuality.

He is currently being sued by four young men (ages 21, 20, 23 and 22) for using his fame and influence to coerce them into sexual relationships.

Alabama Attorney General Troy King - Known for his vocal opposition to gay rights and for his attempt to outlaw sex toys, King was caught by his wife while having sex with a local homecoming King.

Richard Curtis, Washington State Representative has an anti-gay rights voting record…… resigned from the House due to reports of his sexual encounter with a male escort.

Ted Haggard, Pastor Ted to his congregation at New Life Church in Colorado Springs, Colorado, Ted Haggard was outed by prostitute, and professional masseur, Mike Jones in November 2006 for paying him to engage in sex with him for three years.

Glenn Murphy Jr., former head of the Young Republicans and one of the (former) leading Republicans of Indiana, always advocated "straight" family values and straight forward sexual orientation views.  He was caught (finally, the second time he did it) performing fellatio on another Young Republican while that man slept, without that man's consent.

David Dreier is a Republican member of the U.S. House of Representatives who has voted against gay marriage rights, gay legal rights and gay adoption rights. He's been accused of having sex with members of his staff and even paying his alleged boyfriend a high salary.

Bruce Barclay, the Republican commissioner of Cumberland County, Pennsylvania, is practically the gay porn star of politics. Due to an allegation of rape by 20-year-old male Marshall McCurdy, police obtained a warrant to search Barclay's home on

Roy Ashburn On March 3, 2010, this conservative California State Senator, who always votes against any gay-rights bills….. left a gay bar with an unidentified man. Since then, Ashburn has admitted that he's gay to KERN radio host Inga Barks, but that his voting record reflects his "responsibility to [his] constituents"

 Oder kann es ein Zufall sein, daß derart viele katholische Kleriker schwul sind?

Weswegen nun Angela Merkel, die angeblich so Flexible, derart hartnäckig auf der falschen Seite der Geschichte steht, läßt sich zwar mit kurzfristigen parteipolitischen Überlegungen erklären (ein Bonbon für die Konservativen), ist aber grundsätzlich so dumm, daß man nur den Kopf über diese Kanzlerin schütteln kann.

Die CDU-Führung lehnt die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe weiter ab.
 Damit garantiert Merkel eine Flanke immer offen zu haben.
Und nebenbei sind die paar „Modernen“ in der CDU düpiert. Jene angeblichen Hoffnungsträger, auf die so verzweifelt gesetzt wird, nachdem die Union in fast allen Großstädten Deutschlands aus der Regierung flog.
Nun wird also doch nichts aus dem Vorstoß der "Wilden 13". Im August hatten 13 CDU-Bundestagsabgeordnete ihre Partei aufgefordert, homosexuelle Lebenspartnerschaften endlich auch steuerlich mit Ehen gleichzustellen. Elf Jahre nach der Einführung der Lebenspartnerschaften schien die CDU ihren Frieden mit der Homo-Ehe machen zu wollen. Doch die Hoffnung währte nur einen Sommer.
Die CDU-Antragskommission hat jetzt entschieden, dem Parteitag sogar eine klare Ablehnung der Gleichstellung zu empfehlen - und kaum einer zweifelt daran, dass sich die Delegierten an dieses Votum halten werden.
Jens Spahn, der noch im vorletzten SPIEGEL in einem mehrseitigen Interview über seine Homosexualität sprach und als Politstar der Post-Merkel-CDU gilt, ist blamiert.
Aber seine ewig-gestrige Peinlich-Partei sägt lieber den Ast ab, auf dem sie sitzt. 
Neue Polittalente nicht willkommen.
CDU-Chefin Merkel weigert sich beharrlich, die Homo-Ehe endgültig mit der Ehe gleichzustellen. Sie traut sich nicht - aus Angst vor der Rache ihrer verbliebenen stramm konservativen Wähler - und wartet lieber auf das Verfassungsgerichtsurteil. Ein schwuler CDU-Abgeordneter macht jetzt vor dem Parteitag Druck. Zu Recht.
Zwei Menschen lieben sich, kommen zusammen, wollen heiraten. Vielleicht eines Tages Kinder großziehen, vielleicht hat einer schon Kinder. Sie suchen den Schutz des Staates. Wollen abgesichert sein. Verständlich. Es ist Aufgabe des Staates, solche Verantwortungsgemeinschaften zu fördern und zu unterstützen. Das steht ja auch so im Grundgesetz. Gilt nur nicht für jeden.
Allein Eheleute genießen alle steuerlichen Privilegien, eingetragene Lebenspartner nicht. Und das, obwohl sie nicht weniger füreinander einstehen. Das ist erkennbar ungerecht. […]
Allein durch die vielen Urteile ergibt sich für die Politik Handlungsbedarf. Gleichgestellt wurde die Homo-Ehe durch Gerichtsentscheide bereits bei der Hinterbliebenenrente für Beamte im öffentlichen Dienst, der Erbschaft- und Schenkungsteuer, beim beamtenrechtlichen Familienzuschlag und bei der Grunderwerbsteuer.
Die Gleichstellung im Ehegattensplitting ist nur die logische Folge. Davor einfach die Augen zu verschließen und im Zweifel darauf zu hoffen, dass nach der Bundestagswahl andere sich damit herumplagen müssen, ist eine nicht akzeptable Verweigerungshaltung. Die CDU erkennt mal wieder nicht, dass sich die Erde weiterdreht.
Zumal sich die CDU damit jeden Gestaltungsspielraum nimmt. […]
Merkel bewegt sich keinen Millimeter
 Und so werde ich wohl noch einige „schwul“-tags ansammeln müssen.

Merkel, tuntige Kuriale und GOPer Klemmschwestern werden das Thema immer und immer wieder auf die Tagesordnung setzten.

 Sie verlangen es jedem anständig denkenden Menschen ab, ihnen in die Parade zu springen und homosexuelle Position zu beziehen. 
Und wenn man noch so sehr davon ermüdet ist.

Ich wünschte wirklich, ich könnte das Thema Homosexualität ausklammern und mich in diesem Blog mit anderen Dingen beschäftigen. 

Aber man zwingt mich….

Sonntag, 25. November 2012

Pay-Politik Teil V



Es gab Zeiten, in denen englische Premierminister, deutsche Bundeskanzler und französische Präsidenten so eng zusammen arbeiteten und so konstruktiv planten, daß Europa wirklich voran kam.

Heute haben wir aber eine Bundeskanzlerin, die in den anderen Hauptstädten ungefähr so beliebt wie Fußpilz oder Mundfäule ist.
Das liegt nicht etwa daran, daß sie andere Meinungen vertritt. Auch zwischen Bundeskanzler Schmidt und seinen Kollegen hat es teilweise ordentlich gekracht.
Die Ursache der Germanophobie in den europäischen Regierungszentralen besteht in Merkels Unzuverlässigkeit. Sie fordert immer mal wieder etwas, an das sie sich selbst nicht hält und verlangt morgen schon wieder das Gegenteil.
Eben noch Vorkämpferin gegen den Klimawandel, interveniert sie kurze Zeit später in Brüssel, daß aber bitte sehr keine CO2-Abgaben beschlossen werden dürften. 
Einen Tag wirbt sie energisch für verbindliche Entwicklungshilfeziele, am nächsten Tag streicht Deutschland die Entwicklungshilfe zusammen.
Und beim Euro, der Bankenregulierung, der Schuldeneindämmung ist es noch viel extremer. 
Auf Deutschland ist kein Verlass, weil eine phantasielose Kanzlerin sich immer nur davon treiben läßt, was ihr innenpolitisch-parteipolitisch zu helfen scheint.
 Deutschland verhält sich extrem respektlos gegenüber den Partnern, konsultiert nicht (Atomausstieg!) und tönt dann auch noch rum in Brüssel werde wieder deutsch gesprochen.

Zu allem Übel ist auch die Position des deutschen Außenministers seit 2009 vakant.
Eigentlich müßte der oberste Diplomat in der Europapolitik eine führende Rolle spielen, die Wogen glätten, Initiativen vorbereiten und die richtigen Denker zusammensetzen. Aber leider haben wir ja keinen Außenminister mehr.

Viel findet eben nicht mehr statt in dieser Bundesregierung.
Im Kanzleramt brennt gewissermaßen nur noch eine Sparbirne.


Eine besonders widerliche gegen das Volk gerichtete Konzernbereicherungsmaßnahme winkte Schwarz-Gelb letzte Woche durch:
"Es war eine Nacht- und Nebelaktion, mit der die Schwarz-Gelbe Koalition letzte
Woche beschlossen hat, Millionen Deutsche um einen Teil ihrer Ersparnisse zu bringen.“
(Georg Restle, Monitor 15.11.12)

 „Das, was wir im Bundestag beschlossen haben, bedeutet für sehr viele Versicherte, dass sie relevante Einbußen haben bei den Überschussbeteiligungen. Also weniger aus ihrem Lebensversicherungsvertrag erhalten als Sie erwarten konnten.“
(Gerhard Schick (B90/ Die Grünen, Religiot), Finanzausschuss des Deutschen Bundestages)
90 Millionen Lebensversicherungsverträge, überwiegend von Kleinsparern abgeschlossen, gibt es in Deutschland. Gerade die sogenannten „bürgerlichen“ Parteien fordern diese private Vorsorge bei jeder Gelegenheit von den Deutschen.
Sie betreiben damit massive Propaganda für die Versicherungswirtschaft.

Einer der größten Versicherungskonzerne, die ALLIANZ, lebt gut davon. Sie gibt Parteispenden an CDU und FDP und kassierte allein im letzten Geschäftsjahr über zwei Milliarden Euro Reingewinn.

Die FDP, deren Mitglieder bei der Deutschen Krankenversicherung Sonderkonditionen beanspruchen dürfen, ist ein getreuer Helfer der Versicherungskonzerne.

Besonders perfide tat das im Jahr 2010 der Anti-Hartzler-Hetzer Westerwelle, als er sich brüstete mit der Anhebung des „Schonvermögens“ soziale Wohltaten zu verteilen.

Rückblick:

Der Vizekanzler lügt, wenn er sich als Sozialwohltäter wegen der Erhöhung des Schonvermögens feiert.
Westerwelle: Ich habe nicht ein einziges Mal Hartz-IV-Empfänger kritisiert, sondern mit klaren Worten ein System, das zu wenig Treffsicherheit für die wirklich Bedürftigen hat. Schwarz-Gelb hat hier auch schon Verbesserungen erreicht: Das Schonvermögen für Hartz-IV-Empfänger wurde für die Altersvorsorge verdreifacht.
Ein typischer FDP-Satz. Klingt gut, ist aber gelogen!

Tatsächlich ist die Erhöhung des Schonvermögens eine Quersubvention für die Versicherungswirtschaft, die mit dem Gesetz auf Privatkundenaquise gehen kann.

99,8 % der Hartz-IV-Empfänger bringt das rein gar nichts.


Laut einer Berufung auf eine interne Erhebung der Bundesagentur für Arbeit, wurden von Januar bis September 2009 bundesweit 5,554 Millionen Anträge auf das Arbeitslosengeld II bewilligt oder abgelehnt. Darunter waren nur 11.000 Anträge, die wegen mangelnder Hilfebedürftigkeit aufgrund von vorhandenem Vermögen abgelehnt worden sind, das entspricht 0,2 Prozent aller Anträge.
(Thüringer Allgemeine)

Zum nahenden Ende der Gelben in der Bundesregierung dürfen sich die Konzerne laut MONITOR noch einmal über eine weitere Milliarde Gewinn auf Kosten ihrer Kleinsparer freuen.

 Diese K.O.alition macht es möglich.

Einfach widerlich, diese Erfüllungsgehilfen der Finanzindustrie von der Regierungsbank
Axel Kleinlein, Bund der Versicherten:
 „Es ist schon perfide, dass die Politik im Moment mit vielfältigen Gesetzen daran dreht, dass die Ablaufleistungen und die Rentabilität der Altersvorsorgeprodukte schlechter werden, um dann am Schluss auch noch dem Bürger zu sagen, weil die Ablaufleistungen schlechter sind, müsse der Bürger jetzt noch mehr  Altersvorsorge betreiben. Das ist ein perfider Weg.“
Und trotzdem hat die Bundesregierung letzte Woche fast unbemerkt einen Wunsch des GDV erfüllt, des Lobbyverbandes der Versicherungen. Der hatte schon lange getrommelt.
[…]
Barbara Sternberger-Frey, Finanzjournalistin:
„Die Niedrigzinsphase wird ausgenutzt. Das war  ja schon 2008 eine Forderung der Versicherungsbranche. Die wollten das damals schon nicht und  sie nehmen natürlich jetzt das aktuelle Umfeld, um zu sagen, uh, uns geht’s so schlecht, wir brauchen das. Sonst ist unser Geschäftsmodell gefährdet.“
 Dennoch hat die Bafin den Wunsch der Versicherungslobby, die Bewertungsreserven nicht  auszuzahlen, unterstützt. Und zwar auch für Unternehmen, denen es gut geht.

Barbara Sternberger-Frey, Finanzjournalistin:
„Und das ist auch das Ärgerliche daran. Denn Schutzmechanismen für Unternehmen, denen es wirklich schlecht geht jetzt, die hatten wir eigentlich schon im Gesetz. Und jetzt wird hier eine Regelung geschaffen, von der alle profitieren können und wo sie praktisch Gewinne, die eigentlich den heutigen Kunden zustehen, für die  Zukunft bunkern können.“

Übrigens; da ich gerade MONITOR empfehle:

Samstag, 24. November 2012

Nicht übertreiben....



Berlin kennen wir alle.
Das ist die Stadt ohne Kaufkraft und ohne industrielles Rückgrat, die sich mit über drei Milliarden jährlich mit großem Abstand von allen Bundesländern das meiste Geld aus dem Länderfinanzausgleich abgreift und sich dafür zwei Zoos und drei Opernhäuser leistet.

Das ist schon eine Menge Transfergeld, das bei den Berlinern ankommt.
In den letzten zehn Jahren (1999-2008) erhielt Berlin im Durchschnitt 2.952 Millionen Euro pro Jahr, während Hamburg im selben Zeitraum durchschnittlich 468 Millionen Euro jährlich einzahlte.

Berlin bezieht als eins von 16 Bundesländern allein 38% der Gesamtmittel aus dem Länderfinanzausgleich, während das halb so große Hamburg allein 30% der Einzahlungen aufbrachte (Zahlen des Bundesfinanzministeriums von 2008).

Diese Zahlen allein würden mich nicht an die Seite Bayern bringen. 
Die CSU’ler, als derzeit größte Einzahler machen in Populismus (2013 ist Landtagswahl in Bayern!) und klagen gegen den Bundesfinanzausgleich.
Eine unsolidarische und geschichtsvergessene Maßnahme. 
Denn von 1950 bis 1986 hatte Bayern ununterbrochen vom Länderfinanzausgleich profitziert. 
Fast 40 Jahre war Bayern Nehmerland. Erstmals 1989 zahlte Bayern mickrige 33 Millionen ein.
Hamburg andererseits hatte schon seit 1950 ununterbrochen zu den Geberländern gehört und jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag an die ärmeren Bundesländer überwiesen.
Geld, welches ins Bayern dazu benutzt wurde Infrastruktur aufzubauen, von der die CSU jetzt profitiert.

Bundesländer lassen sich genauso wenig vergleichen wie Äpfel und Birnen.
Am ehesten kann man noch Stadtstaaten untereinander und Flächenstaaten untereinander vergleichen.
 Städte haben viel höhere Sozialleistungen zu erbringen und leiden unter dem enormen Nachteil, daß viele Pendler bei ihnen arbeiten, von ihrer Infrastruktur und ihren Unis profitieren, aber ihre Steuern im Nachbarbundesland bezahlen. 
Das ist ein Hauptgrund für die ständige Finanznot in Berlin und Bremen. 
Daß Hamburg dennoch immer zu den Geberländern gehörte, spricht für die außergewöhnliche Wirtschaftskraft der Hansestadt.
In Wahlkämpfen loben Politiker deswegen die Tüchtigkeit und das kaufmännische Geschick der Hamburger. Aber zu Hamburgs Wirtschaftskraft gehört natürlich auch eine große Portion Glück. Berlin war nun einmal bis 1989 komplett vom Umland isoliert, konnte keine Käufer aus dem Speckgürtel anziehen. Und Berlin hat anders als Hamburg auch keine Verbindung zum offenen Meer mit einem gigantischen Tiefwasserhafen, der quasi automatisch hunderttausende Jobs generiert.
Überhaupt lassen sich die Bedingungen der Ost- und Westländer keineswegs vergleichen. 
Einige Länder haben es schwerer, andere leichter.
Gegenden, die von traditionellen Industrien wie Schiffsbau oder Textilverarbeitung geprägt sind, oder Kohlereviere haben kaum eine Chance mit diesen Wirtschaftszweigen weiter zu existieren.

Hamburg als Handelsstadt hat da zufälligerweise die besseren Karten, da gerade die Globalisierung, welche so viele Arbeitsplätze nach Asien verschwinden läßt, für einen Boom bei Logistik und Handel sorgt.

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, daß Stärkere den Schwächeren helfen.

Unabhängig davon, ob man wie Bayern selbst 40 Jahre die Hand aufgehalten hat, oder ob man wie Hamburg immer gegeben hat.

Dennoch bleiben zwei Argumente, die auch bei mir Zweifel am derzeitigen Länderfinanzausgleich wecken. Ein Ökonomisches und ein Emotionales.

1.)
Wie schlecht geht es eigentlich den Nehmerländern noch?
Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) kritisierte: "Der Finanzausgleich in seiner jetzigen Form bestraft solide Finanz- und Haushaltspolitik." […] Zuvor war eine Übersicht des Bundesfinanzministeriums zu den Haushalten der Bundesländer bekanntgeworden. Danach schreiben die Nehmerländer Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Berlin in den ersten neun Monaten 2012 schwarze Zahlen, während die Geberländer Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg im Minus sind. […] Die Hälfte der Länder erwirtschaftete sogar einen Überschuss. Am besten ist die Finanzlage in Sachsen, am schlechtesten in Nordrhein-Westfalen.
(SZ 01.11.12)
Daß Länder mit einem Minus an die Länder, die finanziell gut dastehen zahlen, wirkt in der Tat etwas eigenartig.

2.)
Berliner sind undankbar.

Wowereits genialer Slogan „arm, aber sexy“ hat das bewirkt was er sollte: Touristen anziehen. Und Touristen bringen Geld, finanzieren den Berliner Sozial-Haushalt, schaffen Jobs in Gastronomie, den Museen, den Theatern, …, und Hotelgewerbe.
Überall auf der Welt gibt es strukturarme Gegenden, die vom Fremdenverkehr leben, weil sie zufällig sonnig sind, über alte Kulturstätten verfügen oder einen schönen Strand bieten.
Der Tourismus ist der große Wirtschaftsfaktor Berlins geworden.
Stolz verkündet Berlins Touristikportal „visitberlin“ monatlich die neuesten Zahlen.
Fast zehn Millionen Touristen besuchten im Jahr 2011 Berlin. Mit sage und schreibe 22 Millionen Übernachtungen dürften Sightseeingtouren, Hotels, Taxiunternehmer und Souvenirhändler richtig gut verdient haben.

Die jüngsten Zahlen stammen aus dem Monat September 2012, der Berlin 1.011.342 Touristen brachte, die 2.333.920 Übernachtungen buchten.

Das gefällt aber den chronisch klammen Hauptstädtern mit ihrem absoluten Rekordanteil von 16% Hartz-IV-Empfängern nicht. (Rund 450.000 „arbeitsfähige Hartz-IV-Empfänger“ leben in Berlin.)

Sogar der RBB beklagt im selben Satz, der die Geldströme beziffert, schon die vielen Fremden.
Zum einen bringen die Touristen 9 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr nach Berlin und schaffen damit auch 230.000 Arbeitsplätze, zu anderen gibt es aber auch viele Anwohner, die sich mehr als gestört durch die touristischen Tag- und  Nachtschwärmer und Partygänger fühlen, weil sie viel Unruhe und somit auch Lärm rund um die Uhr in die Wohngebiete bringen.
 Touristen werden immer öfter mit „BERLIN DOESN’T LOVE YOU“- Logos und Aufklebern empfangen.


So ein Logo war in der Karambolage-Sendung vom 11.11.2012 Gegenstand des Rätsels der Woche.
Die Zuschauer sollten anhand einer 30-Sekündigen Straßenszene erraten, ob das Filmchen in Frankreich oder Deutschland gedreht wurde [watch 9.40-10.40].

Die Auflösung [watch 9.43-10.10] erfolgte in Artes Karambolage-Ausgabe vom 18.11.12, als erklärt wurde, daß immer mehr „Berlin doesn’t love you“-Aufkleber an den Türen von Berliner Kneipen und Cafés bedeuteten
 „TOURISTEN IN DIESEM LOKAL UNERWÜNSCHT“
Diesen Hinweis sehe man nun immer öfter in der Hauptstadt.



"Touristen anzünden"
Der neue Feind in einigen Stadtvierteln Berlins ist der Tourist. […]
"No more Rollkoffer" kann man dort an Hauswänden lesen, gefolgt von "Touristen anzünden" oder "Touristen fisten". […]
In Berlin [läßt sich] seit Längerem eine merkwürdige Infantilisierung dieser Debatte beobachten.
Da geht es um ein Zuviel an Kinderwagen und Bioläden. Es geht um falsche Bars und Milchschaumdichte im Kaffee. Es geht um Hostels und Ferienwohnungen und Schwaben und Zugezogene. Und es geht um das Rollkofferrattern, das nicht mehr als kosmopolitisches Hintergrundgeräusch gedeutet wird, sondern als Fanal des Untergangs.
[…] Es ist eine amorphe Wutmasse, die gegen den Zuzug oder nur die Anwesenheit gewisser Anderer protestiert. […]
Plötzlich wird nicht nur über Erbrochenes im Hauseingang geklagt, sondern es ist wichtig, wem es gehört: Beim deutschen, autochthonen Säufer wird das unter schützenswertem Lokalkolorit verbucht, während der spanische Erasmusstudent doch bitte da kotzen möge, wo er herkommt.
Diese nach außen gerichtete, provinzielle Aggression, das Abschotten, das Zumauern, das Wir-bleiben-lieber-unter-uns zählt zu den scheußlichsten Formen deutscher Frustrationsbewältigung.

 Zeit für meine erste NS-Anspielung in diesem Blog. 

Ist es passend für die einstige Hauptstadt Hitlers, in der überall „Juden nicht erwünscht“-Plakate und Schilder hingen, nun eine „Touristen unerwünscht“-Kampagne zu starten?

(Das war eine rhetorische Frage)

Und genau jetzt werde ich innerlich das erste mal zum Bayern und denke mir auch 
„dann dreht den Typen doch den Geldhahn ab! Wenn die uns nicht wollen, dann können sie ja auch auf unser Geld verzichten!“
(Pauschalisierungs-Modus off)
Manche sehen das anders. Noch werden Aufkleber wie "Berlin doesn’t love you" von den meisten Berlin-Besuchern mit Humor genommen. Aber ein Image-Verlust stünde der Stadt vermutlich nicht gut zu Gesicht.
 Too late, liebe Berliner. 

Ich finde es gar nicht witzig.

 Witze, die vermutlich weniger witzig, als ernst gemeint sind, brauche ich nicht.
Und schon gar nicht von den Typen, die vom Geld der Fremden leben.