Dienstag, 7. August 2012

Israelis, Juden und Penisse.



Das ist schon eine ungute Erkenntnis, wenn man feststellt wie simpel gestrickt einige unserer Volksvertreter ticken, wie wenig sie durchblicken.

Immer wieder einmal schnappen sie irgendwelche von den richtigen Lobbyisten eingeflüsterten  Satzfetzen auf und wiederholen sie dann brav, ohne sich der Konsequenzen bewußt zu sein.

Man betrachte dazu nur die brandgefährlichen populistischen Sprüche, welche die Doyen der Doofheit, Alexander Dobrindt und Markus Söder regelmäßig absondern.


Aber schlimmer geht immer.

Melderecht, Transplantationsgesetz, Patientenverfügung, Homo-Adoption, Wahlrecht, Genitalverstümmelung, Waffenexportrichtlinien - in immer schnellerer Frequenz erleben wir es, wie überforderte Politiker-Darsteller irgendwelche Vorlagen nach den Anweisungen des Fraktionsgeschäftsführers abnicken, ohne sich selbst Gedanken über das Thema zu machen.


Wie jeder inzwischen weiß, ist es nicht ganz einfach den religiotischen Wunsch nach Blutritualen an den Geschlechtsorganen ihrer Söhne mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen.

In einer normalen Regierung würde so eine juristisch diffizile Angelegenheit den Justizminister auf den Plan rufen.

In Merkels Chaos-Trupp nimmt die zuständige Frau aber liebe eine Auszeit.
Wie das so ihre Art ist:
SSie wehre sich regelrecht dagegen initiativ zu werden diagnostiziert der Tagesspiegel:
„Wie bei der Regelung zur Straffreiheit für die Beschneidung minderjähriger Jungen. In einem Entschließungsantrag hat der Bundestag die Ministerin aufgefordert, nach der Sommerpause ein Gesetz vorzulegen. Die Angelegenheit ist zwar schwer zu regeln, weil mehrere Grundrechte betroffen sind. Doch von der Justizministerin hätte man sich eine klare Positionierung gewünscht. Stattdessen ließ sich Frau Leutheusser-Schnarrenberger zunächst von der Kanzlerin dazu drängen, überhaupt einen Gesetzentwurf vorzulegen. Dann gestand die oberste Juristin des Landes auch noch öffentlich ein, dass jedes Gesetz in dieser Sache wohl vor dem Verfassungsgericht landen werde. Für Justizexperten ist das ein seltsamer Anspruch für eine Justizministerin.“

Es ist offensichtlich, daß die Regierenden und die Majorität der Parlamentarier sich gar nicht in diese Angelegenheit hineindenken wollten.

 Sie hörten nur die hysterischen Reaktionen der Jüdischen und Muslimischen Geistlichen (NICHT zu verwechseln mit den Ansichten aller Juden und aller Muslims), die den Eindruck erweckten Jüdisches Leben mit bedeckter Eichel sei unmöglich und außerdem: „Hitler! Hitler! Hitler! Nicht schon wieder!“

Ja, es wurde von einigen wenigen Parlamentariern auch an Kinderrechte, Religionsfreiheit und medizinische Argumente gedacht. 
Aber was zählte das schon neben der großen Antisemitismuskeule?
 Außenminister und Kanzlerin verweisen folgerichtig auch auf die Wirkung im Ausland, wenn ausgerechnet Deutschland wieder „gegen die Juden“ vorginge.

Dabei könnte man genauso gut umgekehrt einen Schuh draus machen und freudig zur Kenntnis nehmen, daß sich deutsche Richter im Gegensatz zu so vielen Kollegen anderer Nationen um das körperliche Wohl jüdischer und muslimischer Kinder sorgen.

Daß von Volker Beck und Charlotte Knobloch aufgetischte Märchen die Genitalverstümmelung bei Jungs sei völlig ungefährlich, läßt sich schon lange nicht mehr halten.

Durch die Bank weg waren, bzw SIND unsere Politiker aber nicht auf dem aktuellen Wissensstand, haben keine Ahnung davon wie weit international die Debatte über Beschneidungen gediehen ist.

Über einhundert Tote jährlich gibt es allein in den USA durch Beschneidung von Penissen.

A new study published yesterday in Thymos: Journal of Boyhood Studies estimates that more than 100 baby boys die from circumcision complications each year, including from anesthesia reaction, stroke, hemorrhage, and infection. Because infant circumcision is elective, all of these deaths are avoidable.
The International Coalition for Genital Integrity applauds that, for the first time, a rational attempt has been made to estimate the scale of the problem, and is simultaneously appalled by how many baby boys needlessly die each year in the United States.
The study concluded: “These boys died because physicians have been either complicit or duplicitous, and because parents ignorantly said ‘Yes,’ or lacked the courage to say ‘No.’” And called the deaths “an unrecognized sacrifice of innocents.”
The study found that approximately 117 neonatal (first 28 days after birth) circumcision-related deaths occur annually in the United States, one out of every 77 male neonatal deaths. The study also identified reasons why accurate data on these deaths are not available, some of the obstacles to preventing these deaths, and some solutions to overcome them.
Previous studies estimated the death rate as low as two per year to as many as 230. The study collected data from hospital records and government sources to attempt to provide a more accurate magnitude of the problem.

Aber auch diese Zahlen, die Volker Beck und Co immer wieder präsentiert wurden, drangen nicht durch. 

Der Religionsknecht ignorierte diese Erkenntnisse und ist bis heute manisch auf zwei Prämissen fixiert:

1.) ALLE JUDEN sind beschnitten
2.) Auch der Umkehrschluss gilt: Ohne Beschneidung kein Judentum.

Beides ist aber Unsinn.

In Europäischen Ländern wie Schweden und Deutschland ist sogar nur eine Minderheit der Juden beschnitten. 
Kein Rabbiner, aber auch nicht Frau Knobloch und Herr Graumann stellen den Männern, die nicht ihre blanke Eichel vorzeigen können, deswegen den Stuhl vor die Tür und schließen sie aus den Jüdischen Gemeinden aus.

Jude ist das Kind einer jüdischen Mutter - simple as that.

Die Religions - oder gar Volkszugehörigkeit hängt nicht von anatomischen Details des Penis ab.

Man staunt doch immer wieder wie sehr sich die drei Abrahamitischen Großreligionen trotz aller Unterschiede darin gleichen geradezu manisch auf den Penis fixiert zu sein.

Wie er auszusehen hat, wie er benutzt werden darf, wer ihn anfassen darf, etc - dies sind offenbar die Kernfragen der Gottesgläubigen. 

Statt Stern oder Kreuz wäre es nur logisch, wenn die Religionen einen Dildo als Erkennungssymbol verwendeten.

Über das Volk der Juden, wie es oft genannt wird, obwohl es sich doch um eine Religion handelt, läßt sich eins übereinstimmend feststellen: 
Analphabetismus ist untypisch für Juden. Schon immer galten Juden als Volk der Schrift und der Gelehrten.

Da verwundert es nicht, daß im Staat der Juden, also der Nation Israel, in der auch so viele Muslims und Atheisten leben, die Penisverstümmelungsmanie diskutiert und zunehmend kritisch gesehen wird.

Profi-Lobbyisten wie Graumann, Seligmann und Knoblauch, nehmen diese Fakten genauso wenig zur Kenntnis wie Profi-Idioten (Merkel, Westerwelle und Beck).

In der Print-Ausgabe der SZ erschien heute unter dem Titel „Der Schrei“ eine ganzseitige Reportage von Thorsten Schmitz, in der er viele Bürger Israels vorstellt, die ihre Söhne nicht mehr beschneiden lassen haben und ihre Gründe für diese Entscheidung erläutert.

Ich wünsche mir, daß die deutschen Parlamentarier diese Berichte ebenfalls lesen und daraufhin ihre festgefahrene Meinung überdenken. 
(Ein Wunsch mit nahezu keiner Aussicht auf Erfüllung - ich weiß)

Tatsächlich ist es so, daß zunehmend auch Juden in Israel ihre Söhne nicht mehr beschneiden lassen

Sie begehren gegen eine jahrtausendealte Tradition auf, deren Sinn sich ihnen nicht erschließt. Sie legen sich mit ihren Ehemännern, Vätern, Müttern, Großeltern an und ersparen ihren Söhnen die Brit Mila, die Beschneidung. Israelische Medien schätzen, dass bereits mehrere tausend Familien auf eine Brit Mila verzichtet haben. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Das Gesundheitsministerium schweigt, wenn man dort nachfragt.
(Thorsten Schmitz, 07.08.12)

Anders als Graumann und Co behaupten werden ihre Kinder deswegen auch nicht ganz fürchterlich ausgegrenzt und gemobbt, nur weil ihre Penis ein wenig anders aussieht. Was wäre das auch für ein Armutszeugnis, wenn es anders wäre.

Inon [10 Jahre]  hat keine Scheu, über seinen unbeschnittenen Penis zu reden. 'Beim Pipimachen und beim Duschen sehen die anderen, dass ich eine Vorhaut habe. Die haben mich gefragt, warum, und ich hab"s ihnen erklärt.' Und seitdem? 'Fragt keiner mehr.' Einmal habe einer gelacht. Und er? 'Habe einfach auch gelacht.' Wie er den anderen seine Vorhaut erklärt? 'Dass unsere Eltern uns nicht weh tun wollten und dass es überflüssig ist.'
 […] Sohn Roi, sechs Jahre alt, setzt sich zu ihr auf die Schaukel. Er sagt, ein Junge in seiner Klasse habe erzählt, Unbeschnittene seien keine Juden. Das habe er von seinem Opa. Galia Reiner führt viele Gespräche mit ihren Söhnen, auch mit den Kindergärtnerinnen, 'damit sie nicht schockiert sind, wenn sie unsere Jungs nackt sehen'. Ihre Jungs wissen: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat.
[…] Überzeugt hat [Itay]  dann ein 15-jähriger unbeschnittener Nachbarsjunge, der sagte: 'Ich hatte noch nie ein Problem. Niemand sagt was, wenn wir uns beim Pissen anschauen.' Heute denkt Itay Reiner genauso: 'Man hätte schon vor 500 Jahren mit der Brit Mila aufhören sollen. Wir essen Schweinefleisch, gehen samstags aus, aber wir verstümmeln unsere Söhne noch immer!'
(Thorsten Schmitz, 07.08.12)

Auch andere Zeitungen berichteten schon von den Juden, die sich prinzipiell gegen Beschneidungen engagieren. 

Im Bundestag ist diese Erkenntnis aber nie angekommen.

Vor sieben Jahren hatten die Sadehs einen Sohn bekommen. »Wie bei uns üblich hatte ich mit einem Mohel, einem Beschneider, einen Termin vereinbart«, erzählt der Jude. Zwei Tage vor der Feier habe er sich im Internet informiert, was bei dem Eingriff passiert. »Ich war entsetzt«, sagt der Israeli. Denn er habe erfahren, dass bei kleinen Kindern Vorhaut und Eichel von Natur aus fest verklebt seien, um die Eichel vor Urin zu schützen. Und dass es deshalb keineswegs einfach sei, die Vorhaut zu entfernen. Dass die Kinder große Schmerzen hätten, und dass es negative Auswirkungen auf die Sexualität geben könne.
»Zum Glück war meine Frau sofort einverstanden, die Beschneidung abzusagen. Der gesellschaftliche Druck, den Eingriff doch durchführen zu lassen, war allerdings enorm«, sagt der 42-Jährige. »Die Leute machen dir Angst. Sie werfen dir vor, dein Kind zum Außenseiter zu stempeln und es Repressalien auszusetzen. Das ist jetzt sieben Jahre her, und ich muss sagen: Das war alles nur leeres Gerede. Für unseren Sohn ist das alles kein Thema. Es geht ihm gut, und er hat seine Freunde. Und selbst wenn er gehänselt würde: Es werden auch Kinder mit roten Haaren gemobbt. Hänseln kann für uns kein Grund sein, unser Kind zu verstümmeln.«
Seit 2005 setzen sich Eran Sadeh und seine Frau gegen Beschneidungen ein. »Einmal im Monat gibt es ein Treffen, zu dem etwa zehn Elternpaare kommen, die Fragen haben«, erzählt der Computertechniker, der auch im Internet über medizinische und religiöse Aspekte aufklärt. »Es gibt viele Mütter und Väter, die das Barbarische in der Beschneidung erkennen, aber es aus Angst vor ihren Verwandten dann doch geschehen lassen.« Sadeh, der auch einen Abschluss in Rechtswissenschaften hat, sagt, es stimme zwar, dass in der Bibel die Beschneidung gefordert werde. »Dort wird aber auch die Steinigung von Menschen gefordert, die am Sabbat arbeiten. Und das will heute doch auch niemand mehr.« Es sei auch nicht so, dass man nur beschnitten zur jüdischen Gemeinschaft gehöre. »Sie können jeden Rabbi fragen: Wer eine jüdische Mutter hat, ist Jude – ganz gleich, ob er beschnitten ist oder nicht.«

Auch Aktivist Enosch wurde schon vor Wochen in der deutschen Presse vorgestellt.

Wir waren sehr froh, zu beobachten, dass ein deutsches Gericht das unmoralische Vorgehen der Beschneidung verurteilt, ausgerechnet ein deutsches Gericht.

Seine Initiative sollte bekannt sein.

Die Adresse des amerikanischen Pendants lautet

http://www.intactamerica.org/

Montag, 6. August 2012

Meine Partei!


„Die SPD scheißt in jede Hose, die man ihr hinhält“
(Dieter Hildebrandt)

Was waren das für drei Jahre Schwarzgelb? 
Eine einzige Ansammlung von Pleiten Pech und Pannen. 
Sieben Minister ausgewechselt, keine der Ankündigungen wahr gemacht, handwerklich so schlecht, daß beinahe jedes CDU-FDP-CSU-Gesetz vom Verfassungsgericht gestoppt wird, zwei Bundespräsidenten verheizt, zur allgemeinen Lachnummer degeneriert.

Es herrscht journalistische Einigkeit - dieses ist die schlechteste Regierung, die Deutschland seit 1945 hatte. Nach drei Jahren Hängen und Würgen haben es die Wildsauen und Gurkentruppler lediglich vermocht sich bei wichtigen Projekten darauf zu einigen, daß man zu konfus und impotent ist, um noch etwas zu erreichen. 

Steuerreform, Vorratsdatenspeicherung, Kita-Plätze, Herdprämie, Bildungsmisere, Mehrwertsteuer, Wahlrecht, Meldegesetz, Frauenquote, Netzausbau, Asse, Elterngeld - Merkel und ihre Kompetenz-befreite Chaos-Truppe lassen einfach alles liegen.

Was für paradiesische Zeiten für die drei Oppositionsparteien.
 Da muß man eigentlich fast gar nichts mehr machen, außer da zu sein und nicht gerade auf sein Pult kacken, um sich zur würdigen Regierungsalternative zu entwickeln.

Leider ist das für Grüne, Linke und SPD eine zu schwierige Aufgabe.

Die Grüne Fraktionsvorsitzende Künast machte sich im Langtagswahlkampf Berlin lächerlich, indem sie fast zum Schluß unbedingt mit der CDU koalieren wollte und darüber hinaus die Berliner wissen ließ, sie wären nicht würdig genug, um ihnen auch als Oppositionschefin zu dienen. 

Anschließend scharte man sich wild applaudierend um den homophoben und holocausleugnerfreundlichen Papst. 

Zuletzt war es dann die LGBT-Schande Volker Beck, der im Penisbeschneidungswahn vom Rednerpult des Bundestags aus erklärte Sätze des Alten Testaments wären wichtiger als das Grundgesetz.

Die schönen demoskopischen Grünen-Zahlen, die zur Zeit der BW-Wahl bundesweit an die 30%-Grenze reichten und einen Bundeskanzler Trittin in einer Grün-Roten Koalition mit der SPD als Juniorpartner möglich erscheinen ließen, surrten dementsprechend auf ein Drittel, nämlich aktuell nur noch 12 % zusammen.

Noch genialer die Linke, die gar nicht mehr wahrnimmt, daß es auch einen politischen Gegner gibt und sich mit Verve damit beschäftigt sich selbst zu kastrieren.
 Die Führungsspitze der Linken mobbt sich so massiv gegenseitig, daß die Umfragen sie derzeit nahe bei der 5%-Hürde sehen! 
Sauber. Das ist eine glatte Halbierung seit der letzten Bundestagswahl.

Profitieren sollte eigentlich also die gute alte Tante unter den Parteien. 
Die SPD könnte endlich das Ausfransen ihrer Ränder druch Kompetenz wettmachen.

Es wäre ziemlich einfach. Sie müsste nur Strukturen entwickeln, die dazu führen, daß thematisch sortiert mit klaren personellen Zuständigkeiten jede Fehlleistung der Schwarzgelben sachlich und klar anprangert und sodann dem Wahlvolk jeweils die SPD-Alternative präsentiert wird.

1.) Die Merkel-Regierung verbockt Thema x. 
 2. ) Die SPD täte an ihrer Stelle folgendes..

Unglücklicherweise würde so eine Parteiarbeit einen fähigen Koordinator erfordern. 
Also einen Vordenker und Organisator als Generalsekretär.


Sie ist nicht nur unsympathisch und unfähig sich in der Öffentlichkeit zu äußern, sondern offensichtlich auch noch so versessen sich als größter Papstfan Deutschlands zu inszenieren, daß ihre Partei-interne Wirkung sich darauf beschränkt SPD-Laizisten zu drangsalieren.

In der Parteispitze stört das totale Versagen der Partei-Organisatorin offenbar niemanden. 

Das tatenlose Top-Trio ist vollends damit beschäftigt das Publikum mit einem Polit-Mikado der bizarren Art zu Tode zu langweilen.
Dieses Stück kennen wir nun schon seit Jahren: Drei Männer, die sich alle schon als ungeeignet erwiesen haben, möchten Kanzlerkandidat werden. 

Politisch kompetent erscheint mir nur Peer Steinbrück, der sicherlich in der Lage wäre auf internationaler Ebene die Finanzprobleme anzupacken.
Gerne sähe ich ihn statt Merkel und Schäuble in Brüssel verhandeln. 
Womöglich wären wir längst aus dem Schlamassel raus, den Merkel durch ihr notorisches Zögern und Kurswechseln mit verursacht hat.
Daß Steinbrück deswegen ein guter Kanzlerkandidat wäre, ist dennoch mehr als fraglich. 
An ihm klebt das Stigma des großen NRW-Verlierers von 2005, er ist deutlich älter als Merkel und würde als 66-Jähriger ins Rennen gehen und zu allem Übel ist er an der SPD-Basis auch noch notorisch unbeliebt. Auf den linken Flügel wirkt er wie ein rotes Tuch.

Gabriel hat zwar durchaus gute Phasen, in denen er geradezu brillant argumentieren kann, aber er hält das nicht durch, schwankt immer wieder, lässt die Zügel schleifen, redet Unsinn, oder aber zieht sich auf seine Rolle als junger Vater zurück.
 Es heißt er wolle ein Elternjahr nehmen.

Bleibt noch Steinmeier, der so farblos ist, daß selbst eine Feldmaus gegen ihn wie eine Dragqueen wirkt. 
Als Vizekanzler und Kanzlerkandidat von 2009 hatte er Merkel absolut nichts entgegen zu setzen und führte die SPD in ein seit 1945 nie dagewesenes Desaster.

Sollte die SPD Steinmeier nominieren, wäre das Signal an die Wähler:

„Leute, wir sind schon so abgeschlafft, daß wir gar nicht mehr eine Regierung führen wollen, wir haben eh keine Ideen und keine Ansprüche mehr. Gerne aber würden wir die FDP als Merkels williger Erfüllungsgehilfe ersetzen“

Der SPIEGEL von heute schreibt, daß es genauso kommen wird.

Während die Konkurrenz noch rätselt, mit welchem Genossen sie es zu tun bekommt, und die Troika selbst den Eindruck vermittelt, der Wettstreit sei völlig offen, scheint die Partei ihren Kandidaten gefunden zu haben: Steinmeier. […] Die Genossen haben ihren Favoriten. Ein nüchterner Blick auf die innerparteilichen Kräfteverhältnisse legt jedenfalls nur einen Schluss nahe: Wenn es im Winter zur Entscheidung der K-Frage kommt, wird Steinmeier die wichtigsten Spieler hinter sich haben; die Bundestagsfraktion, die stellvertretenden Parteivorsitzenden, viele Landesfürsten - allen voran den mächtigsten Landesverband Nordrhein-Westfalen, dessen Vorsitzende Hannelore Kraft, 51, als heimliche Königsmacherin gilt.  [……]  Über allen Parteilinken steht Generalsekretärin Andrea Nahles. Öffentlich zeigt sie sich allen Kandidaten gegenüber gleich loyal. Intern aber lässt auch sie ihre klare Präferenz für Steinmeier erkennen - schon weil sie dessen Konkurrenten nicht ausstehen kann. Das rabiate Auftreten Gabriels im Willy-Brandt-Haus lässt die Generalsekretärin regelmäßig verzweifeln. Mit dem Parteirechten Steinbrück kann sie ohnehin wenig anfangen.
(DER SPIEGEL32/2012)

Trotz der Gruselperformance der Kanzlerinnenpartei liegt die SPD als (wieder) größte Opposition fast zehn Prozentpunkte hinter der CDU.

Ein echte Leistung noch schwächer als die Union, die jedes Thema vermasselt, zu sein.

In aktuellen Umfragen erreicht Merkel absolute Spitzenwerte, weit vor allen anderen Politikern. 

76% der Deutschen bewerten sie als „gute Staatsfrau“, 70% meinen bei Merkel sei die Eurorettung in guten Händen.
Ein Wunder. 

Ist doch diese Kanzlerin für einige der gefährlichsten Eurozerstörer des Planeten verantwortlich. 

Spon zählt Markus Söder und Alexander Doofbrindt zu den gefährlichsten Männern Europas - und läßt freundlicherweise den deutschen Vizekanzler unerwähnt. 

Christoph Schwennicke führt die enorme Vorliebe der Deutschen für ihre Kanzlerin auf „Abstumpfung“ zurück.
Tatsächlich hatte die Strategie der „asymmetrischen Demobilisierung“ Merkel schon einmal zur Kanzlerin gemacht, indem sie 2009 erfolgreich jede Positionierung vermied.

 Derzeit helfe ihr die Eurokrise, da sie alle anderen Themen überdecke.
 Zwar versinke Merkels Truppe „im Chaos“ und sei „gescheitert“, aber den Urnenpöbel störe es nicht.

Angela Merkel kann froh sein, dass es die Euro-Krise gibt. Sonst würde das Scheitern ihrer Koalition viel mehr auffallen. Denn statt zu regieren, streiten sich Union und FDP am laufenden Band. Die Öffentlichkeit hat sich an diesen Zustand gewöhnt - was die Misere nicht besser macht. […]  Bevölkerung wie Bundesregierung, haben sich inzwischen mit einem Umstand abgefunden, mit dem man sich nicht abfinden darf: Die einen akzeptieren klaglos, dass sie schlecht regiert werden. Und die anderen nehmen hin, dass sie schlecht regieren.   […] Es ist müßig, noch einmal auf missglückte Koalitionsverhandlungen hinzuweisen, auf Hotelsteuerbeschlüsse und plötzliche gegenseitige Beschimpfungen der Wunschpartner als Wildsäue und Gurken. Großkoalitionäre Hybride wie der seltsame Gesundheitsfonds wurden nicht reformiert, Großprojekte mit eigener Handschrift wie eine beherzte Steuerreform blieben aus. Statt dessen Gewurstel, planloser als bei Rot-Grün, deren Protagonisten zwar manchmal die Linie, aber nie der Enthusiasmus fehlte. Jüngstes Beispiel: das Gezerre um den obersten Bundespolizisten Seeger, der von Innenminister Friedrich geschasst wurde.  Inzwischen verweigert das zum Regierungs-TÜV gewordene Bundesverfassungsgericht dieser Koalition bei jeder Nachkontrolle die Plakette, zuletzt auf besonders quälende und schmachvolle Weise - wegen ihres für sie selbst praktischen neuen Wahlrechts. Ob Energiewende, Vorratsdatenspeicherung oder Reform der Pflegeversicherung: Diese Regierung kommt nicht vom Fleck. Eigentlich müsste sie wegen Verkehrsuntüchtigkeit ausrangiert werden. […]  Schwarz-Gelb zankt sich, ohne am Ende etwas zustande zu bringen. "Aufhören!" titelte der SPIEGEL schon vor zwei Jahren und meinte einerseits den Streit - oder eben am besten gleich die ganze Veranstaltung. Seither ist nichts besser, aber vieles schlechter geworden.

Merkel kann sich das Dauer-Versagen leisten, weil alle Oppositionsparteien mit sich beschäftigt sind.
Daß sich eine fast 150 Jahre alte Volkspartei wie die SPD tatsächlich von einem trüben Trio und einer Gaga-Generalsekretärin paralysieren läßt ist eine einzige Peinlichkeit.
 Und gleichzeitig das größte Glück der Angela Merkel.

Dabei können wir uns diese Regierung wirklich nicht mehr leisten. Merkel führt Deutschland und Europa in den Abgrund. Und genau dahin möchte der Urnenpöbel offensichtlich sehr gerne.

Noch mal vier Jahre Merkel? Die Deutschen wären zufrieden. Die Kanzlerin ist beliebt.  […] Das Ausland sieht in Deutschland schon das "Quarto Reich" heraufziehen. Aber wenn die Demoskopen losgehen und die Deutschen fragen, stellt sich heraus: Das Land ist mit sich und seiner Regierung im Reinen. […] Dazu passt, dass von den drei ??? der SPD Frank-Walter Steinmeier das beliebteste ist. Immer schön freundlich bis zur Unkenntlichkeit - das war schon Steinmeiers Rezept im Wahlkampf 2009. Es bleibt das Rätsel jener Genossen, die sich jetzt für Fraktionschef Steinmeier aussprechen, warum die Strategie, die schon 2009 gescheitert ist, nun zum Erfolg führen soll. […]
Gemessen an ihren eigenen Werten ist Angela Merkel tatsächlich eine erfolgreiche Kanzlerin. Es geht ihr um nichts als um die Macht, und sie hat nichts getan, als ihre Macht zu erhalten. Merkel hätte handeln müssen, als die Krise jung war, die Begriffe noch weich und die Bilder in den Köpfen der Menschen noch in Bewegung. Als alle Welt auf die Banken starrte, hätte Europa das Problem der Staaten lösen müssen. […]   Führung und Gestaltung - das war die Aufgabe der Politik, die Aufgabe von Angela Merkel. Darum hat sie sich nicht gekümmert. Stattdessen hat sie zugelassen und befördert, dass die Finanzkrise zu einem Konflikt zwischen den Staaten wurde. Das Schlimmste, was Europa geschehen kann. Jetzt geht es darum, wer gewinnt. Und es geht darum, wer sein Gesicht verliert. Unionsfraktionschef Volker Kauder hat neulich gerufen: "Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen." Jetzt ruft Markus Söder, der bayerischer Ministerpräsident werden will, an Griechenland müsse "ein Exempel statuiert werden".
Wer kann den Europäern verübeln, wenn sie darin das Echo unserer Stiefel hören, die über den Kontinent marschiert sind. […]
Es ist ein bisschen, als hätten die Deutschen ihr politisches System aufgegeben. Man fragt die Leute: Wer hat den Banken ihre verderbliche Macht gegeben? Und sie antworten: die Parteien der Union. Dann fragt man sie: Wer kann diese Macht brechen? Und sie antworten nicht: die Sozialdemokraten oder die Linken. Sondern sie sagen: niemand mehr. […]
Diese Kanzlerin ist zu kostspielig. Weitere vier Jahre können wir sie uns nicht leisten.
(Jakob Augstein 06.08.12)

Sonntag, 5. August 2012

Durch’s Internet stolpern.




Fernsehen macht Kluge klüger und Dumme dümmer.
(Marcel Reich-Ranicki)


Mit der Menschlichen Dummheit verhält es sich wie mit der Gravitation.

Die Gravitation (von lateinisch gravitas, Schwere) ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Sie bewirkt die gegenseitige Anziehung von Massen. Die Gravitation besitzt unbegrenzte Reichweite. Sie lässt sich nicht abschirmen.

Auch die Dummheit ist eine Grundkraft des homo sapiens. 
Sie ist immer da und läßt sich nicht abschirmen. 
Auch nach Jahrhunderten massiver Aufklärung, Forschung und planetenweiten Bildungsbemühungen wirkt die Dummheit in den Menschen wie eh und je. 

Die größten Dummheitskonzentrationen wirken wie schwarze Löcher mit ihrer enormen Masse und ziehen lauter kleine andere Dumme an. 
Beispiele für diese Dummheits-Hotspots gibt es insbesondere in den Vereinigten Staaten in Form von gagaesken Theorien zu beobachten. 

Obama sei Muslim, nicht in Amerika geboren, Klimawandel gebe es gar nicht, freier Waffenzugang garantiere den Frieden, die GOP, gleichgeschlechtliche Ehen ruinierten die allgemeine Moral, Fox-TV, Steuern wären des Teufels, etc.

Diese Mega-Dummheiten führen unweigerlich dazu, daß sich Millionen einzelner kleiner Dummköpfe magisch davon angezogen fühlen und Teil der geistigen schwarzen Löcher sein wollen.

Auch im Internet und anderen Medien wirken die größten Dummheiten wie starke Magneten auf dumme User.

Wer selbst nicht dumm ist wird einen solchen Anti-Gehirn-Werbespot für ein von einer fürstlichen Tucke angepriesenes „Schaumburg-Reichtumselixier“ ungefähr so verlockend finden, wie sich die Finger in der Autotür klemmen zu gehen.

Auf Volldeppen strahlt so ein Produkt hingegen eine so starke Anziehungskraft aus, daß sie unmöglich widerstehen können.

Den Umgang mit dem Internet könnte man lernen.
Diese Fertigkeit gehört zu dem leider nicht in Schulen vermittelten Komplex der „Allgemeinen Lebenskunde“.
Das Internet ist zweifellos eine unendliche Informationsquelle und ein unübertroffener Kommunikationsbeschleuniger. Man kann viel lernen. 

Man kann aber auch verlernen und verdummen, wenn man unkritisch jeden Info-Fetzen als Fakt betrachtet. 

Zum Beispiel.

56,5 Prozent aller Informationen zum sicheren Schlaf von Kindern, die sich bei einer Stichproben-Suche im Internet fanden, waren entweder irrelevant (28,4 Prozent) oder falsch (28,1 Prozent). Das berichtet ein Forscherteam um die Kinderärztin Rachel Moon von der University of South Carolina im Fachblatt Journal of Pediatrics (online). Die Mediziner hatten mit Google nach Seiten gesucht, die neben dem Stichwort 'Kinder' Begriffe wie 'Rauchen', 'Schlafposition' oder 'Schnuller' enthalten. Bei der fachlichen Durchsicht von insgesamt 1300 Webseiten ermittelten die Forscher, dass insbesondere Blogs, Seiten mit Produktbewertungen und private Webseiten von Fehlern nur so strotzten. […]

Zum Glück schafft meine Lieblings-TV-Zeitschrift „GONG“ mit ihren praktischen Lebenstipps direkt aus den bischöflichen Ordinariaten Abhilfe.

Dr. Anneliese Mayer, Ordinariatsrätin bei Kardinal Marx, Mitglied im ZDF-Fernsehrat seit 09. Juli 2004 als Vertreterin der Katholischen Kirche, klärt in ihrer GONG-Rubrik  „Das Wort zum Alltag“ auf.

Die offizielle Medienexpertin der Katholischen Kirche hat die ganze Komplexität des Internets erfasst.


Sie weiß; Kontakte im Internet beschränken sich auf eine sinnlose Kollektion von „Gefällt mir“-Klicks.

Man könne Mitglied einer „Gruppe von Gleichgesinnten“ werden. 
Aber was bedeute das schon. 

Nur in der realen Welt gebe es Kommunikation, die über ein simples „gefällt mir“ hinausgingen.


Die Frau weiß Bescheid.

Samstag, 4. August 2012

Panik macht sich breit.


Journalisten der liberalen Blätter „Tagesspiegel“ und „ZEIT“, sowie prominente grüne Bundestagsabgeordnete ergehen sich in apokalyptischen Warnungen.

Der „aggressive Atheismus“ stehe ante portas!

Man bedient sich Ratzingerischen Wortbildern. 
Hatte doch der Papst höchst selbst über die bösen Kritiker gejammert, die es wagten es nicht für eine gute Idee zu halten, wenn ein Deutscher Papst und früheres Hitler-Jugend-Mitglied einen offen antisemitischen holocaustleugnenden Bischof rehabilitiert und in seine Arme schließt.

«Betrübt hat mich, dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten», schreibt der Papst in einem Brief an alle Bischöfe, der auf der katholischen Internetseite kath.net veröffentlicht ist.

Scheinbar waren die Dämme gebrochen. 
Neben den usual suspects, also einer winzig kleinen Gruppe notorischer Kirchenkritiker, wagten es nun auch „ganz normale Männer“ den Vatikan zu kritisieren. 
Die übliche „Christentum ist eine wunderbare Sache“-Grundstimmung der Feuilletons kippte von wolkig-rosarot in neutralere Farben um. 
Zwar wußten die, die es wissen wollten, schon lange von dem zigtausend-fachen Missbrauch katholischer Geistlicher an Kindern, aber ab Januar 2010 diffundierten diese Meldungen von ihrem Dreizeiler-Dasein auf den letzten Seiten bis in die Titelstories.

Die Gläubigen staunten nicht schlecht, ob der neuen offenen Kritik an der katholischen Amtskirche. 

Und das alles nur weil sich Bischöfe und Pfarrer Jahrzehnte lang schützend vor die Kinderficker in ihren Reihen gestellt hatten, statt die Kinder vor ihnen zu schützen.

»Jetzt reicht’s!»: In Nürnberg fordern Plakate aus dem Umfeld einer totalitären Sekte zum Kirchenaustritt auf; in England setzt ein in seine eigene Gottlosigkeit verliebter Biologe alle Hebel in Bewegung, um den Papst gleich bei seiner geplanten Landung auf dem Boden des Vereinigten Königreichs verhaften zu lassen; und in Marktl wird das Geburtshaus Benedikts mit Schmierereien verunstaltet, deren Obszönität nicht einmal der Polizeibericht wiedergeben will.
[…] Der von Papst Benedikt schon früher beklagte »sprungbereite Hass» zeigt nun offen sein Gesicht. Und er findet täglich frische Nahrung in Meldungen über »neue» Missbrauchsfälle – wobei tatsächliche sexuelle Übergriffe schon mal mit ein paar Kopfnüssen vermengt werden, wenn es gilt, den Namen eines besonders missliebigen, weil besonders konservativen Bischofs ins Spiel zu bringen.
[…] Wer sich jetzt angeekelt von der »Amtskirche» abwendet, um sein religiöses Privatleben zu pflegen, macht es sich zu einfach.

Was ist da los?

Der Rubikon ist überschritten. 
Mehr und mehr leuchten aufklärerische Lichtstrahlen in all die finsteren Ecken, die kein Kirchenmann je erhellen wollte.

Die vielen kirchlichen Sonderrechte, die teilweise sogar grundgesetzwidrig sind, kennen die wenigen organisierten Konfessionslosen schon lange.

Nun könnte es aber erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik dazu kommen, daß größere Teile der Öffentlichkeit bemerken, wie schamlos sich die Großkirchen finanziell und rechtlich beim Staat bedienen.

In jenen Wochen, da sich in Europa die Zukunft des Geldes entscheidet, der Renten und Löhne, der Preise für Brot und Milch, da diskutieren die Leute ebenso erregt über die männliche Vorhaut. Über die abgeschnittene Vorhaut, genauer gesagt, denn das Kölner Landgericht hat die Beschneidung muslimischer und jüdischer Jungen als Straftat gewertet. Die Leute diskutieren auch, ob ein Satiremagazin dem Papst auf einem Foto gelbliche Flecken in den Schritt montieren darf; dies so sehr, dass der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick Religionsbeleidigung schärfer bestraft sehen will. Und im Herbst werden die Leute streiten, ob die Kirchen weiterhin ein eigenes Arbeitsrecht haben sollen, denn dann urteilt das Bundesarbeitsgericht in dieser Angelegenheit. Die Leute mögen Gott vergessen haben. Aber die Religion liefert immer noch Empörungspotenzial.

Täuschen wir uns nicht - noch immer sind die Kirchenlobbyisten tausendfach so gut vernetzt wie Atheisten.
 Bischöfe haben in Parlamenten, in Ethikkommissionen, in Rundfunkräten etc enormen Einfluß.


Eine ähnlich große Majorität der schreibenden Zunft schlug sich mit teilweise abenteuerlicher und kinderfeindlicher Argumentation auf die Seite der Kirchen, Synagogen und Moscheen.

Es grummelte eher in den hinteren Reihen. Auf Facebook, in Leserzuschriften.

Aus den vorderen Reihen des Journalismus vernehme ich leider fast immer nur Religioten-Bekenntnisse.

Die SZ „protokolliert“  heute vier Meinungen zum Thema Beschneidung aus dem einfachen Volk. 

Alle Vier sind knallhart für die Genitalverstümmelung. 

Nicht eine einzige kritische Stimme wird abgedruckt.

Joachim Krätschell, 44 Jahre, Pastor einer Gemeinde in Wilmersdorf:
'Ich finde die ganze Diskussion völlig absurd. Es geht hier um die Ausübung der Religionsfreiheit. Nach Genesis 17 ist die Beschneidung für die Juden das Zeichen des Bundes, also des Bundes jedes einzelnen Juden mit Gott, und nur so ist das zu verstehen. Das wäre so, als würde man uns Christen die Taufe verbieten. Das kann uns aber keiner verbieten, und wir taufen die Kinder. Sie sind auch nicht religionsmündig. Wir als Eltern fällen aber die Entscheidung für unsere Kinder. Täglich entscheiden wir ja für unsere Kinder, weil sie allein noch nicht entscheiden können. Aber wir wollen sie in Gottes unmittelbarer Nähe wissen, durch die Taufe, durch die Beschneidung. […]    Ich frage mich, ob es nicht auch etwas damit zu tun hat, dass die Generation, die den Holocaust, die Nazizeit miterlebt hat, langsam ausstirbt. Vielleicht denken manche heute: So, die Schonfrist ist vorbei. Jetzt können wir die Juden so behandeln, wie wir andere auch behandeln. Das ist so ein leiser Gedanke, der sich bei mir einschleicht, leider. Immer wieder kommen antisemitische Äußerungen. Es ist irgendwie salonfähig, antisemitisch zu sein.
(SZ 04.08.12)

SZ-Kirchenmann Drobinski schafft es zwar gerade noch die Konflikt-Linien zwischen Kirche und Gesetz korrekt nachzuzeichnen, aber er schließt mit Sätzen aus dem tiefsten Religiotenfundus:

Der Glaube ist nicht einfach aus sich heraus gut. Doch ohne ihn würden die kollektiven Erfahrungen und kulturellen Kräfte fehlen, ohne die ein Staat genauso wenig leben kann wie ohne die Menschen, die sich aus religiösen Gründen um Kranke, Alte, Schwache kümmern, ohne die Gegenentwürfe zum Nächstliegenden und Nützlichen. Der Staat braucht die Kraft des Transzendenten, die sich ja in der Erregung übers Beschneiden oder Gotteslästern zeigt. Er braucht sie als Gegenkraft. Damit er sich nicht selber absolut setzt.

In diesem SZ-Fazit steckt so viel Falsches, daß ich gar nicht wüßte wo ich anfangen sollte.

Ohne den Glauben fehlten kulturelle Kräfte?
 Dabei ist es der Glaube, welcher die Kultur am heftigsten behindert, zensiert und zerstört.

Der Staat könnte ohne die parasitären Eigenschaften des Glaubens sogar viel besser leben. 

Und dann das Märchen von der Nächstenliebe gegenüber Kranken, Alten und Schwachen!

Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Drobinski käut wider, was schon tausendfach vor ihm geschrieben wurde. Dadurch wird es aber nicht wahrer. Kevin P. Hoffmann argumentierte beispielsweise im Dezember 2009 auf diese Weise.

In den Kirchen wird es klamm. Auch katholische und evangelische Gemeinden leiden unter der Wirtschaftskrise. Doch einige Probleme sind hausgemacht


Dazu ein aufschlussreicher Leserbrief.

Zum Artikel "In den Kirchen wird es klamm" im Tagesspiegel vom 23. Dezember 2009, S. 15:
Sie schreiben: "Tatsache aber ist, daß die Einnahmen der Kirchensteuer in erster Linie in die Betreuung von Kindern, Alten, Kranken und Behinderten fließen. Man muß kein Christ sein, um das zu unterstützen."
Die Behauptung im ersten Satz dieses Zitats ist nachweislich falsch. Ein Blick auf z.B. die Internetpräsenz des Erzbistums Köln (dort: "Verwendung der Kirchensteuer 2009") zeigt, daß für die in Ihrem Artikel genannten karitativen Zwecke gerade einmal 9,7 Prozent des Kirchensteueraufkommens verwendet werden. Demgegenüber werden aber etwa zwei Drittel der Einnahmen der beiden Großkirchen aus der Kirchensteuer für die Bezahlung von Pfarrern und Kirchenpersonal aufgewendet (Quelle: Internetseite des IBKA, dort "Kirche und Geld"). Von einer Verwendung der Kirchensteuer "in erster Linie" für karitative Zwecke kann also beim besten Willen nicht die Rede sein.
Der Artikel zeigt aufs Neue die bereits in der Berichterstattung zum Thema "Pro Reli" Anfang dieses Jahres hervorgetretene massive kirchenfreundliche Haltung Ihres Blattes. Gerade im zeitlichen Zusammenhang mit dem bevorstehenden Weihnachtsfest und der traditionell damit verbundenen "christlichen Wohlfühlstimmung" kann die o.g. Behauptung erkennbar nur einen Zweck verfolgen, nämlich Kirchenmitgliedern, die eigentlich nicht religiös sind und möglicherweise über einen Austritt nachdenken, eine Begründung für ihren weiteren Verbleib in Kirche zu geben.
Denn "die Betreuung von Kindern, Alten, Kranken und Behinderten" zu unterstützen kann in der Tat nicht falsch sein. Um dies zu tun ist die Kirchensteuer jedoch wie gezeigt zum weit überwiegenden Teil der falsche Weg. Richtig muß es also heißen:
"Tatsache ist, daß derjenige, der möglichst effektiv Kindern, Alten, Kranken und Behinderten helfen möchte, dies am besten dadurch bewerkstelligt, daß er aus der Kirche austritt und die ersparte Kirchensteuer direkt entsprechenden wohltätigen Organisationen zukommen läßt. Man muß kein Atheist sein, um dies zu erkennen."
(Zitiert nach Tammox 2009)

Freitag, 3. August 2012

Auf dem rechten Auge blöd Teil II.



Immer wieder ungern erinnere ich mich an den Fall Lutz Battke, den NPD-Stadtrat, Fussballtrainer im 3000-Seelen-Städtchen Laucha an der Unstrut. 
Der Rechtsextreme Battke trainiert nicht nur die Kinder der Stadt, sondern ist außerdem Lauchas Schornsteinfeger, so daß jeder ihn kennt.

Im April 2010 geschah das Ungeheuerliche. Ein 17-Jähriger, der ebenfalls beim Lauchaer Fußballklub BSC 99 mitmachen wollte, wurde von Rechtsradikalen mit der Absicht das „Judenschwein platt zumachen“ schwer verletzt.
Angestiftet waren sie offensichtlich von ihrem Hitler-verehrenden Trainer Battke, der den Neuen aus vollem Herzen hasste, da dessen Mutter aus Israel stammt.

Als der Fall Schlagzeilen macht, stellen sich der  Präsident des BSC 99, Klaus Wege und Lauchas Bürgermeister Michael Bilstein nicht etwa vor das Opfer, sondern geben zu bedenken, was denn ein Jude ausgerechnet im Fussballverein zu suchen habe. 
Jeder wisse doch wie aktiv Trainer Battke in der rechtsradikalen Szene sei.
Einen Grund Battke zu entlassen konnten sie nicht erkennen. 
Er sei schließlich beliebt und ein guter Trainer.
Erst massiver Druck der überregionalen Presse sorgte schließlich dafür, daß Verein und Bürgermeister einknickten und Battke Ende August 2010 doch noch als Trainer entließen. 

Nicht allen Lauchanern gefiel das, Hunderte solidarisierten sich mit dem Geschassten.

Ende 2010 geht Battke sogar in das Rennen um das Bürgermeisteramt. Bei den Kommunalwahlen 2009 hatte die NPD in Laucha 13,5 % erreicht. Kandidat Battke konnte das Ergebnis verdoppeln.

Lutz Battke, der in den letzten Wochen für viel Aufsehen gesorgt hatte, wird nicht Bürgermeister der kleinen Gemeinde Laucha in Sachsen-Anhalt werden. Trotzdem wird das Städtchen in den nächsten Wochen wohl kaum zur Ruhe kommen: Fast jede vierte Person gab dem Rechtsextremisten ihre Stimme.
24 Prozent aller wahlberechtigten Personen wollten Lutz Battke als ihren zukünftigen Bürgermeister. Mit 68 Prozent bleibt jedoch Michael Bilstein im Amt.
[…]
In den letzten Wochen berichteten jedoch unzählige überregionale Zeitungen über den Fall – allein dies kann die NPD als Sieg verbuchen. Gerade gestern noch sprach NPD-Chef Udo Voigt auf dem Bundesparteitag im nur wenige Kilometer entfernten Hohenmölsen in höchsten Tönen von Battke. Die 200 NPD-Delegierten applaudieren, er wird gefeiert.
Und heute feiert man weiter bei der NPD. Lutz Battke wird bejubelt als ein Mann, der sich nicht kleinkriegen lässt, als Siegertypen, als Mann des Volkes.
[…]  
Doch wie kam es, dass insgesamt 435 Personen am heutigen Sonntag ihr Kreuz bei Lutz Battke machten, der bekennender Rechtsextremist ist? Durch das große Medieninteresse der letzten Wochen hätten die Bewohner Lauchas das Gefühl, das „mit dem Finger auf sie gezeigt“ würde. Und obwohl viele mit der NPD nichts zu tun hätten, würde man sich so mit dem Neonazi solidarisieren, erklärte Titus Simon, Rechtsextremismus-Experte der Hochschule Magdeburg-Stendal.


Selbst nach großen Skandalen und Straftaten ist man vielerorts nicht bereit sich von Skinheads und Nazis zu distanzieren.

Mit dem „guten Nazi von nebenan“ - sei es der Fahrlehrer, Schornsteinfeger, Uhrmacher oder Sporttrainer - solidarisiert man sich, auch wenn man sich beeilt festzustellen nicht das politisch-extreme Gedankengut zu teilen.

Aber das sei doch kein Grund so einem nicht die Kinderchen zum Fußballtraining zu überlassen. 

Sport ist doch unpolitisch, meinen insbesondere die Politiker, die dementsprechend auch keine Hemmungen haben Meisterschaften an Diktatoren zu vergeben.


Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der ehemalige Grünen-Minister Michael Vesper drücken ebenfalls alle Augen, inklusive Hühneraugen zu, wenn es um Nazis geht.
Es muß immer erst die Presse ran. So wurde nach einer Woche Olympia in London die braune Ruderin Nadja Drygalla nach Hause geschickt.

Der Lebensgefährte der 23-Jährigen, Michael Fischer, ist führendes Mitglied der regionalen Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock" und war im vergangenen Jahr Kandidat der NPD für die Landtagswahl.

 Ihr Freund ist schließlich Auslöser der schwarzrotgoldenen Tumulte, die Michael Vesper, Chef de Mission des deutschen Olympia-Teams, am Freitag zu einem medialen Erklärungs-Marathon zwangen. [….]  Kontakte zur rechten Szene, das deutsche Team im Dunstkreis brauner Wirrköpfe?
[…] "In Deutschland gibt es Gott sei Dank den Grundsatz, dass jeder für seine eigenen Taten verantwortlich ist und nicht für die seines Umfeldes", sagte der DOSB-Generaldirektor und warnte ebenso wie der Chef des Deutschen Ruderverbandes (DRV), Siegfried Kaidel, vor einer Vorverurteilung der Athletin.

Die „wir haben von nichts gewusst“-Verteidigung ist mal wieder problematisch, denn Drygallas neonazistische Überzeugungen hatten bereits dafür gesorgt, daß sie aus dem Polizeidienst entlassen wurde. 
Nur der DOSB will nichts mitbekommen haben.

Vor dem Hintergrund der polizeilichen Vorgänge irritiert die in London zur Schau gestellte kollektive Ahnungslosigkeit. […]
Drygalla hatte 2006 und 2007 bei den Junioren-Weltmeisterschaften Bronze und Silber gewonnen. Schon damals ruderte sie mit der Klubkollegin Ulrike Sennewald, im Londoner Achter waren die beiden Rostockerinnen jetzt wieder gemeinsam unterwegs. Sennewalds Vater Hans ist Präsident des Landes-Ruderverbandes, 1992 hatte er Bronze im Deutschland-Achter gewonnen. […]
In DRV-Kreisen heißt es, auch Drygallas rechtslastiger Freund soll früher im Rostocker Spitzensport tätig gewesen. Bei der Junioren-WM 2006 sogar als Schlagmann im - wie der Landessportbund damals stolz mitteilte - "Kleinen Deutschland-Achter".
   (SZ vom 04.08.2012)
"Frau Drygalla wird ein strammer Hang ins Nazi-Millieu nachgesagt. Das ist nicht neu, und das war nicht unbekannt.   Dennoch wurde sie sportlich von Behörden und Organisationen zur Olympia-Reife gefördert und in das deutsche Vorzeige-Team berufen.  Die Geschichte sei nicht unproblematisch, räumt der Chef der Deutschen Mission Vesper höchst zurückhaltend ein.
Von nun an wird es oberfaul."
(Petra Pau, Mitglied im Vorstand der Fraktion DIE LINKE und im NSU-Untersuchungsausschuss, 03.08.2012)

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister und CDU-Spitzenkandidat Lorenz Caffier dürfte wissen aus welchem Umfeld Drygalla stammt. 
Dennoch posierte er noch vor drei Wochen offiziell mit ihr bei der Verabschiedung des MV-Olympia-Kaders.

 Zu braun für den Polizeidienst, aber bestens geeignet, um Deutschland in der Welt bei der Olympiade zu vertreten.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wusste das Schweriner Innenministerium seit dem Frühjahr 2011, dass Drygalla mit Michael Fischer liiert sein soll. Er gilt als einer der führenden Neonazi-Köpfe in Mecklenburg-Vorpommern, 2011 kandidierte er für die NPD. Innenminister Caffier spricht etwas verklausuliert von Personen in ihrem Bekanntenkreis, die der "offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind". Fischer, von Freunden "Fischling" genannt, intensivierte 2011 seine Aktivitäten: Er meldete Demonstrationen an, lud bekannte Neonazis zu Vorträgen ein. Man soll auf Drygalla eingewirkt haben, zum 30. September einen Antrag auf Entlassung zu stellen.
Caffier könnte also um die angeblichen Kontakte gewusst haben, als er Drygalla und die anderen Sportler aus Mecklenburg-Vorpommern verabschiedete. Drygalla saß in London im Achter, das Boot schied im Hoffnungslauf aus, weitere Starts waren nicht vorgesehen.