Montag, 4. Juni 2012

Der Friedensnobelpreisträger - Teil II



Barack Hussein Obama II im Jahr 2009 den Nobelpreis zu verabreichen, war taktisch das größte Desaster, welches „das Komitee zur Vergabe des Friedensnobelpreises“ in Oslo, bestehend aus fünf Personen, die vom norwegischen Parlament ausgewählt und ernannt werden, je angerichtet hat.

Die Intention war klar: Die Norweger wollten sich im Glanze des in Europa überaus beliebten neuen Präsidenten, des Anti-Bushs, sonnen und zudem die US-Außenpolitik in eine bestimmte Richtung drücken.
Erreicht wurde ein jeder Hinsicht das Gegenteil. 
Europa lachte über Oslo, weil selbst die größten Obama-Fans zugaben, daß er so kurz nach der Amtsübernahme noch gar nichts geleistet hatte.
 In Amerika brachte ihm der Preis sogar regelrecht Spott ein. Für US-Republikaner sind skandinavische Parlamentarier böse europäische Kommunisten. 
Wer von ihnen derart geehrt wird, ist nach Teabagger-Vorstellung grundsätzlich auf dem Holzweg.
Der Friedensnobelpreis verstärkte also die Vorurteile der Rechten gegen Obama erheblich. Obama war angeschlagen und deutete diese vermeidliche Schwäche als Verpflichtung zukünftig eher den Falken, denn die Taube zu geben.
Er konnte noch nicht mal die 10 Millionen schwedischen Kronen Preisgeld behalten, weil sie in Amerika als schmutziges Geld galten.
Geld und Prestige, das manch international unbekannter Friedensaktivist sehr gut hätte gebrauchen können, wurde in Oslo einfach in den Müll geworfen.

Hinzu kommt, daß die 2009er Entscheidung noch lange nachwirkt, weil bei jeder höchst unfriedlichen Aktion, die Obama durchführt, das Nobelpreiskomitee noch ein Stück lächerlicher gemacht wird.

Nachdem ich Obamas Kriegslust bereits beleuchtet hatte, wird es Zeit für ein Update.

In Pakistan fielen bisher 2.300 bis 3.000 Menschen US-Drohnenangriffen zum Opfer, davon ca. 80% Zivilisten.
Insgesamt kostete Amerikas "war on terror" bisher 1,7 Millionen Menschen das Leben.
Das sind fast 600 mal so viele, wie beim WTC-Anschlag starben.
Diese klar völkerrechtswidrigen Drohnenangriffe auf Pakistan hatte schon der damalige Senator Obama im Wahlkampf 2008 eingefordert und sie scheinen ihm bis heute großen Spaß zu machen.

So wie einst George W. Bush seine Besucher mit dem goldenen Colt Saddam Husseins zu beeindrucken suchte, meint auch Obama ein direktes und persönliches Eingreifen in den Krieg sei angebracht. 
Offenbar hält auch er das gezielte Töten Tausender Zivilisten für so eine Art Videospiel.
Diese Vorgehen bringt ihm durchaus Pluspunkte in der Öffentlichen Meinung ein, wie ein Bericht über die „secret kill list“ des Potus der beiden New-York-Times Journalisten Jo Becker und Scott Shane zeigt.

 Der US-Präsident hat den Drohnenkrieg gegen Terroristen intensiviert. Und er behält sich vor, persönlich über Leben und Tod zu entscheiden.
 […]   Tatsächlich hat sich der US-amerikanische Präsident an die Spitze eines streng geheimen Entscheidungsprozesses gesetzt, in dessen Folge über das Schicksal von mutmaßlichen Terroristen entschieden wird. Es gilt darüber zu urteilen, ob der Verdächtige getötet oder nur festgenommen wird - wobei Letzteres wohl eher zur theoretischen Option verkommen ist. Obama hatte einst geschworen, sich im Kampf gegen al-Qaida von amerikanischen Werten leiten zu lassen. Die Auflistung der Menschen, deren Tod er bald befehlen könnte, unterstreicht nur, in welchem moralischen und gesetzlichen Dilemma sich dieser Kampf befindet.
[…]   Die Diskussionen im Weißen Haus über eine langfristige Strategie gegen al-Qaida seien in den Hintergrund geraten, weil der Fokus immer stärker auf die tödlichen Angriffe gelegt worden sei. "Man konnte fast den Eindruck gewinnen, die Verantwortlichen wollten nicht von ihrem neuen Lieblingsspielzeug lassen", bemängelte Dennis C. Blair, der bis zu seiner Entlassung im Mai 2010 Chef des nationalen Nachrichtendienstes war.
[…]    Seine Mitarbeiter sagen, es gebe mehrere Gründe dafür, dass Obama sich derart intensiv mit tödlichen Anti-Terror-Einsätzen befasst. Als eifriger Leser der Schriften von Augustinus und Thomas von Aquin begreife er es als seine Pflicht, moralische Verantwortung für solche Operationen zu übernehmen. […]   Der Einfluss, den Obama damit ausübt, belegt letztlich auch sein beachtliches Selbstvertrauen. Der Präsident sei fest davon überzeugt, so bestätigen es mehrere seiner engen Mitarbeiter, dass sein eigenes Urteilsvermögen in diesen Fragen unerlässlich sei. Als Donilon, Obamas Berater für Fragen zur nationalen Sicherheit, einmal gefragt wurde, was ihn an Obama am meisten überrascht habe, sagte er: "Er ist ein Präsident, dem die Anwendung von Gewalt im Namen der Vereinigten Staaten kein Unbehagen bereitet." […]    Und trotz dieser Erfolge ist der Anti-Terror-Kampf noch weit von seinen Zielen entfernt: Sowohl der Jemen als auch Pakistan sind beide instabiler und den USA feindlicher gesinnt, seit Obama Präsident ist. Der Drohnenkrieg ist zu einem provokativen Symbol amerikanischer Macht geworden, die nicht vor Ländergrenzen oder dem Tod Unschuldiger zurückschreckt.
 (Jo Becker und Scott Shane May 29, 2012, Übersetzung Silke Mülherr)


Konventionelle Waffen sind die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit - jedes Jahr sterben hunderttausende Menschen durch ihren Missbrauch, werden verletzt oder in Armut getrieben. Eine der wichtigsten Ursachen: Es gibt keine rechtlich verbindlichen internationalen Regeln, die den grenzüberschreitenden Handel mit Schusswaffen, Panzerfahrzeugen oder anderen konventionellen Rüstungsgütern einschränken würden.
Das weltweite Volumen des Handels mit Schusswaffenmunition übersteigt deutlich das mit Pistolen, Gewehren und Maschinengewehren. Dennoch gibt es bisher kaum internationale Regeln, wohin und wofür Munition geliefert werden darf. Oxfam kritisiert in dem Bericht „Stop a Bullet, Stop a War“, dass wegen mangelnder Kontrollen große Mengen an Munition legal an Staaten in Krisenregionen gelangen und dann illegal an Bürgerkriegsparteien weitergeleitet werden können. Das geplante UN-Abkommen zur weltweiten Kontrolle des Waffenhandels muss deshalb auch strenge Regeln für Munitionstransfers enthalten.

12 Milliarden Schuss sind genug, um jeden Menschen der Erde zweimal zu erschießen - JEDES JAHR.
Rufe nach Beschränkungen des Munitionshandels werden von Obama in der UN blockiert.
Eine Welt mit weniger Waffen wäre ihm wohl zu unfriedlich.

Guns are useless without bullets. An Arms Trade Treaty (ATT) that does not control ammunition will not achieve its purposes.
• Ammunition is bigger business than weapons. Twelve billion bullets are produced each year – nearly two bullets for every person in the world. The global trade in ammunition for small arms and light weapons is worth more than the trade in firearms and light weapons themselves: an estimated $4.3bn per annum.
• The international trade in ammunition is even less accountable and transparent than the trade in arms. Ammunition flows are difficult to monitor, so the risk of diversion to unauthorised or illicit users is increased.
Several countries, including the USA, China, Egypt and Syria, are arguing that ammunition should be excluded from the ATT. Some of these countries say the sheer volume of trade makes it too difficult to monitor. This would be a colossal mistake. There are now several reasonably simple and effective ways to track ammunition transfers. Inclusion in the ATT would significantly strengthen these mechanisms and the resolve to implement them. Failure would undermine what best practice already exists.

Sonntag, 3. Juni 2012

Langsam reicht es - Teil II




Wochenend und kein Sonnenschein, da nahm ich mir zum Glück allein die aktuelle ZEIT vor.

Es ist nicht neu, daß in der einst so vorbildlichen Qualitätszeitung konservative Leitartikel und schwer religiotische Kirchenhuldigungen stattfinden.
Das Elend kam aber erst auf s. 58 so richtig dicke, als ich die Rubrik „Glauben und Zweifel“ aufschlug.
Hauptartikel ist ein Interview mit der Harvard- und Oxford- Professorin Monica Toft.

Monica Duffy Toft is Associate Professor of Public Policy and Director of the Initiative on Religion in International Affairs at Harvard’s Kennedy School of Government. She is the author of most recently Securing the Peace: The Durable Settlement of Civil Wars (Princeton, 2010) and God’s Century: Resurgent Religion and Global Politics, with Daniel Philpott and Timothy Shah (Norton, forthcoming, 2011).

Miss Toft ist für den ZEIT-Leser keine Unbekannte.

So erschien 2006 eine Rezension ihres Artikels in der Juli/August-Ausgabe der amerikanischen Foreign Policy unter dem schönen Titel Why God is winning.

In Indien wuchsen die religiös-basierten Hindu-Nationalisten zum wichtigsten Herausforderer der säkularen Kongress-Partei heran. In Amerika wurden die Evangelikalen zur wahlentscheidenden Kraft.
Das seien keine Ausrutscher. Vielmehr: Gott ist in, Säkularismus out Die Demokratie gibt Menschen eine Stimme, und immer mehr wollen von Gott sprechen. Die mächtigen Schübe von Modernisierung und Globalisierung in den letzten drei Jahrzehnten fielen zusammen mit einer sprunghaften Zunahme an religiösem Erwachen. Gerade 50 Prozent der Menschheit gehörten vor hundert Jahren den großen Religionsgemeinschaften Christentum, Islam und Hinduismus an, heute seien es 64 Prozent, es könnten bald nahezu 70 Prozent sein.
Ihre Anhänger seien nicht nur frömmer als früher, sondern darüber hinaus bereit, religiösen Führern mehr Mitwirkung an politischen Entscheidungen zuzubilligen.

Genau an diesem Thema hat sich die Direktorin der "Initiative Religion in International Affairs" inzwischen weiter breit gemacht und veröffentlichte das oben schon genannte Buch
 „Gottes Jahrhundert. Wiederkehr der Religion und globale Politik“
Darin stellt die Dame die steile These auf, daß sich nun erst die Religion richtig entfalte und damit Freiheit und Demokratie gefördert würden.

Eine gute Diskussionsgrundlage, wie ich meine.

Für die ZEIT interviewte Manuel Hartung, der Chefredakteur von „Zeit Campus“ und künftige Geschäftsführer der ZEIT-Tochter „Tempus Corporate“.

Frau Toft haut dabei Thesen und angebliche „diskriptive Aussagen“ raus, die bei mir Schnappatmung und Durchfall auslösten.

Das hätte ein gutes Streitgespräch werden können. Leider muß ich diesen Satz im Konjunktiv schreiben, da der überzeugte und engagierte Katholik Hartung die überzeugte Katholikin Toft ganz im Sinne seines katholischen Chefs di Lorenzo einfach reden ließ und nicht ein einziges mal widersprach.
Hartung, 30, engagierte sich schon in der Schule in der „Schüler-Union“ und der Katholischen Kirche.

Toft: Neue Studien zeigen, dass Agnostiker und Atheisten weniger werden, während die Zahl der Gläubigen wächst. Religion boomt in Afrika, Lateinamerika, Asien. In Staaten wie Nigeria und Indien finden Menschen, dass ein Politiker gläubig sein sollte. In den USA hieß es früher, dass ein Katholik niemals Präsident werden könne. Heute kann ein Atheist niemals Präsident werden.
(Die ZEIT 31.05.12)

Das freut Frau Toft.
Daß aber auch in Amerika die Atheisten eine stark anwachsende Gruppe sind, die je nach Umfrage schon die 30%-Marke knacken, weiß Hartung anscheinend nicht. 
Stattdessen wirft er Stöckchen und meint der Säkularismus verlöre an Bedeutung.

ZEIT: Der große amerikanische Theologe Harvey Cox hat die Säkularisierungstheorie vor einigen Jahren schon als »den Mythos des 20. Jahrhunderts « bezeichnet.
Toft: Cox hat recht. Die Menschen wenden sich nicht von der Religion ab, bloß weil ihre Grundbedürfnisse befriedigt sind. Im Gegenteil. Wer ein bestimmtes Level von sozialer Sicherheit erreicht hat, kann sich für das interessieren, was größer ist als er selbst.
(Die ZEIT 31.05.12)

Man staunt. 
Ausgerechnet die monotheistischen Großideologien, die mit ihrer manichäischen Weltsicht den Grundstein für Intoleranz, Vorurteile und Diskriminierung legen, jubelt die US-Professorin zu Vorkämpfern des Pluralismus hoch:

Toft: In unserem Buch God’s Century stellen meine beiden Co-Autoren und ich drei Faktoren dar, die zur selben Zeit zusammenkommen und für den Aufstieg der Religion verantwortlich sind: Modernisierung, Demokratisierung und Globalisierung.
ZEIT: Das müssen Sie erklären.
Toft: Früher war das eigene Schicksal sehr stark vorherbestimmt durch den Ort, an dem man aufwuchs, und die Familie, aus der man stammte. Heute hat jeder Mensch die Wahl, wie er lebt. Es gibt einen Wettbewerb um den richtigen Glauben. Religiöse Gruppen konkurrieren untereinander und mit dem Staat.  […]  Wenn Sie sich anschauen, welche Länder sich seit den 1970er Jahren demokratisiert haben, haben religiöse Akteure in 63 Prozent der Fälle die Demokratisierung vorangetrieben. Eine politische Theologie, die das Individuum in den Mittelpunkt stellt, hat automatisch einen engen Bezug zur Demokratie; sie lebt vom Grundsatz »eine Person, eine Stimme«.
(Die ZEIT 31.05.12)

Genau. 
Wir wissen ja alle, daß der Vatikan die Keimzelle der Demokratie ist und dort immer streng basisdemokratisch via „liquid democracy“ abgestimmt wird.
Auch das Talibanistische Afghanistan, das Wahabitische Saudi-Arabien und die Islamische Theokratie Iran mit ihren konzentriert religiösen Führungen sind als Hort der Toleranz und Demokratie bekannt.

ZEIT: Warum sind Sie so sicher, dass dieses junge Jahrhundert wirklich »Gottes Jahrhundert« wird?
Toft: Es werden immer mehr Menschen in einen Glauben hineingeboren. Immer mehr entscheiden sich für eine Religion oder konvertieren. Ja, Religion kann Staaten auseinanderreißen. Und Bürgerkriege, in denen sie eine Rolle spielt, sind blutiger, dauern länger und brechen immer wieder auf. Auf der anderen Seite hat Religion positiven Einfluss: Sie übt Druck auf autoritäre Regime aus, und sie stiftet Frieden. Religiöse Gruppen zählen zu den wichtigsten Mediatoren in Konflikten.
(Die ZEIT 31.05.12)

Ja, das stimmt. In Reinkultur konnte man dies beispielsweise in Ruanda 1994 erleben, als insbesondere Christliche Geistliche das Abschlachten von fast eienr Million Menschen anstachelten.

Das erst 1962 aus belgischer Kolonialherrschaft entlassene Land hat eine fast rein christliche Bevölkerung.
Unsere christlichen Mitbrüder!
Knapp 60% Katholiken, knapp 40% Protestanten.

Das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas wurde gründlich missioniert.

Es handelte sich 1994 also um einen Genozid an Christen - verübt durch Christen.
Ein Christengenozid, der keineswegs beendet ist - aus Furcht vor Rache flohen mindestens zwei Millionen Hutu in die Nachbarstaaten; insbesondere in den Kongo, in dem jetzt fröhlich weiter gemordet wird.

Der katholische Klerus spielte eine besonders aktive Rolle im „Bürgerkrieg“ - nicht etwa als Friedensstifter, sondern als Todesengel.
Heute sind rund 50 Kirchen in Knochenmuseen umfunktioniert - in ihnen lagern die Gebeine der Opfer.

There are the bones of adults and, heartbreakingly, also of babies and toddlers who were hacked to death. Visitors come not to see how life was lived but to remember how people were killed.
These bone museums are a silent indictment against many clergymen who were involved in the genocide, in which some 800,000 ethnic Tutsis and moderate Hutus were put to death in just one hundred days - a faster killing rate than that achieved by the Nazis in Germany.

Die Katholiken haben das einst geradezu paradiesisch schöne Ruanda in einen Friedhof verwandelt.
Obwohl die Aufklärung des Völkermordes alles andere als gründlich voran geht, kann man schon jetzt sagen, daß der katholische Klerus nach den Berufssoldaten diejenige Berufsgruppe ist, die am stärksten in den Völkermord verwickelt war.

Internationale Gerichtshöfe verurteilten wenigstens einige der Mord-Priester und Terror-Nonnen.
So wurde die katholische Nonne, Schwester Theopister Mukakibibi, im Jahr 2006 zu 30 Jahren Haft wegen Völkermordes verurteilt.

Im Februar 2009 wurde Pater Emmanuel Rukundo zu 25 Jahren Gefängnishaft verurteilt.

Rukundo habe bekannt, mit seinen Morden die ethnische Minderheit der Tutsi „vollkommen oder zumindest in Teilen“ habe ausrotten wollen. ….. Nach Angabe des Gerichtes war der Geistliche zusammen mit Soldaten des Hutu-Volkes an der Tötung von Tutsi-Zivilisten beteiligt, die sich in der Stadt Gitarama in ein Seminar geflüchtet hatten.

Aber auch in Nordirland haben die Protestanten und Katholiken durch gezielte Attentate und Steinwürfe auf kleine Kinder bewiesen, wie man Konflikte entschärft.

Geborene Mediatoren scheinen mir auch die Ultraultraorthodoxen Juden in Jerusalem und den Siedlungsgebieten zu sein! Dort ist es bekanntlich auch die Religion, die als einzige für Frieden sorgt!

Meinen Dank an die ZEIT!
Man lernt so viel….

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings für Frau Prof Toft: Die Hochschullehrer widersetzen sich noch der Religion - Ganz Academia ist stark säkularisiert“
Aber auch in Harvard erkennt sie Zeichen der Hoffnung.

Toft: Würde man ein Ranking der am stärksten säkularen Gesellschaftsbereiche machen, Academia würde einen der vordersten Plätze belegen. Immerhin gibt es mittlerweile eine gewisse Offenheit: Ich habe mein Buch den Professoren der Kennedy School of Government an einem Aschermittwoch vorgestellt. Ich begann mit der Beobachtung, dass an jenem Tag auch in Harvard viele Studenten mit Aschekreuzen in die Uni kamen. Das wäre vor ein paar Jahren unmöglich gewesen. Von den Professoren trug niemand ein Aschekreuz. Ich auch nicht. Aber Abends ging ich in die Kirche.
(Die ZEIT 31.05.12)

Und mit dem Satz endete das sogenannte „Gespräch“ über Glauben und Zweifel in der aktuellen ZEIT.

Samstag, 2. Juni 2012

Viecher Teil II




Viecher sind schon faszinierend.
 Natürlich gehöre ich auch zu denen, die gerne die inzwischen in grandioser Qualität produzierten Tier-Dokus im TV ansehen.
Ich gebe sogar zu, daß ich ab und an eine der täglichen Zoo-Doku-Soaps sehe. 
Obwohl ich es grundsätzlich für ethisch nicht vertretbar halte Kreaturen in Käfige zu sperren und anzuglotzen, habe ich meine einst rigide Anti-Tierpark-Haltung etwas gelockert.
Denn die Zoo-Betreiber haben viel über „artgerechte Haltung“ gelernt und so sind im Allgemeinen die Gehege sehr viel größer und dafür die Quantität der Tiere kleiner geworden.
Es wird außerdem erheblicher Aufwand getrieben die Viecher zu beschäftigen und gesund zu erhalten.
Der andere Grund, der doch für Zoos spricht, ist die traurige Sache, daß diverse Arten in der freien Natur schon ausgestorben sind und somit die extrem seltenen Gorillas, Tiger, Nashörner und Co gar keine Alternative haben.
Wenn es von einem Vogel wie beispielsweise dem in Brasilien endemischen Spix-Ara (Cyanopsitta spixii) kein einziges Exemplar mehr in Freiheit gibt und weltweit in Zoos gerade mal noch 69 Vögel leben, ist es schon löblich, daß die Al Wabra Wildlife Preservation in Katar und der Loro-Parque auf Teneriffa mit erheblichen Aufwand Spixi züchten. 
Das Bestreben dabei ist natürlich genügend Exemplare zu bekommen, so daß sie eines Tages wieder ausgewildert werden könnten.

Die Idee Viecher zu schützen finde ich sehr richtig. Daher bin ich Vegetarier, Mitglied bei Greenpeace, unterstütze Tierversuchsgegner, etc.


Dafür gibt es auch mehrere Gründe. 
Die beiden offensichtlichen sind die Belästigung durch idiotische Hundebesitzer, die alle Straßen mit Tonnen von Hundescheiße eindecken und ihre unerzogenen Viecher jedes Jahr Menschen töten lassen. (50.000 Beißattacken auf Menschen pro Jahr in Deutschland).
 Zum anderen ist die meistens eben nicht artgerechte Haltung in kleinen Stadtwohnungen eine einzige Perversion.
 Ich will nicht, daß ein Vogel sein Leben in einem 20cm X 20cm-Käfig verbringen muß, oder daß ein Hund 23 ½ Stunden pro Tag im zehnten Stock eines Hochhauses still sitzen muß und wenn er Glück hat einmal pro Tag draußen vor der Tür auf den Beton kacken darf.

Am meisten nervt mich an Haustieren aber der Anthropomorphismus, der unweigerlich auftritt, wenn man beispielsweise mit Hundebesitzern diskutiert.

(Wiki: Anthropomorphismus = griech. νϑρωπος / anthropos: „Mensch“ und μορφή / morphē: „Form, Gestalt“) bezeichnet das Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Tiere, Götter, Naturgewalten)

Ihre Hunde werden völlig vermenschlicht und genau diese vermeidlich menschlichen Eigenschaften, die im Haustier entdeckt werden, gelten als Beleg für den moralischen Wert. 

„Er ist doch wie ein Mensch“ „Guck doch, Bello guckt genauso wie Papa!“ „Er ist wie mein Kind“. 

Das nenne ich anmaßend und pervers, wenn man eine andere Kreatur dadurch zu adeln meint, indem man sie auf das vermeidlich höhere moralische Niveau des Menschen promoviert.

Abgesehen davon, daß ich sicherlich nicht gerade den Menschen als Krone der Schöpfung und übermoralisches Wesen ansehe, demaskiert es die angeblichen Tierfreunde als Tierfeinde, wenn sie ihre Viecher eben nicht als das akzeptieren was sie sind, sondern sie human sozialisieren.

Besonders abartig ist natürlich so etwas wie REITEN, bei dem man ein Tier direkt zum eigenen Vergnügen missbraucht. 
Können sich die ganzen Teenagerinnen, die alle unbedingt dauernd reiten wollen, nicht lieber einen ordentlichen Vibrator kaufen und dafür die Pferde in Frieden lassen?

A propos „innige Beziehung“ zu Tieren: 
In Stelle bei Hamburg sollte nächste Woche die achte „Zeta-Pride“ stattfinden.

Hat man erst mal den Anthropomorphismus mitgenommen, ist der Schritt zur Zoophilie nur noch ein ganz Kleiner.

Das Landheim Stelle liegt malerisch in einem abgeschiedenen Waldstück, mitten drin ein Tagungs- und ein Schlafhaus mit 41 Betten. Die Immobilie gehört der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, Besucher mit christlichem Hintergrund sind deshalb gern gesehen, so etwa Posaunenchöre, Jugend- und Kindergruppen. Zu den Stammgästen zählten bisher aber auch jene vermeintlichen "Hundeliebhaber", die seit fünf Jahren aus ganz Deutschland in den Landkreis Harburg reisen, um miteinander ungestört einige Tage in der Idylle zu verbringen.

Die innige Liebe zum Tier ist zwar oft platonisch aber meistens auch sehr haptisch und daß es dann ab und zu auch auf die nächste Ebene überspringt, wundert mich nicht.

Ich habe heute erst beim Recherchieren entdeckt wie verpönt Zoophilie ist. 
Ähnlich wie Inzest. Das war mir vorher gar nicht klar, weil das zufällig ein Thema ist, welches mir extrem fern ist.

Das erinnert mich an Dr. Alfred Charles Kinseys „Sex-Reports“: Sexual Behavior in the Human Male (1948; deutsch: Das sexuelle Verhalten des Mannes, 1955)
 Vor ca dreihundert Jahren habe ich das mal gelesen und erinnere mich noch, daß ich natürlich NICHT überrascht war von den hohen Zahlen der Masturbanten und Männern mit bisexuellen Neigungen (was man 1948 gar nicht gern hörte!), sondern stolperte auch über die 5%-10% (Zahlen aus dem Kopf zitiert), welche in ihrer Jugend mit Tieren schliefen.

Später habe ich dann verifizieren können, daß es sich offenbar um ein ländliches Phänomen im prüden Amerika handelte.
Wenn Jugendliche derart rigide und sexualfeindlich überwacht aufwachsen, treffen sie sich eben abends mal an den Weidezäunen und poppen eine Kuh.

Für mich ist die nächste Frage, wie das wohl die Kuh findet.

 Aber darauf gab mir die Fernsehserie „Der Doktor und das liebe Vieh“ (engl. „All Creatures Great and Small“ 1977-1990) Aufschluß. 
Denn dort steckten James Herriot und Siegfried Farnon pausenlos ihre ganzen Arme bis zur Schulter hinten in Kühe und Pferde, ohne daß die sich sichtbar davon belästig fühlten.

Ohne jetzt eine Penisgrößen-Debatte anzuzetteln; aber wer einen vollständigen menschlichen Arm ungerührt wiederkäuend wegsteckt, wird ja wohl kaum von einem penetrierenden Penis besonders belästigt werden.
Also alles halb so schlimm? Ich lasse mal das Fragezeichen stehen.

Offensichtlich wird das Problem aber größer, je kleiner das Tier ist. 
Oder umgekehrt formuliert: Am besten wäre es, wenn Zoophile Elefanten und Wale bestiegen.

Die Damen und Herren, die sich seit Jahren in der kirchlichen Einrichtung in Stelle treffen, haben vermutlich keine Wale dabei. 
Ich weiß also nicht was die tun. 
Das Hamburger Abendblatt wandte sich aber an den zuständigen Oberpfaff Röder, der daraufhin
 dermaßen wild assoziierte, daß er auf der Stelle den Zeta-pride rauswarf.

"Wir hatten keine Ahnung, dass dort möglicherweise solche Praktiken stattfinden und es zu ethisch und moralisch verwerflichen Handlungen kommt", sagt Michel-Hauptpastor Alexander Röder.
Das Heim wird seit 35 Jahren von Uwe Harder-Gomolzig verwaltet. Einzelne Mitglieder der Gruppe sind dem 59-Jährigen seit 2007 persönlich bekannt. "Die kamen immer im Frühsommer an, mit vielen Huskys und haben Hundeschlitten-Rennen veranstaltet. Sie waren sehr nett", sagt er. Teilweise hätten sie auch Hunde aus Tierheimen mitgebracht, die sie aufgepäppelt haben. Wie habe er ahnen können, dass es sich "um so eine Gruppe" handelt", fragt Harder-Gomolzig. Das alles habe ihn "kalt erwischt".
Veranstalter der Conventions ist ein Mann mit dem Pseudonym Fjordwolf. 2005 hat der Mann, der in der Nähe von Hamburg lebt, die Organisation des Vorläufers Zetacon übernommen und unter dem Namen Zeta-Pride weitergeführt. "Es ist ein sozialer Austausch unter Gleichgesinnten, die sich aus dem Internet kennen", sagt er. "Wir treffen uns zum Spielen, Unterhalten, Feiern und Grillen."

Spielen, Unterhalten, Feiern und Grillen? 
Klingt ja übel.
Es ist übrigens schwer genaueres zu recherchieren, da die entsprechenden Webseiten meistens abgeschaltet sind. Offenbar ist das etwas ganz Verbotenes.

Für die Nichthamburger ist es in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, daß der Michel-Hauptpastor die prominenteste geistliche Person der Stadt ist. 
Ich bin sicher, daß sein Name sehr viel bekannter, als der der Bischöfe ist.
Skandale sind also unerwünscht.

Offensichtlich schreckten den 51-Jährigen, der am bekannten Elite-Gymnasium Oberalster Abitur machte (wie auch Altbürgermeister Henning Voscherau oder der Bremer Senator und Werder-Manager Willi Lemke) die Bilder in der Hamburger Morgenpost, auf denen „Furries“ zu sehen waren. 

Also Menschen, die gerne „Fursuits“ (anthropomorphe Tierkostüme) tragen.
 Auch genannt „Alf“s: (alt.lifestyle.furry)

Was soll so etwas?

1.1) What is a furry?

        Furry is a word which has probably been asked to do a little
too much work. It has numerous meanings, and it's not particularly
easy to find two people who agree on the precise definition for any of
them. The original two definitions we supplied in the first version of
the FAQ are:

1. an anthropomorphic animal character. i.e. an animal with human
   characteristics.

2. a human who relates strongly, in whatever way, to the idea of the
    characters outlined in the previous definition. This may involve
    anything from a person who simply enjoys viewing furry fanzines or
    films, to someone who actually desires to be a 'real' furry, or
    believe that they are literally a non-human trapped within a human
    form.

        But not all ALF regulars are interested in anthropomorphics.
Some are largely unaware of the 'furry fandom,' or are simply
uninterested in it for a variety of reasons. Most of us who created
ALF were 'fans' of one kind or another, and this coloured our view-
point perhaps more than we realised.
        So, after much discussion, we'd like to add a third
definition, one that tries to include everyone who has made ALF a
home.

3. a person with an important emotional/spiritual connection with an 
    animal or animals, real, fictional or symbolic.

Es gibt eben nichts, was es nicht gibt.

Und im Internet findet man Anleitung wie man den „Furry-Lifestyle“ lebt.

Oberpastor Röder schaudert es aber ganz gewaltig.
 Er spricht von „ethisch und moralisch verwerflichen Handlungen.“ 


Ich gebe zu, daß es nicht gerade üblich ist als Furry rumzulaufen.
Was da sexuell vorgeht, ist mir unbekannt.

Noch lächerlicher sieht die Kostümierung dieser Männer aus:

 



Und was in Christlichen Kirchen an sexuellem Missbrauch geschieht, ist hinreichend bekannt.