Dienstag, 13. März 2012

Es werde Licht!



Wir, also „wir“, die Atheisten, die sich tagtäglich mit kirchenpolitischen Fragen auseinandersetzen, die Carsten Frerks „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“ (Alibri 2002) und das „Violettbuch Kirchenfinanzen“ (Alibri 2010) gelesen haben; wir kirchenkritischen Menschen, die Michael Schmidt-Salomons Veröffentlichungen verfolgen, die IBKA-Mitglieder sind, die den gbs-newsletter abonniert haben, die für den hpd spenden; wir, die selber denken können und Fragen stellen; WIR wissen einigermaßen gut Bescheid über die grundlegenden Absurditäten der finanziellen Verflechtungen und Staat und Kirche.

Wir haben aber alle die Berichte von Panorama und Monitor im Gedächtnis, in denen kirchliche Justiziare und kirchenpolitische Sprecher der Parlamentsfraktionen nach den Zahlungen an die Kirche gefragt werden und alle mußten passen.
Schon die Frage gilt als irgendwie ungehörig. Als ob man etwas Amoralisches und Asoziales erfragen würde. Hat sich doch in den Köpfen des Otto Normalverbrauchers fest eingestanzt, daß Kirchen grundsätzlich völlig selbstlos sind und von ihren Kirchensteuern lauter soziale Wohltaten finanzieren.
Selbst die meisten Ungläubigen loben die Kirchen für ihr soziales Engagement.

Daß viele kirchliche Krankenhäuser und Kindergärten bis zu 100% staatlich finanziert sind, ist absolutes Elitenwissen, das trotz Mantra-artiger Wiederholung nicht ins Bewußtsein der breiten Bevölkerung vordringt.

Ja, doch, seit 2010 ist die Aufmerksamkeit für Kinderfickereien der katholischen Geistlichen größer geworden, aber abgesehen davon werden wir doch immer wieder mit einem erstaunten „was hast du bloß gegen die Kirche? Die tun doch so viel Gutes!“ konfrontiert.

Auf solche Fragen könnte ich stundenlang antworten, starte aber gewohnheitsmäßig damit, daß ich es mir als Atheisten nicht gefällt die Bischofsgehälter von bis zu 13.000 Euro im Monat bezahlen zu müssen.
Ich bin immer wieder erstaunt darüber wie unbekannt diese schlichte Tatsache ist - ganz selbstverständlich nehmen alle, die sich nicht extrem für das Thema interessieren an, daß die Gehälter aus der „Kirchensteuer“ (die nichts anderes als ein Mitgliedsbeitrag ist, für den der Staat als Inkassounternehmen auftritt) aufgebracht werden.

Man weiß schon allgemein, daß der Vatikan die Lehrbefugnis für katholische Theologieprofessoren entziehen kann, daß die Ortsbischöfe die Missio Canonica aberkennen können und damit einem Religionslehrer kaltstellen können.
 Daß aber in beiden Fällen, also der katholischen Hochschulausbildung und dem schulischen Religionsunterricht die Gehälter vom Staat bezahlt werden, ist schon weniger bekannt.

Nur wenn zufällig mal ein einzelner Fall in die Öffentlichkeit gerät, wie zum Beispiel die Abberufung des offensichtlich in seiner Schule sehr beliebten Religionslehrers David Berger durch den höchst unbeliebten und antidemokratisch installierten Kölner Erzbischof Meisner, ist die Empörung groß. 

Wieso hat der Kardinal die alleinige Entscheidungsbefugnis über solche Dinge - obwohl es um einen staatlich bezahlten Lehrer an einer staatlichen Schule geht und sowohl Schülerschaft, als auch Elternvertreter und Lehrerkollegium Berger unbedingt behalten wollen?

Willkommen in der Realität!

 So sind die Regeln. Wenn sich niemand dafür interessiert und sich die Leute mit einem achselzuckenden „die Kirchen tun so viel Gutes“ zufrieden geben, wird sich auch nichts ändern.

Ich bin fest davon überzeugt, daß die öffentliche Meinung über die Kirchen dramatisch verfallen würde, wenn die Bürger wenigstens wüßten auf wie viele staatliche Angelegenheiten die Kirchen Einfluß nehmen (indem sie beispielsweise in Bundestags-Ethikkommissionen und Rundfunkräten hocken) und auf welch mannigfache Art und Weise Kirchen Geld vom Staat abziehen.

Die Macht das zu verändern, so wie es schon die Weimarer Reichsverfassung und nun auch das Grundgesetz gebietet, hätten die Parlamentarier, die aber fast alle vor der Macht der Kirche zittern und inaktiv bleiben.
Sie werden erst durch massiven Druck der Wähler aktiv werden.

In diesem Sinne finde ich es äußert begrüßenswert, wenn nach dem totalen Abdriftender FDP und der SPD in die Religiotie (CDU, CSU und Grüne sind ohnehin stramm auf Kirchenkurs) wenigstens einige Linke-Landesverbände in die Puschen kommen.

Der Held des Tages ist Ralf Michalowsky, kirchenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in NRW, dessen Kleine Anfragen nie richtig beantwortet wurden und der deswegen zu stärkerem Geschütz greift.

Mit einer Großen Anfrage will die Fraktion DIE LINKE im Landtag Licht in die undurchsichtigen Finanzverflechtungen von christlichen Kirchen und Land NRW bringen. „Die in diesem Komplex herrschende Intransparenz war für mich die Hauptmotivation, mich mit diesem Thema näher zu beschäftigen“, erklärt der kirchenpolitische Sprecher der Fraktion, Ralf Michalowsky. Die großen Kirchen erklärten zwar gern unisono, dass sie viel Geld in den Sozialbereich steckten, verschwiegen aber gern, dass dieses Geld zum größten Teil aus dem Steueraufkommen komme, kritisiert Michalowsky. „Wie viel das Land den Kirchen auf den unterschiedlichen Wegen zukommen lässt, kann man aber nirgendwo einsehen.“
[…]
 Auf die bisher vier von Michalowsky gestellten Kleinen Anfragen zur Kirchenfinanzierung hatte die Landesregierung eher ausweichend geantwortet. „Das wird ihr bei unserer Großen Anfrage nicht gelingen“, so Michalowsky. „Diesmal muss die Regierung ganz klar Farbe bekennen.“

Sehr löblich, liebe Linke. 
Zu dem Schritt könnte sich die SPD mit Nahles und Thierse nie durchringen.

Montag, 12. März 2012

Der gottlose Osten



Zu den großen Rätseln der aktuellen schwarzgelben Politik gehört die Herdprämie.
 Eine absolut kontraproduktive, grundfalsche und teure Maßnahme, welche sämtliche Experten in die Verzweiflung treibt.

Die Idee Eltern aus prekären Verhältnissen eine „Bildungsfernhalteprämie“ zu zahlen, damit sie bloß nicht ihre Kinder frühzeitig etwas lernen lassen, ist derartig geisteskrank, daß man noch nicht mal in FDP und CDU Befürworter findet. 

Beschreitet man diesen Weg erst einmal, müßte man auch über eine Schulabbrecher-Belohnungszahlung nachdenken. 
Oder einen Steuernachlass für Eltern, deren Kinder vom Gymnasium auf die Hauptschule wechseln. 
Außerdem sollten Universitäts-Meidungsgutscheine ausgeteilt werden. 
Und wer sich freiwillig arte, Phönix und 3Sat abklemmen läßt und dafür nur noch RTL-II guckt, würde einen größeren Steuerfreibetrag erhalten. 
Natürlich müßten Bücher mit einer Strafsteuer versehen werden.
Mehr gaga geht nicht.

Und das alles wegen der Bayern? 

Das Betreuungsgeld kommt, die CSU hat sich durchgesetzt. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hat vergangene Woche einen Gesetzentwurf noch vor Ostern versprochen, selbst die FDP hat den Widerstand aufgegeben, gegen 'Herz und Verstand', wie Fraktionschef Rainer Brüderle betont. Endlich kann die CSU in Berlin wieder einen Erfolg feiern.
(Corinna Nohn, SZ, 12.03.12)

Aber müßte es nicht auch in der CSU Frauen geben, die ihren Kopf nicht nur als Hutständer benutzen?
Die Antwort ist „jein“. Als Stammel-Edes Idee neu war, hatten sogar CSU’lerinnen den richtigen Instinkt.

'Ich halte nichts vom Betreuungsgeld', sagte 2007 die seinerzeit 29-jährige Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär, als der damalige Parteichef Edmund Stoiber das Betreuungsgeld in der großen Koalition durchgesetzt hatte - getreu der Logik: kein Krippenausbau ohne Kompensation für Eltern, die ihr Kind selbst betreuen. Damals war auch Christine Haderthauer, Mutter und Rechtsanwältin, skeptisch. Ilse Glos, Ehefrau des früheren Wirtschaftsministers, sagte: 'eine Schnapsidee der CSU-Männer'.
(Corinna Nohn, SZ, 12.03.12)

Inzwischen sind alle CSU-Frauen umgekippt und feiern sich für den „Erfolg“ die Herdprämie durchgesetzt zu haben.

Warum ist das so?

Insbesondere die westdeutschen, schwarz regierten Bundesländer lassen die Eltern im Stich. 
Statt der von Ex-Familienministerin für 2013 vorgegebenen Kitaplatz-Quote von 35%, schaffen die Bundesländer derzeit noch nicht mal 20%.
 Dabei liegen die meisten Ost-Länder sogar über 50%.
Die C-Parteien haben es nicht so mit Familienpolitik.

"Bund, Länder und Kommunen müssen aufhören, sich wechselseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben", sagte GEW-Vorstand Norbert Hocke. Statt "Milliarden für das unsinnige Betreuungsgeld zu verschleudern" solle der Bund dieses Geld für den Krippenausbau zusätzlich bereitstellen, verlangte Hocke. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums appellierte an die Länder, stärker auf die vom Bund bereitgestellten Gelder zurückzugreifen. Es sei offenkundig, dass das "Tempo des Ausbaus eher abgenommen als zugenommen habe".

Während in Ostdeutschland fast jeder Familie mit Betreuungsbedarf (51 Prozent) auch ein Platz angeboten werden kann (die Betreuungsquote beträgt 48 Prozent), ist in Westdeutschland der Bedarf an Plätzen mehr als doppelt so hoch (37 Prozent der Familien), als die Betreuungsquote derzeit hergibt (17 Prozent). In Ostdeutschland werden also fast dreimal so viele Kleinkinder betreut wie in Westdeutschland.

Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich bei den Plätzen in Ganztagesschulen:
Sachsen 72%, Hamburg 42%, Thüringen 53%, …., Saarland 16%, letzter Platz Bayern 8%.

Da kommt ein uraltes Familienbild der Katholiken durch.
 Frauen sollen nicht berufstätig sein und der Staat hat sich aus der Kindererziehung rauszuhalten. 

Ungeachtet des Geschreis, wenn wieder mal eine kleine tote Chantal oder Jaqueline vertrocknet auf dem Balkon gefunden wird, wollen CDU’ler und CSU’ler staatlichen Stellen nur äußerst widerwillig größere Kontrollbefugnisse geben.

Arm in Arm mit den katholischen Bischöfen wird gegen Horte und Kinderkrippen agitiert. 
Das euphemistische Wort „Kita“ erinnert einen echten Katholen immer noch an „DDR“ und da war bekanntlich alles schlecht. Frauen hatten Jobs und Kinder wurden staatlich und ohne kirchliche Einflüsse erzogen.

Die Herdprämien-CSU’ler haben sogar in gewisser Weise recht. 

Tatsächlich sind bis heute die weniger kirchlichen Einflüsse auf die Kindererziehung deutlich zu bemerken.

Während sich ein braver Bayer wie Papst-Bruder Georg Ratzinger noch im Unterricht mit Kindern so abmühte diese regelmäßig so zu verprügeln, daß ihm im Eifer des Popo-Versohlens schon mal das Gebiss rausflog, haben die luschigen DDR-Eltern ihre Kinder körperlich erheblich weniger gezüchtigt.

Der Präfekt der Schule brachte in seinen Privatzimmern den Schülern Analverkehr bei und Chorleiter „Schorsch“ rockerte unten bei den Sängern mit seinen Aggressionen rum.

Er „wurde von ehemaligen Domspatzen als "extrem cholerisch und jähzornig" erlebt. So habe Ratzinger noch Ende der achtziger Jahre bei Chorproben erzürnt Stühle in die Männerstimmen hineingeworfen. Einmal habe sich der Domkapellherr so erregt, dass ihm sogar das Gebiss herausgefallen sei.“

 Sie kannten eben die Bibel nicht so gut.

Psalm 118, 18: Der HERR züchtigt mich wohl; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Sprüche 13, 24: Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.

Sprüche 22, 15: Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht wird sie fern von ihm treiben.

Sprüche 23, 13+14: Lass nicht ab den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute haust, so wird man ihn nicht töten. Du haust ihn mit der Rute; aber du errettest seine Seele vom Tode.

Titus 2, 11+12: Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt.

Hebräer 12, 6-9: Denn welchen der HERR liebhat, den züchtigt er; und stäupt einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erduldet, so erbietet sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, welcher sind alle teilhaftig geworden, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder. Und so wir haben unsre leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheut, sollten wir denn nicht viel mehr untertan sein dem Vater der Geister, dass wir leben?

Christliche Erziehung hat stets gewalttätig zu sein. 
So erklärt es beispielsweise Wilfried Plock, christlicher Prediger auf seinen Vortragsreisen durch christliche Gemeinden in ganz Deutschland.

"Es gibt einen extra von Gott gepolsterten Platz mit vier Buchstaben: P-O-P-O. Da kann man Kinder unter Umständen hinschlagen, auch mit einer Rute." Das erklärt Wilfried Plock in einem Vortrag. Er berichtet, wie er einmal seine Kinder bestraft habe, nachdem sie Süßigkeiten aus einer fremden Wohnung gestohlen hätten: "Es war klar. Der Sohn bekommt zehn Schläge mit dem Stock auf den Po und die Tochter fünf. Und das haben wir gemacht und das hat beiden wehgetan. Das soll wehtun!"

Viele deutsche Eltern richten sich nach diesen Ratschlägen, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage ergab.
 Der unchristliche Osten mit seiner laschen Vergangenheit hinkt allerdings deutlich hinterher.

In einer repräsentativen Studie gaben 40 Prozent der befragten Eltern in Deutschland zu, ihren Kindern einen "Klaps auf den Po" zu verpassen. Daneben greifen sie auch zu subtilen, nicht weniger schädlichen Maßnahmen. […] Interessant sind die Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern: Während im Westen 42 Prozent der Eltern einen "Klaps auf den Po" verteilten, waren es im Osten nur 32 Prozent. Ostdeutsche Eltern wurden der Studie zufolge in ihrer eigenen Kindheit seltener geschlagen als westdeutsche.
Die gottlosen Ossis!

Sonntag, 11. März 2012

Der Christ des Tages Teil LVIII



Beginnen wir mit einem kleinen Rätsel.
Wer hat die folgenden Programmpunkte formuliert?
Brights, MSS, IBKA?

Kirchen und weltanschauliche Gemeinschaften entscheiden über ihre Angelegenheiten unabhängig von staatlichen Einflüssen. Das erfordert, dass der Staat seine verbliebenen Einflussmöglichkeiten (insbesondere die Mitwirkung an der regionalen Gliederung der Kirchen, die Forderung des bischöflichen Treueeides auf die Verfassung, den Einfluss auf die Besetzung kirchlicher Ämter) aufgibt.
Der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ist für religiös und weltanschaulich gebundene Gruppen wie die Kirchen nicht geeignet, da diese ihre Aufgaben nicht aus staatlichem Auftrag herleiten.
[…]
Kirchen und weltanschauliche Gemeinschaften regeln die Mitgliedschaft im Rahmen der Religionsfreiheit nach eigenem Recht. Der Austritt erfolgt durch Willenserklärung gegenüber den Kirchen und weltanschaulichen Gemeinschaften.
[…]  
Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren. Diesem Verfassungsgrundsatz ist überall, insbesondere im Personenstandsrecht und im öffentlichen Dienst, Geltung zu verschaffen.
Die bisherige Kirchensteuer ist durch ein kircheneigenes Beitragssystem zu ersetzen.
[…]
Der Verfassungsgrundsatz der weltanschaulich-religiösen Neutralität des Staates ist auf Länderverfassungen und Gesetze, Regeln und Gebräuche im öffentlichen Bereich anzuwenden. Die Glaubensüberzeugungen einzelner Gruppen dürfen nicht für alle verbindlich gemacht werden. Auf sakrale Formen und Symbole ist im Bereich staatlicher Institutionen wie Gerichten und öffentlichen Schulen zu verzichten. Die Eidesformel ist neutral zu fassen; dem Eidesleistenden muss es freistehen, den Eid durch einen Zusatz im Sinne seiner Weltanschauung zu ergänzen.
[…]
Die bestehenden Staatsverträge mit den Kirchen (Kirchenverträge und Konkordate) sind wegen ihres Sonderrechtscharakters kein geeignetes Mittel, die Beziehungen zwischen Kirche und Staat zu regeln.
[…]
Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Kirchen sind abzulösen. (Wie es Artikel 140 GG und Artikel 138 Abs. 1 WRV vorsehen.)
Soweit Kirchen und Religionsgemeinschaften gegenüber anderen gemeinnützigen Institutionen steuer- und gebührenrechtliche Sondervorteile besitzen, sind diese aufzuheben.
[…]
Bildung, Krankenpflege und soziale Versorgung sind öffentliche Aufgaben.

Na, wer errät es?

Man glaubt es heute kaum, aber diese Forderungen stammen von der FDP - allerdings sind sie fast 40 Jahre alt!


Bis 2004 schleppte man diese geradezu säkularen Thesen mit - aber mit Guido Westerwelles Machtübernahme, der stramm antisozialen, markthörigen und industrielobbyistischen Stoßrichtung, wurden auch die freiheitlichen Ansichten zur Religion über Bord geworfen. 
Es vollzog sich ein dramatischer Schwenk in die rechte und religiöse Ecke, wie wir es aktuell auch wieder bei den US-Republikanern erleben.

Auf der FDP-Homepage findet man heute ein Grundsatzinterview mit Guido Westerwelle, in dem er für die Freiburger Thesen nur noch Verachtung erkennen lässt. 
Von einem Ende der exorbitanten Staatsleistungen an die Kirchen oder gar dem Ende des staatlichen Inkasso-Services für die Kirchen, der ihnen jährlich neun Milliarden Euro beschert, ist keine Rede mehr.

 Frage: In den Siebzigern hat die FDP das Papier verabschiedet: Freie Kirche im freien Staat. Das hatte eine sehr laizistische Stoßrichtung. Das hat sich mittlerweile komplett geändert. Warum?

WESTERWELLE: Es mag so sein, dass sich mancher gesellschaftliche Konflikt überlebt hat. Ich persönlich glaube jedenfalls nicht, dass der Unterschied zwischen religiös gebundenen Menschen und anderen, die eher glaubensfern sind, heute die zentrale Rolle spielt.

Frage: Halten Sie in diesem Zusammenhang die Kirchensteuer für ein Zukunftsmodell?

WESTERWELLE: Wir wollen ein neues, faires Steuersystem bei der Lohn- und Einkommensteuer und wir halten es für eine unglaubliche Entgleisung, dass bei der Erbschaftsteuer Geschwister wie Fremde behandelt werden. Da wollen wir ran, das hat Vorrang.

Auch im letzten offiziellen FDP-Parteivorstandsbeschluss vom 10.12.2007 ist jede Kirchenkritik und jedes Bestreben zur Entkoppelung von Kirche und Staat (wie es unser Grundgesetz vorsieht!) verschwunden.

Der neue FDP-Chef Philip Rösler ist selbst tief gläubig und hat als überzeugter Katholik sogar einen Sitz im Zentralrat der Katholiken in Deutschland.
 Er ist gewissermaßen die inkarnierte Antithese zur liberalen FDP von 1974.

So wie der FDP auch andere bürgerliche Freiheiten (es fing an mit dem Lauschangriff) egal sind, will sie an der zementierten Privilegierung der Kirchen, ihren Diskriminierungs-Sonderrechten und der Flutung mit Steuergeldern festhalten.

Die FDP empfindet heute den rechtslastigen Pfarrer Joachim Gauck als „typischen Vertreter der Liberalen“ - trotz oder gerade wegen seiner faktenblinden Allergie gegen soziale und menschenrechtliche Umtriebe einiger Vertreter der westdeutschen protestantischen Kirche.
 
Joachim Gauck, […] hat wieder einmal seine Freude am Schnüffeln und Denunzieren herausgelassen.  […] Mit ihrer »Linkslastigkeit« hätten sie »bei ihren Besuchen in der DDR den Glaubensgeschwistern weismachen« wollen, »sie litten im Kapitalismus unter schlimmeren Zuständen«, und sie hätten »den Begriff Freiheit negativ besetzt«.

LINKSLASTIGKEIT?

In jenen [50er und 60er] Jahren fing der Mehrheitsprotestantismus nach den Worten des damaligen Ratspräsidenten der Evangelischen Kirche in Deutschland, Otto Dibelius, »dort wieder an, wo er 1933 aufhören mußte«, und verbreitete nun weiterhin seinen Antikommunismus, seine menschenfeindliche Sexualmoral, seine Frauenverachtung (1954 forderte die Kirche, an einer »gewissen Entscheidungsbefugnis« des Vaters gegenüber der Mutter müsse »festgehalten werden«) und schließlich seinen herkömmlichen Militarismus, der kurz zuvor noch »in großer Übereinstimmung mit der nationalsozialistischen Partei- und Staatsführung« den deutschen Eroberungs- und Vernichtungskrieg, besonders nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941, »mitgetragen und durchgestanden« hatte (so Günter Brakelmann in »Kirche und Krieg«, 1979).

Für all diese Aktivitäten eignete sich vorzüglich das schon 1949 geschaffene System der »Kirchenpartnerschaften«, wonach jede Landeskirche in Ostdeutschland eine westdeutsche Landeskirche als »Partnerkirche« erhielt, zum Beispiel die Landeskirche Sachsens die hannoversche und die Landeskirche Mecklenburgs, in der Gauck ab 1967 seinen Dienst tat, die bayerische. […] Insgesamt erbrachte der »Bruderdienst« 243 Millionen Mark.

Der antikommunistische Kirchenkampf erreichte 1959 in der »Obrigkeitsschrift« des langjährigen Ratsvorsitzenden Dibelius seine höchste Vollendung. Darin kam der Verfasser zu der Einsicht, er brauche die Verkehrsregeln in der »Sowjetzone« nicht zu beachten, weil die »Obrigkeit« dort, anders als das Nazi-Regime und alle früheren »Obrigkeiten«, nicht »gottgewollt« nach Kapitel 13 des Paulus-Briefs an die Römer sei. […]
 Mit [Gaucks] Kritik in Frankfurt zeigt er der evangelischen Kirche die Richtung an, in die sie wohl gehen soll: Zurück in die 50er Jahre! Zurück zur Restauration! Zurück zur Rechtslastigkeit der Kirche! Enttarnt endlich auch alle »linkslastigen westdeutschen Theologen« und stellt sie vor das Jüngste Gericht!

Damit komme ich zum Christen des Tages Nr. 58.

Es handelt sich um einen Pfarrer, der nebenher auch FDP-Bundestagsabgeordneter ist und zur Gruppe der 42 engagierten Christen der Fraktion gehört. 

Christ des Tages LVIII ist Pascal Kober, geb. 1971, Theologe aus Baden-Württemberg. 
Der Pfarrer vom Neckar ist auch Gründungsmitglied und Theologischer Berater der Christlichen Liberalen – Christen bei den Freien Demokraten Baden-Württemberg.
(Karl-Hermann Flach wird in seinem Grab rotieren.)


Auslöser für diesen Berufswunsch waren die Erfahrungen im Religionsunterricht der Oberstufe, in dem wir gelernt haben, die Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern sie zu hinterfragen und eigene Antworten zu formulieren. Mit Begeisterung habe ich damals im Unterricht die (Auszüge aus der) Schrift von der „Freiheit eines Christenmenschen“ von Martin Luther verschlungen, die wir behandelt haben. Vielleicht ist ja damals mit der Lektüre von Luthers „Freiheitsschrift“ schon ein Grundstein für mein späteres politisches Engagement bei der FDP gelegt worden.

Die FDP, die rigoros Spekulanten vor Börsenumsatzsteuer schützt und Steuergeschenke an die Reichsten weiterreicht, während Westerwelle wider die „spätrömische Dekadenz“ des Prekariats hetzt, empfindet Kober als besonders „sozial kompetent“:

Die FDP redet nicht nur von sozialer Verantwortung und instrumentalisiert sie auch nicht für ihre eigenen Zwecke. Sie macht sich ideenreich und tatkräftig an die Lösung. Dabei verletzt sie nicht die Würde der Betroffenen und gibt das Ideal einer freien Gesellschaft nicht auf. Leitbild der FDP – Sozialpolitik ist die Befähigung zu Eigenverantwortung, zu Teilhabe an der Gesellschaft und zu einem solidarischen Miteinander. Liberale Sozialpolitik begnügt sich nicht damit, die Schwächen Betroffener zu verwalten und materiell auszugleichen, sondern sie will an den Ursachen ansetzen und an den Stärken der Menschen anknüpfen.

Wie die FDP den Armen helfen will, indem sie den Reichsten Geld zuscheffelt, erklärte der Christ des Tages 58 letzten Donnerstag in der ZEIT.

DIE ZEIT: Herr Kober, wann haben Sie zum letzten Mal gebetet?
Pascal Kober: Heute Nacht. Ich bete jeden Tag.
[…] Natürlich freue ich mich darüber, dass Jochim Gauck Präsident wird.
ZEIT: Warum wollte die FDP einen Pfarrer für dieses Amt?
Kober: Pfarrer wird nur jemand, der die Menschen liebt. [sic!!! - ob das die von Priestern vergewaltigten Jungs auch so sehen? - T. ] Das gilt auch für Joachim Gauck.
[…]
ZEIT: Herr Kober, […] Gibt es zu viele Reiche in Deutschland?
Kober: Nein. Das Entscheidende für mich als Christ ist der Umgang mit dem Reichtum, nicht der Reichtum an sich.
ZEIT: »Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen«, steht im Matthäus-Evangelium. Tun aber nicht viele Reiche genau das – sie sammeln Schätze, hocken darauf wie Dagobert Duck und geben nichts ab?
Kober: Wenn jemand tatsächlich zweckfrei Besitz anhäuft – dann entsteht Reichtum, wie er im Neuen Testament kritisiert wird. Man soll ihn in den Dienst einer sinnvollen Sache stellen.
ZEIT: In Deutschland gibt es massenhaft Reiche, die das nicht tun. Wie bekehrt man sie?
Kober: Ich muss ihnen die Augen für die Not der anderen öffnen und dabei wegkommen von einer Zeigefingerpolitik, die suggeriert, dass immer jemand anderes in der Verantwortung steht, meistens der Staat, die Wirtschaft oder die Reichen.
[…]
Schon Martin Luther hat festgestellt, dass es nicht sinnvoll ist, wenn der Reiche sein ganzes Vermögen hergibt und am Ende selbst nichts mehr hat.
ZEIT: Warum?
Kober: Dann habe ich ja einen neuen Armen.
[…]
Kober: Unser Wohlstand ist darauf gegründet, dass Menschen unternehmerische Ideen umsetzen. Wir möchten sie ermutigen, ihre Begabungen und finanziellen Mittel dazu einzusetzen, Arbeitsplätze und gute Produkte zu schaffen.
[…]
ZEIT: Ist Gott ein Liberaler?
Kober: […] Gott hat in jeden Menschen etwas hineingelegt, das ich gerne entdecken würde. Deshalb bin ich Liberaler. Je mehr das Leben reguliert und standardisiert ist, desto weniger gibt es zu entdecken. Institutionen werden individuellen Problemen immer nur oberflächlich gerecht. Am Ende steht eine Entsolidarisierung. Die einen kümmern sich weniger, und die anderen werden zu wenig gefordert, selbst etwas aus ihrem Leben zu machen. Ich glaube übrigens, dass Joachim Gauck ähnlich denkt. Ich habe mit ihm leider nie darüber gesprochen. Aber so verstehe ich seine Warnung, dass der Sozialstaat zu Passivität verleiten kann.
ZEIT: Wollen Sie allen Ernstes behaupten, dass die FDP christliche Nächstenliebe propagiert?
Kober: Jedenfalls finde ich es naheliegend, in einer Partei zu sein, die die persönliche Verantwortung für den Nächsten und sich selbst in den Mittelpunkt stellt.
Quelle: DIE ZEIT, 8.3.2012 Nr. 11

Kobers Weltsicht zu kommentieren erscheint mir unnötig. 

Das zu beurteilen dürfte jedem leicht fallen.

Samstag, 10. März 2012

Frauen.


Das waren noch Zeiten, als man Themen wie Frauen, Familie und Alte als „Gedöns“ an der aller untersten Stelle der Tagesordnung parken konnte.

Hier und da ein paar kosmetische Verbesserungen, ab und zu etwas mehr Kindergeld, hin und wieder ein Altenheim besichtigen - so schien es im Familienministerium in der Post-§-218-Zeit  zuzugehen.
Die Ministerposten waren vor allem wichtig, um Proporz zu wahren. 
Da konnte man eine Ostdeutsche, ein Junge, eine Hessin, oder was auch sonst immer gerade noch zur Ausgewogenheit fehlte, einsetzen.
Frauenministerinnen betrachteten ihr Ministerium entweder als Karriere-Sprungbrett, um möglichst bald ein „richtiges“ Ministerium zu ergattern (Merkel, von der Leyen), oder aber sie verschwanden alsbald in der Versenkung, ohne vermisst zu werden (Renate Schmidt, Hannelore Rönsch, Claudia Nolte, Ursula Lehr, Christine Bergmann).

Das Ministerium mit dem langen Namen  - Bundesministerium für Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen und Jugend - hatte einen weiteren Vorteil.
 Muß ein Kanzler besonders viele Stellen aus Proporzgründen vergeben, kann man es zerschlagen und gleich zwei nörgelnde Landesverbände beglücken. Kohl machte nach der Übernahme der DDR gleich drei Ministerien draus. Gesundheit, sowie das Bundesministerium für Familie und Senioren und das Bundesministerium für Frauen und Jugend.   
Seit 1994 sind die beiden letzteren mal wieder zusammengefasst und nennen sich Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Blöd nur, daß sich mittlerweile herausgestellt hat, daß es Folgen hat, wenn man irgendwelche Deppinnen auf dem Posten parkt. 

Die Senioren vermehren sich wie die Fliegen, die Jugendlichen scheren sich die Haare und rennen mit Baseball-Schlägern herum, die Wirtschaft sucht händeringend nach qualifizierten Schulabgängern, Akademiker weigern sich zu gebären, christliche Erzieher poppen in Kinderheimen alles was bei drei nicht auf dem Baum ist, Migranten lernen kein Deutsch mehr und zu allem Überfluss nörgelt auch noch Brüssel wegen Diskriminierungen herum.

Und dann sind da die Frauen selbst, die so ganz langsam mal doch so viel verdienen möchten wie ihre Schniedelwutz-Kollegen.
 Aber Deutschland hinkt gnadenlos hinterher - bis zu 25% weniger bekommen Frauen für die gleiche Arbeit eines Mannes.
Vor zehn Jahren einigte man sich mit den DAX-Konzernen, die gerade mal drei Prozent Frauen in ihren Vorständen beschäftigten, daß sich die 97%ige Männer-Dominanz ändern müsse, sonst könne man gesetzliche Quoten einführen.
Im Jahr 2011 sind es nun immer noch genau die drei Prozent Frauen in den Industrievorständen, so daß sogar weibliche CDU-Größen nach den Instrumenten der Grünen aus den 1980er Jahren schreien.

Erstmals in der Parlamentsgeschichte wurde von der schwarz-gelben Bundesregierung ein Gleichstellungsbericht vorgelegt. Er kommt zum ernüchternden Schluss, dass neun Jahre freiwillige Vereinbarungen in der Wirtschaft zu keiner grundlegenden Veränderung der „Geschlechterverteilung in Führungspositionen“ geführt hat. Zudem sei eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen trotz des „Umbruchs im Erwerbssystem“ nicht realisiert worden, wird kritisiert.
Vor diesem Hintergrund kündigten Sozialdemokraten einen eigenen Gesetzentwurf für eine verbindliche Frauenquote an. Sie soll absehbar bei 40 Prozent liegen.

Es nützt nur nichts. 
Der Koalitionspartner FDP ist eine reine Männerpartei und die CDU wird zwar von einer Art Frau befehligt - aber die interessiert das Thema genauso wenig wie die aktuelle Ministerin; die braune Hessin Schröder, die als Kind in einen Kessel mit Kohl-Autogrammkarten gefallen war und seit dem eine anhaltende Vorliebe für semikriminelle Patriarchen pflegt.

Kristina Schröder, die erst als Ministerin Kristina Köhler heiratete und ganz selbstverständlich devot den Nachnamen ihres Gatten annahm, ist so eine Art Guido der CDU. 
Was sie anpackt misslingt - und zwar gründlich.

Ob Frauenquote, Betreuungsgeld oder die aufkeimenden Debatten um die Kürzung des Elterngeldes - Schröder kämpft an allen Fronten wie keine andere Ministerin im Kabinett. Und macht dabei auch eine schlechte Figur wie keine andere. Statt Akzente zu setzen, verzettelt sich die 34-Jährige in Nischenthemen.
Dabei mangelt es an Profilierungsthemen wahrlich nicht. Die Frauenquote etwa. Doch Schröder findet mit ihrem Vorschlag zur Selbstverpflichtung der Wirtschaft vor allem bei den Männern in der Union Unterstützung. Die Frauen halten von Schröders Plänen herzlich wenig. Allen voran Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).
"Frau Merkel hat den Unternehmen deutlich gemacht, dass sie sich das noch eine Weile anschaut", sagt sie. "Und wenn sich nicht wirklich dramatisch etwas ändert, wird sie wohl reagieren müssen", so von der Leyen, die keine Gelegenheit auslässt, gegen ihre Nachfolgerin zu keilen. "Das ist sicherlich keine lustige Erfahrung für Schröder", sagt eine Koalitionspolitikerin über den Machtkampf zwischen den Frauen.

Das Kabinettsküken kann von Glück reden, daß unter Merkel die Qualitätsstandards für Regierungsmitglieder so geschliffen wurden, daß auch Lügner, Betrüger, Fälscher, Lobbyisten und eigentlich jeder, der an die Intelligenz eines Schimpansen heranreicht auf höchsten Posten ausharren kann.
Unter einem Kanzler, den es auch nur einen Funken interessieren würde was seine Minister erreichen, wäre Kristina Schröder schon längst wegen absoluter Unfähigkeit gefeuert worden.

Es ist Weltfrauentag, auch in Berlin. Erste Rednerin im Bundestag ist Schröder. Die Ministerin hat kaum angefangen, da schlägt ihr aus dem Plenum bereits Gelächter und Häme entgegen. Nach sieben Minuten ist ihr Auftritt schon vorbei.
'Was war denn das jetzt, das kann doch nicht wahr sein', rufen ihr Oppositionsfrauen hinterher. Im tunesischen Parlament war Schröder von den weiblichen Abgeordneten bewundert worden: 'Sie ist so jung und hat es so weit gebracht.' In Deutschland ist Schröder das Gespött der Feministinnen. Sie habe die Hoffnung aufgegeben, dass sich 'Schröder noch in eine patente Politikerin verwandeln könnte', sagt Dagmar Ziegler, die Rednerin der SPD an diesem Tag. Und Renate Künast macht sich über 'die bemerkenswert schlechte Rede der Ministerin' lustig.
Schröder hatte von ihren Gesprächen mit Bloggerinnen, Frauenrechtlerinnen und weiblichen Abgeordneten in Tunesien berichtet, von den Nöten der Frauen der arabischen Revolution. Alles interessant. Die Antwort auf die entscheidenden Fragen aber blieb sie schuldig: Warum sitzen in Deutschlands Chefetagen fast nur Männer? Und was gedenkt die Frauenministerin dagegen zu tun?
Kristina Schröder, das ist inzwischen nur noch die Frauenministerin, die gegen die Frauenquote ist. Die Christdemokratin hält derlei Eingriffe in die freie Wirtschaft für ordnungspolitisch falsch und verfassungsrechtlich bedenklich.
(SZ  09. März 2012)

Kristina Schröder zum Weltfrauentag sprechen zu lassen ist ungefähr so sinnvoll wie eine Einladung Rick Santorums zur Gay-Pride-Parade.
Bzw schlimmer, denn das Thema interessiert sie schlicht und ergreifend nicht.

Man kann es unsensibel oder instinktlos nennen, aber im Grunde bleibt sich Kristina Schröder (CDU) treu. Zum Weltfrauentag am 8. März ehrt die Familien- und Frauenministerin die „Spitzenväter des Jahres“.
Für den 8. März seien „keine Veranstaltungen und Pressetermine der Ministerin vorgesehen“, bestätigt die Pressestelle des Ministeriums am Donnerstag. In Erscheinung tritt die Ministerin am Weltfrauentag nur bei der Ehrung der „Spitzenväter des Jahres“, für die sie die Schirmherrschaft übernommen hat.
Der Preis für die Spitzenväter wird von der Großbäckerei Mestemacher – Betreiber der lifestyle bakery –  aus Gütersloh gestiftet und ist mit 5.000 Euro dotiert.
Beim Berliner Frauenpreis dagegen werden nur 2.600 Euro Preisgeld vergeben. Ausgezeichnet werden zwei Väter, die in Zeiten des „Modernisierungsstaus bei der Männeremanzipation“ durch die Übernahme von Verantwortung für ihre Kinder glänzen und ihren Frauen Karriere ermöglichen und damit „traditionelle Rollenerwartungen verändern“.
„Ein bisschen Modernisierung statt Emanzipation“, so könnte man die Politik Schröders insgesamt beschreiben. Dafür steht zum Beispiel das für 2013 geplante und als „Herdprämie“ bekannt gewordene Betreuungsgeld für Familien die ihre Kinder zuhause erziehen, oder die freiwillige Flexiquote statt einer verbindlichen Quote für den Anteil von Frauen in Spitzenpositionen. Gerade die Herdprämie sei eine Rolle rückwärts, so die KritikerInnen Schröders.

Schlimmer als Schröder Desinteresse an Frauenfragen ist aber ihre angebräunte Grundeinstellung, die sie nicht nur inaktiv im Kampf gegen rechte Gewalt macht, sondern auch noch den Initiativen, die sich gegen Neonazi-Jugendliche engagieren, Knüppel zwischen die Beine wirft. Wer sich keinem Gesinnungstest unterzieht, bekommt kein Geld mehr aus ihrem Ministerium.

Die von Schröder eingeplanten zwei Millionen Euro könnten den Initiativen entzogen werden, befürchtet Anetta Kahane, Vorsitzende der in Berlin ansässigen Amadeu-Antonio-Stiftung. Wichtiger sei, gerade auf lokaler Ebene das oft schwierige Engagement gegen Rechtsextremismus finanziell zu stärken. 

Sie kürzt den Initiativen vor Ort die Mittel und fabuliert stattdessen vage von einem noch einzurichtenden „Kompetenzzentrum Rechts“ (BIK). Eine neue Behörde also, für die Schröder zwei Millionen Euro spendiert und die bestenfalls völlig redundant ist . 
Gibt es doch schon jede Menge andere solche Stellen, zuletzt richtete Minister Friedrich das Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus (GAR) im Bundesinnenministerium ein.
Was Schröders neue Privatbehörde eigentlich tun soll und wann man damit rechnen darf, daß die Arbeit begonnen wird, kann noch nicht mal ihr eigener Staatssekretär beantworten.

Um Klarheit zu bekommen, welche Aufgaben das BIK im Einzelnen übernehmen wird, haben verschiedene Abgeordnete schriftliche Anfragen an die Bundesregierung gestellt. Nach Aussage des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesfamilienministerin, Herman Kues, auf die Anfrage des Grünen Sven-Christian Kindler, versteht sich das Kompetenzzentrum als „eine Plattform zum Transfer methodischer Expertisen, Ansätze und Zugänge vor allen Dingen mit Blick auf die präventiv-pädagogische Arbeit mit rechtsextremistisch orientierten Jugendlichen“. Zu diesem Zweck solle das BIK vorhandenes Wissen aufbereiten und generieren, Kompetenzen stärken, Qualitätsstandards entwickeln, Beratungsarbeit anstoßen und Öffentlichkeit herstellen.

Wie schön, wenn es mal so richtig konkret wird in Schröders Ministerium.

 Irgendwann einmal soll es also „eine Plattform zum Transfer methodischer Expertisen, Ansätze und Zugänge vor allen Dingen mit Blick auf die präventiv-pädagogische Arbeit mit rechtsextremistisch orientierten Jugendlichen“ geben.

Freitag, 9. März 2012

USA heben Terrorzelle in Vissenbjerg aus.



So kann die Idylle täuschen! 
Wer gedacht hatte Fünen, bzw Fyn (dänisch), sei einfach eine der großen, hübschen Inseln zwischen dem Kleinen und Großen Belt unterliegt einem schweren Irrtum.

Dort fand ein derart haarsträubendes Verbrechen statt, daß sich die US-Regierung genötigt sah einzugreifen. 
Gewiss, in Syrien und im Kongo kann man auch nicht von vorbildlicher Rechtsstaatlichkeit sprechen, aber was sind schon Genozide gegen die grauenvollen Untaten des dänischen Staatsbürgers Torben Nødskouv Christensen!

Wer bisher annahm Gewaltkriminalität fände in Skandinavien nur in den Hirnen der zahllosen Krimi-Autoren statt, muß nach den Ereignissen im 3000-Seelenort Vissenbjerg sein Weltbild revidieren.

Torben Nødskouv Christensens Tarnung ist über die Maßen perfide - im Zivilberuf ist er Polizist und inszeniert sich als biederer Familientyp. 
Er lebt mit Frau und den beiden kleinen Söhnen Frederik (3 Jahre) und Mathias (7 Jahre) so als ob nichts wäre mitten im wohlhabenden Wohlfahrtsstaat Dänemark.

Aber hinter der bürgerlichen Fassade lauert das Grauen - hier betreibt der Däne einen Handel mit Zigarren und zwar KUBANISCHEN, die er aus der bekannten Bananenrepublik Deutschland, genauer gesagt dem Kriminal-Hotspot Hamburg, einführen wollte.

Wer hätte geahnt, dass Christensen an diesem Tag im Begriff war, einen Schlag gegen die US-Regierung zu verüben? Er ahnte es ja nicht einmal selbst.     
 Christensen wollte eigentlich bloß 26000 US-Dollar (etwa 18500 Euro) nach Hamburg überweisen. An einen Geschäftspartner, der ihm dafür Cohibas, Partagas, Montechristos liefern sollte. Kubanische Zigarren also - und das rief umgehend Washington auf den Plan. Schließlich gilt ein strenges Handelsembargo gegen Kuba, das wurde vor 50 Jahren unter US-Präsident John F. Kennedy verhängt. Im Rest der Welt ist das amerikanische Embargo zwar umstritten, und weder in Deutschland noch in Dänemark ist der Handel mit Luxus-Rauchwerk von der Karibikinsel verboten. Doch das kümmerte die US-Beamten nicht. Sie stoppten kurzerhand Christensens Zahlung. Weil das Geschäft in Dollar abgewickelt wurde, floss das Geld auf seinem Weg von Dänemark nach Deutschland auch durch die USA.

Auf das breite Grinsen mit Zigarre unter tropischer Sonne wird Torben Nødskouv Christensen nach dem Schlag der US-Geheimdienste erst mal verzichten!

Den ein oder anderen potentiellen Atomkrieg vom Zaune zu brechen, wie es Amerikas Verbündeter Israel offensichtlich plant, ist legitim und wird insbesondere von den Republikanern und damit der Mehrheit des US-Kongresses bejubelt.

Aber wenn Bürger einer nordeuropäischen Monarchie plötzlich Zigarren aus Kuba einführen wollen, schrillen in Amerika die Alarmglocken.
(Auch Königin Margarethe II ist Raucherin! Was für eine verkommene Nation!) 
 Ein Glück, daß die US-Geheimdienste so aufmerksame Beobachter sind. Ihnen entgehen keine illegalen Dollarströme von Fünen nach Hamburg.

Ich bin froh, daß die US-Regierung ihre Ressourcen so überaus sinnvoll einsetzt! 
Mit dem Abfangen der 26.000 dänischen Dollars ist die Welt ein Stück sicherer geworden und Kuba einen Schritt weiter in die Freiheit à la USA.
Nicht auszudenken, wenn die Kuba-Sanktionen unterlaufen würden.

Eine Evaluierung kann man sich in diesem Fall ersparen - kaum daß Kennedy das Zigarren-Embargo ausgesprochen hatte, begann das Kubanische Regime schon zu schwanken!

Donnerstag, 8. März 2012

Die Protestunten sind unser Unglück!


Als treuer Kreuz- und Kath.net-, sowie Kathweb-Leser weiß ich natürlich über die Angriffe der gottlosen Blasphemisten und Homoperversen auf die einzig wahre Kirche Bescheid.

Die Internet-Blockwarte des Katholizismus wachen eifersüchtig über die Reinhaltung der katholischen Liturgie und geben exegetischer Vermischung keine Chance.
Ein katholischer Priester, der auch nur daran denkt sich beim Abendmahl mit den volkstümlichen Lutheranern zu verkuppeln, begeht ganz klar Kirchenschade und muß aus dem Vatikan-Körper ausgemerzt werden.

Ein als besonders gefährlich herauszuhebender Vatikan-Schädling kommt aus Österreich und streckt seine infektiösen Finger schon nach Süddeutschland aus.
Helmut Schüller lautet der Name, der die Vertreter der reinen Lehre erschauern lässt.

Allein 56 Schmähartikel veröffentlichte Kreuznet über diesen Pfarrer, dem sie einerseits konsequent eine „Ein-Mann-Show“ attestieren, aber andererseits durch die Quantität der Schüller-Warnungen unfreiwillig doch einen ordentlichen Einfluss zubilligen. 
Der von ihm gestartete „Aufruf zum Ungehorsam“ gegenüber den Bischöfen ist brandgefährlich für Rom. Was könnte die Kurie auch gegen ein aufmüpfiges Priestertum unternehmen, wenn diese sich plötzlich in großen Mengen dazu entschließen sollten den Bischöfen nicht mehr zu gehorchen?

Die weltliche Macht, um Gehorsam mittels Daumenschrauben, Eiserner Jungfrau und Streckbank zu erzwingen, haben die Papsttreuen schon lange eingebüßt.
 Sie leben von der Erinnerung an diese Macht; verlassen sich darauf, daß ihnen die Schafe aus Doofheit und Trägheit weiter folgen.

Zu blöd, daß in Europa jedes Jahr Millionen Katholiken zu der Einsicht gelangen, den Papst einen guten Mann sein zu lassen und auf seine Vorschriften zu pfeifen.

Pfarrer Schüller will die Menschen hingegen unbedingt in der Kirche behalten.

Die österreichische Pfarrer-Initiative hat laut eigenen Angaben aktuell knapp 400 Mitglieder (Priester und Diakone) sowie über 2000 Unterstützer. Sie tritt unter anderem für überschaubare Pfarrgrößen, die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion und die Öffnung des Priesteramtes für Verheiratete und Frauen ein.

Schüller streitet aber heftig mit seinen Vorgesetzten über die richtigen Methoden dies zu erreichen. Die Ratzingerische Taktik hält Schüller für verfehlt und ruft zum Boykott auf.

Seit dem „Aufruf zum Ungehorsam“, in dem wir uns dazu bekennen, künftig in eigener Verantwortung Zeichen der Erneuerung unserer Kirche zu setzen, kam von vielen Seiten aus dem In- und Ausland Zustimmung und Ermutigung – von bischöflicher Seite jedoch vorwiegend Zurückhaltung, bisweilen auch heftige Ablehnung. Zu einem Dialog kam es nur selten und abseits der Öffentlichkeit. Wir aber setzen dem gegenwärtigen Aushungern der Gemeinden und der Seelsorge unter dem Druck des Priestermangels und der Überalterung des Klerus mehrfach ein entschiedenes NEIN entgegen:

1   Wir sagen NEIN wenn wir zusätzlich immer weitere Pfarren übernehmen sollen, weil uns das zu reisenden Zelebranten und Sakramentenspendern macht, denen die eigentliche Seelsorge entgleitet. Wir widerstehen damit dem Trend, an vielen Orten flüchtig anwesend zu sein, aber keine spirituelle und emotionale Heimat zu finden und anzubieten.

 2   Wir sagen NEIN zu immer mehr Eucharistiefeiern am Wochenende, weil so die vielen Dienste und Predigten zu oberflächlichem Ritual und allzu routinierter Rede werden, während Begegnung, Gespräch und Seelsorge verkümmern. Kurz vor der Messe anzukommen und gleich danach weiterzufahren, macht unseren Dienst zur hohlen Routine.

 3   Wir sagen NEIN zur Zusammenlegung oder Auflösung der Pfarren, wenn sich keine Pfarrer mehr finden.
Hier wird der Mangel zum Gesetzgeber erhoben, statt dem Mangel durch die Änderung unbiblischer Kirchengesetze abzuhelfen. Das Gesetz ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt. Gerade das Kirchenrecht hat den Menschen zu dienen.

4    Wir sagen NEIN zur Überforderung der Pfarrer, die man in einen mehrfachen Pflichterfüllungsstress drängt, deren Zeit und Kraft für ein geistliches Leben wegadministriert wird und deren Dienste weit über das Pensionsalter hinaus beansprucht werden. So kann sogar das früher verdienstvolle Wirken durch allzu lange Beanspruchung beschädigt werden.

5         Wir sagen NEIN wenn das Kirchenrecht ein allzu hartes und unbarmherziges Urteil spricht: über Geschiedene, die eine neue Ehe wagen, über gleichgeschlechtlich Liebende, die in Partnerschaft leben, über Priester, die am Zölibat scheitern und deshalb eine Beziehung eingehen – und über die Vielen, die ihrem Gewissen mehr gehorchen als einem von Menschen gemachten Gesetz.

 Weil Schweigen als Zustimmung verstanden wird und wir unsere Verantwortung als Priester und Seelsorger wahrnehmen wollen, müssen wir diesen fünffachen Protest aussprechen. Er ist ein „Protest“ im wörtlichen Sinn: ein „Zeugnis für“ eine Kirchenreform, für die Menschen, deren Seelsorger wir sein wollen, und für unsere Kirche. Die Freudlosigkeit des heutigen Kirchenbetriebs ist kein gutes Zeugnis für die „frohe Botschaft“, die uns bewegt. Denn wir wollen „nicht über den Glauben herrschen, sondern der Freude dienen“ (2 Kor 1,24).


Der vom Vatikan konsequent gestärkte ultrakonservative Flügel der RKK schäumt vor Wut. Getroffene Hunde bellen.

Rollator-Reformer rollen ins Abseits.
Die Ein-Mann-Show ‘Pfarrer-Initiative’ von Hw. Helmut Schüller, die in Österreich die Frauenordination fordert, steht für Hw. Jolie nicht mehr innerhalb der Kirche.
In diesem Fall sei nicht der Dialog das Mittel, sondern eine theologische Klärung über das, was katholisch ist.     Hw. Schüller sagt aber laut Hw. Jolie zu Recht, daß „Kommunion für alle“ längst die gängige Praxis in den meisten Gemeinden sei.
Gleichzeitig bemerkt Hw. Jolie: Wer als Priester gegen solche Mißstände aufsteht und den Glauben verteidigt, bekommt große Schwierigkeiten. Hw. Jolie sagt nicht von wem – von den altliberalen Bischöfen.

Der hier als „Rollator-Reformer“ bezeichnete 58-Jährige findet aber längst Gehör über die Landesgrenzen hinaus. Die Bayern sehen schon rot.

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml hat zum Zusammenhalt des Klerus aufgerufen. Tendenzen wie dem "Aufruf zum Ungehorsam" österreichischer Priester und Diakone müsse theologisch klar und argumentativ entschieden entgegengewirkt werden, sagte Schraml bei einer Konferenz im niederösterreichischen Stift Göttweig.

Wenn es um miese Diffamierungen geht, kann natürlich der Abschaum unter den deutschen Bischöfen nicht still sein.

Regensburger Bischof übt scharfe Kritik an der "Pfarrer-Initiative" von Helmut Schüller: Ungehorsam gegenüber Gott und gegenüber der legitimen kirchlichen Leitung trägt Spaltung in die Kirche hinein und verfälscht unser Grundverhältnis zu Gott.     "Darum ist es ganz und gar unchristlich und unserem katholischen Glauben diametral entgegengesetzt, wenn in unserem Nachbarland eine von einigen Leuten ins Leben gerufene sog. „Pfarrer-Initiative“ in ihrer Besserwisserei meint, sich in Fragen der Lehre und Pastoral über den Glauben der Kirche stellen zu können. Die Unterstützer schlagen ihre Weiheversprechen in den Wind, wenn sie in ihrer Aktion zum Ungehorsam aufrufen. Der Ungehorsam gegenüber Gott und der Ungehorsam gegenüber der legitimen kirchlichen Leitung – gegen Papst und Bischöfe – ist ein Übel, das Spaltung in die Kirche hineinträgt und unser Grundverhältnis zu Gott verfälscht."

Die schrillen Töne des Unsympathischsten aller deutschen Kirchenfürsten kommen nicht von ungefähr. Auch an der Bayerischen Basis rumort es.

In der Diözese Passau überlegen die „Passauer Priester im Dialog“, mit der reformorientierten österreichischen Pfarrer-Initiative zu kooperieren. Im Februar bekam die Gruppe Besuch aus Österreich: In Vertretung von Obmann Helmut Schüller berichtete Arno Jungreithmair, ein oberösterreichischer Vertreter der Pfarrer-Initiative, über die Ereignisse rund um den „Aufruf zum Ungehorsam“.
[…] In der Diözese Würzburg hat die deutsche „Pfarrer-Initiative“ ihr Zentrum. „Wir haben uns vor rund vier Jahren gegründet“, sagt Pfarrer Christian Ammersbach aus Schweinfurt. Vorbild sei die 2006 entstandene österreichische Pfarrer-Initiative gewesen.

Die krasse Heuchelei des Papstes, der von ihm gehätschelten ultrakonservativen Opus-Dei-Bischöfe hat durchaus das Zeug die RKK in zwei Teile zu sprengen. 
Einen Piusbrüder-artigen Ultra-Papst-Treuen und einen Katholizismus-Light-Teil, der peu à peu die alten Zöpfe des Katechismus abschneidet.

Nun verlangen die Priester, dass sich die Gemeinden offen über Verbote der Hierarchie hinwegsetzen. Nur so könnten sie der Wirklichkeit des Glaubens- und Gemeindelebens gerecht werden und es gebe weniger Heuchelei. Den Aufruf von Papst Benedikt XVI. in Madrid an die Jugend der Welt zu mehr "Ehrlichkeit" hörten denn auch viele österreichische Gläubige ungern. Ehrlichkeit werde von der Kirchenstruktur eher bestraft als belohnt, sagen sie.
Besonders betroffen fühlen sich die etwa 700 Mitglieder der Vereinigung "Priester ohne Amt", Geistliche, die trotz Zölibat Frau und Kinder haben und sich zu diesen bekennen. Ihr Amt müssen sie dann aufgeben. Priester, die Geliebte und Nachwuchs verleugnen, werden gewöhnlich im Amt belassen, wodurch sich nach Kritikermeinung der Papstappell zur Ehrlichkeit ins Groteske wendet. […]
Vor 20 Jahren war Österreich nominell zu 85 Prozent katholisch. Heute ist die Stadt Wien amtlich nicht einmal mehr zur Hälfte katholisch, auch die Landgemeinden schmelzen ab. Dazwischen liegen Missbrauchsskandale wie jener um den früheren Wiener Erzbischof Hans-Hermann Kardinal Groer, die Ernennung einer Reihe von reaktionären Priestern zu Bischöfen und diverse Affären mehr.

Das Episkopat is not amused.

Ziel der [Pfarrer-] Initiative war und ist es, ein klares Zeichen für die Erneuerung der katholischen Kirche zu setzen. Mittlerweile haben sich etwa 400 Priester und Diakone und etwa 2000 Laien in der Alpenrepublik der Bewegung angeschlossen. Sie ist längst international geworden. In Frankreich, Brasilien, Irland, Belgien, den USA und Australien haben sich katholische Geistliche die Ziele der österreichischen Kollegen bereits zu Eigen gemacht. Nur im benachbarten Bayern, wo sich viele Christen mit der konservativen Haltung ihrer Bischöfe in Augsburg, Regensburg, Passau oder München schwertun, hatte der Protest aus Österreich noch keine Spuren hinterlassen.
Das könnte sich jetzt ändern. […]    Ein Gedanke, der den bayerischen Bischöfen einiges Unwohlsein bereiten dürfte. Denn das, was die Pfarrer-Initiative am 19. Juni 2011 unter der Rubrik 'Aufruf zum Ungehorsam' veröffentlicht hat, ist nicht nur ein Papier, das ein bisschen für Wirbel sorgt und nach einiger Zeit einfach folgenlos in den Schubladen verschwindet. Nein, im Nachbarland wird das, was die rebellischen Pfarrer und Diakone zu Papier gebracht haben, von diesen im kirchlichen Alltag auch schon praktiziert. So wird dort beispielsweise 'gutwilligen Gläubigen' die Eucharistie nicht länger verweigert, das gilt insbesondere für Geschiedene, die wieder geheiratet haben, aber auch für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und ab und zu auch für Ausgetretene. Sie missachten auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrer; sie sprechen sich bei jeder Gelegenheit für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt aus; sie akzeptieren einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als 'priesterlose Eucharistiefeier'.
 (SZ 08.03.12)

Anders als Müller und Schraml es sich wünschen, sehen die meisten normalen Priester die Pfarrer-Initiative nicht als ungehorsam, schismatisch und unchristlich an.
 Mit ihren verbalen Ausfällen geben die hardcore-Kirchenfürsten unfreiwillig den Initiatoren um Schüller Recht - Bischöfe und Kurie haben sich Meilen von den Gläubigen entfernt.

Die Pfarrerinitiative und deren Aufruf zum Ungehorsam kennen 86 Prozent, 67 Prozent halten es für eine gute Idee, dass diese – wie von deren Sprecher Helmut Schüller angekündigt – weltweit aktiv wird.     Die Zusammenlegung oder Schließung von Pfarren bezeichnen 86 Prozent der Katholiken jedoch als „problematisch“. Die Hälfte der Befragten u. a. deshalb, weil man auf eine Kirche in der näheren Umgebung nicht verzichten will.  Etwa ein Drittel der Befragten fürchtet, dass Priester in Zukunft weniger Zeit für Seelsorge haben könnten und so der persönliche Kontakt verloren geht.   Gehorsam, wie ihn die Kirchenleitung angesichts der aktuellen Diskussion nun verstärkt einmahnt, ist laut Umfrage keine entscheidende Kategorie mehr. Fast zwei Drittel (60 Prozent) glauben, dass eben dieser nicht zur „Katholikenpflicht“ gehört. Insofern widersprechen auch 71 Prozent der Strategie von Kardinal Christoph Schönborn im Umgang mit den revoltierenden Pfarrern. Dass Helmut Schüller einen „Privatfeldzug“ gegen den Wiener Erzbischof führt, verneinen immerhin 77 Prozent. Auch dass die Pfarrerinitiative bald versanden könnte, hält die Mehrheit (68 Prozent) für ausgeschlossen. Vielmehr sind sich 82 Prozent sicher, dass die Reformer nicht mehr zu stoppen seien. 78 Prozent meinen, der Kirchenkonflikt habe bereits gesamtgesellschaftliche Relevanz erreicht.

Einen großen Trumpf haben die Bischöfe noch - die gläubigen Schafe sind zu dämlich, um einfach aus der RKK auszutreten - NOCH.

Aber sie wenden sich mit immer kritischeren Fragen an ihre erzkonservativen Bischöfe, die dem Kirchenvolk mit blanker Verachtung gegenübertreten.

In mehreren Diözesen, vornehmlich im Süden, solidarisieren sich Pfarrer mit den aufmüpfigen Amtsbrüdern im Nachbarland, die Revolutionäres fordern: Laien sollen predigen und Gottesdienste leiten, wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen, Priester, die gegen das Zölibatsgesetz verstoßen haben und heute mit Frau und Kindern leben, in die Seelsorge zurückkehren, Frauen soll der Zugang zum Amt ermöglicht werden.
"Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbstständig zu werden", begründen die Reformbefürworter ihr spektakuläres Vorgehen.
(Gernot Facius 27.02.12)