Deutsche Konservative haben traditionell ein Faible für
Faschisten aus Österreich.
Fritze Merz dürfte sich dieser Tradition in vielerlei
Hinsicht bewußt sein.
Die Vorgänger seiner Partei brachten Hitler an die Macht,
die CDU integrierte nach 1945 Nazis und Antisemiten in ihren Reihen. Wie in der
Partei, lief es auch in seiner Familie.
[….] Friedrich Merz hat vor
sauerländischen Parteifreunden ein Loblied auf seinen ultrarechten Großvater
gesungen. Vergangene Woche forderte der stellvertretende Vorsitzende der
CDU-Bundestagsfraktion zur Abwahl des „roten Bürgermeisters“ in seiner
Heimatstadt Brilon auf. Es erfülle ihn „mit tiefem Grausen“, so Merz, dass ein
Sozialdemokrat im Rathaus sitze. „Das muss beendet werden“, weil sein Großvater
früher Bürgermeister von Brilon gewesen sei. Deshalb sei er dabei, wenn „das
rote Rathaus“ gestürmt werde. Josef Paul Sauvigny, der Opa von Merz, war ein
Rechtsaußen, blieb nach der Machtübernahme der Nazis 1933 Briloner
Bürgermeister und war ein Fan von Adolf Hitler. [….] Ewig gestrig ist
auch Merz‘ Bewunderung für seinen Großvater. Josef Paul Sauvigny, zunächst
Mitglied der rechtskatholischen Zentrums-Partei, amtierte von 1917 bis 1937 als
Briloner Bürgermeister. Doch als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht
kamen und das Zentrum ein Jahr später verboten wurde, durfte Sauvigny im Amt
bleiben. Bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Rathaus diente der
Merz-Opa treu und ergeben der faschistischen Schreckensherrschaft. Ob Sauvigny
zwischen 1933 und 1937 Parteimitglied der Nazis war, will die Briloner
Stadtverwaltung nicht beantworten. [….] In der gleichen Zeitung wird am
3. Mai 1933 eine Lobeshymne Josef Paul Sauvignys auf Adolf Hitler zitiert:
„Während bisher sich deutsche Kraft zerspalten und verbluten am ewigem
Führerwechsel, ist es heute eine Kraft, die uns leitet, ein Führer, der uns ruft.
(...) Der ehrwürdige Reichspräsident und Kanzler Hitler, sie leben Hoch, Hoch,
Hoch.“ [….]
(taz, 2004)
Dieses völkische, rassistische, misogyne, homophobe,
antisemitische und insbesondere xenophobe Weltbild wurde in der Merz-Familie
offenbar nie überwunden. Zeitweise war der steinzeitkonservative Friedrich, den
Schwule anwidern und der gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigungen in der Ehe
stimmte, eher out of Zeitgeist.
Aber seit gut zehn Jahren trampeln Pegida, Reichsbürger,
Schwurbler, Montagsdemonstranten, sächsische Nationalisten und an vorderster
Stelle die AfD, die braunen Pfade wieder so breit, daß der Briloner Rechtsaußen
im zarten Alter von 70 Jahren bequem ins Kanzleramt marschieren kann. Manchen in
der CDUCSU erscheinen die AfD-Nazis noch ein bißchen schmuddelig, aber ihr
Kanzlerkandidat müht sich redlich, die letzten Brandmäuerchen zu Bernd Höcke
einzureißen, indem er nahezu jede völkische Abscheulichkeit adaptiert,
AfD-Hetzlügen (Zahnarzttermin) nachplappert und mit immer neuen Tabubrüchen
vorprescht.
Der Nazi Herbert Kickl wird mutmaßlich neuer
Österreichischer Bundeskanzler – mit der ÖVP an seiner Seite. Da will Merz
nicht nachstehen.
[….] Österreich ist zwar
ein kleines Land, es war aber immer schon ein Modellfall für größere
Entwicklungen. Mitte der Neunzigerjahre war hier mit Jörg Haider so etwas wie
die Geburt des europäischen Rechtspopulismus zu beobachten. Haider gewann mit
seiner Inszenierung als Anwalt der kleinen Leute nicht nur eine Wahl nach der
anderen, er war auch ein Meister darin, Begriffe so lange zu dehnen, bis das
Unsagbare sagbar wurde. Dieser Politikertypus fand schnell Nachahmer bis tief
in die Volksparteien hinein. Auch da war Österreich ein Modellfall, als
Sebastian Kurz 2017 für die konservative ÖVP ins Bundeskanzleramt einzog. Kurz
hatte das Modell Haider noch eine Stufe weiterentwickelt. Als Populist
bekämpfte Kurz nicht nur das traditionelle politische System. Er tat dies auch
als einer der höchsten Repräsentanten dieses Systems. Und nun, das Jahr 2025 ist erst einige Tage
alt, ist es wieder so weit. Das Szenario, das in Österreich als einem der
ersten westeuropäischen Länder einzutreten scheint, sieht so aus: Regierungen
kommen nicht mehr ohne Beteiligung von in Teilen rechtsextremen Kräften
zustande. Die Situation in Österreich steht exemplarisch für die Schwierigkeit
vieler Parteien der Mitte, sich über die Lager hinweg auf ein Bündnis zu
einigen. Denn hier ist nicht eine Koalition nach Jahren des Regierens an
inneren und äußeren Krisen zerbrochen, so wie die deutsche Ampel. In Österreich
haben es die ehemaligen Großparteien ÖVP und SPÖ nicht einmal geschafft, sich
überhaupt auf eine Regierung zu einigen. Und das, obwohl sie über Jahrzehnte in
großen Koalitionen das Land regiert und dessen politische Kultur geprägt haben.
[….] In Deutschland sollte man sich die politische Situation im Nachbarland,
in dem man so gerne Urlaub macht, genau anschauen. Sie mag auf den ersten Blick
seltsam, skurril und von Skandalen begleitet sein. Aber sie erzählt sehr genau
vom Zerfall der einstigen Volksparteien und der Schnelligkeit, mit der
rechtspopulistische bis rechtsextreme Kräfte an die Macht gehievt werden. Sie
könnte der Modellfall sein, den man in einigen Monaten vielleicht auch in
Deutschland beobachten kann. [….]
(Verena Mayer, 05.01.2025)
Menschen wie mich, Deutsche, in Deutschland geboren, mit Deutscher Familie
und über ein halbes Jahrhundert in Deutschland lebend, mit Deutscher Staatsbürgerschaft,
will Friedrich Merz wieder als zweitklassig brandmarken. Minderwertige
Deutsche, denen man das Deutsche auch wieder entziehen kann, weil sie gemäß
Hitlers Blut und Boden-Ideologie als Einbürgerte niemals auf Augenhöhe, mit den
gleichen Rechten, wie die Briloner Merze, existieren dürfen.
[….] Point of no return.
Diesen Tag und diese
Nachricht werde ich den Rest meines Lebens nicht vergessen. Denn heute habe ich
eingesehen, dass man mir und meinesgleichen in meinem Geburts- und Heimatland
niemals eine sichere Heimat bieten wird. [….]
(Prof. Dr. Elif Oezmen, 05.01.2025)
Ausgerechnet im Interview mit dem rechtsradikalen AfD-Werbeblatt WELT,
verkündet der einstige Richter Merz, den Abschied vom Grundgesetz.
[….] CDU-Parteichef
Friedrich Merz fordert einschneidende Änderungen am deutschen
Staatsbürgerschaftsrecht. Im Interview mit der »Welt am Sonntag« sagte Merz, es
müsste »eine Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft möglich sein, wenn
wir erkennen, dass wir bei straffällig werdenden Personen einen Fehler gemacht
haben«. Merz bezog sich auf das
Attentat vom Magdeburger Weihnachtsmarkt. »Um Anschläge oder weitere Straftaten
zu vermeiden, müssen ausländische Straftäter spätestens nach der zweiten
Straftat ausgewiesen werden«, sagte der Kanzlerkandidat der Union. Um auch Doppelstaatsbürger
des Landes verweisen zu können, brachte Merz die Ausbürgerung ins Spiel. Merz erklärte die von der
Ampelkoalition erleichterte Einbürgerung grundsätzlich zum Problem. Die
doppelte Staatsbürgerschaft werde »zum Regelfall«, sagte der Politiker. »Wir
holen uns damit zusätzliche Probleme ins Land.« […..]
(SPON, 05.01.2025)
Merz kenne ich gut genug. Über seine Dreistheit wundere
ich mich nicht. Ich weiß, was von ihm zu erwarten ist. Der Mann ist
höchstgefährlich und darf niemals Bundeskanzler werden. Das eigentlich
Erschreckende ist aber, daß er es gleich Trump mit der GOP, vermochte die CDU,
die sich doch als „demokratische Partei“ versteht, faktisch gleichzuschalten. Kein
Christdemokrat springt den von Merz zum Abschuss freigegebenen „Passdeutschen“
bei.
[……] Friedrich Merz will die völkische
Unterscheidung zwischen „Passdeutschen“ und „echten“ (Bluts-) Deutschen ganz
offiziell legalisieren. Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit, aber ohne
deutsches „Blut“, sollen für immer Deutsch auf Bewährung sein. Das ist
Remigration. Nur mit anderen Worten. […..]
(Gilda Sahebi, 05.01.2025)
Niemand erwartet von Frei, Spahn, Linnemann, Ploß, Kuban
oder Amthor, sich gegen Merz auf die Seite des Grundgesetzes und des Humanismus‘
zu stellen. Diese innerparteiliche Fraktion unterstützt, ebenso wie große Teile
der Ost-CDU, Bündnisse mit der AfD. Aber gibt es denn da niemanden mehr, außer
vielleicht dem ehemaligen General Polenz, der dieser ins Braune driftenden
CDU-Führung in den Arm fällt?
[….] Diese Obsession mit
Abschiebungen uns Entziehen der Staatsbürgerschaft von Deutschen mit
Migrationshintergrund ist ein Zeichen dafür, dass völkischer Autoritarismus und
Rassismus wieder ganz offen zur Schau getragen werden können. Das ist Ausdruck
des globalen autoritären Backlash. [….] Herkunft wird somit zunehmend
ethnisiert und Menschen mit Migrationshintergrund vermittelt, dass sie hier
nicht wirklich hingehören. Dass sie das "Andere" sind, was mit
Argusaugen beobachtet wird und bei jeder potentiellen Transgression abgeschoben
werden kann - zB in Diktaturen wie den Iran. [….]
(Veronika Kracher, 05.01.2025)
Es ist unter Politologen völlig unstrittig; wenn
bürgerliche Parteien sich den Positionen von Nazis annähern, nehmen sie ihnen
nicht etwa die Themen („wir dürfen Migration nicht der AfD überlassen“),
sondern machen diese Themen größer, salonfähig und stärken Rechtsaußen.
[….] Merz zündelt! Die
Aberkennung der Staatsbürgerschaft wäre ein Bruch mit der histor.
Verantwortung. Aus guten Gründen ist das im GG nicht möglich.
Juden/Oppositionelle waren unter den ersten Ausgebürgerten 1933. Nun das bei
dopp. Staatsbürgerschaft zu tun, ist völkische Politik [….] Mit
Vorschlag, die (doppelte) Staatsbürgerschaft abzuerkennen, schürt Merz nicht
nur -rassistische-Vorurteile von "Migranten"als besonders
gewalttätig, sondern er schafft auch Deutsche 1.&2. Klasse. Das ist
völkisch! Letztere, die mit
"Migrationsgeschichte", sind immer Deutsche unter Vorbehalt. [….]
(Jürgen Zimmerer, 05.01.2025)
Wer völkisch redet und den Slang des Bernd Höcke
plagiiert, schadet seiner eigenen Partei und nützt der AfD. Kann Merz wirklich
so wahnsinnig dumm sein, das immer noch nicht begriffen zu haben, obwohl ihm
das bei jeder Wahl bewiesen wird?
Ich fürchte nicht. Es ist schlimmer; Merz redet so, weil
er selbst so denkt.
[…..] Vor
einem Jahr gingen wir wegen der A*D auf die Straße, weil sie millionenfache Abschiebung
plante. - Jetzt haben wir eine CDU, die das nur anders verpackt, aber im
Prinzip den gleichen Mechanismus vorschlägt: Ausbürgern […..]
(Marc Raschke, 05.01.2025)
Der CDU und der CSU ist genauso wenig zu trauen, wie der
AfD. Spätestens jetzt, wäre es Zeit für einen Aufstand der Anständigen in der
CDU. Offenbar gibt es aber niemanden mehr, der sich gegen den Weg Browntown
auflehnen möchte.
[….] Der Vorschlag von dem Mann, der glaubt im
Februar Kanzler zu werden, ist nicht besonders weit von dem entfernt, was vor
einem Jahr durch die Correctiv-Recherche veröffentlicht wurde. Aberkennung der
Staatsbürgerschaft ist ein zentrales Mittel rechtsextremer
Bereinigungsfantasien. [….] Das beruht natürlich darauf, dass man
glaubt, es gäbe im Blut doch irgendwie etwas ,Deutsches‘, was sich von allen
anderen unterscheidet, weshalb man Menschen unterschiedlich behandeln kann.
Das ist die Naziesoterik,
die Europa in die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts gestürzt hat. [….]
Der Glaube, Menschen unterscheiden sich in ihrem Blut und werden dadurch
hierarchisiert.
Denn Merz sagt ja nicht -
Doppelstaatler und Menschen, die mal eine andere Staatsbürgerschaft hatten,
werden diese bei Straffälligkeit verlieren, Menschen, die immer schon eine dt.
Staatangehörigkeit hatten, [….] verlieren ihre Bürgerrechte.
(Nicht, dass ich das einen
akzeptablen Vorschlag fände, das ist ja klar…)
Merz hierarchisiert.
Menschen, die nicht von Anfang an eine deutsche Staatsbürgerschaft hatten,
dürfen anders behandelt werden. Rechtsextreme sprechen
offen aus, dass sie die doppelten [….] Staatsbürgerschaften nutzen
möchten, um die deutsche abzuerkennen. Das wurde in Potsdam besprochen, das
wurde auch bei der bayerischen AfD beschlossen. [….]
(Anne Rabe, 05.01.2025)
Mein Aufruf an alle Anständigen in Deutschland: Wählt
nicht CDU, nicht CSU, nicht BSW, nicht FDP, nicht AfD! Merz darf niemals
Kanzler werden!