Sonntag, 22. November 2020

Corona in verschiedenen Systemen

Die Pandemie beeinflusst alles. Fünf Euro ins Phrasenschwein für den Satz.

Sicher ist nur, daß die Typen, die im Frühjahr von weiteren Corona-Wellen sprachen, epidemiologische Verläufe prognostizierten – Drosten, Nguyen-Kim, Lauterbach – keineswegs unkten, sondern allesamt RECHT behielten.

Wir sitzen wieder voll drin im Schlamassel und zwar schlimmer denn je.

Das worauf wir Demokraten stolz sind, die freien Gesellschaften, erweisen sich (auch) in dieser Hinsicht als Nachteil.

In der chinesischen Diktatur gibt es selbstverständlich keine Covidioten-Aufläufe, bei denen Myriaden Maskenlose eng gedrängt hinter Vertretern populistischer Kleinparteien, bekloppten Barden und debilen Veganköchen herrennen.

Dort gibt es keine Pfaffen, die in Talkshows beklagen die Lockdown-Anordnungen der Pekinger Zentralregierung wären ungerecht. Keine 16 Provinzregierungen, die Xi Jinping auf der Nase rumtanzen, weil sie lieber 10 statt 15 Meter Mindestabstand wollen oder finden, Klassenzimmer zu lüften reiche aus.

Der japanische Durchschnitts-IQ soll 15 Punkte über dem Europäischen liegen.

Ich weiß nicht, ob sich das wirklich wissenschaftlich verifizieren lässt. Aber unbestreitbar herrscht in der japanischen Gesellschaft mehr Disziplin, Rücksichtnahme und Hygiene.

Als Anfang des Jahres die Corona-Meldungen aus China um die Welt gingen und viele westliche Regierungen in den Hühnerhaufen-Modus verfielen, musste Tokio gar nichts tun. Japaner sind es ohnehin gewohnt penibel auf Hygiene und Abstand zu achten. Beim kleinsten Zeichen von Unwohlsein, trägt jeder aus Rücksicht für seine Mitbürger eine Schutzmaske.

Als die Deutschen das erste mal von dem Ort „Wuhan“ hörten und noch empört die von einigen Experten geforderte Maskenpflicht abgelehnt wurde, trugen schon 100% der Japaner von ganz allein Masken. Dort grabbelt man sich ohnehin nicht zur Begrüßung an.

Heute hat Japan 16 Covid-Tote pro einer Million Menschen.

In Deutschland sind es elfmal so viele: 171.

 PiS-Partei-Polen 360, Im lockeren Schweden 633, Trumps USA 791, Bolsonaros Brasilien 793, Johnsons GB 809.

Zum Vergleich: Südkorea 10, China 3, Singapur 5, Neuseeland 5, Taiwan 0,3,

Die deutschen Ministerpräsidenten sind genervt von einer Kanzlerin, die eigentlich keine Kompetenzen für Schule, Bildung, Unis und Kitas hat, aber genau dort eingreifen muss.

Zudem kochen einige Ministerpräsidenten ihr eigenes Süppchen. Laschet und Ramelow sind Hardcore-Religioten, die Gottesdienstbesuche völlig irrational bevorzugen, Laschet und Söder schielen auf das Kanzleramt, Haselow ist intellektuell generell überfordert, Bouffier zeigt Anzeichen von Senilität, Kretschmer sitzen sie Covidioten-Massenproteste im Nacken, Kretschmann stellt die Autoindustrie über alles.

Merkel schafft es nicht sich mit ihrer härteren Linie durchzusetzen, ist allerdings auch durch die sagenhafte Inkompetenz ihrer Bundesminister Altmaier, Seehofer, Spahn und Karliczek behindert, die entweder auf Tauschstation gehen oder mit offensichtlich total untauglichen Schnapsideen vorpreschen.

Die politischen Allianzen gehen nicht mehr entlang der Parteilinien.

Es hat sich ein Quintett der Vernunft aus Merkel, Scholz, Kretschmann, Tschentscher und Helge Braun herauskristallisiert, welches gegen die Quertreiber aus Magdeburg, Berlin und Düsseldorf kämpft.

Als Amerikanerin hätte Angela Merkel es leichter. Die verfassungsrechtliche Stellung des US-Präsidenten ist viel mächtiger als die des Bundeskanzlers.

Dafür hat es Merkel zwar mit 16 Nörgel-Ministerpräsidenten zu tun, die aber wenigstens allesamt nicht total debil sind.

Alle 16 wissen, daß ein tödlicher Virus existiert und man der Pandemie mit konzertierten drastischen Aktionen entgegentreten muss. Niemand käme auch nur im Entferntesten auf die Idee Gesichtsmasken oder social distancing in Frage zu stellen. Allesamt bemühen sich auf Wissenschaftler zu hören und die Folgen der Pandemie einzugrenzen.

Sie streiten vergleichsweise um Nuancen.

Trump hingegen vollbrachte das Kunststück Masken zu einer kommunistischen Ideologie zu brandmarken, veranstaltete höchstpersönlich hunderte Superspreader-Ereignisse, verwandelte buchstäblich seinen eigenen Regierungssitz zum Corona-Hotspot.

IQ45 hasst die Majorität des eigenen Volkes so sehr, daß er in den vollen Nero-Modus übergegangen ist. Er versucht die USA möglichst tief und unwiederbringlich in den Abgrund zu stoßen bevor Joe Biden und Kamala Harris übernehmen, so daß es ihnen so schwer wie irgend möglich gemacht wird, Erfolge zu erzielen.

Trump ist derartig missgünstig und so voller Hass auf die Demokraten, daß er lieber 100.000de Amerikaner sterben lässt als seinem Amtsnachfolger den geringsten Erfolg zu gönnen.

Ein Volk, das sich weigerte ihn wieder zu wählen, ist aus Trumps Sicht nicht wert gerettet zu werden.

Der zutiefst antidemokratische Soziopath mit seiner rückgratlosen Zombipartei GOP stellt sich indischer Verhältnisse vor; das ganze Land soll als Witwen in die Flammen gestürzt werden, wenn Trumps Herrschaft enden muss.

Nach ihm nur noch Asche, Tod und Trauer.

Der Historiker Sean Wilentz, Politologie-Professor der Princeton University, ist der namhafteste Experte für die Entwicklung der US-Demokratie und erklärt im Pitzke-Interview Trumps Rolle wie folgt.


   […..] Je länger sich die Idee einer Wahlanfechtung hält, desto enttäuschter werden Trumps Anhänger am Ende sein. Dann wird er in allerletzter Minute aufgeben und sagen, die Wahl sei ihm gestohlen worden. Ich bezweifle, dass Trump eine Niederlage jemals ohne Einschränkung einräumen wird. […..]  Das zeugt von wirklicher Illoyalität gegenüber dem System, vor allem wenn es absolut keine Grundlage für solche Behauptungen gibt. […..]

 Aufgrund seines Verhaltens in der Vergangenheit ist es gar nicht so schwer, sich auszumalen, was Trump will – er will aus dem Amt scheiden und sich dabei als Opfer von Unrecht produzieren, seine Anhänger das glauben lassen und in eine Art Exil nach Mar-a-Lago oder sonst wohin gehen. […..]

Er wird die nächsten vier Jahre damit verbringen, das zu tun, was er schon immer getan hat – nur nicht aus dem Weißen Haus, sondern von Mar-a-Lago aus. Er wird Kundgebungen abhalten, über die sozialen Medien trommeln, alles Geld ausgeben, das er bekommen kann, und dabei noch […..]  Am Stimmanteil (popular vote) gemessen sind die Republikaner ja längst eine Minderheitspartei, was enorme Anstrengungen und Tricks erfordert, um an der Macht zu bleiben. Und das ist ihnen gelungen. […..] Teile des Systems sind meiner Meinung nach kaputt. Aber ich weiß nicht, wie man sie in absehbarer Zeit reparieren könnte. […..]  Es ist schockierend. Es ist verrückt. Mir tut langsam das Gehirn weh. Was die tun, scheint so grausam. Manchmal denke ich, hier ist ein tieferes, perverses Lustprinzip am Werk. […..]

(Spon, 22.11.2020)

Trumps Strategie wirkt. 

Er beschädigt das demokratische System irreparabel und zerstört aus reinem Egoismus die Zukunft von zig Millionen Menschen.

Drei Viertel seiner 74 Millionen Wähler glauben inzwischen seine abstrusen Lügen vom Wahlbetrug. Das große Sterben in den USA wird immer dramatischer, während der Präsident den Corona-Teil des G20 in Riad schwänzt und schon Monate seine eigene Pandemie-Taskforce nicht mehr besuchte.

12,5 Millionen Infizierte, 263.000 Tote.

Inzwischen infizieren sich täglich an die 200.000 Amerikaner neu mit dem SarsCoV-II, fast 2.000 Menschen sterben jeden Tag in den USA an Covid19, weil Trump und die GOP im Angesicht der demokratischen Machtübernahme jede Hilfe, jede Zusammenarbeit verweigern.


Trump ist der größte Feind Amerika; möglich gemacht durch eine zutiefst ruchlose Partei, die seit Jahrzehnten Bildung blockiert und Verdummung fördert. 

Samstag, 21. November 2020

Nazis hinter den Kulissen

 Schon als ganz kleines Kind faszinierte es mich meine Oma „von früher“ erzählen zu hören. Ich hatte nur einen von vier Großelternteilen, beide Opas waren lange vor meiner Geburt gestorben.

Anfangs hatte ich Mühe den Unterschied zwischen ersten und zweiten Weltkrieg zu verstehen, aber sobald ich alt genug war, stellte ich dauernd Fragen.

Meine Oma und ihre Schwägerin, meine Großtante, waren beide noch im 19. Jahrhundert geboren und hatten beide Weltkriege miterlebt.

Bei der amerikanischen Hälfte meiner Familie hatte ich logischerweise keine dunklen Geheimnisse aus der Nazi-Zeit zu befürchten; die Männer der Generationen waren Soldaten im Kampf gegen Hitler.

Bei meiner deutschen Familie hingegen hatte ich schlicht und ergreifend Glück, daß sie keine Nazis waren.

Allerdings haben meine Großeltern ihre Kinder, teils aus Sorge, teils aus Hilflosigkeit weitgehend von Politik abgeschirmt.

Die ältere Schwester meiner Mutter, meine Tante nahm es ihren Eltern aber insbesondere sich selbst später übel nicht genauer hingesehen zu haben.

Wie viele, die in den 1920ern geboren waren, fand sie die Nazi-Jugendorganisationen ganz spannend. Sie hat mir oft fassungslos über sich selbst berichtet wie naiv sie damals war und den BDM als einen Pfadfinderspaß betrachtete und fröhlich mit Fackeln umher zog, ohne die Indoktrination zu bemerken.

Erst als der Krieg schon tobte, als ganz junge Erwachsene wurde sie sich wirklich über den Charakter des NSdAP-Regimes klar.

Wie viele aus ihrer Generation zog sie nach dem Krieg daraus die Konsequenz, daß ihr das nie wieder passieren würde und wandelte sich zu einer extrem informierten, engagierten und kämpferischen Frau, die in den 1950ern aktiv gegen die „Wiederbewaffnung“ stritt.

Sie war politisch und historisch umfassend bewandert, saugte alle Informationen über das Geschehen während ihrer Jugend auf; immer weiter staunend, daß sie damals als Zeitzeugin nicht neugieriger war.

Ihre erste Konfrontation mit den schrecklichen Wahrheiten war pures Klischee. Ein befreundeter Fronturlauber erzählte (trotz des strikten Verbots) Ungeheuerlichkeiten über die begangenen Kriegsverbrechen. Sie wollte es erst nicht glauben, aber ihr Freund war sehr glaubwürdig. Der nächste Erkenntnisschritt war also, daß die Berichte offensichtlich der Wahrheit entsprachen, aber „der Führer“ könne davon nichts wissen.

Heute ist „wenn das der Führer wüßte“ ein runnig gag.

Damals bedeutete es, daß man den Führer nach wie vor für eine moralische Lichtgestalt hielt, der die Grausamkeiten an Juden und Zivilisten sicherlich nicht guthieße.

Meine Tante erzählte mir oft, daß sie sich als Kind und ganz junger Teenager „den Führer“ als total asketischen Menschen vorstellte, der keinerlei privaten Vergnügungen nachging und deshalb keine Familie hatte, weil er Tag und Nacht für Deutschland arbeite. Er säße rund um die Uhr in seinem Büro, beschäftige sich mit Akten, arbeite sich durch Details, entwickele Strategien.

Der groteske doppelte Twist an der Geschichte ist, daß erstens die beispiellosen deutschen Verbrechen und genozidalen Grausamkeiten natürlich nicht passierten, obwohl Hitler das nicht wollte, sondern weil er selbst der Grausamste und Skrupelloseste von allen war. Ihm konnte es gar nicht bestialisch genug sein.

Zweitens wußte Hitler aber tatsächlich viele Dinge nicht. Das lag aber nicht daran, daß man ihm die schlimmen Dinge verheimlichte, sondern daran daß er schlicht und ergreifend stinkend faul war.

Speers gigantische Reichkanzlei in der Berliner Voßstraße war an Protz kaum zu übertreffen: Am Ende einer prachtvoll geschmückten 300 Meter langen Raumflucht lag Hitlers 400 m² großes Arbeitszimmer mit einer Deckenhöhe von zehn Metern. Der grotesk überdimensionierte Saal war vollgestopft mit Kunstwerken und den kostbarsten Materialien.

Aber Hitler arbeitete so gut wie niemals dort, sondern nutzte den Bau lediglich, um bei Staatsbesuchen seine Diktatorenkumpel zu beeindrucken.

Nachdem er Reichskanzler wurde, nahm er kaum an Kabinettssitzungen teil, ab 1938 wurden sie sogar völlig eingestellt.

Nachdem Hitler im September 1939 den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brach, hatten die Militärs ihre liebe Mühe ihn zu informieren, weil er einfach nicht zuhören wollte, sondern sich lieber in endlosen Unsinns-Monologen erging.

Erst Jahrzehnte nach 1945 wurde auch klar, was es mit Hitlers Lust-Wohnsitz in Berchtesgaden, dem Berghof in Obersalzberg auf sich hatte.

Das 1935 von Roderich Fick fertig gestellte repräsentative Führer-Domizil war sein Lieblingsplatz. Von den 12 Jahren seiner Herrschaft verbrachte er rechnerisch über vier Jahre dort oben.

Aber anders als meine Tante sich es als Kind vorstellte, arbeitete Hitler dort überhaupt nicht. Im Gegenteil, der Berghof diente zum Bacchanalisieren, zum Chillen und vor allem liebte es Hitler dümmliche Revue-Filme zu sehen.

Es gab einen Vorführsaal, in dem er seine Gäste vier, fünf Filme nacheinander sehen ließ – nur unterbrochen von Hitlers Selbstlob-Monologen.

Es faszinierte mich zu ergründen wie effektiv die NS-Propaganda war den absoluten Faulpelz Adolf Hitler als unermüdlich schwer arbeitenden anspruchslosen Menschenfreund darzustellen.

Schließlich war er in jeder Hinsicht das diametrale Gegenteil.

Inzwischen fällt mir auf, daß Nazis, Faschisten, Rechtsextreme; kurzum alle Politiker, die auf Hass setzen und sich nicht für Fakten interessieren ebenso stinkend faul sind.

Ob die deutschen Republikaner, die DVU, NPD und später AfD – wann immer sich diese rechtsextremistischen Parteien aufmachten deutsche Parlamente zu erobern, fielen sie mit extremer Faulheit auf.

Der Hamburger AfD-Fraktionsvorsitzende Kruse hielt sich während seiner Amtszeit gar über Monate in den USA auf.

Der beste aktive AfD-Politiker ist zweifellos der Hamburger Fraktionschef Jörn Kruse, der während seiner Amtszeit für mehrere Monate in die USA zog und einfach von Kalifornien aus seine dreifachen Abgeordnetenbezüge (als Fraktionsvorsitzender) kassierte, ohne sich auch nur auf demselben Kontinent des Parlaments zu befinden, für das er als Volksvertreter gewählt und bezahlt wurde.

(……) Ich weiß nicht was CDU und SPD zu meckern haben wegen der 24.000 Euro, die Kruse kassiert.
Mir ist es lieber, wenn die AfD abkassiert und nicht im Parlament erscheint, als wenn sie das Geld nimmt und auch noch zu den Sitzungen erscheint; da womöglich sogar redet.

„Die Arbeit leidet nicht“, sagt Bernd Baumann, der als stellvertretender Vorsitzender zusammen mit Ex-Schill-Innensenator Dirk Nockemann nun die Fraktion leitet. „Wir sind täglich in Kontakt.“ Auf telefonische Anfragen der taz antwortete der 67-Jährige indes nicht.   Aus Sicht der Bürgerschaftskanzlei gibt es formal kein Problem: „Die Abgeordneten verfügen über ein freies Mandat“, sagt Ulfert Kaphengst, Sprecher von Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD). Sie seien „nur ihrem Gewissen und ihren Wählern verantwortlich“. Insofern bestehe für Volksvertreter auch keine Anwesenheitspflicht in Plenarsitzungen und Ausschüssen. Ihre vollen Diäten erhielten sie weiterhin. Bei Kruse sind dies gut 8.000 Euro monatlich, da er als Fraktionsvorsitzender die dreifache Diät eines einfachen Parlamentariers erhält. Begründet wird die Höhe dieser Vergütung im Abgeordnetengesetz damit, dass der Posten des Fraktionschefs ein „Vollzeitjob“ sei – zumindest in der Theorie.

Kruse hat Parlamentspräsidentin Veit am 12. November 2015 über seine Auszeit informiert. Die habe das „zur Kenntnis genommen“, sagt ihr Sprecher Kaphengst, zu erlauben oder zu untersagen habe sie nichts. Kruse habe bislang keinen bleibenden Eindruck im Parlament hinterlassen, spottet FDP-Fraktionschefin Katja Suding: „Sein dreimonatiger Auslandsaufenthalt dürfte deshalb wohl kaum auffallen.“ Ähnlich sieht das auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Kienscherf.

(taz 13.01.2015)

Ich wünschte, Höcke, Gauland und Petry nähmen sich ein Beispiel an dem Hamburger Kollegen und verschwänden für Monate aus Deutschland.

Ach was für Monate.

Wenn sie nie wieder kommen, ist das immer noch früh genug.

Das sollte dem Steuerzahler einiges wert sein! (…..)

(Lob der Hamburger AfD 14.01.2016)

Die Hamburger AfD-Fraktionen schwänzt entweder – fast nie sind AfD-Abgeordnete in den  Bürgerschaftssitzungen oder Ausschüssen anwesend. Sie betreiben weitgehend Arbeitsverweigerung.

Oder sie talibanisieren den Parlamentsbetrieb mit Gaga-Anfragen, um ihre politische Untauglichkeit zu demonstrieren.

Wenn Nazis ins Parlament einziehen, kassieren sie ab, machen Unsinn oder stören. Konstruktive Mitarbeit gibt es nicht.

Da sollte man dankbar für all die Zeit sein, in der sie einfach ihrer Faulheit nachgeben.

(….) In Hamburg vollführt die erste westdeutsche AfD-Fraktion die morialogische Wende in Perfektion.   Zuerst bewiesen sie ihre völlige Konzeptionslosigkeit, Unfähigkeit und Faulheit:

Acht Abgeordnete um ihren Chef Jörn Kruse sitzen für die AfD seit Wochen in der Hamburger Bürgerschaft. Seitdem sie im Parlament mitreden dürfen, schweigen sie eisern und machen durch komplette Arbeitsverweigerung auf sich aufmerksam. Zu den Koalitionsverhandlungen, der neuen Regierung, den Plänen für diese Legislatur gibt es nicht nur keine Stellungnahme im Parlament, sondern überhaupt keine Kommentare der acht stummen AfD-Strohpuppen.

Während die CDU allein bei der letzten Bürgerschaftssitzung zehn Anfragen an den Senat stellte, tat die gesamte AfD rein gar nichts. Keine Wortmeldungen, keine Anfragen, keine Kommentare.

Journalisten von der Morgenpost haben sich bemüht die AfD-Parlamentarier zu erreichen, um wenigstens irgendetwas von ihren zu hören, wenn sie schon von allein nichts sagen wollen.

Aber kein Telefon ist besetzt. Es gibt nur Mailbox-Texte: „Zur Zeit ist niemand erreichbar!“

Das ist ein gutes Zeichen. Wenn man sich schon damit abfindet, daß rechtes Pack immer wieder in Landesparlamenten landet, ist es schön zu wissen, daß sie dort wenigstens rein gar nichts bewirken und ihre Ideologie vollständig verpufft.

[….]  Die Hamburger AfD ist – kaum ins Parlament gewählt – wie vom Erdboden verschluckt.   [….]  Kein Lebenszeichen hat die neue Fraktion bislang von sich gegeben, keine Anfragen, keine Initiativen, keine Pressemitteilungen. Bezüge, Gehälter und Zuschüsse werden dagegen gerne kassiert.   Markige Sprüche, aber nichts dahinter: Erstaunlich, wie schnell die Rechtspopulisten sich selbst entlarven – und beweisen, dass sie in unserem Parlament schlicht überflüssig sind.

(Mathis Neuburger 11.04.2015)

(Das Gute an den Schlechten – 12.04.2015)

Inzwischen wurde Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz mit mehreren Oppositionsstimmen gewählt.

Es folgte eine generelle Aussprache, bei der CDU, FDP und Linke sich ordentlich aufplusterten.

Die AfD nicht. Sie schwänzte die komplette Bürgermeisterwahl.

Entweder alle acht Abgeordneten der AfD waren zufällig an dem Tag krank, oder aber sie haben sich auf dem Weg in die Bürgerschaft verlaufen.

Auch das ist angesichts der zweistelligen Intelligenzquotienten der braunen Trottel durchaus denkbar.

Vielen Dank an die AfD-Wähler, daß solche Polit-Simulanten nun vom Steuerzahler alimentiert werden.

Schneller als erwartet, setzten nun bei der Hanseaten-AfD nach der Konzeptionslosigkeits-, Unfähigkeits- und Faulheitsphase bereits Phase IV und V ein:
Dekonstruktion und Lyse.

Dirk Nockemann, der braune Bewunderer des SAT1-Penisschwenkers Schill, pumpte sich erfolgreich zum Anus des Parlaments auf. (…………..)

(Das Gute an den Schlechten – Teil II, 09.05.2015)

Es gab 2019 eine ZDF-Dokumentation über die Arbeit je eines Abgeordnetem im Bundestag; "Die Müllers und das Hohe Haus".

Der AfD-Müller, Hansjörg, war – natürlich – der einzige, der durch Faulheit auffiel.

(….) Die sechs Müllers aus "Die Müllers und das Hohe Haus" sind Sepp Müller (CDU), Stefan Müller (CSU) Detlef Müller (SPD), Hansjörg Müller (AfD), Beate Müller-Gemmecke (Grüne) und Frank Müller-Rosentritt (FDP) dabei - zudem als Ausnahme Amira Mohamed Ali (Linke).

Wer konnte schon ahnen, daß die Hamburgerin Mohamed Ali nach Fertigstellung der Doku im November 2019 neue Fraktionsvorsitzende der Linken sein würde?

Wer konnte wissen, daß Sepp und Stefan genau entsprechend des Parteienklischees langweilige Hinterbänkler bleiben sollten, daß der SPD-Müller zu der nahezu ausgestorbenen Spezies der echten Arbeiter gehörte, daß die Grüne natürlich eine Doppelnamenfrau wie aus dem Buche ist, daß AfD-Hansjörg nicht nur mit weitem Abstand der Unsympathischste ist, sondern auch wie alle Rechtsextremen, die frisch ins Parlament einziehen, sehr bald mit ostentativer Faulheit auffällt. Die Ausschusssitzungen sind ihm viel zu lang. Statt das aber zu bedauern, schaltet er wie ein kleines bockiges Kind in den „Ich bin beleidigt“-Modus und erklärt dummdreist, er lasse sich das nicht bieten und gehe immer früh nach Hause zu seiner Familie, wenn die Kollegen der anderen Fraktionen sich noch stundenlang die Kopfe zerbrechen.

Mehr Rechtsaußen-Klischee geht wirklich nicht. (…..)

(Doof, doofer, FDP, Sachsen-FDP!, 17.01.2020)

Trump und seine Trumpisten passen hervorragend ins Bild.

Moskau-Mitch McConnell begräbt jede Gesetzesinitiative, verhindert die Arbeit des gesamten US-Parlaments.

Während der virtuelle G20-Gipfel in Saudi Arabien stattfindet und die mehr als dringende Frage diskutiert wird, wie man die kommenden Corona-Impfstoffe gerecht und schnell in der Welt verteilt, hat ein Teilnehmer keinen Bock mehr – Trump! Er kappt die Leitung und geht golfen.

Seine Pressesprecher, die etwa 180.000 Dollar vom amerikanischen Steuerzahler erhalten, für ihren Job das Volk über die Regierungsarbeit zu informieren, ließen sich teilweise über Monate nicht blicken.

White House Press Secretary Kayleigh McEnany trat gestern das erste mal seit dem 01.10.2020 wieder vor der Hauptstadtpresse auf, gab einige ungeheuerliche dreiste Lügen von sich und stürmte sobald die erste Frage kam wieder aus dem Raum.

Während Corona schlimmer denn je in den USA wütet; die Intensivstationen sind voll, fast 200.000 neue Infektionen pro Tag und knapp 2.000 neue Todesfälle pro Tag, hat die Trump-Regierung das Regieren eingestellt.

In den 16 Tagen nach der US-Wahl am 03.11.2020 hatte IQ45 nur einen einzigen Termin. Auf dem Friedhof.

Den Rest der Zeit ist er abgetaucht, frisst Fast Food, golft und guckt hauptsächlich TV.

[…..] The President of the United States is absent without leave.   President Donald Trump made his first public appearance in six days Wednesday when he visited Arlington National Cemetery for a somber ceremony commemorating Veterans Day alongside first lady Melania Trump and Vice President Mike Pence. He did not speak at the event.  But as he mounts a fierce battle to remain in office and refuses to concede the election he lost, Trump has shown little interest in the work of being President. Since he vowed to fight the election results in the wee hours after Election Day, Trump, who has spent four years producing television moments showcasing his office, has made few efforts to show the American people he is still governing. [….]

(CNN, 11.11.2020)

In Punkto Arbeitsmoral ist der Vergleich Trump-Hitler also durchaus angemessen.

Freitag, 20. November 2020

Schockwellen bis an die Elbe

Es fällt mir immer noch schwer mir vorzustellen wieso jemand in Deutschland im Jahr 2020 immer noch zahlendes Mitglied der römisch-katholischen Kirche ist, wenn man nicht dazu gezwungen wird, weil man auf einen Kindergarten-, Heim- oder Arbeitsplatz in einer zu 96-100% staatlich finanzierten Einrichtung unter katholischer Trägerschaft ist.

Wer es wissen wollte, konnte schon immer wissen was für ein moralisch verkommener krimineller Verein das ist.

Seit gut zehn Jahren aber wird so öffentlich, so umfassend über den zutiefst bestialischen und sadistischen Kindesmissbrauch in allen Bistümern berichtet, daß nun auch diejenigen, die fest ihre Augen verschließen wollten, informiert sind. Vom Kaplan bis zum Papst haben sich alle Geistlichen, die Hirten und Oberhirten, die Seelsorger aktiv daran beteiligt die Sextäter zu schützen, die Opfer zu hintergehen, die Taten zu vertuschen, die Staatsanwaltschaften zu täuschen und die psychisch schwer gezeichneten Überlebenden der Vergewaltigungen nach Jahren und Jahrzehnten erneut zu demütigen.

In der perfidesten Form zeigt sich die deutsche RKK gerade am Beispiel Köln.

Erzbischof-Eminenz-Metropolit-Kardinal Woelki kündigte vollmundig eine Studie über den sexuellen Missbrauch der Priester seines Erzbistums an, warb damit um Vertrauen bei den Opfer-Vertretern und als ihm die Ergebnisse nicht passten, hinterging er die Opfer auf perfide Weise ein weiteres mal und entschloss sich dazu lieber seine Mitbrüder im Amt, die Täter zu schützen.

Die Presse ist schlecht, die Opfervertreter ziehen sich aus dem Betroffenenrat zurück, nachdem ihnen Woelki so klar zu verstehen gibt, daß ihm ihr Leid völlig egal ist und er lieber die Täter, die sie missbrauchten, psychisch quälten und physisch misshandelten unterstützt.

Selbst die aktivsten und kirchenfreundlichsten Katholischen Laien sind entsetzt.

[…..] "Sexualisierte Gewalt ist seit langem ein strukturelles Problem in der katholischen Kirche", heißt es in der endgültigen Version. "Täter und Täterinnen sind nicht nur diejenigen, die aktiv missbrauchen, sondern auch alle, die vertuschen, verharmlosen und eine offene und transparente Aufdeckung der Taten behindern." Am Freitag hat die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) diesen Text mit großer Mehrheit beschlossen. Die Debatte um den Umgang der katholischen Kirche mit sexualisierter Gewalt ist mit voller Wucht zurück - und sie hat auch das ZdK durchgerüttelt. […..] In dem beschlossenen Papier des ZdK heißt es entsprechend: "Aktuell sind wir Zeuginnen und Zeugen intransparenter Vorgänge im Erzbistum Köln. Wir fordern, diese vollständig offen zu legen und insbesondere die Ergebnisse aus dem Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zugänglich zu machen." […..]

(Annette Zoch, 20.11.20)

Die Männer, die Kardinal Woelki erneut missbrauchte, können ihre Illusionen von einer lernfähigen RKK begraben.

Ich kann nur staunen wie ruhig die als Kinder vergewaltigen Patrick Bauer und Karl Haucke im Interview mit der Süddeutschen Zeitung argumentieren.

Wieso setzen sie sich überhaupt noch mit der Täterorganisation an einen Tisch?

[…..] Das Erzbistum Köln beauftragte eine unabhängige Untersuchung zur sexualisierten Gewalt, dann verhinderte es deren Veröffentlichung. Ehemalige Mitglieder des Betroffenenbeirates stimmten zu - unter Druck wie sie heute sagen.  […..]  Doch offenbar wurde der Betroffenenbeirat überrumpelt und unter Druck gesetzt. Heute erheben seine ehemaligen Sprecher Patrick Bauer und Karl Haucke schwere Vorwürfe. […..]

Patrick Bauer: […..]. Ich habe dem Kardinal jetzt geschrieben, dass wir offenbar ein unterschiedliches Verständnis von Vertrauen und Augenhöhe haben. […..]

Karl Haucke: Es ist eine Riesenenttäuschung. Ich bin in den Beirat gegangen, um anderen Betroffenen zu helfen. Nach einem Suizidversuch war ich insgesamt 15 Monate in der Psychiatrie, hatte etliche Therapien hinter mir. Danach habe ich gemerkt: Ich will nicht bis zum Lebensende Opfer sein. Ich wollte konstruktiv mit dem Thema umgehen und habe Kardinal Woelki gesagt, ich gebe der Kirche eine zweite Chance. Er hat das offenbar so interpretiert, ich ergreife Partei für ihn. Ich wollte aber parteilich für Betroffene sein. […..]

Haucke: Patrick, mich hast du damals bei der Frühjahrsversammlung der Bischöfe in Mainz erreicht. Ich habe deiner Presseerklärung auch zugestimmt. Ich habe Kardinal Woelki geglaubt. Ich war ganz sicher, der ist an Aufklärung interessiert. Das hat sich dann verändert. Wir hatten den Sommer über mindestens zwei Gespräche mit dem Generalvikar und dem Kardinal. Ich habe gemerkt, wie ich immer häufiger in ihre Augen schaute und mich fragte: Können diese Augen lügen? Und ganz instinktiv wuchsen meine Zweifel. […..]

Bauer: Wir wurden völlig überrannt. […..]

Haucke: Ich halte das heute für eine gezielte Irreführung.[…..]

[SZ:] Was wusste da der Betroffenenbeirat über die Münchner Untersuchung?

Haucke: Nichts. Aber die Erkenntnisse müssen toxisch sein aus Sicht des Erzbistums. Sonst würden sie sich nicht derart der Kritik der Öffentlichkeit und dem Zorn vieler Betroffener aussetzen, um das zu unterdrücken. Deshalb war ihnen auch unsere Unterstützung so wichtig. […..]  Wir wurden in Geiselhaft genommen. Ich quäle mich gar nicht so sehr mit der Frage, wann welcher Jurist was wie bewertet, oder ob Kardinal Woelki etwas versprochen und dann nicht gehalten hat. Mich treibt die Verbindung um zwischen meinem tatsächlichen Missbrauch durch einen Priester vor 50 Jahren und dem, was ich jetzt erlebt habe. Für mich ist das eine Retraumatisierung. Es geht mir sehr schlecht. Das hat jemand mit mir angestellt, der mir vorher Zusammenarbeit auf Augenhöhe angeboten hat. […..] Bauer: Bis vorletzte Nacht habe ich kaum mehr als drei, vier Stunden geschlafen. Ich liege wach und grüble. Es ist eine Katastrophe. Mir ist an diesem Sonntagabend bewusst geworden, was passiert ist. […..]

(SZ, 20.11.20)

Woelki versucht offensichtlich seinen Vorgänger und Großzampano Kardinal Meisner (1933-2017) zu schützen.

Meisner, der Erzkatholische war nicht nur ein enger persönlicher Freund zweier Päpste, wortmächtiger Islamhasser, Misogyner, Homophober, Milliarden-Jongleur und NS-Vergleicher, sondern auch eine Ein-Mann-Kaderschmiede.

Systematisch setzte er die dunkelkatholischen Hardliner seiner Schule in Machtpositionen in ganz Deutschland.

Matthias Heinrich, Weihbischof in Berlin wurde von Meisner zum Priester geweiht.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wurde von Meisner zum stellvertretenden Generalvikar in Köln ernannt.

Der Hamburger Erzbischof Heße war Meisners Generalvikar.

Der heutige Kölner Erzbischof Woelki war Meisners Weihbischof in Köln.

Norbert Trelle, emeritierter Bischof von Hildesheim war ebenfalls Meisners Weihbischof in Köln.

Auch Friedhelm Hofmann, emeritierter Bischof von Würzburg ist ein Meisner-Gewächs, wurde 1992 von ihm zum Kölner Weihbischof geweiht.

Die Liste ließe sich fortsetzen; Meisner war derartig gut mit dunkelkatholischen Kreisen des Vatikans vernetzt, daß er all seine Schäfchen zu Bischöfen und Erzbischöfen machen konnte.

Auch der hochumstrittene Hamburger Erzbischof Heße, der sich zwar in der Katholischen Diaspora befindet, dafür aber das flächenmäßig größte deutsche Bistum leitet ist ein Meisner-Schüler und durch dessen Protektion in sein Amt gekommen.

Wie zu erwarten, hat er es sich wie sein ehemaliger Chef, der trotz heftiger Proteste 1987 aus Berlin kommend gegen alle Regeln von Woytila nach Köln geschickt wurde, in Rekordzeit maximal unbeliebt gemacht.

Das ist gewissermaßen der Signature-Move der Meisner-Jünger.

Nun gibt es aber erst einmal einen kleinen Karriereknick. Obschon ihn Kollege Woelki offensichtlich schützen will und den ganz großen Schmutz zurückhält.

[…..] Die Vertuschungsvorwürfe gegen den Hamburger Erzbischof Stefan Heße im Zusammenhang mit Fällen sexualisierter Gewalt haben jetzt erste personelle Konsequenzen: Heße lässt sein Amt als Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ruhen. Er nehme nicht an der am Freitag beginnenden Vollversammlung teil und werde "pausieren", sagte Heße laut Teilnehmern am Donnerstagabend bei einer außerordentlichen Online-Sitzung des ZdK.   Der Druck auf den Erzbischof war auch innerhalb des ZdK zuletzt enorm gestiegen: Die mitgliederstarke Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD) hatte Heße zuvor aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen. Die AGKOD vertritt 125 katholische Organisationen. […..] Im Erzbistum Köln beschäftigte man sich am Mittwoch auch noch mit anderen Fragen: Laut einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers hat das Erzbistum zeitweise die Internetseite der Katholischen Hochschulgemeinde Köln (KHG) stillgelegt. Grund ist ein Positionspapier, in dem die KHG unter anderem das Auftreten kirchlicher Amtsträger als "unerträglich" kritisiert und einen konsequenten Umgang mit Missbrauchstätern fordert.   Das Erzbistum teilte mit, es sei an kritischer Auseinandersetzung interessiert, auf Grundlage dieses Papiers sei aber kein sachlicher Dialog möglich. Den KHG-Mitarbeitern drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen. Am Donnerstag war die Seite wieder zugänglich, allerdings ohne Positionspapier. [……]

(Annette Zoch, SZ, 19.11.2020)

Donnerstag, 19. November 2020

Wer ist der Zweitschlimmste?

Wer der schlimmste Politiker ist, der einem am meisten auf die Nerven geht, hängt üblicherweise davon ab, wenn man zuletzt häufig gesehen hat.

In den 1980ern schwankte ich bei der Frage üblicherweise zwischen Schäuble, Strauß, Tandler, Erich Riedl, Koch, Lummer. Aber es kam vor, daß meine Mutter zwei Jahre nach dem Ende der Amtszeit von Manfred Kanther anrief und sagte „Gerade habe ich eine Dokumentation über Kanther gesehen… Also nein; ich hatte ja ganz vergessen wie furchtbar der ist; jetzt ist Kanther für mich der Schlimmste überhaupt!“

Entweder es liegt an der nivellierenden glattgelutschten Art Politiker unserer Zeit oder an meinem Alter; aber viele rechte Unions-Vertreter von heute halte ich zwar für gefährlich und extrem schlecht – zB Altmaier, Klöckner, AKK, Merkel – aber die triggern mich nicht mehr so persönlich. Die sind schlimm, bringen aber meinen Blutdruck nicht mehr in Wallung; außer vielleicht Spahn und Merz.

Zudem sind einige schlicht und ergreifend Witzfiguren und durch ihre drastische Unfähigkeit derartig lächerlich, daß man sich auch nicht recht vor ihnen fürchten kann (Pofalla, Scheuer, Dobrindt).

Die Typen, die mich im Jahr 2020 am meisten aufregen, sind überwiegend in der AfD und sitzen daher wenigstens nicht direkt an den Hebeln der Macht.

Die Nackenhaare sträuben sich mir aber durchaus noch bei den schweren Religioten der Parteien – Kerstin Griese, Wolfgang Thierse, Andrea Nahles, Volker Beck, AKK, Schavan, Mechthild Löhr, Christian Hirte, Hubert Hüppe.

In den USA ist die Frage nach dem schlimmsten Politiker müßig, weil niemand in der Disziplin jemals mit Donald Trump mithalten kann.

Spannend ist also höchstens die Frage, wer der Zweitübelste ist.

Matt Gaetz? Jim Jordan? Richard Grenell? Kayleigh McEnany? Steven Miller? Jason Miller? Kellyanne Conway? Corey Lewandowski? Matt Schlapp?

Das sind allesamt zutiefst bösartige und extrem verlogene Fanatiker; echte Amoralisten, die gar keine Hemmungen mehr kennen.

Noch schlimmer sind in gewisser Weise die unfassbar verlogenen Superheuchler an den Schaltstellen der Macht – Mike Pence, Lindsey Graham, Mike Pompeo, Bill Barr, Moscow-Mitch McConnell – weil sie nicht ganz so verblödet wie die Gaetz-McEnay-Schlapp-Kategorie sind.

Die wissen genau wie radikal sie lügen, wie kriminell sie agieren und wie demokratiezersetzend sie arbeiten; sie tun es aber aus Geld- und Machtgier trotzdem.

Ich staune selbst, daß die GOPer, die ich bis ca 2015 für die abstoßendsten und bösartigsten Brechmittel alles Zeiten hielt – Michele Bachmann, Ted Cruz, Rick Santorum, Sarah Palin – im Kampf um Platz Zwei nach Trump gar nicht mehr mitspielen.

Es liegt aber nicht nur daran, daß sie ein wenig in die zweite Reihe traten, sondern auch an der Fähigkeit der Gaetz-Jordan-Grenell-Generation Die Anmaßung, Destruktivität und Debilität eines Santorums noch mal deutlich zu überbieten.

Diejenigen GOPer, die wie Pompeo, Pence oder Nikki Haley davon träumen 2024 als Präsidentschaftskandidat anzutreten und potus No 47 zu werden, mögen immerhin noch ein strategisches Interesse daran haben Donald Trump in den Hintern zu kriechen.

Anders als viele (Demokraten) glauben, wird Trump nämlich am 20.01.2021 nicht von der politischen Landschaft verschwinden.

Der wird sich nicht ins Privatleben zurückziehen und still schmollend seine Niederlage akzeptieren, sondern weiterhin durch seine Tweets für 90 Millionen Follower täglich präsent sein. Sehr wahrscheinlich wird er weiterhin seine Rallys abhalten, weil sie für seine psychotische Seele wichtig sind und insbesondere als Einnahmequelle fungieren. Trumps Hotels und Golfplätze machen alle Minus. Ab 2021 werden über eine Milliarde Dollar Kredite fällig, die er zurückzahlen muss.

Bei 73-75 Millionen fanatischen Trump-Fans kann er am leichtesten Geld verdienen, indem er auf Rally-Tour geht und billigen in China hergestellten MAGA-Tand für Mondpreise verticken lässt.

T-Shirts, Base-caps, Wimpel, Fahnen, Poster, Aufkleber, Münzen, CDs – all das bekommt er über Ivankas Lizenzen für Bruchteile von Cents aus China und knöpft dann seinen Fans 60 oder 70 Dollar dafür ab.

FOX, Breitbart und OAN werden den Quotenbringer Trump auch weiterhin bereitwillig in all ihren Sendungen hofieren, so daß er kontinuierlich weiter behaupten wird die Wahl gewonnen zu haben und überhaupt alles besser als die Biden-Regierung zu machen.

Die Testikel- und Rückgrat-freien Möchtegern-Nachfolger in der GOP werden sich mit der PR-Maschine nicht anlegen, indem sie es wagen Trump zu kritisieren.

Gegen Trump aufstehen können weiterhin nur Ex-Republikaner der Lincoln-Project-Blase oder von der Rentnerbank – John Kasich, Colin Powell, Condoleezza Rice, Jeff Flake, David Frum, Tom Ridge, John Negroponte.

Kein Republikaner, der aktiv in der Politik steht hat den Mumm sich dem kriminellen 20.000-fachen Lügner und Verfassungsfeind entgegen zu stellen.

Entweder wollen sie noch etwas werden, oder sie ticken ebenso fanatisch-irre wie ihr oranges Idol.

 Für den Titel als zweitschlimmster US-Politiker, kommt allerdings der zutiefst debile Rudy Giuliani infrage.

Der Mann ist so offensichtlich verblödet, daß er seinem Mandanten Trump glücklicherweise mit öffentlichen Auftritten mehr schadet als nutzt.

Seine letzten beiden medialen Cameo-Großauftritte waren beide gleichermaßen hochnotpeinlich.

Einmal fummelte er rücklings auf einem Hotelbett liegend vor einer 15-Jährigen in seiner Unterhose rum – heimlich gefilmt von Sascha Baron Cohen.


Kurz darauf stand er wie irre faselnd auf dem Parkplatz eines Gartencenters, das er mit einem Luxushotel verwechselt hatte und prangerte eingerahmt zwischen einem Dildo-Shop und einem Krematorium.

 

Es ist schwer vorstellbar wie sich ein Anwalt noch lächerlicherer machen könnte.

 


Seine Auftritte geraten grundsätzlich zu einer Mischung aus Farce und Gruselshow.

[…..] Donald Trumps Anwalt blamiert sich vor Gericht[…..] Auftritt von Trump-Anwalt Giuliani vor Gericht gerät zur Farce   […..] Giulianis erster Auftritt vor Gericht seit fast dreißig Jahren sorgte vor allem für Spott. […..] Noch trauriger als die juristische Pleite für den Mann im Weißen Haus dürfte allerdings der Auftritt seines Rechtsvertreters am Dienstag vor einem US-Bezirksgericht in Williamsport gewesen sein. Zum ersten Mal seit fast drei Jahrzehnten stand Giuliani wieder als praktizierender Anwalt für einen Klienten im Gerichtssaal und sein Comeback ging gründlich in die Hose. Der 76-Jährige "fummelte an seinem Twitter-Account herum, vergaß, mit welchem Richter er sprach und warf mit unbestätigten Anschuldigungen über eine landesweite Verschwörung von Demokraten zum Diebstahl der Wahl um sich", schreibt der "San Francisco Chronicle".   Und die auf juristische Nachrichten spezialisierte Internetseite "Law & Crime" berichtet, schon in seiner "Eröffnungstirade" habe Giuliani Wahlbetrugsvorwürfe erhoben, die "eher für den rechtsgerichteten Äther geeignet schienen als für einen Bundesgerichtssaal".[…..] Später habe der Anwalt auf die Frage des Richters, welche Prüfungsnorm (standard of scrutiny) bei der Untersuchung des Vorgehens der Regierung von Pennsylvania angewandt werden sollte, entgegnet: "die normale." Die Antwort löste "Law & Crime" zufolge weit verbreiteten Spott unter Juristen aus, da sie offengelegt habe, dass Giuliani nicht mit den drei unterschiedlich strengen Untersuchungsstandards an US-Gerichten – "rational basis review", "intermediate scrutiny" und "strict scrutiny" – vertraut sei. Giuliani räumte demnach später in der Anhörung sogar ein, dass er nicht wisse, was "strict scrutiny" bedeute. 

Und der Republikaner hatte noch mit einem weiteren Begriff Probleme: In den von den Klägern monierten Bezirken "wurde ihnen die Möglichkeit verweigert, [die Stimmenauszählung] ungehindert zu beobachten und Opazität sicherzustellen", behauptete Giuliani. "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich weiß, was Opazität bedeutet. Es bedeutet wahrscheinlich, dass Sie sehen können, oder?"

"Es bedeutet, dass Sie nicht sehen können", klärte Richter Matthew Brann ihn auf.

Apropos Matthew Brann: Auch mit Namen hatte Giuliani seine Schwierigkeiten. Brann verwechselte er Medienberichten zufolge mit einem Bundesrichter in einem anderen Bezirk von Pennsylvania, der eine andere Trump-Klage abgelehnt hatte. Einen gegnerischen Anwalt bezeichnete er als "den Mann, der sehr wütend auf mich war, ich habe seinen Namen vergessen". Und Wahlsieger Joe Biden nannte er "Bush". […..]

(STERN, 19.11.2020)

Wieso setzt ein US-Präsident also so einen grottenschlechten Anwalt ein, der auch seit der Wahl jede einzelne Klage gegen das Ergebnis vor Gerichten aller Ebenen verlor?

Dafür gibt es Gründe: Trump ist ein Alptraum-Mandant, der sich an keine Absprachen hält, intellektuell juristischen Strategien nicht folgen kann und seine Anwälte in nicht zu gewinnende Schlachten schickt. Es ist für ihn fast unmöglich überhaupt noch Anwaltskanzleien zu finden, die ihn vertreten wollen.

Wieso setzt sich ein ehemaliger New Yorker Bürgermeister und Präsidentschaftskandidaten-Bewerber für so einen Alptraum-Mandanten ein?

Dafür gibt es Gründe. 20.000 Gründe am Tag.

[….] Die „New York Times“ hatte zuvor berichtet, dass Unterstüzer:innen Trumps sich sorgen, Rudy Giuliani würde sich persönlich an den anstehenden Gerichtsprozessen bereichern. Der persönliche Anwalt von Donald Trump sagte der Zeitung, er habe niemals nach besagtem Honorar gefragt. Die 20.000 US-Dollar täglich seien nach Aussage von Rudy Giuliani, „das Ergebnis, welches wir am Ende gemeinsam ausgearbeitet haben“. [….]

(FR, 19.11.2020)

Nun ja, für einen Wochenlohn von 140.000 Dollar, also 600.000 Dollar im Monat, kann man sich auch schon mal lächerlich machen.

Mittwoch, 18. November 2020

Lebensfern

Die Deutsch-Rumänin Birgit Kelle, 45, dunkelkatholische Hass-Aktivistin vom äußersten rechten Rand der CDU, ist überall zur Stelle, wenn es gilt auf Minderheiten einzudreschen und Freiheitsrechte zu kappen.

Sie ist Kreuznets Reinkarnation des Homohasses und posaunt ihre antihumanistischen Botschaften auf allen dubiosen rechtsbraunen Plattformen heraus, die gerade noch nicht von Horst Seehofer verboten wurden:
VERS1, The European, Focus, kath.net, Die Freie Welt, Kopp Verlag, Bayernkurier, eigentümlich frei und Junge Freiheit.

Die großen Talkshowredaktionen von ARD und ZDF mit ihrem deutlich rechten und christlichen Überhang hatten schon quasi im Alleingang Pegida und AfD groß gemacht, indem sie extrem überproportional migrantenfeindliche Themen setzen.

Sie lernen nicht dazu und so luden Plasberg, Maischberger, Illner, Beckmann, aber auch der Presseclub Kelle ein, um ihren extremistischen Thesen eine Plattform zu bieten.

Schande über die Sender!

Kelle ist verheiratet mit dem 16 Jahre älteren ebenso extrem konservativen Medienunternehmer Klaus Kelle, der in der CDU, Werteunion und als Mitglied des OMCT Tempelritterordens aktiv ist und als stellvertretender BILD-Redaktionsleiter für journalistische Qualität steht.

Was diese hochgradig politisch vernetzten, wohlhabenden, privilegierten und medial umschmeichelten Cis-Hetero-Erzkatholiken dazu prädestiniert für, bzw gegen Frauen, Schwule oder Kinder zu sprechen, bleibt Plasbergs und Maischbergers Geheimnis.

 Katholiban Birgit Kelle kennt als klassische Religiotin überhaupt keine Zweifel, sondern hält ihre Ansichten für alleinseligmachend.

Als Qualifikation nennt sie ihre vierfache Uterus-Besetzung.

Zu RECHT, denn bekanntlich ist Geschlechtsverkehr eine intellektuelle Großtat, die nur von Genies durchführbar ist.

Daher ist es in der 6.000-jährigen Geschichte des Homo Sapiens kaum jemals einer Frau gelungen schwanger zu werden.

Kelle ist dementsprechend furchtbar stolz darauf, sich ihrem Klaus schon (mindestens) viermal dargeboten zu haben. Sie wird öffentlich fuchsteufelswild, wenn sie den Eindruck hat, als kopulative Koryphäe geringgeschätzt zu werden.

[….]  Ich habe vier Kinder geboren. Wahrscheinlich sind sie das Beste, was ich je zustande bekommen habe. #Kinder sind Zukunft. Es kotzt mich an, wie Kinder und damit Familien diffamiert werden als Untergang des Planeten. Meine Kinder zahlen eure Rente. […..]

(Birgit Kelle, 17. Nov.2020)

Zunächst einmal bezahle ich als Atheist und Konfessionsloser Kelles Kirche und außerdem bezahle ich als Kinderloser Schule, Uni, Ehegattensplitting und Kindergeld für Kelles Leibesfrüchte.

Ob ihre vier Ableger überhaupt je Steuern zahlen, bleibt abzuwarten. Meine Rente zahlen sie aber schon mal nicht, da ich als Selbstständiger ohnehin keine Leistungen der BfA erhalte.

Aber das ist ein katholisches Tatmuster – sie halten sich generell für alles zuständig; insbesondere für die Dinge, die sie nicht aus eigener Erfahrung kennen.

So bestimmen zölibatäre, kinderlose und sexlose alte Männer, die noch nie eine Nacht mit einer Frau verbrachten, die katholische Sexualmoral, dirigieren Uteri und verbieten Verhütungsmethoden.

Dabei können Messdiener gar nicht schwanger werden.

Die kirchliche Sexualmoral ist das bekannteste religiotische Paradox.

Sex unterliegt grundsätzlich nicht kirchlicher Moral, sondern betrifft – sofern die Beteiligten erwachsen sind und freiwillig partizipieren überhaupt keinen Außenstehenden.

Die katholische Kirche ist aufgrund ihrer 2.000 Jahre währenden exorbitanten Kriminalgeschichte voller unvorstellbarer Grausamkeiten aber generell für alle moralischen Fragen disqualifiziert.

Wer auch im Jahr 2020 noch dafür sorgt, daß weltweit die Kindersextäter in Myriaden Fällen vor der Strafverfolgung geschützt werden und sich damit klar gegen die Opfer auf die Seite der Täter stellt, sollte beim Thema „Moral“ sofort sein praktisches Taschengrab-Set herausholen und anfangen ein tiefes Loch zu buddeln, in das er verschwinden kann.

Die Kirche ist so vieles nicht. Sie ist keine Sex-Autorität, keine Beziehungsexpertin, keine Erziehungsratgeberin, keine Moral-Beraterin.

Sie ist noch nicht mal seelsorgerisch qualifiziert.

[….] Manchmal offenbart sich das ganze Elend in einem einzigen Satz. Manchmal ist es ein Satz, dessen Bedeutung derjenige, der ihn spricht, gar nicht erkennt. Heinrich Mussinghoff, der emeritierte Bischof von Aachen, hat vor wenigen Tagen einen solchen Satz in die Welt gesetzt. Eine Münchner Anwaltskanzlei war von seinem Nachfolger um einen Bericht gebeten worden, wie das Bistum Aachen jahrzehntelang damit umgegangen war, dass etliche Mitglieder seines Klerus sexuelle Gewalt ausgeübt hatten. Mussinghoff sagte den Aachener Nachrichten: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Opfergesprächen."

Echt jetzt? Muss man die Vorstellung als naiv beerdigen, für den Priesterberuf entschieden sich doch gewiss jene Menschen, die mit besonders viel Einfühlungsvermögen, Wärme und Zugewandtheit gesegnet sind? Gibt es für diesen Beruf nicht ein schönes Synonym: Seelsorger? Und hier offenbart ein Bischof, dass er mit der Sorge um Seelen überfordert war. Das ist ungefähr so, als würde eine Friseurin sagen: "Ich fühlte mich überfordert - vor allem mit Haareschneiden."

Allein im Bistum Aachen werden 81 Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.

Es ist zum Verzweifeln mit der katholischen Kirche. […..]

(Delef Esslinger, 18.11.20)

Klappe, Kelle! Klappe, Kirche!

Dienstag, 17. November 2020

Genau zwei Wochen nach der US-Wahl

Joe Biden wird, wenn alles ausgezählt ist, deutlich über 80 Millionen Stimmen bekommen haben, Trump mit etwa 51% zu 47% geschlagen haben, also sechs Millionen Stimmen vorn liegen. Das entspricht nach dem grotesken amerikanischen Wahlrecht 306 zu 232 Wahlmännern. Biden bekommt also 36 Wahlmänner mehr als er für seine Wahl zum US-Präsidenten braucht; eine deutliche Mehrheit.

Natürlich, wenn in den USA nicht mindestens die Hälfte der Bürger total verblödet wären und sie „nur“ den Verdummungsgrad Deutschland aufwiese, also inklusive all der Lindner- und AfD-Fans, hätte Biden mit 89% statt 51% gewonnen.

Ich grusele mich schon bei den 11% der Menschen, die in Deutschland nicht klar Biden präferieren. Aber 47%? In Wyoming erhielt Trump 70% der Stimmen; in West Virginia 69%, in North Dakota und Oklahoma 65%, in Idaho 64%, in Kentucky, South Dakota, Alabama und Arkansas jeweils 62%.

Aus diesen ländlichen, evangelikalen, religiösen und extrem bildungsfeindlichen Bundesstaaten speisen sich Realitätsverweigerung, Gewalttätigkeit, Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit und die extremste Form der Heuchelei.


Trumps tiefe Bösartigkeit, seine Rücksichtslosigkeit und sein Antiamerikanismus sind dabei keineswegs überraschend.

In Kombination mit der Brutalität seiner bis an die Zähne bewaffneten Anhängern und der absolut ruchlosen republikanischen Partei  steht 14 Tage nach der überraschend ruhigen Wahlnacht und den friedlichen Freudenkundgebungen der Biden-Fans doch zu befürchten, daß Donald Nero seine Nation lieber in einem großen Bürgerkrieg zieht, bevor er seine Niederlage eingesteht.

[….] Trumps Unterstützer haben deutlich gemacht, dass sie bereit sind, für den Präsidenten zu kämpfen, wenn er sie dazu aufruft. Was das in einem Land bedeutet, in dem sich 393 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz befinden, kann man sich leicht ausmalen. Und nein, das ist keine Schwarzmalerei. Den USA droht ganz real ein neuer Bürgerkrieg, und es ist jetzt an den Republikanern, das zu verhindern.  Wahlen sind das Herz der Demokratie, und Wahlen funktionieren nur, wenn die unterlegene Seite ihre Niederlage anerkennt. Dass Trump das nicht fertigbringen würde, war abzusehen. Er ist ein pathologischer Narzisst, er ist ein rücksichtsloser, ein dummer Mann. Aber dass die Republikanische Partei ihn in seinem Wahn nicht nur toleriert, sondern unterstützt, ist Verrat an den Idealen des Landes. [……]

(Christian Zaschke, SZ, 17.11.20)

Während der Noch-Präsident Fastfood-fressend schmollend vor dem Fernseher hockt und seine zersetzenden, hochverräterischen Lügen-Tweets in die Welt setzt, hat nur einer gut Lachen: Das Sars-CoV-II.

Schon seit fünf Monaten erschien Trump bei keiner Sitzung seiner Corona-Taskforce und scheint nun proaktiv-neroesk die dritte Pandemiewelle anzuheizen, damit es Biden und sein Volk möglichst mit unlösbaren Problemen zu tun bekommen. Die Situation ist schlimmer denn je; 11 Millionen Infizierte in den USA, eine Viertelmillion Tote, jeden Tag sterben wieder über 1.000 US-Amerikaner, die Notaufnahmen und Intensivstationen sind total überlastet und nun sind es die Red States, die Kühllaster anmieten müssen, um die ganzen Leichen vor den Krankenhäusern zwischenzulagern.

Trump genießt es; wenn er schon untergeht, soll es allen schlecht gehen.

Und eine gesamte Partei macht mit.

[….] In den vergangenen zwei Wochen stiegen die US-Infektionszahlen dramatisch. Der November begann mit 76.771 Neuinfektionen an einem Tag; drei Tage später wurde erstmals die 100.000-Marke überschritten. Am Sonntag waren es dann 166.555 – wohlgemerkt an einem einzigen Tag. [….] Als Wahlverlierer ignoriert [Trump] die Krise jetzt erst recht. [….]  Seit seiner Wahlniederlage zeigt Trump an den Amtsgeschäften kein Interesse mehr. [….] Unterdessen eskaliert die Lage überall. Am bedenklichsten ist aus Sicht der Experten die rasant wachsende Zahl der Krankenhauspatienten mit Covid-19. Zurzeit sind das nach Angaben des unabhängigen Covid Tracking Projects fast 70.000, so viele wie nie zuvor in Amerika – und doppelt so viele wie noch vor fünf Wochen.  [….] »Unsere Krankenhäuser sind voll«, sagte Megan Ranney, eine Professorin für Notfallmedizin an der Brown University in Rhode Island, der »Washington Post«. »Unsere Mitarbeiter werden krank. Und das überwältigt das System einfach.«  [….] Virologen befürchten, dass die Zahl der Corona-Toten in den USA zum Jahreswechsel 400.000 überschreiten könnte. [….] Der Epidemiologe Michael Osterholm, der der neuen Coronavirus-Arbeitsgruppe des designierten US-Präsidenten Joe Biden angehört, prophezeite den Amerikanern für die kommenden Wochen sogar eine »Covid-Hölle«.   »Das ganze Land ist außer Kontrolle«, sagte die Medizinprofessorin Dara Kass der »New York Times«. »Ein humanitäres Desaster«, so CNN-Medizinkorrespondent Sanjay Gupta. »Womöglich die furchtbarste Story, über die ich in meiner Karriere hier bei CNN berichtet habe.«  [….] Nichts davon überrascht. Seit dem Sommer warnen Experten vor dieser Entwicklung. [….] Joe Biden wird es dank Trump auch nicht leicht haben. Da der scheidende Präsident seinem designierten Nachfolger den eigentlich üblichen Zugang zu allen Regierungsstellen verbaut, können Bidens Corona-Berater sich nicht mit der Taskforce koordinieren. Das wiederum könnte die Auslieferung des neuen Impfstoffs verzögern. [….]

 (Mark Pitzke, 16.11.2020)

Kein Feind, nicht Nordkorea, nicht der IS, nicht die Taliban hätten die USA so schwer treffen können wie die Donald Trump und die moralisch bankrotte GOP; die ihm auch 14 Tage nach der Wahl noch bereitwillig zu Füßen liegt.

Osama bin Laden ist ein harmloses Kind verglichen mit Trump, dem Toxischen.

[…..] Es gibt keinerlei Hinweise auf Betrug. Selbst das unter Leitung von Trump-Leuten stehende Heimatschutzministerium nannte die Abstimmung die sicherste Wahl der Geschichte. Doch Trump twittert unermüdlich darüber, dass es nicht mit rechten Dingen zuging, dass ihm die Wahl gestohlen worden sei. Seit dem Wochenende in noch höherer Frequenz, man kann ihm öffentlich dabei zusehen, wie er heiß läuft.   Die Vereinigten Staaten befinden sich in der gefährlichsten Phase ihrer Geschichte seit Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1865. Im Weißen Haus sitzt ein Mann mit dem Lebens- und Weltverständnis eines präpubertären Teenagers, der mutmaßlich nicht einmal ansatzweise einen Begriff davon hat, was er da gerade anrichten könnte. [….] Mehr denn je ist nicht auszuschließen, dass die USA einen anderen Weg einschlagen, vielleicht einen Weg der Gewalt. Es ist an der Republikanischen Partei, den Präsidenten jetzt zurück in die Wirklichkeit zu holen. Zu ihrem Wohle, zum Wohle der USA und zum Wohle der Welt. [….]

(Christian Zaschke, SZ, 17.11.20)