Freitag, 8. Mai 2020

Der braune Abstieg


Kann man sich das heute noch vorstellen?
Bei ihrer Gründung vor gerade mal sieben Jahre wirkte die AfD noch wie eine reine Wirtschaftspartei, der überdurchschnittliche viele alte und geistig verknöcherte Akademiker angehörten, die davon fabulierten den Euro abzuschaffen, dafür wieder die D-Mark einzuführen und den vielen ärmeren EU-Ländern die Solidarität zu entziehen. Der hagere und offenbar wenig vernetzte Bernd Lucke war dabei meistens unfreiwillig komisch, weil sich jeder fragte wie man einen Lehrauftrag an der Uni Hamburg bekommen kann, wenn einem offenbar noch nicht einmal die grundlegende Aspekte des internationalen Handels und der Währungspolitik geläufig sind.
Eigentlich konnte es ein Kind verstehen was ein Ausstieg aus dem Euro für Deutschland bedeuten würde: Massive Abwertung der südeuropäischen Währungen und weltweite Flucht von der internationalen Finanzanleger in die Mark.
Der Kurs des deutschen Geldes stiege so hoch, daß sich kaum einer noch deutsche Waren leisten könnte.
Es gibt kein Land auf der Erde, für das so ein Zustand noch schlimmer als für Deutschland wäre.
Schließlich ist die hiesige Binnenkonjunktur traditionell erbärmlich schwach. Nirgendwo sind daher die Exporte so wichtig wie beim selbsternannten „Exportweltmeister Deutschland“
Welch ungeheuer schlechte Idee ausgerechnet diese größte Stütze der deutschen Wirtschaft abzureißen. Prof Lucke kann offenbar nur von der Wand bis zur Tapete denken.

Bereits zwei Jahre später war die gesamte Kernidee der neuen Partei vollständig verworfen worden und eine neue, noch absurdere Sau wurde durchs Dorf getrieben. Die unternehmerisch krachend gescheiterte rechte Sächsin Frauke Petry verdrängte den Hamburger Prof im Pullover von der Parteispitze, strich das eine Thema (Euro) der Einthemenpartei und setzte nun ausschließlich auf xenophobe Gefühle.


Abgesehen von dem moralisch-ethischen Totalversagen, setzte die AfD damit erneut darauf dem unter enormen Fachkräftemangel leidenden Deutschland insbesondere ökonomisch schwer zu schaden.
Denn die Maßnahmen und Ausgaben zur Integration der Flüchtlinge in Deutschland erweisen sich als reines Konjunkturprogramm. Die Arbeitslosigkeit sank, die Wirtschaft wuchs und mit inklusive einer Million Neubürger im Land sank die Kriminalitätsrate auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren.
Schon Frauke Petry hatte in den Jahren 2015 und 2016 bis zutiefst verstörende völkische Aussagen getätigt. Sie fabulierte davon Frauen und Kinder an den Grenzen erschießen zu lassen und wollte den Begriff „völkisch“ wieder positiv besetzen.

Nach weiteren zwei Jahren war dann auch Frauke Petry der rasant in den Rechtsextremismus abdriftenden AfD zu liberal. Sie verließ die Partei im September 2017 und wurde vom Revanchisten Alexander Gauland ersetzt.

Wieder bekam die AfD einen neuen Spin; die Flüchtlingsfeindlichkeit blieb, aber hinzu kamen nun offener Rassismus, nationalsozialistisches Gedankengut und teebeutlerisches Wissenschafts-Nichtverständnis.


Inzwischen akzeptiert die AfD grundsätzlich keine Fakten mehr, frönt einem zutiefst sadistischen Weltbild, bestreitet die Existenz des Sars-CoV-2 oder den Klimawandel durch Erderwärmung und hofiert Faschisten, deren Aussagen selbst von den eigenen Parteifreunden nicht von den Hitler-Aussagen aus „Mein Kampf“ zu unterscheiden sind.
Die Afd wird nicht etwa trotz ihres faschistoiden Kurses gewählt, sondern weil sie wie die NSdAP klingt.


Die neuen Führer der AfD sind keine Neonazis, sondern Original-Nazis, die heute noch Hitlers Massenmörder-Regime nachtrauern und ihren tiefen Menschenhass offenbar mit den Gedanken an die 60-millionenfache Mörder-Clique der NSdAP befriedigen.

Der heutige 08.Mai steht für den 75-jährigen Jahrestages des Kriegsendes.
Nach 60 Millionen Toten, sechs Millionen ermordeten europäischen Juden und einem völlig zerstörten Kontinent konnte das apokalyptische deutsche Killer-Regime endlich gestürzt werden.
Der Tag ist nicht nur an sich und wegen des runden Jahrestages wichtig, sondern auch weil die letzten Zeitzeugen aussterben, die als ehemalige Auschwitz-Häftlinge wie Esther Bejarano, 95, vehement fordern den Tag zum Feiertag zu machen. 80.000 Menschen haben die entsprechende Petition inzwischen unterschrieben. Selbstverständlich wurden an dem Tag nicht nur die (wenigen noch lebenden) KZ-Häftlinge befreit, sondern auch das gesamte deutsche Volk, das nach sechs Jahren Krieg endlich von der Waffengewalt, die das gesamte Land zerstört hatte, erlöst wurde. Das deutsche Volk wurde auch von Propaganda, Einheitspresse, Totalitarismus, Willkürherrschaft, Denunziantentum, Gestapo-System, Rassegesetzen, drakonischen Strafen, Verboten der Kunst befreit.

[…..]  Initiiert haben die Petition die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano und die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA). Bejarano, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees Deutschland, hatte bereits im Januar einen offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben.
“Der 8. Mai muss ein Feiertag werden!”, schrieb sie. “Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschla­gung des NS-Regimes.”
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt unterstützt Bejaranos Forderung. […..]

Alexander Gauland ist moralisch aber derartig verkommen, daß er, der im Krieg Geborene immer noch den tödlichen Wahnphantasien des Hitler-Faschismus hinterhertrauert.
Der braune AfD-Großzampano springt der 95-Jährigen Berjano in den Rücken und lehnt ihren Vorschlag kategorisch ab.

"Aber es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit."
(Adolf Gauland 05.05.2020)

Während Historiker in diesem Nazi-Reflex die typischen Agitationen der Rechtsextremen sehen…..

[….] Fischer-Miyakis: Zunächst einmal ist es hochgradig revisionistisch. Er impliziert damit ja, dass er den damaligen Status Quo infrage stellt. Er spricht von einem Verlust von großen Teilen Deutschlands. Wir feiern am 8. Mai aber nicht Gebietsverkleinerungen, sondern einen Tag der Befreiung, weil wir es nach all dem Terror heute besser wissen als unsere Vorfahren. Wenn Gauland noch im Jahr 2020 von Gebietsverlusten spricht, dreht er diese Logik gewissermaßen um. Aus Feiertag wird dann eher "Trauertag".
Liebrandt: Das sind ja wohlüberlegte Worte. Das ist keine spontane Äußerung, sondern bewusste. Gauland streitet die Verbrechen ja nicht ab, sondern versucht, auch vermeintlich ruhmreiche deutsche Geschichte in der Zeit von 1933 bis 1945 danebenzustellen. Das ist dieselbe Logik wie bei seiner "Vogelschiss-Theorie". Er versucht, den Kontext zu erweitern: Es gab diese Verbrechen, Gauland bleibt aber in dieser Aber-Argumentation verhaftet, um dann den Fokus auf andere Aspekte zu legen. […..]

….scheinen viele politische Beobachter nicht recht die Ungeheuerlichkeit der AfD-Aussagen zu verstehen.
Es ist wohl der extremste Euphemismus überhaupt, wenn man von verlorenen „Gestaltungsmöglichkeiten“ spricht und damit nichts anderes meinen kann als den Wunsch Hitler hätte noch weiter „gestalten“ sollen.

[….] Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Äußerung von Alexander Gauland, der 8. Mai sei als Tag der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg ungeeignet für einen Feiertag, scharf kritisiert. "Mit der Betonung, der 8. Mai sei auch ein Tag der absoluten Niederlage für Deutschland und großer Gebietsverluste gewesen, zeigt Alexander Gauland, wes Geistes Kind er ist", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der "Neuen Osnabrücker Zeitung".[….] Diese Betrachtung des 8. Mai 1945 sei häufig unter Neonazis zu finden, sagte Schuster. [….]  Ähnlich wie Schuster argumentierte dabei auch der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte. "Wer die Kapitulation Nazideutschlands noch heute allen Ernstes als Niederlage bezeichnet, zeigt eindeutig, dass er sich in der Tradition von Faschisten versteht", erklärte er.
Von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hieß es auf Twitter: "Gauland beklagt den Verlust von Gestaltungsmöglichkeiten durch das Ende der Nazi-Diktatur." Eine der wichtigsten Aufgaben von "uns Demokraten" heute sei, dass Menschen wie Gauland in Deutschland nie wieder Gestaltungsmöglichkeiten bekämen. […..]

 Die AfD, die scheinbar mühelos in Ostdeutschland jeden vierten Wähler dazu bringt bei ihr das Kreuz zu machen, ist inzwischen sogar rechts an der NPD vorbeigezogen.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Immer noch zu wenig Tote zur Erkenntnis?


Virologen, Medizinhistoriker, Seuchenexperten sind schon ein bißchen sehr genervt, wenn Donald Trump, das stabile Genie, immer wieder öffentlich erklärt mit Corona habe nun wirklich niemand rechnen können.
Frank Snowden, Professor für Medizingeschichte an der amerikanischen Yale University, kennt das schon.

[……] SPIEGEL: Herr Professor Snowden, Sie haben vor Jahren gewarnt: Sars, die Vogel- und die Schweinegrippe seien nur Vorboten von etwas Größerem, einer schweren Pandemie. Dachten Sie da schon an einen Erreger wie Sars-CoV-2?
Snowden: Oh ja. Und natürlich habe nicht nur ich eine Pandemie mit einem per Tröpfcheninfektion übertragenen Virus befürchtet. Virologen und Epidemiologen auf der ganzen Welt haben immer wieder davor gewarnt. Ich frage mich wirklich: Wie blind kann man eigentlich sein? Wenn Donald Trump jetzt fragt, wer das denn hätte wissen können, dann kann ich nur antworten: jeder!
SPIEGEL: Warum wurde die Botschaft nicht gehört?
Snowden: Leider teilen Menschen, die vor etwas warnen, oft das Schicksal der Seherin Kassandra. Anthony Fauci, der Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases in den USA, hat das Problem 2006 ganz einfach erklärt: Wenn man in der Karibik lebt, dann sagen einem die Wissenschaftler, dass irgendwann ein Hurrikan kommen wird. Sie können nichts sagen über die Stärke des Sturms und wann er kommt. Aber natürlich muss man sich darauf vorbereiten - genauso verhält es sich mit einer Pandemie. Aber was haben wir gemacht? Nach kurzen Phasen der Angst - nach Sars und der Vogelgrippe - hatten wir die Gefahr einfach vergessen. Deshalb gibt es jetzt keine gemeinsame Pandemiepolitik der Europäischen Union, deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation zu wenig Geld, deshalb haben wir in vielen Ländern nicht genug Reservekapazitäten in den Krankenhäusern. […..]
(Spiegel Nr. 18, s.104, 25.04.2020)

Weshalb die USA viel stärker als alle anderen Nationen unter Corona leiden, ist vollkommen klar: Ihr Präsident ist der größte Vollidiot, der je regierte.
Der berühmte international bekannte Epidemiologe Prof Larry Brilliant warnt seit 2006 dringlich vor genau so etwas wie Corona und erklärt eindrücklich weshalb der Sars-CoV-2 in den USA weit effektiver tötet als in allen anderen Nationen.

[……] SPIEGEL: Inzwischen ist die offizielle Zahl der Neuinfektionen in China drastisch gesunken, während in Nordamerika die Pandemie weiter wütet. Warum sind die USA so stark betroffen?
Brilliant: Aufgrund von Inkompetenz. Die US-Regierung hat zu Beginn der Pandemie sechs Wochen lang kostbare Zeit verschenkt, weil sie nicht genügend Tests zur Verfügung stellte. Die Seuchenschutzbehörde hat wirklich versagt. Wir haben hier – ob versehentlich oder durch Absicht – viele Corona-Fälle erst gar nicht entdeckt. Das führte dazu, dass Ärzte ihre Patienten nicht vernünftig behandeln konnten und auch die Kontaktpersonen von Infizierten nicht aufgespürt wurden, um die Verbreitung einzudämmen. Je später man in eine Pandemie eingreift, umso schlechter.
"Wir brauchen zuverlässige, kostenlose Tests, für alle, die einen benötigen. Dann kann man jedes Land wieder öffnen."
SPIEGEL: US-Präsident Donald Trump wird für seinen Umgang mit der Seuche zu Recht scharf kritisiert. Aber wäre nicht jede US-Regierung mit einer Krise dieser Größenordnung überfordert gewesen?
Brilliant: Ich bin kein Republikaner, würde aber sagen, dass George W. Bush hervorragende Arbeit in der Vorbereitung einer solchen Katastrophe geleistet hat. Er ließ Pandemiepläne erarbeiten, er hat auch einen Ausschuss ins Leben gerufen, der den Präsidenten in Fragen von Biowaffen und Biosicherheit berät, und den ich eine Zeit lang leitete. Bushs Nachfolger Barack Obama schuf den Job eines nationalen Ebola-Beauftragten und stellte der Seuchenschutzbehörde mehr Mittel zur Verfügung. Trump dagegen hat sich für all das nicht interessiert. Er hat nichts von dem gelesen, was ihm seine Vorgänger hinterließen. Er hat viele der Instrumente und Mechanismen zurückgefahren, die uns gegen eine Pandemie schützen sollten. […..]

ODER, wie Trump es ausdrückte:

[…..] REPORTER: Mr. President, the other day you said that you were not responsible for the testing shortfall. Very simple question; does the buck stop with you? And on a scale of 1 to 10, how would you rate your response to this crisis?
PRESIDENT DONALD J. TRUMP: I'd rate it a 10. I think we've done a great job. And it started with the fact that we kept a very highly infected country, despite all of the--even the professionals saying no, it's too early to do that, we were very, very early with respect to China. And we would have a whole different situation in this country if we didn't do that. I would rate it a very, very--I would rate ourselves and--and the professionals--I think the professionals have done a fantastic job.
[….]


Wir wissen inzwischen alle sehr genau was passiert, wenn der gemeingefährliche Soziopath im Weißen Haus etwas so unfassbar Dummes und Bösartiges von sich gibt, daß man erschöpft jeden Kubikmillimeter Atemluft aus den Lungen stößt, zurücksinkt und ächzend seufzt: Nun hat er aber wirklich das allerunterste Tiefgeschoss der Hölle erreicht, rock bottom, schlimmer kann es einfach nicht mehr werden:
Er unterbietet sich noch einmal selbst.

[…..] Donald Trump hat es wieder einmal geschafft. Wenn man sich überlegt, was das Absurdeste wäre, das er tun oder sagen könnte, und dabei wirklich übertreibt, gelingt es ihm trotzdem fast immer, noch einen draufzulegen. Am Dienstag ist er nach Arizona geflogen, um eine Maskenfabrik zu besichtigen. In dieser Fabrik hingen überall Schilder, die auf die unbedingte Maskenpflicht hinwiesen. Trump trug natürlich keine Maske. Obwohl er vorher gesagt hatte, er werde eine tragen, falls es sich um eine "Maskenumgebung" handele.
Er nutzte den Besuch dann in erster Linie, um seine politischen Gegner zu beschimpfen. Der Höhepunkt des Bizarren aber war erst erreicht, als während seiner Begehung der Fabrik das Lied "Live and let die" aus den Lautsprechern ertönte, übersetzt: "Leben und sterben lassen". Zugegeben, Trump hatte vermutlich keinen Einfluss auf die Musik, aber die Szenerie war jetzt erst perfekt: Trump tigerte maskenlos und schimpfend durch die Fabrik, während der Soundtrack seines Krisenmanagements erklang. Es war surreal.
Mit normalen Maßstäben war diese Präsidentschaft noch nie zu fassen. Doch in der Corona-Krise ist sie vollends in eine andere Dimension eingetreten. Es ist eine Sache, in relativ ruhigen Zeiten einen pathologisch narzisstischen, streitsüchtigen, einfältigen und im Grunde zutiefst unsicheren Mann an der Spitze der Vereinigten Staaten von Amerika zu wissen. Es ist eine vollkommen andere Sache, diesen Mann in der bisher größten Krise des Jahrhunderts am Werk zu sehen. […..] Wenn man sich überlegt, wie das schlechteste Krisenmanagement aussehen könnte und dabei wirklich übertreibt - Donald Trump ist es auch in diesem Fall gelungen, noch einen draufzulegen. An der Spitze Amerikas steht in der schwierigsten Zeit der schlechteste Präsident. […..]

Werfen wir noch mal einen Blick auf die neuesten Zahlen.


1,3 Millionen infizierte US-Bürger und gut 76.000 Tote.
Man rechnet weiterhin mit täglich etwa 3.000 Toten. Durch Trumps Inkompetenz sterben also alle 24 Stunden so viele US-Amerikaner wie am 11.September 2001. Die Wirtschaft befindet sich im freien Fall, weit über 30 Millionen Amerikaner haben sich arbeitslos gemeldet; viele von ihnen verlieren ihre Krankenversicherung und ihr Obdach.


Müsste nun nicht endlich der Turning Point erreicht sein, an dem auch die 62 Millionen Trump-Wähler und FOX-News erkennen, daß IQ45 völlig unabhängig vom Unterhaltungsfaktor eine enorme Bedrohung für die Staaten darstellt und auch keinen Fall wiedergewählt werden darf?


Muss dieser Typ die Wahlen am 03.11.2020 nicht haushoch verlieren?
Au contraire, mon cher, nein, er hat nach wie vor gute Chancen auf eine zweite Amtszeit, weil weite Teile Amerikas vollkommen von Fakten entkoppelt sind, immer noch nicht glauben, daß Corona überhaupt existiert und so von ihrem blanken Hass auf andere Amerikaner zerfressen sind, daß sie den debilen Orang immer noch anbeten.

[…..] Die jüngste Umfrage des angesehenen Gallup-Instituts sieht Trump wieder im Aufwind. 49 Prozent der Befragten sind mit dem Präsidenten zufrieden, 47 Prozent sind unzufrieden. Zur vorherigen Umfrage von Mitte April ist das eine Verbesserung um sechs Prozentpunkte.
Ein Trump-Triumph bei der Wahl ist also durchaus noch möglich. Eine ähnliche Dynamik könnte Trump bei der wirtschaftlichen Entwicklung helfen. Wenn die nun geplanten Lockerungsmaßnahmen in einigen Bundesstaaten bis zum November zu einer leichten Verbesserung am Arbeitsmarkt führen, könnte Trump für sich in Anspruch nehmen, dass er es war, der den "Turnaround" geschafft hat. Sein wichtigstes Argument für die Wiederwahl wäre dann, dass nur unter seiner Führung eine weitere wirtschaftliche Genesung möglich sei. Am Ende könnte eine überraschend deutliche Mehrheit der Amerikaner so tatsächlich für ihn stimmen. […..]

Die bisher angerichtete Katastrophe reicht offenbar immer noch nicht aus.
Es muss wohl wirklich erst Millionen Tote geben und eine ökonomisch vollkommen zerstörte Nation bis auch die gehirngelähmten FOX-Viewer verstehen, welche biblische Plage IQ45 ist.


Mittwoch, 6. Mai 2020

Prioritäten


Morgen früh gehe ich zum Friseur. Nach zehn Wochen das erste mal wieder.
Lebensnotwendig ist das nicht, nein. Ich mag Haareschneiden sowieso gar nicht, weil ich als Sozialphobiker leide, wenn man mir so nahe kommt und an mir rumfummelt.
Andererseits bin ich nach zweieinhalb Monaten wirklich fällig und doch eitel genug, um nicht mit dem Jetzt-Zustand länger rumlaufen zu wollen.
Der wichtigste Grund ist aber, daß ich die Inhaberin als schon länger kenne und sie mir als Kleinunternehmerin mit drastischen Existenzsorgen sehr Leid tut. Da trage ich gern zu ihrem Umsatz bei. Normalerweise bin ich kein finanziell attraktiver Kunde, da ich nur selten hingehe, einen billigen Herrentrockenschnitt bekomme und lediglich noch ein veganes Shampoo kaufe.
Aufgrund der neuen behördlichen Auflagen wird es morgen etwas teurer, weil jedem Kunden vorher die Haare gewaschen werden müssen. Den zusätzlichen Umsatz gönne ich ihnen von Herzen.

Unter epidemiologischer Perspektive sind Friseursalons trotz Handschuhen, Masken, Haare waschen und ständiger Arbeitsplatzdesinfektion nicht ideal, weil die nicht medizinischen Stoffmasken keinen absoluten Schutz bieten.
Wenn sich ein Covid19-Vollbild-Kunde unter seiner verkeimten T-Shirt-Maske durch den Laden niest, kriegen wir es alle.
Andererseits sind kürzere Haare und geschorene Bärte ohnehin ein hygienischer Fortschritt im Kampf gegen den Sars-CoV-2.
Der Beschluss ab dieser Woche unter Auflagen den Friseurbetrieb wieder aufzunehmen, ist also zu rechtfertigen. Auch weil der Wirtschaftskreislauf wieder in Gang kommt, knapp 150.000 sozialversicherungspflichtig Angestellte wieder Geld verdienen können.
Nach irgendwelchen Kriterien muss man ja entscheiden welche Teile der deutschen Ökonomie nach den essentiellen Branchen (Lebensmittel, Apotheken) peu à peu wieder gelockert werden.

[…..] Lockerung auf eigenes Risiko
[…..] Die Länder treiben die Öffnung voran, die Kanzlerin lässt sie weitgehend gewähren. Allerdings übernehmen die Ministerpräsidenten damit auch die Verantwortung, wenn es schiefgeht. […..]
Reihenweise hatten zahlreiche Ministerpräsidenten in den vergangenen Tagen im Alleingang für ihre Bundesländer Lockerungen verkündet, Fahrpläne für den Weg in eine neue Normalität mit Corona beschrieben, Perspektiven aufgezeigt, einen Bayern-Plan präsentiert. Umfang und Eile der Alleingänge wirkten wie ein Aufstand gegen Angela Merkels Politik der Behutsamkeit, für die sie noch vor einer Woche geworben hatte. Die Kanzlerin wollte Schritt für Schritt vorgehen, immer wieder abwarten, welche Folgen einzelne Lockerungen auf die Infektionszahlen haben würden.
Die meisten Ministerpräsidenten wollten das nicht. Nicht mehr.
[…..] Vieles geht jetzt schneller und nach dem Willen der Länder. Von der Kinderbetreuung bis zur Gastronomie, alles wird jetzt in den Landeshauptstädten geregelt. Andererseits übernehmen die Länder damit auch die Verantwortung, "eine große Verantwortung", wie Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) fast ein bisschen ehrfürchtig sagt. […..]

 Der von seinen Karriere-Ambitionen gejagte NRW-MP Laschet geht besonders forsch heran, um sich als Erfüllungsgehilfe der Wirtschaftslobbyisten zu profilieren.
Ausgerechnet die hygienischen Infernos der Muskelbuden lässt er wieder eröffnen.

Die Umfragewerte der CDU erreichen derzeit Rekordhöhen. Bundesweit um die 40% und viele CDU-MPs könnten bei Landtagswahlen nach heutigem Stand die absolute Mehrheit erreichen.
Im diametral entgegengesetzten Maß dazu debakulieren die CDU-Bundesminister umso mehr. Karliczek, Scheuer und Seehofer sind weitgehend abgetaucht. Spahn springt von Fettnapf zu Fettnapf, blamierte sich erst bei der Maskenbeschaffung, scheiterte dann an der Tracking-App und musste gestern nach bundesweitem Entsetzen seine Schnapsidee von den Immunitätsausweisen begraben.

Einen drauf setzte die deutsche Kriegsministerin Annegret Nero-Karrenbauer, die in der Kakophonie der C-Minister dafür plädiert die volkswirtschaftlich irrelevanten Seuchenherde Gottesdienst wieder aufzunehmen.

[…..] AKK: Gottesdienste „regelmäßig und häufig“ besuchen
Wie systemrelevant ist der Tod? Darüber haben die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Jesuitenpater Klaus Mertes im Podcast „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen diskutiert. Für die Politikerin ist der Glaube an Gott in dieser Zeit besonders tröstend.
(…)  Sie forderte dazu auf, Kirchen „regelmäßig und häufig“ zu besuchen. Auch Pater Mertes sagte: „Die Politik kann uns nicht vor allen Lebensrisiken schützen. Das kann nur der liebe Gott.“ [….]

Die fromme Homophobe aus dem Saarland und der Geront im Kleid erklärten allerdings nicht näher wie Gottes Schutz für das Lebensrisiko Covid19 für die bis zum heutigen Tag 263.376 an Corona Gestorbenen funktioniert hat.
Millionen trauernde Angehörige dürften von Gottes Schutz-Performance weniger beeindruckt sein.

Dienstag, 5. Mai 2020

Bedauern überwiegt.


Johannes Kahrs, 56, SPD-Urgestein, Seeheimer-Boss, Strippenzieher und mächtiger Haushaltspolitiker ist vielleicht der schillerndste Abgeordnete des Bundestags.
Zufällig ist er auch zweifach mein Abgeordneter; ich lebe in dem Bundestagswahlkreis, den er in Berlin vertritt und bin außerdem auch noch seit Jahrzehnten SPD-Mitglied, so daß ich Kahrs schon sehr sehr lange auf kommunaler Ebene hautnah erlebe. Er ist Kreisvorsitzender in Hamburg-Mitte.

Rückblick:
(……) Es ist wohlfeil über Eitelkeiten und Geltungsbewußtsein von Politikern zu klagen.
Menschen mit sympathischen Eigenschaften wie Zurückhaltung, Bescheidenheit, Altruismus, Introvertiertheit, Kontemplation und Besonnenheit werden gar nicht erst Spitzenpolitiker, weil man sich mit so einem Rüstzeug nicht auf der Ochsentour nach Oben durchsetzen kann.
Ja, genau. Das System ist schuld. Und natürlich der Urnenpöbel, der solche unerschütterlichen Typen mit genügend Selbstbewußtsein für eine ganze Stadt offensichtlich so toll findet, daß er sie immer wieder wählt.

Ein solcher Mann mit sehr breitem Kreuz und der unerschütterlichen Überzeugung selbst der beste zu sein, ist mein direkter Vertreter im Parlament.

Es fällt mir immer noch schwer ein Urteil über meinen Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs aus Hamburg-Mitte zu fällen.

Kahrs, 51, Oberst der Reserve, Rechtsanwalt dürfte bundesweit vor allem durch seine Rolle als Sprecher des Seeheimer Kreises bekannt geworden sein.
Der Sohn zweier sozialdemokratischer Senatoren in Bremen, saß zunächst ab 1993 fünf Jahre in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, bevor er 1998 in rabiater Weise einen meiner absoluten Lieblingspolitiker, nämlich den Bundestagsabgeordneten von Hamburg-Mitte, Freimut Duve verdrängte.
Duve war einer dieser Ausnahmepolitiker, der 100% integer und frei von Eitelkeit agierte. Hochgebildet und bescheiden zugleich, gehörte er zu der kleinen Gruppe Parlamentarier, die ihre komplette Steuererklärung veröffentlichten, Diäten spendete und sich stets für die Schwächsten einsetzte.
Ich war sehr wütend, als ich Kahrs vor die Nase gesetzt bekam, zumal Duve 1998 sehr gern weiter gemacht hätte!
Aber, das muß man zugeben; Kahrs sitzt fest im Sattel. Er wurde seit 17 Jahren immer wieder direkt und mit Hamburger Rekordergebnis in den Bundestag geschickt.

Warum sollte ich unzufrieden sein?

In solchen Fällen hilft eine stichwortige Pro- und Contra-Liste (….)
WEITERLESEN: (Komplexe Persönlichkeit, 31.01.2015)

Man kann in epischer Breite seine schlechten Seiten aufzählen. Kahrs ist sicher nicht zimperlich, nutzt jeden Trick und soll Gerüchten zu Folge vor keiner Gemeinheit zurück schrecken.
Andererseits ist er aber auch ein Naturtalent. Kaum einer kann so druckreif und eindrucksvoll ohne Manuskript reden, niemand ist so mutig und legt sich im Dienst der Sache mit der Konkurrenz an.
Und Kahrs ist effektiv für seinen Wahlkreis. Immer wieder schaffte er es große Summen Bundesmittel für Hamburg locker zu machen und beteiligte seine Schäfchen an der Basis vorbildlich. Ich kenne keinen so fleißigen Abgeordneten, der im Wahlkreis so präsent ist, Myriaden Hausbesuche – zu denen er selbstgebackenen Kuchen mitbringt – absolviert hat und unablässig Busladungen voller interessierter Hamburger nach Berlin karren lässt, um ihnen zu zeigen wie der Bundestag arbeitet.

Weniger informierte Linke neigen dazu Kahrs übergroße Nähe zur Union zu attestieren, weil sie „die Seeheimer“ generell für „rechts“ halten.
Nichts könnte falscher sein.
Johannes Kahrs ist im Bundestag als härtester Kritiker Merkels bekannt und schleuderte ihr am Rednerpult des Bundestags nach der Einführung der „Ehe für alle“, die Merkel bekanntlich immer ablehnte, wütend ein „Danke für nichts“ entgegen.


Zudem ist Kahrs einer der ganz wenigen Volksvertreter, der so offensiv die AfD angreift, daß die wirklich getroffen aufjaulen.


So sehr, daß sie schon heulend aus dem Bundestag gingen, wenn sie vom Seeheimer-Boss eins übergebraten bekamen.


Johannes Kahrs, 22 Jahre Bundestagsabgeordneter, von 1998 bis 2020 immer mit hervorragenden Ergebnissen direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages, Sprecher der Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss warf heute überraschend alles hin. Keinen Bock mehr?

Ich bin irritiert. Angeblich schlug er schon oft Regierungsämter aus, weil er gar nicht so gierig drauf ist im Rampenlicht zu stehen, sondern es lieber genießt der mächtige Strippenzieher hinter den Kulissen zu sein.
Öffentlich pflegte er dann zu sagen, daß er ohne ein Regierungsamt viel offener sprechen könne und ohne weitere Karriereabsichten nicht erpressbar wäre. Das genieße er, so könne er frei nach Schnauze reden.
Nun heißt es, werfe er hin, weil die SPD Eva Högl als neue Wehrbeauftragte durchsetzte, obwohl Kahrs seit Monaten darauf hinarbeitete Herrn Bartels abzulösen.

[…..] „Ich wollte einen Neuanfang in der Politik. Da mir die Bundeswehr sehr am Herzen liegt, als Oberst der Reserve, ehemaliges Mitglied im Verteidigungsausschuss oder als langjähriger Berichterstatter für das Verteidigungsministerium im Haushaltsausschuss, hätte ich gerne für das Amt des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages kandidiert“, so Kahrs.
„Für das Amt des Wehrbeauftragten bewirbt man sich nicht, man wird vorgeschlagen. Der Fraktionsvorsitzende hat Eva Högl vorgeschlagen. Ich akzeptiere dies und wünsche ihr viel Erfolg“, sagt er. Nun suche er außerhalb der Politik einen Neuanfang – und tritt noch am Dienstag von seinem Mandat und allen politischen Ämtern zurück.
Johannes Kahrs wünscht der SPD Glück und Erfolg
„Ich danke all meinen Weggefährten, meinen Freunden und politischen Begleitern vieler Jahre. Ich bin meiner Partei zutiefst verbunden und wünsche ihr von ganzem Herzen Glück und Erfolg", sagt er. […..]

Kann das sein?
Kahrs gilt als uneitel und unkaputtbar. So einer soll so angefasst sein, daß er den Lafo macht?
Insofern passt es einfach nicht, daß er aus Gram um einen Posten alles hinwirft.

Die Causa Bartels/Högl ist ohnehin undurchsichtig.

Offiziell heißt es, die SPD-Bundestagsfraktion habe Högl statt Kahrs vorgeschlagen, da sich CDU und CSU kategorisch geweigert hätten Kahrs auf dem Posten zu akzeptieren.
Das ist möglich; wie wir gesehen haben, ist Kahrs nicht zimperlich mit der Union und zudem ist Bundeswehr sein Fachgebiet.

Anderseits ist unklar, wieso Bartels überhaupt abgelöst wurde. Die Soldaten vertrauten ihm und er wollte gern weitermachen.
Eva Högl ist zwar kompetent und durchsetzungsfähig, aber doch in dem Politikfeld fremd. Was soll also diese Personalrochade?

[…..] Beim Wechsel im Amt des Wehrbeauftragten ist das Problem nicht die Nachfolgekandidatin selbst. Die Sozialdemokratin Eva Högl gilt als hochkompetente Expertin, allerdings nicht für das Militär, sondern für Justiz und innere Sicherheit. Wer im NSU-Untersuchungsausschuss erlebt hat, mit welcher Toughness und Energie sie auftrat, wenn wieder mal ein Polizeiführer insistierte, er habe doch alles richtig gemacht, nur halt leider nicht an Rechtsterroristen glauben wollen, der weiß: Diese SPD-Abgeordnete lässt sich von niemandem auf der Nase herumtanzen. Nicht sie ist eine falsche Wahl - die Wahl selbst ist falsch.
Der Amtsinhaber, Hans-Peter Bartels, ebenfalls Genosse, wäre gern geblieben, und es gab keinerlei Grund, ihn durch eine Person zu ersetzen, der die Materie völlig neu ist. Bartels hat über Jahre einen guten Job gemacht, kennt Fallstricke und Widersacher und nahm keine falschen Rücksichten, wenn sich Soldaten an ihn wandten, deren Anwalt im Bundestag er ist. Weder er noch die Bundeswehr jedoch haben für diese Personalie eine Rolle gespielt. […..]

In der Schlangengrube SPD-Fraktion ist etwas gründlich schief gelaufen.
Eigenartig, daß es nun mit Kahrs ein Opfer fordert, das selbst als Meister der Strippenzieher gilt.
Ich warte auf weitere Informationen.

Bis jetzt bedauere ich den Rückzug des Johannes Kahrs sehr. Er wird im Bundestag fehlen.