Montag, 9. September 2019

Grüne Arbeitsgruppe der CDU


Nach den beiden haushohen SPD-Wahlsiegen des Olaf Scholz von 48,4% am 20.02.2011 und den 45,6% am 15.02.2015 steht nun am 23.02.2020, also in absehbarer Zeit die nächste Bürgerschaftswahl an.
Die Grünen, die 2011 wegen der absoluten SPD-Mehrheit gar nicht gebraucht wurden und auch 2015 gerade eben so in die Regierung rutschten sind frustriert, weil die Hoffnung auf ein schwaches SPD-Ergebnis auch nach dem Abgang von „König Olaf“ in dem Maße schwindet, wie sein Nachfolger Peter Tschentscher an Statur gewinnt und schon jetzt der beliebteste Politiker Hamburgs ist.

Noch einmal Rotgrün möchten die Elbgrünen, die ehemals sehr linke „GAL“ und nun zum Appendix der Law-and-Order-CDU verkommenen Oliven, aber unbedingt verhindern.
Bei jeder Gelegenheit setzten sie sich von linker und sozialer Politik ab, flirten mit den Schwarzen, mit denen die Topgrünen Fegebank und Steffen schon vor 2011 unter dem Rechtsaußen-CDU-Bürgermeister Ahlhaus gern Abschiebungen durchführten, Brechmittel mit Todesfolge einsetzten, den sozialen Wohnungsbau komplett einstellten, die größte CO2-Drecksschleuder Europas genehmigten, so viele Straßenbäume abholzten wie nie zuvor und die CDU-Privatisierungen mittrugen.

Und auch heute zeigen die Hamburger Grünen, wie wenig sie von sozialer Politik halten, setzen sich für die Starken ein und sind ganz und gar nicht gewillt in irgendeiner auch nur entfernt ökologischen oder linken Weise Position zu beziehen.

Die Hamburger Grünen sind so eine Art Political Action Committee (PAC) der CDU.

Die Fegebank-Grünen verbinden aber nicht nur inhaltliche Übereinstimmungen und Abneigung gegen Sozialpolitik mit der CDU; nein, sie übernehmen auch den Habitus der Schwarzen, indem sie Posten und Privilegien über politische Inhalte stellen.

Unglaublich, aber wahr, die Grünen haben soeben im linkesten Hamburger Bezirk Eimsbüttel die rotgrüne Koalition aufgekündigt und springen mitten in der Amtsperiode des SPD-Bezirksamtsleiters Kay Gätgens in das Bett der CDU.
Darüber hinaus ignorieren sie auch noch demokratische Regeln und setzten eine der ihren ohne Ausschreibung per order die mufti auf den Posten. Katja Husen, Geschäftsführerin des Zentrums für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Eppendorf hat keine Verwaltungserfahrung, ist keine aktive Politikerin, aber Regierungskompetenz schadet ohnehin nur beim Projekt Grün-Schwarz.

[…..] Die SPD Eimsbüttel ist verstimmt. „Der künftigen Koalition geht es einzig um den Austausch der Bezirksamtsleitung und nicht um die allseits anerkannte fachliche Kompetenz, die Kay Gätgens mitbringt", sagt Gabor Gottlieb, Fraktionsvorsitzender der SPD. Und weiter: „In der Vergangenheit war es Konsens aller Fraktionen, die Bezirksamtsleitung öffentlich auszuschreiben. Dass die neue Koalition dieses transparente Verfahren gleich zu Beginn aufgibt, zeigt einen neuen politischen Stil.“
Der grüne Fraktionschef Ali Mir Agha kontert, dass eine öffentliche Ausschreibung rechtlich gar nicht möglich sei, da die Amtszeit von Kay Gätgens noch läuft. So bliebe nur die Möglichkeit eines konstruktiven Misstrauensvotums, um die Bezirksamtsleitung auszutauschen. […..]

Das Zeichen an den wahlkämpfenden Bürgermeister Tschentscher und die Wähler ist wenige Monate vor der Bürgerschaftswahl überdeutlich:
 Wir wollen Oliv-Grün! Unser Herz hängt an der CDU.

[….] Die Hamburger Grünen sind so dermaßen rechts, daß sie auch heute ohne Not und vor allem ohne Sinn – denn die Hanseaten-CDU ist so schwach, daß es niemals zu einer Grünschwarzen Regierung reichen kann – in die Arme der Schwarzen zurück wollen.
Die Grüne zweite Bürgermeisterin Fegebank scheut ökologische oder gar soziale Festlegungen wie der Teufel das Weihwasser. Sie schielt nur auf die CDU-Parteizentrale. Dort möchte sie gemocht werden und so wechselt mitten in der Legislatur ausgerechnet die Grüne Fraktion aus Hamburg-Eimsbüttel, 265.000 Einwohner, des linksalternativsten Bezirks Hamburgs von Rot-Grün zu Schwarz-Grün.

[….]  Am Ende geht's nur um Macht Hamburg: Das verlogene Liebesspiel von CDU und Grünen
So schnell können aus politischen Feinden also Partner werden. Jahrelang hat Eimsbüttels CDU gegen das rot-grüne Bezirksbündnis gewettert, dabei vor allem die Verkehrspolitik kritisiert. Und jetzt? Wollen beide Parteien zusammen ein neues Bündnis schmieden, angeblich wegen der großen Überschneidungen in Verkehrsfragen. Ein Paradebeispiel für verlogene Machtpolitik. [….]

Der Grüne Justizsenator Steffen, der auch schon unter CDU-Bürgermeistern Justizsenator war, erklärt, er fühle sich der CDU näher als der SPD. „In den ausführlichen Gsprächen hat sich gezeigt, dass die Erarbeitung von Leitlinien für künftige Planungen die Menschen und der Natur den nötigen Raum zu geben, mit der CDU besser möglich ist.“
Ja klar. [….]

Erstaunlicherweise wird der scharfe Rechtsdrall der Hamburger Grünen kaum bemerkt und kaum kritisiert. Die Umfrageergebnisse liegen über 20%.

Wir kennen das aus den sehr CDU-affinen Realo-Landesverbänden in BW, Hessen und dem Saarland. Dort schadete der schwarzgrüne Kurs auch nicht; im Gegenteil, die Bürger mögen es. Schließlich haben die Anhänger der Grünen inzwischen das höchste Monatseinkommen, wohnen in Vororten, fahren SUV und machen gern und viele Flugreisen.

[…..]  Die Grünen sind einmal angetreten als Partei der Basisdemokratie. Mit Machtspielen und Parteien-Filz gingen sie hart ins Gericht. Und nun? Zeigen sie in Eimsbüttel, dass es ihnen nicht um das Wohl des Bezirks geht, sondern nur um die Macht. Der von ihnen mitgewählte Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD) soll im Oktober in einer Kampfabstimmung abgewählt werden. Bei ihm handelt es sich um einen erfahrenen Verwaltungsexperten. Stattdessen wollen die Grünen zusammen mit der CDU ohne Ausschreibung mit Katja Husen eine grüne Klinik-Geschäftsführerin ins Amt hieven. Sie sei eine „Idealkandidatin“, eine „engagierte grüne Frau“, jubeln die Grünen. Nein! Kungelei ist das. Politik zum Abgewöhnen. [….]
(HH Mopo, 07.09.2019)

Sonntag, 8. September 2019

Grundfähigkeiten.


Befragt nach der Hamburger Politik spottete der altersweise Helmut Schmidt einst, der Bürgermeister solle weniger Politiker und mehr Verwalter sein.

Und wie das so ist mit Schmidt, wenn er etwas Provozierendes raushaut; in 99,9% der Fälle hat er völlig Recht.
In der Tat erfordert deutsche Kommunalpolitik weniger politische Visionen und Strategien, als ordentliche Verwaltung.
Der Chef eines Stadtstaats sitzt zwar auch im Bundesrat und nimmt dadurch Einfluss auf die Bundespolitik, aber das Arbeitsfeld ist nicht zu vergleichen mit Geopolitik, wie sie im Bundeskanzleramt gemacht werden sollten.
Man ist zufrieden mit dem Bürgermeister, wenn alles funktioniert.
Die Senate leiden allerdings darunter, daß pünktliche Müllabfuhr, saubere Gehwege oder ein intaktes Abwassernetzgar nicht bemerkt werden, obwohl sie teuer sind.
Erst wenn etwas Selbstverständliches Ausfallerscheinungen bekommt, wird es dem Bürger bewußt.
Zu wenige Wohnungen werden in Hamburg als Riesenproblem betrachtet.
Kaputtgesparte Brücken, die jetzt alle umständlich gleichzeitig saniert werden, nerven ganz erheblich.

Aber in der Zeit der CDU-Regierung von 2001-2011 (erst mit Schill und der FDP, dann solo und schließlich mit den Grünen) sonnte sich Beust in enormen Beliebtheitswerten. Niemand störte es, daß in der Dekade der soziale Wohnungsbau vollkommen eingestellt und keine öffentlichen Bauten instand gehalten wurden.
Die schwarzen Bürgermeister Beust und Ahlhaus waren extrem schlechte Verwalter, die mit ihren Privatisierungsorgien und der Landesbankpolitik gewaltige zweistellige Milliardenlöcher rissen, unter denen wir noch Jahrzehnte leiden werden.
Schlechte Verwaltung wird allerdings erst mit einigen Jahren Verzögerung sichtbar. So hielten die Hamburger Beust für einen guten Politiker, wählten ihn immer wieder, obwohl er ganz mies verwaltete, sich nie um Bauvorhaben kümmerte.
 Auszubaden haben es die folgenden Sozi-Regierungen Scholz und Tschentscher, die nun darunter leiden die Verwaltungsversäumnisse aufräumen zu müssen.
Sie sind dabei enorm erfolgreich; Hamburg boomt, wächst und gedeiht mehr als alle anderen deutschen Städte, aber die Bürger sind genervt von den allgegenwärtigen Dauerbaustellen.

Als Senator, Kämmerer oder auch Minister muss man in der Tat nicht zwingend berufliche Erfahrungen in dem Fachgebiet haben. Es schadet natürlich nichts und es verwirrt die Wähler, wenn Politiker Ressort-Hopping betreiben.
So landen dann Karliczek, Gröhe, Seehofer, AKK oder Altmaier plötzlich als Chefs in Ministerien, mit dessen Themen sie sich nie vorher beschäftigt haben.
Wenige Politiker sind solche Allround-Genies (es tut mir leid schon wieder den ehemaligen Finanz- Wirtschafts-, Innen- und Verteidigungsfachmann Helmut Schmidt zu nennen), daß sie fast alles können.
Man kann sich aber durchaus in ein Thema hineinarbeiten.
Unser Bürgermeister Peter Tschentscher ist habilitierter Mediziner, war klinischer Chemiker, Oberarzt am UKE zuständig für Laboratoriumsmedizin, Innere Medizin, Transfusionsmedizin und Medizinische Mikrobiologie, bevor er sich als Politiker den Finanzen verschrieb und sich als Finanzsenator von 2011 bis 2018 bundesweit Reputation in dieser Disziplin erwarb.

Bürgermeister zu sein verlangt aber andere Fähigkeiten, in die sich Tschentscher hineinarbeitete.

Die Fachministerien auf Bundesebene sind politischer und erfordern weniger Durchsetzungsfähigkeit als Verwalter, weil es einen großen Beamtenapparat mit möglichst kompetenten Abteilungsleitern und Staatssekretären gibt.
Problematisch wird es aber in den Fällen, wenn eine Fachfremde wie Ursula von der Leyen an die Spitze gesetzt wird und sich sogleich daran macht den eigenen Apparat zu zerstören, wahllos Mitarbeiter feuert und durch ebenfalls unerfahrene externe Berater ersetzt. Dann entsteht ein Kompetenz- und Führungsvakuum, das zu den gegenwärtigen Zuständen führt: Rechtsradikale Sümpfe in den Kasernen, Gewehre, die nicht schießen, neue Stiefel gibt es erst im Jahr 2021 wieder und die Großgeräte sind ohnehin alle kaputt.
Anders gelagert ist der Fall Seehofer, der noch nicht mal Abitur hat, nun aber als Verfassungsminister so eine Art oberster Jurist sein soll, keinerlei Erfahrung mit Bau hat und zudem auch noch ungeheuer faul ist, so daß ihm die verzweifelten Staatssekretäre kaum etwas vorlegen können, da er ohnehin so selten im Ministerium ist.

Es hilft natürlich, wenn der Fachminister nicht nur ansatzweise sein Fachgebiet beherrscht, sondern auch schon mal in einer Verwaltung gearbeitet hat, so daß er sich zumindest vorstellen kann, wie so ein großer Beamtenapparat funktioniert.

Der größte anzunehmende Unfall in dieser Hinsicht ist selbstverständlich Trump, der nicht nur borniert, faul und ein gefährlicher Irrer ist, sondern der auch noch aus einer Celebrity-Fake-Welt kommt, die in jeder Hinsicht das Gegenteil von Real- und Weltpolitik ist.
Alle fähigen Zuarbeiter und Berater haben inzwischen das Weite gesucht, aber selbst die debilen Trump-Jünger, die jetzt noch an seiner Seite stehen, verzweifeln offenbar zunehmend.

[…..] President Donald Trump's aides and confidants are growing more and more worried about his mental state after days of erratic behavior, wild outbursts, and bizarre fixations.
"No one knows what to expect from him anymore," one former White House official, who spoke on the condition of anonymity to discuss internal conversations about the president, told Insider.
They added: "His mood changes from one minute to the next based on some headline or tweet, and the next thing you know his entire schedule gets tossed out the window because he's losing his s---."
Sources told Insider the president's advisers are particularly worried about his stubborn refusal to acknowledge that a tweet he sent over the weekend claiming that Alabama was going to be hit by Hurricane Dorian was false. They believe that his frustration is compounded by stress about the 2020 election and the economy's recent downturn.
"People are used to the president saying things that aren't true, but this Alabama stuff is another story," the former official said. "This was the president sending out patently false information about a national-emergency situation as it was unfolding." [….]

Leider sitzt Trump an wahrlich keiner unbedeutenden Stelle, sondern verfügt über reale gewaltige Macht.

Verglichen damit kann man froh sein, daß Deutschlands schlechteste Minister Karliczek und Scheuer zwar bedauerlicherweise weder Fachkompetenz noch Verwaltungsfähigkeiten haben, aber eben auch nur Deutschland damit schaden und nicht die Welt in Brand setzen können.

Grundsätzlich können CSU-Bundesminister keine verfassungsgemäßen Gesetze auf den Weg bringen; alles muss von den Gerichten kassiert werden.
Aber dabei richten sie wie zum Beispiel bei der sinnlosen Anti-Ausländermaut, von der seit zehn Jahren jeder Schüler wußte, daß sie illegal wäre, Milliardenschäden zu Ungunsten der Steuerzahler an.

Andreas Scheuer verhält sich dabei im Ministerium offenbar wie ein Trump für Arme, wütet erratisch in seinem Büro vor sich hin, während sich besorgte Ministeriale fragen, wie man den Spinner von seinen größten Schnapsideen abbringen kann. So führte die kindische E-Scooter Begeisterung Scheuers zu inzwischen Dutzenden schweren Schädel-Hirn-Verletzungen, weil die Regeln zu lasch sind.

[….] Ist Verkehrsminister Scheuer ein Draufgänger, der Expertisen der eigenen Behörden schlicht ignoriert? Ein Berater des Ministeriums schildert die Stimmung als angespannt: ganz oben ein launischer Chef, der schnelle Effekte und Erfolge will – weiter unten verzweifelte Experten auf den Fachebenen, die "nur noch versuchen, das Schlimmste zu verhindern". Hätte Scheuer sich durchgesetzt, dürften Scooter auch auf Gehwegen fahren. Auf sein Geheiß hatten die Beamten im ersten Entwurf der Verordnung außerdem den Testbetrieb sogenannter Hoverboards erlaubt, eine Art Brett mit zwei seitlich angebrachten Rädern und Motor. Hundsgefährlich, wie Scheuers Leute befanden. Das rief die Verkehrsminister der Bundesländer auf den Plan. Es ging hin und her. Nachdem die ersten alarmierenden Berichte aus Polizei- und Unfallstationen eingegangen sind, ist das Vorhaben zunächst vom Tisch. […..]
(Der Spiegel, 07.09.2019)

Anja Karliczek kommt gar nicht so weit solchen Unsinn zu machen, da sie als Verwalterin so sagenhaft verblödet ist, daß selbst die wenigen Gesetze, die überhaupt aus ihrem Ministerium auf den Weg gebracht wurden, gar nicht umgesetzt werden. Es wird Geld angewiesen, bereitgestellt und als Sondervermögen geparkt. Weiter nichts. Der Bildungsstandort Deutschland tritt auf der Stelle. Der Bund gibt Milliarden aus, aber sie versickern im Verteidigungs-, Bau- oder Bildungsministerium, kommen nie in der Wirtschaft oder gar „bei den Menschen“ an.

[….] An Schnel­lig­keit man­gelt es auch bei der Ver­ga­be von Mit­teln an Schu­len. Mo­na­te dau­ert es, manch­mal Jah­re, bis das Geld des Bun­des an­kommt. [….]  Ein Bei­spiel ist das so­ge­nann­te Schul­sa­nie­rungs­pro­gramm. Der Bund hat es be­reits 2017 auf­ge­legt, um für neue Toi­let­ten, Trep­pen­häu­ser oder Iso­lier­fens­ter zu sor­gen. 3,5 Mil­li­ar­den sind vor­ge­se­hen. Ge­ra­de ein­mal 2,4 Mil­li­ar­den Euro sind ver­plant. Ge­baut wur­de noch we­ni­ger. Von 3780 vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men wur­den bis Ende März gan­ze 27 ab­ge­schlos­sen.
Ähn­lich könn­te es beim »Di­gi­tal­pakt Schu­le« lau­fen. Fünf Mil­li­ar­den Euro spen­diert der Bund, da­mit die Schu­len Lap­tops oder Ta­blets kau­fen und die Klas­sen­zim­mer ans In­ter­net an­schlie­ßen kön­nen. Mit­te Au­gust hat­ten erst 9 der 16 Bun­des­län­der die nö­ti­gen För­der­richt­li­ni­en ver­öf­fent­licht: In Ber­lin kön­nen von den 257 Mil­lio­nen Euro, die für das Pro­gramm zur Ver­fü­gung ste­hen, 2019 des­halb höchs­tens 38 Mil­lio­nen Euro ab­ge­ru­fen wer­den.

Be­son­ders trü­be ist die Bi­lanz bei der För­de­rung des so­zia­len Woh­nungs­baus. [….]
(Der Spiegel, 07.09.2019)

Diese Minister können es einfach nicht.
Man mag Olaf Scholz für dröge und charismafrei halten, aber daß er regieren und verwalten kann, ist angesichts der Unions-Pfeifen ein riesiger Vorteil.
Zum Glück haben die Bundesminister der C-Parteien keine Nukes.

Samstag, 7. September 2019

Festgelogen


Bei meiner deutschen Oma gab es zum Frühstück ein „Rundstück“; so nennt man Brötchen in Hamburg. Damals waren es natürlich noch durch Handarbeit hergestellte Backwaren, die so ausgezeichnet schmeckten, daß man sich immer darauf freute und keine aus China importieren Tiefkühlteiglinge, die kurz über eine industrielle Backstraße gewandert waren.
Frau Sommer, die Haushälterin hatte die Rundstücke schon in der Küche der Länge nach mit zwei sauberen Schnitten in drei Teile portioniert. Am Frühstückstisch hatten wir nämlich nur Buttermesser. Bei der Besteckverwendung herrschten strenge Regeln – „nie eine Kartoffel mit dem Messer schneiden!“
Der begehrteste Part des Rundstücks war das weiche Mittelstück. Das ich üblicherweise bekam, weil ich ein Kind und der Lieblingsenkel war. Meine Oma aß gern das obere Drittel, weil es leicht kross war.
Einige bevorzugten aber auch das kräftigere Unterteil.
Gern erzählte Oma die Geschichte eines glücklichen Ehepaars am Tag der goldenen Hochzeit. Die Frau hatte ihm jeden Tag das Mittelstück überlassen und nach einem halben Jahrhundert nahm er sich das Herz ihr zu gestehen, wie wenig er den wabbeligen Part mochte und er auch mal die knusprige Brötchenkruste haben wolle.
Die Frau fiel aus allen Wolken, weil sie die Kruste nicht ausstehen konnte und 50 Jahre aus Liebe zu ihm nur Ober- und Unterteil des Rundstücks gegessen hatte – in dem Glauben, er möge das Mittelteil am Liebsten.

Diese Geschichte gibt es in unzähligen Varianten.
Da ist die Ehefrau, die auf dem Sterbebett gesteht, wie sehr sie sich all die Jahrzehnte quälte ihrem geliebten Gatten freitags Fisch zu kochen, aber es aus Liebe zu ihm gern getan hätte. Er bricht weinend zusammen, weil er Fisch schon immer hasste, ihn all die Zeit nur aus Höflichkeit aß, in der Annahme, seine Frau koche den so gern.
Meine Großtante war Paartherapeutin und trug aus ihrer Praxis weitere Varianten dieser über Dekaden anhaltenden Missverständnisse aus dem Schlafzimmer bei, die ich hier aus Gründen des Taktes nicht aufschreiben kann.

Man kann sich aber mit etwas Phantasie ausdenken, wie aus Zuneigung, Unsicherheit und mit ein paar kleinen Lügen aus Höflichkeit die groteskesten Missverständnisse im Laufe eines Paar- oder Familienlebens entstehen.

Wenn jemand, den man sehr liebt den ganzen Tag in der Küche steht, sich große Mühe gibt und dann irgendetwas Scheußliches fabriziert, sagt man der Person natürlich üblicherweise nicht ins Gesicht, wenn es einem gar nicht schmeckt.

(Glücklicherweise kam ich nie in die Verlegenheit, weil ich Single bin. Als Jugendlicher hatte ich das Problem schon gar nicht, da meine Mutter eine sensationelle Köchin war, die besser abschmecken konnte als jeder andere. Noch heute staune ich bei einigen einfachen Rezepten, die ich genau kenne, daß ich nicht den besonderen Geschmack hinbekomme, den meine Mutter hineinzauberte. Möglicherweise spielt auch Psychologie eine kleine Rolle.)

Höflichkeitslügen gehören zu einem friedlichen Zusammenleben dazu.
Wenn der Arbeitskollege oder die Käseverkäuferin einen dicken Pickel auf der Stirn hat, deutet man nicht drauf und sagt „Ih, der Pickel ist aber ekelig!“, auch wenn man es natürlich denkt.
Man lobt die neue Frisur etwas überschwänglicher als notwendig, freut sich offensichtlich über einen eher langweiligen Blumenstrauß und übertreibt ein wenig die Talente des anderen.

Diese kleinen Alltagslügen sind absolut notwendig, sollten aber einigermaßen austariert bleiben. Man erlebt das bei Castingshows, wenn vollkommen talentlose Teenager ohne Rhythmusgefühl einer Jury vorsingen, der nach wenigen Takten die Ohren bluten. In der Regel sind in solchen Fällen die Eltern Schuld, die ihr Kind kontinuierlich so übertrieben lobten, daß es am Ende selbst glaubt ein Jahrhunderttalent zu sein.

Außerdem sind kleine Lügen hervorragend geeignet, um Geld zu verdienen. Die Boutique-Besitzerin lobt natürlich die Kundin in dem drei Nummern zu kleinen grotesken Kleid, das sie aussehen lässt wie eine Presswurst, wenn sie dringend Kleider verkaufen muss, um ihre Miete zu bezahlen.
Schönheitschirurgen preisten den natürlichen Look ihrer Patienten, wenn diese schon längst als Zombi-Memes durchs Internet kursieren.
Erste Grundregel für alle Prostituierten ist es dem Freier glaubhaft zu versichern, er habe einen wirklich außergewöhnlich großen Penis und wäre besser als alle anderen, die sie sonst im Bett habe.
Warum auch nicht; das gehört zu dem Geschäft dazu.

In längeren Beziehungen können sich die höflichen Lügen allerdings auch verselbstständigen bis am Ende niemand mehr weiß wie sie entstanden sind und alle nur noch leiden.
Das kann schwierig werden, da aus einigen kleinen Lügen in der Summe eine ganz große Lüge wurde. Man hat sich festgelogen und kommt nicht mehr los davon; jedenfalls nicht nach der langen Zeit.
Geht es nur um das Rundstück-Oberteil, kann man sich mit Humor befreien.
Aber was ist, wenn man nicht nur das Brötchen-Drittel in Wahrheit nicht mag, sondern eigentlich den Partner nicht ausstehen kann?
Wie erklärt man das? Erklärt das der Umwelt, den Kindern?

Monika Gruber sagt in einer ihrer Bühnenprogramme „jede Frau kommt in ihrem Leben zu dem Punkt, an dem man mit seinem Mann auf der Couch sitzt, zu ihm rüber blickt und plötzlich weiß ‚scheiße, ich bin mit einem Deppen verheiratet‘!“

Ich glaube der republikanischen Partei, oder zumindest den winzigen Rudimenten, die noch mit Restanstand behaftet sind, wird es mit Donald Trump ähnlich gegangen sein.
Klar, das war 2016 ein Windei, der ordentlich übertrieb, gelegentlich flunkerte, aber als er schließlich die anderen GOPer ausgestochen hatte, musste man ihn ja unterstützen. Es durfte ja nicht Hillary Clinton gewinnen. Als erste Amtshandlung kam zwar diese reichlich dicke Crowd-Size-Lüge, aber das war eben der Lackmustest, an dem sich zeigte, daß die Konservativen geschlossen zusammenstehen müssen, wenn die liberale Presse sich echauffiert.
Es ist ja schließlich der Anfang der Präsidentschaft, wir wollen endlich die Steuern für die Unternehmer senken und einen Rechten auf den vakanten Supreme-Court-Sitz setzen; da hält man Trump bei Laune und fällt ihm nicht gleich als Erstes in den Rücken.
OK; es ist nicht gerade elegant Kinder und Schwiegerkinder auf die Topppositionen im Weißen Haus zu setzen, aber Donald ist nun mal kein Profi-Politiker, sondern Maverick, ein Outsider; dem muss man etwas Spielraum geben.
So gewöhnte man sich langsam daran die Augen zuzudrücken, wegzuhören, wenn rassistische Seitenhiebe kamen, entwickelte Routine darin mal Fünfe gerade sein zu lassen.

Allerdings blieb es nicht dabei, daß Trump das Mittelteil des Rundstücks wollte, das man ihm aus Liebe zur Partei und zur Regentschaft gern gab.
Er log immer dreister, immer schneller und immer gefährlicher.
So trieben sich Medien und Republikaner derartig tief in den moralischen Abgrund, daß sie nun nicht mehr ausstiegen können, ohne ihre dramatische Mitschuld zu gestehen.

Nach 12.000 belegten Lügen –

[….] President Trump has made 12,019 false or misleading claims over 928 days [….]

…..stellt sich Kayleigh McEnany, die schon vor drei Jahren log und hetzte, daß sich die Balken bogen und dafür mittlerweile zu Trumps Wiederwahlkampagnen-Managerin 2020 aufstieg, dem fassungslosen Chris Cuomo auf CNN und behauptet immer wieder NO, I DON’T BELIEVE THE PRESIDENT HAS EVER LIED!


Wie soll man von dem Baum wieder runterkommen?
Wenn man nach drei Jahren so weit ist einen Präsidenten zu lobpreisen, der sich wie ein hysterisches Kleinkind verhält, kann man schlecht noch einen Ausstieg finden.


Nach 12.000 Lügen ist Trump soweit, daß er sich nicht mehr die geringste Mühe beim Lügen gibt, sondern sich dummdreist für jedermann sichtbar einfach mit einem schwarzen Filzmarker die Welt zurechtmalt.


Die GOP, Trumps White-House-Aides, seine Medienleute, seine evangelikalen Claqueure haben sich derartig festgelogen, daß sie nun nicht mehr zurück können, ohne völlig das Gesicht zu verlieren.
Wann wäre ein passender Lügen-Ausstieg gewesen? Nach dem offensichtlichen Unsinn, Mexico zahle für die Grenzmauer? Nach dem Pussy-Tape? Nach der Crowd-Size-Lüge? Das wären Stationen gewesen, um sich von Trump abzusetzen.
Aber nach 1000 Lügen? Nach 10.000 Lügen, wie Herr Scaramucci?







Freitag, 6. September 2019

Veränderungen.

Das Szenario wird gerne in Filmen und Büchern verwendet: Eine Person saß lange im Knast oder lag im Koma, wird entlassen, bzw wacht auf und wundert sich, daß jeder auf der Straße ein kleines flaches Ding am Ohr hat oder aber darauf herumtippt.
Die 24/7-Ereichbarkeit hat die Gesellschaft enorm verändert.
Als Angehöriger einer Generation, die damit aufwuchs immer zwei Groschen dabei zu haben, um zur Not eine Telefonzelle benutzen zu können, erscheint mir das heutige Straßenbild gelegentlich extrem lächerlich.
Mütter fahren ihren in Kinderkarren krähenden Nachwuchs spazieren, Hundehalter machen die abendliche Kack-Runde mit ihrem Bello, ohne daß ein Blick auf Gör oder Köter verschwendet wird, weil sie nur am Klugtelefon kleben.
Sind die eigenen Kinder wirklich derart uninteressant geworden, daß man sie keines Blickes mehr würdigt?

Hätte man einen Menschen der 1950er, 1960er oder 1970er für 20 Jahre ins Koma gelegt, würde ihm beim ersten anschließenden Spaziergang jeweils eine sehr veränderte Mode auffallen.
Aber die Menschen auf der Straße verhielten sich nicht grundsätzlich anders als 20 Jahre zuvor. Sie unterhalten sich, sitzen in Cafés, füttern Tauben, lesen in der S-Bahn ein Buch.

Wie ich schon mehrfach schrieb gefallen mir a posteriori die 1980er Jahre am besten, weil sie so divers waren.

(….) In meiner Jugend war es ein großer Fauxpas Frisuren von Mitschülern nachzumachen und die gleichen Moonboots zu tragen.
„Wenn all von einer Klippe springen, tust du das dann etwa auch?“
Individualität war gefragt.
In der Abi-Zeitung gab es Bilder von Individuen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mods, Popper, Punks, Ökos, Langhaarige, Grufties, Edel-Punks, Goths, Müslis und auch die zwei, drei Anzugsträger aus der JU.
Heute sind die Abi-Zeitungen meiner ehemaligen Schule online. Sie haben sich alle hübsch zusammen zu einem Gruppenfoto vor der Aula aufgestellt. (Schon das wäre vor 30 Jahren unmöglich gewesen, weil sich die meisten so einem Massenbild verweigert hätten).
Der nivellierende Effekt der sozialen Medien ist sagenhaft: Alle Mädchen tragen die gleiche Jennifer Aniston-Frisur und alle Jungs tragen streng einheitlichen Dreitage-Bart und Anzug.

Die Jugend wurde sanft gehirngewaschen und vermutlich ohne es selbst zu bemerken optisch in eine Lemming-Armee verwandelt. (….)

Die männlichen Twens der Gegenwart sehen hingegen alle gleich aus.

Und alle eint der Wahn rund um die Uhr am Klugtelefon kleben zu müssen.

Gegenwärtig ändert sich das Straßenbild wieder einmal fundamental.
Über Jahrzehnte dominierten Autos. Dazu gabe es Fußgänger und einige wenige Exoten wie Mofas oder Menschen mit einem Handkarren.

Heute hat sich das Verhältnis stark zu Ungunsten der Autos verschoben.
Es gibt sehr viel mehr Radfahrer, die aber nicht nur durch ihre Anzahl auffallen, sondern durch ihr sehr viel selbstbewußteres Verhalten.
Sie sind viel mehr, sie sind deutlich schneller als früher und sie sind frecher.
Auf den größten und vielbefahrensten Straßen benehmen sie sich wie Autos, wollen den Ton angeben.
Als Kind, das wie fast alle Kinder meiner Generation ständig auf zwei Rädern unterwegs war, lernte ich Autos zu respektieren. Die Dinger sind definitiv stärker als ein Fahrrad und so sahen wir zu den Dingern nicht in die Quere zu kommen, fuhren auf Fußgängerwegen, wichen aus und sahen uns dreimal um, bevor wir auf eine von Autos befahrene Straße wechselten.
Das ist vorbei. Heute heißt es für Radfahrer „Hoppla, jetzt komme ich! Sollen die Autos doch bremsen. Und Hupen nützt eh nichts, da wir sowieso alle Kopfhörer tragen und nichts mitbekommen!“

Zu allem Übel habe ich auch diese Bildervergleiche von Ben Stiller mit seinem Ejakulat am Ohr (There’s Something About Mary) und den Apple Earpods gesehen und denke immer daran, wenn ich Leute diese Dinger tragen sehe.



Mein erstes großes Fahrrad war ein 26er Kettler-Alu-Rad.
Das Ding war nicht nur leicht, sondern auch unfassbar teuer. Wenn ich mich recht erinnere, waren es neu 260 D-Mark. Ich wollte aber unbedingt so ein haben, weil man damit so schnell fahren konnte.
Tatsächlich, im dritten Gang bei ordentlichem Gestrampel kam man auf bis zu 30 km/h.
Heute geben die Leute für ein neues Fahrrad so viel Geld aus wie für einen Gebrauchtwagen und die Dinger fahren in der Stadt auch so schnell wie Autos – nur eben ohne Regeln, Rücksicht und Respekt.

Das Straßenbild hat sich aber nicht nur durch Anzahl, Geschwindigkeit und Fahrverhalten der Radler verändert, sondern es gibt überall rotgetünchte Radwege, die insbesondere den Nachteil haben, daß sie frei bleiben müssen, so daß Lieferwagen nicht mehr ganz rechts auf der Straße anhalten, so daß der nachkommenden Verkehr unproblematisch vorbei kommt, sondern sie bleiben einfach in der Mitte stehen, um den Radweg nicht zu blockieren.
Zu allem Unglück gibt es durch die Online-Bestellwelt 100 mal so viele Lieferwagen wie früher.
Um das Chaos perfekt zu machen gesellen sich dazu auch noch jede Menge Elektrofahrräder, Segways und E-Scooter.
Wir brauchen die natürlich, weil wir viel zu wenig Organspender haben, aber sie machen den Verkehr unerträglich.

Der von mir leidenschaftlich verachtete Fraktionschef der Hamburger Grünen, Anjes Tjarks ist ein Supersportler.
Der ist fit wie ein Turnschuh, zeigt sich auch gern halbnackt beim Schwimmen, ist immer auf dem Fahrrad unterwegs und propagiert extrem penetrant alle anderen sollen auch Fahrrad fahren und zwar nur Fahrrad fahren.

Ich hasse die Radfahrer eigentlich schon deswegen, weil Tjarks sie so vehement befürwortet.

Leider kann ich nicht aus voller Kehle agitieren, da das Fahrrad selbstverständlich unter ökologischem Aspekt dem Auto tatsächlich meilenweit überlegen ist. Im Lichte der Klima- und Ressourcen-Katastrophe und des immer verstopfteren Verkehrs, müssen mehr Leute Rad fahren.

Es wäre nur ganz schön, wenn Tjarks etwas weniger borniert wäre und sich vorstellen könnte, daß es auch Menschen gibt, die nicht ganz so super sportlich sind wie er.
In dieser Hinsicht ist er wie alle Christen. Er hält sich selbst für fabelhaft und meint alle müssten nur seinem Beispiel folgen.
Sehr zaghaft und sehr selten wird nachgefragt, ob er sich eigentlich vorstellen kann, daß es auch alte Menschen gibt, die nicht Rad fahren können.
Aber die Grünen in Hamburg machen nur Politik für die Fitten und jungen Gesunden. Andere Verkehrsteilnehmer kennt Tjarks offenbar gar nicht.

[….] Autos raus aus der Innenstadt, autofreie Zonen in Ottensen. Weniger Parkplätze, mehr schnell Fahrradstraßen und flinke E-Scooter. Die Grünen erklären dem Auto den Krieg. Doch immer mehr alte und körperlich eingeschränkte Menschen fühlen sich durch diese Politik ausgegrenzt. Sie sorgen sich, dass sie nicht mehr mit dem Auto zum Arzt fahren können und fühlen sich zwischen den vielen schnellen Rad- und Scooter-Fahrern unsicher. Machen die Hamburger Grünen eine altenfeindliche Politik? [….]

Tjarks Antworten sind so abgehoben und weltfremd, daß er ungewollt jedes Klischee bestätigt. Er kann nicht über seinen Tellerrand hinausblicken; ist offenbar gänzlich unfähig sich vorzustellen, daß andere Menschen nicht so sein könnten wie er selbst, der ewig grinsende Muskelmann ohne das geringste körperliche Wehwehchen.

„Zudem wird die Mönckebergstraße ohne Busse und Taxis viel übersichtlicher und für Fußgänger und Radfahrer so auch sicherer.“
(AT)

Was für ein unfassbarer Ignorant.
Gebrechliche, Menschen mit sozialen Phobien oder diejenigen, die etwas transportieren müssen, existieren für ihn gar nicht.

Ich zum Beispiel mag nicht unbedingt viel zu alt zum Radfahren sein, aber seit meiner komplizierten Bein-OP vor anderthalb Jahren habe ich noch derart viele Schrauben und Nägel im Knie und Sprunggelenk, daß ein Fahrrad gar nicht in Frage kommt, weil ich die Bewegungen nicht ausführen kann.
Hinzu kommt, daß ich sehr oft den alten Herren kutschiere und dann auch einen Rollator mitnehmen muss.

Es gibt außerdem Zeiten, in denen meine Allergien so extrem sind, daß ich nur im geschlossenen Auto mit Pollen-Filter-Klima-Anlage unterwegs sein kann.

Wieder andere leiden an Ängsten oder Panikattacken – das sind viele Millionen Menschen – so daß öffentliche Verkehrsmittel nicht in Frage kommen.

Ja, sicher, es wäre schön, wenn alle Fahrrad fahren könnten. Natürlich ist das besser für die Umwelt.
 Aber in der echten Welt sind nicht alle kerngesunde junge Sportler ohne Körperfett wie Herr Tjarks.
Es ist der erbärmlichste Landesverband von Habecks Leuten.
Das kann auch Tjarks kaum noch schlimmer machen.