Donnerstag, 9. März 2017

Dieser Drecks-Trump mit seiner Mauer



Ist das nicht unmoralisch, wie ausgerechnet ein Einwanderungsland wie die USA sich abschottet?

Sogar Jake-Double und Songwriter-Legende Paddy McAloon treibt es aus seiner Isolation wieder an die Öffentlichkeit.


Zum Glück sind wir in Europa nicht so menschenfeindlich und heißen Immigranten willkommen, positionieren uns gegen das negative Beispiel aus Washington.

Wir schmeißen die Illegalen nicht über den Zaun an unserer südlichen Grenze.


[…..] Pouya, ein gelernter Krankenpfleger, spricht acht Sprachen. Nach mehreren Jahren im Land spricht er auch Deutsch fast akzentfrei. Er hatte ein Jobangebot: Für die IG Metall sollte er andere Flüchtlinge bei der Arbeitssuche beraten. Als Musiker stand er sogar schon im Schloss Bellevue auf der Bühne. Pouya ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Gegen die drohende Abschiebung starteten Freunde und Kollegen eine Petition. Selbst Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth setzte sich für Pouya ein. Weil seine Abschiebung nicht mehr abzuwenden war und jede Abschiebung ein Wiedereinreiseverbot nach sich zieht, organisierte Pouya sich selbst Mitte Januar einen Flug nach Kabul. 
Dort lebt er heute in ständiger Angst. "Ich achte darauf, oft meine Adresse zu wechseln." Zu lange an einem Ort zu bleiben, sei zu gefährlich; Interviews gibt er schriftlich. Fliehen musste Pouya, nachdem ihm die Taliban mit dem Tod drohten. Pouya hatte in einem Krankenhaus auch Ausländer behandelt, ein Verrat in den Augen der Islamisten. Später in Deutschland kritisierte er in politischen Liedern die Situation in seiner Heimat. Nun fürchtet er, erkannt zu werden. "Ich traue mich ja nicht einmal auf die Straße und sitze immer nur im Zimmer." Einen normalen Alltag zu leben, traut er sich in Kabul nicht: "Jemanden besuchen, zusammen essen gehen, sich einfach treffen – das ist ja alles gar nicht möglich für mich." Die "sicheren Gebiete", von denen deutsche Politiker sprechen, gebe es für ihn wegen seines politischen Engagements nicht. Selbst Kabul sei "genauso unsicher wie am ersten Tag". [….]

Kann natürlich vorkommen, daß ins sichere Afghanistan Abgeschobene auch mal bei einem Terroranschlag draufgehen…..

[……] Und jetzt zur Geschichte von Atiqullah Akbari. Der 24-jährige Flüchtling wurde im Januar nach Afghanistan abgeschoben, ins angeblich so sichere Kabul. Letzte Woche wurde er dort bei einem Selbstmordattentat verletzt. Seine Geschichte zeigt beispielhaft die Absurdität deutscher Flüchtlingspolitik. Denn der junge Afghane galt als hervorragend integriert, hatte innerhalb kürzester Zeit Deutsch gelernt und sogar einen Job als Altenpfleger. Half alles nichts, Bayern schob ihn ab. Und das, obwohl es da mal ein großes Versprechen gab - Integrationspakt nannte sich das - und wurde von Horst Seehofer als beispielhaftes Projekt für die Integration junger Flüchtlinge gefeiert. […..]

Aber Atiqullah Akbari soll sich mal nicht so anstellen – gut, er ging fast drauf, aber er war ja nicht das Ziel; also halb so wild.
Zumindest ist das die Logik des zuständigen deutschen Innenministers.


 [….] „3.500 Kinder wurden in Afghanistan 2016 getötet oder verletzt, insgesamt wurden 11.000 Zivilisten Opfer von Terror und Kriegshandlungen. Thomas de Maizière tut recht daran, so ein Land nur mit Schutzweste und Helm zu bereisen. Noch besser als dieses Outfit stünde es ihm, einzuräumen, dass Abschiebungen nach Afghanistan ein Fehler sind und unverzüglich eingestellt werden müssen.“ […..]

Das ist so wie mit den Hühnern und Lämmern im Supermarkt. Man isst sie gern, kauft das fertig zugeschnittene Fleisch billig, will aber keinesfalls das niedliche lebende Tierchen selbst umbringen.
Das soll möglichst weit entfernt, außer Sichtweite passieren.

Jemand anders soll die Schmutzarbeit tun.

Oder auch Viktor Orban.

[….] Asylbewerber sollen künftig hinter Stacheldraht in Containersiedlungen nahe der Grenze zu Serbien untergebracht werden. Laut Vereinten Nationen verstößt das gegen internationales Recht.
Ungarn hat die Internierung von Flüchtlingen beschlossen. Künftig sollen Asylbewerber nahe der Grenze zu Serbien zwangsweise hinter Stacheldraht in Containersiedlungen untergebracht werden. Bis zur Entscheidung über ihr Asylverfahren dürfen sie diese Lager nicht verlassen. Es ist ihnen somit unmöglich, sich in Ungarn frei zu bewegen, so lange ihr Asylverfahren läuft; verlassen können sie das Land nur durch eine Ausreise nach Serbien. [….]

Daher lassen wir uns es auch einiges kosten Flüchtlinge schon im fernen Mittelmeer, vor der Afrikanischen Küste wegzuprügeln.

Die Zahl der Toten im Mittelmeer steigt – Frontex teilt gegen Retter aus
„Wenn der Chef der Abschottungsagentur Frontex sich hinstellt und zivile Retter dafür kritisiert, dass sie in der Nähe der libyschen Küste Menschen retten, ist das mehr als bitter. Angesichts der wachsenden Zahl von Flüchtlingen, die durch engagierte Freiwillige gerettet wurden, sollte Frontex-Chef Fabrice Leggeri besser schweigen. Denn Rettung steht schon lange nicht mehr oben auf der Agenda der Frontex-Operationen, es geht um Abschottung um jeden Preis“, kritisiert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, die Aussagen des FRONTEX-Direktors Leggeri. Ulla Jelpke weiter:
„Nachdem die EU-Grenzagentur von Seenotrettung auf Schleuserbekämpfung umschwenkte, starben bereits am 14. April 2015 bei einem Bootsunglück bis zu 800 geflüchtete Männer, Frauen und Kinder. Auch vor diesem Hintergrund begannen Freiwillige, sich um die Rettung von Flüchtlingen zu kümmern. Die Zahl der Toten im Mittelmeer war dennoch 2016 so hoch wie nie zuvor. Offensichtlich ist Frontex nicht in der Lage oder bereit, sich ausreichend für die Rettung von Flüchtlingen zu engagieren. Wenn Leggeri vor diesem Hintergrund gegen zivile Retter austeilt, ist das einfach widerwärtig und macht eine Gleichgültigkeit dem Leben Geflüchteter gegenüber deutlich. Denn Leggeri weiß genau, dass die 40 Prozent der Rettungen, die auf das Konto ziviler Seenotrettungs-NGOs gehen, sicher nicht alle von Frontex gerettet worden wären. Statt Abschottung muss endlich sichere Wege für Flüchtlinge nach Europa geben.“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty
International übt scharfe Kritik an der deutschen
Flüchtlingspolitik. Wie die Organisation in ihrem neuen, gestern
publizierten Jahresbericht konstatiert, hat Berlin nicht nur die
rechtlichen Rahmenbedingungen für Asylsuchende in den vergangenen
zwölf Monaten erheblich verschlechtert. Als besorgniserregend stuft
Amnesty insbesondere die beginnenden Abschiebungen nach Afghanistan
ein. Am gestrigen Mittwoch wurde bereits die dritte Sammelabschiebung
an den Hindukusch durchgeführt, obwohl Experten und UN-Organisationen
dringend davor warnen und vor kurzem ein erster aus Deutschland nach
Kabul verbrachter Flüchtling dort Opfer eines Anschlags geworden ist.
Wie die Bundesregierung ankündigt, will sie dieses Jahr die Zahl der
Abschiebungen und der angeblich freiwilligen Ausreisen deutlich
steigern; vergangenes Jahr belief sie sich bereits auf rund 80.000
Personen. Auch Razzien gegen Migranten, wie sie US-Präsident Donald
Trump mittlerweile durchführen lässt, sind in Deutschland nicht
unbekannt; Amnesty kritisiert das ihnen zugrunde liegende "racial
profiling" scharf. Zudem prangert die Organisation die zahlreichen
Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte in der
Bundesrepublik an, die 2016 im Durchschnitt zwei Brandanschläge pro
Woche beinhalteten.

Mittwoch, 8. März 2017

Eingemauerte Perspektive



Die beiden Abendblatt-Redakteure Walter Bau und Karsten Kammholz stehen dem SZ-Kollegen Matthias Drobinski kaum nach.
Sie beklagen den Niedergang der Kirche, orakeln über Feintuning am Marketing – Frauenpriestertum, Zölibat, gesellschaftliches Ansehen – kommen aber nicht auf die Idee, das Produkt selbst für mangelhaft zu halten.

Geht es nach den kirchenfreundlichen Journalisten, müßte nur ein wenig an den Stellschrauben, an den Arbeitsbedingungen gedreht werden und schon würden neue Priesteranwärter in den Beruf strömen.
Da dies nicht geschieht, sieht es aber erst mal sehr trüb aus für die Zukunft der deutschen christlichen Kirchen.

[….] Es werden Krisengespräche, so viel ist klar. Wenn sich ab Montag die 66 katholischen Bischöfe und Weihbischöfe der 27 deutschen Diözesen zur Frühjahrsvollversammlung erst in Köln und danach in Bergisch-Gladbach treffen, gehen sie eine heikle Angelegenheit an: "Zukunft und Lebensweise des priesterlichen und bischöflichen Dienstes" heißt das Hauptthema der Bischofskonferenz – und es berührt existenzielle Fragen. Ist das Priesteramt in der katholischen Kirche noch zeitgemäß – und wenn ja, wo gibt es den dringend benötigten Nachwuchs?
Längst schlägt sich die Misere in den Zahlen nieder. Voriges Jahr wurden ganze 80 neue Priester in den 27 deutschen Bistümern geweiht. Im Jahr davor waren es sogar nur 58 – so wenige wie nie zuvor. Von 1995 bis 2015 sank die Zahl der katholischen Geistlichen von gut 18.600 auf knappe 14.000. Die Zahl der Pfarreien ging im gleichen Zeitraum von 13.300 auf rund 10.800 zurück. Mehr als 60 Prozent der katholischen Priester sind älter als 60. Leben und Strukturen der Kirchengemeinden stehen vor einem radikalen Umbruch. […..]

In den letzten 20 Jahren wurde jede vierte katholische Pfarrerstelle vakant und jede fünfte Pfarrei geschlossen.

Bei den Evangeliban sieht es nicht besser aus.

[…..] Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) treiben ebenso Nachwuchssorgen um – auch ohne tiefgreifende Konflikte um Zölibat oder Frauenpriesteramt. In den kommenden zehn bis 15 Jahren werden 30 bis 40 Prozent der Pfarrer in den Landeskirchen in den Ruhestand gehen, heißt es aus dem Kirchenamt der EKD in Hannover.
Momentan seien im Raum der EKD circa 18.000 Pfarrerinnen und Pfarrer tätig. "Die bisherige Zahl von Pfarramtsstudenten wird nicht reichen, um die Lücken zu füllen", so die Leiterin der Bildungsabteilung im Kirchenamt, Birgit Sendler-Koschel. "In den nächsten zehn Jahren werden bundesweit Tausende neue Pfarrerinnen und Pfarrer benötigt." […..]

Wieso will niemand mehr Pfarrer werden – die Frage stellen sich die Abendblatt-Autoren ebenso rätselnd, wie die offiziellen EKD-Funktionäre.
Zu den sonntäglichen Gottesdiensten gehen nach offiziellen EKD-Angaben derzeit 3,3% der Kirchenmitglieder. Selbst von den zahlenden Kirchenmitgliedern haben also fast 97% keine Lust sonntags in die Kirchen zu gehen.
Gestalten die 18.000 Pfarrer die Angelegenheit so unfassbar öde, daß 97% der Gläubigen lieber gleich zu Hause bleiben, oder sind die Erwartungen der Gottesdienstbesucher so abstrus, daß keiner mehr Pfarrer werden möchte?
Was ist da los, fragen sich bischöfliche Blitzbirnen wie Käßmann und Bedford-Strohm.

Man verdiene doch großartig und bekäme seine eigene Pfarrei. Also Protestant darf man den Beruf sogar ergreifen, ohne über einen Penis zu verfügen und sofern man einen hat, darf man ihn auch benutzen.
Zölibat und Frauenpriestertum und trotzdem wollen die Menschen den Job nicht?
Das geht über das Fassungsvermögen der Berufskirchisten.

[…..] Bisher galten vor allem die Hunderttausenden jährlichen Kirchenaustritte als die große gemeinsame Sorge der beiden Konfessionen. Nun lautet die zweite gemeinsame Sorge: Wer will noch Gottes Wort verkünden? [….]

Nein, liebe Kirchenfreunde bei der SZ und der FUNKE-Mediengruppe.
Es liegt nicht am Marketing.
Euer Produkt ist einfach schlecht.


Wenn man ein totes Pferd reitet, soll man absteigen.
Und Gott ist tot.
Religion schadet eindeutig mehr als sie nützt.
Die Wir-sind-besser-als-die-Ideologie grenzt aus, führt zum Beleidigtsein und Konflikten.
Christliche Überzeugungen waren seit 2000 Jahren Ursache für die größten Verbrechen der Menschheit – Sklaverei, Hexenverbrennung, Inquisition, Kolonialismus, Missionierung, Homophobie, Rassismus, Islamophobie, Wissenschaftsfeindlichkeit, Misogynie und Antisemitismus.



Eine solch destruktive Ideologie, die allen Erkenntnissen der Wissenschaft widerspricht kann man nur so lange an den Mann bringen, wie die Gläubigen dumm und ungebildet sind.
Aufklärung und Informationen sind der Feind Gottes.
Je besser die Allgemeinbildung, desto kleiner die Kirchen – und das ist auch gut so!



Es wäre so schön, wenn Bau, Drobinski und Kammholz in der Lage wären ihre rein religiotische Perspektive zu verlassen und objektiv über Religion berichten könnten.
Dann sähen sie wie positiv der Rückgang des kirchlichen Einflusses auf die Gesellschaft ist.
Aber leider haben die Kirchenjournalisten fest eingemauerte Standpunkte.



Dienstag, 7. März 2017

Geld machen



Ronald Reagan und Margaret Thatcher waren vermutlich die Totengräber der Weltwirtschaft schlechthin.
Sie schoben die ganz große Umverteilung von unten nach oben und vom Staat zu den Unternehmern an.
Deregulieren, soziale Standards schleifen, Shareholder Value und eine ins Unermessliche expandierende von der Realwirtschaft abgekoppelte Finanzspekulation führten zum Kollaps von 2008.

Erstaunlich, denn kluge und bekannte Menschen wie Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt hatten schon seit Jahrzehnten gewarnt. Die völlig jeder Kontrolle entglittenen virtuellen Finanzprodukte müßten „zivilisiert“, eingehegt und teilweise verboten werden.

(…..) Marion Dönhoff schrieb schon in den 1990er Jahren ihr bedeutendes Werk „Zivilisiert den Kapitalismus“ und legte damals schon dar, was uns dann richtig offensichtlich 2008 mit der Weltfinanzkrise ereilte.
Welche Gegenmeinung soll man da noch einnehmen, wenn jemand so offensichtlich voll ins Schwarze getroffen hat.
Bezweifelt denn noch irgendeiner, daß den internationalen Spekulanten das Handwerk gelegt werden muß? Ich würde dazu gern eine SERIÖSE Stellungnahme lesen, die mir erklärt weswegen das Derivatehandeln und Spekulieren mit Lebensmitteln eigentlich sein muß.
Es gibt auch Menschen, die sich dafür einsetzen.
So schrieb CDU-Darling Friedrich Merz, den heute noch fast die ganze Partei zurücksehnt, im Jahr 2008 sein Buch „Mehr Kapitalismus wagen“.
Wenn jemand so rechts argumentiert, merkt man allerdings meistens sehr schnell wieso das so ist. In Merz‘ Fall hängt das offenbar damit zusammen, daß er für den Hedgefonds „TCI“ arbeitet und persönlich damit sehr reich geworden ist.
Darauf läuft es fast immer hinaus.
Wenn jemand etwas offensichtlich Unsinniges beschließt, wie zum Beispiel den Merkel’schen Freifahrtschein für CO2-verschleudernde schwere Limousinen, dann erfolgte dies natürlich nicht aus Überzeugung, sondern auf Druck.
Eine Millionenschwere Lobby ist sehr effektiv.
Waffenexporte, AKW-Subventionen, tierquälerische Geflügelzucht – wieso so etwas erlaubt ist, kann relativ leicht beantwortet werden.
Gier, Geld, Macht. (……)
(Verschiedene Journalisten, 28.10.2013)

Wie wir heute wissen, konnte die Finanzbranche leicht genügend Druck auf die Politik ausüben, um sich von sämtlichen Fesseln freizuhalten.
Deutschland tritt zwar nicht ganz so radikal für deregulierte Finanzspekulanten ein wie Mays England oder Trumps USA, aber auch Wolfgang Schäuble steht international immer zuverlässig auf der Bremse, wenn es darum geht, Steueroasen auszutrocknen oder Banker haftbar zu machen.

Für die norddeutsche Pleite-Bank HSH müssen wir Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein nach wie vor Milliarden zuschießen, statt daß auch nur einer der irren Manager, die das verursacht haben auch nur einen Euro ihrer Millionen-Gagen abgeben muß.
Wie die allermeisten anderen Regierungen auch stehen Merkel und Schäuble für die große Geldflutpolitik:
Kein Spekulant wird zur Rechenschaft gezogen, die Schulden werden einfach immer schneller zu anderen Schuldnern verschoben, indem wöchentlich Billionen zu de facto Null Prozent Zinsen ins System gepumpt werden.
Durch den Zinsausfall verarmen Kleinsparer und Rentner, während die Superreichen entfesselt spekulieren und immer reicher werden. Der Vermögensgewinn der Spekulanten fußt beispielsweise auf ihren immer wertvolleren Immobilien und führt daher auf der anderen Seite direkt zur Verarmung der Mieter, die entsprechend mehr zahlen müssen.

Fernsehen macht Kluge klüger und Dumme dümmer, sagte schon Marcel Reich-Ranicki.
Eine Verklugungsreportage zeigte vor zwei Wochen die ARD unter dem Titel „Die große Geldflut - Wie Reiche immer reicher werden“.


Bekanntlich haben diese Informationssendungen keine Effekte. Vor einem Jahr wurde in dieser Reihe erklärt wie Steuermilliarden zu den Superreichen umgeschichtet werden.
Es gab keinerlei öffentlich Empörung, keine Demos vor dem Bundesfinanzministerium, keine Generalstreiks, um Wolfgang Schäuble zum Rücktritt zu bewegen. Schäuble verschenkt über Jahre systematisch und großzügig das von Putzfrauen und Krankenschwestern eingezahlte Steuergeld an die Superreichen und wird von eben diesen Putzfrauen und Krankenschwestern hartnäckig für äußerst kompetent und vertrauenswürdig gehalten.

Die allermeisten halbwegs Interessierten werden wissen, daß heute Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Man weiß auch, daß es für Otto Normalverbraucher keine sicheren Anlageformen mehr gibt, weil Banken sogar beginnen Strafzinsen zu nehmen.
„Kapitalismus kaputt“ rief Jakob Augstein aus, als die sparsame schwäbische Hausfrau, die eben noch von Merkel als Idealvorstellung gepriesen wurde, offiziell getötet wurde: Wer sein Leben lang sparsam war und „sich was für’s Alter zurückgelegt“ hat, wird nun mit Negativzinsen bestraft. Belohnt wird hingegen der Hallodri, der immer alles verprasste und ordentlich Schulden machte.
Möglich macht es die gewaltige Geldflut auf den Finanzmärkten.

Woher kommt eigentlich das ganze neue Geld fragten Studenten der Uni Siegen in der ARD-Reportage Passanten auf der Straße. Wer genau macht es, wie entsteht es?
Kaum einer weiß das so genau.


Tatsächlich schöpfen die Privatbanken Geld. Stichwort Giralgeldschöpfung.
Vergibt die Bank einen Kredit für 1000 Euro, schreibt sie das Geld elektronisch einem Kunden gut, hinterlegt im Gegenzug aber nur ungefähr 10 Euro (ein bis drei Prozent der Kreditsumme bei der Zentralbank).
Tilgt der Kunde dann den Kredit, gewinnt die Bank 990 Euro, die sie sich in die eigenen Taschen stopfen darf.
Auf diese Weise machen die Banken allein in Deutschland Jahr für Jahr aus dem nichts Milliardengewinne.

Verrückt, aber real. Man kann es überall nachlesen. Bankazubis lernen so etwas.

(….) Durch die aktive Buchgeldschöpfung schaffen die Geschäftsbanken zusätzliches Geld in Form von Buchgeld. Hauptquelle der Geldschöpfung ist heute die Kreditgewährung der Geschäftsbanken. (….)

Kapitalismus kaputt.

Verschiedene „Vollgeldinitiativen“ sammeln Unterschriften, um den Gesetzgeber dazu zu zwingen den Privatbanken das Giralgeldschöpfungsprivileg zu entziehen. Sie könnten dann nur noch das Geld verleihen, das sie entweder selbst besitzen, oder das sie zu 100% zurückzahlen müssen, falls sie es sich selbst geliehen haben.
Die Schweiz ist da recht weit, Deutschland schläft natürlich noch.
Die Chancen, daß Donald Trumps Goldman-Sachs-Regierung irgendetwas täte, um die Investitionsbanken zu zügeln …., äh ja.

Was viele nicht wissen: Banken stellen eigenmächtig Geld her. Unglaublich, aber leider wahr!

Das betrifft alles Geld auf unseren Bankkonti (genannt Buchgeld) und macht 90% des ganzen Geldes aus. (Von der Nationalbank hergestelltes Bargeld: 10%). Mit diesem von den Banken selbst gemachten Buchgeld spekulieren sie in grossen Finanzblasen. Wenn es Profite gibt, gehören sie den Banken. Bei Verlusten werden die Steuerzahler zur Kasse gebeten bzw. der Staat muss sie retten. Die Schweizerische Nationalbank hat diesbezüglich heutzutage leider ungenügende Einflussmöglichkeiten. Das ist ein Fehler! Deshalb die Vollgeld-Initiative:

• Nur die Schweizerische Nationalbank soll Franken herstellen dürfen – nicht nur Münzen und Banknoten, sondern auch das elektronische Geld auf unseren Konten. Dieses wird dadurch zu echten Franken.
• Dein Geld auf Deinem Privatkonto soll wirklich krisensicher sein, direkt garantiert von der Schweizerischen Nationalbank!
• Das ganze Finanz- und Bankensystem soll sicherer werden! Die Banken bleiben zuständig für Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung und Kreditvermittlung. Sie können aber kein eigenes Geld mehr erzeugen.

Diese Verbesserung entlastet die Steuerzahler und die Realwirtschaft und bringt allen deutlich mehr Sicherheit. Vollgeld ist kein Anliegen, das man im parteipolitischen Links-Rechts-Schema einordnen kann. Man könnte es mit der Einführung des Frauenstimmrechts oder der AHV [Alters- und Hinterlassenenversicherung - T.] vergleichen.