Donnerstag, 25. Februar 2016

Extremparteihopper goes Extremsatiriker

Aus Respekt vor den guten alten Kreuznet-Zeiten nennen meine Facebook-Freunde Dr. David Berger immer noch bei seinem alten Kosenamen „Urinduscher“, kurz „ud“.

Einst rang der ud heldenhaft Kreuznet nieder und schrieb 2010 mit „Der Heilige Schein“ jenes vermeidliche Enthüllungsbuch, welches so schön bestätigte, was man immer schon gemunkelt hatte: All die Dunkelkatholiken, Tradis, Piushanseln und Tridentiner sind heimlich schwul. Sobald sie öffentlich ihre homophoben Tiraden abgelassen haben, der Tabernakel weggestellt wurde, geht es zum Analverkehr in die Sakristei.

Bergers Darstellung wieso eine frauenfeindliche zölibatäre Umgebung in der Vergangenheit eine magische Anziehungskraft auf Schwule ausübte, überzeugt nach wie vor. Was sollte ein heimlich Schwuler aus einem homophoben Dorf auch 1930 oder 1955 tun, wenn er merkt daß eine Ehefrau für ihn nicht in Frage kommt und Gerüchten aus dem Weg gehen will?
Das Priesterseminar ist die logische Konsequenz. Da ist man unter sich, da bleibt „physische Liebe“ geheim und sofern man ein paar Tunten-Klischees aufweist, kann man sich auch noch an herrlichen bunten Kleidern, Goldschmuck und Sex-Geständnisse bei der Beichte erfreuen.
Homosexuelle Würdenträger einer homophoben Organisation sind außerdem ein Glücksfall für eine hierarchische antidemokratische Welt, da sie alle erpressbar und disziplinierbar sind.
Blöd ist natürlich, wenn Schwulsein in der Gesellschaft nicht mehr tabuisiert ist und selbst der schwule Teenager eines bayerischen Dorfes deswegen nicht mehr gelyncht wird, sondern im Internet sofort Gleichgesinnte findet, die ihm Selbstvertrauen geben. So einer muss nicht mehr Priester werden und tatsächlich erlebt die RKK einen dramatischen Einbruch bei den Anmeldungen zum Priesterseminar. Katholische Pfarrer sind zur extremen Mangelware geworden.

Soweit folge ich dem ud inhaltlich.
Diese Berger-Erkenntnisse sind allerdings sechs Jahre alt. Inzwischen ist er einem schweren Messiaskomplex erlegen, wurde zum Vordenker der Xenophoben und Islamhasser, verachtet alle Schwulen, die ihn nicht als ihren heiligen Führer anerkennen und frönt seiner Vorliebe für ganz-rechts-außen-Politiker wie Tatjana Festerling.

Ohne jedes Schamgefühl robbt er nun an seine einstigen Erzfeinde der homophoben Tradi-Szene heran. Für seine Kolumnen dient ihm Gabriele Kuby als Inspiration und wie man hört, soll an der Zimmerdecke über dem Bergerschen Ehebett ein Akif Pirinçci-Poster als Masturbationsvorlage angetackert sein.

Die metaphysischen und parteipolitischen Pirouetten des ud erreichen inzwischen ein Niveau, daß es nur noch zwei Rückschlüsse zuläßt.
Entweder er leidet an Creutzfeldt-Jakob im Vollbild, oder aber er wurde schon vor längerer Zeit als Undercover-Schreiberling vom Postillon (oder Titanic?) angeheuert.
 Sein neuester Streich datiert vom 23.02.2016 und erschien als Kolumne bei „The European“ unter dem Titel „12 Gründe warum ich als schwuler Mann gerne katholisch bin“.

Man versteht sofort, daß es einen Homoaktivisten in der konservative katholische Szene zieht, so wie eben auch Schwarze sich beim Ku-Klux-Klan wohlfühlen, Türken bei der NPD engagiert sind und Kommunisten in die FDP streben.

Bei „The European“ ist Berger zumindest ideologisch gut aufgehoben – andere Kolumnisten und Interviewpartner sind Robert Spaemann, Thilo Sarrazin, Hendryk M. Broder, Wolfgang Bosbach, Frauke Petry, Julia Klöckner, Arnulf Baring, Hans-Peter Friedrich, Hans Olaf Henkel oder Birgit Kelle.

Bergers 12 Thesen über die Freude der Schwulen am Dunkelkatholizismus möchte ich gar nicht mit Aufmerksamkeit ehren, aber da DO-NOT-LINK leider seit Tagen offline ist, muß es doch verlinken.
Jeder möge selbst sehen und lachen.

3. Die katholische Kirche ist eine Meisterin in der Inszenierung religiöser Gefühle. Diese haben auch immer eine erotische Komponente. Die religiöse unterscheidet sich strukturell in nichts von der sexuellen Ekstase. […]

Offenbar bin ich sexuell völlig unterentwickelt – die orgasmischen Freude der religiösen Ekstase kenne ich noch gar nicht.

Aber Ratzi ist schon ein geiles Bürschchen.
4. Die streng abgeschlossenen Männergesellschaften der katholischen Kirchen regen enorm die Phantasien schwuler Männer an. Und das gerade heute, in einer Zeit, in der die katholische Kirche zunehmend an Einfluss verliert. Einer der größten schwulen Pornoproduzenten „Bel Ami“ hat innerhalb kürzester Zeit den zweiten Teil von „Scandal in the Vatican“ veröffentlicht, nachdem der erste Teil sich enormer Beliebtheit erfreute. Während im ersten Teil vor allem junge „Priester“ mit gut taillierten Talaren und feierlichen Messgewändern, die sie natürlich irgendwann fallen ließen, herumliefen, sind es nun die Schweizer Gardisten, die sich mit heißen Prälaten des Vatikanstaates wilden Sexorgien hingeben.

Klar, so sind sie die Schwulen. Gucken den ganzen Tag Fetisch-Pornos.
Und außer „Poppen in der Kurie“ werden auch keine anderen Homopornos verkauft.

[…] 6. Interessanterweise sind es die traditionell katholischen Länder in Europa, die ganz konsequent die Öffnung der Ehe für Homosexuelle eingeführt haben: Von Spanien über Frankreich bis Malta. Während in Deutschland, im Heimatland der Reformation, geführt von einer protestantischen Pfarrerstochter, dies nicht gewollt scheint.

Jetzt ist das auch geklärt. Die weniger homophoben Protestanten, die ihre Geistlichen heiraten lassen, sowie Homopaare trauen sind schwulenfeindlicher als die Schwulenfeinde, die sich hartnäckig gegen die Homoehe sträuben.
Wären Schröder und Fischer 1998 nicht Atheisten, sondern Katholiken gewesen, hätten sie schon damals die Ehe für alle mit Adoptionsrechten eingeführt.

[…] 9. […] Vom Duft des Weihrauchs über die Klänge der gregorianischen Choräle bis hin zu den eindrucksvollen Bildern des Zeremoniells von Gottesdiensten oder Auftritten des Papstes vor und in großartigen Kulissen, zeigt sich der Katholizismus als ein Aktionskunstwerk, das den Menschen in seiner sinnlichen Gesamtheit anspricht und enorm identitätsstiftend ist. Einer sinnlichen Gesamtheit, die auch in der schwulen Welt durch den Rückzug in virtuelle Welten (bis hin zum Praktizieren von Chat-Sex) zunehmend verloren geht. […]

OK, das könnte stimmen. Immerhin hat Ratzi damals George Lucas inspiriert.


10. Die katholische Kirche rettet durch das Tabu und ihre Verbote die Libido. […] Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass die katholische Kirche, wenn sie die neueren Bildungspläne, die den Sexualkundeunterricht an Schwulen ausweiten wollen, kritisiert , im letzten den Spaß am Sex und die Libido rettet. Ich bin froh, dass mir meine Grundschullehrerin damals nicht erklärt hat, wie man einen Dildo benutzt und wie Analverkehr genau funktioniert.[…]

Ohne Katholizismus kann man eigentlich gar keinen Sex haben.
Deswegen sind Atheisten auch grundsätzlich asexuell. Das beweist ja schon der gemeinsame Anfangsbuchstabe „A“.

12. […] In meiner Jugend zog ich enorme Kräfte aus dem schwulen Außenseitertum, aus dem Anderssein, das gegen die für mich so empfundene heterosexuelle Mittelmäßigkeit stand. Heute ist es mein Katholizismus, der mich gerade wegen seiner Gegenposition gegen die Mediokrität und Dummheit des Zeitgeistes, stolz macht. Es ist ein Katholizismus der Freiheit. […]

Ja, das stimmt!

Wer sich heutzutage dazu bekennt Katholik zu sein, ist richtig cool.
 
Deswegen sind auch bekennende Katholiken die geilsten Trendsetter der Politklasse: Nahles, Thierse, Schavan, Kretschmann!


 
Das Katholoquartett kann die vielen Trendscouts kaum noch abschütteln.
Jeder trägt jetzt Tierse-Bart, Nahles-Hintern, Kretschmann-Frisur und Schavan-Blusen.

Da werden die Berliner Hippster ganz klein mit Hut, wenn die stolzen katholischen Ikonen Nahles und Thierse auftauchen.

Eigentlich sind alle Politiker, die sich im Zentralrat der deutschen Katholiken und anderen katholischen Vereinen engagieren und als solche wie der ud öffentlich bekunden „Ich bin katholisch – und das ist auch gut so“ richtig cool:

Alois Glück (CSU), Philipp Rösler (FDP), Bernd Posselt (CSU), Horst Seehofer (CSU), Alexander Dobrindt (CSU), Wolfgang Thierse (SPD), Maria Böhmer (CDU), Armin Laschet (CDU) und Josef Winkler (Bündnis 90/Die Grünen), Dieter Althaus (CDU), Erwin Teufel (CDU), Norbert Geis (CSU) und Bernhard Vogel (CDU).

Die Crème de la Crème der Polithipster!

Aber es sind natürlich nicht nur Politiker coole Katholiken. Ach die anderen berühmten katholischen Bekenner beweisen Bergers These vom Stolz und Überdurchschnittlichkeit:
Matthias Matussek, Martin Mosebach, Robert Spaemann, Andreas Englisch, Gabriele Kuby, Paul Badde, Martin Lohmann, Alexanders Kissler, Matthias Drobinski.

Wer möchte nicht dazu gehören?

Ich wäre auch so gern katholisch!
Oder sind nur die Katholiken cool, die auch schwul sind?


Mittwoch, 24. Februar 2016

US-Irrsinn.

Das sogenannte GOP-Establishment war sich sicher, so sicher.
Trump sei zwar ein lustiger Vogel, der dem Vorwahlkampf Farbe und viel Aufmerksamkeit generiere, aber „there is no way, he will get the nominee.“
Ja, am Anfang ist es ja klar, daß die Außenseiter, die nicht zu den üblichen Gesichtern der Partei gehören viel Wirbel veranstalten.
Das ist das Tolle an der US-Demokratie. Da kann jeder mitmachen und diese Grassroots-Bewegungen bekommen alle eine Chance sich der echten amerikanischen Basis bei den Caucuses zu stellen; dort wo man tatsächlich auf Heuballen stehend mit den Nachbarn auf Augenhöhe diskutiert.
So wurden auch der fromme Chirurg Ben Carson und die Computer-Managerin Carly Fiorina weltweit bekannt als Lieblinge der Basis. Beide standen, wie später auch Trump, schon als Umfrage-Führende auf dem prestigeträchtigen Mittelplatz bei den TV-debates.
Sollen die sich ruhig mal austoben und der Welt das bunte Amerika vorführen.
Aber mit der Zeit würde man schon merken, daß diese erst so beliebten Außenseiter natürlich nicht das Rüstzeug für eine echte Chance auf das Weiße Haus haben.
Und so kam es ja auch gestern Nacht bei der vierten Vorwahl der US-Republikaner in Nevada:
Carly Fiorina holte 22 Stimmen (0.03%) und auch Carsons Kurve zeigt steil nach unten: 4.81%, also gerade mal 3.619 Stimmen im gesamten Bundesstaat Nevada mit seinen 2,7 Millionen Einwohnern.
Nach der üblichen Partei-Regie lichtet sich nun das Feld. Und in der Tat haben Jeb Bush und Chris Christie bereits das Handtuch geworfen.
Nun versammelt sich langsam das Geld bei dem Konsenskandidaten. Und es hagelt „Endorsements“ – keine Stunde vergeht, in der nicht ein verdientes republikanisches Kongressmitglied oder ein GOP-Gouverneur seine öffentliche Unterstützung kundtut.

Nur eins stimmt nicht. Die GOP-Parteiregie ist in einem Punkt nicht mit der Realität kongruent.
Das ist Trump. Der hätte längst als Maulheld entlarvt unter „ferner liefen“ sein politisches Ende einläuten sollen.
Trump ist aber nicht nur immer noch da, sondern er wird sogar stärker; gewann drei von vier Vorwahlen, Nevada sogar mit einem gewaltigen 22-Prozentpunkte-Vorsprung. Ein Durchmarsch.
Es wäre nun allerhöchste Zeit für die GOP-Strategen hinter dem Establishment-Kandidaten zu versammeln, um Trump endlich mit der vereinigten geballten Macht der Partei abzuschießen.
Unglücklicherweise ist gar keiner der üblichen Parteigrößen mehr dabei.
Nach Trump liefern sich Marco Rubio und Ted Cruz, also zwei Latinos einen Kampf um Platz 2. Dabei ist Cruz derartig fanatisch, derartig rechts, derartig extremistisch-religiös, derartig verlogen, daß ihn die Partei sogar noch weniger als US-Präsidenten haben will als Trump.

Bleibt noch Rubio, der tatsächlich derjenige ist, auf den all die Endorsements einprasseln.
Durch das extrem Washington-feindliche Agieren der Republikaner in den letzten sieben Jahren, ihrem grenzenlosen Hass gegen jede Politik und die totale Obstruktion ist zumindest halb Amerika allerdings so „Anti-Alles“, daß diese Wahlempfehlungen eher eine Bürde als eine Hilfe sind.
Teebeutler wählen eher nicht denjenigen, der von erfahrenen US-Senatoren empfohlen wird.

Aber auch Rubio ist kein idealer Kandidat; er lügt viel, ist zu religiös für Gesamt-Amerika, hatte nie ein Regierungsamt inne und wurde trotz seines viel gerühmten Redetalents schon auf offener Bühne wie ein dummer Junge von Chris Christie fertig gemacht.
 Wie soll das erst werden, wenn er in das Visier der Trumpschen Pöbelmaschine gerät? Wie soll er nominiert werden, wenn ihm bisher kein einziger Sieg gelang?
Was soll er nur in den Generaldebatten gegen die erfahrene weltbewanderte Hillary Clinton für ein Bild abgeben?

US-Kommentatoren fangen eine Woche vor dem Super-Tuesday, wenn an einem Tag in Alabama 50 Delegierte, in Alaska 28 Delegierte, in Arkansas 40 Delegierte, in Colorado 37 Delegierte, in Georgia 76 Delegierte, Massachusetts 42 Delegierte, in Minnesota 38 Delegierte, in North Dakota 28 Delegierte, in Oklahoma 43 Delegierte, in Tennessee 58 Delegierte, in Texas 155 Delegierte, in Vermont 16 Delegierte, in Virginia 49 Delegierte und in Wyoming 29 Delegierte vergeben werden, an Donald Trump bereits zum Sieger auszurufen.

[…] It's over; Trump is going to be the Republican nominee
[…] The GOP establishment has been wrong at every turn, and Donald Trump has been right. […]  
The establishment doesn't like him because it can't control him. Yet he's the only conservative candidate who stands a chance against Hillary Clinton. The polls may reflect Marco Rubio doing well as a conservative uniter, but no one will hammer Clinton's biggest weakness better than Trump, and that's Clinton fatigue.
[…] Last summer, I gave you five reasons why so many Americans loved Trump and why he would go the distance. Notice, four of the five points cemented his path to the Republican nomination. At the time, the seasoned political commentators and pundits just rolled their eyes at me. Now they're predicting a win.
1. He's real.
2. He doesn't care what you think.
3. Many Americans hate Washington.
4. It's early (null).
5. You want to see him debate.
[…] Not only has he changed the rules, he has upended the hierarchy. […]
He's been 100% consistent since he jumped into the race last summer. He'll tell us he plans to make America great again. He'll remind us that we've got lousy deals with China and Iran. And he'll go on the attack.
[…] The Republican nominee is Donald Trump.

Davon ausgehend, daß Trump wirklich der offizielle Präsidentschaftskandidat wird, stellt sich die nächste Frage:
Irren wir uns vielleicht genauso mit der Einschätzung Trump könne gegen Clinton nicht bestehen wie mit der Annahme, er würde nie nominiert werden?

Wird der wahnsinnige Lügner in einem knappen Jahr der neue US-Präsident sein?

[…] Die Zeiten, in denen man über Donald Trump noch lachen konnte, sind vorbei.
[…]  Es ist an der Zeit, sich ernsthaft mit dem Gedanken zu befassen, dass Donald Trump der Präsidentschaftskandidat der Republikaner in diesem Jahr sein wird.
Nun könnte man meinen, es sei vor allem das Problem der Republikaner, wenn sie einen Mann zu ihrem Kandidaten machen wollen, der die Manieren und das Weltbild eines Komodowarans hat. Doch das wäre zu kurz gedacht. Denn aus dem ersten Fazit folgt ein zweites - ein schreckliches: Wenn Trump der Kandidat für die Präsidentschaftswahl werden kann, dann kann er auch der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden. […]

Wenn es soweit kommt, dazu auch noch Ministerpräsident Orban, Präsidentin Le Pen und ähnliche Typen die NATO bestimmen, können wir den Planeten gleich zumachen.



Dienstag, 23. Februar 2016

Pauschalurteile gegen Bundesländer



Das Titelbild der Mopo von gestern wurde heiß diskutiert, nachdem sich ein medialer Shitstorm über das Bundeslang Sachsen ergossen hatte.


Viele Sachsen wurden in ihrem Nationalstolz getriggert und posteten unverdrossen in den sozialen Netzwerken wie stolz sie auf ihr Bundesland wären.

Man sollte nicht unbedingt erwarten, daß Peginesen und AfDler Arthur Schopenhauer lesen.

"Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen."
 - Parerga und Paralipomena, Aphorismen zur Lebensweisheit, Von dem was einer vorstellt. pp. 360

Natürlich habe ich das hübsche Mopo-Bild auch weiterverbreitet und erntete Kommentare dazu.

Thorsten G:
War der Redakteur besoffen? Sorry... Es ist mit Sicherheit schlimm wie sich manche benommen haben... Keine Frage... Aber jetzt ein Bundesland an den Pranger zu stellen, weil ja ALLE da so rechts orientiert sind, ist meines Erachtens eine Frechheit!!! Wieviele "Anschläge auf Flüchtlinge sind Deutschlandweit verübt worden???? Wieviele zukünftige Flüchtlingsheime sind denn in Schweden in Flammen aufgegangen...

Marek A:
 Sorry, Kommentare wie diese sind ekelhaft und werfen ein zweifelhaftes Bild auf den jeweiligen Autoren.

Michael G:
 Leute wie Sie tragen dazu bei dass die Welt so traurig sein kann wie sie eben manchmal ist... Kriege und Verbrechen... alles Werke von Leuten wie Ihnen die andere nicht Leiden können und ihre erbärmlichen Meinungen anderen unter die Nase reiben müssen.... sie alle sind traurige, verloren Existenzen die so was wie Stolz, Freude, Kameradschaft und dergleichen nur aus Filmen oder Büchern kennen... Leben sie alle ihr Leben, traurig wie es ist, aber lassen sie uns unseres, denn das ist unendlich besser als ihres je sein wird... Beste Grüße aus einem der besten Bundesländer dieses Landes...

Nur weil ich keinen Stolz und keine Kameradschaft empfinde, gibt es Verbrechen und Kriege In der Welt! Ich bin SCHULD! Jetzt wissen wir es.

Michael G:
 Eine Frechheit gegenüber allen Sachsen ... diese Überschrift ist beleidigend und zeugt von null Intelligenz... so was nennt man übrigens Volksverhetzung... Ich dachte nach fast 26 Jahren sind wir ein Land... aber manche werden wohl nie schlauer werden, egal ob ehemals Ost oder West...
Ach so... Ich bin stolz Sachse zu sein.

Was für Zimperliesen!
Natürlich war das Titelbild der Mopo eine Pauschalaussage. Zudem auch noch im wahrsten Sinne des Wortes plakativ.
Es ist aber gerade die Natur von Pauschalaussagen, daß hierbei ein empirischer Eindruck wiedergegeben wird, der natürlich nicht jedes einzelne Individuum betrifft.
Deutsche Männer gehören zu den größten Männern Europas. Untersuchungen zufolge sind Männer in Deutschland im Durchschnitt 180,2 cm groß.
Das bedeutet aber nicht, daß alle Männer hierzulande 180,2 cm groß sind.
Es gibt auch größere und kleinere Menschen zwischen Flensburg und Bodensee.

So ist es bei den Sachsen auch. Es gibt welche, die sich besonders für Flüchtlinge engagieren und es gibt einige, die noch weit rechts von Pegida stehen.
Aber im Durchschnitt, das zeigen nun einmal die vielen Übergriffe, sind sie gewalttätiger und rechter als die Menschen beispielsweise in Hamburg.

Normale Menschen sind fähig zu etwas Selbstironie und machen ihren Gemütszustand nicht davon abhängig, ob satirisch etwas über seine Heimat gesagt wird.

Ich weiß wie es ist als Amerikaner für alle Schwachsinnigkeiten der US-Regierung verantwortlich gemacht zu werden.
Beim besten Willen kann ich keinen Grund erkennen das persönlich zu nehmen.
Es ist doch eine Tatsache, daß GWB 2004 mit Mehrheit gewählt wurde, als er schon der ganzen Irakkriegslügen überführt worden war.
Also sind „die Amerikaner“ schuld.
Der Befund widerspricht nicht der Aussage, daß es auch 59 Millionen Amerikaner gab (darunter ich), die intensiv gegen GWB Wahlkampf gemacht haben und für John Kerry stimmten.

Es gibt nicht „die Amerikaner.“ Auch die größten Amerikahasser von ganz links müssen verstehen, daß die USA riesengroß und heterogen sind.
Verallgemeinernde Aussagen können maximal Momentaufnahmen zu bestimmten Themen sein.
„Die Amerikaner“ waren natürlich scheiße, als sie am 02.11.2004 mit absoluter Mehrheit trotz der illegalen Kriege und Lügen GWBs erneut für ihn stimmten.
Das ist etwas, das ich den Amerikanern auch nicht verzeihen kann.
Denkt man zwei Minuten länger über den damaligen Wahltag nach, lässt sich die Aussage aber auch nicht mehr halten.
Ja, es war ganz schlimm, daß 62 Millionen Menschen, bzw 50,7% der abgegebenen Stimmen auf den Kriegsverbrecher Bush stimmten.
Aber 59 Millionen Amerikaner wollten das auch explizit NICHT und wählten John Kerry.
Betrachtet man die Gesamtzahl der Amerikaner von damals rund 300 Millionen Menschen, waren es sogar nur rund 20% der Amis, die ein Kreuz bei GWB machten.

Wenn solche politischen Stimmungsbilder immer wieder vorkommen, indem zum Beispiel über Dekaden große Mehrheiten der abgegebenen Wahlstimmen auf die CSU entfallen, kann man andererseits „den Bayern“ schon unterstellen, daß sie wissen wofür sie da stimmen und welche Politik sie immer wieder bestätigen.
Da kann man schon mal sauer werden und die Millionen Bayern, die mit der CSU nichts am Hut haben wollen, kurzzeitig vergessen.
Zu viel ist zu viel. Fünf Mal Berlusconi zu wählen, 16 Jahre lang Kohl, ein halbes Jahrhundert CSU, 12 Jahre Merkel, vier Mal Roland Koch, zehn Jahre von Beust, 25 Jahre Sachsen-CDU-Regierung – das lädt dann schon dazu ein, verachtet werden zu wollen.

Als Individuum fühle ich mich genauso wenig beleidigt wenn jemand über meine Nationalität oder die Stadt meckert, in der ich lebe, wie ich umkehrt auch nicht stolz darauf bin und schon gar nicht eine Nation liebe. Da bin ich immer noch bei Gustav Heinemann.

Vorhin grübelte ich wie eigentlich das Antonym zu „Patriotismus“ lautet.
Ich bin nämlich so gar kein Patriot und kann für patriotische oder gar nationale Gefühle (gegenüber Deutschland ODER Amerika) einfach kein Verständnis aufbringen.
Auch das Wort „Stolz“ liegt mir nicht. Insbesondere könnte ich keinen Stolz auf eine Nation empfinden, da ich Stolz immer mit einer eigenen Leistung verbinde.
Was aber ist weniger ein eigener Verdienst als der Zufall wo man geboren wurde?
Wie nennt man aber nun Menschen, die keine Patrioten sind?
Im Zweifelsfall googlen. Eine Internetsuche spuckt folgende Begriffe aus:

Vaterlandsverräter, Fahnenflucht, Verrat, Unzufriedenheit, Untreue, Falschheit, Wankelmut, Unbeständigkeit, Perfidie, Nestbeschmutzer, „Jemand der sich ganz schnell verpissen sollte. Er mag sein Land nämlich nicht“, Landesverräter, Idiot, Zecke,..

Nun bin ich noch unpatriotischer, nachdem ich sehe welche Konnotationen aktiviert  werden, wenn man Menschen nach dem Gegenteil von Patriotismus fragt.
Das Abstoßende am Patriotismus ist also nicht nur das penetrante Sich-mit-fremden-Federn-schmücken, sondern die mehr oder weniger latent damit einhergehende Abwertung anderer Nationen, bzw der Nicht-Patrioten im eigenen Land.
Es stimmt eben, daß die Grenzen vom Patriotismus zum Nationalismus fließend sind und Letzterer ist einer der destruktivsten Ismen, den die Menschheit hervorgebracht hat.

Immer wenn die Patriotismuskarte gespielt wird, folgt etwas Ekelhaftes.

Ich mag ja Hamburg, aber wenn die Hamburger mit 19% Schill wählen, ist das nun einmal nicht schön zu reden.
So etwas muß man eben ertragen.

Die Mehrheit der Sachen wählt seit 25 Jahren CDU und läßt Pegida einfach machen.
Dann muß man sich auch mal dumme Sprüche anhören.

"Jede Nation spottet über die andere, und alle haben Recht."
(Arthur Schopenhauer)

Der Obersache Lutz Bachmann, Hobbyhitler und Pegida-Ikone, mag es überhaupt nicht verspottet zu werden und verklagt jetzt die Mopo.

„Am heutigen 22.02.2016 erstatte ich mit unseren Anwälten Strafanzeige und stelle Bestrafungsantrag und Strafantrag wegen Verdacht auf eine Straftat nach §130 StGb gegen die Hamburger Morgenpost. Eine entsprechende Klageschrift wird gerade ausgearbeitet“, schreibt Bachmann auf Facebook.
Die Linien sind für den Pegida-Chef klar gezogen: Auf der einen Seite die MOPO, deren Mitarbeiter in Bachmannschen Worten "Presstituierte der Moslempost" sind – auf der anderen Seite die aufrechten Sachsen, das "kleine gallische Dorf, welches sich gegen den Irrsinn der Merkelpolitik wehrt." Und der eigentliche Schandfleck? Für Bachmann auf unserem Titel "weiß gekennzeichnet", also das restliche Deutschland. Die Begründung für seine Einordnung? Bleibt Bachmann schuldig.
Dafür teilt er in den Hashtags seines Postings, wie üblich, ordentlich aus: Da wird Bundespräsident Gauck zum „#Bundesgauckler“, Vizekanzler Gabriel zum „#SonderschülerSigmar“, Grünen-Chef Cem Özdemir zum „#MischpokeCem“ und Claudia Roth bekommt den Beinamen „Fatima“.
(HH Mopo, 23.02.16)

„Die Sachsen“ sind weitgehend indolent, lassen die Hassfraktion einfach machen, wählen immer wieder die konservative CDU, die demonstrativ nur gegen links vorgeht und die rechten Hetzer schützt.
Die Sachsen gehen eben nicht massenhaft gegen Pegida auf die Straße.

Da wird man auch kollektiv zur Verantwortung gezogen.

"Pegida-Effekt": Dieses Wort macht gerade in der Dresdner Tourismusbranche die Runde. Es beschreibt eine negative Entwicklung, die viele in Sachsens Landeshauptstadt bereits befürchtet hatten und die nun in Zahlen vorliegt: Dresden ist bei Touristen unbeliebter geworden. Wegen Pegida.
Nach Angaben der Dresden Marketing GmbH sind zum ersten Mal seit sechs Jahren weniger Besucher nach Dresden gekommen. Im vergangenen Jahr seien die Übernachtungen insgesamt um drei Prozent auf 4,3 Millionen zurückgegangen, bei den Ankünften habe es ein Minus von 2,3 Prozent gegeben. Touristen hätten sich bewusst gegen einen Dresden-Besuch enschieden, sagte Geschäftsführerin Bettina Bunge. Sie machte die fremdenfeindlichen Parolen von Pegida dafür verantwortlich. Durch sie habe die Landeshauptstadt an Image eingebüßt.
Semperoper und Zwinger - bei Gästen aus dem Rest Deutschlands ziehen die Publikumsmagnete nur noch bedingt: 2015 sank die Zahl der Übernachtungen deutscher Gäste um 5,1 Prozent auf rund 3,4 Millionen.

Tja, liebe Sachsen.
Diese Sanktionen treffen zwar wie alle Sanktionen auch die Falschen, aber sie sind selbst gemacht.


Montag, 22. Februar 2016

Rechts kurz gedacht



Spannend.
Da die CDU in den Landtagswahlumfragen für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einen klaren Abwärtstrend erlebt, werden Burka-Klöckner und Guido Braun garstig. Sie setzen auf AfD-Politik.
Im verzweifelten Bemühen sich bei den Rechtsradikalen anzubiedern, fallen sie ihrer eigenen Parteichefin voll in den Rücken.
Gab Klöckner bisher nur den Seehofer light, imitiert sie jetzt Frauke Petry.
Anstand geht anders.

Selbst die ganz normale Durchschnittspresse senkt pikiert die Daumen.

 […..] Sie kämpfen gegen den Abwärtstrend - doch die CDU-Wahlkämpfer machen mit ihrem Anti-Merkel-Papier alles nur noch schlimmer. Eine zerstrittene Union mögen konservative Wähler nämlich gar nicht. SPD und Grüne freut's.
[…..] Bei den CDU-Wahlkämpfern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz muss die nackte Panik herrschen. Anders ist das Klöckner-Wolf-Papier vom Wochenende nicht zu erklären. […..] Klöckner und Wolf stellen sich also in ihrer Verzweiflung gegen die Kanzlerin und fordern tagesaktuelle Kontingente. Nicht mehr jeden reinlassen, sondern Geflüchtete verstärkt abweisen. Österreich wird als das leuchtende Vorbild gelobt.
[…..] Dass dieses durchsichtige Wahlkampfmanöver nach hinten losgeht, war abzusehen. Angela Merkel wird die Grenzen nicht dichtmachen. Österreich ein Vorbild? Nicht für die Kanzlerin. […..] Klöckner und Wolf haben nur eins erreicht: Die Union steht wieder einmal als zerstritten da, was konservative Wähler so gar nicht mögen. […..]

Bezeichnend zu sehen wie einig sich SPD-Gabriel und CDU-Kauder, sowie CDU-Altmaier darin sind, diese Vorschläge scharf abzulehnen.

Daß die beiden Süd-CDUler hier etwas fordern, das nicht praktikabel ist und ganz klar von der EU als Unrecht angesehen wird, stört sie nicht.
Aus Angst vorm rechten Mob fordern sie etwas Unmögliches und Kontraproduktives.
Wolf und Klöckner gelten ohnehin als unseriös und haben kein Interesse an Problemlösungen.
Obergrenzen nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz und auch nach EU-Recht illegal?
Macht nichts, Klöckner und Wolf hauen den Vorschlag trotzdem raus.

Die Europäische Kommission betrachtet die von Österreich verfügten Obergrenzen für Flüchtlinge als illegal.
Dies erklärte der für Migration zuständige EU-Kommissar Avramopoulos in Brüssel. Die Österreicher seien dazu verpflichtet, Asylanträge ohne Obergrenze anzunehmen. Er werde dies der Regierung in Wien schriftlich mitteilen, betonte Avramopoulos.

Fun-Fact am Rande:
Die Bertelsmannstiftung hat eine Studie über die Kosten der geschlossenen Grenzen, von denen CDUler und AFDler träumen, erstellen lassen.
 

Ende von Schengen könnte Europa erhebliche Wachstumsverluste bescheren
Unkomplizierter Warenverkehr, schnell ab in den Urlaub oder ein Auslandsstudium – der Schengen-Raum mit seinen offenen Grenzen macht's möglich. Eine Wiedereinführung von Grenzkontrollen würde nicht nur neue Unannehmlichkeiten für die Deutschen mit sich bringen. Wachstum und Wohlstand aller EU-Staaten wären in Gefahr.
Die dauerhafte Wiedereinführung von innereuropäischen Grenzkontrollen würde das wirtschaftliche Wachstum europaweit erheblich hemmen und spürbare Wohlstandsverluste verursachen. Für die gesamte EU wären bis zum Jahr 2025 Wachstumsverluste von 470 Milliarden Euro zu erwarten. Allein Deutschland müsste Verluste von mindestens 77 Milliarden Euro verkraften und auch außerhalb Europas hätte ein Ende von Schengen negative ökonomische Effekte. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. [….]

Und wenn man gerade denkt, dümmer geht es nicht mehr, kommt von irgendwo die JU her.

Guido Wolfs Jungs-CDUler machen sich dafür stark überhaupt keine Ausländer mehr ins Land zu lassen, der keinen Asylgrund oder Schutzstatus vorweisen können.


Einfach in Europa herumreisen?
Nicht mit der CDU!
Naja, in Baden-Württemberg haben sie leicht reden. In Städten wie Heidelberg gibt es ja auch überhaupt keine Touristen. Niemand aus den USA, Japan oder China käme auf die Idee sich die Stadt anzusehen. Auch die Gastwirte Baden-Badens werden sehr froh sein, wenn keine Reisenden aus dem Ausland mehr vorbei kommen.
Das Fremdenverkehrsgewerbe Baden-Württemberg zählt nur gut 49 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Die Mittelständler des Tourismusgewerbes mit ihren rund  200.000 Arbeitsplätzen und 8.000 Ausbildungsplätzen haben sicher nichts dagegen, wenn die CDU Ausländer komplett aus BW fernhält.