Mittwoch, 11. Juni 2014

Kein dritter Käßmann-BILD-Post.



Seit die Top-Plapperistin Käßmann ihre intellektuelle Heimat wieder bei der BILD gefunden hat, läßt es sich trefflich über sie bloggen.

Das unmoralischste Blatt Deutschlands mit der morologischen Ex-Bischöfin. Das ist gewissermaßen die Hochzeit im Himmel.

Sofort legte sie nach und bewies ihre sagenhafte Ahnungslosigkeit, indem sie den Menschen mit psychischen Erkrankungen empfahl lieber beichten zu gehen, als Therapeuten aufzusuchen.
Grandios. Damit unterbot sie selbst ihre eigene Doofheit und stieß weit in den Bereich der Beleidigung und Fahrlässigkeit vor.

Offenbar wild entschlossen ihre beeindruckende Ignoranz jedem zu beweisen, schlug sie sofort den nächsten Pflock ein, indem sie als Hobby-Historikerin debakulierte und den Untergang der „Wilhelm Gustloff“ als Beleg dafür verwendete, daß auch der alliierte Krieg gegen Hitlerdeutschland nicht gerecht gewesen sei.
Eine riesengroße Klatsche ins Gesicht der befreiten KZ-Häftlinge gelang der Käßmann damit ausgerechnet am 70sten Jahrestag des „D-Days.“

Dies sollte eigentlich der Aufhänger für den dritten Teil der „Jetzt wächst zusammen was zusammen gehört“-Reihe über BILD und Kässi werden.

Allerdings müßte ich dazu im Original lesen, wie die umjubelte EX-EKD-Chefin ihre „Kein gerechter Krieg“-These begründet.
Wie kommt sie auf die „Wilhelm Gustloff“?

Wenn Käßmann nicht so fundamental ungebildet und massiv anti-intellektuell wäre, könnte man jetzt annehmen, sie hätte vielleicht Günter Grass‘ „Im Krebsgang“ gelesen. Jene Novelle von 2002, die seit langer Zeit mal wieder zu den Grass-Büchern gehört, welches ich zu Ende gelesen habe.
„Im Krebsgang“ ist definitiv eins seiner besseren Werke, in dem er den Untergang der Gustloff und die bizarren zeitlichen Zusammentreffen diverser Nazi-Eckdaten analysiert.
Solange davon noch keine Comic-Version erschienen ist, halte ich es allerdings für ausgeschlossen, daß sich Margot Käßmann mit dem Stoff beschäftigt.

Ihre steile These kenne ich allerdings nur aus dem Focus Online, der wiederum aus einem Käßmann-Interview in ihrem Hausblatt BILD am Sonntag zitiert.

Da ich mich aber niemals auf Burdas Focus als Quelle verlasse, müßte ich das Original-Interview bei Bild.de lesen.
Wie ich feststellte, handelt es sich dabei um einen „Bild+“-content. Also ein kostenpflichtiges Stück.
Ich hätte dafür 99 Cent zu entrichten und so Leid es mir tut – ich gebe keinen einzigen Cent an Springers BILD!
Hier befindet sich meine moralische Grenze. So etwas tue ich grundsätzlich nicht.

Wie es der Teufel will, lacht sich eben heute BILD-Experte und BILD-Blogger Stefan Niggemeier über die zahlungspflichtigen Springer-Inhalte kaputt.


Wer für exklusive „Bild“-News bezahlt, ist nur zu blöd zum Googeln!
Die Leute von „Bild“ scheinen ernsthaft überzeugt davon zu sein, dass sie im Streit gegen „Focus Online“ und den „Content-Klau“ die Guten sind. Dabei sind sie vor allem: die Blöden.
[….]  Nun gibt es bestimmt Leute, die an dieser Stelle auf die Formulierung „Diesen Artikel gibt es nur bei BILD+“ hereinfallen, das Portemonnaie zücken und zahlen. Paid Content funktioniert hier wie eine Dummen-Steuer: Es bezahlt nur, wer so blöd ist, nicht darauf zu kommen, dass die Enthüllung der „VERTRAGS-SENSATION!“ natürlich an anderer Stelle längst frei im Netz steht. Über eine Suchmaschine finden sich schnell ungezählte Quellen, darunter auch die Online-Ausgabe der „Welt“, die ebenfalls im Springer-Verlag erscheint.
[….] Grundsätzlich kommt nur ein sehr kleiner Anteil der Bild.de-Leser über Google auf die Seite. […]  Es ist aber auch Ausdruck davon, wie ungeschickt sich „Bild“ mit seinen exklusiven Inhalten anstellt und wie blind die Bezahl-Strategie umgesetzt wird.

Diese Piraten-affine Sichtweise erbost nun wiederrum den multimillionenschweren Verlagserben Jakob Augstein.
Wo kämen wir denn dahin, wenn alles umsonst ist und Journalismus gar nichts mehr „wert“ sei?

Stefan Niggemeier macht sich über die Bild-Zeitung lustig, die versucht mit paid-content im Netz Geld zu verdienen. Er schreibt, nur Doofe zahlten Geld, wenn eine exklusive Meldung von BildPlus wenige Minuten später kostenlos über andere Seiten verbreitet wird.
Das ist egoistisch logisch gedacht. Aber auch entmutigend. Denn egal was man von der Bild-Zeitung halten mag - irgendwoher muss das Geld für den Journalismus künftig kommen und eine Pay Wall ist eine mögliche Variante. Allerdings nur wenn genügend große Medien mitmachten und wenn das Trittbrettfahrer-Verhalten von anderen Seiten und von Lesern nicht auch noch ermutigt würde – wie durch solche Artikel ...
(Jakob Augstein via Facebook 11.06.14)

Augstein verteidigt die BILD?
Jener Augstein, der sich im Gegensatz zu seiner intellektuellen Halbschwester Franziska Augstein deutlich für den BILD-Vizechefredakteur Blome als SPIEGEL-Vize aussprach.
Wachsen BILD und SPIEGEL etwa auch zusammen?
 Bisher gehörten sie nicht zusammen.
Ich mag mich aber nicht für die Niggemeier-Sicht entscheiden, da ich den Drang der User alle Informationen umsonst zu bekommen für eine Ursache der inhaltlichen Ausblutung des Printjournalismus‘ halte.
Man spart sich Dokumentare und Quellenüberprüfungen – aus Geldmangel. Und daher sind nun auch längere Geschichten in SPIEGEL oder ZEIT voller Fehler.
Man sollte also unbedingt für guten Journalismus zahlen. Da hat Augstein Recht.
Ich zahle aber genau deswegen eben nicht für die BILD. Denn das ist nicht nur ganz grauenhaft schlechter Journalismus, sondern eigentlich gar kein Journalismus, sondern tumbes politisches Kampagnen-Inszenieren mit dem einzigen Zweck möglichst viel Geld zu verdienen. Dabei geht man über Leichen und hebt rechte Politiker in ihre Ämter, so daß diese wiederum exklusiv der BILD verpflichtet sind.
Das ist Dreck. Abschaum. Auswurf.
Also genau das, wohin Frau Käßmann ganz gut passt.

Petra Sorge, die für den Cicero auch schon beschrieb, wie außerordentlich wohlwollend Merkel im Wahlkampf von fast der gesamten Presse hofiert wurde, widmet sich nun einer Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung, die von Hans-Jürgen Arlt (Professor Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin) und Wolfgang Storz (Sozialwissenschaftler, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau) durchgeführt wurde.
Die gesamte Studie ist übrigens frei zugänglich; also kostenlos als gedrucktes Exemplar bestellbar und als pdf-download verfügbar.
Wer beispielsweise Niggemeier und/oder den BILD-Blog kennt, wundert sich wenig über die Ergebnisse.

[…] Dass Selbstvermarktung, Willkür und Gewinnmaximierung so etwas wie die DNA der Springer-Produkte sind, behauptet die Studie „Missbrauchte Politik“ der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. […] Im Wahlkampf hieß das zunächst: Parteilichkeit. Während Angela Merkel von Bild und BamS demnach „hofiert“ wurde, wurde Peer Steinbrück durchgängig als Verlierer und Lachnummer dargestellt. Entsprechend der konservativ-liberalen Weltanschauung behandelten die Springer-Zeitungen Union und FDP wohlwollend bis euphorisch, die Grünen nahezu feindselig. […] Die Befunde sind schlagkräftig. So erschien die Bundeskanzlerin als Mensch, meist „gut gelaunt“ und „verständnisvoll“, sogar „umjubelt“. Die Bild machte ihre „Schlandkette“ – die schwarz-rot-goldene Halskette, die sie im TV-Duell trug – zum Symbol. Die 130 Beiträge, die im Untersuchungszeitraum über Merkel veröffentlicht wurden, griffen Kritik entweder gar nicht auf oder nur, um sie zurückzuweisen. Mitunter wurden Ereignisse im Fall Merkel so dargestellt, „dass sie das Image des Blattes und das politische Wohlergehen der Kanzlerin fördern“. […] Auch im NSA-Skandal habe es die Bild versäumt, hart nachzuhaken. Als die Kanzlerin für ihre Aussage, das Internet sei für alle noch Neuland, einen Shitstorm erntete, sprang die BamS ihr zur Seite: Als „dumpfes Stammtischgedröhn“ qualifizierte ein Kommentator die Kritik im Netz (23.6.2013) ab. In einem anderen Artikel bewertete die Bild die Aussagen des damaligen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium positiv: sein Auftritt sei ein „entschlossener“ gewesen, und nach Bild-Interpretation „widerlegte“ er dort den Vorwurf der millionenfachen Ausspähung der Deutschen (13.8.2013).
[…] Peer Steinbrück hatte dagegen keine Chance. Im Mittelpunkt standen die „Pleiten, Pech und Pannen“ des SPD-Kanzlerkandidats – sein Glühbirnen-Bunker, die Putzfrau-Erpressung oder der Stinkefinger, der sich in der Bild zum Hit und Leitmotto entwickelte: Von insgesamt 94 Steinbrück-Fotos zeigen ihn 18 mit der legendären Geste aus dem SZ-Magazin. […]  Die Berichterstattung über die FDP ist „sympathisierend“, es fällt kaum ein böses Wort. [….]
Während die Linke, vor allem aber die AfD regelrecht ignoriert wurden – die Autoren vermuten hier, dass Bild und BamS nicht ihre eigenen, möglicherweise AfD-affinen Leser verprellen wollten – wurden die Grünen heftig kritisiert. Bis auf einen Namensbeitrag Cem Özdemirs sei die Partei „ausschließlich in negativen Zusammenhängen erwähnt“ worden. Teilweise habe es sogar „denunziatorische Grauzonen“ gegeben. Stichworte waren hier die „Kindersex“-Affäre und die „Verbots-Partei“: eine Bild-Erfindung, die auf einem geschickten Wahlkampfmanöver des CDU-Politikers Michael Fuchs basierte. Am 17. Juli erschien seine Verbotsliste unter dem Titel: „Was uns Trittin & Co. alles verbieten wollen“. [….] Brutal auch die Urteile gegen das grüne Spitzen-Personal: Volker Beck wurde zum „Verlierer des Tages“. Katrin Göring-Eckardt musste sich – anders als bei den Spitzenkandidaten-Interviews anderer Parteien – gegen ihren Willen hartnäckige Fragen nach ihrem Privatleben gefallen lassen. Und in „Post von Wagner“ wurde Jürgen Trittin als „Besserwisser“, „Egomane“ und „verbissener, furchtbarer, ideologischer Mann“ abqualifiziert. [….]

Es bleibt außerordentlich erbärmlich, daß die geistig und geistlich leichtgewichtige Margot Käßmann sich diesem Blatt zur Verfügung stellt.
Möglicherweise versucht sie sich an der Aufgabe sogar noch Franz-Josef Wagner intellektuell zu unterbieten.

Dienstag, 10. Juni 2014

Atheismus als Religion.


Es ist nun schon über einen Monat her, daß ich über das religiotisch verflachte Gefasel der ZEIT so in Rage geriet, daß ich in einem 12-seitigen, eng bedruckten Brief mein Abo kündigte.

Die ZEIT bestätigte mir den Eingang des Schreibens, reagierte aber dann die nächsten vier Wochen nicht.

……  Als Textchefin und Leserbriefbeauftragte der ZEIT freue ich mich, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, sich mit unserer Arbeit auseinanderzusetzen. Kritik und Lob sind uns gleichermaßen willkommen – denn nur so können wir für Sie das bestmögliche Blatt machen.
Sie können versichert sein, dass wir Ihre Zeilen aufmerksam lesen werden. Geben Sie uns dazu nur bitte ein wenig Zeit, denn inzwischen erreichen uns – online, per Mail oder ganz klassisch – per Brief monatlich mehrere Tausend Leserbotschaften. Und in der Regel arbeiten all die, die am Entstehen einer Ausgabe beteiligt gewesen sind, längst an der nächsten, wenn die ersten Reaktionen bei mir eintreffen...
Es grüßt Sie derweil herzlich aus Hamburg
Anna von Münchhausen
Textchefin/Redaktion
(ZEIT 12.05.14)

Daß die gute Frau „von Münchhausen“ heißt, passt gut mit meiner Erwartungshaltung bezüglich einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit meinen Anmerkungen zusammen.

(Und da Ironie ohne große Warnschilder manchmal nicht erkannt wird:
Nein, ich rechne NICHT damit, daß der Chefredakteur einer großen Wochenzeitung mit über 500.000 Auflage persönlich meinen Brief liest und womöglich gar die Ausrichtung seines Blattes deswegen ändert!)

Betrachtet man DIE ZEIT unter religiotischen Gesichtspunkten, ist sie in den letzten Wochen sogar noch extremer geworden.

In der aktuellsten ZEIT-Ausgabe ist die Rubrik „Glauben und Zweifeln“ übrigens mal wieder auf den doppelten Umfang ausgedehnt worden. Nur das „Zweifeln“ hat di Lorenzo  - wie üblich – vergessen.
Zunächst gibt es ein Interview mit Leonardo Kardinal Sandri, der aber nicht etwa korrekt in der Form „(Vorname) Kardinal (Nachname)“ beschrieben wird, sondern tumb Kardinal Leonardo Sandri genannt wird.
Aber das kennen wir ja vom „klugen“ die Lorenzo – seine Kirchenbejublungsseiten strotzen vor Fehlern.
Außer dem äußerst untertänig geführten Kardinal-Interview gibt es noch einen Aufsatz von stramm Papst-treuen Chef der Katholischen Nachrichten Agentur (KNA) Ludwig Ring-Eifel und schließlich eine ganze weitere Seite voll des Lobes über Papst Franzens Nahost-Reise.

Die Pfingstausgabe titelte sogar durch und durch fromm und widmete gleich drei ganze Seiten dem Kirchismus.
Verpackt in die scheinbar kritische Überschrift „Suche Segen ohne Gott“ berichten am 05.06.14 die stramm christliche Chefin Evelyn Finger und ihre Kollegen über die segensreiche Wirkung von christlichen Ritualen, nach denen sich angeblich auch Atheisten vor Sehnsucht gieren.

Der fromme Giovanni di Lorenzo bejubelt die Renaissance der religiösen Rituale.

Suche Segen ohne Gott: Immer mehr Menschen feiern Taufen Hochzeiten und Begräbnisse jenseits der Kirche. Manchmal helfen sogar Pfarrer mit. Ein Blick in die neue ZEIT-Ausgabe….

Nur zwei Tage später am  Samstag, den 07.06.14 erschien, vorgezogen durch Pfingsten der neue SPIEGEL mit der Titelgeschichte „Ist da jemand? Die Zukunft der Religion: Glaube ohne Gott.“

Wenn plötzlich mehrere große Periodika mit derselben Geschichte titeln, haben sie in der Regel einen gemeinsamen Anlass.
Diesmal war es aber nicht das Datum der Ausgießung des HeiGei (08.06.2014 & 09.06.2014), sondern das posthum erschienene Buch des Philosophen Ronald Dworkin, der sich an eine Art Synthese zwischen Atheismus und Religiotismus macht.


Natürlich sind alle Religioten, die sich gar fürchterlich über das Schrumpfen des deutschen Kirchismus grämen, schwer begeistert von der These. Atheisten sind in Wahrheit eigentlich auch religiös. Ätschi!
Badde, Englisch, Keller, Finger, Kässmann, Spaemann, Mosebach, Lohmann, Matussek, Hahne und Co, die seit vielen Jahren trotz des pausenlosen Schlagens der Werbetrommel hilflos der Abkehr vom Christentum zusehen mußten, haben endlich einen Ausweg.

Die naheliegenden Gründe für die Abkehr vom Christentum kommt den Frommen leider nicht in den Sinn:

1.) Ihr Ideologie ist antihumanistischer Mist
2.) Sie schreiben lahm und langweilig.

Deutsches Christentum 2014 ist leider weitgehend unerträglich, wenn man sein Hirn nicht komplett abgeschaltet hat.


Buchbesprechung Andreas Englisch: "Franziskus. Zeichen der Hoffnung"
Auch in seinem neuen, bestenfalls eine wirre Anekdotensammlung zu nennenden Machwerk verwechselt der Boulevardschreiber Andreas Englisch sein unappetitliches Schnüffeln am Rock des neuen und des alten Papstes mit Journalismus.


Andreas Englisch: "Franziskus – Zeichen der Hoffnung"
Wie schwer es ist zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt, lässt sich aus diesem sagenhaft zusammengestoppelten Machwerk des gläubigen Vatikan-Hofberichterstatters Andreas Englisch erkennen. "'Wisst ihr denn auch, warum kein Mensch einen Reporter braucht'", lässt er darin Papst Benedikt 16. einen ihn begleitenden Journalistentross fragen und auch sogleich die Antwort geben: "'Weil vor 2000 Jahren genau hier am Berg der Seligpreisungen ein Mann stand, der gesagt hat, Selig sind die Barmherzigen … Kein Reporter hat damals mitgeschrieben, und doch hat die Zeit dieses Wort nicht auslöschen können.' … Als er das sagte, dachte ich, er hat recht." Leider hat Andreas Englisch daraus die Konsequenz gezogen und hat von Reporter auf Apostel umgesattelt.

Üblicherweise schreibt der SPIEGEL wesentlich bessere Artikel über Religion als die ZEIT. Das kann sehr kurzweilig zu lesen sein, wenn beispielsweise Peter Wensierski der Autor ist.
Zumal Matthias Matussek nun zu seinen Freunden von der stramm rechten WELT gewechselt ist.

Um es vorweg zu nehmen: Diesmal ist das leider überhaupt nicht gelungen.
Man hätte schon allein deswegen skeptisch sein müssen, weil zur Titelgeschichte ein zweiseitiges Interview mit dem ultrafundamentalistischen Topreligioten Robert Spaemann gehört, der sich spätestens mit seinen blind hetzenden Hassattacken gegen Konfessionslose während der Beschneidungsdebatte als ernstzunehmender Philosoph endgültig disqualifizierte.


Als Christ des Tages Nummer 64 ist Spaemann immer wieder durch groteske Verwünschungen aufgefallen.
Wieso Spiegel-Autor Roman Leick ein devotes Interview mit ihm im Zusammenhang mit der Titelgeschichte führen durfte wird wohl das ewige Geheimnis des neuen Chefredakteurs Wolfgang Büchner sein.

Roman Leick ist zusammen mit Susanne Beyer auch der Autor der Titelstory, die sich wesentlich am Pastor Johann Hinrich Claussen aus Hamburg Harvestehude und eben Ronald Dworkins Buch „Religion ohne Gott“ orientiert.

Für diejenigen, die sich noch nicht mit Dworkin beschäftigt haben, sei auf die Buchkritik von Thomas Assheuer verwiesen. Assheuer berichtet wohlwollend über Dworkin, zeigt aber auch die eklatanten Schwächen des Buches auf.

Hauptkritikpunkt ist die mangelnde Allgemeingültigkeit des Dworkin-Ansatzes. Er argumentiert aus einer sehr amerikanischen Perspektive und hat die dortigen Ausprägungen der alltäglichen Volksfrömmigkeit vor Augen.

Hätte George W. Bush die Al-Kaida-Terroristen nicht foltern lassen, wenn er zuvor Religion ohne Gott gelesen hätte? Würden Islamisten, die ihre Religion zur Waffe machen, sich beim Blick in den Sternenhimmel mit Andersgläubigen verständigen können? Natürlich nicht, aber vermutlich hatte Dworkin eher jenen geistigen Bürgerkrieg in den USA im Blick, in dem liberale Atheisten und konservative Evangelikale sich wechselseitig den Teufel an den Hals wünschen. Dworkin ist jedenfalls die Bestürzung über den heillosen Streit um das Heil anzumerken, dieser scheint sogar seine Theorie des Liberalismus zu verdunkeln.


Leick und Beyer haben offensichtlich auch Assheuer gelesen. Aber ob sie Dworkin richtig verstanden haben, ist mehr als fraglich.

Dessen Thesen be- oder widerlegen sie nicht, sondern setzen sie einfach voraus.
Ein Atheist muß laut der SPIEGEL-Titelgeschichte frustriert davon sein, daß seine Weltsicht so gar keinen Platz für Schönheit und „Erhabenes“ hat. Deswegen sehnt er sich nach Metaphysik.
So einfach ist das.
Als Beleg wird die seit Jahren immer wieder zitierte Bertelsmannstudie herangezogen, nach der große Teile der Gesellschaft religiös sind – auch wenn sie aus der Kirche ausgetreten sind.
Es handelt sich um jene methodisch fragwürdige Studie, in der Interesse am Phänomen Religion mit Religiosität verwechselt wird. Schon Michael Schmidt-Salomon beklagte sich, daß er nach Ausfüllen des Bertelsmann-Fragebogens als hochreligiös gezählt wurde.

Leick und Beyer nehmen es aber nicht so genau mit der Wissenschaft und versteigen sich sogar zu der abstrusen Aussage die Naturwissenschaften wendeten sich von der reinen Vernunft ab, da sie erkannt hätten wie viele „Irrationalismen“ (Laut Dworkin also letztendlich auch „religiöse Phänomene“) die Rationalität bestimmten.
Das, Entschuldigung lieber SPIEGEL, ist natürlich blanker Unsinn.

Vollends grotesk werden Leick und Beyer aber erst, wenn sie Nichtgläubigen ohne überzeugende Herleitung einfach als „religiös“ abstempeln, indem sie ihnen andichten sich unerfüllt zu fühlen. Sie hätten „ein Problem.“

So haben nicht nur die Christen zu kämpfen mit den Zumutungen ihres Glaubens, auch Atheisten haben ein Problem: Die Ratio absolut zu setzen, das funktioniert nicht mehr. [….] Die Rationalität fordert ihr Recht, aber eben auch das Gefühl. Niemand will in einer total entzauberten Welt leben. Außerdem lauert in der Gottlosigkeit, so haben es schon viele Dichter und Denker gesehen, allen voran Friedrich Nietzsche und Fjodor Dostojewski, der Nihilismus, die totale Verneinung. Eine Gesellschaft aber kann nicht auf Nihilismus bauen, sie braucht verbindliche Werte, Menschen, die eine Einsicht haben in die Notwendigkeit ethischen Verhaltens. Wenn also Gläubige Schwierigkeiten haben mit der überkommenen Bilderwelt und Atheisten den drohenden Nihilismus fürchten, könnte eine „Religion ohne Gott“, über die Claussen in seiner Predigt nachdenken will, ein gemeinsamer Nenner sein, auf den sich Theisten und Atheisten einigen. […] Fordern nicht der Glaube und der Unglaube ein Bekenntnis und auch die gegenseitige Konfrontation, damit sich die jeweiligen Positionen schärfen und weiterentwickeln können?
(DER SPIEGEL 24/2014 s.61)

Was für ein Unsinn. Hier sprechen Religiöse, die sich nicht aus ihrer eingeschränkten Weltsicht lösen können.
Wer nicht metaphysisch tickt, fürchtet sich vor Nihilismus und betreibt totale Verneinung.
Geradezu absurd, daß dem Unglauben „ein Bekenntnis“ abverlangt wird.
Hier dringt die uralte Mär von den Atheisten ohne Werte durch.
Dabei ist es genau umgekehrt.
Unsere Menschenrechte wurden weitgehend gegen den erbitterten Widerstand der Religionen erkämpft.

Und nur weil ein Atheist nicht an das Hirngespinst „Gott“ glaubt, ist er deswegen kein bißchen emotional oder ethisch eingeschränkt. Ganz im Gegenteil; erst der „evolutionäre Humanismus“ befähigt zu einer Ethik ohne religiöse Beschränkungen.
Und schon gar nicht bedeutet Rationalität den Ausschluß von Kunst.
Kunst gibt dem Atheisten Empfindungen, Emotionen und die Erhabenheit, die sich die SPIEGEL-Autoren in ihrer verengten Sicht der Dinge offenbar nicht ohne Religion vorstellen können.

Aber es wird noch schlimmer.

Wenn man Dworkin folgt, gibt es für Gottesgläubige und Ungläubige, für Theisten und Atheisten, keinen Grund, einander zu bekämpfen. Sie wären wahlweise in einem religiösen oder allgemeinen Humanismus vereint. Der säkulare Humanismus wäre selbst eine Spielart der Religion, weil er auch ein Glaube ist: eben an diese unveräußerlichen Werte, an deren Wahrheit, Gültigkeit.
(DER SPIEGEL 24/2014 s.62)

Der SPIEGEL deutet den Humanismus säkularer Prägung also zu einer „Spielart der Religion“ um, obwohl es gerade die Religion war, die den Humanisten über Jahrhunderte feindselig gegenüber stand. Noch heute sind es die Religiösen, die sich in erster Linie gegen Frauen- oder Schwulenrechte, also HUMANISTISCHE Anliegen wehren.

Über die letzten Zitate Leicks und Beyers möge man sich allein weiter ärgern. Atheisten und Wissenschaftler kämen ob ihrer Eingeschränktheit an Grenzen und da beträten sie automatisch die religiöse Welt.
Es erübrigt sich ob der offensichtlichen Idiotie ein Kommentar.

Die Entzauberung der Welt durch die Wissenschaft, die Technik und die Rationalität ist eine geistige Leistung. Der reduktionistische Materialismus greift zu kurz.  Das menschliche Denken, die Erkenntnisfähigkeit, bleibt in sich selbst gefangen. So hat der Geist aber keinen Ausdruck für das, was dem Menschen immer wieder begegnet: die Erfahrung des Erhabenen. Diese Erfahrung ist eine des Gefühls. Und hier beginnt die religiöse Dimension. […]
Der Blick auf die Schönheit des Universums ist ein unwissenschaftlicher Blick – und insofern ein religiöser. Die Physik kann selbst nicht erklären, warum das Universum als schön erkannt wird. Das religiöse Empfinden bleibt der Erklärung der Wissenschaft einen Schritt voraus.
[….] Was Unsterblichkeit, das Leben nach dem Tod, wirklich bedeutet, lässt sich ausmalen, aber nicht ernsthaft denken. Dennoch ist es ein attraktives Angebot derjenigen Religionen, etwa des Christentums und des Islam, die es verheißen. Es nimmt die Furcht vor dem Nichts, der vollständigen Auslöschung.
(DER SPIEGEL 24/2014 s.63)

Oh Dear. SPIEGEL goes Finger. Wenn nicht sogar Englisch.


Montag, 9. Juni 2014

Gute Neuigkeiten für Obama.



Es ist gerade mal zehn Tage her, da hatte ich noch von sehr schlechten Neuigkeiten für Obama orakelt, da aus Amerika ernste Anzeichen kamen, daß sich die Republikanischen Rudimente mit Resthirn regenerieren könnten und die Irrsten der irren Teebeutler bei der Kandidatenaufstellung für die diesjährigen Zwischenwahlen aussortieren.

Das einzig Gute der Teeparty ist also bizarrerweise, daß sie durch ihren unbändigen Hass auf Obama (also diesen Neger aus Afrika, jedenfalls kein echter Amerikaner, zudem auch noch schwul, muslimisch und atheistisch. Versucht von purem Antiamerikanismus getrieben das Land durch Sozialismus zu zerstören!) zu seinen effektivsten Wahlhelfern wurden.
Aus Sicht der demokratischen Wahlkampfstrategen ist der Aufstieg der Teebeutler ein Gottesgeschenk. Man selbst kann gemütlich weiter vor sich hin stümpern und gewinnt am Ende doch wieder die Präsidentschaftswahlen, weil die Demographie für einen arbeitet:
Amerika wird bunter und kulturell vielfältiger.
Die WASPs (White Anglo-Saxon Protestant) werden weniger und Latinos, Schwarze und Asiaten werden von den GOPern so angefeindet, daß sie in ihrer übergroßen Mehrheit immer die Demokraten wählen.
Erstaunlicherweise gibt es aber selbst bei den Republikanern noch Restverstand.
Alte rechte Washingtoner Strategen, die sich darüber ärgern trotz der unterirdischen Obama-Performance in der Opposition zu sitzen.
Sie nutzen jetzt das Big Money und versuchen in einer großen Kraftanstrengung bei den innerparteilichen Vorwahlen die Irrsten der Irren loszuwerden.
Je besser ihnen das gelingt, desto schlechter für die Demokraten.

[…]  Mitch McConnell, 72, ist seit drei Jahrzehnten US-Senator in Washington, er ist der Anführer der Republikaner im Senat, und er möchte all das auch nach der Parlamentswahl im Herbst noch bleiben. In den Vorwahlen der republikanischen Partei hat ihn zuletzt der wesentlich jüngere Unternehmer Matt Bevin herausgefordert, ein erzkonservativer Anhänger der Tea Party. […] Am Dienstag in der Vorwahl hat McConnell seinen jugendlichen Widersacher nun mit 60 zu 35 Prozent der Stimmen geschlagen. […] Es ist nun ein Sieg des alten Washington, jedenfalls der Alteingesessenen in Washington.[…]
In anderen Staaten gingen die Vorwahlen am Dienstag ganz ähnlich aus. In Idaho setzte sich ein langjähriger Abgeordneter gegen einen rechten Herausforderer durch, ebenso in Pennsylvania. In Georgia wird eine Stichwahl entscheiden, welcher Republikaner für den Senat kandidieren darf, aber die beiden Tea-Party-Bewerber sind am Dienstag bereits ausgeschieden.
[…] Für Präsident Barack Obama und seine demokratischen Parteifreunde ist dies ein schlechtes Ergebnis. Sie hatten auf Erfolge der rechten Amateure gehofft, weil es leichter gewesen wäre, diese bei der Hauptwahl im November zu schlagen. Stattdessen müssen die Demokraten nun gegen erfahrene Republikaner antreten, die diszipliniert, gut vernetzt und finanziell bestens ausgestattet sind. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Demokraten in einem halben Jahr ihre Mehrheit im Senat, der zweiten Parlamentskammer, verlieren. Das Abgeordnetenhaus wird ohnehin in republikanischer Hand bleiben. Für Obama bedeutet das, dass er ab Ende des Jahres womöglich keine Machtbasis mehr besitzt im US-Kongress. Er würde damit, zwei Jahre vor dem Ende seiner Amtszeit, endgültig zu einer "lahmen Ente".  […]

Mangels eigener Erfolge bleibt den Demokraten nun nur noch die Merkelsche Strategie der asymmetrischen Demobilisierung. Sie müssen hoffen, daß mit einem weniger polarisierenden Wahlkampf die rabiaten FOX-Glotzer der republikanischen Basis aus Enttäuschung über die aus ihrer Sicht zu moderaten eigenen Kandidaten zu Hause bleiben.

Heute kann ich glücklicherweise erst einmal Entwarnung geben.
Auf Staats- und Bundesebene zeigt sich die GOP inzwischen wieder als die völlig geisteskranke Intellektuellen-feindliche und Realitäts-negierende Fanatikerpartei, die mit stupiden Parolen aus dem 19. Jahrhundert an den Wähler heran tritt.

Im Staat Virginia will der demokratische Gouverneur Gov. Terry McAuliffe 400.000 armen Amerikanern mit Obama-Care eine Krankenversicherung zugänglich machen.
Die GOPer Mehrheit im „House“ von Virgina versucht das mit allen Mitteln zu blockieren. Sich um Kranke und Bedürftige zu kümmern verabscheuen die frommen GOPer Christen mehr als Tod und Teufel.

The Republican-dominated House of Delegates refuses to pass a budget with the policy because, well, they have an irrational hatred of “Obamacare.” The state Senate, meanwhile, is evenly split, with 20 Democrats and 20 Republicans, and is siding with the governor on the issue.

Getrieben von fanatischem Wahn nur für die Milliardäre und gegen das einfache Volk zu arbeiten, kauften die Republikaner nun sogar einen der Senatoren. Sie bewegten Phillip P. Puckett  zum Rücktritt, indem sie ihm und seiner Tochter hochbezahlte Jobs zuschanzten dafür, daß er zurücktrat und damit eine 20:19-Stimmenmehrheit der GOPer im Senat von Virginia entstand.

Währenddessen dreht der einst unfassbarerweise als „gemäßigt“ geltende GOP-Bundessenator McCain, also jener Ex-Präsidentschaftskandidat, der Sarah Palin als US-Vizepräsidenten vorschlug, immer mehr durch.

Wie ein Choleriker auf Speed bepöbelte er jetzt Obama für den Gefangenaustausch des „Prisoner of war“ (POW) Army Sgt. Bowe Bergdahl, obwohl er selbst einst POW war und Obama noch vor wenigen Monaten selbst vorschlug genau das zu tun. Nachdem das Weiße Haus nun diesen McCain-Plan umsetzte, drehte sich der wahnsinnige GOPer um 180°.


Er befolgt damit die wichtigste Regel der Republikaner: Obstruktion um jeden Preis! Selbst wenn Obama exakt das tut, was die Republikaner verlangen, ist es deswegen falsch, weil er Obama ist.

 The Republican senator, a little too eager to condemn the Obama White House, complained about the prisoner swap that freed an American POW despite having already endorsed the exact same plan a few months prior. After getting caught, McCain falsely accused his critics of “lying.”
 Making matters slightly worse, the Arizona lawmaker, himself a former POW, complained to the media that he hadn’t learned anything from a classified briefing on Bowe Bergdahl’s release, neglecting to mention that he’d left in the middle of it.
[…]    McCain added, in reference to the Bergdahl prisoner-swap, “I wouldn’t release these men, not these men. They were evaluated and judged as too great a risk to release.”
 That’s wrong, too. In fact, the former chief military prosecutor at Guantanamo Bay told msnbc’s Alex Witt over the weekend that at first he didn’t even recognize these detainees’ names. “To trade five of them for a U.S. service member, in my estimation, and I’m often critical of President [Barack] Obama, I think they struck a pretty good deal,” retired Air Force Col. Morris Davis said.
 What’s more, just a few months ago, McCain personally endorsed the plan to transfer these exact same Taliban prisoners. When he says he wouldn’t have completed the swap for “these men,” he’s neglecting to mention that he’d already expressed public support for swapping “these men.” […]


Unterdessen macht sich auch die Partei insgesamt lächerlich, indem sie nun die einhellig von allen seriösen Wissenschaftlern als gefährlichen Humbug angesehene „Homo-Heilung“ ernsthaft zum Programmpunkt macht.

Die Republikaner im US-Bundesstaat Texas wollen Schwule und Lesben mit psychologischen Therapien "heilen". Die knapp 10.000 Parteimitglieder nahmen den Punkt bei ihrer jährlichen Versammlung in Fort Worth ins Parteiprogramm auf, berichtete CNN.
Das geplante psychotherapeutische Programm erkennt eine "wiedergutmachende Therapie und Behandlung" für alle Patienten als rechtmäßig und effektiv an, die "nach Heilung und Ganzheit ihres homosexuellen Lebensstils streben". Kein Gesetz und keine Anordnung dürfe den Zugang dazu behindern.
"Ich glaube nicht, dass Homosexuelle schwul geboren werden", sagte die federführende Republikanerin Cathie Adams CNN. "Niemand kann seine Hautfarbe oder seinen Geburtsort ändern, aber der Lebensstil kann in jedem Fall gewählt werden", so Adams.   [….]

Einmal mehr geht der Fanatismus mit diesen Menschenhassern durch.
Denn längst gibt es auch in Amerika eine klare Mehrheit für die Akzeptanz von Schwulen und Lesben.

Solange die GOPer sich derart FOX-fanatisiert selbst ins Abseits schieben, haben die underachiever von der Demokratischen Partei noch alle Chancen bei der nächsten Wahl.